Heidelberg Catechism

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Catechismus Heidelberg: Mayer, 1576 German
Catechismus Kassel, 1749 German
I. LECTIO. Der 1. Sontag.
1
[1]Was ist dein einiger Trost in leben vnd in sterben?

Daß ich mit Leib vnnd Seel, beyde in leben vnnd in sterbena nicht meinb, sonder meines getrewen Heylands Jesu CHristi eigen binc, der mit seinem thewren Blutd für alle meine Sünden vollkömlich bezalete, vnd mich auß allem gewalt deß Teuffels erlöset hatf, vnd also bewaretg, daß one den willen meines Vatters im Himmel kein haar von meinem haupt kan fallenh, ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen mußi. Darumb er mich auch durch seinen heiligen Geist deß ewigen Lebens versichertk, vnd im forthin zuleben von Hertzen willig vnd bereit macht.l
  • a. Cor. 6. versu. 19
  • b. Ro. 14. 8
  • c. 1. Cor. 3. 16. 23
  • d. 1. Pet. 1. 19
  • e. 1. Ioha. 1. 7 & 2. 2
  • f. 1. Ioh. 3. 8. Heb. 14
  • g. Ioh. 6. 39
  • h. Matt. 10. 30. Lu. 21. 18
  • i. Ro. 8. 28
  • k. 2. Cor. 1. 22. & 5. 5
  • l. Ro. 8. 14
1
[1]Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?

Daß ich mit Leib und Seel, beydes im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heylandes JEsu Christi eigen bin, der mit seinem theuren Blut für alle meine Sünde vollkömmlich bezahlet, und mich aus aller Gewalt des Teuffels erlöset hat, und also bewahret, daß ohne den Willen meines Vatters im Himmel, kein Haar von meinem Haupt kan fallen, ja auch mir alles zu meiner Seeligkeit dienen mus. Darum er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert, und ihm forthin zu leben von Hertzen willig und bereit macht.
2
Wieuiel stück seind dir nötig zuwissen, daß du in diesem trost seliglich leben vnd sterben mögest?

[2]Drey stücka. Erstlich wie groß meine Sünd vnd elend seyenb. Zum andern, wie ich von allen meinen Sünden vnnd elend erlöset werdec. Vnnd zum dritten, wie ich GOtt für solche erlösung sol danckbar sein.d
  • a. Lu. 24. 47 1. Cor. 6. 11 Tim. 3. & 4. 5
  • b. Ioh. 6. 41
  • c. Ioh. 17. 3
  • d. Eph. 5. 10. 1. Pet. 2. Rom. 6
2
Wie viel Stück sind dir nöthig zu wissen, daß du in diesem Trost seeliglich leben und sterben mögest?

Drey Stück: Erstlich, wie groß meine Sünde und Elend seyen. Zum andern, wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöset werde. Und zum dritten, wie ich GOTT für solche Erlösung soll danckbar seyn.
Der erste theil. Von deß Menschen elend.
Der erste Theil, Von des Menschen Elend.
Der 2. Sontag.
3
Woher erkennestu dein elend?

Auß dem Gesetz Gottes.e
  • e. Rom. 3. 20
3
[2]Woher erkennest du dein Elend?

Aus dem Gesetz GOttes.
4
Was erfordert denn das Göttlich Gesetz von vns?

Diß lehret vns CHRistus in einer Summa, Matth am 22. Du solt lieben Gott deinen Herrn, von gantzem Hertzen, von gantzer Seelen, von gantzem Gemüt, vnd allen Kräff[3]ten, Diß ist das fürnemmeste vnd das gröste Gebott: Das ander aber ist dem gleich, Du solt deinen Nechsten lieben als dich selbs. In diesen zweyen Gebotten hanget das gantze Gesetz vnd die Propheten.a
  • a. Luc. 10. 27
4
Was erfordert dann das göttliche Gesetz von uns?

Diß lehret uns Christus in einer Summa, Matth. 22. v. 37 Du solt lieben GOtt deinen HErrn von gantzem Hertzen, von gantzer Seelen, von gantzem Gemüht, und allen Kräfften: Diß ist das fürnehmste und gröste Gebott. Das ander aber ist dem gleich: Du solt deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweyen Geboten hanget das gantze Gesetz und die Propheten.
5
Kanstu diß alles vollkömlich halten?

Neinb: denn ich bin von natur geneigt GOtt vnnd meinen Nechsten zu hassen.c
  • b. Ro. 3. 20. 1. Ioh. 1. 8
  • c. Rom. 7. 8. Ephes. 2. 3
5
Kanst du diß alles vollkömmlich halten?

Nein: Dann ich bin von Natur geneigt GOtt und meinen Nächsten zu hassen.
Der 3. Sontag.
6
Hat denn Gott den Menschen also böß vnd verkert erschaffen?

Neind: sonder Gott hat den Menschen gut, vnd nach seinem Ebenbild erschaffene, das ist, in warhafftiger Gerechtigkeit vnnd Heiligkeit, auff daß er Gott seinen Schöpffer recht erkennte, vnd von Hertzen liebte, vnnd in ewiger selig[4]keit mit jm lebte, jn zu loben, vnd zu preisen.a
  • d. Gen. 1. 31
  • e. Gen. 1. 26
  • a. 2. Cor. 3. 18. Col. 3. 10. Eph. 4. 24
6
Hat dann GOtt den Menschen also bös und verkehrt erschaffen?

Nein: Sondern GOtt hat den Menschen gut, und nach seinem Ebenbild erschaffen, das ist, in wahrhafftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf daß er GOtt seinen Schöpffer recht erkennete, und von Hertzen liebte, und in ewiger Seeligkeit mit ihm lebte, ihn zu loben und zu preisen.
7
Woher kompt denn solche verderbte art deß Menschen?

Auß dem fall vnd vngehorsam vnser ersten Eltern Adams vnnd Euen im Paradeißb, da vnser Natur also vergifftet worden, daß wir alle in Sünden empfangen vnd geboren werden.c
  • b. Genes. 3. Rom. 5. 12 18. 19
  • c. Psal. 51. 7. Gen. 5. 3
7
Woher kommt dann solche verderbte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adams und Even im Paradeis, da unser Natur also vergifftet worden, daß wir alle in Sünden empfangen und gebohren werden.
8
Seind wir aber dermassen verderbet, daß wir gantz vnnd gar vntüchtig seind zu einigem guten, vnd geneiget zu allem bösen?

Jad: Es sey denn daß wir durch den Geist Gottes wider geboren werden.e
  • d. Ioh. 2. 16. Gen. 6. 5. Ioh. 14. 4. & 15. 16. & 35. Esa. 53. 6
  • e. Ioh. 3. 6
8
Seynd wir aber dermasen verderbt, daß wir gantz und gar untüchtig sind zu einigem Guten, und geneigt zu allem Bösen?

Ja: Es sey dann, daß wir durch den Geist GOttes wieder gebohren werden.
Der 4. Sontag.
9
Thut denn Gott dem Menschen nit vnrecht, daß er in seinem Gesetz von jm fordert das er nicht thun kan?

Neinf: Denn Gott hat den Men[5]schen also erschaffen, daß er es köndte thuna: der Mensch aber hat sich vnd alle seine nachkommen, auß anstifftung deß Teuffels, durch mutwilligen vngehorsam derselbigen gaben beraubt.b
  • f. Eph. 4. 14
  • a. Luc. 10. 30. &c
  • b. Rom. 5. 12
9
Thut dann GOtt dem Menschen nicht unrecht, daß er in seinem Gesetz von ihm fordert, das er nicht thun kan?

Nein: Dann GOTT hat den Menschen also erschaffen, daß er es konte thun: Der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen, aus Anstiftung des Tenffels, durch muthwilligen Ungehorsam, derselbigen Gaben beraubet.
10
Wil Gott solchen vngehorsam vnd abfall vngestrafft lassen hingehen?

Mit nichtenc: sondern er zürnet schrecklich, beyde vber angeborne vnnd wirckliche Sünden, Vnd wil sie auß gerechtem vrtheil zeitlich vnd ewig straffen, wie er gesprochen hat: Verfluchet sey jederman, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet in dem Buch deß Gesetzes, daß ers thue.d
  • c. Rom. 5. 12 Heb. 9. 27
  • d. Deu. 27. 26. Gal. 3. 10
10
Will GOtt solchen Ungehorsam und Abfall ungestraft lassen hingehen?

Mit nichten: Sondern Er zürnet schröcklich, beyde über angebohrne und würckliche Sünde, und will sie aus gerechtem Urtheil zeitlich und ewig strafen, wie Er gesprochen hat: Verflucht sey jederman, der nicht bleibt in allem dem, das geschrieben stehet in dem Buch des Gesetzes, daß ers thne.
11
Ist denn GOTT nicht auch barmhertzig?

GOtt ist wol barmhertzige, er ist [6]aber auch gerechta, derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, daß die sünde, welche wider die allerhöchste Maiestet GOttes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, der ewigen straffe an Leib vnd Seel gestrafft werde.
  • e. Exo. 34. 6
  • a. Exo. 20. 5. Psal. 5. 5. 2. Cor. 6. 14
11
[3]Ist dann GOtt nicht auch barmhertzig?

GOtt ist wohl barmhertzig, er ist aber auch gerecht. Derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, welche wider die allerhöchste Majestät GOttes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, der ewigen Strafe, an Leib und Seel gestraft werde.
Der ander theil. Von deß Menschen Erlösung.
Der ander Theil, Von des Menschen Erlösung.
II. LECTIO. Der 5. Sontag.
12
Dieweil wir denn nach dem gerechten Vrtheil Gottes zeitliche vnd ewige straff verdient haben: wie möchten wir dieser straff entgehen, vnd widerumb zu gnaden kommen?

GOtt wil daß seiner Gerechtigkeit genug gescheheb, Derwegen müssen wir derselben entweder durch vns selbst, oder durch einen andern vollkommene bezalung thun.c
  • b. Exod. 20. 5. & 2. 7
  • c. Rom. 8. 3
12
Dieweil wir dann, nach dem gerechten Urtheil GOttes, zeitliche und ewige Straf verdienet haben: Wie möchten wir dieser Straf entgehen, und wiederum zu Gnaden kommen?

GOtt will, daß seiner Gerechtigkeit genug geschehe: Derowegen müsen wir derselbigen, entweder durch uns selbst, oder durch einen andern vollkommene Bezahlung thun.
13
Können wir aber durch vns selbst bezalung thun?

Mit nichten: sondern wir machen [7]auch die schuld noch täglich grösser.a
  • a. Iob 9. 23. & 15. 25. Mat. 6. 12
13
Können wir aber durch uns selbst Bezahlung thun?

Mit nichten: Sondern wir machen auch die Schuld noch täglich gröser.
14
Kan aber jrgend eine blosse Creatur für vns bezalen?

Keine; Dann erstlich wil Gott an keiner andern Creatur straffen, das der Mensch verschuldet hatb. Zum andern, so kan auch kein blosse Creatur den last deß ewigen zorns Gottes wider die Sünde ertragen, vnd andere dauon erlösen.c
  • b. Heb. 2. 14
  • c. Psa. 130. 3
14
Kan aber irgend eine blose Creatur für uns bezahlen?

Keine: Dann erstlich will GOtt an keiner andern Creatur strafen, das der Mensch verschuldet hat. Zum andern, so kan auch keine blose Creatur den Last des ewigen Zorns GOttes wider die Sünde ertragen, und andere davon erlösen.
15
Was müssen wir denn für einen Mittler vnd erlöser suchen?

Einen solchen der ein warerd, vnd gerechter Mensche, vnd doch stercker dann alle Creaturen, das ist, zugleich warer Gott sey.f
  • d. 1. Cor. 15. 21
  • e. Ier. 23. 6. Esa. 53. 11. 2. Cor. 5. Heb. 7
  • f. Esa. 7. 14. Rom. 8. 3. Iere. 23
15
Was müssen wir dann für einen Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch, und doch stärcker dann alle Creaturen, das ist, zugleich wahrer GOtt seyn.
Der 6. Sontag.
16
Warumb muß er ein warer vnnd gerechter Mensch sein?

Darumb, daß die Gerechtigkeit Got[8]tes erfoderta, daß die Mnsechlich natur, die gesündigt hat, für die Sünde bezalet: vnd aber einer, der selbst ein Sünder were, nit könte für andere bezalen.b
  • a. Rom. 5. Ierem. 33
  • b. 1. Pet. 3. 18
16
Warum muste er ein wahrer und gerechter Mensch seyn?

Darum, daß die Gerechtigkeit GOttes erfordert, daß die menschliche Natur, die gesündiget hat, für die Sünde bezahle: Und aber einer, der selbst ein Sünder wäre, nicht könte für andere bezahlen.
17
Warumb muste er zugleich warer Gott sein?

Daß er auß krafft seiner Gottheitc den last deß zorns GOttes an seiner Menschheit ertragen, vnnd vns die Gerechtigkeit, vnd das Leben erwerbend, vnd wider geben möchte.e
  • c. Esa. 33. 8. Acto. 2. 24 1. Pet. 3. 18
  • d. Ioh. 3. 16
  • e. Act. 20. 28 Ioh. 1. 2. & 4. 9
17
Warum muste Er zugleich wahrer GOtt seyn?

Daß er aus Kraft seiner Gottheit den Last des Zorns GOttes an seiner Menschheit ertragen, und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wieder geben möchte.
18
Wer ist aber derselbe Mittler, der zugleich warer Gott, vnd ein warer gerechter Mensch ist?

Vnser Herr Jesus Christusf, der vns zur vollkommenen Erlösung vnnd Gerechtigkeit geschenckt ist.g
  • f. Mat. 1. 23. 1. Ti. 3. 16. Luc. 2. 11
  • g. 1. Cor. 1. 30
18
Wer ist aber derselbige Mittler, der zugleich wahrer GOtt, und wahrer gerechter Mensch ist?

Unser HErr JEsus Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschencket ist.
19
Woher weistu das?

Auß dem heiligen Euangelio, wel[9]ches GOtt selbst anfänglich im Paradeißa hat offenbaret: folgends durch die heilige Ertzuätterb vnd Propheten lassen verkündigen, vnd durch die Opffer vnnd andere Ceremonien deß Gesetzes fürgebildetc, Endlich aber durch seinen eingeliebten Son erfüllet.d
  • a. Gen. 3. 15
  • b. Gen. 22. 18. & 49. 10. 11. Rom. 1. 2. Heb. 1. 1. Act. 3. 22. 23. 24. & 10. 43
  • c. Iohan. 5. 46. Heb. 10. 5
  • d. Rom. 10. 4. Gal. 4. 4
19
Woher weist du das?

Aus den heiligen Evange[4]lio, welches GOtt selbst anfänglich im Paradeis hat offenbahret: Folgends durch die heiligen Ertz-Vätter und Propheten lassen verkündigen, und durch die Opffer und andere Ceremonien des Gesetzes fürgebildet: Endlich aber durch seinen eingeliebten Sohn erfüllet.
20
Werden denn alle Menschen widerumb durch CHristum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein: sondern allein diejenigen, die durch waren Glauben jm werden eingeleibet, vnd alle seine wolthaten annemen.e
  • e. Ioha. 1. 12. & 3. 36. Esa. 53. 11. Psal. 2. 12. Rom. 11. 17. 19. Heb. 4. 2
20
Werden dann alle Menschen wiederum durch Christum seelig, wie sie durch Adam sind verlohren worden?

Nein: Sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben ihm werden eingeleibet, und alle seine Wohlthaten annehmen.
Der 7. Sontag.
21
Was ist warer Glaub?

Es ist nit allein ein gewisse erkanntnuß, dardurch ich alles für war halte, was vns GOtt in seinem wort hat offenbaretf: sonder auch ein Hertzliches vertraweng, welches der H. Geisth durchs [10]Euangelium in mir wircketa, daß nicht allein andern, sonder auch mir vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit vnd seligkeit von Gott geschenckt seyb, auß lauter gnaden allein vmb deß verdiensts Christi willen.c
  • f. Heb. 11. 1. 3. Iac. 3. 19
  • g. Rom. 4. 16. & 10
  • h. 2. Cor. 4. Ephes. 2. 7. 8. 9. & 10. 39
  • a. Heb. 10. 38
  • b. Rom. 3. 24. 25. Gal. 2. 6
  • c. Mat. 28. 20
21
Was ist wahrer Glaube?

Er ist nicht allein eine gewisse Erkäntnus, dadurch ich alles für wahr halte, was uns GOtt in seinem Wort hat geoffenbahret: Sondern auch ein hertzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir würcket, daß nicht allein andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seeligkeit von GOtt geschencket sey, aus lauter Gnaden, allein um des Verdiensts Christi willen.
22
Was ist aber einem Christen not zu glauben?

Alles was vns im Euangelio verheissen wirdtd, welches vns die Articul vnsers allgemeinen vngezweiffelten Christlichen Glaubens in einer Summa lehren.
  • d. Ioh. 20. 31
22
Was ist aber einem Christen noht zu glauben?

Alles was uns im Evangelio verheisen wird, welches uns die Artickel unsers allgemeinen ungezweiffelten Christlichen Glaubens in einer Summa lehren.
23
Wie lauten dieselben?

Ich glaub in Gott Vatter den Allmächtigen, Schöpffer Himmels vnd der Erden. Vnd in Jesum Christum, seinen eingebornen Son vn[11]sern HERRN, der empfangen ist von dem H. Geist, geboren auß Maria der Jungfrawen, gelidten hat vnder Pontio Pilato, gecreutziget, gestorben vnd begraben, abgestigen zu der Hellen, am dritten tage wider aufferstanden ist von den Todten, auffgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes deß Allmächtigen Vatters, von dannen er kommen wirt, zurichten die Lebendigen vnd die Todten. Ich glaub in den heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die gemeinschafft der Heiligen, vergebung der Sünden, aufferstehung [12]deß Fleisches, vnd ein ewiges Leben.
23
Wie lauten die Articul des Christlichen Glaubens?

Ich glaub an GOtt Vatter den allmächtigen Schöpffer Himmels und der Erden. Und an JEsum Christum, seinen eingebohrnen Sohn, unsern HErrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, gebohren aus Maria der Jungfrauen, gelitten unter Pontio Pilato, gekreutziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Höllen, am dritten Tag wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zur Rechten GOttes des allmächtigen Vatters, von dannen Er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches, und ein ewiges Leben, Amen.
Der 8. Sontag.
24
Wie werden dise Articul abgetheilt?

In drey theil, Der erst ist von Gott dem Vatter, vnnd vnser erschaffung. Der ander von Gott dem Sohn, vnnd vnser Erlösung. Der dritte von Gott dem H. Geist, vnnd vnser Heiligung.
24
Wie werden diese Articul abgetheilt?

In drey Theil: Der erste, von GOtt dem Vatter, und unserer Erschaffung: Der andere, von GOtt dem Sohn, und unserer Erlösung: Der dritte, von GOtt dem Heiligen Geist, und unsrer Heiligung.
25
Dieweil nur ein einig Göttlich wesen ista, warumb nennest du drey, den Vatter, Sohn vnd heiligen Geist?

Darumb daß sich Gott also in seinem wort geoffenbaret hatb, daß diese drey vnterschiedliche Personen der einig warhafftig ewig Gott seind.
  • a. Deut. 6. 4 Ephes. 4 5. & 6
  • b. Esa. 61. 1. Psal. 110. 1. Matth. 3. 16. 27. & 28. 19. 1. Ioh. 5. 7
25
[5]Dieweil nur ein einig göttlich Wesen ist, warum nennest du drey, den Vatter, Sohn und Heiligen Geist?

Darum, daß sich GOtt also in seinem Wort geoffenbahret hat, daß diese drey unterschiedliche Personen, der einige, wahrhaftige, ewige GOtt sey.
Der 9. Sontag.
26
Was glaubstu wenn du sprichst, Ich glaub in Gott Vatter den Allmächtigen, Schöpffer Himmels vnd der Erden?

[13]Daß der ewig Vatter vnsers Herrn Jesu Christi, der Himmel vnd Erden, samt allem was drinnen ist, auß nichts erschaffena, auch dieselbige noch durch seinen ewigen Raht vnd Fürsehung erhelt vnnd regiertb, vmb seines Sohns Christi willen mein Gott vnd mein Vatter seyc, auff welchen ich also vertrawe, daß ich nit zweiffel, er werde mich mit aller notturfft leibs vnd der seelen versorgend, auch alles vbel, so er mir inn diesem jamerthal zuschicket, mir zu gut wendene: dieweil ers thun kan, als ein allmächtiger Gottf, vnd auch thun wil als ein getrewer Vatter.g
  • a. Gen. 1. Psal. 33. 9
  • b. Psal. 104. & 105. 3. Matth. 10. 29. Heb. 1. 3. Psal. 115
  • c. Ioh. 1. 12. Rom. 8. 15 Ioha. 1. 5. Gal. 4. 5. 6. 7
  • d. Psal. 55. 23. Matth. 6. 25. 26. Luc. 12. 22
  • e. Ro. 8. 28
  • f. Ro. 10. 12
  • g. Matth. 6. 26. & 7. 9. 10. 11
26
Was glaubest du, wann du sprichst: Ich glaub an GOtt Vatter, den allmächtigen Schöpffer Himmels und der Erden?

Daß der ewige Vatter unsers HErrn JEsu Christi, der Himmel und Erden, sammt allem, was darinnen ist, aus nichts erschaffen, auch dieselbige noch durch seinen ewigen Rath und Fürsehung erhält und regieret, um seines Sohns JESU Christi willen, mein GOtt und mein Vatter sey, auf welchen ich also vertraue, daß ich nicht zweiffle, Er werde mich mit aller Nothdurft Leibes und der Seelen versorgen, auch alles Ubel, so Er mir in diesem Jammerthal zugeschicket, mir zu gut wenden, dieweil ers thun kan, als ein allmächtiger GOtt, und auch thun will, als ein getreuer Vatter.
Der 10. Sontag.
27
Was verstehestu durch die Fürsehung Gottes?

Die allmächtige vnd gegenwertige krafft Gottesh, durch welche er Himmel vnd Erden, sampt allen Creaturen gleich als mit seiner Hand noch erhelti [14]vnd also regieret, daß Laub vnd Graß, Regen vnd dürre, fruchtbare vnnd vnfruchtbare Jar, Essen vnd Trinckena, Gesundheit vnd Kranckheitb, Reichthumb vnd Armutc, vnd alles, nit one gefähr, sondern von seiner Vätterlichen Hand vns zukomme.
  • h. Acto. 17. 25
  • i. Heb. 1. 3
  • a. Ier. 5. 24. Act. 14. 17
  • b. Ioh. 9. 3
  • c. Pro. 22. 2
27
Was verstehest du durch die Fürsehung GOttes?

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft GOttes, durch welche er Himmel und Erden, sammt allen Creaturen, gleich als mit seiner Hand noch erhält, und also regieret, daß Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trincken, Gesundheit und Kranckheit, Reichthum und Armuht, und alles nicht ohngefähr, sondern von seiner vätterlichen Hand uns zukomme.
28
Was für nutz bekommen wir auß erkanntnuß der Schöpffung vnnd Fürsehung Gottes?

Daß wir in aller widerwertigkeit gedultigd, in glückseligkeit danckbare, vnnd auffs zukünfftig guter zuuersicht zu vnserm getrewen Gott vnd Vatter, sein sollen, daß vns keine Creatur von seiner liebe scheiden wirtf, dieweil alle Creaturen also in seiner Hand sind, daß sie sich ohne seinen willen auch nit regen noch bewegen können.g
  • d. Rom. 5. 3. Iacob. 1. 3. Iob. 1. 21
  • e. Deu. 8. 10. 1. Th. 5. 18
  • f. Rom. 5. 4. 5. 6. Ro. 8. 38
  • g. Ioh. 1. 12. & 2. 6. Act. 7. 25. 26. Prou. 21. 1
28
Was für Nutzen bekommen wir aus der Erkäntnus der Schöpffung und Fürsehung GOttes?

Daß wir in aller Widerwärtigkeit gedultig, in Glückseeligkeit danckbar, und aufs Zukünftige guter Zuversicht, zu unserm getreuen GOtt und Vatter, seyn sollen, daß uns keine Creatur von seiner Liebe scheiden wird, dieweil alle Creaturen also in seiner Hand seynd, daß sie sich ohn seinen Willen auch nicht regen noch bewegen können.
III. LECTIO. Der 11. Sontag.
29
Warumb wirt der Son GOttes Jesus, das ist, Seligmacher, genannt?

[15]Darumb, daß er vns selig macht von vnsern sündena, vnnd daß bey keinem andern einige Seligkeit zusuchen noch zufinden ist.b
  • a. Mat. 1. 21. Heb. 7. 25
  • b. Act. 4. 12
29
Warum wird der Sohn GOttes JEsus, das ist, ein Seeligmacher, genannt?

Darum, daß Er uns seelig macht von unsern Sünden, und daß bey keinem andern einige Seeligkeit zu suchen noch zu finden ist.
30
Glauben denn die auch an den einigen Seligmacher Jesum, die jhre Seligkeit vnnd Heil bey Heiligen, bey jnen selbst, oder anderßwo suchen?

Nein: sonder sie verleugnen mit der that den einigen Seligmacher vnd Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rühmenc, Denn entweder Jesus nicht ein vollkomener Heiland sein muß: Oder die disen Heyland mit warem Glauben annemen, müssen alles in jm haben, das zu jrer Seligkeit von nöten ist.d
  • c. 1. Cor. 1. 13 31. Gala. 5. 4
  • d. 1. He. 12. 2. Esa. 9. 6. 19 Colos. 1. 2. 10. Ioha. 1. 6
30
[6]Glauben dann die auch an den einigen Seeligmacher JEsum, die ihre Seeligkeit und Heyl bey Heiligen, bey ihnen selbst, oder anderswo suchen?

Nein: Sondern sie verläugnen mit der That den einigen Seeligmacher und Heyland JEsum, ob sie sich sein gleich rühmen. Dann entweder JEsus nicht ein vollkommener Heyland seyn mus. Oder die diesen Heyland mit wahrem Glauben annehmen, müsen alles in Ihm haben, das zu ihrer Seeligkeit vonnöthen ist.
Der 12. Sontag.
31
Warumb ist er CHristus, das ist ein Gesalbter genannt?

Daß er von Gott dem Vatter verordnet, vnnd mit dem heiligen Geiste gesalbet ist zu vnserm obersten Prophe[16]ten vnd Lehrera, der vns den heimlichen raht vnd willen Gottes von vnser erlösung vollkömlich offenbarettb, Vnd zu vnserm einigen hohen Priesterc, der vns mit dem einigen Opffer seines Leibs erlöset hat, vnd jmerdar mit seiner Fürbitt für dem Vatter vertrittd: Vnd zu vnserm ewigen König, der vns mit seinem wort vnd Geist regiert, vnd bey der erworbenen erlösung schützt vnd erhelt.e
  • e. Heb. 1. 9. Psal. 45
  • a. Deut. 18. 5 Acto. 3. 22
  • b. Ioh. 1. & 15
  • c. Psal. 110. Heb. 7. 21. & 10
  • d. Rom. 8. 34. & 5. 9. & 10
  • e. Psal. 2. 6. Luc. 1. 33. Matt. 8. 18
31
Warum ist Er Christus, das ist, ein Gesalbter, genannt?

Daß Er von GOtt dem Vatter verordnet, und mit dem Heiligen Geist gesalbet ist zu unserm obersten Propheten und Lehrer, der uns den himmlischen Raht und Willen GOttes von unserer Erlösung vollkömmlich offenbahret, und zu unserm ewigen Hohenpriester, der uns mit dem einigen Opffer seines Leibs erlöset hat, und immerdar mit seiner Fürbitt vor dem Vatter vertritt: Und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regieret, und bey der erworbenen Erlösung schützet und erhält.
32
Warumb wirst aber du ein Christ genennet?

Daß ich durch den Glauben ein Glied Christif, vnd also seiner Salbung theilhafftig bing, auff daß auch ich seinen Namen bekenneh, mich jm zu einem lebendigen Danckopffer darstellei, vnnd mit freyem gewissen in diesem Leben wider die Sünd vnd Teuffel streittek, vnnd hernach inn ewigkeit mit jhm vber alle Creaturen herrsche.l
  • f. Actor. 11. 26. 1. Cor. 6
  • g. 1. Ioh. 2. 27. Esa. 59. Acto. 2. 12. Ioel. 2. 28
  • h. Mar. 8. 38
  • i. Rom. 12. 1. Apo. 5. 1. Pet. 2. Apocal. 1. 6
  • k. 1. Timoth. 1. 18
  • l. 2. Timoth. 2. 12
32
Warum wirst du aber ein Christ genennet?

Daß ich durch den Glauben ein Glied Christi, und also seiner Salbung theilhaftig bin, auf daß auch ich seinen Nahmen bekenne, mich ihm zu einem lebendigen Danck-Opffer darstelle, und mit freyem Gewissen in diesem Leben, wider die Sünde, den Teuffel streite, und hernach in Ewigkeit mit ihm über alle Creaturen herrsche.
Der 13. Sontag.
33
[17]Warumb heist er Gottes eingeborner Son, so doch wir auch Kinder Gottes sind?

Darumb daß CHristus allein der ewig natürlich Sohn GOttes ista: wir aber vmb seinet willen auß Gnaden zu Kindern Gottes angenommen sind.b
  • a. Io. 1. 14. 18 Heb. 1. 2
  • b. Ro. 8. 15. Ephe. 1. 6
33
Warum heist er GOttes eingebohrner Sohn, so doch wir auch Kinder GOttes sind?

Darum, daß Christus allein der ewige natürliche Sohn GOttes ist, wir aber um seinet willen, aus Gnaden zu Kindern GOttes angenommen sind.
34
Warumb nennestu jn vnsern Herrn?

Daß er vns mit Leib vnd Seel von der Sünden, vnd auß allem gewalt deß Teuffels, nicht mit Gold oder Silber, sonder mit seinem thewren Blut, jm zum Eigenthumb erlöset vnd erkaufft hat.c
  • c. 1. Pet. 1. 18. & 2. 9. 1. Cor. 6 20. & 7. 23
34
Warum nennest du ihn unsern HErrn?

Daß Er uns mit Leib und Seel von der Sünde, und aus aller Gewalt des Teuffels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem theuren Blut, Ihm zum Eigenthum erlöset und erkauft hat.
Der 14. Sontag.
35
Was heist, daß er empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren auß Maria der Jungfrawen?

Daß der ewige Son GOttes, der warer vnd ewiger Gott istd, vnd bleibete, ware Menschliche natur, auß dem [18]Fleisch vnd Blut der Jungfrawen Mariaa durch wirckung deß H. Geists an sich genommen hatb, auff daß er auch der ware Samen Dauids seyc, seinen Brüdern in allem gleichd, außgenommen die Sünde.e
  • d. Io. 1. & 17 Rom. 1. 4 Rom. 9
  • e. Gal. 4. 4. Ioh. 1. 14
  • a. Gal. 4. 4
  • b. Mat. 1. 18. & 20. Luc. 1. 35
  • c. Psa. 132. 11. Rom. 1. 3
  • d. Phil. 2. 7
  • e. Heb. 4. 15. & 7. 26
35
Was heist, daß er empfangen ist von dem Heiligen Geist, gebohren aus Maria der Jungfrauen?

Daß der ewige Sohn GOttes, der wahrer und ewiger GOtt ist und bleibt, wahre menschliche Natur, aus dem Fleisch und Blut der Jungfrauen Maria, durch Würckung des Heiligen Geistes an sich genommen hat, auf daß Er auch der wahre Saame Davids [7]sey, seinen Brüdern in allem gleich, ausgenommen die Sünde.
36
Was nutz bekomestu auß der heiligen Empfängnuß vnd Geburt Christi?

Daß er vnser Mittler istf, vnd mit seiner vnschult vnd vollkomenen heiligkeit meine Sünde, darin ich bin empfangen, für Gottes Angesicht bedecket.g
  • f. Heb. 2. 16. 17
  • g. Psal. 32. 1. Cor. 30
36
Was für Nutz bekommest du aus der heiligen Empfängnus und Geburt Christi?

Daß Er unser Mittler ist, und mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit, meine Sünde, darinn ich bin empfangen, für GOttes Angesicht bedecket.
Der 15. Sontag.
37
Was verstehestu durch das wörtlein gelidten?

Daß er an Leib vnd Seel, die gantze zeit seines lebens auff Erden, sonderlich aber am end desselben, den zorn Gottes wider die Sünde deß gantzen Menschlichen Geschlechts getragen hath, auff daß er mit seinem leiden, als mit dem einigen Sönopfferi, vnser Leib vnd Seel [19]von der ewigen verdamnuß erlösete, vnd vns Gottes Gnade, Gerechtigkeit vnd ewiges Leben erwürbe.
  • h. 1. Pe. 2. 24. & 3. 18. Esa. 53. 12
  • i. 1. Ioha. 2. & 4. 10. Rom. 3. 25
37
Was verstehest du durch das Wörtlein, gelitten?

Daß Er an Leib und Seel, die gantze Zeit seines Lebens auf Erden, sonderlich aber am Ende desselben, den Zorn GOttes wider die Sünde des gantzen menschlichen Geschlechts getragen hat, auf daß er mit seinem Leyden, als mit dem einigen Söhn-Opffer, unser Leib und Seel von der ewigen Verdammnus erlösete, und uns GOttes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbe.
38
Warumb hat er vnter dem Richter Pontio Pilato gelidten?

Auff daß er vnschuldig vnter dem weltlichen Richter verdammt würdea vnd vns damit von dem gestrengen Vrtheil Gottes, das vber vns gehen solte, erledige.b
  • a. Actor. 4. [27.] Luc. 23. 14 Ioh. 19. 4
  • b. Psal. 69. 5 Esa. 53. 2. Cor. 5. 21. Gal. 3. 1[3]
38
Warum hat Er unter dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auf daß Er unschuldig unter dem weltlichen Richter verdammet würde, uns damit von dem gestrengen Urtheil GOttes, das über uns gehen solte, erledigte.
39
Ist es etwas mehr, daß er ist gecreutziget worden, denn so er eines andern Todts gestorben were?

Ja, Dann dardurch bin ich gewiß, daß er die vermaledeyung die auff mir lage, auff sich geladen habec, Dieweil der Todt deß Creutzes von Gott verflucht war.d
  • c. Gal. 3. 13
  • d. Deu. 21. 2[3.] Gal. 3. 13
39
Ist es etwas mehr, daß er ist gecreutziget worden, dann so er eines andern Todes gestorben wäre?

Ja: Dann dadurch bin ich gewiß, daß er die Vermaledeyung, die auf mir lage, auf sich geladen habe, dieweil der Tod des Kreutzes von GOtt verflucht war.
Der 10. [16.] Sontag.
40
Warumb hat CHristus den Todt müssen leiden?

[20]Darumb, daß von wegen der Gerechtigkeit vnd Warheita Gottes, nit anderst für vnsere Sünden möchte bezalet werden, denn durch den Todt deß Sons Gottes.b
  • a. Gen. 2. 17
  • b. Heb. 2. 9. 14. & 15
40
Warum hat Christus den Tod müsen leiden?

Darum, daß von wegen der Gerechtigkeit und Wahrheit GOttes, nicht anderst für unsere Sünde möchte bezahlet werden, dann durch den Tod des Sohns GOttes.
41
Warumb ist er begraben worden?

Damit zubezeugen, daß er warhafftig gestorben sey.c
  • c. Matt. 27. 60. Luc. 23. 53. Ioh. 19. 38. Actor. 13
41
Warum ist Er begraben worden?

Damit zu bezeugen, daß er warhaftig gestorben sey.
42
Weil denn Christus für vns gestorben ist, wie kompts daß wir auch sterben müssen?

Vnser Todt ist nit ein bezahlung für vnsere sünde: sonder nur ein absterbung der Sünden, vnnd eingang zum ewigen leben.d
  • d. Ioh. 5. 24. Phil. 1. 23. Ro. 7. 14
42
Weil dann Christus für uns gestorben ist, wie kommts, daß wir auch sterben müsen?

Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur eine Absterbung der Sünden, und Eingang zum ewigen Leben.
43
Was bekommen wir mehr für nutz auß dem Opffer vnd Todt Christi am Creutz?

[21]Daß durch seine krafft vnser alter Mensch mit jm gecreutziget, getödtet, vnd begraben wirta, auff daß die bösen lüste deß Fleisches nicht mehr in vns regierenb, sondern daß wir vns selbst jm zur Dancksagung auffopffern.c
  • a. Ro. 7. 12. Colos. 2
  • b. Rom. 6. 6. 7. 8
  • c. Rom. 12. 1
43
Was bekommen wir mehr für Nutz aus dem Opffer und Tod Christi am Kreutz?

Daß durch seine Kraft unser alter Mensch mit ihm gekreutziget, getödtet, und begraben wird, auf daß die böse Lüste des Fleisches nicht mehr in uns regieren, sondern daß wir uns selbst ihm zur Dancksagung aufopffern.
44
Warumb folget, Abgestiegen zu der Hellen?

Daß ich in meinen höchsten anfechtungen versichert sey, mein Herre Christus hab mich durch seine vnaußsprechliche angst, schmertzen vnd schrecken, die er auch an seiner Seelen, am Creutz vnd zuuor erlidten, von der Hellischen angst vnd pein erlöset.d
  • d. Esa. 53. 10 Matt. 27. 46
44
Warum folget, abgestiegen zu der Höllen?

Daß ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sey, [8]mein HErr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst, Schmertzen und Schrecken, die er auch an seiner Seelen am Kreutz und zuvor erlitten, von der höllischen Angst und Pein erlöset.
Der 17. Sontag.
45
Was nutzet dich die Aufferstehung Christi?

Erstlich hat er durch sein Aufferstehung den Tod vberwunden, daß er vns der Gerechtigkeit, die er vns durch seinen todt erworben hat, könte theilhafftig machene, Zum andern, werden auch [22]wir jetzunder durch seine krafft erwecket zu einem newen Lebena. Zum dritten ist vns die Aufferstehung Christi ein gewisses pfand vnserer seligen aufferstehung.b
  • e. 1. Cor. 15. 19. 54. 55. Ro. 4. 25. 1. Pet. 1. 3. 21
  • a. Rom. 6. 4 Colos. 3. 5 Ephe. 2. 5
  • b. 1. Co. 15. 12 Rom. 8. 11
45
Was nutzet uns die Auferstehung Christi?

Erstlich hat Er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, daß er uns der Gerechtigkeit, die er durch seinen Tod erworben hat, könte theilhaftig machen. Zum andern werden wir auch jetzunder durch seine Kraft erwecket zu einem neuen Leben. Zum dritten, ist uns die Auferstehung Christi ein gewisses Pfand unserer seeligen Auferstehung.
IIII. LECTIO. Der 18. Sontag.
46
Wie verstehestu, daß er ist gen Himmel gefahren?

Daß Christus für den Augen seiner Jünger ist von der Erden auffgehaben gen Himmelc, vnd vns zu gut daselbst istd, biß daß er widerkompt zurichten die Lebendigen vnd die Todten.e
  • c. Actor. 1. 9. Matt. 28. Marc. 16. Luc. 24
  • d. Heb. 4. 14 25. 11. 7. & 9 Roman. 8 Colos. 3. 1
  • e. Actor. 1. Matt. 24
46
Wie verstehest du, daß er ist gen Himmel gefahren?

Daß Christus für den Augen seiner Jünger ist von der Erden aufgehaben gen Himmel, und uns zu gut daselbst ist, biß daß er wieder kommt, zu richten die Lebendigen und die Todten.
47
Ist denn Christus nit bey vns biß an das end der welt, wie er vns verheissen hat?f

Christus ist warer Mensch vnd warer GOtt: Nach seiner Menschlichen natur ist er jetzunder nit auff Erdeng, aber nach seiner Gottheit, Maiestät, Gnad vnd Geist weicht er nimmer von vns.h
  • f. Matt. 28. 20
  • g. Matth 26. 11. Iohan. 16. 7. Actor. 3
  • h. Ioha. 1[4]. 17. & 16. Matth. 28. Ephes. 4. 8. August. Tract. in Iohan. 50
47
Ist dann Christus nicht bey uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheisen hat?

Christus ist wahrer Mensch und wahrer GOtt: Nach seiner menschlichen Natur ist Er jetzund nicht auf Erden: Aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnad und Geist weichet er nimmer von uns.
48
[23]Werden aber mit der weiß die zwo Naturen in Christo nicht von einander getrennet, so die Menschheit nicht vberall ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten: Denn weil die Gottheit vnbegreifflich vnd allenthalben gegenwertig ista: so muß folgen, daß sie wol ausserhalb jhrer angenommenen Menschheit, vnnd dennoch nichts desto weniger auch in derselbigen ist vnd persönlich mit jr vereiniget bleibt.b
  • a. Acto. 7. 4. & 7. 28. Ier. 23. 24
  • b. Col. 2. 9. Ioha. 3. & 11. 13 & 15. Mat. 28. 9
48
Werden aber mit der Weiß die zwo Naturen in Christo nicht von einander getrennet, so die Menschheit nicht überall ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten: Dann weil die Gottheit unbegreiflich, und allenthalben gegenwärtig ist, so mus folgen, daß sie so wohl ausserhalb ihrer angenommenen Menschheit, und dannoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und persöhnlich mit ihr vereiniget bleibe.
49
Was nützet vns die Himmelfahrt Christi?

Erstlich daß er im Himmel für dem Angesicht seines Vatters vnser Fürsprecher istc. Zum andern, daß wir vnser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, daß er als das Haupt vns seine Glied auch zu sich werde hinauff nemmend. Zum dritten, daß er vns seinen Geist zum Gegenpfand her[24]absendeta, durch welches krafft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der rechten Gottes, vnd nicht das auff Erden ist.b
  • c. 1. Io. 2. 1. 2. Ro. 8. 34
  • d. Ioh. 14. 2. & 20. 17. Ephe. 2. 6
  • a. Ioh. 14. 16. Actor. 2. 2. Cor. 1. 1. 22. & 5. 5
  • b. Col. 3. 1. Phil. 3. 14
49
Was nutzet uns die Himmelfahrt Christi?

Erstlich, daß Er im Himmel vor dem Angesicht seines Vatters unser Fürsprecher ist. Zum andern, daß wir unser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, daß Er, als das Haupt, uns seine Glieder, auch zu sich werde hinauf nehmen. Zum dritten, daß Er uns seinen Geist zum Gegen-Pfand herab sendet, durch welches Kraft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten GOttes, und nicht das hier unten auf Erden ist.
Der 19. Sontag.
50
Warumb wird hinzu gesetzt, daß er sitzt zu der rechten Gottes?

Daß Christus darumb gehn Himel gefahren ist, daß er sich daselbst erzeige, als das Haupt seiner Christlichen Kirchenc, durch welches der Vatter alles regiert.d
  • c. Ephes. 1. 20. 21. Col. 1. 18
  • d. Matt. 28. 18. Ioh. 5. 22
50
Warum wird hinzu gesetzt, daß er sitze zu der Rechten GOttes?

Daß Christus darum gen Himmel gefahren ist, daß Er sich daselbst erzeiget, als das Haupt seiner Christlichen Kirchen, durch welches der Vatter alles regieret.
51
Was nützet vns diese Herrligkeit vnsers Haupts Christi?

Erstlich, daß er durch seinen heiligen Geist, in vns seine Glieder, die Himlischen gaben außgeußte, Darnach, daß er vns mit seinem gewalt wider alle Feind schützet vnd erhelt.f
  • e. Eph. 4. 10
  • f. Psal. 2. 9. & 110. 1. Ioh. 10. 28 Eph. 4. 8
51
[9]Was nutzet uns die Herrlichkeit unsers Haupts Christi?

Erstlich, daß Er durch seinen Heiligen Geist in uns seine Glieder, die himmlischen Gaben ausgeust. Darnach, daß Er uns mit seiner Gewalt wider alle Feinde schützet und erhält.
52
Was tröstet dich die widerkunfft Christi zurichten die Lebendigen vnnd die Todten?

[25]Daß ich in allem Trübsal vnd verfolgung mit auffgerichtem Haupt eben deß Richters, der sich zuuor dem Gericht Gottes für mich dargestellt, vnnd alle vermaledeyung von mir hinweg genomen hat, auß dem Himmel gewertig bina, daß er alle seine vnd meine Feinde in die ewige verdamnuß werffeb, mich aber samt allen Außerwelten zu jm in die Himlische freud vnd herrligkeit neme.c
  • a. Lu. 21. 28. Ro. 8. 23. Phil. 3. 20 Tit. 2. 12
  • b. 2. Thes. 1. 6. 7. 1. Thes. 4. 4. 16. Matt. 25. 41
  • c. Matt. 25
52
Was tröstet dich die Widerkunft Christi, zu richten die Lebendigen und die Todten?

Daß ich in aller Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt, eben des Richters, der sich zuvor dem Gericht Gottes für mich dargestellet, und alle Vermaledeyung von mir hinweg genommen hat, aus dem Himmel gewärtig bin, daß er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnus werffe, mich aber sammt allen Auserwählten, zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme.
Der 20. Sontag.
53
Was glaubstu vom heiligen Geist?

Erstlich, daß er gleich ewiger Gott mit dem Vatter vnd dem Sohn istd. Zum andern, daß er auch mir gegeben iste, mich durch ein waren Glauben Christi vnnd aller seiner wolthat theilhafftig machtf, mich tröstetg, vnd bey mir bleiben wirdt biß in Ewigkeit.h
  • d. Gen. 1. 2. Esa. 48. 16 1. Cor. 3. 16. & 6. 19. Act. 5. 3. 4
  • e. Matt. 28. 19. 2. Cor. 1
  • f. Gal. 3. 14. 1. Pet. 1. 2. 1. Cor. 6. 17
  • g. Actor. 9. 31
  • h. Ioh. 14. 16
53
Was glaubst du vom Heiligen Geist?

Erstlich, daß Er gleich ewiger GOTT mit dem Vatter und dem Sohn ist. Zum andern, daß er auch mir gegeben ist, mich durch einen wahren Glauben Christi, und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, mich tröstet, und bey mir bleiben wird biß in Ewigkeit.
Der 21. Sontag.
54
[26]Was glaubstu von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?

Daß der Son Gottesa, auß dem gantzen Menschlichen Geschlechtb, jm ein außerwelte Gemein zum ewigen lebenc, durch seinen Geist vnd wortd, in einigkeit deß waren Glaubense, von anbegin der Welt biß ans endf versamle, schütze vnd erhalteg, vnd daß ich derselben ein lebendiges Glied binh, vnnd ewig bleiben werde.i
  • a. Ioh. 10. 11
  • b. Gen. 26. 4
  • c. Ro. 8. 29. Eph. 1. 10
  • d. Esa. 59. 21
  • e. Act. 2. 46
  • f. Psal. 71. 18
  • g. Mat. 16. 18
  • h. 1. Ioh. 1
  • i. 1. Ioh. 1. 3. 1. Cor. 1. 8
54
Was glaubst du von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?

Daß der Sohn GOttes aus dem gantzen menschlichen Geschlecht, Ihm eine außerwählte Gemeine zum ewigen Leben, durch seinen Geist und Wort, in Einigkeit des wahren Glaubens, von Anbegin der Welt, bis ans End, versammle, schütze und erhalte: Und daß ich derselben ein lebendiges Glied bin, und ewig bleiben werde.
55
Was verstehestu durch die gemeinschafft der Heiligen?

Erstlich, daß alle vnd jede Glaubigen, als Glieder, an dem Herrn Christo vnd allen seinen schätzen vnnd gaben gemeinschafft habenk. Zum andern, daß ein jeder seine gaben zu nutz vnd heil der andern Glieder, willig vnd mit freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.l
  • k. 1. Ioh. 1. 3. 1. Cor. 1. 8. Rom. 8
  • l. 1. Cor. 11. 12. & 13. 5. Phil. 2. 4
55
Was verstehest du durch die Gemeinschaft der Heiligen?

Erstlich, daß alle und jede Glaubigen, als Glieder an dem HErrn Christo, und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben. Zum andern, daß ein jeder seine Gaben zu Nutz und Heyl der andern Glieder, willig und mit Freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.
56
[27]Was glaubstu von vergebung der Sünden?

Daß GOtt vmb der gnugthuung Christi willena aller meiner Sünden, auch der sündlichen art, mit der ich mein lebenlang zustreitten habeb, nimmermehr gedencken wil: sonder mir die Gerechtigkeit CHristi auß Gnaden schencket, daß ich inns Gericht nimmermehr soll kommen.c
  • a. 1. Ioh. 2. 2. 2. Cor. 5. 19. 21
  • b. Ier. 31. 34. Psal. 103. 2. 10. 2. Rom. 7. 24. 25. & 8. 1. 2. 3
  • c. Ioh. 3 8
56
Was glaubst du von Vergebung der Sünden?

Daß GOTT um der Gnugthuung Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündlichen Art, mit der ich mein Lebenlang zu streiten habe, nimmehr gedencken wolle, sondern mir die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden schencke, daß ich ins Gericht nimmermehr soll kommen.
Der 22. Sontag.
57
Was tröst dich die Aufferstehung deß Fleisches?

Daß nit allein meine seel nach diesem Leben als bald zu Christo jrem Haupt genommen wirtd, sondern auch daß diß mein Fleisch durch die krafft CHristi aufferweckt, wider mit seiner Seelen vereiniget vnd dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll.e
  • d. Luc. 23. 4[3.] Phil. 1. 23
  • e. 1. Cor. 15. 52. 54. Iob. 19. 25. 26. 1. Ioh. 3. 2. Phil. 3. [21.]
57
Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?

Daß nicht allein meine See[10]le nach diesem Leben alsbald zu Christo ihrem Haupt genommen wird, sondern auch, daß diß mein Fleisch durch die Kraft Christi auferwecket, wieder mit meiner Seelen vereiniget, und dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll.
58
Was tröst dich der Articul vom ewigen [28]Leben?

Daß, nach dem ich jetzunder den anfang der ewigen freude in meinem Hertzen empfindea, ich nach diesem Leben vollkommene Seligkeit besitzen werde, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret, vnd in keines Menschen Hertz nie kommen istb, GOTT ewiglich darin zupreisen.c
  • a. 2. Cor. 5. 2. 3
  • b. 1. Cor. 2. 9
  • c. Ioh. 17
58
Was tröstet dich der Articul vom ewigen Leben?

Daß, nachdem ich jetzunder den Anfang der ewigen Freude in meinem Hertzen empfinde, ich nach diesem Leben vollkommene Seeligkeit besitzen werde, die kein Aug gesehen, kein Ohr gehöret, und in keines Menschen Hertz nie kommen ist, GOtt ewiglich darinn zu preisen.
V. LECTIO. Der 23. Sontag.
59
Was hilfft es dich aber nun, wenn du diß alles glaubest?

Daß ich in Christo für Gott gerecht vnd ein Erb deß ewiges Lebens bin.d
  • d. Hab. 2. 4. Rom. 1. 17 Ioh. 3. 36
59
Was hilft es dich aber nun, wann du diß alles glaubest?

Daß ich in Christo für Gott gerecht, und ein Erbe des ewigen Lebens bin.
60
Wie bistu gerecht für Gott?

Allein durch waren Glauben in Jesum CHRistume, Also, daß ob mich schon mein Gewissen anklagt, daß ich wider alle gebott Gottes schwerlich gesündiget, vnd derselben keines nie gehalten habf, auch noch jmmerdar zu allem [29]bösen geneigt bina, doch Gott ohn alle meine verdienstb, auß lauter gnadenc mir die vollkommene gnugthuungd, gerechtigkeit vnd heiligkeit Christi schenckete, vnnd zurechnetf, als hette ich nie keine Sünd begangen noch gehabt, vnd selbst allen den gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistetg, wenn ich allein solche wolthat mit glaubigem Hertzen annemme.h
  • e. Rom. 3. 21. 22. Gal. 2. 16. Eph. 2. 8. 9 Phil. 3. 9
  • f. Rom. 3. 9. &c
  • a. Ro. 7. 23
  • b. Tit. 3. 5
  • c. Ro. 3. 22. Ephe. 2. 8
  • d. 1. Ioh. 2. 1
  • e. 1. Ioh. 2
  • f. Rom. 4. 2. Co. 5. 19
  • g. 2. Cor. 5. 21
  • h. Ro. 3. 22. Ioh. 3. 8
60
Wie bist du gerecht für GOTT?

Allein durch wahren Glauben in JEsum Christum, also daß, ob mich schon mein Gewissen anklaget, daß ich wider alle Gebott GOttes schwerlich gesündiget, und derselben keines nie gehalten hab, auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin, doch GOtt, ohne alle meine Verdienste, aus lauter Gnaden, mir die vollkommene Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schencket und zurechnet, als hätte ich nie keine Sünde begangen noch gehabt, und selbst allen den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wann ich allein solche Wohlthat mit glaubigem Hertzen annehme.
61
Warumb sagst du, daß du allein durch den Glauben gerecht seyest?

Nicht daß ich von wegen der Wirdigkeit meines Glaubens Gott gefalle: sonder darumb, daß allein die gnugthuung, gerechtigkeit vnd heiligkeit Christi, meine gerechtigkeit für GOtt isti, vnd ich dieselbe nit anderst, denn allein durch den Glauben annemmen, vnd mir zueignen kan.k
  • i. 1. Cor. 1. 30. 2. & 1
  • k. 1. Io. 5. 10
61
Warum sagest du, daß du allein durch den Glauben gerecht seyest?

Nicht, daß ich von wegen der Würdigkeit meines Glaubens GOtt gefalle, sondern darum, daß allein die Gnugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi, meine Gerechtigkeit für GOtt ist, und ich dieselbe nicht anderst, dann allein durch den Glauben annehmen, und mir zueignen kan.
Der 24. Sontag.
62
Warumb können aber vnsere gute werck nicht die Gerechtigkeit für Gott, oder ein stück derselbigen sein?

[30]Darumb, daß die Gerechtigkeit, so für Gottes Gericht bestehen soll, durchauß vollkommen, vnnd dem Göttlichen Gesetz gantz gleichförmig sein mußa, vnd aber auch vnser beste werck in diesem Leben alle vnuollkommen vnd mit Sünden befleckt sind.b
  • a. Gal. 3. 10. Deu. 27. 26
  • b. Esa. 64. 6
62
Warum können aber unsere gute Wercke nicht die Gerechtigkeit für GOtt, oder ein Stück derselbigen seyn?

Darum, daß die Gerechtigkeit, so für GOttes Gericht bestehen soll, durchaus vollkommen, und dem Göttlichen Gesetz gantz gleichförmig seyn mus, und aber auch unsere beste Wercke in diesem Leben alle unvollkommen, und mit Sünden beflecket sind.
63
Verdienen aber vnsere gute Werck nichts, so sie doch GOTT in diesem vnd zukünfftigen Leben wil belohnen?

Diese belohnung geschicht nicht auß verdienst, sonder auß gnaden.c
  • c. Luc. 17. 10
63
Verdienen aber unsere gute Wercke nichts, so sie doch GOtt in diesem und zukünftigen Leben will belohnen?

Diese Belohnung geschicht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden.
64
Macht aber diese Lehr nit sorglose vnd verruchte Leut?

Nein: Denn es vnmüglich ist, daß die, so CHristo durch waren Glauben sind eingepflantzt, nit frucht der danckbarkeit sollen bringen.d
  • d. Mat. 17. 18 Ioh. 15. 5
64
[11]Machet aber diese Lehre nicht sorglose und verruchte Leute?

Nein: dann es unmöglich ist, daß die, so Christo durch wahren Glauben sind eingepflantzet, nicht Früchte der Danckbarkeit sollen bringen.
Der 25. Sontag.
65
[31]Dieweil denn allein der Glaub vns Christi vnd aller seiner wolthaten theilhafftig macht, woher kompt solcher Glaube?

Der heilig Geist wircket denselben in vnsern Hertzena, durch die Predigt deß heiligen Euangelions, vnd bestättiget den durch den brauch der heiligen Sacrament.b
  • a. Ephe. 2. 8. & 6. 23. Ioh. 3. 5
  • b. Matt. 28. 19. 20. 1. Pet. 1. 22. 23
65
Dieweil dann allein der Glaube uns Christi, und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, woher kommt dann solcher Glaube?

Der Heilige Geist würcket denselben in unsern Hertzen, durch die Predigt des heiligen Evangelions, und bestättiget den durch den Brauch der heiligen Sacramenten.
66
Was seind die Sacrament?

Es sind sichtbare heilige Warzeichen vnd Sigill, von Gott darzu eingesetzet, daß er vns durch den brauch derselbigen, die verheissung deß Euangelions desto besser zuuerstehen gebe, vnnd versiegele: Nemlich daß er vns von wegen deß einigen Opffers Christi am Creutz vollbracht, vergebung der Sünden, vnnd ein ewiges Leben auß Gnaden schencke.c
  • c. Gen. 17. 11. Rom. 4. 11 De. 30. 6. Leu. 6. 25. Heb. 9. 8. 7. 24. Eze. 20. 12. 1. Sa. 17. 36. Esa. 6. 6. 7. & 54. 9
66
Was sind die Sacramenten?

Es sind sichtbare, heilige Wahrzeichen und Siegel, von GOtt darzu eingesetzt, daß Er uns durch den Brauch derselbigen die Verheisung des Evangelions desto besser zu verstehen gebe, und versiegele: Nemlich, daß Er uns von wegen des einigen Opffers Christi am Kreutz vollbracht, Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben aus Gnaden schencke.
67
[32]Seind denn beyde das wort vnd die Sacrament dahin gericht, daß sie vnsern Glauben auff das Opffer JEsu Christi am Creutz, als auff den einigen grund vnserer Seligkeit weisen?

Ja freylich: Denn der heilig Geist lehret im Euangelio, vnnd bestättiget durch die heiligen Sacrament, daß vnsere gantze Seligkeit stehe in dem einigen Opffer Christi, für vns am Creutz geschehen.a
  • a. Rom. 6. 3. Gal. 3. 27
67
Seynd dann beyde das Wort und die heilige Sacramente dahin gerichtet, daß sie unsern Glauben auf das Opffer JEsu Christi am Kreutz, als auf den einigen Grund unserer Seeligkeit weisen?

Ja freylich: Dann der heilige Geist lehret im Evangelio, und bestättiget durch die heilige Sacramenten, daß unsere gantze Seeligkeit stehe in dem einigen Opffer Christi, für uns am Creutz geschehen.
68
Wie viel Sacrament hat Christus im newen Testament eingesetzt?

Zwey, Den heiligen Tauff, vnd das heilig Abendmal.
68
Wie viel Sacramente hat Christus im neuen Testament eingesetzt?

Zwey: Die heilige Tauf, und das heilige Abendmahl.
Der 26. Sontag.
69
Wie wirst du im heiligen Tauff erinnert vnnd versichert, daß das einige Opffer Christi am Creutz dir zu gut komme?

[33]Also: daß Christus diß eusserlich Wasserbad eingesetzta, vnd darbey verheissen hatb, daß ich so gewiß mit seinem Blut vnd Geist, von der vnreinigkeit meiner Seelen, das ist, allen meinen Sünden gewaschen sey, so gewiß ich eusserlich mit dem Wasser, welches die vnsauberkeit deß Leibs pfleget hinzunemen, gewaschen bin.c
  • a. Mat. 28. 9. Act. 2. 38
  • b. Mat. 3. 11. Mar. 16. 16 Rom. 6. 3
  • c. Mar. 1. 4. Luc. 3. 3
69
Wie wirst du in der heiligen Tauf erinnert und versichert, daß das einige Opffer Christi am Kreutz dir zu gut komme?

Also, daß Christus diß äusserliche Wasserbad eingesetzt, und dabey verheisen hat, daß ich so gewiß mit seinem Blut und Geist, von der Unreinigkeit meiner Seelen, das ist, von allen meinen Sünden gewaschen sey, so gewiß ich äusserlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibes pflegt hin zu nehmen, gewaschen bin.
70
Was heist mit dem Blut vnd Geist Christi gewaschen sein?

Es heist vergebung der Sünden von GOTT auß gnaden haben, vmb deß Bluts Christi willen, welches er in seinem Opffer am Creutz für vns vergossen hatd, Darnach auch durch den heiligen Geist ernewert, vnd zu einem glied Christi geheiliget sein, daß wir je lenger je mehr der sünden absterben, vnd in einem Gottseligen, vnsträfflichen Leben wandlen.e
  • d. Heb. 12. 2. 1. Pet. 1. 2. Apo. 1. 5. Zach. 13. 1 Ezech. 36. 25
  • e. Ioh. 1. 33. & 3. 5. 1. Cor. 6. 11. 12. 13. Rom. 6. 4 Col. 2. 12
70
Was heist mit dem Blut und Geist Christi gewaschen seyn?

Es heist Vergebung der Sünden von GOtt aus Gnaden haben, um des Bluts Christi willen, welches er in seinem Opffer am Kreutz für uns vergossen hat: Darnach auch durch den Heiligen Geist erneuert, und zu einem Glied Christi geheiliget seyn, daß wir je länger je mehr der Sünden [12]absterben, und in einem gottseeligen unsträflichen Leben wandeln.
71
[34]Wo hat Christus verheissen, daß wir so gewiß mit seinem Blut vnd Geist, als mit dem Tauffwasser gewaschen sind?

In der einsatzung deß Tauffs, welche also lautet: Gehet hin vnd lehret alle Völcker, vnnd tauffet sie im Namen deß Vatters, vnd deß Sons, vnd deß heiligen Geistsa: Wer da glaubet vnd getaufft wirt, der wirt selig werden, wer aber nicht glaubet, der wirdt verdampt werden.b Diese verheissung wirt auch widerholet, da die Schrifft den Tauff das Bad der Widergeburtc, vnnd abwaschung der Sünden nennet.d
  • a. Matth. 28 19
  • b. Mar. 16. 16
  • c. Tim. 3. 5
  • d. Act. 22. 16
71
Wo hat Christus verheisen, daß wir so gewiß mit seinem Blut und Geist als mit dem Tauf-Wasser gewaschen sind?

In der Einsetzung der heigen Tauf, welche also lautet: Gehet hin und lehret alle Völcker, und taufet sie im Namen des Vatters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Wer da glaubt und getauft wird, der wird seelig werden: Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Verheisung wird auch wiederholet, da die Schrift, die Tauf, das Bad der Wiedergeburt, und die Abwaschung der Sünden nennet.
Der 27. Sontag.
72
Ist denn das eusserlich Wasserbad die abwaschung der Sünden selbst?

[35]Neina, Denn allein das Blut Jesu CHristi vnnd der heilige Geist reiniget vns von allen Sünden.b
  • a. Mat. 3. 11. 1. Pet. 3. 21. Ephe. 5. 26
  • b. 1. Ioh. 1. 7. 1. Cor. 6. 11
72
Ist das äusserliche Wasserbad die Abwaschung der Sünden selbst?

Nein: Dann allein das Blut JEsu Christi und der Heilige Geist reiniget uns von allen Sünden.
73
Warumb nennet denn der heilige Geist den Tauff das Bad der widergeburt, vnd die abwaschung der sünden?

Gott redet also nicht one grosse vrsach: Nemlich, nicht allein daß er vns damit will lehren, daß gleich wie die vnsauberkeit deß Leibs durchs wasser, also vnsere sünden durchs Blut vnd Geist CHristi hinweg genommen werdenc, sondern viel mehr, daß er vns durch diß Göttlich Pfand vnnd Warzeichen wil versichern, daß wir so warhafftig von vnsern sünden Geistlich gewaschen sind, als wir mit dem Leiblichen Wasser gewaschen werden.d
  • c. Apo. 1. 5. 14. & 7. 1. Cor. 6. 11
  • d. Mar. 16. 16 Gal. 3. 7. 18
73
Warum nennet dann der H. Geist die Tauf das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden?

GOTT redet also nicht ohne grose Ursach, nemlich, nicht allein, daß er uns damit will lehren, daß, gleich wie die Unsauberkeit des Leibs durch das Wasser, also unsere Sünden durchs Blut und Geist Christi hinweg genommen werden, sondern vielmehr, daß Er uns durch diß göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, daß wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.
74
Soll man auch die jungen Kinder tauffen?

[36]Ja: Denn dieweil sie so wol als die Alten in den Bund Gottes, vnnd seine Gemeine gehörena, vnnd jhnen in dem Blut Christi die erlösung von sündenb, vnd der heilig Geist, welcher den Glauben wircket, nit weniger denn den Alten zugesagt wirtc, so sollen sie auch durch den Tauff, als deß Bunds zeichen, der Christlichen Kirchen eingeleibt, vnd von der Vngläubigen Kinder vnterscheiden werdend, wie im alten Testament durch die Beschneidung geschehen iste, an welcher statt im newen Testament der Tauff ist eingesetzt.f
  • a. Gen. 17. 7
  • b. Mat. 19. 14
  • c. Luc. 1. 14. Psal. 22. 11. Esa. 44. 1. 2. 3. Act. 2. 39
  • d. Act. 10. 4. 7
  • e. Gen. 17. 14
  • f. Col. 2. 11. 12
74
Soll man auch die jungen Kinder taufen?

Ja: Dann dieweil sie so wohl als die Alten, in den Bund GOttes und seine Gemeine gehören, und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden, und der Heilige Geist, welcher den Glauben würcket, nicht weniger dann den Alten zugesagt wird, so sollen sie auch durch die Tauf, als des Bundes Zeichen, der Christlichen Kirchen eingeleibet, und von den unglaubigen Kindern unterschieden werden, wie im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an welcher statt im Neuen Testament die Tauf ist eingesetzt.
VI. LECTIO. Der 28. Sontag.
75
Wie wirstu im heiligen Abendmal erinnert vnnd versichert, daß du an dem einigen Opffer Christi am Creutz, vnd allen seinen Gütern gemeinschafft habst?

Also, daß Christus mir vnnd allen Gläubigen von disem gebrochnen Brod [37]zuessen vnnd von diesem Reich zutrincken befohlen hat zu seinem Gedechtnuß, vnd dabey verheissena, Erstlich daß sein Leib so gewiß für mich am Creutz geopffert vnd gebrochen, vnd sein Blut für mich vergossen sey, so gewiß ich mit Augen sehe, daß das Brodt deß Herrn mir gebrochen, vnd der Kelch mir mitgetheilt wirt: Vnd zum andern, daß er selbst meine Seel mit seinem gecreutzigten Leib vnd vergossenem Blut, so gewiß zum ewigen leben speise vnnd trencke, als ich auß der Hand deß Dieners empfange vnd leiblich niesse das Brod vnd den Kelch deß Herren, welche mir als gewisse Warzeichen deß Leibs vnd Bluts Christi gegeben werden.
  • a. Matt. 26. 27. 28. Mar. 14. 22. &c. Luc. 22. 19 20. 1. Cor. 10. 16. 7. &c
75
[13]Wie wirst du im H. Abendmahl erinnert und versichert, daß du an dem einigen Opffer Christi am Kreutz, und allen seinen Gütern Gemeinschaft habest?

Also, daß Christus mir und allen Glaubigen, von diesem gebrochenen Brod zu essen und von diesem Kelch zu trincken befohlen hat, zu seinem Gedächtnus, und dabey verheisen: Erstlich, daß sein Leib so gewiß für mich am Kreutz geopffert und gebrochen, und sein Blut für mich vergossen sey, so gewiß ich mit Augen sehe, daß das Brod des HErrn mir gebrochen, und der Kelch mir mitgetheilet wird. Und zum andern, daß er selbst meine Seel mit seinem gekreutzigten Leib, und vergossenen Blut, so gewiß zum ewigen Leben speise und träncke, als ich aus der Hand des Dieners empfange, und leiblich geniese, das Brod und den Kelch des HErrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibs und Bluts Christi gegeben werden.
76
Was heist den gecreutzigten Leib Christi essen, vnd sein vergossen Blut trincken?

Es heist nicht allein mit gläubigem Hertzen das gantze Leiden vnd Sterben Christi annemmen, vnd dardurch vergebung der Sünden vnd ewiges Leben [38]bekommena, Sondern auch darneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo vnd in vns wohnet, also mit seinem gebenedeyten Leib je mehr vnnd mehr vereiniget werdenb, daß wir, ob gleich er im Himmelc, vnd wir auff Erden sind: Dennoch Fleisch von seinem Fleisch vnd Bein von seinen Beinen sindd, vnd von einem Geist, (wie die Glieder vnsers Leibs von einer Seelen) ewig leben vnd regieret werden.e
  • a. Ioh. 6. 35. 40. 48. 50 51
  • b. Ioh. 6. 55. 65
  • c. Acto. 3. 21. Acto. 1. 9. 1. Co. 11. 26
  • d. Eph. 3. 17. & 5. 29. 1. Co. 6. 15. 17 1. Ioh. 3. & 4. 13. 24. Ioh 14. 23
  • e. Ioh. 6. 57. 56. & 15. 5. 6. 1. 2. 3. 4. Eph. 4. 15. 16
76
Was heiset den gekreutzigten Leib Christi essen, und sein vergossenes Blut trincken?

Es heist nicht allein mit glaubigem Hertzen das gantze Leiden und Sterben Christi annehmen, und dardurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen, sondern auch darneben durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeyten Leib je mehr und mehr vereinigt werden, daß wir, ob gleich Er im Himmel und wir auf Erden sind, dannoch Fleisch von seinem Fleisch, und Bein von seinen Beinen sind, und von einem Geist (wie die Glieder unsers Leibs von einer Seelen) ewig leben und regieret werden.
77
Wo hat Christus verheissen, daß er die Gläubigen so gewiß also mit seinem Leib vnd Blut speise vnd trencke, als sie von disem gebrochnen Brodt essen vnd von disem Kelch trincken?

In der einsatzung deß Abendmals, welche also lautetf: Vnser Herr JESus, in der Nacht da er verrahten ward, nam er das Brodt, [39]dancket vnnd brachs, vnd sprach, Nemet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wirdt, solches thut zu meiner Gedächtnuß. Desselben gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmal, vnnd sprach. Dieser Kelch ist das newe Testament in meinem Blut, solches thut, so offt jrs trinckt, zu meiner Gedächtnuß: Denn so offt jr von diesem Brodt esset, vnd von diesem Kelch trincket, solt jhr deß Herren todt verkündigen, biß daß er kompt. Vnnd diese verheissung wirdt auch widerholet, durch S. Pauluma, da er spricht: Der Kelch der Dancksagung, damit wir [40]dancksagen, ist er nicht die gemeinschafft deß Bluts Christi? Das Brodt das wir brechen, ist das nicht die gemeinschafft deß Leibs CHRisti? Denn ein Brodt ists, so seind wir viel ein Leib, dieweil wir alle eines Brodst theilhafftig seind.
  • f. 1. Co. 11. 22 Matt. 20. 26. Mar. 14. 22 Lu. 22. 19
  • a. 1. Cor. 10. 16. 16
77
Wo hat Christus verheisen, daß Er die Glaubigen so gewiß mit seinem Leib und Blut speise und träncke, als sie von diesem gebrochenen Brod essen, und von diesem Kelch trincken?

In der Einsetzung des Abendmahls, welche also lautet: Unser HErr JEsus in der Nacht, da Er verrahten ward, nahm Er das Brod, dancket und brachs, und gabs den Jüngern, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird. Solches thut zu meinem Gedächtnus. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch, und für viele vergossen wird, solches thut, so offt ihrs trincket, zu meiner Gedächtnus. [14]Dann so oft ihr von diesem Brod esset, und von diesem Kelch trincket, solt ihr des HErrn Tod verkündigen, bis daß Er kommt. Und diese Verheisung wird auch wiederholet durch Sanct Paulum, da er spricht: Der Kelch der Dancksagung, damit wir dancksagen, ist der nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi? Das Brod, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibs Christi? Dann ein Brod ists, so sind wir viel ein Leib, dieweil wir alle eines Brods theilhafftig sind.
Der 29. Sontag.
78
Wirdt dann auß Brodt vnd Wein der wesentlich Leib vnd Blut Christi?

Nein: sondern wie das Wasser in dem Tauff, nicht in das Blut CHristi verwandelt, oder die Abwaschung der Sünden selbst wirdt, deren es allein ein Göttlich Warzeichen vnd versicherung ista: Also wirdt auch das heilig Brod im Abendmal nit der leib Christi selbstb, wiewol es nach art vnnd brauch der Sacramentenc, der Leib CHristi genennet wirdt.
  • a. Mat. 26. 26 Marc. 14. 24
  • b. 1. Cor. 10. 16. 17. & 11 26. 27
  • c. Ge. 17. 10. & 14. 19. Exo. 12. 27 & 13. 9. Tit. 3. 5. 1. Pet. 3. 11. 1. Co. 10. 1
78
Wird dann aus dem Brod und Wein der wesentliche Leib und Blut Christi?

Nein: Sondern wie das Wasser in der Tauf nicht in das Blut Christi verwandelt, oder die Abwaschung der Sünden selbst wird, deren es allein ein Göttlich Wahrzeichen und Versicherung ist: Also wird auch das H. Brod im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst, wiewohl es nach Art und Brauch der Sacramenten, der Leib Christi genennet wird.
79
[41]Warumb nennet denn CHRistus das Brodt seinen Leib, vnnd den Kelch sein Blut, oder das newe Testament in seinem Blut, vnd S. Paulus die Gemeinschafft deß Leibs vnd Bluts Jesu Christi?

Christus redet also nicht ohne grosse vrsach: Nemlich, daß er vns nit allein damit wil lehren daß, gleich wie Brodt vnd Wein das zeitliche Leben erhalten, so sey auch sein gecreutzigter Leib vnd vergossen Blut, die ware Speiß vnnd Tranck vnserer Seelen zum ewigen lebena: sonder vil mehr daß er vns durch diß sichtbare Zeichen vnnd Pfand wil versichern, daß wir so warhafftig seines waren Leibs vnd Bluts durch wirckung deß heiligen Geistes theilhafftig werden, als wir diese heilige Warzeichen, mit dem leiblichen Mund zu seiner Gedechtnuß empfangenb, vnd daß all sein leiden vnnd gehorsam so gewiß vnser eigen sey, als hetten wir selbst in [42]vnser eigen Person alles gelidten vnnd gnug gethan.
  • a. Ioh. 6. 5
  • b. 1. Cor. 10. 16
79
Warum nennet dann Christus das Brod seinen Leib, und den Kelch sein Blut, oder das Neue Testament in seinem Blut, und Sanct Paulus die Gemeinschaft des Leibs und Bluts Christi?

Christus redet also nicht ohne grose Ursach: Nemlich, daß Er uns nicht allein damit will lehren, daß, gleich wie Brod und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sey auch sein gekreutzigter Leib, und vergossenes Blut, die wahre Speis und Tranck unserer Seelen, zum ewigen Leben: Sondern vielmehr, daß Er uns durch das sichtbare Zeichen und Pfand will versichern, daß wir so warhaftig seines wahren Leibs und Bluts, durch Würckung des Heiligen Geistes theilhaftig werden, als wir diese heilige Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seiner Gedächtnus empfangen, und daß all sein Leiden und Gehorsam so gewiß unser eigen sey, als hätten wir selbst in unser eigen Person alles gelitten und genug gethan.
Der 30. Sontag.
80
Was ist für ein vnderscheid zwischen dem Abendmal deß HErren, vnnd der Bäpstischen Meß?

Das Abendmal bezeuget vns, daß wir vollkommene vergebung aller vnser Sünden haben, durch das einige Opffer Jesu Christi so er selbst ein mal am Creutz vollbracht hata, Vnnd daß wir durch den heiligen Geist CHRisto werden eingeleibtb, der jetzund mit seinem waren Leib im Himmel zur Rechten deß Vatters istc, vnd daselbst wil angebettet werdend. Die Meß aber lehret, daß die Lebendigen vnd die Todten nicht durch das Leiden CHristi vergebung der Sünden haben es sey denn daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopffert werde: Vnnd daß Christus Leiblich vnter der gestalt Brodts vnd Weins sey, vnd derhalben darinn soll angebettet werdene. Vnnd [43]ist also die Meß im grund nicht anderst, denn ein verleugnung deß einigen Opffers vnd Leidens Jesu Christia vnd ein vermaledeyte Abgötterey.
  • a. Heb. 7. 9. 12. 27. & 10 10 & 12. 14 Ioh. 19. 30 Mat. 26. 28 Luc. 22. 19
  • b. 1. Cor. 6. 17. 16. 10. & 12. 13
  • c. Heb. 1. 3. & 8
  • d. Ioh. 4. 21. Luc. 24. Actor. 6. Colos. 31 Phi. 3. 20. 1. Thes. 1
  • e. In Cano. Miss. Item De Conse. Distinct. 2
  • a. Heb. 9. & 10
80
Was ist vor ein Unterscheid zwischen dem Abendmahl des HErrn, und der Päbstlichen Meß?

Das Abendmahl bezeuget uns, daß wir vollkommene Vergebung aller unser Sünden haben, durch das einige Opffer JEsu Christi, so Er selbst einmal am Kreutz vollbracht hat. Und daß wir durch den Heiligen Geist Christo werden eingeleibt, der jetzund mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vatters ist, und daselbst will angebetet [15]werden. Die Meß aber lehret, daß die Lebendigen und die Todten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sey dann, daß Christus noch täglich für sie von den Meß-Priestern geopffert werde: Und daß Christus leiblich unter der Gestalt Brods und Weins sey, und derhalben darinnen soll angebetet werden. Und ist also die Meß im Grund nichts anders, dann eine Verläugnung des einigen Opffers und Leydens JEsu Christi, und eine vermaledeyte Abgötterey.
81
Welche sollen zu dem Tisch deß HERRN kommen?

Die jnen selbst vmb jrer sünden willen mißfallen, vnd doch vertrawen, daß dieselbige jhnen verziehen, vnnd die vbrige schwachheit mit dem leiden vnd sterben Christi bedeckt sey, begeren auch je mehr vnnd mehr jhren Glauben zustercken, vnnd jhr leben zubessern. Die Vnbußfertigen aber vnnd Heuchler, essen vnd trincken jnen selbst das Gericht.b
  • b. 1. Cor. 10. 12. & 11. 28
81
Welche sollen zu dem Tisch des HErrn kommen?

Die ihnen selbst um ihrer Sünde willen mißfallen, und doch vertrauen, daß dieselbe ihnen verziehen, und die übrige Schwachheit mit dem Leyden und Sterben Christi bedeckt sey: Begehren auch je mehr und mehr ihren Glauben zu stärcken, und ihr Leben zu bessern. Die Unbusfertigen aber und Heuchler, essen und trincken ihnen selbst das Gericht.
82
Sollen aber zu diesem Abendmal auch zugelassen werden die sich mit jrer Bekanntnuß vnd Leben als Vnglaubige vnd Gottlose erzeigen?

Nein: denn es wirt also der Bund Gottes geschmächt, vnnd sein zorn vber [44]die gantze Gemein gereitzet.a Derhalben die Christliche Kirch schuldig ist, nach der Ordnung Christi vnnd seiner Aposteln, solche, biß zur besserung jhres lebens, durch das Ampt der Schlüssel außzuschliessen.
  • a. 1. Cor. 11. 20. Esa. 1. 66. 11. 3. Ier. 7. 21. Psa. 50. 16
82
Sollen aber zu diesem Abendmahl auch zugelassen werden, die sich mit ihrer Bekäntnus und Leben als Unglaubige und Gottlose erzeigen?

Nein: Dann es wird also der Bund GOttes geschmähet, und sein Zorn über die gantze Gemein gereitzet. Derhalben die Christliche Kirche schuldig ist, nach der Ordnung Christi und seiner Aposteln, solche bis zur Besserung ihres Lebens, durch das Amt der Schlüssel, auszuschliesen.
Der 31. Sontag.
83
Was ist das Ampt der Schlüssel?

Die Predig deß heiligen Euangelions, vnnd die Christliche Bußzucht, durch welche beyde stück das Himmelreich den Glaubigen auffgeschlossen, vnnd den Vnglaubigen zugeschlossen wirdt.b
  • b. Mat. 16. 19 & 18. 18
83
Was ist das Amt der Schlüssel?

Die Predigt des heiligen Evangelions, und die Christliche Bus-Zucht, durch welche beyde Stück das Himmelreich den Glaubigen aufgeschlossen, und den Unglaubigen zugeschlossen wird.
84
Wie wirt das Himmelreich durch die Predig deß heiligen Euangelions auff vnd zugeschlossen?

Also: daß nach dem Befehl Christi, allen vnnd jeden Glaubigen verkündigt vnd offentlich bezeuget wirdt, daß jhnen so offt sie die verheissung deß Euangelions mit warem Glauben annemmen, [45]warhaftig alle jre Sünden von Gott vmb deß verdiensts Christi willen, vergeben sind: Vnnd herwiderumb allen Vnglaubigen vnnd Heuchlern, daß der Zorn Gottes, vnd die ewige Verdamnuß auff jhnen ligt, so lang sie sich nicht bekehrena: Nach welchem Zeugnuß deß Euangelii, Gott beyde in disem vnd zukünfftigen Leben vrtheilen wil.
  • a. Ioh. 10. 21. Mat. 6. 19
84
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des H. Evangelions auf- und zugeschlossen?

Also, daß nach dem Befehl Christi allen und jeden Glaubigen verkündiget, und offentlich bezeuget wird, daß ihnen, so oft sie die Verheisung des Evangelions mit wahrem Glauben annehmen, warhaftig alle ihre Sünde von GOtt, um des Verdiensts Christi willen vergeben sind: Und hinwiederum allen Unglaubigen und Heuchlern, daß der Zorn GOttes, und die ewige Verdammnus auf ihnen ligt, so lang sie sich nicht bekehren. Nach welchem Zeugnus des Evangelii GOtt beyde in diesem und zukünftigen Leben urtheilen will.
85
Wie wirt das Himmelreich zu vnd auffgeschlossen, durch die Christliche Bußzucht?

Also: daß nach dem Befelch Christi die jenigen, so vnter dem Christlichen Namen vnchristliche Lehr oder Wandel führen, nach dem sie etlichmal Brüderlich vermahnt sein, vnnd von jhren Jrrthumen oder Lastern nicht abstehen, der Kirchen, oder denen so von der Kirchen darzu verordnet sind, angezeigt, vnd so sie sich an derselben vermanung auch nicht kehren, von jhnen durch verbietung der heiligen Sacrament auß [46]der Christlichen Gemein, vnd von Gott selbst, auß dem Reich CHristi werden außgeschlossen: vnd widerumb als Glieder Christi vnd der Kirchen angenommen, wenn sie ware besserung verheissen vnd erzeigen.a
  • a. Mat. 18. 15 1. Cor. 5. 2. Th. 3. 14 2. Ioh. 10. 2. Cor. 2. 6. & 10
85
[16]Wie wird das Himmelreich zu- und aufgeschlossen durch die Christliche Bus-Zucht?

Also, daß nach dem Befehl Christi diejenigen, so unter dem Christlichen Namen unchristliche Lehr oder Wandel führen, nachdem sie etlichmal brüderlich vermahnet sind, und von ihren Irrthumen oder Lastern nicht abstehen, der Kirchen, oder denen, so von der Kirchen darzu verordnet sind, angezeigt: Und so sie sich an derselbigen Vermahnung auch nicht kehren, von ihnen durch Verbietung der heiligen Sacramenten, aus der Christlichen Gemein, und von GOtt selbst aus dem Reich Christi, werden ausgeschlossen: Und wiederum, als Glieder Christi und der Kirchen angenommen, wann sie wahre Besserung verheisen und erzeigen.
Der dritte theil. Von der Danckbarkeit.
Der dritte Theil, Von der Danckbarkeit.
VII. LECTIO. Der 32. Sontag.
86
Dieweil wir dann auß vnserm Elend ohne alle vnser verdienst, auß gnaden durch Christum erlöset seind, warumb sollen wir gute Werck thun?

Darumb, daß Christus, nach dem er vns mit seinem Blut erkaufft hat, vns auch durch seinen heiligen Geist, ernewert zu seinem Ebenbild, daß wir mit vnserm gantzen Leben vns danckbar gegen GOtt für seine Wolthat erzeigenb, vnnd er durch vns gepriesen werdec: Darnach auch, daß wir bey vns selbst vnsers Glaubens auß seinen früchten gewiß seind, vnd mit vnserm [47]Gottseligen wandel, vnsere Nächsten auch Christo gewinnen.a
  • b. Ro. 6. 13. & 12. 1. 2. 1. Pet. 2. 5. 1. Co. 6. 20
  • c. Mat. 5. 16. 1. Pet. 2. 12
  • d. 2. Pe. 1. 10. Mat. 7 17. Ga. 5. 6. 22
  • a. 1. Pet. 3. 12. Ro. 14. 19
86
Dieweil wir dann aus unserm Elend ohn allen unsern Verdienst aus Gnaden, durch Christum erlöset sind: Warum sollen wir gute Wercke thun?

Darum, daß Christus, nachdem Er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, daß wir mit unserm gantzen Leben uns danckbar gegen GOtt für seine Wohlthat erzeigen, und Er durch uns gepriesen werde. Darnach auch, daß wir bey uns selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiß seyn, und mit unserm gottseeligen Wandel, unsern Nächsten auch Christo gewinnen.
87
Können denn die nicht selig werden, die sich von jrem vndanckbaren vnbußfertigen wandel zu Gott nicht bekeren?

Keins wegs: denn wie die Schrifft saget: Kein Vnkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenpoltz, Lästerer, Rauber, vnnd dergleichen, wirdt das Reich GOttes erben.b
  • b. 1. Co. 6 10 Ep. 5. 5. 6. 1. Ioh. 3. 14
87
Können dann die nicht seelig werden, die sich von ihrem undanckbaren unbusfertigen Wandel zu GOtt nicht bekehren?

Keines wegs: Dann wie die Schrifft sagt: Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen, wird das Reich GOttes ererben.
Der 33. Sontag.
88
Jnn wie viel stücken stehet die warhafftige Buß oder bekerung deß Menschen?

Jn zweyen stücken: Jn absterbung deß altenc, vnnd aufferstehung deß newen Menschen.
  • c. Rom. 6. 4 5. 6. Ephe. 4. 22. 23. Col. 3. 5. 6. 8. 9. 10. 1. Co. 5. 7
88
In wie viel Stücken bestehet die warhaftige Bus oder Bekehrung des Menschen?

In zwey Stücken: In Absterbung des alten, und Auferstehung des neuen Menschen.
89
Was ist die absterbung deß alten Menschen?

[48]Jm die sünde von hertzen lassen leid sein, vnd dieselbige je lenger je mehr hassen vnd fliehen.a
  • a. Ro. 8. 13. Ioel. 2
89
Was ist die Absterbung des alten Menschen?

Ihm die Sünde von Hertzen lassen leyd seyn, und dieselbe je länger je mehr hassen und fliehen.
90
Was ist die Aufferstehung deß newen Menschen?

Hertzliche freud in GOTT durch Christumb, vnnd lust vnnd lieb haben nach dem willen Gottes in allen guten wercken zuleben.c
  • b. Rom. 3. 1. & 14. 17. Esa. 57. 18
  • c. Rom. 6. 10. 11. Gal. 2. 20
90
Was ist die Auferstehung eines neuen Menschen?

Hertzliche Freude in GOtt, durch Christum, und Lust und Liebe haben, nach dem Willen GOttes, in allen guten Wercken zu leben.
91
Welches sind aber gute werck?

Allein die auß warem Glaubend, nach dem Gesetz Gottese jm zu Ehren geschehenf: vnd nit die auff vnser gutduncken oder Menschen satzung gegründet sein.g
  • d. Ro. 14. 3
  • e. 1. Sa. 15. 22. Eph. 2. 10
  • f. 1. Co. 10. 31
  • g. Deu. 12. 32 Eze. 20. 18 Esa. 29. 13. Mat. 5. 9
91
[17]Welches sind aber gute Wercke?

Allein die aus wahrem Glauben, nach dem Gesetz GOttes, ihm zu Ehren geschehen, und nicht die auf unser Gutdüncken oder Menschen-Satzungen gegründet seynd.
Der 34. Sontag.
92
Wie laut das Gesetz deß HErrn?

Gott redet alle diese Wort.a [49]Das erste Gebott. Jch bin der HERR dein Gott, der ich dich auß Egyptenland, auß dem Diensthauß geführt habe. Du solt kein andere Götter für mir haben. Das ander. Du solt dir kein Bildnuß noch jrgend ein gleichnuß machen, weder deß, das oben im Himmel, noch deß, das vnden auff Erden, oder deß, das im wasser vnter der Erden ist, Du solt sie nicht anbetten, noch jhnen dienen. Denn ich der Herr dein Gott, bin ein starcker eifferiger GOtt, der die missethat der Vätter heimsucht an den Kindern, biß ins [50]dritte vnd vierde Glied deren die mich hassen: vnnd thue barmhertzigkeit an viel tausenden die mich lieben, vnnd meine Gebott halten. Das dritte. Du solt den Namen deß Herren deines Gottes nicht mißbrauchen, Denn der Herr wirt den nicht vngestrafft lassen, der seinen Namen mißbraucht; Das vierde. Gedenck deß Sabbath tages, daß du jn heiligst. Sechß tag soltu arbeiten, vnnd alle deine Werck thun, aber am siebenden tag ist der Sabbath deß HERren deines Gottes, da solt du keine arbeit thun, [51]noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch deine Knecht, noch deine Magdt, noch dein Viehe, noch der Frembdling der in deinen Thoren ist. Denn in sechß tagen hat der HERr Himmel vnd Erden gemacht, vnd das Meer, vnd alles was drinnen ist, vnnd ruhete am siebenden tage, Darumb segnete der HErr den Sabbath tag, vnd heiligte jn. Das fünffte. Du solt deinen Vatter vnd deine Mutter ehren, auff daß du lang lebest im Land, das dir der HErr dein Gott gibt. Das sechste. Du solt nicht tödten. Das siebende. [52]Du solt nicht Ehebrechen. Das achte. Du solt nicht stelen. Das neunde. Du solt kein falsch Zeugnuß reden wider deinen Nächsten. Das zehende. Laß dich nit gelüsten deines nächsten Hauß, Laß dich nit gelüsten deines nächsten Weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles das dein Nächster hat.
  • a. Exod. 20. Deu. 15
92
Wie lautet das Gesetz des HERRN?

GOtt redet alle diese Wort: Das erste Gebott. Ich bin der HERR dein GOtt, der ich dich aus Egypten-Land aus dem Dienst-Haus geführet hab. Du solt kein ander Götter für mir haben. Das andere: Du solt dir kein Bildnus, noch irgend ein Gleichnus machen, weder deß, das oben im Himmel, noch deß, der unten auf Erden, oder deß, das im Wasser unter der Erden ist. Du solt sie nicht anbeten, noch ihnen dienen; Dann ich der HErr dein GOtt, bin ein starcker eifferiger GOtt, der die Missethat der Vätter heimsuchet an den Kindern, bis ins dritte und vierdte Glied, deren die mich hassen, und thue Barmhertzigkeit an viel tausenden, die mich lieben und meine Gebott halten. Das dritte: Du solt den Namen des HErrn deines GOttes nicht mißbrauchen: Dann der HErr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. Das vierdte: Gedencke des Sabbath-Tages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage solt du arbeiten, und alle deine Wercke thun, aber am siebenden Tag ist der Sabbath des HErrn deines GOttes, da solt du kein Arbeit thun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch der Fremdling, der in deinen Thoren ist. Dann in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erden gemacht, und das Meer, und alles was darinnen ist, und ruhete am siebenden Tage. Darum segnete der HERR den Sabbath-Tag, und heiligte ihn. Das fünfte: Du solt deinen Vatter und deine Mutter ehren, auf das du lange lebest im Land, das dir der HERR dein GOTT gibt. Das sechste. Du solt nicht tödten. Das siebende. Du solt nicht Ehebrechen. Das achte. Du solt nicht stehlen. Das neundte. Du solt kein falsch Zeugnuß reden wider deinen Nächsten. Das zehende. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauß: Laß dich [18]nicht gelüsten deines Nächsten Weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles was dein Nächster hat.
93
Wie werden diese Gebott getheilt?

Jn zwo Taffelna, deren die erst in vier Gebotten lehret, wie wir vns gegen GOtt sollen halten: Die ander in [53]sechs Gebotten, was wir vnserm Nächsten schuldig seind.a
  • a. Exo. 4. 28. Deut. 7. 13. & 10. 3
  • a. Mat. 22. 37 38
93
Wie werden diese Gebott abgetheilet?

In zwo Tafeln. Deren die erste in vier Geboten lehret, wie wir uns gegen GOtt sollen halten; Die andere in sechs Gebotten, was wir unserm Nächsten schuldig seynd.
94
Was erfordert der HERR im ersten Gebott?

Daß ich bey verlierung meiner Seelen Heil vnd seligkeit alle Abgöttereyb, Zauberey, Abergläubische segenc, anruffung der Heiligen oder anderer Creaturend, meiden vnd fliehen soll, Vnnd den einigen waren GOtt recht erkennene, jhm allein vertrawenf, in aller demutg, vnnd gedulth, von jhm allein alles gutes erwarteni, vnnd jhn von gantzem Hertzen liebenk, förchtenl vnd ehrenm: Also daß ich ehe alle Creaturen vbergebe, dann inn dem geringsten wider seinen willen thue.n
  • b. 1. Cor. 6. 9 10. 7. 14. & 10
  • c. Leu. 19. 3. Deu. 18. 11
  • d. Mat. 4. 10 Apo. 19. 10 8. 9 & 22
  • e. Ioh. 17. 3
  • f. Iere. 7. 5
  • g. 1. Pet. 5. 5
  • h. He. 10. 36. Col. 1. 11. Rom. 5. 3. 1. Cor. 10. 10. Phil. 2. 14
  • i. Psal. 104. 27. Esa. 45. 7. Iacob. 1. 17
  • k. Deu. 6. 5 Matth. 22 10. Prouerb. 1. 7. & 9. Matth. 10. 18
  • l. Deu. 6. 2. Psal. 110
  • m. Matth. 4. 10. Deut. 10. 20
  • n. Matth. 5. 29. 30. & 10. Actor. 5. 29
94
Was erfordert der HErr im ersten Gebott?

Daß ich bey Verliehrung meiner Seelen Heyl und Seekeit, alle Abgötterey, Zanberey, aberglaubische Segen, Anruffung der Heiligen oder anderer Creaturen, meiden oder fliehen soll, und den einigen wahren GOtt recht erkennen, ihm allein vertrauen, in aller Demuth und Gedult, von ihm allein alles Gutes gewarten, und ihn von gantzem Hertzen lieben, fürchten und ehren: Also, daß ich ehe alle Creaturen übergebe, dann in dem geringsten wider seinen Willen thue.
95
Was ist Abgötterey.

[54]An statt deß einigen waren Gottes, der sich in seinem wort hat offenbaret, oder neben demselbigen etwas anders dichten oder haben, darauff der Mensch sein vertrawen setzt.a
  • a. Ephe. 5. 5. 1. Pa. 16. 26 Phil. 3. 19. Gal. 4. 8. Ephe. 2. 12. 1. Ioh. 2. 23. Ioh. 5. 23
95
Was ist Abgötterey?

An statt des einigen wahren GOttes, der sich in seinem Wort hat geoffenbahret, oder neben demselben, etwas anders dichten oder haben, darauf der Mensch sein Vertrauen setzet.
[Der 35. Sontag.]
96
Was will Gott im andern Gebott?

Daß wir GOtt in keinen weg verbildenb, auch auff jrgend eine ander weise, denn er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen.c
  • b. Deu. 4. 15 Esa. 40. 18 Rom. 1. 23 Act. 17. 29
  • c. 1. Sa. 15. 13. Deu. 12. 30 Mar. 15. 9
96
Was will GOTT im andern Gebott?

Das wir GOtt in keinem Weg vorbilden, noch auf irgend eine andere Weise, dann Er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen.
97
Soll man denn gar kein Bildnuß machen?

Gott kan vnd soll keines weges abgebildet werden: Die Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden: so verbeut doch GOtt derselben Bildnuß zumachen vnd zu haben, daß man sie verehre, oder im damit diene.d
  • d. Ex. 23. 24. & 34. 13. Num. 33. De. 7. 5. & 12. 16. 21. 3. 2. Re. 18. 4
97
Soll man dann gar kein Bildnuß machen?

GOtt kan und soll keines weges abgebildet werden, die Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbeut doch GOtt derselben Bildnuß zu machen, und zu haben, daß man sie verehre, oder ihm damit diene.
98
Mögen aber nicht die Bilder als [55]der der Leyen Bücher, in den Kirchen geduldet werden?

Nein: Denn wir nicht sollen weiser sein denn Gott, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzena, sondern durch die lebendige Predig seines worts wil vnderwiesen haben.b
  • a. Iere. 10. 8. Ha. 2. 11. 18
  • b. 1. Pet. 1. 19 1. Ti. 3. 36
98
Mögen aber nicht die Bilder, als der Layen Bücher, in der Kirchen geduldet werden?

Nein: Dann wir nicht sollen weiser seyn, dann GOtt, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Worts will unterwiesen haben.
Der 36. Sontag.
99
Was wil das dritt Gebott?

Daß wir nicht allein mit fluchenc, oder mit falschem Eydd: sondern auch mit vnnötigem schweren den Namen Gottes nicht lästern oder mißbrauchen, noch vns mit vnserm stillschweigen vnd zusehen solcher schrecklichen Sünden theilhafftig machen, Vnd in Summa, daß wir den heiligen Namen GOttes anderst nicht, denn mit forcht vnd Ehrerbietung gebrauchene, auff das er von vns recht bekennetf, angeruffeng, vnd in allen vnsern worten vnd werckenh gepriesen werde.
  • c. Le. 24. 11
  • d. Le. 19. 12
  • e. Mat. 5. 37. Iac. 5. 12
  • f. Esa. 45. 23
  • g. Mat. 10. 32
  • h. 1. Ti. 2. 8. Ro. 2. 24. 1. Tim. 6. 1 Col. 3. 16
99
Was will das dritte Gebott?

Daß wir nicht allein mit Fluchen, oder mit falschem Eyd, sondern auch mit unnöthigem Schwören, den Namen GOttes nicht lästern noch mißbrauchen, noch uns mit unserm Stillschweigen und Zusehen, solcher schröcklichen Sünden theilhaftig machen. Und in Summa, daß wir den heiligen Namen GOttes anderst nicht, dann mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen, [19]daß Er von uns recht erkennet, angerufen, und in allen unsern Worten und Wercken gepriesen werde.
100
[56]Jst denn mit schweren vnnd fluchen GOttes Namen lästern, so ein schwere Sünd, daß Gott auch vber die zürnet, die, so viel an jhnen ist, dieselben nit helffen wehren vnd verbieten?

Ja freylicha: Dann keine Sünde grösser ist, noch GOtt hefftiger erzürnet, dann lästerung seines Namens, Darumb er sie auch mit dem Todt zu straffen befohlen hat.b
  • a. Leu. 5. 1
  • b. Leu. 24. 15. 16
100
Ist dann mit Schwören und Fluchen, GOttes Namen lästern, eine schwere Sünde, daß auch GOtt über die zörnet, die, so viel an ihnen ist, dieselben nicht helfen wehren noch verbieten?

Ja freylich: Dann keine Sünde gröser ist, noch GOtt hefftiger erzürnet, dann Lästerung seines Namens! Darum Er sie auch mit dem Tod zu strafen befohlen hat.
Der 37 Sontag.
101
Mag man aber auch Gottselig bey dem Namen Gottes einen Eyd schweren?

Ja, Wenn es die Oberkeit von jhren Vnterthanen, oder sonst die not erfordert trewe vnd Warheit zu Gottes Ehr, vnd deß Nächsten Heil dardurch zuerhalten vnnd zufürdern. Denn solches Eydschweren ist in Gottes wort gegründetc, vnnd derhalben von den Heiligen im alten vnnd newen Testament recht gebraucht worden.d
  • c. Deu. 6. 13. & 10. 20. Esa. 48. 1. Heb. 6. 16
  • d. Ge. 21. 24. & 31. 53. Iosua 9. 15. 29. 1. Sa. 24. 13 1. Sa. 3. 35. 1. Reg. 1. 29 Rom. 1. 9. 2. Co. 1. 23
101
Mag man aber auch gottseelig bey dem Namen GOttes einen Eyd schwören?

Ja: Wann es die Obrigkeit von ihren Unterthanen, oder sonst die Noth erfordert, Treu und Warheit zu GOttes Ehr, und des Nächsten Heyl dardurch zu erhalten und zu befördern. Dann solches Eydschwören ist in GOttes Wort gegründet, und derhalben von den Heiligen im Alten und Neuen Testament recht gebraucht worden.
102
[57]Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen Eyd schweren?

Nein: Denn ein rechtmässiger Eyd ist ein anruffung GOttes, daß er als der einig Hertzkündiger, der Warheit zeugnuß wölle geben, vnnd mich straffen, so ich falsch schwerea, welche Ehre denn keiner Creaturen gebüret.b
  • a. 2. Cor. 1. 23
  • b. Mat. 3. 34
102
Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen einen Eyd schwören?

Nein: Dann ein rechtmäßiger Eyd ist eine Anrufung Gottes, daß er, als der einige Hertzenkündiger, der Warheit Zeugnus wolle geben, und mich strafen, so ich falsch schwöre, welche Ehre dann keiner Creatur gebühret.
Der 38. Sontag.
103
Was wil Gott in dem vierden Gebott?

Gott wil erstlich, daß das Predigampt vnnd Schulen erhalten werdec, vnd ich, sonderlich am Feyertag, zu der Gemeine Gottes fleissig komptd, das Wort Gottes zulehrnene, die heiligen Sacrament zugebrauchenf, den Herren offentlich anzuruffeng, vnnd das Christlich Allmosen zugebenh: Zum andern, daß ich alle tag meines lebens von meinen bösen wercken feyre, den HErren [58]durch seinen Geist inn mir wircken lasse, vnnd also den ewigen Sabbath in diesem leben anfange.a
  • c. Tit. 1. 5. 2. Tim. 3. 4. & 5. 1. Cor. 9. 11. 13. 2. Tim. 2. 2 & 3. 15
  • d. Psal. 40. 10. 11. 27. & 68. Act. 2. 42. 46
  • e. Cor. 14. 19. 29. 31
  • f. 1. Cor. 11. 33
  • g. 1. Tim. 2. 1. 2. 3. 8. 1. Cor. 14
  • h. 1. Cor. 16. 12
  • a. Esa. 66. 23
103
Was will GOtt in dem vierdten Gebott?

GOtt will erstlich, daß das Predig-Amt und Schulen erhalten werden, und ich, sonderlich am Feyertage, zu der Gemeine GOttes fleißig komme, das Wort GOttes zu lernen, die heilige Sacramenten zu gebrauchen, den HErrn offentlich anzurufen, und das Christliche Allmosen zu geben. Zum andern, daß ich alle Tage meines Lebens von meinen bösen Wercken feyre, den HErrn durch seinen Geist in mir würcken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem Leben anfange.
VIII. LECTIO. Der 39. Sontag.
104
Was wil Gott im fünfften Gebott?

Daß ich meinem Vatter vnd Mutter, vnd allen die mir fürgesetzt sein, alle ehre, liebe vnd trew beweisen, vnd mich aller guten Lehr vnd straff mit gebürlichem gehorsam vnterwerffenb, vnnd auch mit jhren gebrechen gedult haben sollc, dieweil vns GOTT durch jhre Hand regieren wil.d
  • b. Ephes. 6. 1. 2. 5. Colos. 3. 18. 20. Pro. 18. 15. & 20. 20. Exod. 21. 20. Rom. 13. 17
  • c. Prou. 23. 22. Gene. 9. 25. 1. Pet. 2. 18
  • d. Ephes. 6. 49. Col. 3. 19. Rom. 13. Matth. 22. 21
104
Was will GOtt im fünften Gebott?

Daß ich meinem Vatter und Mutter, und allen die mir fürgesetzt seynd, alle Ehre, Lieb und Treu beweisen, und mich aller guten Lehr und Straf, mit gebührlichem Gehorsam unterwerffen, und auch mit ihren Gebrechen Gedult haben soll, dieweil uns GOtt durch ihre Hand regieren will.
Der 40. Sontag.
105
Was wil Gott im sechsten Gebott?

Daß ich meinen Nächsten weder mit gedancken, noch mit worten oder geberden, viel weniger mit der that, durch mich selbst oder andere schmähen, hassen, beleidigen, oder tödtene, sondern alle Rachgirigkeit ablegenf, [59]auch mich selbst nicht beschädigen, oder mutwillig in gefahr begeben solla, Darumb auch die Oberkeit dem Todschlag zuwehren, das Schwerdt trägt.b
  • e. Matt. 5. 21. & 26. 52. Gen. 9. 6
  • f. Eph. 4. 2. Rom. 12. 19. Matth. 5. & 18. 21
  • a. Rom. 13. 5 Col. 21. 23. Syr. 3
  • b. Gen. 9. 6. Exo. 21. 14. Mat. 26. 52 Rom. 13. 4
105
Was will GOtt im sechsten Gebott?

Daß ich meinen Nächsten weder mit Gedancken, noch mit Worten oder Geberden, viel weniger mit der That, durch mich selbst oder andere, schmähen, hassen, beleidigen oder tödten, sondern alle Rachgierigkeit ablegen, auch mich selbst [20]nicht beschädigen, oder muthwillig in Gefahr begeben soll. Darum auch die Obrigkeit, den Todtschlag zu wehren, das Schwerdt trägt.
106
Redet doch diß Gebott allein vom tödten?

Es wil vns aber Gott durch verbietung deß Todtschlags lehren, daß er die Wurtzel deß Todtschlags, als neidc, haßd, zorne, rachgirigkeit hasset, vnnd daß solches alles für jhm ein heimlicher Todtschlag seye.f
  • c. Ro. 1. 29
  • d. 1. Io. 2. 9. 11
  • e. Iac. 2. 20. Gal. 5. 20
  • f. 1. Ioh. 3. 15
106
Redet doch diß Gebott allein vom Tödten.

Es will uns aber GOTT durch Verbietung des Todschlags, lehren, daß er die Wurtzel des Todtschlags, als Neid, Haß, Zorn, Rachgierigkeit, hasset, und daß solches alles für ihm ein heimlicher Todtschlag sey.
107
Jsts aber damit gnug, daß wir vnsern Nechsten, wie gemeldt, nit tödten?

Nein: Denn in dem Gott neid, haß vnd zorn verdampt, wil er von vns haben, daß wir vnsern Nechsten lieben als vns selbstg, gegen jm gedult, friede, sanfftmuth, barmhertzigkeiti, vnnd freundtligkeitk erzeigen, seinen schaden, so viel vns möglich, abwendenl, [60]vnd auch vnsern Feinden guts thun.a
  • g. Mat. 7. 12. & 22. 39
  • h. Eph. 4. 2. Gal. 6. 1. Mat. 5. 9. Ro. 12. 18
  • i. Matth. 5. Lu. 6. 63
  • k. Ro. 12. 10
  • l. Exo. 23. 5
  • a. Mat. 5. 44 Ro. 12. 20
107
Ists damit gnug, daß wir unsern Nächsten, wie gemeldet, nicht tödten?

Nein: Dann in dem GOtt Neid, Haß und Zorn verdamt, will er von uns haben, daß wir unsern Nächsten lieben, als uns selbst, gegen ihm Gedult, Friede, Sanftmuth, Barmhertzigkeit, und Freundlichkeit erzeigen, seinen Schaden, so viel uns möglich ist, abwenden, und auch unsern Feinden Guts thun.
Der 41. Sontag.
108
Was wil das siebende Gebott?

Daß alle vnkeuschheit von GOtt vermaledeyet seyb, vnd daß wir darumb jhr von Hertzen feind seinc, vnnd keusch vnd züchtig leben sollend, es sey im heiligen Ehestand oder ausserhalb desselben.e
  • b. Leu. 8. 27
  • c. Iudæ. 28
  • d. 1. Thes. 23
  • e. Heb. 13. 3. 45. 1. Cor. 7. 4
108
Was will das siebende Gebott?

Daß alle Unkeuschheit von GOtt vermaledeyet sey, und daß wir darum ihr von Hertzen feind seyn, und keusch und züchtig leben sollen, es sey im heiligen Ehestand oder ausserhalb desselben.
109
Verbeut GOtt inn diesem Gebott nichts mehr denn Ehebruch vnnd dergleichen schanden?

Dieweil beyde vnser Leib vnd Seel Tempel deß heiligen Geistes sein, so wil er, daß wir sie beyde sauber vnnd heilig bewaren. Verbeut derhalben alle vnkeusche thaten, geberden, wortf, gedancken, lustg, vnnd was den Menschen darzu reitzen mag.h
  • f. Eph. 5. 3. 1. Co. 6. 18
  • g. Mat. 5. 28
  • h. Eph. 5. 18
109
Verbeut GOtt in diesem Gebott nichts mehr dann Ehebruch und dergleichen Schanden?

Dieweil beyde unser Leib und Seel Tempel des Heiligen Geistes seynd: So will er, daß wir sie beyde sauber und heilig bewahren, verbeut derohalben alle unkeusche Thaten, Geberden, Wort, Gedancken, Lust und was den Menschen darzu reitzen mag.
Der 42. Sontag.
110
Was verbeut Gott im achten Gebott?

[61]Er verbeut nit allein den Diebstala, vnnd Raubereyb, welche die Oberkeit strafft: sonder Gott nennet auch Diebstal alle böse stück vnd anschläge, damit wir vnsers Nechsten Gut gedencken an vns zubringen, es sey mit gewalt oder schein deß rechtensc, als vnrechtem Gewichtd, Elen, Maße, Wahr, Müntz, Wucherf, oder durch einiges mittel, das von Gott verbotten ist: Darzu auch allen Geitzg, vnnd vnnütze verschwendung seiner Gaben.h
  • a. 1. Cor. 4. 18. 19
  • b. 1. Co. 5. 10
  • c. Luc. 3. 14. 1. Th. 4. 6
  • d. Pro. 11. 1. & 16. 11
  • e. Eze. 45. 9. Deu. 25
  • f. Psal. 15. 5. Luc. 6. 53
  • g. 1. Co. 6. 10
  • h. Pro. 5. 16
110
Was verbeut GOtt im achten Gebott?

Er verbeut nicht allein den Diebstahl und Rauberey, welchen die Obrigkeit straft: Sondern GOtt nennet auch Diebstahl, alle böse Stück und Anschläge, damit wir unsers Nächsten Gut gedencken an uns zu bringen, es sey mit Gewalt oder Schein des Rechten: Als unrechtem Gewicht, Ehlen, Maas, Waar, Müntz, Wucher, oder durch einiges Mittel, das von GOtt verbotten ist. Darzu auch allen Geitz und unnütze Verschwendung seiner Gaben.
111
Was gebeut dir aber Gott in diesem Gebott?

Daß ich meines Nechsten nutz, wo ich kan vnd mag, fürdere, gegen jhm also handle, wie ich wolte daß man mit mir handletei, vnnd trewlich arbeite auff daß ich dem Dürfftigen inn seiner not helffen mög.k
  • i. Mat. 7. 12
  • k. Ep. 4. 28
111
Was gebeut dir aber GOtt in diesem Gebott?

Daß ich meines Nächsten Nutzen, wo ich kan und mag, fördere, gegen ihm also handele, wie ich wollte, daß man mit mir handelte, und treulich arbeite, auf daß ich dem Dürftigen in seiner Noth helfen möge.
Der 43. Sontag.
112
Was wil das neund Gebott?

[62]Daß ich wider niemand falsche zeugnuß geba, niemand seine wort verkereb, kein Affterreder vnd Lästerer seyc, niemand vnuerhört, vnd leichtlich verdammen helffed, sonder allerley liegen vnd triegen, als eigene werck deß Teufelse, bey schwerem Gottes zorn vermeidef, Jn Gerichts vnnd allen andern handlungen die Warheit liebe, auffrichtig sage vnnd bekenneg, auch meines Nechsten Ehre vnd glimpff nach meinem vermögen rette vnd fördere.h
  • a. Pro. 16. 5. 21. 28
  • b. Psal. 15. 3
  • c. Rom. 1. 28 30
  • d. Mat. 7. 1. Luc. 5. 37
  • e. Ioh. 8. 44
  • f. Pro. 12. 22. & 13. 5
  • g. 1. Co. 13. 6. Eph. 4. 25
  • h. 1. Pet. 4. 8
112
Was will das neundte Gebott?

Daß ich wider niemand falsch Zeugnuß gebe, niemand sein Wort verkehre, kein Afterreder [21]oder Lästerer sey, niemand unverhöret und leichtlich verdammen helfe, sondern allerley Lügen und Trügen, als eigen Werck des Teuffels, bey schwerem GOttes Zorn vermeide, in Gerichts- und allen andern Handlungen, die Warheit liebe, aufrichtig sage und bekenne, auch meines Nächsten Ehre und Glimpf, nach meinem Vermögen retten und fördern soll.
Der 44. Sontag.
113
Was wil das zehende Gebott?

Daß auch die geringste lust oder gedancken wider jrgend ein Gebott Gottes in vnser Hertz nimmermehr komen: sondern wir für vnnd für von gantzem Hertzen aller sünden feind sein, vnd lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen.i
  • i. Rom. 7. 7
113
Was will das zehende Gebott?

Daß auch die geringste Lust oder Gedancken wider irgend ein Gebott GOttes in unser Hertz nimmermehr kommen: Sondern wir für und für, von gantzem Hertzen aller Sünden feind seyn, und Lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen.
114
Können aber, die zu GOtt bekehret sind, solche Gebott vollkömlich halten?

[63]Nein: sonder es haben auch die aller heiligsten, so lang sie in diesem leben sind, nur einen geringen anfang dieses gehorsamsa: doch also, daß sie mit ernstlichem fürsatz, nicht allein nach etlichen, sonder nach allen Gebotten Gottes anfangen zuleben.b
  • a. 1. Ioh. 1. 8. Rom. 7. 14 Eccl. 7. 21
  • b. Rom. 22. Iac. 2. 101. Phil. 3. 24
114
Können aber die zu GOtt bekehret sind, solche Gebott vollkömmlich halten?

Nein: Sondern es haben auch die allerheiligsten, so lang sie in diesem Leben sind, nur einen geringen Anfang dieses Gehorsams, doch also, daß sie mit ernstlichem Fürsatz nach allen Gebotten GOttes anfangen zu leben.
115
Warumb läst vns denn Gott also scharff die Zehen Gebott predigen, weil sie inn diesem leben niemand halten kan?

Erstlich, auff daß wir vnser gantzes lebenlang vnser sündliche art je lenger je mehr erkennenc, vnnd so viel desto begieriger vergebung der Sünden vnnd Gerechtigkeit in Christo suchend. Darnach daß wir ohne vnderlaß vns befleissen, vnd Gott bitten vmb die Gnade deß H. Geists, daß wir je lenger je mehr zu dem Ebenbild GOttes ernewert werden, biß wir das ziel der vollkomenheit nach diesem leben erreichen.e
  • c. 1. Ioh. 1. 9. Psal. 32. 5
  • d. Rom. 7. 25
  • e. 1. Co. 9. 24 Phi. 3. 11. 12 13. 14
115
Warum läst uns dann GOtt also scharf die zehen Gebott predigen, weil sie in diesem Leben niemand halten kan?

Erstlich, auf daß wir unser gantzes Lebenlang unser sündliche Art je länger je mehr erkennen, und so viel desto begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christo suchen. Darnach, daß wir ohn Unterlaß uns befleisen, und GOtt bitten um die Gnade des Heiligen Geistes, daß wir je länger je mehr zu dem Ebenbild Gottes verneuert werden, bis wir das Ziel der Vollkommenheit nach diesem Leben erreichen.
IX. LECTIO. Der 45. Sontag.
116
[64]Warumb ist den Christen das Gebett nötig?

Darumb daß es das fürnemmeste stück der Danckbarkeit ist, welche Gott von vns erforderta, Vnd daß GOtt seine Gnade vnd heiligen Geist allein denen wil geben, die jhn mit Hertzlichem seufftzen ohne vnderlaß darumb bitten, vnd jm darfür dancken.b
  • a. Psal. 50. 41. 15
  • b. Mat. 7. 7. & 13. 12. Lu. 11. 9. 13
116
Warum ist den Christen das Gebet nöthig?

Darum, daß es das fürnehmste Stück der Danckbarkeit ist, welche GOtt von uns erfordert: Und daß GOtt seine Gnade und Heiligen Geist allein denen will geben, die ihn mit hertzlichen Seuftzen, ohne Unterlaß, darum bitten, und ihm darfür dancken.
117
Was gehört zu einem solchen Gebett das Gott gefalle, vnd von jm erhöret werde?

Daß wir allein den einigen waren GOTT, der sich vns in seinem Wort hat offenbaretc, vmb alles das er vns zubitten befohlen hatd, von Hertzen anruffene, Vnsere not vnd Elend recht gründlich erkennenf, vns für dem Angesicht seiner Maiestat zu demütigeng, [65]Vnd diesen festen grund habena, daß er vnser Gebett, vnangesehen daß wir vnwirdig sind, doch vmb deß HERren CHRJsti willen gewißlich wölle erhörenb, wie er vns in seinem wort verheissen hat.c
  • c. Ioh. 4. 22
  • d. Ro. 8. 26. 1. Ioh. 5. 24
  • e. Ioh. 4. 23
  • f. 2. Par. 20. 21
  • g. Psal. 2. 11. & 34. 19. Esa. 66. 2
  • a. Rom. 10. 14. & 8. 15. Iaco. 1 6
  • b. Ioha. 14. 13. 14. 19. Daniel. 9. 17. 18
  • c. Matt. 7. 8. Psa. 143. 11
117
Was gehöret zu einem solchen Gebet, das GOtt gefalle, und von ihm erhöret werde?

Daß wir allein den einigen wahren GOtt, der sich uns in seinem Wort hat geoffenbahret, um alles das er uns zu bitten befohlen hat, von Hertzen anrufen. Zum andern, daß wir unsere Noth und Elend recht gründlich erkennen, uns für dem Angesicht seiner Majestät zu demüthigen, und diesen vesten Grund haben, daß er unser Gebet, unangesehen, [22]daß wirs unwürdig sind, doch um des HErrn Christi willen, gewißlich wolle erhören, wie er uns in seinem Wort verheisen hat.
118
Was hat vns GOtt befohlen von jm zubitten?

Alle Geistliche vnnd Leibliche notturfftd, welche der HErr CHristus begriffen hat, in dem Gebett, das er vns selbst gelehret.
  • d. Iac. 1. 17. Mat. 6. 33
118
Was hat uns GOtt befohlen von ihm zu bitten?

Alle geistliche und leibliche Nothdurft, welche der HErr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
119
Wie lautet dasselbe?

Vnsere Vatter der du bist in Himeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Will geschehe auff Erden wie im Himmel. Vnser täglich Brodt gib vns [66]heut. Vnd vergib vns vnser schuld, als wir auch vergeben vnsern Schüldigern. Vnnd führe vns nit in versuchung, sondern erlöse vns vom bösen. Denn dein ist das Reich, vnd die Krafft, vnd die Herrligkeit in Ewigkeit, Amen.
  • e. Matt. 6. 9. Luc. 11. 2
119
Wie lautet dasselbige?

Unser Vatter, der du bist in den Himmeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Will geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser täglich Brod gib uns heut. Und vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Dann dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen.
Der 46. Sontag.
120
Warumb hat vns Christus befohlen GOTT also anzureden, Vnser Vatter?

Daß er gleich im anfang vnsers Gebetts in vns erweckt die kindliche forcht vnnd zuuersicht gegen Gott, welche der grund vnsers Gebetts soll sein: Nemlich, daß GOTT vnser Vatter durch Christum worden sey, vnd wölle vns viel weniger versagen, warumb wir jhn im Glauben bitten, denn vnsere Vätter vns jrrdische ding abschlagen.a
  • a. Mat. 7. 9. 10. 11. Luc. 11. 11. 12. 13
120
Warum hat uns Christus befohlen GOtt also anzureden: Unser Vatter.

Daß Er gleich im Anfang unsers Gebets in uns erwecke die kindliche Furcht und Zuversicht gegen GOtt, welche der Grund unsers Gebets soll seyn, nemlich, daß GOtt unser Vatter durch Christum worden sey, und wolle uns vielweniger versagen, warum wir ihn im Glauben bitten, dann unsere Vätter uns irrdische Dinge abschlagen.
121
[67]Warumb wirt hinzu gethan, Der du bist in den Himmeln?

Auff daß wir von der Himlischen Maiestet GOTtes nichts irrdisch gedenckena vnnd von seiner Allmächtigkeit alle notturfft Leibs vnd der Seelen gewarten.b
  • a. Ierm. 23. 24. 24. Act. 17. 24 25
  • b. Ro. 10. 12
121
Warum wird hinzu gethan: Der du bist im Himmel?

Auf daß wir von der himmlischen Majestät GOttes nichts irrdisches gedencken, und von seiner Allmächtigkeit, alle Nothdurft Leibs und der Seelen erwarten.
Der 47. Sontag.
122
Was ist die erste Bitt?

Geheiliget werde dein Name, das ist, gib vns erstlich, daß wir dich recht erkennenc, vnnd dich in allen deinen wercken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weißheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmhertzigkeit, vnnd Warheit, heiligen rühmen vnd preisend Darnach auch, daß wir vnser gantzes leben, gedancken, wort vnd werck dahin richten, daß dein Name vmb vnsert willen nicht gelästert, sondern geehret vnd gepriesen werde.e
  • c. Ioh. 17. 3. Mat. 16. 17 Iaco. 1. 5. Ps. 119. 105
  • d. Psal. 119. 13. 7. Rom. 3. 7. Luc. 1. Psal. 147. Exod. 34. Iere. 32. 33. Matt. 19. Rom. 11
  • e. Psal. 71. 8. & 115. 1
122
Was ist die erste Bitt?

Geheiliget werde dein Nahme: Das ist, gib uns erstlich, daß wir dich recht erkennen, und dich in allen deinen Wercken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmhertzigkeit und Warheit, heiligen, rühmen und preisen: Darnach auch daß wir unser gantzes Leben, Gedancken, Wort und Wercke dahin richten, daß dein Nahme um unsertwillen nicht gelästert, sondern gepriesen werde.
Der 48. Sontag.
123
[68]Was ist die ander Bitt?

Zukomm dein Reich, das ist, regiere vns also durch dein Wort vnnd Geist, daß wir vns dir je lenger je mehr vnterwerffena: erhalt vnd mehre deine Kirchenb, vnnd zerstöre die Werck deß Teufels, vnnd allen gewalt der sich wider dich erhebt, vnnd alle böse Rahtschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werdenc, biß die vollkommenheit deines Reichs herzu kommed, darinn du wirst alles in allen sein.e
  • a. Mat. 6. 23. Psal 119. 5. & 143. 10
  • b. Psa. 51. 20 & 122. 6
  • c. 1. Ioh. 3. 8. Ro. 16. 20
  • d. Ap. 22. 17. 20. Ro. 8. 22. 23
  • e. 1. Cor. 15. 8
123
Was ist die andere Bitt?

Zukomme dein Reich: Das ist, regiere uns also durch dein Wort und Geist, daß wir uns dir je länger je mehr unterwerfen. Erhalte und mehre deine Kirche, und zerstöre alle Werck des Teuffels, und allen Gewalt, der sich wider dich erhebt, und alle böse Rathschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden, biß die Vollkommenheit deines Reichs herzu komme, darinn du wirst alles in allem seyn.
Der 49. Sontag.
124
Was ist die dritte Bitt?

Dein Will geschehe auff Erden wie im Himmel, das ist, verleihe, daß wir vnd alle Menschen vnserm eigenen willen absagenf, vnnd deinem allein guten willen ohne alles widersprechen gehorcheng, daß also jederman sein Ampt vnd Beruff so willig [69]vnd trewlich außrichtea, wie die Engel im Himmel.b
  • f. Mat 16. 24 Tit. 2. 12
  • g. Lu. 22. 42
  • a. 1. Cor. 7. 24
  • b. Psal. 103. 20. 21
124
[23]Was ist die dritte Bitt?

Dein Will geschehe auf Erden wie im Himmel: Daß ist, verleihe, daß wir und alle Menschen, unserm eigenen Willen absagen, und deinem allein guten Willen ohn alles Widersprechen gehorchen: Daß also jederman sein Amt und Beruf so willig und treulich ausrichte, wie die Engel im Himmel.
Der 50. Sontag.
125
Was ist die vierde Bitt?

Gib vns heut vnser täglich Brodt, das ist, wollest vns mit aller Leiblicher notturfft versorgenc, auff daß wir dardurch erkennen, daß du der einig vrsprung alles guten bistd, vnd daß ohne deinen segen, weder vnsere sorgen vnnd arbeit, noch deine gaben vns gedeyene, vnd wir derhalben vnser vertrawen von allen Creaturen abziehen, vnd allein auff dich setzen.f
  • c. Psal. 104. 27. & 145. 15
  • d. Act. 14. 17 & 17. 27
  • e. 1. Cor. 15. 38
  • f. Psal. 55. 23. & 62. 11
125
Was ist die vierdte Bitt?

Gib uns heut unser täglich Brod: Das ist, wollest uns mit aller leiblichen Nothdurft versorgen, auf daß wir dadurch erkennen, daß du der einige Ursprung alles Guten bist, und daß ohne deinen Seegen, weder unsere Sorgen und Arbeit, noch deine Gaben uns gedeyen, und wir derohalben unser Vertrauen von allen Creaturen abziehen, und allein auf dich setzen.
Der 51. Sontag.
126
Was ist die fünffte Bitt?

Vergib vns vnser schuld, als wir auch vergeben vnsern Schüldigern, das ist, wollest vns armen Sündern alle vnser Missethat, auch das böse, so vns noch jmmerdar anhenget vmb diß Bluts Christi willen [70]nicht zurechnena, wie auch wir diß zeugnuß deiner Gnad in vns befinden, daß vnser gantzer fürsatz ist, vnserm Nechsten von Hertzen zuuerzeihen.b
  • a. Psal. 51. 1. & 143. 2. 1. Ioh. 2
  • b. Mat. 6. 14
126
Was ist die fünfte Bitt?

Vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unsern Schuldigern: Das ist, wollest uns armen Sündern, alle unsere Missethat, auch das Böse, so uns noch immerdar anhänget, um des Bluts Christi willen nicht zurechnen, wie auch wir diß Zeugnus deiner Gnad in uns befinden, daß unser gantzer Fürsatz ist, unserm Nächsten von Hertzen zu verzeihen.
Der 52. Sontag.
127
Was ist die sechste Bitt?

Vnd führe vns nit in versuchung, sondern erlöse vns vom bösen, das ist, dieweil wir auß vns selbst so schwach sein, daß wir nicht einen Augenblick bestehen könnenc, vnd darzu vnsere abgesagte Feind, der Teufeld, die Welte, vnnd vnser eigen Fleischf nicht auffzuhören vns anzufechten: so wollest vns erhalten vnnd stercken durch die Krafft deines heiligen Geistes, auff daß wir jhnen mögen festen widerstandt thun, vnnd inn diesem Geistlichen streit nit vnden ligeng, biß daß wir endlich den Sieg vollkömlich behalten.h
  • c. Ioh. 15. 5. Ps. 103. 14
  • d. 1. Pet. 5. 8. Eph. 6. 32
  • e. Ioh. 15. 19
  • f. Ro. 17. 23. Gal. 5. 17
  • g. Mat. 26. 41 Mar. 13. 33
  • h. 1. Thes. 3. 13. & 5. 23
127
Was ist die sechste Bitt?

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen: Das ist, dieweil wir aus uns selbst so schwach sind, daß wir nicht einen Augenblick bestehen können, und darzu unsere abgesagte Feind, der Teuffel, die Welt und unser eigen Fleisch nicht aufhören uns anzufechten: So wollest du uns erhalten und stärcken durch die Kraft deines Heil. Geistes, auf daß wir ihnen mögen vesten Widerstand thun, und in diesem geistlichen Streit nicht unten liegen, bis daß wir endlich den Sieg vollkömmlich behalten.
128
Wie beschleust du diß Gebet?

[71]Denn dein ist das Reich, die Krafft, vnnd die Herrligkeit in Ewigkeit, das ist, Solches alles bitten wir darumb von dir, daß du als vnser König, vnnd aller ding mächtig, vns alles guts geben wilst vnnd kansta, vnnd daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig soll gepriesen werden.b
  • a. Rom. 10. 11. 12. 2. Pet. 2. 9
  • b. Ioh. 14. 1. Psal. 115. 1. Ier. 33. 8. 9
128
Wie beschleust du dies Gebet?

Dann dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit: Das ist, solches alles bitten wir darum von dir, daß du, als unser König, und aller Ding mächtig, und alles Guts geben willst und kanst, und daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Nahme ewig soll gepriesen werden.
129
Was heist das wörtlein, Amen?

Amen heist das soll war vnd gewiß sein. Denn mein Gebett viel gewisser von Gott erhöret ist denn ich in meinem hertzen füle, daß ich solches von im begere.c
  • c. 2. Co. 1. 10 2. Ti. 2. 13
129
Was heist das Wörtlein Amen?

Amen: Das heist, das soll wahr und gewiß seyn, dann mein Gebet viel gewisser von GOtt erhöret ist, dann ich in meinem Hertzen fühle, daß ich solches von ihm begehre.