Heidelberg Catechism

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Catechismus 4th ed. 1563 (Kirchenordnung; Lang, 1907) German
Heidelberger Katechismus Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund) German
I. LECTIO. Der 1. Sontag.
1. Sonntag
1
[4]Was ist dein einiger trost in leben vnd in sterben?

Das ich mit Leib vnd Seel, beyde in leben vnd in sterbena nicht meinb, sonder meines getrewen Heilands Jesu Christi eigen binc, der mit seinem thewren blutd, für alle meine sünden volkommlich bezalete, vnd mich ausz allem gewalt des Teuffels erlöset hatf, vnd also bewaretg, das one den willen meines Vatters im Himmel, kein har von meinem haupt kan fallenh, ja auch mir alles zu meiner seligkeyt dienen muszi. Darumb er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen lebens versichertk, vnd jm forthin zu leben von hertzen willig vnd bereit machtl.
  • a. Rom. 14, 8
  • b. 1. Cor. 6, 19
  • c. 1. Cor. 3, 23
  • d. 1. Pet. 1, 18f
  • e. 1. Ioha. 1, 7; 2, 2
  • f. 1. Ioha. 3, 8
  • g. Ioh. 6, 39
  • h. Matt. 10, 29—31. Luc. 21, 18
  • i. Rom 8, 28
  • k. 2. Cor. 1, 21f. Ephes. 1, 13f. Rom. 8, 15f
  • l. Rom. 8, 14
1
[7]Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

Daß ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir,1 sondern meinem getreuen Heiland2 Jesus Christus gehöre.3
Er hat mit seinem teuren Blut4 für alle meine Sünden vollkommen bezahlt5 und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst;6 und er bewahrt mich so,7 daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel8 kein Haar von meinem Haupt kann fallen,9 ja, daß mir alles zu meiner Seligkeit dienen muß.10
Darum macht er mich auch11 durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiß12 und von Herzen willig und bereit,13 ihm forthin zu leben.
  • 1. Röm 14, 8
  • 2. 1. Kor 6, 19
  • 3. 1. Kor 3, 23
  • 4. 1. Petr 1, 18.19
  • 5. 1. Joh 1, 7; 2, 2
  • 6. 1. Joh 3, 8
  • 7. Joh 6, 39
  • 8. Mt 10, 29-31
  • 9. Lk 21, 18
  • 10. Röm 8, 28
  • 11. 2. Kor 1, 21.22
  • 12. Eph 1, 13.14
  • 13. Röm 8, 15.16
2
Wieuiel stück seind dir nötig zu wissen, dasz du in diesem trost seliglich leben vnd sterben mögest?

Drey stücka. Erstlich wie grosz meine sünde vnnd elend [5]seyenb. Zum andern, wie ich von allen meinen sünden vnnd elend erlöset werdec. Vnd zum dritten, wie ich Gott für solche erlösung sol danckbar seind.
  • a. Luc. 24, 46f. 1. Cor. 6, 11. Tit. 3, 3—7
  • b. Ioha. 6. [9, 41]; 15, 22
  • c. Ioha. 17, 3
  • d. Ephe. 5, 8—11. 1. Pet. 2, 9—12. Rom. 6, 11—14
2
[9]Was mußt du wissen, damit du in diesem Trost selig leben und sterben kannst?1

Erstens: Wie groß meine Sünde und Elend ist.2
Zweitens: Wie ich von allen meinen Sünden und Elend3 erlöst werde.
Drittens: Wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein.4
  • 1. Lk 24, 46.47; 1. Kor 6, 11
  • 2. Tit 3, 3-7; Joh 9, 41; 15, 22
  • 3. Joh 17, 3
  • 4. Eph 5, 8-11; 1. Petr 2, 9-12; Röm 6, 11-14
DER ERSTE THEIL. VON DES MENSCHEN ELEND.
Der erste Teil. Von des Menschen Elend
Der 2. Sontag.
2. Sonntag
3
Woher erkennest dein elend?

Ausz dem Gesetz Gottesa.
  • a. Rom. 3, 20
3
[10]Woher erkennst du dein Elend?

Aus dem Gesetz Gottes.1
  • 1. Röm 3, 20
4
Was erfordert denn das Göttlich Gesetz von vns?

Disz lehret vns Christus in einer summa, Matth. am 22. Du solt lieben Gott deinen Herren, von gantzem hertzen, von gantzer seelen, von gantzem gemüth vnd allen krefften, disz ist das fürnemste vnnd das gröste gebott: Das ander aber ist dem gleich, Du solt deinen Nechsten lieben als dich selbs. In diesen zweyen gebotten hanget das gantze gesetz vnd die Prophetena.
  • a. Luc. 10, 27
4
Was fordert denn Gottes Gesetz von uns?

Dies lehrt uns Christus mit folgenden Worten:
»Du sollst den HERRN, deinen Gott,1 lieben von ganzem Herzen,2 von ganzer Seele3 und von ganzem Gemüt.
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.«
  • 1. Mt 22, 37-40
  • 2. Mk 12, 30.31
  • 3. Lk 10, 27
5
Kanstu disz alles vollkomlich halten?

Neina: denn ich bin von natur geneigt Gott vnd meinen Nechsten zu hassenb.
  • a. Rom. 3, 10—12, 23. 1. Iohan. 1, 8, 10
  • b. Rom. 8, 7. Ephes. 2, 3
5
[11]Kannst du das alles vollkommen halten?

Nein, denn ich bin von Natur aus geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen.1
  • 1. Röm 3, 10-12.23; 1. Joh 1, 8.10; Röm 8, 7; Eph 2, 3
Der 3. Sontag.
3. Sonntag
6
[6]Hat denn Gott den menschen also bösz vnnd verkert erschaffen?

Neina: sonder Gott hat den menschen gut, vnnd nach seinem ebenbild erschaffenb, das ist, in warhafftiger gerechtigkeyt vnd heiligkeyt, auff dasz er Gott seinen Schöpffer recht erkennte, vnd von hertzen liebte, vnd in ewiger seligkeyt mit jm lebte, jn zu loben vnd zu preisenc.
  • a. Gen. 1, 31
  • b. Gen. 1, 26f
  • c. 2. Cor. 3, 18. Coloss. 3, 10. Ephes. 4, 24
6
Hat denn Gott den Menschen so böse und verkehrt erschaffen?

Nein.1 Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen, das bedeutet:2 wahrhaft gerecht und heilig, damit er Gott, seinen Schöpfer, recht erkenne, von Herzen liebe und in ewiger Seligkeit mit ihm lebe, ihn zu loben und zu preisen.3
  • 1. 1. Mose 1, 31
  • 2. 1. Mose 1, 26.27
  • 3. 2. Kor, 3, 18; Kol 3, 10; Eph 4, 24
7
Woher kompt denn solche verderbte art des menschen?

Ausz dem fall vnd vngehorsam vnser ersten eltern Adams vnd Euen im Paradeisza, da vnser natur also vergifftet worden, dasz wir alle in sünden empfangen vnd geboren werdenb.
  • a. Gen. 3. Rom. 5, 12, 18f
  • b. Psalm. 51, 7
7
Woher kommt denn diese böse und verkehrte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva1 im Paradies.2 Da ist unsere Natur so vergiftet worden, daß wir alle von Anfang an Sünder sind.3
  • 1. 1. Mose 3
  • 2. Röm 5, 12.18.19
  • 3. Ps 51, 7
8
Seind wir aber dermassen verderbt, dasz wir gantz vnnd gar vntüchtig seind zu einigem guten, vnnd geneigt zu allem bösen?

Jaa: Es sey denn, dasz wir durch den Geist Gottes wider geboren werdenb.
  • a. Iohan. 3, 6. Gen. 6, 5. Iohan. [Job.] 14, 4; 15, 14, 16, 35. Esai. 53, 6
  • b. Iohan. 3, 5
8
[12]Sind wir aber so böse und verkehrt, daß wir ganz und gar unfähig sind zu irgendeinem Guten und geneigt zu allem Bösen?

Ja, es sei denn, daß wir durch den Geist Gottes1 wiedergeboren werden.2
  • 1. Joh 3, 6; 1.Mose 6, 5; Hiob 14, 4; 15, 14; 16, 35; Jes 53, 6
  • 2. Joh 3, 5
Der 4. Sontag.
4. Sonntag
9
Thut denn Gott dem menschen nicht vnrecht, dasz er in seinem Gesetz von jm fordert das er nicht thun kan?

[7]Nein: Denn Gott hat den menschen also erschaffen, dasz er es kondte thuna: der mensch aber hat sich vnd alle seine nachkommen, ausz anstifftung des Teuffels, durch mutwilligen vngehorsam derselbigen gaben beraubtb.
  • a. Ephe. 4, 24
  • b. Rom. 5, 12
9
Tut denn Gott dem Menschen nicht Unrecht, wenn er in seinem Gesetz etwas fordert, was der Mensch nicht tun kann?

Nein,1 sondern Gott hat den Menschen so erschaffen, daß er es tun konnte. Der Mensch aber, vom Teufel angestiftet,2 hat sich und alle seine Nachkommen durch mutwilligen Ungehorsam der Gabe Gottes beraubt.
  • 1. Eph 4, 24
  • 2. Röm 5, 12
10
Wil Gott solchen vngehorsam vnnd abfall vngestrafft lassen hingehen?

Mit nichtena: sonder er zürnet schrecklich, beyde vber angeborne vnd würckliche sünden, vnd will sie ausz gerechtem vrtheil zeitlich vnnd ewig straffen, wie er gesprochen hat: Verflucht sey jederman, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet in dem buch des gesetzes, dasz ers thueb.
  • a. Rom. 5, 12. Heb. 9, 27
  • b. Deut. 27, 26. Galat. 3, 10
10
[13]Will Gott diesen Ungehorsam ungestraft lassen?

Nein,1 sondern er zürnt schrecklich über die sündige Art des Menschen und seine sündigen Taten. Beides will er nach seinem gerechten Urteil schon jetzt und ewig strafen, wie er gesprochen hat:
»Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes,2 daß er’s tue!«3
  • 1. Röm 5, 12; Hebr 9, 27
  • 2. 5. Mose 27, 26
  • 3. Gal 3, 10
11
Ist denn Gott nicht auch barmhertzig?

Gott ist wol barmhertziga, er ist aber auch gerechtb, derhalben erfordert seine gerechtigkeyt, dasz die sünde, welche wider die allerhöchste maiestet Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, dz ist, der ewigen straff an leib vnd seel gestrafft werde.
  • a. Exo. 34, 6f
  • b. Exo. 20, 5. Psal. 5, 5f. 2. Cor. 6, 14—16
11
Ist denn Gott nicht auch barmherzig?

Gott ist wohl barmherzig,1 er ist aber auch gerecht.2 Deshalb fordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, die Gottes Ehre und Hoheit antastet, mit der höchsten, nämlich der ewigen Strafe an Leib und Seele gestraft wird.
  • 1. 2. Mose 34, 6 – 7
  • 2. 2. Mose 20, 5; Ps 5, 5.6; 2. Kor. 6, 14-16
DER ANDER THEIL. VON DES MENSCHEN ERLÖSUNG.
Der zweite Teil. Von des Menschen Erlösung
II. LECTIO. Der 5. Sontag.
5. Sonntag
12
[8]Dieweil wir denn nach dem gerechten vrtheil Gottes zeitliche vnnd ewige straff verdient haben: wie möchten wir dieser straff entgehen, vnd widerumb zu gnaden kommen?

Gott will das seiner gerechtigkeyt gnug geschehea, derwegen müssen wir derselben entweder durch vns selbst, oder durch einen andern volkommene bezalung thunb.
  • a. Exo. 20, 5; 23, 7
  • b. Rom. 8, 3f
12
[14]Wenn wir also nach dem gerechten Urteil Gottes schon jetzt und ewig Strafe verdient haben, wie können wir dieser Strafe entgehen und wieder Gottes Gnade erlangen?

Gott will zu seinem Recht kommen,1 darum müssen wir für unsere Schuld entweder selbst oder durch einen anderen2 vollkommen bezahlen.
  • 1. 2. Mose 20, 5; 23, 7
  • 2. Röm 8, 3.4
13
Können wir aber durch vns selbst bezalung thun?

Mit nichten: sonder wir machen auch die schuld noch täglich grössera.
  • a. Iob. 9, 2f.; 15, 15f. Matth. 6, 12
13
Können wir aber selbst für unsere Schuld bezahlen?

Nein,1 sondern wir machen sogar die Schuld noch täglich größer.
  • 1. Hiob 9, 2.3; 15, 15.16; Mt 6,12
14
Kan aber jrgend eine blosse Creatur für vns bezalen?

Keine: Denn erstlich will Gott an keiner andern Creatur straffen, das der mensch verschuldet hata. Zum andern, so kan auch kein blosse Creatur den last des ewigen zorns Gottes wider die sünde ertragen, vnd andere dauon erlösenb.
  • a. Heb. 2, 14—18
  • b. Psal. 130, 3
14
[15]Kann aber irgendein Geschöpf für uns bezahlen?

Nein, denn erstens will Gott an keinem anderen Geschöpf strafen,1 was der Mensch verschuldet hat. Zweitens kann kein Geschöpf die Last des ewigen Zornes Gottes gegen die Sünde ertragen und andere davon erlösen.2
  • 1. Hebr 2, 14-18
  • 2. Ps 130, 3
15
Was müssen wir denn für einen Mittler vnnd Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein warera, vnd gerechter menschb, vnd [9]doch stercker denn alle Creaturen, das ist, zugleich warer Gott seyc.
  • a. 1. Cor. 15, 21f., 25f
  • b. Iere. 33, 16. Ies. 53, 11. 2. Cor. 5, 21. Heb. 7, 15—17
  • c. Esai. 7, 14. Rom. 9. [8, 3f.]. Ierem. 23, 6
15
Was für einen Mittler und Erlöser müssen wir denn suchen?

Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch1 und doch stärker als alle Geschöpfe, also auch wahrer Gott ist.2
  • 1. 1. Kor 15, 21-22.25-26; Jer 33, 16; Jes 53, 11; 2. Kor 5, 21; Hebr 7,15–17
  • 2. Jes 7, 14; Röm 9, 5; Jer 23, 6
Der 6. Sontag.
6. Sonntag
16
Warumb musz er ein warer vnd gerechter mensch sein?

Darumb, dasz die gerechtigkeyt Gottes erforderta, dasz die menschliche natur, die gesündiget hat, für die sünde bezale: vnd aber einer, der selbst ein sünder were, nicht köndte für andere bezalenb.
  • a. Rom. 5, 12, 15
  • b. 1. Petr. 3, 18. Esai. 53, 3—5
16
Warum muß er ein wahrer und gerechter Mensch sein?

Die Sünde wird von den Menschen begangen,1 darum verlangt Gottes Gerechtigkeit, daß ein Mensch für die Sünde bezahlt; wer aber selbst ein Sünder ist, kann nicht für andere bezahlen.2
  • 1. Röm 5, 12.15
  • 2. 1. Petr. 3, 18; Jes 53, 3-5
17
Warumb musz er zugleich warer Gott sein?

Dasz er ausz krafft seiner Gottheita, den last des zorns Gottes, an seiner menschheyt ertragen, vnnd vns die gerechtigkeyt, vnd das leben erwerbenb, vnd widergeben möchtec.
  • a. Esai. 53, 8. Actor. 2, 24. 1. Pet. 3, 18
  • b. Iohan. 3, 16. Act. 20, 28
  • c. 1. Ioh. 1, 2
17
[16]Warum muß er zugleich wahrer Gott sein?

Nur wenn er zugleich wahrer Gott ist,1 kann ein Mensch2 die Last des Zornes Gottes ertragen3 und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben.4
  • 1. Jes 53,8
  • 2. Apg 2, 24
  • 3. 1. Petr 3, 18
  • 4. Joh 3, 16; Apg 20, 28; 1. Joh 1, 2
18
Wer ist aber derselbe Mittler, der zu gleich warer Gott, vnd ein warer gerechter mensch ist?

[10]Vnser Herr Jesus Christusa, der vns zur volkommenen erlösung vnd gerechtigkeyt geschenckt istb.
  • a. Matt. 1, 23. 1. Tim. 3, 16. Luc. 2, 11
  • b. 1. Cor. 1, 30
18
Wer ist denn dieser Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer, gerechter Mensch ist?

Unser Herr Jesus Christus, der uns1 zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist.2
  • 1. Mt 1, 23; Lk 2, 11; 1. Tim 3, 16
  • 2. 1. Kor 1, 30
19
Woher weistu das?

Ausz dem heiligen Euangelio, welchs Gott selbst anfenglich im Paradeisza hat offenbaret: folgends durch die heilige Ertzuätterb vnd Propheten lassen verkündigen, vnd durch die Opffer vnnd andere Ceremonien des Gesetzes fürgebildetc. Endtlich aber durch seinen eingeliebten Son erfülletd.
  • a. Gen. 1. [3, 15.]
  • b. Gen. 22, 18; 49, 10f. Rom. 1, 2. Heb. 1, 1. Act. 3, 22—24; 10, 43
  • c. Iohan. 5, 46. Hebr. 10, 7
  • d. Rom. 10, 4. Gal. 4, 4f
19
Woher weißt du das?

Aus dem heiligen Evangelium. Gott selbst hat es zuerst im Paradies offenbart,1 dann durch die heiligen Erzväter und Propheten2 verkündigen lassen und durch die Opfer und andere Bräuche des Gesetzes3 vorgebildet, zuletzt aber durch seinen einzig geliebten Sohn erfüllt.4
  • 1. 1. Mose 3, 15
  • 2. 1. Mose 22,18; 49, 10.11.; Röm 1, 2; Hebr 1,1; Apg 3, 22 – 24; 10, 43
  • 3. Joh 5, 46; Hebr 10, 7
  • 4. Röm 10, 4; Gal 4, 4.5
Der 7. Sontag.
7. Sonntag
20
Werden denn alle menschen widerumb durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein: sonder allein die jenigen, die durch waren glauben jm werden eingeleibet, vnd alle seine wolthaten annemena.
  • a. Iohan. 1, 12f. Esai. 53, 11. Psalm. 2, 12. Rom. 11, 20. Heb. 4, 2f.; 10, 39
20
[17]Werden denn alle Menschen wieder durch Christus gerettet, so wie sie durch Adam verloren gegangen sind?

Nein, sondern nur diejenigen, die durch wahren Glauben seinem Leib als Glieder eingefügt werden und alle seine Wohltaten annehmen.1
  • 1. Joh 1, 12.13; Jes 53, 11; Ps 2, 12; Röm 11, 20; Hebr 4, 2-3; 10, 39
21
Was ist warer glaub?

Es ist nicht allein ein gewisse erkandtnusz, dardurch ich alles für war halte, was vns Gott in seinem wort hat offenbareta: sonder auch ein hertzliches vertrawenb, welches der heilige geistc durchs Euangelium in mir würcketd, dasz nicht allein andern, sonder auch mir vergebung der sünden, ewige [11]gerechtigkeyt vnd seligkeyt von Gott geschenckt seye, ausz lauter gnaden, allein vmb des verdiensts Christi willenf.
  • a. Iacob. 1, 6
  • b. Rom. 4, 16—18; 5, 1
  • c. 2. Cor. 4, 13. Ephes. 2. Matt. 16, 17. Philip. 1, 19, 29
  • d. Rom. 1, 16; 10, 17
  • e. Hebr. 11, 1f. Rom. 1, 17
  • f. Ephe. 2, 7—9. Rom. 3, 24f. Gal. 2, 16
21
Was ist wahrer Glaube?

Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis, durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat,1 sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt,2 daß nicht allein anderen, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt ist,3 aus lauter Gnade,4 allein um des Verdienstes Christi willen.5
  • 1. Jak 1, 6
  • 2. Röm 4, 16-18; 5, 1; 2. Kor 4, 13; Eph 2, 8; Mt 16, 17; Phil 1, 19-20; Röm 1, 16; 10, 17
  • 3. Hebr 11,1-2; Röm 1,17
  • 4. Eph 2, 7-9
  • 5. Röm 3,24-25; Gal 2,16
22
Was ist aber einem Christen noth zuglauben?

Alles was vns im Euangelio verheissen wirda, welchs vns die Artickel vnsers allgemeinen vngezweifelten Christlichen glaubens in einer summa lehren.
  • a. Ioha. 20, 31. Matt. 28, 20
22
[18]Was ist für einen Christen notwendig zu glauben?

Alles, was uns im Evangelium zugesagt wird,1 wie es uns unser allgemeines, wahrhaftiges, christliches Glaubensbekenntnis zusammengefaßt lehrt.
  • 1. Joh 20, 31; Mt 28, 20
23
Wie lauten dieselben?

Ich glaub in Gott Vatter, den allmechtigen, Schöpffer Himmels vnd der Erden. Vnd in Jesum Christum, seinen eingebornen Son vnsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren ausz Maria der Jungfrawen, gelitten vnder Pontio Pilato, gecreutziget, gestorben vnnd begraben, abgestiegen zu der Hellen, am dritten tage [12]wider aufferstanden von den todten, auffgefaren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes des allmechtigen Vatters, von dannen er kommen wird, zu richten die lebendigen vnd die todten. Ich glaub in den heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die gemeinschafft der Heiligen, vergebung der sünden, aufferstehung des fleisches, vnd ein ewigs leben.
23
Wie lautet dieses Glaubensbekenntnis?

Ökumenische Fassung:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. [19]Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige allgemeine christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Die Erklärungen des Heidelberger Katechismus folgen einer älteren Fassung des Glaubensbekenntnisses:
Ich glaube an Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. [20]Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige allgemeine christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.
Der 8. Sontag.
8. Sonntag
24
Wie werden diese Artickel abgetheilt?

In drey theil. Der erst ist von Gott dem Vatter, vnnd vnser erschöpffung. Der ander von Gott dem Son, vnd vnser erlösung. Der dritt von Gott dem heiligen Geist, vnd vnser heiligung.
24
Wie wird das Glaubensbekenntnis eingeteilt?

In drei Teile:
der erste handelt von Gott dem Vater und unserer Erschaffung;
der zweite von Gott dem Sohn und unserer Erlösung;
der dritte von Gott dem Heiligen Geist und unserer Heiligung.
25
Dieweil nur ein einig Göttlich wesen ista: warumb nennestu drey, den Vatter, Son, vnd heiligen Geist?

Darumb dasz sich Gott also in seinem wort geoffenbaret hatb, dasz dise drey vnderschiedliche Personen, der einig warhafftig ewig Gott seind.
  • a. Deut. 6, 4
  • b. Esai. 61, 1. Psal. 110, 1. Matth. 3, 16f.; 28, 19. 1. Ioha. 5, 7
25
Warum nennst du denn drei: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist,1 wo doch Gott nur einer ist?

Weil Gott sich in seinem Wort so offenbart hat,2 daß diese drei Personen unterschieden3 und doch der eine, wahre und ewige Gott sind.4
  • 1. 5. Mose 6, 4
  • 2. Jes 61,1; Ps 110, 1
  • 3. Mt 3, 16-17; 28, 19
  • 4. 1. Joh 5, 7
Der 9. Sontag.
9. Sonntag
26
Was glaubestu, wenn du sprichst, Ich glaub in Gott Vatter, den allmechtigen, Schöpffer Himmels vnd der Erden?

Dasz der ewig Vatter vnsers Herrn Jesu Christi, der Himmel [13]vnnd Erden sampt allem was drinnen ist, ausz nichts erschaffena, auch dieselbigen noch durch seinen ewigen raht vnd fürsehung erhelt vnd regieretb: vmb seines Sons Christi willen, mein Gott vnnd mein Vatter seyc, auff welchen ich also vertrawe, dasz ich nicht zweiffel, er werde mich mit aller notturfft leibs vnd der seelen versorgend, auch alles vbel, so er mir in diesem jammerthal zuschicket, mir zu gut wendene: dieweil ers thun kan, als ein allmechtiger Gottf: vnd auch thun will als ein getrewer Vatterg.
  • a. Gen. 1. Psal. 33, 6
  • b. Psal. 104, 2—5. Matt. 10, 29f. Heb. 1, 3. Psal. 115, 3
  • c. Ioh. 1, 12. Rom. 8, 15. Gal. 4, 5—7. Ephes. 1, 5
  • d. Psal. 55, 23. Matth. 6, 25f. Luc. 12, 22—24
  • e. Rom. 8, 28
  • f. Rom. 10, 12
  • g. Matt. 6, 26; 7, 9—11
26
[21]Was glaubst du, wenn du sprichst: »Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde«?

Ich glaube, daß der ewige Vater unsers Herrn Jesus Christus um seines Sohnes willen1 mein Gott und mein Vater ist.2 Er hat Himmel und Erde mit allem, was darin ist, aus nichts erschaffen3 und erhält und regiert sie noch immer durch seinen ewigen Rat und seine Vorsehung.4 Auf ihn vertraue ich und zweifle nicht, daß er mich mit allem versorgt,5 was ich für Leib und Seele nötig habe, und auch alle Lasten, die er mir in diesem Leben auferlegt, mir zum Besten wendet.6 Er kann es tun als ein allmächtiger Gott7 und will es auch tun als ein getreuer Vater.8
  • 1. Gal 4, 5-7; Eph 1, 5
  • 2. Joh 1, 12; Röm 8, 15
  • 3. 1. Mose 1; Ps 33, 6
  • 4. Ps 104, 2-5; Mt 10, 29-30; Hebr 1, 3; Ps 115, 3
  • 5. Ps 55, 23; Mt 6, 25-26; Lk 12, 22-24
  • 6. Röm 8, 28
  • 7. Röm 10, 12
  • 8. Mt 6, 26; 7, 9-11
Der 10. Sontag.
10. Sonntag
27
Was verstehestu durch die fürsehung Gottes?

Die allmechtige vnd gegenwertige krafft Gottesa, durch welche er Himel vnnd Erde, sampt allen Creaturen, gleich als mit seiner hand noch erheltb, vnnd also regiert, das laub vnnd grasz, regen vnd dürre, fruchtbare vnd vnfruchtbare jar, essen vnd trinckenc, gesundheyt vnd kranckheitd, reichthumb vnd armute, vnd alles, nicht one gefähr, sonder von seiner väterlichen hand vns zukomme.
  • a. Acto. 17, 25ff
  • b. Heb. 1, 2f
  • c. Ierem. 5, 24. Actor. 14, 17
  • d. Ioh. 9, 3
  • e. Prou. 22, 2
27
[22]Was verstehst du unter der Vorsehung Gottes?1

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen2 wie durch seine Hand noch erhält und so regiert, daß Laub und Gras, Regen und Dürre,3 fruchtbare und unfruchtbare Jahre,4 Essen und Trinken,5 Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt.
  • 1. Apg 17, 25-28
  • 2. Hebr 1, 2-3
  • 3. Jer 5, 24; Apg 14, 17
  • 4. Joh 9, 3
  • 5. Spr 22, 2
28
Was für nutz bekommen wir ausz erkandtnusz der schöpffung vnd fürsehung Gottes?

Das wir in aller widerwertigkeyt gedultiga, in glückselig[14]keyt danckbarb, vnnd auffs zukünfftig guter zuuersicht zu vnserm getrewen Gott vnd Vatter sein sollen, dasz vns keine Creatur von seiner liebe scheiden wirdc, dieweil alle Creaturen also in seiner hand sind, dasz sie sich one seinen willen auch nicht regen noch bewegen könnend.
  • a. Rom. 5, 3. Iacob. 1, 3. Iob. 1, 21
  • b. Deut. 8, 10. 1. Thess. 5, 18
  • c. Rom. 8, 38f
  • d. Iob. 1, 12. Acto. 17, 25—28. Prou. 21, 1
28
Was nützt uns die Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes?

Gott will damit, daß wir in aller Widerwärtigkeit geduldig, in Glückseligkeit dankbar1 und auf die Zukunft hin voller Vertrauen zu unserem treuen Gott und Vater sind, daß uns nichts [23]von seiner Liebe scheiden wird,2 weil alle Geschöpfe so in seiner Hand sind, daß sie sich ohne seinen Willen weder regen noch bewegen können.3
  • 1. Röm 5, 3; Jak 1, 3; Hiob 1, 21; 5. Mose 8, 10; 1. Thess 5, 18
  • 2. Röm 8, 38-39
  • 3. Hiob 1, 12; Apg 17, 25-28; Spr 21, 1
III. LECTIO. Der 11. Sontag.
11. Sonntag
29
Warumb wird der Son Gottes Jesus, das ist, seligmacher genannt?

Darumb dasz er vns selig macht von vnsern sündena, vnd dasz bey keinem andern einige seligkeyt zusuchen noch zufinden istb.
  • a. Matt. 1, 21. Heb. 7, 25
  • b. Act. 4, 12
29
Warum wird der Sohn Gottes Jesus, daß heißt »Heiland«, genannt?

Weil er uns heilt von unseren Sünden,1 und weil bei keinem anderen ein solches Heil2 zu suchen noch zu finden ist.
  • 1. Mt 1, 21; Hebr 7, 25
  • 2. Apg 4, 12
30
Glauben denn die auch an den einigen seligmacher Jesum, die jre seligkeyt vnd heil bey heiligen, bey jnen selbst, oder anderstwo suchen?

Nein: sonder sie verleugnen mit der that den einigen Seligmacher vnd Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rhümena. Denn entweder Jesus nicht ein volkommener Heiland sein musz: oder die diesen Heiland mit warem glauben annemen, müssen alles in jm haben, das zu jrer seligkeyt vonnöten istb.
  • a. 1. Cor. 1, 13, 30f. Gal. 5, 4
  • b. Esai. 9, 6. Coloss. 1, 19f.; 2, 10. Iohan. 1, 16
30
Glauben denn auch die an den einzigen Heiland Jesus, die Heil und Seligkeit bei den Heiligen, bei sich selbst oder anderswo suchen?

Nein. Sie rühmen sich zwar seiner mit Worten,1 verleugnen ihn aber mit der Tat. Denn entweder ist Jesus [24]kein vollkommener Heiland, oder er ist denen, die ihn mit wahrem Glauben annehmen, alles, was zu ihrer Seligkeit nötig ist.2
  • 1. 1. Kor 1, 13.30-31; Gal 5, 4
  • 2. Jes 9, 5; Kol 1, 19-20; 2, 10; Joh 1, 16
Der 12. Sontag.
12. Sonntag
31
Warumb ist er Christus, das ist, ein gesalbter genannt?

[15]Dasz er von Gott dem Vatter verordnet, vnnd mit dem heiligen Geista gesalbet ist, zu vnserm öbersten Propheten vnd Lehrerb, der vns den heimlichen rath vnnd willen Gottes von vnser erlösung volkomlich offenbaretc: Vnd zu vnserem einigen hohen Priesterd, der vns mit dem einigen Opffer seines Leibs erlöset hat, vnd jmmerdar mit seiner fürbit für dem Vatter vertritte: Vnd zu vnserm ewigen König, der vns mit seinem wort vnd geist regiert, vnnd bey der erworbenen erlösung schützet vnd erheltf.
  • a. Hebr. 1, 9
  • b. Deut. 18, 15. Act. 3, 22
  • c. Ioan. 1, 18; 15, 15
  • d. Psal. 110, 4. Hebr. 7, 21
  • e. Rom. 8, 34; 5, 9f
  • f. Psalm. 2, 6. Luc. 1, 33. Matth. 28, 18
31
Warum wird er Christus, das heißt »Gesalbter« genannt?

Er ist von Gott dem Vater eingesetzt und mit dem Heiligen Geist gesalbt1 zu unserem obersten Propheten und Lehrer,2 der uns Gottes verborgenen Rat und Willen von unserer Erlösung vollkommen offenbart;3 und zu unserem einzigen Hohenpriester, der uns mit dem einmaligen Opfer seines Leibes4 erlöst hat und uns alle Zeit mit seiner Fürbitte5 vor dem Vater vertritt; und zu unserem ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regiert und bei der erworbenen Erlösung6 schützt und erhält.
  • 1. Hebr 1, 9
  • 2. 5. Mose 18, 15; Apg 3, 22
  • 3. Joh 1, 18; 15, 15
  • 4. Ps 110, 4; Hebr 7, 21
  • 5. Röm 8, 34; 5, 9-10
  • 6. Ps 2, 6; Lk 1, 33; Mt 28, 18
32
Warumb wirst aber du ein Christ genent?

Dasz ich durch den glauben ein glied Christia, vnnd also seiner salbung theilhafftig binb, auff dasz auch ich seinen Namen bekennec, mich jhm zu einem lebendigen danckopffer darstelled, vnd mit freiem gewissen in diesem leben wider die sünde vnd Teuffel streittee, vnd hernach in ewigkeyt mit jm vber alle Creaturen herschef.
  • a. Acto. 11, 26
  • b. 1. Ioh. 2, 27. Actor. 2, 17. Ioel 2, 28
  • c. Marc. 8, 38
  • d. Rom. 12, 1. Apocal. 5, 8. 10. 1. Pet. 2, 9. Apoc. 1, 6
  • e. 1. Tim. 1, 18f
  • f. 2. Tim. 2, 12
32
[25]Warum wirst aber du ein Christ genannt?

Weil ich durch den Glauben ein Glied Christi bin1 und dadurch an seiner Salbung Anteil habe,2 damit auch ich seinen Namen bekenne,3 mich ihm4 zu einem lebendigen Dankopfer hingebe5 und mit freiem Gewissen in diesem Leben gegen die Sünde und den Teufel streite6 und hernach in Ewigkeit mit ihm über alle Geschöpfe herrsche.7
  • 1. Apg 2, 17; 11, 26; 1. Joh 2, 27
  • 2. Joel 3, 1
  • 3. Mk 8, 38
  • 4. Röm 12, 1; Offb 5, 8.10
  • 5. 1. Petr 2, 9; Offb 1, 6
  • 6. 1. Tim 1, 18.19
  • 7. 2. Tim 2, 12
[Der 13. Sontag.]
13. Sonntag
33
Warumb heist er Gottes eingeborner Son, so doch wir auch kinder Gottes sind?

Darumb dasz Christus allein der ewig natürlich Son Gottes ista: wir aber vmb seinet willen ausz gnaden zu kindern Gottes angenommen sindb.
  • a. Ioha. 1, 14, 18. Hebr. 1, 2
  • b. Rom. 8, 15—17. Ephes. 1, 5f
33
Warum heißt Jesus Christus »Gottes eingeborener Sohn«, da doch auch wir Kinder Gottes sind?

Christus allein ist von Ewigkeit her1 seinem Wesen nach der Sohn Gottes. Wir aber sind um seinetwillen aus Gnade2 als Kinder Gottes angenommen.3
  • 1. Joh 1, 14.18; Hebr 1, 2
  • 2. Röm 8, 15-17
  • 3. Eph 1, 5-6
34
[16]Warumb nennestu jn vnsern Herrn?

Dasz er vns mit Leib vnd Seel von der sünden, vnd ausz allem gewalt des Teuffels, nicht mit Gold oder Silber, sonder mit seinem thewern Blut, jhm zum eigenthumb erlöset vnd erkaufft hata.
  • a. 1. Pet. 1, 18f.; 2, 9. 1. Cor. 6, 20; 7, 23
34
[26]Warum nennst du ihn »unseren Herrn«?

Er hat uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels sich zum Eigentum erlöst und erkauft,1 nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem teuren Blut, indem er sein Leben für uns gab.
  • 1. 1. Petr 1, 18-19; 2, 9; 1. Kor 6, 20; 7, 23
[Der 14. Sontag.]
14. Sonntag
35
Was heist, dasz er empfangen ist von dem heiligen Geist, geborn ausz Maria der Jungfrawen?

Dasz der ewige Son Gottes, der warer vnd ewiger Gott ista, vnnd bleibetb, ware menschliche natur, ausz dem fleisch vnd blut der Jungfrawen Mariac, durch würckung des heiligen Geists an sich genommen hatd, auff dasz er auch der ware samen Dauids seye, seinen brüdern in allem gleichf, auszgenommen die sündeg.
  • a. Ioha. 1, 1. Rom. 1, 3f
  • b. Rom. 9, 5
  • c. Gal. 4, 4. Ioha. 1, 14
  • d. Matth. 1, 18—20. Luc. 1, 35
  • e. Psal. 132, 11. Rom. 1, 3
  • f. Phil. 2, 7
  • g. Hebr. 4, 15
35
Was bedeutet: »Empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria«?

Der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist und bleibt,1 hat durch Wirkung des Heiligen Geistes2 wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria3 angenommen, so daß er auch der wahre Nachkomme Davids ist,4 seinen Schwestern und Brüdern in allem gleich, doch ohne Sünde.
  • 1. Joh 1,1; Röm 1, 3-4; 9, 5
  • 2. Mt 1, 18-20; Lk 1, 35
  • 3. Gal 4, 4; Joh 1, 14
  • 4. Ps 132, 11; Röm 1, 3; Phil 2, 7; Hebr 4, 15
36
Was nutz bekomestu ausz der heiligen empfengnusz vnnd geburt Christi?

Das er vnser mittler ista, vnd mit seiner vnschuldt vnnd volkommenen heiligkeyt meine sünde, darinn ich bin empfangen, für Gottes angesicht bedecketb.
  • a. Heb. 2, 16f
  • b. Psal. 32, 1f. 1. Cor. 1, 30
36
[27]Was nützt es dir, daß er durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren ist?

Er ist unser Mittler,1 und er bedeckt vor Gottes Angesicht2 mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, in der ich immer schon lebe.
  • 1. Hebr 2, 16-17
  • 2. Ps 32, 1-2; 1. Kor 1, 30
Der 15. Sontag.
15. Sonntag
37
[17]Was verstehestu durch das wörtlein gelitten?

Dasz er an leib vnnd seel, die gantze zeit seines lebens auff erden, sonderlich aber am ende desselben, den zorn Gottes wider die sünde des gantzen menschlichen geschlechts getragen hata, auff dasz er mit seinem leiden, als mit dem einigen Sönopfferb, vnser leib vnd seel von der ewigen verdamnusz erlösete, vnn vns Gottes gnade, gerechtigkeyt vnd ewiges leben erwürbe.
  • a. 1. Pet. 2, 24. Esai. 53, 12
  • b. 1. Ioha. 2, 2; 4, 10. Rom. 3, 25f
37
Was verstehst du unter dem Wort »gelitten«?

Jesus Christus hat an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, besonders aber an dessen Ende, den Zorn Gottes über die Sünde des ganzen1 Menschengeschlechts getragen. Mit seinem Leiden2 als dem einmaligen Sühnopfer hat er unseren Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöst und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erworben.
  • 1. 1. Petr 2, 24
  • 2. Jes 53, 12; 1. Joh 2, 2; 4, 10; Röm 3, 25-26
38
Warumb hat er vnder dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auff dasz er vnschuldig vnder dem weltlichen Richter verdampt würdea, vnd vns damit von dem strengen vrtheil Gottes, das vber vns gehen solte, erledigetb.
  • a. Acto. 4, [27f.?] Luc. 23, 13—15. Iohan. 19, 4
  • b. Psal. 69, 5. Esai. 53, 4f. 2. Cor. 5, 21. Gal. 3, 13
38
[28]Warum hat er unter dem Richter Pontius Pilatus gelitten?

Er wurde unschuldig1 vom weltlichen Richter verurteilt2 und hat uns dadurch von Gottes strengem Urteil, das über uns ergehen sollte,3 befreit.4
  • 1. Apg 4, 27-28
  • 2. Lk 23, 13-15; Joh 19,4
  • 3. Ps 69, 5; Jes 53, 4-5
  • 4. 2. Kor 5, 1; Gal 3, 13
39
Ist es etwas mehr, dasz er ist gecreutziget worden, denn so er eines andern tods gestorben were?

Ja, Denn dardurch bin ich gewisz, dasz er die vermaledeiung die auff mir lage, auff sich geladen habea, Dieweil der todt des Creutzes von Gott verflucht warb.
  • a. Gal. 3, 13f
  • b. Deut. 21, 23. Gala. 3, 13
39
Bedeutet sein Tod am Kreuz mehr, als wenn er eines anderen Todes gestorben wäre?

Ja, denn dadurch bin ich gewiß, daß er den Fluch, der auf mir lag, auf sich genommen hat,1 weil der Tod am Kreuz von Gott verflucht war.2
  • 1. Gal 3, 13-14
  • 2. 5. Mose 21, 23
Der 16. Sontag.
16. Sonntag
40
Warumb hat Christus den todt müssen leiden?

[18]Darumb, dasz von wegen der gerechtigkeyt vnd warheyta Gottes, nicht anderst für vnsere sünden mochte bezalet werden, denn durch den todt des Sons Gottesb.
  • a. Gen. 2, 17
  • b. Hebr. 2, 9, 14f
40
Warum hat Christus den Tod erleiden müssen?

Um der Gerechtigkeit1 und Wahrheit Gottes willen konnte für unsere Sünde nicht anders bezahlt werden als durch den Tod des Sohnes Gottes.2
  • 1. 1. Mose 2, 17
  • 2. Hebr 2, 9.14-15
41
Warumb ist er begraben worden?

Damit zu bezeugen, dasz er warhafftig gestorben seya.
  • a. Matt. 27, 59f. Luc. 23, 52f. Iohan. 19, 38—42. Acto. 13, 29
41
[29]Warum ist er begraben worden?

Damit wird bezeugt, daß er wirklich gestorben ist.1
  • 1. Mt 27, 59-60; Lk 23, 52-53; Joh 19, 38-42; Apg 13, 29
42
Weil denn Christus für vns gestorben ist, wie kompts dasz wir auch sterben müssen?

Vnser todt ist nicht ein bezalung für vnsere sünde: sonder nur ein absterbung der sünden, vnd eingang zum ewigen lebena.
  • a. Iohan. 5, 24. Philip. 1, 23. Rom. 7, 24f
42
Warum müssen wir noch sterben, obwohl Christus für uns gestorben ist?

Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur ein Absterben der Sünden und Eingang zum ewigen Leben.1
  • 1. Joh 5, 24; Phil 1, 23; Röm 7, 24-25
43
Was bekommen wir mehr für nutz ausz dem Opffer vnnd todt Christi am Creutz?

Dasz durch seine krafft vnser alter mensch mit jm gecreutziget, getödtet vnnd begraben wirda, auff dasz die bösen lüste des fleisches nicht mehr in vns regierenb, sonder dasz wir vns selbst jm zur dancksagung auffopffernc.
  • a. Rom. 4. [6, 6—8, 11f.] Coloss. 2, 12
  • b. Rom. 6, 12
  • c. Rom. 12, 1
43
Welchen weiteren Nutzen haben wir aus Opfer und Tod Christi am Kreuz?

Durch die Kraft Christi wird unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt, getötet und begraben, damit die Sünde uns nicht mehr beherrscht,1 sondern wir uns ihm zu einem lebendigen Dankopfer hingeben.2
  • 1. Kol 2, 12; Röm 6, 6-8.11.12; Röm 6, 12
  • 2. Röm 12, 1
44
[19]Warumb folget, Abgestiegen zu der Hellen?

Dasz ich in meinen höchsten anfechtungen versichert sey, mein HErr Christus habe mich durch seine vnauszsprechliche angst, schmertzen vnd schrecken, die er auch an seiner seelen, am Creutz vnnd zuuor erlitten, von der hellischen angst vnnd pein erlöseta.
  • a. Esai. 53, 10. Matt. 27, 46
44
Warum folgt »abgestiegen zu der Hölle«?

Damit wird mir zugesagt, daß ich selbst in meinen schwersten Anfechtungen gewiß sein darf, [30]daß mein Herr Christus mich von der höllischen Angst und Pein1 erlöst hat, weil er auch an seiner Seele unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken am Kreuz und schon zuvor erlitten hat.
  • 1. Jes 53, 10; Mt 27, 46
Der 17. Sontag.
17. Sonntag
45
Was nützet vns die Aufferstehung Christi?

Erstlich hat er durch seine aufferstehung den todt vberwunden, dasz er vns der gerechtigkeyt, die er vns durch seinen todt erworben hat, köndte theilhafftig machena. Zum andern werden auch wir jetzunder durch seine krafft erwecket zu einem newen lebenb. Zum dritten, ist vns die aufferstehung Christi ein gewisses pfandt vnserer seligen aufferstehungc.
  • a. 1. Cor. 15, 17, 54f. Roman. 4, 25. 1. Pet. 1, 3—5, 21
  • b. Rom. 6, 4. Coloss. 3, 1—4. Ephes. 2, 5
  • c. 1. Cor. 15, 12. Rom. 8, 11
45
Was nützt uns die Auferstehung Christi?

Erstens: Christus hat durch seine Auferstehung den Tod überwunden, um uns an der Gerechtigkeit Anteil zu geben, die er uns durch seinen Tod erworben hat.1
Zweitens: Durch seine Kraft werden auch wir2 schon jetzt erweckt zu einem neuen Leben.3
Drittens: Die Auferstehung Christi ist uns ein verläßliches Pfand unserer seligen Auferstehung.4
  • 1. 1. Petr 1, 3-5.21; 1. Kor 15, 17. 54-55; Röm 4, 25
  • 2. Röm 6, 4; Kol 3, 1-4
  • 3. Eph 2, 5
  • 4. 1. Kor 15, 12; Röm 8, 11
46
IIII. LECTIO. Wie verstehestu dasz er ist gen Himmel gefahren?

Dasz Christus für den augen seiner Jünger, ist von der [20]erden auffgehaben gen Himmela, vnd vns zu gut daselbst istb, bisz dasz er wider kompt zurichten die lebendigen vnd die todtenc.
  • a. Acto. 1, 9. Matt. 26, 64. Mar. 16, 19. Luc. 24, 51
  • b. Heb. 4, 14; 7, 24f.; 9, 11. Rom. 8, 34. Ephes. 4, 10. Coloss. 3, 1
  • c. Act. 1, 11. Matt. 24, 30
46
[31]Wie verstehst du, daß es heißt »aufgefahren in den Himmel«?

Jesus Christus wurde vor den Augen seiner Jünger von der Erde zum Vater in den Himmel erhöht1 und ist dort uns zugut, bis er kommen wird,2 zu richten die Lebenden und die Toten.3
  • 1. Mk 16, 19; Lk 24, 51; Hebr 4, 14; 7, 24-25; Röm 8, 34; Eph 4, 10; Kol 3, 1
  • 2. Apg 1, 11
  • 3. Mt 24, 30
47
Ist denn Christus nit bey vns bisz ans ende der Welt, wie er vns verheissen hata?

Christus ist warer mensch vnd warer Gott: Nach seiner menschlichen natur, ist er jetzunder nit auff erdenb: aber nach seiner Gottheyt, Maiestet, gnad vnnd Geist, weicht er nimmer von vnsc.
  • a. Matt. 28, 20
  • b. Matt. 26, 11. Iohan. 16, 28; 17, 11. Actor. 3, 21
  • c. Ioh. 14, 17ff.; 16, 13. Matt. 28, 20. Ephes. 4, 8
47
Ist denn Christus nicht bei uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheißen hat?1

Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzt nicht mehr auf der Erde,2 aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist3 weicht er niemals von uns.
  • 1. Mt 28, 20
  • 2. Joh 16, 28; 17, 11; Mt 26, 11; Apg 3, 21
  • 3. Joh 14, 17-20; 16, 13; Mt 28, 20; Eph 4, 8
48
Werden aber mit der weis die zwo naturen in Christo nit von einander getrennet, so die menscheit nicht vberal ist, da die Gottheyt ist?

Mit nichten: Denn weil die Gottheyt vnbegreiflich vnd allenthalben gegenwertig ista: so musz folgen, dasz sie wol ausserhalb jrer angenommenen menschheyt, vnd dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist, vnd persönlich mit jr vereiniget bleibtb.
  • a. Acto. 7, 49. Ierem. 23, 24
  • b. Coloss. 2, 9. Iohan. 3, 13; 11, 15. Matt. 28, 6
48
[32]Werden aber auf diese Weise nicht Gottheit und Menschheit in Christus voneinander getrennt, wenn er nach seiner menschlichen Natur nicht überall ist, wo er nach seiner Gottheit ist?

Nein, weil die Gottheit unbegreiflich und überall gegenwärtig ist,1 folgt daraus, daß sie wohl außerhalb ihrer angenommenen menschlichen Natur und dennoch auch in derselben ist2 und in einer Person3 mit ihr vereinigt bleibt.*
* Mit dem Wort »unbegreiflich« will der Katechismus nicht sagen, daß man Gott nicht verstehen könne, sondern daß er von keinem Raum umschlossen werden kann. Die Aussage des Katechismus kann auch so formuliert werden: Weil Gott nach seinem Wesen von keinem Raum oder Körper umgrenzt wird, sondern überall gegenwärtig ist, so ergibt sich, daß auch Christus nach seiner Gottheit zugleich in seiner menschlichen Natur und dennoch auch außerhalb ihrer ist und deshalb in seiner Person zugleich ein wahrer und gerechter Mensch und wahrer Gott ist.
  • 1. Apg 7, 49; Jer 23, 24
  • 2. Kol 2, 9; Mt 28, 6
  • 3. Joh 3, 13; 11, 15
Der 18. Sontag.
18. Sonntag
49
Was nützet vns die Himmelfahrt Christi?

[21]Erstlich dasz er im Himmel für dem angesicht seines Vatters vnser Fürsprecher ista. Zum andern, dasz wir vnser fleisch im Himmel zu einem sichern pfand haben, dasz er als das haupt, vns seine glieder auch zu sich werde hinauff nemenb. Zum dritten, dasz er vns seinen Geist zum gegenpfand herab sendetc, durch welches krafft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der rechten Gottes, vnd nicht das auff erden istd.
  • a. 1. Ioh. 2, 1. Rom. 8, 34
  • b. Ioha. 14, 2; 20, 17. Ephes. 2, 6
  • c. Ioh. 14, 16. Act. 2, 33. 2. Cor. 1, 21f. 2. Cor. 5, 5
  • d. Coloss. 3, 1. Philip. 3, 14
49
[33]Was nützt uns die Himmelfahrt Christi?

Erstens: Er ist im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher.1
Zweitens: Wir haben durch unseren Bruder Jesus Christus im Himmel die Gewißheit, daß er als das Haupt uns, seine Glieder, auch zu sich nehmen wird.2
Drittens: Er, sitzend zur Rechten Gottes, sendet seinen Geist zu uns, der uns die Kraft gibt,3 zu suchen, was droben ist, und nicht das, was auf Erden gilt.4
  • 1. 1. Joh 2, 1; Röm 8, 34
  • 2. Joh 14, 2; 20, 17; Eph 2, 6
  • 3. Joh 14, 16; Apg 2, 33; 2. Kor 1, 21-22; 5,5
  • 4. Kol 3, 1; Phil 3, 14
50
Warumb wirdt hinzu gesetzt, dasz er sitze zur rechten Gottes?

Dasz Christus darumb gen Himmel gefahren ist, dasz er sich daselbst erzeige, als das haupt seiner Christlichen kirchena, durch welches der Vatter alles regiertb.
  • a. Ephes. 1, 20—23. Coloss. 1, 18
  • b. Mat. 28, 18. Iohan. 5, 22
50
Warum wird hinzugefügt »er sitzt zur Rechten Gottes«?

Christus ist dazu in den Himmel erhöht worden, daß er sich dort erweise als das Haupt seiner Kirche,1 durch das der Vater alles regiert.2
  • 1. Eph 1, 20-23; Kol 1, 18
  • 2. Mt 28, 18; Joh 5, 22
Der 19. Sontag.
19. Sonntag
51
Was nutzet vns diese herrligkeyt vnsers haupts Christi?

Erstlich dasz er durch seinen heiligen Geist, in vns seine glieder, die himlischen gaben auszgeuszta. Darnach, dasz er vns mit seinem gewalt wider alle feind schützet vnd erheltb.
  • a. Ephes. 4, 10—12
  • b. Psalm. 2, 9. Iohan. 10, 28—30. Ephe. 4, 8
51
[34]Was nützt uns diese Herrlichkeit unseres Hauptes Christus?

Christus teilt uns, seinen Gliedern, durch seinen Heiligen Geist die himmlischen Gaben aus.1
Er schützt und erhält uns mit seiner Macht gegen alle Feinde.2
  • 1. Eph 4, 10-12
  • 2. Joh 10, 28-30; Ps 2, 9; Eph 4, 8
52
Was tröstet dich die widerkunfft Christi zu richten die lebendigen vnd die todten?

Dasz ich in allem trübsal vnd verfolgung mit auffgerichtem [22]haupt, eben des Richters der sich zuuor dem gericht Gottes für mich dargestellt, vnd alle vermaledeyung von mir hinweg genommen hat, ausz dem Himmel gewertig bina, dasz er alle seine vnnd meine feinde, in die ewige verdamnusz werffeb: mich aber sampt allen auszerwehlten zu jm in die himlische freud vnd herrligkeyt nemec.
  • a. Luc. 21, 28. Rom. 8, 23f. Philip. 3, 20f. Tit. 2, 13
  • b. 2. Thes. 1, 6—10. 1. Thess. 4, 16f. Matt. 25, 41
  • c. Mat. 25, 34
52
Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, »zu richten die Lebenden und die Toten«?

In aller Trübsal und Verfolgung darf ich mit erhobenem Haupt aus dem Himmel eben den Richter erwarten,1 der sich zuvor für mich dem Gericht Gottes gestellt und alle Verurteilung von mir genommen hat. Er wird alle seine Feinde, die darum auch meine Feinde sind,2 in die ewige Verdammnis werfen, mich aber mit allen Auserwählten zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehmen.3
  • 1. Lk 21, 28; Röm 8, 23-24; Phil 3, 20-21; Tit 2, 13
  • 2. 1. Thess 4, 16-17; 2. Thess 1,6-10; Mt 25,41
  • 3. Mt 25, 34
Der 20. Sontag.
20. Sonntag
53
Was glaubestu vom heiligen Geist?

Erstlich dasz er gleich ewiger Gott mit dem Vatter vnnd dem Son ista. Zum andern dasz er auch mir gegeben istb, mich durch ein waren glauben, Christi vnnd aller seiner wolthaten theilhafftig machtc, mich tröstetd, vnnd bey mir bleiben wird bisz in ewigkeyte.
  • a. Gen. 1, 2. Esai. 48, 16. 1. Cor. 3, 16. 1. Cor. 6, 19. Acto. 5, 3f
  • b. Matt. 28, 19f. 2. Cor. 1, 21f
  • c. Gal. 3, 14. 1. Pet. 1, 2. 1. Cor. 6, 17
  • d. Actor. 9, 31
  • e. Ioan. 14, 16. 1. Pet. 4, 14
53
[35]Was glaubst du vom Heiligen Geist?

Erstens: Der Heilige Geist ist gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn.1
Zweitens: Er ist auch mir gegeben2 und gibt mir durch wahren Glauben Anteil an Christus3 und allen seinenWohltaten.4 Er tröstet mich und wird bei mir bleiben in Ewigkeit.5
  • 1. 1. Mose 1,2; Jes 48, 16; 1. Kor 3, 16; 6, 19; Apg 5, 3-4
  • 2. Mt 28, 19-20; 2. Kor 1, 21-22
  • 3. 1. Kor 6, 17
  • 4. Gal 3, 14; 1. Petr.1, 2
  • 5. Apg 9, 31; Joh 14, 16; 1. Petr 4, 14
Der 21. Sontag.
21. Sonntag
54
Was glaubstu von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?

Dasz der Son Gottesa ausz dem gantzen menschlichen geschlechtb, jhm ein auszerwelte gemein zum ewigen lebenc, durch seinen geist vnd wortd in einigkeyt des waren glaubense, von anbegin der welt, bisz ans endf versamle, schütze vnnd [23]erhalteg, vnd dasz ich derselben ein lebendiges glied binh, vnnd ewig bleiben werdei.
  • a. Ioh. 10, 11
  • b. Gen. 26, 4
  • c. Rom. 8, 29f. Ephes. 1, 10—13
  • d. Esai. 59, 21. Rom. 1, 16; 10, 14—17. Ephes. 5, 26
  • e. Acto. 2, 46. Ephes. 4, 3—6
  • f. Psal. 71, 18. 1. Cor. 11, 26
  • g. Matt. 16, 18. Iohan. 10, 28—30. 1. Cor. 1, 8f
  • h. 1. Ioh. 3, 21
  • i. 1. Ioha. 1
54
Was glaubst du von der »heiligen allgemeinen christlichen Kirche«?

Ich glaube, daß der Sohn Gottes1 aus dem ganzen Menschengeschlecht2 sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben3 durch seinen Geist und Wort4 [36]in Einigkeit des wahren Glaubens5 von Anbeginn der Welt bis ans Ende6 versammelt, schützt und erhält7 und daß auch ich ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin8 und ewig bleiben werde.9
  • 1. Joh 10, 11
  • 2. 1. Mose 26, 4
  • 3. Röm 8, 29-30; Eph 1, 10-13
  • 4. Jes 59, 21; Röm 1, 16; Röm 10, 14-17; Eph 5, 26
  • 5. Apg 2, 46; Eph 4, 3-6
  • 6. Ps 71, 18; 1. Kor 11, 26
  • 7. Mt 16, 18; Joh 10, 28-30; 1. Kor 1, 8-9
  • 8. 1. Joh 3, 31
  • 9. 1. Joh 2, 19
55
Was verstehestu durch die gemeinschafft der Heiligen?

Erstlich dasz alle vnnd jede gläubigen, als glieder an dem HErren Christo, vnd allen seinen schätzen vnd gaben, gemeinschafft habena. Zum andern, dasz ein jeder seine gaben zu nutz vnd heil der andern glieder, willig vnd mit freuden anzulegen sich schuldig wissen sollb.
  • a. Iohan. 1. [1. Joh. 1, 3.] 1. Cor. 1, 9. Rom. 8, 32
  • b. 1. Cor. 12, 12f., 21; 13, 5f. Philip. 2, 4—6
55
Was verstehst du unter der »Gemeinschaft der Heiligen«?

Erstens: Alle Glaubenden haben als Glieder Gemeinschaft an dem Herrn Christus1 und an allen seinen Schätzen und Gaben.2
Zweitens: Darum soll auch jeder seine Gaben willig und mit Freuden zum Wohl und Heil der anderen3 gebrauchen.4
  • 1. 1. Joh 1, 3; 1. Kor 1, 9
  • 2. Röm 8, 32
  • 3. 1. Kor 12, 12-13. 21
  • 4. 13, 5-6; Phil 2, 4-6
56
Was glaubstu von vergebung der sünden?

Dasz Gott vmb der gnugthuung Christi willena, aller meiner sünden, auch der sündlichen art, mit der ich mein lebenlang zustreitten habeb, nimmermehr gedencken wil: sonder mir die gerechtigkeyt Christi ausz gnaden schencket, dasz ich ins gericht nimmermehr soll kommenc.
  • a. 1. Ioha. 2, 2. 2. Cor. 5, 19, 21
  • b. Iere. 31, 34. Psal. 103, 3, 10, 12. Rom. 7, 24f.; 8, 1—4
  • c. Iohan. 3, 18
56
[37]Was glaubst du von der »Vergebung der Sünden«?

Gott will um Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündigen Art,1 mit der ich mein Leben lang zu kämpfen habe, nicht mehr gedenken.2 Aus Gnade schenkt er mir die Gerechtigkeit Christi, so daß ich nicht mehr ins Gericht kommen werde.3
  • 1. 1. Joh 2, 2; 2. Kor 5, 19.21
  • 2. Ps 103, 3.10.12; Jer 31, 34; Röm 7, 24-25; 8, 1-4
  • 3. Joh 3, 18
Der 22. Sontag.
22. Sonntag
57
[24]Was tröst dich die aufferstehung des fleisches?

Dasz nicht allein meine seel nach diesem leben als bald zu Christo jrem haupt genommen wirda: sonder auch dasz disz mein fleisch durch die krafft Christi aufferweckt, wider mit meiner seelen vereiniget, vnd dem herrlichen leib Christi gleichförmig werden sollb.
  • a. Luc. 23, 43. Philip. 1, 21—23
  • b. 1. Cor. 15, 53f. Iob. 19, 25—27. 1. Ioh. 3, 2. Philip. 3, 21
57
Was tröstet dich die »Auferstehung der Toten«?

Nach diesem Leben werde ich durch die Kraft Christi auferweckt werden und zu Christus, meinem Herrn, kommen. Er wird mir Anteil geben an seiner Herrlichkeit.
58
Was tröst dich der Artickel vom ewigen leben?

Dasz, nach dem ich jetzunder den anfang der ewigen freude in meinem hertzen empfindea, ich nach diesem leben volkommene seligkeyt besitzen werde, die kein aug gesehen, kein ohr gehöret, vnnd in keines menschen hertz nie kommen istb, Gott ewiglich darinn zu preisenc.
  • a. 2. Cor. 5, 2f
  • b. 1. Cor. 2, 9
  • c. Ioha. 17, 3
58
[38]Was tröstet dich die Verheißung des ewigen Lebens?

Schon jetzt empfinde ich den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen.1 Nach diesem Leben aber werde ich vollkommene Seligkeit besitzen, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz je gekommen ist,2 Gott ewiglich darin zu preisen.3
  • 1. 2. Kor 5, 2-3
  • 2. 1. Kor 2, 9
  • 3. Joh 17, 3
V. LECTIO. Der 23. Sontag.
23. Sonntag
59
Was hilfft es dich aber nun, wenn du disz alles glaubest?

Dasz ich in Christo für Gott gerecht, vnnd ein Erb des ewigen lebens bina.
  • a. Hab. 2, 4. Rom. 1, 17. Iohan. 3, 36
59
[39]Was hilft es dir aber nun, wenn du das alles glaubst?

Ich bin dadurch in Christus vor Gott gerecht1 und ein Erbe des ewigen Lebens.2
  • 1. Hab 2, 4
  • 2. Röm 1, 17; Joh 3, 36
60
Wie bistu gerecht für Gott?

Allein durch waren glauben in Jesum Christuma, Also: dasz [25]ob mich schon mein gewissen anklagt, dasz ich wider alle gebott Gottes schwerlich gesündiget, vnd derselben keines nie gehalten habb, auch noch jmmerdar zu allem bösen geneigt binc: doch Gott on alle meine verdienstd, ausz lauter gnadene, mir die volkommene gnugthuungf, gerechtigkeyt vnnd heiligkeyt Christi schencketg vnd zurechneth, als hette ich nie keine sünd begangen noch gehabt, vnd selbst allen den gehorsam volbracht, den Christus für mich hat geleisteti, wenn ich allein solche wolthat mit glaubigem hertzen annemek.
  • a. Rom. 3, 21—25, 28. Gala. 2, 16. Ephes. 2, 8f. Philip. 3, 9
  • b. Rom. 3, 9ff
  • c. Rom. 7, 23
  • d. Tit. 3, 5
  • e. Rom. 3, 24. Ephes. 2, 8
  • f. 1. Ioh. 2, 2
  • g. 1. Ioh. 2, 1
  • h. Rom. 4, 4f. 2. Cor. 5, 19
  • i. 2. Cor. 5, 21
  • k. Rom. 3, 22. Iohan. 3, 18
60
Wie bist du gerecht vor Gott?

Allein durch wahren Glauben an Jesus Christus.1 Zwar klagt mich mein Gewissen an, daß ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines je gehalten habe2 und noch immer zu allem Bösen geneigt bin.3 Gott aber schenkt mir ganz ohne mein Verdienst4 aus lauter Gnade5 die vollkommene Genugtuung,6 Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi.7 Er rechnet sie mir an,8 als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selbst den ganzen Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat,9 wenn ich allein diese Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.10
  • 1. Röm 3,21-25.28; Gal 2, 16; Eph 2, 8-9; Phil 3, 9
  • 2. Röm 3, 9-20
  • 3. Röm 7, 23
  • 4. Tit 3, 5
  • 5. Röm 3, 24; Eph 2, 8
  • 6. 1. Joh 2, 2
  • 7. 1. Joh 2, 1
  • 8. Röm 4, 4-5; 2. Kor 5, 19
  • 9. 2. Kor 5, 21
  • 10. Röm 3, 22; Joh 3, 18
61
Warumb sagstu dasz du allein durch den glauben gerecht seyest?

Nicht dasz ich von wegen der wirdigkeyt meines glaubens Gott gefalle: sondern darumb dasz allein die gnugthuung, gerechtigkeyt vnnd heiligkeyt Christi, meine gerechtigkeyt für Gott ista, vnnd ich dieselbe nit anderst, denn allein durch den glauben annemen, vnd mir zueignen kanb.
  • a. 1. Cor. 1, 30; 2, 2
  • b. 1. Ioh. 5, 10
61
[40]Warum sagst du, daß du allein durch den Glauben gerecht bist?

Ich gefalle Gott nicht deswegen, weil mein Glaube ein verdienstvolles Werk wäre. Allein die Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi ist meine Gerechtigkeit vor Gott.1 Ich kann sie nicht anders als durch den Glauben annehmen und mir zueignen.2
  • 1. 1. Kor 1, 30; 2, 2
  • 2. 1. Joh 5, 10
Der 24. Sontag.
24. Sonntag
62
Warumb können aber vnsere gute werck nit die gerechtigkeyt für Gott, oder ein stück derselben sein?

Darumb dasz die gerechtigkeyt, so für Gottes gericht bestehen soll, durch ausz volkommen, vnnd dem Göttlichen gesetz gantz gleichförmig sein musza, vnn aber auch vnsere beste werck in disem leben alle vnuolkommen, vnd mit sünden befleckt sindb.
  • a. Gal. 3, 10. Deute. 27, 26
  • b. Esai. 64, 6
62
Warum können denn unsere guten Werke uns nicht ganz oder teilweise vor Gott gerecht machen?

Die Gerechtigkeit, die vor Gottes Gericht bestehen soll, muß vollkommen sein und dem göttlichen Gesetz ganz und gar entsprechen.1 Aber auch unsere besten Werke sind in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünde befleckt.2
  • 1. Gal 3, 10; 5. Mose 27, 26
  • 2. Jes 64, 5
63
[26]Verdienen aber vnsere gute werck nichts, so sie doch Gott in diesem vnd zukünfftigem leben will belohnen?

Diese belohnung geschicht nit ausz verdienst, sonder ausz gnadena.
  • a. Luc. 17, 10
63
[41]Verdienen aber unsere guten Werke nichts, obwohl Gott sie doch in diesem und dem zukünftigen Leben belohnen will?

Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnade.1
  • 1. Lk 17, 10
64
Macht aber diese lehr nicht sorglose vnd verruchte leuth?

Nein: Denn es vnmöglich ist, dasz die, so Christo durch waren glauben sind eingepflantzt, nicht frucht der danckbarkeyt sollen bringena.
  • a. Matt. 7, 18
64
Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?

Nein; denn es ist unmöglich, daß Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind, nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.1
  • 1. Mt 7, 18
Der 25. Sontag.
25. Sonntag
65
Dieweil denn allein der glaub vns Christi, vnd aller seiner wolthaten theilhafftig macht, woher kompt solcher glaube?

Der heilig Geist würckt denselben in vnsern hertzena, durch die predig des heiligen Euangelions, vnd bestätiget den durch den brauch der heiligen Sacramentenb.
  • a. Ephes. 2, 8f. Ioh. 3, 5
  • b. Matt. 28, 19f. 1. Pet. 1, 22f
65
[42]Wenn nun allein der Glaube uns Anteil an Christus und allen seinen Wohltaten gibt, woher kommt solcher Glaube?

Der Heilige Geist wirkt den Glauben in unseren Herzen1 durch die Predigt des heiligen Evangeliums und bestätigt ihn durch den Gebrauch der heiligen Sakramente.2
  • 1. Eph 2, 8-9; Joh 3, 5
  • 2. Mt 28, 19-20; 1. Petr 1, 22-23
66
Was seind die Sacrament?

Es seind sichtbare heilige warzeichen vnnd Sigill, von Gott darzu eingesetzt, dasz er vns durch den brauch derselben, die verheissung des Euangelions desto besser zuuerstehen gebe, vnnd versigele: Nemlich dasz er vns von wegen des einigen opffers [27]Christi, am Creutz volbracht, vergebung der sünden, vnd ewiges leben ausz gnaden schenckea.
  • a. Gen. 17, 11. Rom. 4, 11. Deut. 30, 6. Leuit. 6, 25. Hebr. 9, 8f., 24. Ezech. 20, 12
66
Was sind Sakramente?

Es sind sichtbare heilige Wahrzeichen und Siegel. Gott hat sie eingesetzt, um uns durch ihren Gebrauch den Zuspruch des Evangeliums besser verständlich zu machen und zu versiegeln: daß er uns auf Grund des einmaligen Opfers Christi, am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ewiges Leben aus Gnade schenkt.1
  • 1. 5. Mose 30, 6; 3. Mose 6, 18; 1. Mose 17, 11; Röm 4, 11; Hebr 9, 8-9.24; Hes 20,12
67
Seind denn beyde das wort vnnd die Sacrament dahin gericht, dasz sie vnsern glauben auff das opffer Jesu Christi am Creutz, als auff den einigen grund vnserer seligkeyt weisen?

Ja freilich: Denn der heilig Geist lehret im Euangelio, vnd bestätiget durch die heiligen Sacrament, dasz vnsere gantze seligkeyt stehe in dem einigen opffer Christi, für vns am Creutz geschehena.
  • a. Rom. 6, 3. Galat. 3, 27
67
[43]Sollen denn beide, Wort und Sakrament, unseren Glauben auf das Opfer Jesu Christi am Kreuz als den einzigen Grund unserer Seligkeit hinweisen?

Ja; denn der Heilige Geist lehrt im Evangelium und bestätigt durch die heiligen Sakramente, daß unsere ganze Seligkeit gegründet ist auf das einmalige Opfer Christi, das für uns am Kreuz geschah.1
  • 1. Röm 6, 3; Gal 3, 27
68
Wieuiel Sacrament hat Christus im newen Testament eingesetzt?

Zwey, Den heiligen Tauff, vnd das heilig Abendmal.
68
Wieviel Sakramente hat Christus im Neuen Testament eingesetzt?

Zwei, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl.
Der 26. Sontag.
26. Sonntag
69
Wie wirstu im heiligen Tauff erinnert vnnd versichert, dasz das einige opffer Christi am Creutz dir zu gut komme?

Also: dasz Christus disz eusserlich wasserbad eingesetzta, vnnd darbey verheissen hatb, dasz ich so gewisz mit seinem blut vnd geist, von der vnreinigkeyt meiner seelen, das ist, allen meinen sünden gewaschen sey, so gewisz ich eusserlich [28]mit dem wasser, welches die vnsauberkeyt des leibs pflegt hinzunemmen, gewaschen binc.
  • a. Matt. 28, 19f. Actor. 2, 38
  • b. Mat. 3, 11. Mar. 16, 16. Rom. 6, 3f
  • c. Mar. 1, 4. Luc. 3, 3
69
[44]Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und gewiß gemacht, daß das einmalige Opfer Christi am Kreuz dir zugut kommt?

Christus hat dies äußerliche Wasserbad eingesetzt und dabei verheißen,1 daß ich so gewiß mit seinem Blut und Geist2 von der Unreinigkeit meiner Seele, das ist, von allen meinen Sünden, reingewaschen bin, wie ich äußerlich durch das Wasser gereinigt werde, das die Unsauberkeit des Leibes hinwegnimmt.3
  • 1. Mt 28, 19-20; Apg 2, 38
  • 2. Mt 3, 11; Mk 16, 16; Röm 6, 3-4
  • 3. Mk 1, 4; Lk 3, 3
70
Was heist mit dem Blut vnnd Geist Christi gewaschen sein?

Es heist vergebung der sünden von Gott ausz gnaden haben, vmb des bluts Christi willen, welches er in seinem opffer am Creutz für vns vergossen hata, Darnach auch durch den heiligen Geist ernewert, vnnd zu einem glied Christi geheiliget sein, dasz wir je lenger je mehr der sünden absterben, vnnd in einem Gottseligen, vnsträflichen leben wandlenb.
  • a. Heb. 12, 24. 1. Pet. 1, 2. Apoc. 1, 5. Zach. 13, 1. Ezech. 36, 25—27
  • b. Ioh. 1, 33. Iohan. 3, 5. 1. Cor. 6, 11; 12, 13. Rom. 6, 4. Coloss. 2, 11f
70
Was heißt, mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?

Es heißt, Vergebung der Sünde von Gott aus Gnade haben um des Blutes Christi willen, das er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat.1 [45]Es heißt ferner, durch den Heiligen Geist erneuert und zu einem Glied Christi geheiligt sein, so daß wir je länger je mehr der Sünde absterben und ein Leben führen, das Gott gefällt.2
  • 1. Hebr 12, 24; 1. Petr 1, 2; Offb 1, 5; Sach 13, 1; Hes 36, 25-27
  • 2. Joh 1, 33; 3, 5; 1. Kor 6, 11; 12, 13; Röm 6, 4; Kol 2, 11-12
71
Wo hat Christus verheissen, dasz wir so gewisz mit seinem Blut vnnd Geist, als mit dem Tauffwasser gewaschen seind?

In der einsetzung des Tauffs, welche also lautet: Gehet hin, vnd lehret alle Völcker, vnnd tauffet sie, im namen des Vatters, vnd des Sons, vnd des heiligen geistsa: Wer da glaubet vnn getauffet wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubt, der wirdt verdampt werdenb. Diese verheissung wirdt auch widerholet, da die schrifft den Tauff das bad der widergeburtc, vnd abwäschung der sünden nennetd.
  • a. Mat. 28, 19
  • b. Mar. 16, 16
  • c. Tit. 3, 5
  • d. Acto. 22, 16
71
Wo hat Christus verheißen, daß wir so gewiß mit seinem Blut und Geist wie mit dem Taufwasser gewaschen sind?

Bei der Einsetzung der Taufe sagt er:
»Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.«1 »Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.«2
Diese Verheißung wird dort wiederholt, wo die Heilige Schrift die Taufe das »Bad der Wiedergeburt« und3 die »Abwaschung der Sünden« nennt.4
  • 1. Mt 28, 19
  • 2. Mk 16, 16
  • 3. Tit 3,5
  • 4. Apg 22, 16
Der 27. Sontag.
27. Sonntag
72
Ist denn das eusserlich Wasserbad die abwaschung der sünden selbst?

[29]Neina, Denn allein das blut Jesu Christi, vnd der heilige Geist reiniget vns von allen sündenb.
  • a. Matth. 3, 11. 1. Pet. 3, 21. Ephes. 5, 26
  • b. 1. Ioh. 1, 7. 1. Cor. 6, 11
72
[46]Ist denn das äußerliche Wasserbad selbst die Abwaschung der Sünden?

Nein; denn allein das Blut Jesu Christi1 und der Heilige Geist reinigt uns von allen Sünden.2
  • 1. Eph 5, 26; Mt 3, 11; 1. Petr 3, 21
  • 2. 1. Joh 1, 7; 1. Kor 6, 11
73
Warumb nennet denn der heilige Geist den Tauff das bad der widergeburt, vnd die abwäschung der sünden?

Gott redet also nit one grosse vrsach: Nemlich, nit allein dasz er vns damit wil lehren, dasz, gleich wie die vnsauberkeyt des leibs durch Wasser, also vnsere Sünden durchs blut vnd geist Christi hinweg genommen werdena: sonder viel mehr, dasz er vns durch disz Göttlich pfand vnnd warzeichen wil versichern, dasz wir so warhafftig von vnsern sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen wasser gewaschen werdenb.
  • a. Apoc. 1, 5; 7, 14. 1. Cor. 6, 11
  • b. Mar. 16, 16. Galat. 3, 17
73
Warum nennt denn der Heilige Geist die Taufe das »Bad der Wiedergeburt« und die »Abwaschung der Sünden«?

Gott redet so nicht ohne große Ursache. Er will uns damit lehren: Wie die Unsauberkeit des Leibes durch Wasser, so werden unsere Sünden durch Blut und Geist Christi hinweggenommen.1 Ja vielmehr:
Er will uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen gewißmachen, daß wir so wahrhaftig von unseren Sünden geistlich gewaschen sind, wie wir mit dem leiblichen Wasser2 gewaschen werden.
  • 1. Offb 1, 5; 7, 14; 1. Kor 6, 11
  • 2. Mk 16, 16; Gal 3, 17
74
Soll man auch die jungen kinder tauffen?

Ja: Denn dieweil sie so wol als die alten in den Bund Gottes vnnd seine gemein gehörena, vnnd jhnen in dem blut Christi die erlösung von sündenb, vnd der heilig Geist, welcher den glauben würcket, nit weniger denn den alten zugesagt wirdc: so sollen sie auch durch den Tauff, als des Bunds zeichen, der Christlichen kirchen eingeleibt, vnd von der vngläubigen kinder vnderscheiden werdend, wie im alten Testament durch die beschneidung geschehen iste, an welcher statt im newen Testament, der Tauff ist eingesetztf.
  • a. Gen. 17, 7
  • b. Matt. 19, 14
  • c. Luc. 1, 14f. Psal. 22, 11. Esai. 44, 1—3. Actor. 2, 39
  • d. Acto. 10, 47
  • e. Gen. 17, 14
  • f. Col. 2, 11—13
74
[47]Soll man auch die kleinen Kinder taufen?

Ja; denn sie gehören ebenso wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde.1
Auch ihnen wird, nicht weniger als den Erwachsenen, in dem Blut Christi die Erlösung von den Sünden2 und der Heilige Geist, der den Glauben wirkt, zugesagt.3
Darum sollen auch die Kinder durch die Taufe, das Zeichen des Bundes, in die christliche Kirche als Glieder eingefügt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden,4 wie es im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist,5 an deren Stelle im Neuen Testament die Taufe eingesetzt wurde.6
  • 1. 1. Mose 17, 7
  • 2. Mt 19, 14
  • 3. Lk 1, 14-15; Ps 22, 11; Jes 44, 1-3; Apg 2, 39
  • 4. Apg 10, 47
  • 5. 1. Mose 17, 14
  • 6. Kol 2, 11-13
VI. LECTIO. Der 28. Sontag.
28. Sonntag
75
[30]Wie wirstu im heiligen Abendmal erinnert vnd versichert, dasz du an dem einigen opffer Christi am Creutz, vnd allen seinen gütern gemeinschafft habest?

Also, dasz Christus mir vnnd allen gläubigen von diesem gebrochnen brod zu essen, vnnd von disem Kelch zutrincken befohlen hat zu seinem gedechtnisz, vnnd darbey verheissena, Erstlich dasz sein leib so gewisz für mich am Creutz geopffert vnd gebrochen, vnnd sein blut für mich vergossen sey, so gewisz ich mit augen sehe, dasz das brod des HERRN mir gebrochen, vnd der Kelch mir mitgetheilet wird: Vnd zum andern, dasz er selbst meine seel mit seinem gecreutzigten Leib vnnd vergossnen Blut, so gewisz zum ewigen leben speise vnd trencke, als ich ausz der hand des Dieners empfange, vnnd leiblich niesse das brod vnnd den Kelch des HERRN, welche mir als gewisse warzeichen des leibs vnd bluts Christi gegeben werden.
  • a. Matt. 26, 26—28. Marc. 14, 22—24. Luc. 22, 19f. 1. Cor. 10, 16f.; 11, 23—25; 12, 13
75
[48]Wie wirst du im Heiligen Abendmahl erinnert und gewiß gemacht, daß du an dem einzigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gaben Anteil hast?

Christus hat mir und allen Gläubigen befohlen, zu seinem Gedächtnis von dem gebrochenen Brot zu essen und von dem Kelch zu trinken.1 Dabei hat er verheißen: Erstens, daß sein Leib so gewiß für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen ist, wie ich mit Augen sehe, daß das Brot des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir gegeben wird. Zweitens, daß er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut so gewiß zum ewigen Leben speist und tränkt, wie ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich genieße das Brot und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibes und Blutes Christi gegeben werden.
  • 1. Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24; Lk 22, 19-20; 1. Kor 10, 16-17; 11, 23-; 25; 12, 13
76
Was heist den gecreutzigten leib Christi essen, vnnd sein vergossen Blut trincken?

Es heist nit allein mit glaubigem hertzen das gantze leiden vnnd sterben Christi annemmen, vnd dardurch vergebung der sünden vnd ewiges leben bekommena: Sonder auch darneben durch den heiligen Geist, der zu gleich in Christo vnnd in vns wohnet, also mit seinem gebenedeyten leib je mehr vnnd mehr vereiniget werdenb: dasz wir, ob gleich er im Himmelc, vnnd wir auff Erden sind: dennoch fleisch von seinem fleisch, [31]vnnd bein von seinen beinen sindd, vnnd von einem geist (wie die glieder vnsers leibs von einer seelen) ewig leben vnnd regieret werdene.
  • a. Iohan. 6, 35, 40, 47f., 50f., 53f
  • b. Iohan. 6, 55f
  • c. Act. 3, 21. 1. Cor. 11, 26
  • d. Ephes. 3, 16f.; 5, 29f., 32. 1. Cor. 6, 15, 17, 19. 1. Ioh. 3, 24; 4, 13
  • e. Ioha. 14, 23. Iohan. 6, 56—58; 15, 1—6. Ephes. 4, 15f
76
[49]Was heißt, den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken?

Es heißt nicht allein, mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünde und ewiges Leben empfangen,1 sondern auch, durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christus und in uns wohnt, mit seinem verherrlichten Leib2 mehr und mehr vereinigt werden, so daß, obgleich er im Himmel ist3 und wir auf Erden sind, wir doch ein Leib mit ihm sind und von einem Geist4 ewig leben und regiert werden.5
  • 1. Joh 6, 35.40.47-48.50-54
  • 2. Joh 6, 55-56
  • 3. Apg 3, 21; 1. Kor 11, 26
  • 4. Eph 3, 16-17; 5, 29-32; 1. Kor 6, 15-19; 1. Joh 3, 24; 4, 13
  • 5. Joh 6, 56-58; 14, 23; 15, 1-6; Eph 4, 15-16
77
Wo hat Christus verheissen, dasz er die gläubigen so gewisz also mit seinem leib vnd blut speise vnd trencke, als sie von diesem gebrochnen brod essen, vnd von diesem Kelch trincken?

In der einsatzung des Abendmals, welche also lauteta: Vnser HERR Jesus, in der nacht da er verrahten ward, nam er das brodt, dancket vnd brachs vnnd sprach, Nemet, esset, das ist mein leib, der für euch gebrochen wirdt, Solchs thut zu meiner gedechtnusz. Desselben gleichen auch den Kelch, nach dem Abendtmal, vnnd sprach: Dieser Kelch ist das newe Testament in meinem blut, solches thut, so offt jrs trincket, zu meiner gedechtnusz: Denn so offt jr von diesem brod esset, vnnd von diesem Kelch trincket, solt jr des Herren tod verkündigen, bisz dasz er kompt. Vnd diese verheissung wirdt auch widerholet durch S. Paulumb, da er spricht: Der Kelch der dancksagung, damit wir dancksagen, ist er nit die gemeinschafft des bluts Christi? Das brodt das wir brechen, ist das nicht die gemeinschafft des leibs Christi? Denn ein brod ists, so seind wir viel ein leib, dieweil wir alle eines brots theilhafftig seind.
  • a. 1. Cor. 11, 23—25. Matt. 26, 26—28. Mar. 14, 22—24. Luc. 22, 19f
  • b. 1. Cor. 10, 16f
77
[50]Wo hat Christus verheißen, daß er die Gläubigen so gewiß mit seinem Leib und Blut speist und tränkt, wie sie von diesem gebrochenen Brot essen und von diesem Kelch trinken?

In der Einsetzung des Abendmahls:1 »Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: (Nehmet, esset,) das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.« Diese Verheißung wiederholt der Apostel Paulus,2 wenn er sagt: »Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn e i n Brot ist’s: so sind wir viele e i n Leib, weil wir alle an e i n e m Brot teilhaben.«
  • 1. Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24, Lk 22, 19-20; 1. Kor 11, 23-25
  • 2. 1. Kor 10, 16,17
Der 29. Sontag.
29. Sonntag
78
Wirdt denn ausz brod vnd wein der wesentlich Leib vnnd Blut Christi?

[32]Nein: sonder wie das wasser in dem Tauff, nicht in das blut Christi verwandlet, oder die abwaschung der sünden selbst wird, deren es allein ein Göttlich warzeichen vnd versicherung ista: also wirdt auch das heilig brodt im Abendmal nit der leib Christi selbstb, wiewol es nach art vnd brauch der Sacramentenc, der leib Christi genennet wird.
  • a. Matt. 26, 29. Marc. 14, 24
  • b. 1. Cor. 10, 16f.; 11, 26—28
  • c. Gen. 17, 10f., 14, 19. Exod. 12, 26f., 43, 48. Tit. 3, 5. 1. Pet. 3, 21. 1. Cor. 10, 1—4
78
[51]Werden denn Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt?

Nein. Wie das Wasser bei der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt wird oder selbst die Sünden abwäscht, sondern Gottes Wahrzeichen1 und Pfand dafür ist, so wird auch das Brot im Abendmahl nicht der Leib Christi,2 auch wenn es in den Worten, die beim Abendmahl gebraucht werden, als der Leib Christi bezeichnet wird.3
  • 1. Mt 26, 29; Mk 14, 24
  • 2. 1. Kor 10, 16-17; 11, 26-28
  • 3. 1. Mose 17, 10-19; 2. Mose 12, 26-27.43.48; 1. Petr 3, 21; 1. Kor 10, 1- 4; Tit 3, 5
79
Warumb nennet denn Christus das brod seinen leib, vnd den Kelch sein blut, oder das newe Testament in seinem blut, vnd S. Paulus, die gemeinschafft des leibs vnnd bluts Jesu Christi?

Christus redet also nit one grosse vrsach: Nemlich, dasz er vns nicht allein damit wil lehren, dasz, gleich wie brod vnnd wein das zeitliche leben erhalten, also sey auch sein gecreutzigter leib vnd vergossen blut, die ware speisz vnnd tranck vnserer seelen, zum ewigen lebena: sonder viel mehr dasz er vns durch disz sichtbare zeichen vnd pfand wil versichern, dasz wir so warhafftig seines waren leibs vnd bluts durch würckung des heiligen Geists theilhafftig werden, als wir diese heilige warzeichen, mit dem leiblichen mund zu seiner gedechtnusz empfangenb: vnd dasz all sein leiden vnnd gehorsam so gewisz vnser eigen sey, als hetten wir selbst in vnser eigen person alles gelitten vnnd gnug gethan.
  • a. Ioh. 6, 51, 55
  • b. 1. Cor. 10, 16f
79
Warum nennt denn Christus das Brot seinen Leib und den Kelch sein Blut oder nennt den Kelch den neuen Bund in seinem Blut, und warum spricht Paulus von der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi?

Christus redet so nicht ohne große Ursache. Er will uns damit lehren: Wie Brot und Wein das zeitliche Leben erhalten, so sind sein gekreuzigter Leib und sein vergossenes Blut die wahre Speise und der wahre Trank unserer Seele zum ewigen Leben.1 [52]Darüberhinaus will er uns durch dieses sichtbare Zeichen und Pfand gewiß machen, daß wir so wahrhaftig durch seinen Heiligen Geist an seinem Leib und Blut Anteil bekommen wie wir diese heiligen Wahrzeichen mit unserem Mund zu seinem Gedächtnis empfangen.2 All sein Leiden und sein Gehorsam sind uns so gewiß zugeeignet, als hätten wir selbst das alles gelitten und vollbracht.
  • 1. Joh 6, 51.55
  • 2. 1. Kor 10, 16-17
Der 30. Sontag.
30. Sonntag
80
Was ist für ein vnderscheid zwischen dem Abendtmal des HERRN, vnnd der Bäpstlichen Mesz?

[33]Das Abendmal bezeuget vns, dasz wir volkommene vergebung aller vnser sünden haben, durch das einige opffer Jesu Christi, so er selbst ein mal am Creutz vollbracht hata, Vnnd dasz wir durch den heiligen Geist Christo werden eingeleibtb, der jetzund mit seinem waren leib im Himmel zur Rechten des Vatters istc, vnd daselbst wil angebettet werdend. Die Mesz aber lehret, dasz die lebendigen vnd die todten nicht durch das leiden Christi vergebung der sünden haben, es sey denn dasz Christus noch täglich für sie von den Meszpriestern geopffert werde. Vnd das Christus leiblich vnder der gestalt brots vnnd weins sey, vnd derhalben darinn soll angebettet werdene: Vnd ist also die Mesz im grund nichts anderst, denn ein verleugnung des einigen opffers vnd leidens Jesu Christif, vnd ein vermaledeyte Abgötterey.
  • a. Hebr. 7, 27; 9, 12, 25—28; 10, 10, 12, 14. Ioh. 19, 30. Matt. 26, 28. Luc. 22, 19f
  • b. 1. Cor. 6, 17; 10, 16f
  • c. Hebr. 1, 3; 8, 1
  • d. Iohan. 4, 21—24; 20, 17. Luc. 24, 52. Acto. 7, 55. Coloss. 3, 1. Phil. 3, 20f. 1. Thes. 1, 9f
  • e. In Can. Missae. Item. De consecrat. distinct: 2
  • f. Hebr. 9. und 10
80
Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe?

Das Abendmahl bezeugt uns, daß wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben durch das einmalige Opfer Jesu Christi, das er selbst einmal am Kreuz1 vollbracht hat, und daß wir durch den Heiligen Geist Christus werden eingeleibt,2 der jetzt mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist und daselbst will angebetet werden.3 [53]Die Messe aber lehrt,4 daß die Lebendigen und die Toten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopfert werde, und daß Christus leiblich unter der Gestalt des Brotes und Weines sei und deshalb darin soll angebetet werden. Und ist also die Messe im Grunde nichts anderes als eine Verleugnung des einzigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei.*5
*Das Moderamen des Reformierten Bundes hat hierzu erklärt: Diese Verwerfung wurde vor 400 Jahren formuliert; sie läßt sich nach Inhalt und Sprache in dieser Form nicht aufrechterhalten: Die Polemik gegen die Wiederholung des einmaligen Opfers Christi am Kreuz und die Anbetung der Elemente (Brot und Wein) wird dem nicht gerecht, was im ökumenischen Gespräch inzwischen an Verständigung erreicht werden konnte. Der bleibende Lehrunterschied besteht darin, daß die Eucharistie in der römisch- katholischen Kirche als »Opfer«, das Abendmahl im evangelischen Gottesdienst als »Mahlfeier« begriffen wird; doch sollte sich dieser Unterschied nicht kirchentrennend auswirken.
  • 1. Hebr 7, 27; 9, 12.25-28; 10, 10-14; Joh 19, 30; Mt 26, 28; Lk 22, 19-20
  • 2. 1. Kor 6, 17; 10, 16-17
  • 3. Hebr 1, 3; 8, 1; Joh 4, 21-24; 20, 17; Lk 24, 52; Apg 7, 55
  • 4. Kol 3, 1; Phil 3, 20-21; 1. Thess 1, 9-10
  • 5. Hebr 9, 10
81
Welche sollen zu dem Tisch des HErren kommen?

Die jhnen selbst vmb jrer sünden willen miszfallen, vnnd [34]doch vertrawen, dasz dieselbige jhnen verzihen, vnd die vbrige schwachheyt mit dem leiden vnd sterben Christi bedeckt sey, begeren auch je mehr vnd mehr jhren glauben zu stercken vnd jhr leben zubessern. Die vnbuszfertigen aber vnd heuchler, essen vnd trincken jnen selbst das gerichta.
  • a. 1. Cor. 10, 19—22; 11, 28f
81
[54]Welche Menschen sollen zum Tisch des Herrn kommen?

Alle, die sich selbst um ihrer Sünde willen mißfallen und doch vertrauen, daß Gott sie ihnen vergeben hat und daß auch die bleibende Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi zugedeckt ist, die aber auch begehren, mehr und mehr ihren Glauben zu stärken und ihr Leben zu bessern. Wer aber unbußfertig und heuchlerisch zum Abendmahl kommt, ißt und trinkt sich selbst zum Gericht.1
  • 1. 1. Kor 10, 19-22; 11, 28-29
82
Sollen aber zu diesem Abendmal auch zu gelassen werden, die sich mit jhrer bekandtnusz vnnd leben, als vnglaubige vnd Gottlose erzeigen?

Nein: denn es wirdt also der Bundt Gottes geschmecht, vnd sein zorn vber die gantze gemein gereitzeta. Derhalben die Christliche kirch schuldig ist, nach der ordnung Christi vnd seiner Aposteln, solche, bisz zu besserung jres lebens, durch das ampt der Schlüssel auszzuschliessen.
  • a. 1. Cor. 11, 20, 34. Esai. 1, 11—15; 66, 3. Ierem. 7, 21—23. Psalm. 50, 16f
82
Dürfen aber zum heiligen Abendmahl auch solche zugelassen werden, die sich in ihrem Bekenntnis und Leben als Ungläubige und Gottlose erweisen?

Nein; denn sonst wird der Bund Gottes geschmäht und sein Zorn über die ganze Gemeinde erregt.1 Darum muß die christliche Kirche nach der Ordnung Christi und seiner Apostel solche durch das Amt der Schlüssel ausschließen, bis sie ihr Leben bessern.
  • 1. 1. Kor 11, 20.34; Jes 1, 11-15; 66, 3; Jer 7, 21-23; Ps 50, 16-17
Der 31. Sontag.
31. Sonntag
83
Was ist das ampt der Schlüssel?

Die Predig des heiligen Euangelions, vnd die Christliche Buszzucht, durch welche beyde stück, das Himmelreich den glaubigen auffgeschlossen, vnd den vnglaubigen zugeschlossen wirda.
  • a. Matt. 16, 18f.; 18, 18
83
[55]Was ist das Amt der Schlüssel?

Die Predigt des heiligen Evangeliums und die christliche Bußzucht. Durch diese beiden wird das Himmelreich den Gläubigen aufgeschlossen,1 den Ungläubigen aber zugeschlossen.
  • 1. Mt 16, 18-19; 18, 18
84
Wie wird das Himmelreich durch die predig des heiligen Euangelions auff vnd zu geschlossen?

Also: das nach dem befelch Christi, allen vnd jeden glaubigen [35]verkündigt vnnd offentlich bezeuget wird, dasz jhnen so offt sie die verheissung des Euangelions mit warem glauben annemen, warhafftig alle jre sünden von Gott, vmb des verdiensts Christi willen, vergeben sind: Vnd herwiderumb, allen vnglaubigen vnd heuchlern, dasz der zorn Gottes, vnnd die ewige verdamnusz auff jnen ligt, so lang sie sich nicht bekerena: Nach welchem zeugnusz des Euangelij, Gott beide in diesem vnd zukünfftigen leben vrtheilen wil.
  • a. Ioh. 20, 21—23. Matth. 16, 19
84
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des heiligen Evangeliums auf- und zugeschlossen?

Nach dem Befehl Christi wird allen Gläubigen verkündigt und öffentlich bezeugt, daß ihnen alle ihre Sünden von Gott um des Verdienstes Christi willen wahrhaftig vergeben sind, sooft sie den Zuspruch des Evangeliums mit wahrem Glauben annehmen. Dagegen wird allen, die den Glauben verwerfen oder heucheln, öffentlich bezeugt, daß der Zorn Gottes und die ewige Verdammnis auf ihnen liegt,1 solange sie sich nicht bekehren. Nach diesem Zeugnis des Evangeliums will Gott in diesem und im zukünftigen Leben urteilen.
  • 1. Joh 20, 21-23; Mt 16, 19
85
Wie wirdt das Himmelreich zu vnnd auffgeschlossen, durch die Christliche Buszzucht?

Also: dasz nach dem befelch Christi, die jenigen so vnder dem Christlichen namen, vnchristliche Lehr oder wandel führen, nach dem sie etlich mal brüderlich vermanet sein, vnd von jren jrrthumen oder lastern nit abstehen, der Kirchen, oder denen so von der Kirchen darzu verordnet seind, angezeigt, vnnd so sie sich an derselben vermanung auch nit keren, von jhnen durch verbietung der heiligen Sacrament ausz der Christlichen gemein, vnd von Gott selbst, ausz dem Reich Christi werden ausz geschlossen: vnd widerumb als glieder Christi vnd der Kirchen angenommen, wenn sie ware besserung verheissen vnd erzeigena.
  • a. Matt. 18, 15—18. 1. Cor. 5, 3—5, 11. 2. Thess. 3, 14f. 2. Iohan. 10f
85
[56]Wie wird das Himmelreich durch die christliche Bußzucht zu- und aufgeschlossen?

Nach dem Befehl Christi werden alle, die sich Christen nennen, aber unchristlich lehren oder leben, mehrmals seelsorgerlich vermahnt.
Wenn sie von ihren Irrtümern und Lastern nicht ablassen, werden sie der Gemeinde oder den von ihr Beauftragten namhaft gemacht.
Wenn sie auch deren Vermahnung nicht folgen, werden sie von diesen durch Versagung der heiligen Sakramente aus der christlichen Gemeinde und von Gott selber aus dem Reich Christi ausgeschlossen.
Jedoch werden sie als Glieder Christi undder Kirche wieder angenommen, wenn sie wahre Besserung versprechen und zeigen.1
  • 1. Mt 18, 15-18; 1. Kor 5, 3-5.11; 2. Thess 3, 14-15; 2. Joh 10, 11
DER DRITTE THEIL. VON DER DANCKBARKEYT.
Der dritte Teil. Von der Dankbarkeit
VII. LECTIO. Der 32. Sontag.
32. Sonntag
86
Dieweil wir denn ausz vnserm elend one alle vnsere verdienst, ausz gnaden durch Christum erlöset seind, warumb sollen wir gute werck thun?

[36]Darumb, dasz Christus, nach dem er vns mit seinem blut erkaufft hat, vns auch durch seinen heiligen Geist ernewert zu seinem ebenbildt, dasz wir mit vnserm gantzen leben vns danckbar gegen Gott für seine wolthat erzeigena, vnd er durch vns gepriesen werdeb: Darnach auch, dasz wir bey vns selbst vnsers glaubens ausz seinen früchten gewisz seinc, vnnd mit vnserm Gottseligen wandel, vnsere nechsten auch Christo gewinnend.
  • a. Rom. 6, 13; 12, 1f. 1. Pet. 2, 5, 9f. 1. Cor. 6, 20
  • b. Matt. 5, 16. 1. Pet. 2, 12
  • c. 1. Pet. 1. Matth. 7, 17f. Gal. 5, 6, 22
  • d. 1. Pet. 3, 1f. Rom. 14, 19
86
[57]Da wir nun aus unserm Elend ganz ohne unser Verdienst aus Gnade durch Christus erlöst sind, warum sollen wir gute Werke tun?

Wir sollen gute Werke tun, weil Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, damit wir mit unserem ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohltat erweisen und er durch uns gepriesen wird.1 Danach auch, daß wir bei uns selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiß werden2 und mit einem Leben, das Gott gefällt, unsern Nächsten auch für Christus gewinnen.3
  • 1. 1. Kor 6, 20; Röm 6, 13; 12, 1-2; Mt 5, 16; 1. Petr 2, 5.9-12
  • 2. 2. Petr 1, 10; Mt 7, 17-18; Gal 5, 6.22
  • 3. 1. Petr 3, 1-2; Röm 14, 19
87
Können denn die nicht selig werden, die sich von jhrem vndanckbaren vnbuszfertigen wandel zu Gott nicht bekeren?

Keins wegs: denn, wie die schrifft saget: Kein vnkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenpoltz, Lesterer, Rauber vnd dergleichen, wird das reich Gottes erbena.
  • a. 1. Cor. 6, 9f. Ephes. 5, 5f. 1. Iohan. 3, 14f
87
[58]Können denn auch die selig werden, die sich von ihrem undankbaren, unbußfertigen Leben nicht zu Gott bekehren?

Keineswegs; denn die Schrift sagt: kein Unzüchtiger, Götzendiener, Ehebrecher, Dieb, Geiziger, Trunkenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen1 wird das Reich Gottes erben.
  • 1. 1. Kor 6, 9-10; Eph 5, 5-6; 1. Joh 3, 14-15
Der 33. Sontag.
33. Sonntag
88
In wieuiel stücken stehet die warhafftige busz oder bekerung des menschen?

In zweyen stücken: In absterbung des altena, vnd aufferstehung des newen menschen.
  • a. Rom. 6, 4—6. Ephes. 4, 22—24. Coloss. 3, 5—10. 1. Cor. 5, 7
88
Worin besteht die wahrhaftige Buße oder Bekehrung des Menschen?

Im Absterben des alten Menschen und im Auferstehen des neuen Menschen.1
  • 1. Röm 6, 4-6; Eph 4, 22-24; Kol 3, 5-10; 1. Kor 5, 7
89
Was ist die absterbung des alten menschen?

[37]Im die sünde von hertzen lassen leid sein, vnnd dieselbige je lenger je mehr hassen vnd fliehena.
  • a. Rom. 8, 13. Ioel 2, 13
89
Was heißt Absterben des alten Menschen?

Sich die Sünde von Herzen leid sein lassen und sie je länger je mehr hassen und fliehen.1
  • 1. Röm 8, 13; Joel 2, 13
90
Was ist die aufferstehung des newen menschen?

Hertzliche freud in Gott durch Christuma, vnd lust vnd lieb haben nach dem willen Gottes, in allen guten wercken zu lebenb.
  • a. Rom. 5, 1; 14, 17. Esai. 57, 15
  • b. Rom. 6, 10f. Galat. 2, 20
90
[59]Was heißt Auferstehen des neuen Menschen?

Herzliche Freude in Gott durch Christus haben1 und Lust und Liebe, nach dem Willen Gottes in allen guten Werken zu leben.2
  • 1. Röm 5, 1; 14, 17; Jes 57, 15
  • 2. Röm 6, 10-11; Gal 2, 20
91
Welches seind aber gute werck?

Allein die ausz warem glaubena, nach dem Gesetz Gottesb jm zu ehren geschehenc: vnd nicht die auff vnser gutduncken oder menschen satzung gegründet seind.
  • a. Rom. 14, 23
  • b. 1. Sam. 15, 22. Ephes. 2, 10
  • c. 1. Cor. 10, 31
  • d. Deut. 12, 32. Ezech. 20, 18f. Esai. 29, 13. Matt. 15, 9
91
Was sind denn gute Werke?

Allein solche, die aus wahrem Glauben1 nach dem Gesetz Gottes ihm zur Ehre geschehen,2 und nicht solche, die auf unser Gutdünken oder auf Menschengebote gegründet sind.3
  • 1. Röm 14, 23
  • 2. 1. Sam 15, 22; Eph 2, 10; 1. Kor 10, 31
  • 3. Mt 15, 9; Hes 20, 18-19; Jes 29, 13; 5. Mose 13, 1
92
Wie laut das Gesetz des HERRN?

Gott redet alle diese wort.

Das erst Gebott.

Ich bin der HERR dein Gott, der ich dich ausz [38]Egyptenland, ausz dem Diensthausz geführet habe. Du solt kein ander Götter für mir haben.

Das Ander.

Du solt dir keine Bildnusz noch jrgendt eine gleichnus machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das vnden auff Erden, oder desz, das im wasser vnder der Erden ist, Du solt sie nicht anbeten, noch jnen dienen. Denn ich der HERR dein Gott, bin ein starcker eyueriger Gott, der die missethat der Väter heimsucht an den kindern, bis ins dritte vnd vierde glied, deren die mich hassen: vnnd thue barmhertzigkeyt an viel tausenden die mich lieben, vnd meine Gebott halten.

Das Dritt.

Du solt den Namen des HERREN deines Gottes nicht miszbrauchen, Denn der HERR wirdt den nicht vngestrafft lassen, der seinen Namen miszbraucht.

Das vierdt.

Gedenck des Sabbaht tags, dasz du jhn heiligest. Sechs tag soltu arbeiten, vnd alle deine werck thun, aber am sibenden tage ist der Sabbath des HERREN deines Gottes, da solt du keine arbeit thun, noch dein Son, noch deine Tochter, noch dein knecht, noch deine magt, noch dein vieh, noch der frembdling der in deinen thoren ist. Denn in sechs tagen hat der HERR Himmel vnd Erden gemacht, vnnd das Meer, vnnd alles was drinnen ist, vnnd rhuete am sibenden tage, darumb segnete der HErr den Sabbath tag, vnd heiliget jn.

Das fünffte.

Du solt dein Vatter vnnd deine Mutter ehren, auff dasz du lang lebest im Land, das dir der HErr dein Gott gibt. [39]

Das sechste.

Du solt nit tödten.

Das sibende.

Du solt nit Ehebrechen.

Das achte.

Du solt nit stelen.

Das neunde.

Du solt kein falsch zeugnusz reden wider deinen Nechsten.

Das zehende.

Lasz dich nit gelüsten deines nechsten hausz, Lasz dich nit gelüsten deines nechsten weibs, noch seines knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochssen, noch seines Esels, noch alles dasz dein nechster hat.
  • *. Exod. 20. Deut. 5
92
Wie lautet das Gesetz des Herrn?

»Gott redete alle diese Worte:

Das 1. Gebot

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Das 2. Gebot

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, [60]noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Das 3. Gebot

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

Das 4. Gebot

Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht, und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. [61]

Das 5. Gebot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

Das 6. Gebot

Du sollst nicht töten.

Das 7. Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

Das 8. Gebot

Du sollst nicht stehlen.

Das 9. Gebot

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das 10. Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel, noch alles, was dein Nächster hat.« (2. Mose 20, 1-17)
Der 34. Sontag.
34. Sonntag
93
Wie werden diese Gebott getheilt?

In zwo Tafelna, deren die erste in vier gebotten lehret, wie wir vns gegen Gott sollen halten: Die ander in sechs gebotten, was wir vnserem nechsten schuldig seinb.
  • a. Exo. 34, 28. Deut. 4, 13; 10, 3f
  • b. Matt. 22, 37—40
93
Wie werden diese Gebote eingeteilt?

In zwei Tafeln: Die erste Tafel lehrt in vier Geboten, wie wir uns Gott gegenüber verhalten sollen,1 die zweite in sechs Geboten, was wir unserm Nächsten schuldig sind.2
  • 1. 2. Mose 34, 28; 5. Mose 4, 13; 10, 3-4
  • 2. Mt 22, 37-40
94
Was erfordert der Herr im ersten Gebott?

Dasz ich bey verlierung meiner seelen heil vnd seligkeyt alle abgöttereya, zauberey, abergläubische segenb, anruffung der Heiligen oder anderer Creaturenc, meiden vnnd fliehen soll, Vnnd den einigen waren Gott recht erkennend, jm allein vertrawene, In aller demutf vnd gedultg, von jm allein alles guts [40]gewartenh, vnd jn von gantzem hertzen liebeni, förchtenk vnnd ehrenl: Also dasz ich ehe alle Creaturen vbergebe, denn in dem geringsten wider seinen willen thuem.
  • a. 1. Cor. 6, 9f.; 10, 7, 14
  • b. Leuit. 19, 31. Deut. 18, 10—12
  • c. Matt. 4, 10. Apoc. 19, 10; 22, 8f
  • d. Ioh. 17, 3
  • e. Iere. 17, 5
  • f. 1. Pet. 5, 5f
  • g. Hebr. 10, 36. Coloss. 1, 11. Rom. 5, 3f. 1. Cor. 10, 10. Philip. 2, 14
  • h. Psal. 104, 27—30. Esai. 45, 7. Iac. 1, 17
  • i. Deut. 6, 5. Matt. 22, 37
  • k. Deut. 6, 2. Psalm. 111, 10. Prouer. 1, 7; 9, 10. Matth. 10, 28
  • l. Matth. 4, 10. Deut. 10, 20
  • m. Matth. 5, 29f.; 10, 37. Actor. 5, 29
94
[62]Was fordert der Herr im ersten Gebot?

Gott will, daß ich allen Götzendienst,1 alle Zauberei und Wahrsagerei, allen Aberglauben, auch das Anrufen der Heiligen oder2 anderer Geschöpfe meide und fliehe, damit ich meiner Seele Heil und Seligkeit nicht verliere. Stattdessen soll ich3 den einen wahren Gott recht erkennen, ihm allein vertrauen und in aller Demut und Geduld von ihm allein alles Gute erwarten. Ihn allein soll ich von ganzem Herzen lieben, fürchten und ehren,4 so daß ich eher alle Geschöpfe preisgebe,5 als im Geringsten gegen seinen Willen handle.
  • 1. 1. Kor 6, 9-10; 10, 7.14
  • 2. 3. Mose 19, 31; Mt 4, 10; 5. Mose 18, 10-12; Offb 19, 10; 22, 8.9
  • 3. Joh 17, 3
  • 4. Jer 17, 5; 1. Petr 5, 5-6; Röm 5, 3,4; 1. Kor 10, 10; Phil 2, 14; Ps 104, 27-30; Jes 45, 7; Jak 1, 17; Spr 1, 7; 9, 10; Hebr 10, 36; Kol 1, 11; 5. Mose 6, 2.5; Mt 22, 37; Ps 111, 10; Mt 4, 10; 10, 28; 5. Mose 10, 20
  • 5. Mt 5, 29-30; 10, 37; Apg 5, 29
95
Was ist Abgötterey?

An statt des einigen waren Gottes, der sich in seinem wort hat offenbaret, oder neben demselbigen etwas anderst dichten oder haben, darauff der mensch sein vertrawen setzta.
  • a. Ephes. 5, 5. 1. Par. 16, 26. Phil. 3, 19. Gal. 4, 8. Ephes. 2, 12. 1. Ioh. 2, 23. 2. Iohan. 9. Iohan. 5, 23
95
Was ist Götzendienst?

Anstelle des einen wahren Gottes, der sich in seinem Wort offenbart hat, oder neben ihm1 irgendetwas anderes ersinnen oder haben, worauf der Mensch sein Vertrauen setzt.
  • 1. Eph 5, 5; 1.Chron 16, 26; Phil 3, 19; Joh 5, 23; Gal 4, 8; Eph 2, 12; 1. Joh 2, 23; 2. Joh 9
Der 35. Sontag.
35. Sonntag
96
Was wil Gott im andern Gebott?

Dasz wir Gott in keinen weg verbildena, noch auff jrgend eine andere weise, denn er in seinem wort befohlen hat, verehren sollenb.
  • a. Deut. 4, 15ff. Esai. 40, 18ff., 25. Rom. 1, 23f. Acto. 17, 29
  • b. 1. Sam. 15, 23. Deut. 12, 30—32. Matt. 15, 9
96
[63]Was will Gott im zweiten Gebot?

Gott will, daß wir ihn in keiner Weise abbilden, noch ihn auf irgendeine andere Art verehren,1 als er es in seinem Wort befohlen hat.2
  • 1. 5. Mose 4, 15-19; Jes; 40, 18-20.25; Röm 1, 23-24; Apg 17, 29
  • 2. 1. Sam 15, 23; Mt 15, 9; 5. Mose 12,30-32
97
Sol man denn gar kein bildnusz machen?

Gott kan vnnd soll keines weges abgebildet werden: die [41]Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbeut doch Gott derselbigen bildtnusz zu machen vnd zuhaben, dasz man sie verehre oder jm damit dienea.
  • a. Exod. 23, 24; 34, 13f. Num. 33, 52. Deut. 7, 5; 12, 3; 16, 22. 2. Reg. 18, 4
97
Darf man denn gar kein Bild machen?

Gott kann und darf in keiner Weise abgebildet werden. Die Geschöpfe dürfen abgebildet werden, aber Gott verbietet, Bilder von ihnen zu machen und zu haben, um sie zu verehren oder ihm damit zu dienen.1
  • 1. 2. Mose 23, 24; 34, 13-; 14; 4. Mose 33, 52; 5. Mose 7, 5; 12, 3; 16, 22; 2. Kön 18, 4
98
Mögen aber nicht die bilder als der Leyen bücher, in den Kirchen geduldet werden?

Nein: Denn wir nicht sollen weiser sein denn Gott, welcher seine Christenheyt nicht durch stumme Götzena, sonder durch die lebendige predig seines worts wil vnderwiesen habenb.
  • a. Iere. 10, 8. Habac. 2, 18f
  • b. 2. Pet. 1, 19. 2. Tim. 3, 16f
98
Dürfen denn nicht die Bilder als »der Laien Bücher« in den Kirchen geduldet werden?

Nein; denn wir sollen uns nicht für weiser halten als Gott, der seine Christenheit nicht1 durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Wortes unterwiesen haben will.2
  • 1. Jer 10, 8; Hab 2, 18-19
  • 2. 2. Petr 1, 19; 2. Tim 3, 16-17
Der 36. Sontag.
36. Sonntag
99
Was wil das dritt Gebott?

Dasz wir nicht allein mit fluchena, oder mit falschem eydeb, sonder auch mit vnnötigem schwerenc den Namen Gottes nicht lestern oder miszbrauchen, noch vns mit vnserm stillschweigen vnnd zusehen solcher schrecklichen sünden theilhafftig machen, Vnd in summa, dasz wir den heiligen Namen Gottes anderst nicht, denn mit forcht vnd ehrerbietung gebrauchend, auff dasz er von vns recht bekendte, angeruffenf, vnd in allen vnsern worten vnd werckeng gepriesen werde.
  • a. Leuit. 24, 10—16
  • b. Leui. 29. [19, 12.]
  • c. Matt. 5, 37. Iacob. 5, 12
  • d. Esai. 45, 23
  • e. Matt. 10, 32
  • f. 1. Tim. 2, 8
  • g. Rom. 2, 24. 1. Tim. 6, 1. Coloss. 3, 16f
99
[64]Was will Gott im dritten Gebot?

Gott will, daß wir weder mit Fluchen1 oder mit falschem Eid,2 noch mit unnötigem Schwören3 seinen Namen lästern oder mißbrauchen. Wir sollen uns auch nicht durch unser Stillschweigen und Zusehen an solchen schrecklichen Sünden mitschuldig machen. Gottes heiligen Namen sollen wir nur mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen,4 so daß er von uns recht bekannt, angerufen5 und in allen unseren Worten und Werken gepriesen wird.6
  • 1. 3. Mose 24, 10-16
  • 2. 3. Mose 19, 12
  • 3. Mt 5, 37; Jak 5, 12
  • 4. Jes 45, 23
  • 5. Mt 10, 32; 1.Tim 2, 8
  • 6. Röm 2, 24; 1.Tim 6, 1; Kol 3, 16-17
100
Ist denn mit schweren vnd fluchen Gottes Namen lestern, so ein schwere sünd, dasz Gott auch vber die zürnet, die, souiel an jnen ist, dieselbe nicht helffen wehren vnnd verbieten?

[42]Ja freilicha: Denn keine sünde grösser ist, noch Gott hefftiger erzürnet, denn lesterung seines Namens, Darumb er sie auch mit dem todt zustraffen befohlen hatb.
  • a. Leuit. 5, 1
  • b. Leui. 24, 15f
100
Ist es denn eine so schwere Sünde, Gottes Namen mit Schwören und Fluchen zu lästern, daß Gott auch über die zürnt, die nicht alles tun, um es zu verhindern?

Ja;1 denn es gibt keine Sünde, die größer ist und Gott heftiger erzürnt, als die Lästerung seines Namens. Darum hat er auch befohlen, sie mit dem Tode zu bestrafen.2
  • 1. 3. Mose 5, 1
  • 2. 3. Mose 24, 15-16
Der 37. Sontag.
37. Sonntag
101
Mag man aber auch Gottselig bey dem Namen Gottes einen Ayd schweren?

Ja, Wenn es die Oberkeyt von jren vnderthanen, oder sonst die noth erfordert, trewe vnd warheyt zu Gottes ehr, vnd des nechsten heil dardurch zu erhalten vnnd zu fürdern. Denn solches Eydschweren ist in Gottes wort gegründeta, vnd derhalben von den Heiligen im alten vnd newen Testament recht gebrauchet wordenb.
  • a. Deut. 6, 13; 10, 20. Esai. 48, 1. Hebr. 6, 16
  • b. Gen. 21, 24; 31, 53f. Iosu. 9, 15, 19. 1. Sam. 24, 22. 2. Sam. 3, 35. 1. Reg. 1, 29. Rom. 1, 9. 2. Cor. 1, 23
101
[65]Darf man aber überhaupt bei dem Namen Gottes einen Eid schwören?

Ja, wenn es die Obrigkeit fordert oder die Not es gebietet, auf diese Weise Treue und Wahrheit zu Gottes Ehre und des Nächsten Wohl zu erhalten und zu fördern. Denn solches Schwören ist in Gottes Wort begründet.1 Deshalb haben die Menschen im Alten und Neuen Testament zu Recht davon Gebrauch gemacht.2
  • 1. 5. Mose 6, 13; 10, 20; Jes 48, 1; Hebr 6, 16
  • 2. 1. Mose 21, 24; 31, 53-; 54; 1. Sam 24, 22; 2. Sam 3, 35; Jes 9, 15; 1. Kön 1, 29; Röm 1, 9; 2. Kor 1, 23
102
Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen ayd schweren?

Nein: Denn ein rechtmessiger ayd ist ein anruffung Gottes, dasz er als der einig hertzkündiger, der warheyt zeugnusz wölle geben, vnd mich straffen, so ich falsch schwerea, welche ehre denn keiner Creaturen gebüretb.
  • a. 2. Cor. 1, 23
  • b. Matt. 5, 34—36. Iaco. 5, 12
102
Darf man auch bei den Heiligen oder anderen Geschöpfen schwören?

Nein; denn in einem rechtmäßigen Eid rufe ich Gott selbst zum Zeugen an,1 daß er, der allein die Herzen kennt, die Wahrheit bestätige und mich strafe, wenn ich falsch schwöre. Diese Ehre aber gebührt keinem Geschöpf.2
  • 1. 2. Kor 1, 23
  • 2. Mt 5, 34-36; Jak 5, 12
Der 38. Sontag.
38. Sonntag
103
Was wil Gott in dem vierdten gebott?

Gott wil erstlich, dasz das Predigampt vnd Schulen erhalten [43]werdena, vnnd ich, sonderlich am Feiertag, zu der gemeine Gottes vleissig kommeb, das wort Gottes zulernenc, die heiligen Sacrament zugebrauchend, den HERREN offentlich anzuruffene, vnnd das Christlich Almosz zugebenf: Zum andern, dasz ich alle tage meines lebens von meinen bösen wercken feiere, den Herren durch seinen Geist in mir wircken lasse, vnd also den ewigen Sabbath in diesem leben anfangg.
  • a. Tit. 1, 5. 1. Tim. 3, 14f.; 4, 13ff.; 5, 17. 1. Cor. 9, 11, 13f. 2. Tim. 2, 2; 3, 15
  • b. Psal. 40, 10f.; 68, 27. Actor. 2, 42, 46
  • c. 1. Cor. 14, 19, 29, 31
  • d. 1. Cor. 11, 33
  • e. 1. Tim. 2, 1—3, 8—10. 1. Cor. 14, 16
  • f. 1. Cor. 16, 2
  • g. Esai. 66, 23
103
[66]Was will Gott im vierten Gebot?

Gott will zum einen, daß das Predigtamt und die christliche Unterweisung1 erhalten bleiben und daß ich, besonders am Feiertag, zu der Gemeinde Gottes fleißig komme.2 Dort soll ich Gottes Wort lernen, die heiligen Sakramente gebrauchen, den Herrn öffentlich anrufen3 und in christlicher Nächstenliebe für Bedürftige spenden.4
Zum andern soll ich an allen Tagen meines Lebens von meinen bösen Werken feiern* und den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lassen.5
So fange ich den ewigen Sabbat schon in diesem Leben an.
* »feiern« = ablassen
  • 1. Tit 1, 5; 1. Tim 3, 14-15; 1. Tim 4, 13-16; 5, 17; 1. Kor 9, 11-14; 2. Tim 2, 2; 3, 15
  • 2. Ps 40, 10-11; 68, 27; Apg 2, 42.46; 1. Kor 14, 19.29-31
  • 3. 1. Kor 11, 33; 1. Tim 2, 1-3.8-10; 1. Kor 14, 16
  • 4. 1. Kor 16, 2
  • 5. Jes 66, 23
VIII. LECTIO. Der 39. Sontag.
39. Sonntag
104
Was wil Gott im fünfften gebott?

Dasz ich meinem Vatter vnd Mutter, vnd allen die mir fürgesetzt sein, alle ehre, liebe vnd trewe beweisen, vnd mich aller guten Lehr vnnd straff, mit gebürlichem gehorsam vnderwerffena, vnnd auch mit jhren gebrechen gedult haben sollb, dieweil vns Gott durch jre hand regieren wilc.
  • a. Ephes. 5, 22; 6, 1f., 5. Coloss. 3, 18, 20—24. Prou. 1, 8; 4, 1; 15, 20; 20, 20. Exod. 21, 17. Rom. 13, 1
  • b. Prou. 23, 22. Gen. 9, 24f. 1. Pet. 2, 18
  • c. Ephes. 6, 4, 9. Coloss. 3, 19, 21. Rom. 13, 2—7. Matth. 22, 21
104
[67]Was will Gott im fünften Gebot

Ich soll meinem Vater und meiner Mutter und allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue erweisen und alle gute Lehre und Strafe mit gebührendem Gehorsam annehmen,1 auch mit ihren Schwächen und Fehlern Geduld haben,2 weil Gott uns durch ihre Hand regieren will.3
  • 1. Eph 5, 22; 6. 1-2.5; Kol 3, 18.20-24; Spr 1, 8; 4, 1; 15, 20; 20, 20; 2.Mose 21, 17; Röm 13, 1
  • 2. Spr 23, 22; 1. Mose 9, 24-25; 1. Petr 2, 18
  • 3. Eph 6, 4.9; Kol 3, 19.21; Röm 13, 2-7; Mt 22, 21
Der 40. Sontag.
40. Sonntag
105
Was wil Gott in dem sechsten gebott?

Das ich meinen nechsten weder mit gedancken, noch mit worten oder geberden, viel weniger mit der that, durch mich selbst oder andere schmehen, hassen, beleidigen, oder tödtena: sonder alle rachgirigkeyt ablegenb, auch mich selbst nit beschedigen, oder mutwillig in gefahr begeben solc. Darumb [44]auch die Oberkeyt, dem todschlag zu weren, das Schwert tregtd.
  • a. Matt 5, 21f.; 26, 52. Gen. 9, 6
  • b. Ephes. 4, 26. Rom. 12, 19. Matt. 5, 25; 18, 35
  • c. Rom. 13, 14. Coloss. 2, 23. Syr. 3, 27. Matt. 4, 7
  • d. Gen. 9, 6. Exod. 21, 14. Matt. 26, 52. Rom. 13, 4
105
Was will Gott im sechsten Gebot?

Ich soll meinen Nächsten weder mit Gedanken noch mit Worten oder Gebärden, erst recht nicht mit der Tat, auch nicht mit Hilfe anderer, schmähen, hassen, beleidigen oder töten. Ich soll vielmehr1 alle Rachgier ablegen, mir auch nicht selbst Schaden zufügen oder mich mutwillig in Gefahr begeben.2 Darum hat auch der Staat den Auftrag, durch seine Rechtsordnung das Töten zu verhindern.3
  • 1. Mt 5, 21-22.26.52; 1. Mose 9, 6; Eph 4, 26; Röm 12, 19; Mt 5, 25; 18, 35
  • 2. Röm 13, 14; Kol 2, 23; Sir 3, 27; Mt 4, 7
  • 3. 1. Mose 9, 6; 2. Mose 21, 14; Mt 26.52; Röm 13, 4
106
Redet doch disz gebott allein von tödten?

Es wil vns aber Gott durch verbietung des todtschlags lehren, dasz er die wurtzel des todtschlags, als neida, haszb, zornc, rachgirigkeyt, hasset, vnd das solches alles für jhm ein heimlicher todtschlag seyed.
  • a. Rom. 1, 28—32
  • b. 1. Ioh. 2, 9—11
  • c. Iac. 2. [1, 20]. Galat. 5, 19—21
  • d. 1. Ioh. 3, 15
106
[68]Redet denn dieses Gebot nur vom Töten?

Nein. Gott will uns durch das Verbot des Tötens lehren, daß er schon die Wurzel des Tötens, nämlich Neid, Haß, Zorn und Rachgier1 haßt und daß alles für ihn heimlichesTöten ist.2
  • 1. Röm 1, 28-32; 1. Joh 2, 9-11; Jak 1, 20; Gal 5, 19-21
  • 2. 1. Joh 3, 15
107
Ists aber damit gnug, dasz wir vnsern nechsten, wie gemeldt, nit tödten?

Nein. Denn in dem Gott neid, hasz vnd zorn verdampt: wil er von vns haben, dasz wir vnsern Nechsten lieben als vns selbsta, gegen jm gedult, friede, sanfftmutb, barmhertzigkeytc vnd freundligkeytd erzeigen, seinen schaden, so viel vns möglich, abwendene, vnd auch vnsern feinden guts thunf.
  • a. Matt. 7, 12; 22, 39
  • b. Ephes. 4, 2. Galat. 6, 1f. Matt. 5, 5. Rom. 12, 18
  • c. Matt. 5, 7. Luc. 6, 36
  • d. Rom. 12, 10
  • e. Exod. 23, 5
  • f. Matt. 5, 44f. Rom. 12, 20f
107
Haben wir das Gebot schon erfüllt, wenn wir unseren Nächsten nicht töten?

Nein. Indem Gott Neid, Haß und Zorn verdammt, will er, daß wir unseren Nächsten1 lieben wie uns selbst, ihm Geduld, Frieden, Sanftmut, Barmherzigkeit und2 Freundlichkeit erweisen,3 Schaden, so viel uns möglich, von ihm abwenden, und auch unseren Feinden Gutes tun.4
  • 1. Mt 7, 12; 22, 39
  • 2. Eph 4,2; Gal 6, 1-2; Mt 5, 5.7; Lk 6, 36
  • 3. Röm 12, 10.18; 2. Mose 23, 5
  • 4. Mt 5, 44-45; Röm 12, 20-21
Der 41. Sontag.
41. Sonntag
108
Was will das siebende Gebott?

[45]Dasz alle vnkeuschheyt von Gott vermaledeyet seya, vnd dasz wir darumb jr von hertzen feind seinb, vnd keusch vnd züchtig leben sollenc, es sey im heiligen Ehestandt oder ausserhalb desselbend.
  • a. Deut. 18
  • b. Iudae 22f
  • c. 1. Thes. 4, 3—5
  • d. Hebr. 13, 4. 1. Cor. 7, 4
108
[69]Was will Gott im siebenten Gebot?

Gott verurteilt alle Zügellosigkeit.1 Darum sollen wir ihr von Herzen feind sein,2 rücksichtsvoll und verantwortungsbewußt leben,3 sei es nun in der Ehe oder außerhalb derselben.4
  • 1. 3. Mose 18, 27-29
  • 2. Jud 22, 23
  • 3. 1. Thess 4, 3-5
  • 4. Hebr 13, 4; 1. Kor 7, 4
109
Verbeut Gott in diesem gebott nichts mehr denn Ehebruch vnd dergleichen schanden?

Dieweil beyde vnser leib vnnd seel Tempel des heiligen Geists sein, so will er, dasz wir sie beyde sauber vnnd heilig bewaren. Verbeut derhalben alle vnkeusche thaten, geberden, worta, gedancken, lustb, vnd was den menschen darzu reitzen magc.
  • a. Ephes. 5, 3f. 1. Cor. 6, 18—20
  • b. Matt. 5, 27f
  • c. Ephes. 5, 18. 1. Cor. 15, 33
109
Verbietet Gott in diesem Gebot allein den Ehebruch?

Nein. Weil beide, unser Leib und unsere Seele, Tempel des Heiligen Geistes sind, darum will Gott, daß wir beide rein und heilig bewahren. Er verbietet deshalb alle zügellosen Taten, Gebärden, Worte, Gedanken, Begierden1 und alles, was den Menschen dazu reizen kann.2
  • 1. Eph 5, 3-4; 1. Kor 6, 18-; 20; Mt 5, 27-28
  • 2. Eph 5, 18; 1. Kor 15, 33
Der 42. Sontag.
42. Sonntag
110
Was verbeut Gott im achten gebott?

Er verbeut nicht allein den diebstala vnd raubereyb, welche die Oberkeyt strafft: sonder Gott nennet auch diebstal alle böse stück vnd anschläge, damit wir vnsers nechsten gut gedencken an vns zubringen, es sey mit gewalt oder schein des rechtensc: als vnrechtem gewichtd, Ellen, masze, wahre, müntz, wucherf, oder durch einiges mittel, das von Gott verbotten ist: Darzu auch allen geitzg, vnd vnnütze verschwendung seiner gabenh. [46]
  • a. 1. Cor. 6, 10
  • b. 1. Cor. 5, 10
  • c. Luc. 3, 14. 1. Thess. 4, 6
  • d. Prou. 11, 1; 16, 11
  • e. Ezec. 45, 9f. Deut. 25, 13—15
  • f. Psalm. 15, 5. Luc. 6, 35
  • g. 1. Cor. 6, 10
  • h. Proue. 5, 16
110
[70]Was verbietet Gott im achten Gebot?

Gott verbietet nicht nur Diebstahl und Raub,1 die nach staatlichem Recht bestraft werden. Er nennt Diebstahl auch alle Schliche und betrügerischen Handlungen, womit wir versuchen, unseres Nächsten Gut an uns zu bringen, sei es mit Gewalt oder einem Schein des Rechts:2 mit falschem Gewicht und Maß, mit schlechter Ware,3 gefälschtem Geld und Wucher, oder mit irgendeinem Mittel, das von Gott verboten ist. Er verbietet auch allen Geiz4 und alle Verschwendung seiner Gaben.5
  • 1. 1. Kor 5, 10; 6, 10
  • 2. Lk 3, 14; 1.Thess 4, 6; Spr 11, 1; 16, 11
  • 3. Hes 45, 9-10; Ps 15, 55; 5. Mose 25, 13-15; Lk 6, 35
  • 4. 1. Kor 6, 10
  • 5. Spr 5, 16
111
Was gebeut dir aber Gott in diesem Gebott?

Dasz ich meines nechsten nutz, wo ich kan vnd mag, fürdere, gegen jm also handle, wie ich wolte das man mit mir handletea, vnd trewlich arbeite, auff das ich dem dürfftigen in seiner noth helffen mögb.
  • a. Matt. 7, 12
  • b. Ephes. 4, 28
111
Was gebietet dir aber Gott in diesem Gebot?

Ich soll das Wohl meines Nächsten fördern, wo ich nur kann, und an ihm so handeln,1 wie ich möchte, daß man an mir handelt. Auch soll ich gewissenhaft arbeiten, damit ich dem Bedürftigen in seiner Not helfen kann.2
  • 1. Mt 7, 12
  • 2. Eph 4, 28
Der 43. Sontag.
43. Sonntag
112
Was wil das neund gebott?

Dasz ich wider niemand falsche zeugnusz gebea, niemand seine wort verkereb, kein affterreder vnn lesterer seyec, Niemand vnuerhört, vnd leichtlich verdammen helffed: sonder allerley liegen vnnd triegen, als eigene werck des Teuffelse bey schwerem Gottes zorn vermeidef, In gerichts vnnd allen andern handlungen die warheyt liebe, auffrichtig sage vnd bekenneg, auch meines Nechsten ehre vnd glimpff nach meinem vermögen rette vnd fürdereh.
  • a. Prou. 19, 5, 9; 21, 28
  • b. Psalm. 15, 3
  • c. Rom. 1, 28, 30
  • d. Matt. 7, 1f. Luc. 6, 37
  • e. Ioh. 8, 44
  • f. Prou. 12, 22; 13, 5
  • g. 1. Cor. 13, 6. Ephes. 4, 25
  • h. 1. Pet. 4, 8
112
[71]Was will Gott im neunten Gebot?

Ich soll gegen niemanden1 falsches Zeugnis geben, niemandem seine Worte verdrehen,2 nicht hinter seinem Rücken reden3 und ihn nicht verleumden. Ich soll niemanden ungehört und leichtfertig4 verurteilen helfen und alles Lügen und Betrügen als Werke des Teufels5 bei Gottes schwerem Zorn vermeiden.6 Vor Gericht und in all meinem Tun soll ich die Wahrheit lieben, sie aufrichtig sagen und bekennen und auch meines Nächsten Ehre und guten Ruf7 nach Kräften retten und fördern.8
  • 1. Spr 19, 5.9; 21, 28
  • 2. Ps 15, 3
  • 3. Röm 1, 28.30
  • 4. Mt 7, 1.2; Lk 6, 37
  • 5. Joh 8, 44
  • 6. Spr 12, 22; 13, 5
  • 7. 1. Kor 13, 6; Eph 4, 25
  • 8. 1. Petr 4, 8
Der 44. Sontag.
44. Sonntag
113
Was will das zehend gebott?

Dasz auch die geringste lust oder gedancken wider jrgend ein gebott Gottes, in vnser hertz nimmermehr kommen: sonder wir für vnnd für von gantzem hertzen aller sünde feind sein, vnd lust zu aller gerechtigkeyt haben sollena.
  • a. Rom. 7, 7f
113
Was will Gott im zehnten Gebot?

Wir sollen in unserem Herzen keine Lust und keinen Gedanken aufkommen lassen, gegen irgendein Gebot Gottes zu handeln, sondern wir sollen jederzeit von ganzem Herzen aller Sünde feind sein und Lust zu aller Gerechtigkeit haben.1
  • 1. Röm 7, 7-8
114
[47]Können aber, die zu Gott bekeret sind, solche gebott volkömlich halten?

Nein: sonder es haben auch die aller heiligsten, so lang sie in diesem leben sind, nur einen geringen anfang dieses gehorsamsa: doch also, dasz sie mit ernstlichem fürsatz, nicht allein nach etlichen, sonder nach allen gebotten Gottes anfangen zu lebenb.
  • a. 1. Ioh. 1, 8—10. Rom. 7, 14f. Eccles. 7, 21
  • b. Rom. 7, 22. Iac. 2, 10f
114
[72]Können aber die zu Gott Bekehrten diese Gebote vollkommen halten?

Nein, sondern es kommen auch die frömmsten Menschen in diesem Leben über einen geringen Anfang dieses Gehorsams nicht hinaus.1 Wohl aber beginnen sie, mit fester Absicht nicht nur nach einigen, sondern nach allen Geboten Gottes zu leben.2
  • 1. 1. Joh 1, 8-10; Röm 7, 14-15; Pred 7, 20
  • 2. Röm 7, 22; Jak 2, 10-11
115
Warumb lest vns denn Gott also scharff die zehen Gebott predigen, weil sie in diesem leben niemand halten kan?

Erstlich auff dasz wir vnser gantzes lebenlang vnser sündliche art je lenger je mehr erkennena, vnnd souiel desto begieriger vergebung der sünden vnd gerechtigkeyt in Christo suchenb. Darnach dasz wir one vnderlasz vns befleissen, vnn Gott bitten vmb die gnade des heiligen Geists, dasz wir je lenger je mehr zu dem ebenbild Gottes ernewert werden, bisz wir das ziel der volkommenheyt nach diesem leben erreichenc.
  • a. 1. Ioh. 1, 9. Psalm. 32, 5
  • b. Rom. 7, 24f
  • c. 1. Cor. 9, 24f. Philip. 3, 11—14
115
[73]Warum läßt uns Gott denn die zehn Gebote so eindringlich predigen, wenn sie doch in diesem Leben niemand halten kann?

Erstens sollen wir unser ganzes Leben lang unsere sündige Art je länger, je mehr erkennen1 und um so begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christus suchen.2
Zweitens sollen wir unaufhörlich uns bemühen und Gott um die Gnade des Heiligen Geistes bitten, daß wir je länger, je mehr zum Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir nach diesem Leben3 das Ziel der Vollkommenheit erreichen.4
  • 1. 1. Joh 1, 9; Ps 32, 5
  • 2. Röm 7, 24-25
  • 3. 1. Kor 9, 24-25
  • 4. Phil 3, 11-14
IX. LECTIO. Der 45. Sontag.
45. Sonntag
116
Warumb ist den Christen das Gebet nötig?

Darumb dasz es das fürnembste stück der danckbarkeyt ist, welche Gott von vns erforderta, Vnnd das Gott seine gnade vnnd heiligen Geist allein denen wil geben, die jhn mit hertzlichem [48]seufftzen one vnderlasz darumb bitten, vnd jm darfür danckenb.
  • a. Psal. 50, 14f
  • b. Matt. 7, 7f. Luc. 11, 9f., 13. Matt. 13, 12
116
[74]Warum ist den Christen das Gebet nötig?

Weil es die wichtigste Gestalt der Dankbarkeit ist, die Gott von uns fordert,1 und weil Gott seine Gnade und seinen Heiligen Geist nur denen geben will, die ihn herzlich und unaufhörlich darum bitten und ihm dafür danken.2
  • 1. Ps 50, 14-15
  • 2. Mt 7, 7-8; 13, 12; Lk 11, 9.10.13
117
Was gehöret zu einem solchen Gebet das Gott gefalle, vnd von jm erhöret werde?

Erstlich dasz wir allein den einigen waren Gott, der sich vns in seinem wort hat offenbareta, vmb alles dasz er vns zu bitten befohlen hatb, von hertzen anruffenc. Zum andern dasz wir vnsere noth vnnd elend recht gründtlich erkennend, vnsz für dem angesicht seiner Maiestet zu demütigene. Zum dritten, dasz wir diesen festen grund habenf, dasz er vnser Gebet, vnangesehen dasz wirs vnwirdig seind, doch vmb des HERRN Christi willen gewiszlich wölle erhöreng, wie er vns in seinem wort verheissen hath.
  • a. Ioh. 4, 22—24
  • b. Rom. 8, 26. 1. Iohan. 5, 14
  • c. Iohan. 4, 23f
  • d. 2. Pa. 20, 12
  • e. Psalm. 2, 11; 34, 19. Esai 66, 2
  • f. Rom. 10, 14. Iac. 1, 6
  • g. Ioh. 14, 13—16. Dan. 9, 17f
  • h. Matt. 7, 8. Psal. 143, 1
117
Was gehört zu einem Gebet, damit es Gott gefällt und von ihm erhört wird?

Erstens, daß wir allein den wahren Gott, der sich uns in seinem Wort geoffenbart hat,1 von Herzen anrufen2 um alles, was er uns zu bitten befohlen hat.3
Zweitens, daß wir unsere Not und unser Elend gründlich erkennen,4 um uns vor seinem göttlichen Angesicht zu demütigen.5 [75]Drittens, daß wir diesen festen Grund haben,6 daß er unser Gebet trotz unserer Unwürdigkeit um des Herrn Christus willen gewiß erhören will,7 wie er uns in seinem Wort verheißen hat.8
  • 1. Joh 4, 22-24
  • 2. Joh 4, 23.24
  • 3. Röm 8, 26; 1. Joh 5, 14
  • 4. 2. Chron 20, 12
  • 5. Ps 2, 11; 34, 19; Jes 66, 2
  • 6. Röm 10, 14; Jak 1, 6
  • 7. Joh 14, 13-16; Dan 9, 17-18
  • 8. Mt 7, 8; Ps 143, 1
118
Was hat vns Gott befohlen von jm zu bitten?

Alle geistliche vnd leibliche notturfta, welche der HErr Christus begriffen hat in dem Gebet, dasz er vns selbst gelehret.
  • a. Iacob. 1, 17. Matth. 6, 33
118
Was hat uns Gott befohlen, von ihm zu erbitten?

Alles, was wir für unser geistliches und leibliches Leben1 nötig haben, wie es der Herr Christus in dem Gebet zusammengefaßt hat, das er uns selber lehrt.
  • 1. Jak 1, 17; Mt 6, 33
119
Wie lautet dasselbe?

Vnsera Vatter der du bist in Himmeln, Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein wil geschehe, auff erden wie im Himmel. Vnser täglich brot [49]gib vns heut. Vnd vergib vns vnser schuld, als auch wir vergeben vnsern schüldigern. Vnd füre vns nicht in versuchung, sonder erlöse vns vom bösen. Denn dein ist das reich, vnd die krafft, vnnd die herrligkeyt in ewigkeyt, Amen.
  • a. Matt. 6, 9ff. Luc. 11, 2—4
119
[76]Wie lautet dieses Gebet?

Unser Vater im Himmel!1 Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wir auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen.
  • 1. Mt 6, 9-13; Lk 11, 2-4
Der 46. Sontag.
46. Sonntag
120
Warumb hat vns Christus befohlen Gott also anzureden, Vnser Vatter?

Dasz er gleich im anfang vnsers Gebets in vns erwecke die kindliche forcht vnd zuuersicht gegen Gott, welche der grund vnsers Gebets soll sein: Nemlich, dasz Gott vnser Vatter durch Christum worden sey, vnnd wölle vns viel weniger versagen, warumb wir jn im glauben bitten, denn vnsere Vätter vns jrdische ding abschlagena.
  • a. Matt. 7, 9—11. Luc. 11, 11—13
120
[77]Warum hat uns Christus befohlen, Gott so anzureden: »Unser Vater«?

Er will in uns gleich zu Anfang unseres Gebetes die kindliche Ehrfurcht und Zuversicht Gott gegenüber wecken, auf die unser Gebet gegründet sein soll; daß nämlich Gott durch Christus unser Vater geworden ist und uns das, worum wir ihn im Glauben bitten, noch viel weniger verweigern will, als unsere Väter uns irdische Dinge abschlagen.1
  • 1. Mt 7, 9-11; Lk 11, 11-13
121
Warumb wird hinzu gethan, Der du bist in Himmeln?

Auff dasz wir von der Himmlischen Maiestet Gottes nichts jrdisch gedenckena, vnd von seiner allmechtigkeyt alle notturfft leibs vnd der seelen gewartenb.
  • a. Iere. 23, 23f. Actor. 17, 24f., 27
  • b. Rom. 10, 12
121
Warum wird hinzugefügt: »Im Himmel«?

Wir sollen von der himmlischen Hoheit Gottes nichts Irdisches denken und von seiner Allmacht alles erwarten,1 was für Leib und Seele nötig ist.2
  • 1. Jer 23, 23-24; Apg 17, 24-27
  • 2. Röm 10, 12
Der 47. Sontag.
47. Sonntag
122
Was ist die erste Bitt?

[50]Geheiliget werde dein name, das ist, gib vns erstlich dasz wir dich recht erkennena, vnnd dich in allen deinen wercken, in welchen leuchtet deine allmechtigkeyt, weiszheyt, güte, gerechtigkeyt, barmhertzigkeyt vnn warheyt, heiligen, rümen vnd preisenb. Darnach auch dasz wir vnser gantzes leben, gedancken, wort vnd werck dahin richten, dasz dein Name vmb vnsert willen nit gelestert, sonder geehret vnd gepriesen werdec.
  • a. Ioh. 17, 3. Matt. 16, 17. Iacob. 1, 5. Psal. 119, 105
  • b. Psal. 119, 137. Rom. 11, 22, 33
  • c. Psal. 71, 8; 115, 1
122
[78]Was bedeutet die erste Bitte: »Geheiligt werden dein Name«?

Damit beten wir: Gib uns zuerst, daß wir dich recht erkennen und dich heiligen, rühmen und preisen1 in allen deinen Werken, in denen deine Allmacht, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit leuchten. Gib uns auch, daß wir unser ganzes Leben, unsere Gedanken, Worte und Werke darauf richten, daß dein Name unsertwegen nicht gelästert, sondern geehrt und gepriesen werde.2
  • 1. Joh 17, 3; Mt 16, 17; Jak 1, 5; Ps 119, 105; Ps 119, 137; Röm 11, 22.33
  • 2. Ps 71, 8; 115, 1
Der 48. Sontag.
48. Sonntag
123
Was ist die ander Bitt?

Zukom dein reich, das ist, regiere vns also durch dein wort vnnd geist, dasz wir vns dir je lenger je mehr vnderwerffena: erhalt vnd mehre deine Kirchenb, vnnd zerstöre die werck des Teuffels, vnd allen gewalt der sich wider dich erhebt vnd alle böse rahtschlege, die wider dein heiliges wort erdacht werdenc, bisz die volkommenheyt deines Reichs herzu kommed, darinn du wirst alles in allen seine.
  • a. Matt. 6, 33. Psal. 119, 5; 143, 10
  • b. Psal. 51, 20; 122, 6f
  • c. 1. Ioh. 3, 8. Rom. 16, 20
  • d. Apoc. 22, 17, 20. Rom. 8, 22f. 1. Cor. 15, 28
123
[79]Was bedeutet die zweite Bitte: »Dein Reich komme«?

Damit beten wir: Regiere uns durch dein Wort und deinen Geist, daß wir dir je länger, je mehr gehorchen.1 Erhalte und mehre deine Kirche2 und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich gegen dich erhebt, und alle Machenschaften, die gegen dein heiliges Wort erdacht werden,3 bis die Vollendung deines Reiches kommt, in dem du alles in allen sein wirst.4
  • 1. Ps 119, 5; 143, 10; Mt 6, 33
  • 2. Ps 51, 20; 122, 6-7
  • 3. 1. Joh 3, 8; Röm 16, 20
  • 4. Offb 22, 17.20; Röm 8, 22-23; 1. Kor 15, 28
Der 49. Sontag.
49. Sonntag
124
Was ist die dritte Bitt?

Dein will geschehe auff Erden wie im Himmel, das ist, verleihe dasz wir vnnd alle menschen vnserm eigenen willen absagena, vnnd deinem allein guten willen one alles widersprechen gehorchenb, dasz also jederman sein ampt vnnd beruff so willig vnnd trewlich auszrichtec, wie die Engel im Himmeld.
  • a. Matt. 16, 24. Tit. 2, 12
  • b. Luc. 22, 42
  • c. 1. Cor. 7, 24
  • d. Psal. 103, 20f
124
Was bedeutet die dritte Bitte: »Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden«?

Damit beten wir: Hilf, daß wir und alle Menschen unserm eigenen Willen absagen1 und deinem allein guten Willen ohne alles Widersprechen gehorchen,2 so daß jeder seine irdischen Aufgaben so willig und treu ausübt3 wie die Engel im Himmel.4
  • 1. Mt 16, 24; Tit 2, 12
  • 2. Lk 22, 42
  • 3. 1. Kor 7, 24
  • 4. Ps 103, 20-21
Der 50. Sontag.
50. Sonntag
125
[51]Was ist die vierde Bitt?

Gib vns heut vnser teglich brodt, das ist, wollest vns mit aller leiblichen notturfft versorgena, auff dasz wir dardurch erkennen, dasz du der einig vrsprung alles guten bistb, vnnd dasz one deinen segen, weder vnsere sorgen vnnd arbeit, noch deine gaben vns gedeienc, vnd wir derhalben vnser vertrawen von allen Creaturen abziehen, vnnd allein auff dich setzend.
  • a. Psal. 104, 27f.; 145, 15f. Matt. 6, 25f
  • b. Actor. 14, 17; 17, 27f
  • c. 1. Cor. 15, 58. Deut. 8, 3. Psal. 37, 16f
  • d. Psal. 55, 23; 62, 11
125
[80]Was bedeutet die vierte Bitte: »Unser tägliches Brot gibt uns heute«?

Damit beten wir: Versorge uns mit allem, was für Leib und Leben nötig ist.1 Lehre uns dadurch erkennen, daß du allein der Ursprung alles Guten bist2 und daß ohne deinen Segen unsere Sorgen und unsere Arbeit wie auch deine Gaben uns nichts nützen.3 Laß uns deshalb unser Vertrauen von allen Geschöpfen abwenden und es allein auf dich setzen.4
  • 1. Ps 104, 27-28; 145, 15-16; Mt 6, 25-26
  • 2. Apg 14, 17; 17, 27-28
  • 3. 1. Kor 15, 58; 5. Mose 8, 3; Ps 37, 16-17
  • 4. Ps 55, 23; 62, 11
Der 51. Sontag.
51. Sonntag
126
Was ist die fünffte Bitt?

Vergib vns vnsere schuld, als auch wir vergeben vnsern schuldigern, das ist, wollest vns armen sündern alle vnsere missethat, auch das böse, so vns noch jmmerdar anhenget, vmb des bluts Christi willen nicht zurechnena, wie auch wir disz zeugnusz deiner gnad in vns befinden, dasz vnser gantzer fürsatz ist, vnserm nechsten von hertzen zuuerzeihenb.
  • a. Psal. 51, 1—5; 143, 2. 1. Ioh. 2, 1f
  • b. Matt. 6, 14f
126
Was bedeutet die fünfte Bitte: »Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern«?

Damit beten wir: Rechne uns armen Sündern alle unsere Missetat und das Böse, das uns immer noch anhängt,1 um des Blutes Christi willen nicht zu, wie auch wir es als Zeugnis deiner Gnade2 in uns finden, unserem Nächsten von Herzen verzeihen zu wollen.
  • 1. Ps 51, 1-5; 143, 2; 1. Joh 2, 1-2
  • 2. Mt 6, 14-15
Der 52. Sontag.
52. Sonntag
127
Was ist die sechste bitt?

Vnd füre vns nit in versuchung, sonder erlöse vns vom bösen, dz ist, dieweil wir ausz vns selbst so schwach sein, dasz wir nit einen augenblick bestehen könnena vnnd darzu vnsere abgesagte feind, der Teuffelb, die weltc, vnn vnser eigen fleischd, nit auffhören vns anzufechten: so wollest vns [52]erhalten vnnd stercken durch die krafft deines heiligen Geistes, auff dasz wir jnen mögen festen widerstand thun, vnd in diesem geistlichen streit nit vnden ligene, bisz dasz wir endlich den sieg volkomlich behaltenf.
  • a. Ioh. 15, 5. Psal. 103, 14—16
  • b. 1. Pet. 5, 8. Ephes. 6, 12
  • c. Joh. 15, 19
  • d. Rom. 7, 23. Galat. 5, 17
  • e. Matt. 26, 41. Marc. 13, 33
  • f. 1. Thes. 3, 13; 5, 23f
127
[81]Was bedeutet die sechste Bitte: »Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen«?

Damit beten wir: Aus uns selbst sind wir so schwach, daß wir nicht einen Augenblick1 bestehen können.2 Auch hören unsere erklärten Feinde, der Teufel, die Welt und unser eigenes Wesen, nicht auf, uns anzufechten.3 Darum erhalte und stärke uns durch die Kraft deines Heiligen Geistes, daß wir ihnen fest widerstehen4 und in diesem geistlichen Streit5 nicht unterliegen, bis wir endlich den völligen Sieg6 davontragen.
  • 1. Joh 15, 5
  • 2. Ps 103, 14-16
  • 3. 1. Petr 5, 8; Eph 6, 12; Joh 15, 19; Röm 7, 23; Gal 5, 17
  • 4. Mt 26, 41
  • 5. Mk 13, 33
  • 6. 1. Thess 3, 13; 5, 23-24
128
Wie beschleust du disz Gebet?

Denn dein ist das Reich, die krafft, vnnd die herrligkeyt in ewigkeyt, das ist, Solchs alles bitten wir darumb von dir, dasz du als vnser König, vnnd aller ding mechtig, vns alles guts geben wilst, vnnd kansta, vnnd dasz dadurch nicht wir, sonder dein heiliger Name ewig soll gepriesen werdenb.
  • a. Rom. 10, 11f. 2. Pet. 2, 9
  • b. Ioh. 14, 13. Psal. 115, 1
128
[82]Wie beschließt du dieses Gebet? »Dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit«.

Damit beten wir: Dies alles erbitten wir darum von dir, weil du als unser König und aller Dinge mächtig uns alles Gute geben willst und kannst,1 und daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig gepriesen werde.2
  • 1. Röm 10, 11-12; 2. Petr 2, 9
  • 2. Joh 14, 13; Ps 115, 1
129
Was bedeut das wörtlein, Amen?

Amen heist, das soll war vnd gewisz sein. Denn mein Gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, denn ich in meinem hertzen füle, dasz ich solches von jhm begerea.
  • a. 2. Cor. 1, 20. 2. Tim. 2, 13
129
Was bedeutet das Wort: »Amen«?

Amen heißt: Das ist wahr und gewiß! Denn mein Gebet ist von Gott viel gewisser erhört, als ich in meinem Herzen fühle, daß ich dies alles von ihm begehre.1
  • 1. 2. Kor 1, 20; 2. T im 2, 13