Heidelberg Catechism

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Catechismus 3rd ed. 1563 (Collectio Confessionum, Niemeyer, 1840) German
Catechismus Kassel, 1749 German
1
[392]Was ist dein einiger trost in leben und in sterben?

Daß ich mit Leib und Seel, beyde in leben und in sterbena, nicht meinb, sonder meines getrewen Heilands Jesu Christi eigen binc, der mit seinem thewren blutd, für alle meine sünden volkomlich bezalete, und mich auß allem gwalt des Teufels erlöset hatf, und also bewaretg, daß ohne den willen meines Vaters im Himmels, kein haar von meinem haupt kan fallenh, ja auch mir alles zu meiner seligkeit dienen mußi. Darumb er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen lebens versichertk, und jm forthin zu leben von hertzen willig und bereit machtl.
  • a. Rom. 14
  • b. 1 Cor. 6
  • c. 1 Cor. 3
  • d. 1 Pet. 1
  • e. 1 Ioh. 1. et 2
  • f. 1 Ioh. 3
  • g. Ioh. 6
  • h. Matt. 10. Luc. 21
  • i. Rom. 8
  • k. 2 Cor. 1. Ephes. 1. Rom. 8
  • l. Rom. 8
1
[1]Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?

Daß ich mit Leib und Seel, beydes im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heylandes JEsu Christi eigen bin, der mit seinem theuren Blut für alle meine Sünde vollkömmlich bezahlet, und mich aus aller Gewalt des Teuffels erlöset hat, und also bewahret, daß ohne den Willen meines Vatters im Himmel, kein Haar von meinem Haupt kan fallen, ja auch mir alles zu meiner Seeligkeit dienen mus. Darum er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert, und ihm forthin zu leben von Hertzen willig und bereit macht.
2
Wieviel stück seind dir nötig zu wissen, daß du in diesem trost seliglich leben und sterben mögest?

Drey stücka. Erstlich, wie groß meine sünde und elend seyen. Zum andern, wie ich von allen meinen sünden und elend erlöset werde. Und zum dritten, wie ich Gott für solche erlösung soll danckbar sein.
  • a. Luc. 24. 1 Cor. 6. Tit. 3
2
Wie viel Stück sind dir nöthig zu wissen, daß du in diesem Trost seeliglich leben und sterben mögest?

Drey Stück: Erstlich, wie groß meine Sünde und Elend seyen. Zum andern, wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöset werde. Und zum dritten, wie ich GOTT für solche Erlösung soll danckbar seyn.
DER ERSTE THEIL. VON DES MENSCHEN ELEND.
Der erste Theil, Von des Menschen Elend.
3
Woher erkennestu dein elend?

[393]Auß dem Gesetz Gottesa.
  • a. Rom. 3
3
[2]Woher erkennest du dein Elend?

Aus dem Gesetz GOttes.
4
Was erfordert denn das Göttlich gesetz von uns?

Diß lehret uns Christus in einer summa, Matth. am 22: Du solt lieben Gott deinen Herren, von gantzem hertzen, von gantzer seelen, von gantzem gemüth und allen krefften. Diß ist das fürnembste und das größte Gebot: Das ander aber ist dem gleich, Du solt deinen Nechsten lieben als dich selbs. In diesen zweyen Gebotten hanget das gantze Gesetz und die Propheten.
4
Was erfordert dann das göttliche Gesetz von uns?

Diß lehret uns Christus in einer Summa, Matth. 22. v. 37 Du solt lieben GOtt deinen HErrn von gantzem Hertzen, von gantzer Seelen, von gantzem Gemüht, und allen Kräfften: Diß ist das fürnehmste und gröste Gebott. Das ander aber ist dem gleich: Du solt deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweyen Geboten hanget das gantze Gesetz und die Propheten.
5
Kanstu diß alles volkomlich halten?

Neina: Denn ich bin von Natur geneigt Gott und meinen Nechsten zu hassenb.
  • a. Rom. 3. 1 Ioh. 1
  • b. Rom. 8. Ephes. 2
5
Kanst du diß alles vollkömmlich halten?

Nein: Dann ich bin von Natur geneigt GOtt und meinen Nächsten zu hassen.
6
Hat denn Gott den menschen also böß und verkert erschaffen?

Neina: sonder Gott hat den menschen gut, und nach seinem ebenbild erschaffenb, das ist, in warhafftiger gerechtigkeit und heiligkeit, auff daß er Gott seinen schöpffer recht erkente, und von hertzen liebte, und in ewiger seligkeit mit jm lebte, jm zu loben und zu preisenc.
  • a. Gen. 1
  • b. Gen. 1
  • c. 2 Cor. 3. Coloss. 3. Ephes. 4
6
Hat dann GOtt den Menschen also bös und verkehrt erschaffen?

Nein: Sondern GOtt hat den Menschen gut, und nach seinem Ebenbild erschaffen, das ist, in wahrhafftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf daß er GOtt seinen Schöpffer recht erkennete, und von Hertzen liebte, und in ewiger Seeligkeit mit ihm lebte, ihn zu loben und zu preisen.
7
Woher kompt denn solche verderbte art des menschen?

Auß dem fall und ungehorsam unser ersten Eltern Adams und Even im Paradeisa, da unser Natur also vergifftet worden, daß wir alle in sünden empfangen und geboren werdenb.
  • a. Gen. 3. Rom. 5
  • b. Psal. 51
7
Woher kommt dann solche verderbte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adams und Even im Paradeis, da unser Natur also vergifftet worden, daß wir alle in Sünden empfangen und gebohren werden.
8
Seind wir aber dermassen verderbt, daß wir gantz und gar untüchtig seind zu einigem gutem, und geneigt zu allem bösen?

[394]Jaa: Es sei denn, daß wir durch den Geist Gottes widergeboren werdenb.
  • a. Iohan. 3. Iob. 14. et 15. Esai. 53
  • b. Iohan. 3
8
Seynd wir aber dermasen verderbt, daß wir gantz und gar untüchtig sind zu einigem Guten, und geneigt zu allem Bösen?

Ja: Es sey dann, daß wir durch den Geist GOttes wieder gebohren werden.
9
Thut denn Gott dem menschen nicht unrecht, daß er in seinem gesetz von jm fordert, das er nicht kan thun?

Neina: Denn Gott hat den menschen also erschaffen, daß er es kondte thun: der Mensch aber hat sich und alle seine nachkommen, auß anstifftung des Teufels, durch mutwilligen ungehorsam derselbigen gaben beraubt.
  • a. Ephes. 4
9
Thut dann GOtt dem Menschen nicht unrecht, daß er in seinem Gesetz von ihm fordert, das er nicht thun kan?

Nein: Dann GOTT hat den Menschen also erschaffen, daß er es konte thun: Der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen, aus Anstiftung des Tenffels, durch muthwilligen Ungehorsam, derselbigen Gaben beraubet.
10
Wil Gott solchen ungehorsam und abfall ungestrafft lassen hingehen?

Mit nichtena: sonder er zürnet schrecklich, beyde uber angeborne und würckliche sünden, und wil sie auß gerechtem urtheil zeitlich und ewig straffen, wie er gesprochen hat: Verflucht sey jederman, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet in dem buch des Gesetzes, daß ers thueb.
  • a. Rom. 5. Heb. 9
  • b. Deut. 27. Gal. 3
10
Will GOtt solchen Ungehorsam und Abfall ungestraft lassen hingehen?

Mit nichten: Sondern Er zürnet schröcklich, beyde über angebohrne und würckliche Sünde, und will sie aus gerechtem Urtheil zeitlich und ewig strafen, wie Er gesprochen hat: Verflucht sey jederman, der nicht bleibt in allem dem, das geschrieben stehet in dem Buch des Gesetzes, daß ers thne.
11
Ist denn Gott nicht auch barmhertzig?

Gott ist wol barmhertziga, er ist aber auch gerechtb, derhalben erfordert seine gerechtigkeit, daß die sünde, welche wider die allerhöchste maiestet Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, der ewigen straff an leib und seel gestrafft werde.
  • a. Exo. 34
  • b. Exo. 20. Psal. 5. 2 Cor. 6
11
[3]Ist dann GOtt nicht auch barmhertzig?

GOtt ist wohl barmhertzig, er ist aber auch gerecht. Derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, welche wider die allerhöchste Majestät GOttes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, der ewigen Strafe, an Leib und Seel gestraft werde.
DER ANDER THEIL. VON DES MENSCHEN ERLÖSUNG.
Der ander Theil, Von des Menschen Erlösung.
12
Dieweil wir denn nach dem gerechten urtheil Gottes zeitliche und ewige straff verdient haben: wie möchten wir dieser straff entgehen, und widerumb zu gnaden kommen?

[395]Gott wil daß seiner gerechtigkeit genug geschehea, derwegen müssen wir derselben entweder durch uns selbst, oder durch einen andern volkomene bezalung thunb.
  • a. Exo. 20. et 23
  • b. Rom. 8
12
Dieweil wir dann, nach dem gerechten Urtheil GOttes, zeitliche und ewige Straf verdienet haben: Wie möchten wir dieser Straf entgehen, und wiederum zu Gnaden kommen?

GOtt will, daß seiner Gerechtigkeit genug geschehe: Derowegen müsen wir derselbigen, entweder durch uns selbst, oder durch einen andern vollkommene Bezahlung thun.
13
Können wir aber durch uns selbst bezalung thun?

Mit nichte: sonder wir machen auch die schuldt noch teglich grössera.
  • a. Iob. 5. et 15. Matt. 6
13
Können wir aber durch uns selbst Bezahlung thun?

Mit nichten: Sondern wir machen auch die Schuld noch täglich gröser.
14
Kan aber jrgendt eine blosse Creatur für uns bezalen?

Keine: Denn erstlich wil Gott an keiner andern Creatur straffen, das der mensch verschuldet hata. Zum andern, so kan auch keine blosse Creatur den last des ewigen zorns Gottes wider die sünde ertragen, und andere daruon erlösenb.
  • a. Heb. 2
  • b. Psal. 138
14
Kan aber irgend eine blose Creatur für uns bezahlen?

Keine: Dann erstlich will GOtt an keiner andern Creatur strafen, das der Mensch verschuldet hat. Zum andern, so kan auch keine blose Creatur den Last des ewigen Zorns GOttes wider die Sünde ertragen, und andere davon erlösen.
15
Was müssen wir denn für ein Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein warera, und gerechter menschb, und doch sterker denn alle Creaturen, das ist, zugleich warer Gott seyc.
  • a. 1 Cor. 15
  • b. Iere. 33. Psal. 53. 2 Cor. 5. Heb. 7
  • c. Esai. 7. Rom. 8. Iere. 23
15
Was müssen wir dann für einen Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch, und doch stärcker dann alle Creaturen, das ist, zugleich wahrer GOtt seyn.
16
Warumb muß er ein warer und gerechter mensch sein?

Darumb, daß die gerechtigkeit Gottes erfordert, daß die menschliche natur, die gesündiget hat, für die sünde bezalea: und aber einer, der selbst ein sünder were, nicht köndte für andere bezalenb.
  • a. Rom. 5
  • b. 1 Pet. 3. Esai. 53
16
Warum muste er ein wahrer und gerechter Mensch seyn?

Darum, daß die Gerechtigkeit GOttes erfordert, daß die menschliche Natur, die gesündiget hat, für die Sünde bezahle: Und aber einer, der selbst ein Sünder wäre, nicht könte für andere bezahlen.
17
Warumb muß er zugleich warer Gott sein?

Daß er auß krafft seiner Gottheit, den last des zorns Gottes, an [396]seiner menschheit ertragena, und uns die gerechtigkeit, und daß leben erwerbenb, und widergeben möchtec.
  • a. Esai. 53. Act. 2. 1 Petr. 3
  • b. Ioh. 3. Act. 20
  • c. Iohan. 1
17
Warum muste Er zugleich wahrer GOtt seyn?

Daß er aus Kraft seiner Gottheit den Last des Zorns GOttes an seiner Menschheit ertragen, und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wieder geben möchte.
18
Wer ist aber derselbe mittler, der zugleich warer Gott, und ein warer gerechter mensch ist?

Unser Herr Jesus Christusa, der uns zur vollkomenen erlösung und gerechtigkeit geschenckt istb.
  • a. Matt. 1. 1 Tim. 3. Luc. 2
  • b. 1 Cor. 1
18
Wer ist aber derselbige Mittler, der zugleich wahrer GOtt, und wahrer gerechter Mensch ist?

Unser HErr JEsus Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschencket ist.
19
Woher weistu das?

Auß dem heiligen Euangelio, welchs Gott selbst anfenglich im Paradeisa hat offenbaret: folgends durch die heilige Ertzueterb und Propheten lassen verkündigen, und durch die opffer und andere ceremonien des gesetzes fürgebildetc, Endlich aber durch seinen eingeliebten Son erfülletd.
  • a. Gen. 3
  • b. Gen. 22. et 49. Rom. 1. Heb. 1. Act. 3. et 10
  • c. Ioh. 5. Heb. 10
  • d. Rom. 10. Gala. 4
19
Woher weist du das?

Aus den heiligen Evange[4]lio, welches GOtt selbst anfänglich im Paradeis hat offenbahret: Folgends durch die heiligen Ertz-Vätter und Propheten lassen verkündigen, und durch die Opffer und andere Ceremonien des Gesetzes fürgebildet: Endlich aber durch seinen eingeliebten Sohn erfüllet.
20
Werden denn alle menschen widerumb durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein: sonder allein diejenigen, die durch waren glauben jm werden eingeleibet, und alle seine wohlthaten annemena.
  • a. Ioh. 1. Isai. 53. Psal. 2. Rom. 11. Heb. 4. et 10
20
Werden dann alle Menschen wiederum durch Christum seelig, wie sie durch Adam sind verlohren worden?

Nein: Sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben ihm werden eingeleibet, und alle seine Wohlthaten annehmen.
21
Was ist warer glaub?

Es ist nicht allein ein gewisse erkantnuß, dardurch ich alles für war halte, was uns Gott in seinem wort hat offenbareta: sonder auch ein hertzliches vertrawen, welches der heilige Geist [397]durchs Euangelium in mir würcketb, daß nicht allein andern, sonder auch mir vergebung der Sünden, ewige gerechtigkeit und seligkeit von Gott geschenckt seic, auß lauter gnaden, allein umb des verdiensts Christi willend.
  • a. Heb. 11. Iacob. 2
  • b. Rom. 5. et 10
  • c. 2 Cor. 4. Ephes. 2
  • d. Rom. 1. Heb. 2. Ephes. 2. Rom. 3
21
Was ist wahrer Glaube?

Er ist nicht allein eine gewisse Erkäntnus, dadurch ich alles für wahr halte, was uns GOtt in seinem Wort hat geoffenbahret: Sondern auch ein hertzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir würcket, daß nicht allein andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seeligkeit von GOtt geschencket sey, aus lauter Gnaden, allein um des Verdiensts Christi willen.
22
Was ist aber einem Christen noth zu glauben?

Alles was uns im Euangelio verheissen wirt, welchs uns die Artickel unsers algemeinen ungezweiffelten Christlichen Glaubens in einer summa lehrena.
  • a. Ioh. 20. Matt. 28
22
Was ist aber einem Christen noht zu glauben?

Alles was uns im Evangelio verheisen wird, welches uns die Artickel unsers allgemeinen ungezweiffelten Christlichen Glaubens in einer Summa lehren.
23
Wie lauten dieselben?

Ich glaub in Gott Vater, den allmechtigen, Schöpffer himmels und der erden. Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Son unsern HERRN, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren auß Maria der Jungfrawen, gelitten under Pontio Pilato, gecreutziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hellen, am dritten tage widerauffgestanden von den todten, auffgefaren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes des allmechtigen Vaters, von dannen er komen wird, zu richten die lebendigen und die todten. Ich glaub in den heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die gemeinschafft der Heiligen, vergebung der sünden, aufferstehung des fleisches und ein ewigs leben.
23
Wie lauten die Articul des Christlichen Glaubens?

Ich glaub an GOtt Vatter den allmächtigen Schöpffer Himmels und der Erden. Und an JEsum Christum, seinen eingebohrnen Sohn, unsern HErrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, gebohren aus Maria der Jungfrauen, gelitten unter Pontio Pilato, gekreutziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Höllen, am dritten Tag wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zur Rechten GOttes des allmächtigen Vatters, von dannen Er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches, und ein ewiges Leben, Amen.
24
Wie werden diese Artickel abgetheilt?

In drey theil. Der erste ist von Gott dem Vater, und unser erschöpffung. Der ander von Gott dem Son, und unser erlösung. Der dritt von Gott dem heiligen Geist, und unser Heiligung.
24
Wie werden diese Articul abgetheilt?

In drey Theil: Der erste, von GOtt dem Vatter, und unserer Erschaffung: Der andere, von GOtt dem Sohn, und unserer Erlösung: Der dritte, von GOtt dem Heiligen Geist, und unsrer Heiligung.
25
Dieweil nur ein einig Göttlich wesen ist: warumb nennestu drey, den Vater, Son und heiligen Geist?

Darumb daß sich Gott also in seinem wort geoffenbaret hata, daß diese drey underschiedliche Personen, der einig wahrhafftig ewig Gott seind.
  • a. Deut. 6. Esai. 61. Psal. 10. Matt. 3. et 28. 1 Ioh. 5
25
[5]Dieweil nur ein einig göttlich Wesen ist, warum nennest du drey, den Vatter, Sohn und Heiligen Geist?

Darum, daß sich GOtt also in seinem Wort geoffenbahret hat, daß diese drey unterschiedliche Personen, der einige, wahrhaftige, ewige GOtt sey.
26
[398]Was glaubestu, wenn du sprichst, Ich glaub in Gott Vater, den allmechtigen, Schöpffer himels und der erden?

Daß der ewig Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erden sampt allem, was drinnen ist, auß nichts erschaffena, auch dieselbigen noch durch seinen ewigen rhat und fürsehung erhelt und regieretb: umb seines Sons Christi willen, mein Gott und mein Vater seyc, auff welchen ich also vertrawe, daß ich nicht zweiffel, er werde mich mit aller notdurfft leibs und der seelen versorgend, auch alles ubel, so er mir in diesem jamerthal zuschicket, mir zu gut wendene: dieweil ers thun kan, als ein almechtiger Gottf: und auch thun wil als ein getrewer Vaterg.
  • a. Gen. 1. Psal. 33
  • b. Psal. 104. Matt. 10. Heb. 1. Psal. 115
  • c. Ioh. 1. Rom. 8. Gal. 4. Ephes. 1
  • d. Psal. 55. Matt. 6. Luc. 12
  • e. Rom. 8
  • f. Rom. 10
  • g. Matt. 6. et 7
26
Was glaubest du, wann du sprichst: Ich glaub an GOtt Vatter, den allmächtigen Schöpffer Himmels und der Erden?

Daß der ewige Vatter unsers HErrn JEsu Christi, der Himmel und Erden, sammt allem, was darinnen ist, aus nichts erschaffen, auch dieselbige noch durch seinen ewigen Rath und Fürsehung erhält und regieret, um seines Sohns JESU Christi willen, mein GOtt und mein Vatter sey, auf welchen ich also vertraue, daß ich nicht zweiffle, Er werde mich mit aller Nothdurft Leibes und der Seelen versorgen, auch alles Ubel, so Er mir in diesem Jammerthal zugeschicket, mir zu gut wenden, dieweil ers thun kan, als ein allmächtiger GOtt, und auch thun will, als ein getreuer Vatter.
27
Was verstehestu durch die fürsehung Gottes?

Die allmechtige und gegenwertige krafft Gottesa, durch welche er himmel und erde, sampt allen Creaturen, gleich als mit seiner hand noch erheltb, und also regiert, daß laub und graß, regen und dürre, fruchtbare und unfruchtbare jar, essen und trinckenc, gesundheit und kranckheitd, reichthumb und armuthe, und alles, nicht ohne gefehr, sonder von seiner väterlichen hand uns zukomme.
  • a. Act. 17
  • b. Heb. 1
  • c. Iere. 5. Act. 14
  • d. Ioh. 9
  • e. Prou. 22
27
Was verstehest du durch die Fürsehung GOttes?

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft GOttes, durch welche er Himmel und Erden, sammt allen Creaturen, gleich als mit seiner Hand noch erhält, und also regieret, daß Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trincken, Gesundheit und Kranckheit, Reichthum und Armuht, und alles nicht ohngefähr, sondern von seiner vätterlichen Hand uns zukomme.
28
Was für nutz bekommen wir auß erkantnuß der schöpffung und fürsehung Gottes?

Daß wir in aller widerwertigkeit gedultiga, in glückseligkeit danckbarb, und auffs zukünfftig guter zuuersicht zu unserm getrewen Gott und Vater sein sollenc, daß uns keine Creatur von seiner liebe scheiden wirdd, dieweil alle Creature also in seiner hand sind, daß sie sich one seinen willen auch nicht regen noch bewegen könnene.
  • a. Rom. 5. Iacob. 1. Iob. 1
  • b. Deut. 8. 1 Thess. 5
  • c. Rom. 5
  • d. Rom. 8
  • e. Iob. 1. Act. 17. Prou. 21
28
Was für Nutzen bekommen wir aus der Erkäntnus der Schöpffung und Fürsehung GOttes?

Daß wir in aller Widerwärtigkeit gedultig, in Glückseeligkeit danckbar, und aufs Zukünftige guter Zuversicht, zu unserm getreuen GOtt und Vatter, seyn sollen, daß uns keine Creatur von seiner Liebe scheiden wird, dieweil alle Creaturen also in seiner Hand seynd, daß sie sich ohn seinen Willen auch nicht regen noch bewegen können.
29
Warumb wirdt der Son Gottes Jesus, das ist, seligmacher genant?

[399]Darumb daß er uns selig macht von unsern sündena, und daß bey keinem andern einige seligkeit zu suchen noch zu finden istb.
  • a. Matt. 1
  • b. Act. 4
29
Warum wird der Sohn GOttes JEsus, das ist, ein Seeligmacher, genannt?

Darum, daß Er uns seelig macht von unsern Sünden, und daß bey keinem andern einige Seeligkeit zu suchen noch zu finden ist.
30
Glauben denn die auch an den einigen seligmacher Jesum, die jre seligkeit und heil bey heiligen, bei jnen selbst, oder anderstwo suchen?

Nein: sonder sie verleugnen mit der that den einigen Seligmacher und Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rhümena. Denn entweder Jesus nit ein volkommener Heiland sein muß: oder die diesen Heiland mit warem glauben annemen, müssen alles in jm haben, das zu jrer seligkeit vonnöten istb.
  • a. 1 Cor. 1. Gala. 3
  • b. Esai. 9. Col. 1. 2. Ioh. 1
30
[6]Glauben dann die auch an den einigen Seeligmacher JEsum, die ihre Seeligkeit und Heyl bey Heiligen, bey ihnen selbst, oder anderswo suchen?

Nein: Sondern sie verläugnen mit der That den einigen Seeligmacher und Heyland JEsum, ob sie sich sein gleich rühmen. Dann entweder JEsus nicht ein vollkommener Heyland seyn mus. Oder die diesen Heyland mit wahrem Glauben annehmen, müsen alles in Ihm haben, das zu ihrer Seeligkeit vonnöthen ist.
31
Warumb ist er Christus, das ist, ein gesalbter genant?

Daß er von Gott dem Vater verordnet, und mit dem heiligen Geist gesalbet ist, zu unserm obersten Propheten und Lehrera, der uns den heimlichen rhat und willen Gottes von unser erlösung volkomlich offenbaretb: Und zu unserem einigen hohen Priesterc, der uns mit dem einigen opffer seines leibs erlöset hat, und jmerdar mit seiner fürbit für dem Vater vertrit: Und zu unserm ewigen Königd, der uns mit seinem wort und Geist regiert, und bey der erworbenen erlösung schützet und erhelt.
  • a. Hebr. 1
  • b. Psal. 110. Hebr. 7. Rom. 8
  • c. Psa. 2. Luc. 1
  • d. Rom. 5. Matt. 28
31
Warum ist Er Christus, das ist, ein Gesalbter, genannt?

Daß Er von GOtt dem Vatter verordnet, und mit dem Heiligen Geist gesalbet ist zu unserm obersten Propheten und Lehrer, der uns den himmlischen Raht und Willen GOttes von unserer Erlösung vollkömmlich offenbahret, und zu unserm ewigen Hohenpriester, der uns mit dem einigen Opffer seines Leibs erlöset hat, und immerdar mit seiner Fürbitt vor dem Vatter vertritt: Und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regieret, und bey der erworbenen Erlösung schützet und erhält.
32
Warumb wirst aber du ein Christ genent?

Daß ich durch den glauben ein glied Christia und also seiner salbung theilhafftig binb, auff daß auch ich seinen Namen bekennec, mich jm zu einem lebendigen danckopffer darstelled, und mit freyem gewissen in diesem leben wider die sünde und Teufel streitee, und hernach in ewigkeit mit jm uber alle Creaturen herschef.
  • a. Act. 11. 1 Ioh. 2
  • b. Act. 2. Ioel. 2. Mar. 8
  • c. Rom. 12. Apoc. 5
  • d. Rom. 6. Apoc. 1
32
Warum wirst du aber ein Christ genennet?

Daß ich durch den Glauben ein Glied Christi, und also seiner Salbung theilhaftig bin, auf daß auch ich seinen Nahmen bekenne, mich ihm zu einem lebendigen Danck-Opffer darstelle, und mit freyem Gewissen in diesem Leben, wider die Sünde, den Teuffel streite, und hernach in Ewigkeit mit ihm über alle Creaturen herrsche.
33
Warumb heist er Gottes eingeborner Son, so doch wir auch kinder Gottes sind?

[400]Darumb daß Christus allein der ewig natürlich Son Gottes ista: wir aber umb seinet wille auß gnaden zu kindern Gottes angenommen sindb.
  • a. Ioh. 1. Heb. 1
  • b. Rom. 8. Ephes. 1
33
Warum heist er GOttes eingebohrner Sohn, so doch wir auch Kinder GOttes sind?

Darum, daß Christus allein der ewige natürliche Sohn GOttes ist, wir aber um seinet willen, aus Gnaden zu Kindern GOttes angenommen sind.
34
Warumb nennestu jn unsern Herrn?

Daß er uns mit leib und seel von der sünden, und auß allem gewalt des Teufels, nicht mit golt oder silber, sonder mit seinem thewern Blut, jhm zum eigenthumb erlöset und erkaufft hata.
  • a. 1 Pet. 1. et 2. 1 Cor. 6
34
Warum nennest du ihn unsern HErrn?

Daß Er uns mit Leib und Seel von der Sünde, und aus aller Gewalt des Teuffels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem theuren Blut, Ihm zum Eigenthum erlöset und erkauft hat.
35
Was heist, daß er empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren auß Maria der Jungfrawen?

Daß der ewige Son Gottes, der warer und ewiger Gott ista und bleibetb, ware menschliche natur, auß dem fleisch und blut der Jungfrawen Mariac, durch würckung des heiligen Geists an sich genomen hatd, auff daß er auch der ware samen Davids seye, seinen brüdern in allem gleichf, außgenommen die sündeg.
  • a. Ioh. 1. Rom. 1
  • b. Rom. 9. Gal. 4
  • c. Iohan. 1
  • d. Matt. 1. Luc. 1. Ephes. 1
  • e. Psal. 132. Rom. 1
  • f. Phil. 2
  • g. Heb. 4
35
Was heist, daß er empfangen ist von dem Heiligen Geist, gebohren aus Maria der Jungfrauen?

Daß der ewige Sohn GOttes, der wahrer und ewiger GOtt ist und bleibt, wahre menschliche Natur, aus dem Fleisch und Blut der Jungfrauen Maria, durch Würckung des Heiligen Geistes an sich genommen hat, auf daß Er auch der wahre Saame Davids [7]sey, seinen Brüdern in allem gleich, ausgenommen die Sünde.
36
Was nutz bekomestu auß der heiligen empfengnuß und geburt Christi?

Daß er unser mittler ist, und mit seiner unschuld und volkommenen heiligkeit meine sünde, darin ich bin empfangen, für Gottes angesicht bedecketa.
  • a. Psal. 32. 1 Cor. 1
36
Was für Nutz bekommest du aus der heiligen Empfängnus und Geburt Christi?

Daß Er unser Mittler ist, und mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit, meine Sünde, darinn ich bin empfangen, für GOttes Angesicht bedecket.
37
Was verstehestu durch das wörtlein gelitten?

Daß er an leib und seel, die gantze zeit seines lebens auff erden, sonderlich aber am ende desselben, den zorn Gottes wider die sünde des gantzen menschlichen geschlechts getragen hata, auff daß er mit seinem leiden, als mit dem einigen Sönopfferb, unser leib und seel von der ewigen verdamnuß erlösete, und uns Gottes gnade, gerechtigkeit und ewiges leben erwürbe.
  • a. 1 Pet. 2. Esai. 53
  • b. 1 Ioh. 2. et 4. Rom. 3
37
Was verstehest du durch das Wörtlein, gelitten?

Daß Er an Leib und Seel, die gantze Zeit seines Lebens auf Erden, sonderlich aber am Ende desselben, den Zorn GOttes wider die Sünde des gantzen menschlichen Geschlechts getragen hat, auf daß er mit seinem Leyden, als mit dem einigen Söhn-Opffer, unser Leib und Seel von der ewigen Verdammnus erlösete, und uns GOttes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbe.
38
[401]Warumb hat er under dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auff daß er unschuldig under dem weltlichen Richter verdamt würdea, und uns damit von dem strengen urtheil Gottes, das uber uns gehen solte, erledigetb.
  • a. Luc. 23. Ioh. 19
  • b. Psal. 69. Esai. 53. 2 Cor. 5. Gal. 3
38
Warum hat Er unter dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auf daß Er unschuldig unter dem weltlichen Richter verdammet würde, uns damit von dem gestrengen Urtheil GOttes, das über uns gehen solte, erledigte.
39
Ist es etwas mehr, daß er ist gecreutziget worden, denn so er eines andern todts gestorben were?

Ja, Denn dardurch bin ich gewiß, daß er die vermaledeyung die auff mir lage, auff sich geladen habea. Dieweil der tod des Creutzes von Gott verflucht warb.
  • a. Galat. 3
  • b. Deut. 21. Galat. 3
39
Ist es etwas mehr, daß er ist gecreutziget worden, dann so er eines andern Todes gestorben wäre?

Ja: Dann dadurch bin ich gewiß, daß er die Vermaledeyung, die auf mir lage, auf sich geladen habe, dieweil der Tod des Kreutzes von GOtt verflucht war.
40
Warumb hat Christus den tod müssen leiden?

Darumb, daß von wegen der gerechtigkeit und warheit Gottesa, nicht anderst für unsere sünden möchte bezalet werden, denn durch den todt des Sons Gottesb.
  • a. Gen. 2
  • b. Heb. 2
40
Warum hat Christus den Tod müsen leiden?

Darum, daß von wegen der Gerechtigkeit und Wahrheit GOttes, nicht anderst für unsere Sünde möchte bezahlet werden, dann durch den Tod des Sohns GOttes.
41
Warumb ist er begraben worden?

Damit zu bezeugen, daß er warhafftig gestorben seya.
  • a. Mat. 27. Luc. 23. Ioh. 19. Act. 13
41
Warum ist Er begraben worden?

Damit zu bezeugen, daß er warhaftig gestorben sey.
42
Weil denn Christus für uns gestorben ist, wie kompts daß wir auch sterben müssen?

Unser tod ist nit ein bezalung für unsere sünd: sonder nur ein absterbung der sünden, und eingang zum ewigen lebena.
  • a. Ioh. 5. Phil. 1. Rom. 7
42
Weil dann Christus für uns gestorben ist, wie kommts, daß wir auch sterben müsen?

Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur eine Absterbung der Sünden, und Eingang zum ewigen Leben.
43
Was bekommen wir mehr für nutz auß dem opffer und todt Christi am Creutz?

[402]Daß durch seine krafft unser alter mensch mit jm gecreutzget, getödtet und begraben wirda, auff daß die bösen lüste des fleisches nicht mehr in uns regierenb, sonder daß wir uns selbst jhm zur dancksagung auffopffernc.
  • a. Rom. 6. Coloss. 2
  • b. Rom. 6
  • c. Rom. 12
43
Was bekommen wir mehr für Nutz aus dem Opffer und Tod Christi am Kreutz?

Daß durch seine Kraft unser alter Mensch mit ihm gekreutziget, getödtet, und begraben wird, auf daß die böse Lüste des Fleisches nicht mehr in uns regieren, sondern daß wir uns selbst ihm zur Dancksagung aufopffern.
44
Warumb folget abgestiegen zu der hellen?

Daß ich in meinen höchsten anfechtungen versichert sey, mein HERR Christus habe mich durch seine unaußsprechliche angst, schmertzen und schrecken, die er auch an seiner seele, am Creutz und zuuor erlitten, von der hellischen angst und pein erlöseta.
  • a. Esai. 53. Mat. 27
44
Warum folget, abgestiegen zu der Höllen?

Daß ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sey, [8]mein HErr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst, Schmertzen und Schrecken, die er auch an seiner Seelen am Kreutz und zuvor erlitten, von der höllischen Angst und Pein erlöset.
45
Was nützet uns die Aufferstehung Christi?

Erstlich hat er durch seine Aufferstehung den tod uberwunden, daß er uns der gerechtigkeit, die er uns durch seinen todt erworben hat, könte theilhafftig machena. Zum andern werden auch wir jetzunder durch seine krafft erwecket zu einem newen lebenb. Zum dritten ist uns die Aufferstehung Christi ein gewisses pfand unserer seligen aufferstehungc.
  • a. 1 Cor. 15. Rom. 4. 1 Pet. 1
  • b. Rom. 6. Coloss. 3. Ephes. 2
  • c. 1 Cor. 15. Rom. 8
45
Was nutzet uns die Auferstehung Christi?

Erstlich hat Er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, daß er uns der Gerechtigkeit, die er durch seinen Tod erworben hat, könte theilhaftig machen. Zum andern werden wir auch jetzunder durch seine Kraft erwecket zu einem neuen Leben. Zum dritten, ist uns die Auferstehung Christi ein gewisses Pfand unserer seeligen Auferstehung.
46
Wie verstehestu daß er ist gen himmel gefaren?

Daß Christus für den augen seiner Jünger, ist von der erden auffgehaben gen himmela, und uns zu gut daselbst istb, biß daß er widerkompt zu richten die lebendigen und die todtenc.
  • a. Act. 1. Mat. 26. Mar. 16. Luc. 24
  • b. Hebr. 4. 7. et 9. Rom. 8. Ephes. 4. Coloss. 3
  • c. Act. 1. Mat. 24
46
Wie verstehest du, daß er ist gen Himmel gefahren?

Daß Christus für den Augen seiner Jünger ist von der Erden aufgehaben gen Himmel, und uns zu gut daselbst ist, biß daß er wieder kommt, zu richten die Lebendigen und die Todten.
47
Ist denn Christus nit bey uns biß ans ende der welt, wie er uns verheissen hat?a

Christus ist warer Mensch und warer Gott: Nach seiner menschlichen natur, ist er jetzunder nicht auff erdenb: aber nach seiner Gottheit, Maiestet, genad und Geist, weicht er nimmer von unsc.
  • a. Mat. 28
  • b. Mat. 26. Ioh. 16. et 17. Act. 3
  • c. Ioh. 14. et 16. Mat. 28. Ephes. 4
47
Ist dann Christus nicht bey uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheisen hat?

Christus ist wahrer Mensch und wahrer GOtt: Nach seiner menschlichen Natur ist Er jetzund nicht auf Erden: Aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnad und Geist weichet er nimmer von uns.
48
[403]Werden aber mit der weiß die zwo naturen in Christo nit voneinander getrennet, so die menscheit nicht uberal ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten: Denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwertig ista: so muß folgen, daß sie wol ausserhalb jrer angenommenen menschheit, und dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und personlich mit jr vereiniget bleibtb.
  • a. Act. 7. Iere. 23
  • b. Coloss. 2. Ioh. 3. et 11. Mat. 28
48
Werden aber mit der Weiß die zwo Naturen in Christo nicht von einander getrennet, so die Menschheit nicht überall ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten: Dann weil die Gottheit unbegreiflich, und allenthalben gegenwärtig ist, so mus folgen, daß sie so wohl ausserhalb ihrer angenommenen Menschheit, und dannoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und persöhnlich mit ihr vereiniget bleibe.
49
Was nützet uns die Himmelfart Christi?

Erstlich, daß er im himmel für dem angesicht seines Vaters, unser fürsprecher ista. Zum andern, daß wir unser fleisch im himmel zu einem sichern pfand haben, daß er als das haupt, uns seine glieder auch zu sich werde hinauff nemenb. Zum dritten, daß er uns seinen Geist zum gegenpfandt herab sendetc, durch welches krafft wir suchen was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der rechten Gottes, und nicht das auff erden istd.
  • a. 1 Ioh. 2. Rom. 8
  • b. Ioh. 14. et 20. Ephes. 2
  • c. Ioh. 14. Act. 2. 2 Cor. 1. et 5
  • d. Coloss. 3. Phil. 3
49
Was nutzet uns die Himmelfahrt Christi?

Erstlich, daß Er im Himmel vor dem Angesicht seines Vatters unser Fürsprecher ist. Zum andern, daß wir unser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, daß Er, als das Haupt, uns seine Glieder, auch zu sich werde hinauf nehmen. Zum dritten, daß Er uns seinen Geist zum Gegen-Pfand herab sendet, durch welches Kraft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten GOttes, und nicht das hier unten auf Erden ist.
50
Warumb wird hinzu gesetzt, daß er sitze zur rechten Gottes?

Daß Christus darumb gen himmel gefaren ist, daß er sich daselbst erzeige, als das haubt seiner Christlichen kirchena, durch welches der Vater alles regiertb.
  • a. Ephes. 1. Coloss. 1
  • b. Mat. 28. Ioh. 5
50
Warum wird hinzu gesetzt, daß er sitze zu der Rechten GOttes?

Daß Christus darum gen Himmel gefahren ist, daß Er sich daselbst erzeiget, als das Haupt seiner Christlichen Kirchen, durch welches der Vatter alles regieret.
51
Was nützet uns diese herrligkeit unsers haupts Christi?

Erstlich daß er durch seinen heiligen Geist, in uns seine glieder, die himlische gaben außgeusta. Darnach, daß er uns mit seinem gewalt wider alle feind schützet und erheltb.
  • a. Ephes. 4
  • b. Psal. 2. Ioh. 10. Ephes. 4
51
[9]Was nutzet uns die Herrlichkeit unsers Haupts Christi?

Erstlich, daß Er durch seinen Heiligen Geist in uns seine Glieder, die himmlischen Gaben ausgeust. Darnach, daß Er uns mit seiner Gewalt wider alle Feinde schützet und erhält.
52
Was tröstet dich die widerkunfft Christi zu richten die lebendigen und die todten?

[404]Daß in allem trübsal und verfolgung mit auffgerichtem haupt, ebe des Richters der sich zuvor dem gericht Gottes für mich dargestelt, und alle vermaledeyung von mir hinweg genomen hat, auß dem himmel gewertig bina, daß er alle seine und meine feinde, in die ewige verdamnuß werffeb: mich aber sampt allen außerwelten zu jhm in die himlische freud und herrligkeit nemec.
  • a. Luc. 21. Rom. 8. Phil. 3. Tit. 2
  • b. 2 Thess. 1. 1 Thess. 4. Mat. 25
  • c. Mat. 25
52
Was tröstet dich die Widerkunft Christi, zu richten die Lebendigen und die Todten?

Daß ich in aller Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt, eben des Richters, der sich zuvor dem Gericht Gottes für mich dargestellet, und alle Vermaledeyung von mir hinweg genommen hat, aus dem Himmel gewärtig bin, daß er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnus werffe, mich aber sammt allen Auserwählten, zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme.
53
Was glaubstu vom heiligen Geist?

Erstlich daß er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Son ista. Zum andern, daß er auch mir gegeben istb, mich durch ein waren glauben, Christi und aller seiner wolthaten theilhafftig machetc, mich tröstetd, und bey mir bleiben wird biß in ewigkeite.
  • a. Gen. 1. Esai. 43. 1 Cor. 3. 1 Cor. 6. Act. 5
  • b. Matt. 28. 2 Cor. 1
  • c. Galat. 3. 1 Pet. 1. 1 Cor. 6
  • d. Act. 9
  • e. Ioh. 14. 1 Pet. 4
53
Was glaubst du vom Heiligen Geist?

Erstlich, daß Er gleich ewiger GOTT mit dem Vatter und dem Sohn ist. Zum andern, daß er auch mir gegeben ist, mich durch einen wahren Glauben Christi, und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, mich tröstet, und bey mir bleiben wird biß in Ewigkeit.
54
Was glaubstu von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?

Daß der Son Gottes auß dem gantzen menschlichen geschlechta, jhm ein außerwelte gemein zum ewigen lebenb, durch sein Geist und wort in einigkeit des waren glaubensc, von anbegin der welt, biß aus endd versamle, schütze und erhaltee, und daß ich derselben ein lebendiges glied binf, und ewig bleiben werdeg.
  • a. Ioh. 10
  • b. Gen. 26
  • c. Rom. 8. Ephes. 1
  • d. Esai. 59. Rom. 1. et 10
  • e. Ephes. 5. Psal. 71. 1 Cor. 11. Mat. 16. Ioh. 10. 1 Cor. 1
  • f. 1 Ioh. 3
  • g. 1 Ioh. 2
54
Was glaubst du von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?

Daß der Sohn GOttes aus dem gantzen menschlichen Geschlecht, Ihm eine außerwählte Gemeine zum ewigen Leben, durch seinen Geist und Wort, in Einigkeit des wahren Glaubens, von Anbegin der Welt, bis ans End, versammle, schütze und erhalte: Und daß ich derselben ein lebendiges Glied bin, und ewig bleiben werde.
55
Was verstehestu durch die gemeinschafft der Heiligen?

Erstlich, daß alle und jede glaubigen, als glieder an dem HERRN Christo, und allen seinen schetzen und gaben, gemeinschafft habena. Zum andern, daß ein jeder seine gaben zu nutz und heil der andern glieder, willig und mit freuden anzulegen sich schuldig wissen solb.
  • a. 1 Ioh. 1. 1 Cor. 1. Rom. 8
  • b. 1 Cor. 12. et 13. Phil. 2
55
Was verstehest du durch die Gemeinschaft der Heiligen?

Erstlich, daß alle und jede Glaubigen, als Glieder an dem HErrn Christo, und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben. Zum andern, daß ein jeder seine Gaben zu Nutz und Heyl der andern Glieder, willig und mit Freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.
56
Was glaubstu von vergebung der Sünden?

[405]Daß Gott umb der gnugthuung Christi willena aller meiner sünden, auch der sündlichen art, mit der ich mein lebenlang zu streiten habeb nimmermehr gedencken wil: sonder mir die gerechtigkeit Christi auß gnaden schencket, daß ich ins gericht nimmermehr soll kommenc.
  • a. 1 Ioh. 2. 2 Cor. 5
  • b. Iere. 31. Psal. 103. Rom. 7. et 8
  • c. Ioh. 3
56
Was glaubst du von Vergebung der Sünden?

Daß GOTT um der Gnugthuung Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündlichen Art, mit der ich mein Lebenlang zu streiten habe, nimmehr gedencken wolle, sondern mir die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden schencke, daß ich ins Gericht nimmermehr soll kommen.
57
Was tröst dich die aufferstehung des fleisches?

Daß nicht allein meine seel nach diesem leben alsbald zu Christo jrem haupt genommen wirda: sonder auch daß diß mein fleisch, durch die krafft Christi auff erweckt, wider mit meiner seelen vereiniget, und dem heiligen leib Christi gleichformig werden solb.
  • a. Luc. 23. Phil. 1
  • b. 1 Cor. 15. Iob. 19. 1 Ioh. 3. Phil. 3
57
Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?

Daß nicht allein meine See[10]le nach diesem Leben alsbald zu Christo ihrem Haupt genommen wird, sondern auch, daß diß mein Fleisch durch die Kraft Christi auferwecket, wieder mit meiner Seelen vereiniget, und dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll.
58
Was tröst dich der Artickel vom ewigen leben?

Daß, nachdem ich jetzunder den anfang der ewigen freude in meinem hertzen empfindea, ich nach diesem leben volkommene seligkeit besitzen werde, die kein aug gesehen, kein ohr gehöret, und in keines menschen hertz nie komen istb, Gott ewiglich darin zu preisenc.
  • a. 2 Cor. 5
  • b. 1 Cor. 2
  • c. Ioh. 17
58
Was tröstet dich der Articul vom ewigen Leben?

Daß, nachdem ich jetzunder den Anfang der ewigen Freude in meinem Hertzen empfinde, ich nach diesem Leben vollkommene Seeligkeit besitzen werde, die kein Aug gesehen, kein Ohr gehöret, und in keines Menschen Hertz nie kommen ist, GOtt ewiglich darinn zu preisen.
59
Was hilfft es dich aber nun, wenn du diß alles glaubest?

Daß ich in Christo für Gott gerecht, und ein Erb des ewigen lebens bina.
  • a. Habac. 2. Rom. 1. Ioh. 3
59
Was hilft es dich aber nun, wann du diß alles glaubest?

Daß ich in Christo für Gott gerecht, und ein Erbe des ewigen Lebens bin.
60
Wie bistu gerecht für Gott?

Allein durch waren glauben in Jesum Christuma. Also: daß ob mich schon mein gewissen anklagt, daß ich wider alle Gebot Gottes schwerlich gesündiget, und derselben keines nie gehalten habb, auch noch jmerdar zu allem bösen geneigt binc: doch Got ohn alle meine verdienstd, auß lauter gnadene, mir die volkomme gnugthuung, gerechtigkeit und heiligkeit Christif schencket und zurechnetg, als hette ich nie keine sünde begangen noch gehabt, und selbst allen den gehorsam [406]vollbracht, den Christus für mich hat geleisteth, wenn ich allein solche wolthat mit glaubigen hertzen annemei.
  • a. Rom. 3. Galat. 2. Ephes. 2. Phil. 3
  • b. Rom. 3
  • c. Rom. 7
  • d. 2 Tim. 3
  • e. Rom. 3. Ephes. 2
  • f. 1 Ioh. 2
  • g. Rom. 4. 2 Cor. 5
  • h. 2 Cor. 5
  • i. Rom. 3. Ioh. 3
60
Wie bist du gerecht für GOTT?

Allein durch wahren Glauben in JEsum Christum, also daß, ob mich schon mein Gewissen anklaget, daß ich wider alle Gebott GOttes schwerlich gesündiget, und derselben keines nie gehalten hab, auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin, doch GOtt, ohne alle meine Verdienste, aus lauter Gnaden, mir die vollkommene Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schencket und zurechnet, als hätte ich nie keine Sünde begangen noch gehabt, und selbst allen den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wann ich allein solche Wohlthat mit glaubigem Hertzen annehme.
61
Warumb sagstu daß du allein durch den glauben gerecht seyest?

Nicht daß ich von wegen der wirdigkeit meines glaubens Gott gefalle: sonder darumb, daß allein die gnugthuung, gerechtigkeit und heiligkeit Christi, meine gerechtigkeit für Gott ista, und ich dieselbe nicht anderst, denn allein durch den glauben annemen, und mir zueigen kanb.
  • a. 1 Cor. 1. et 2
  • b. 1 Ioh. 5
61
Warum sagest du, daß du allein durch den Glauben gerecht seyest?

Nicht, daß ich von wegen der Würdigkeit meines Glaubens GOtt gefalle, sondern darum, daß allein die Gnugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi, meine Gerechtigkeit für GOtt ist, und ich dieselbe nicht anderst, dann allein durch den Glauben annehmen, und mir zueignen kan.
62
Warumb können aber unsere gute werck nit die gerechtigkeit für Gott, oder ein stück derselben sein?

Darumb, daß die gerechtigkeit, so für Gottes gericht bestehen sol, durchauß volkomen, und dem Göttlichen Gesetz gantz gleichformig sein mußa, und aber auch unsere beste werck in diesem leben alle unvolkomen, und mit sünden befleckt sindb.
  • a. Galat. 3. Deut. 27
  • b. Esai. 64
62
Warum können aber unsere gute Wercke nicht die Gerechtigkeit für GOtt, oder ein Stück derselbigen seyn?

Darum, daß die Gerechtigkeit, so für GOttes Gericht bestehen soll, durchaus vollkommen, und dem Göttlichen Gesetz gantz gleichförmig seyn mus, und aber auch unsere beste Wercke in diesem Leben alle unvollkommen, und mit Sünden beflecket sind.
63
Verdienen aber unsere gute werck nichts, so sie doch Gott in diesem und zukünfftigen leben wil belohnen?

Die belohnung geschicht nit auß verdienst, sonder auß gnadena.
  • a. Luc. 17
63
Verdienen aber unsere gute Wercke nichts, so sie doch GOtt in diesem und zukünftigen Leben will belohnen?

Diese Belohnung geschicht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden.
64
Macht aber diese lehre nicht sorglose und verruchte leut?

Nein, Denn es unmöglich ist, daß die, so Christo durch waren glauben sind eingepflantzt, nit frucht der danckbarkeit sollen bringena.
  • a. Matt. 7
64
[11]Machet aber diese Lehre nicht sorglose und verruchte Leute?

Nein: dann es unmöglich ist, daß die, so Christo durch wahren Glauben sind eingepflantzet, nicht Früchte der Danckbarkeit sollen bringen.
65
Dieweil denn allein der glaub uns Christi, und aller seiner wolthaten theilhafftig macht: woher kompt solcher glaube?

[407]Der heilig Geist würcket denselben in unsern hertzen, durch die predig des heiligen Euangelionsa, und bestetiget den durch den brauch der heiligen Sacramentenb.
  • a. Ephes. 2. Ioh. 3
  • b. Mat. 28. 1 Pet. 1
65
Dieweil dann allein der Glaube uns Christi, und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, woher kommt dann solcher Glaube?

Der Heilige Geist würcket denselben in unsern Hertzen, durch die Predigt des heiligen Evangelions, und bestättiget den durch den Brauch der heiligen Sacramenten.
66
Was seind die Sacrament?

Es seind sichtbare heilige warzeichen und Sigill, von Gott dartzu eingesetzt, daß er uns durch den brauch derselben, die verheissung des Euangelions desto besser zuuerstehen gebe, und versiegele: Nemlich, daß er uns von wegen des einigen opffers Christi, am Creutz volbracht, vergebung der sünden, und ewiges leben auß gnaden schenckea.
  • a. Gen. 17. Rom. 4. Deut. 30. Leuit. 6. Heb. 9. Ezech. 20. 1 Sam. 17. Esai. 6. et 54
66
Was sind die Sacramenten?

Es sind sichtbare, heilige Wahrzeichen und Siegel, von GOtt darzu eingesetzt, daß Er uns durch den Brauch derselbigen die Verheisung des Evangelions desto besser zu verstehen gebe, und versiegele: Nemlich, daß Er uns von wegen des einigen Opffers Christi am Kreutz vollbracht, Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben aus Gnaden schencke.
67
Seind denn beyde das wort und die Sacrament dahin gericht, daß sie unsern glauben auff das opffer Jesu Christi am Creutz, als auff den einigen grund unserer seligkeit weisen?

Ja freylich: Denn der heilig Geist lehret im Euangelio, und bestetiget durch die heiligen Sacrament, daß unsere gantze seligkeit stehe in dem einigen opffer Christi, für uns am Creutz geschehena.
  • a. Rom. 6. Galat. 3
67
Seynd dann beyde das Wort und die heilige Sacramente dahin gerichtet, daß sie unsern Glauben auf das Opffer JEsu Christi am Kreutz, als auf den einigen Grund unserer Seeligkeit weisen?

Ja freylich: Dann der heilige Geist lehret im Evangelio, und bestättiget durch die heilige Sacramenten, daß unsere gantze Seeligkeit stehe in dem einigen Opffer Christi, für uns am Creutz geschehen.
68
Wieviel Sacrament hat Christus im newen Testament eingesetzt?

Zwey: den heiligen Tauff, und das heilig Abendmal.
68
Wie viel Sacramente hat Christus im neuen Testament eingesetzt?

Zwey: Die heilige Tauf, und das heilige Abendmahl.
69
Wie wirstu im heiligen Tauff erinnert und versichert, daß das einege opffer Christi am Creutz dir zu gut komme?

Also: daß Christus diß eusserlich wasserbad eingesetzt, und darbey verheissen hat, daß ich so gewiß mit seinem blut und geist, von der unreinigkeit meiner seelen, das ist, allen meinen sünden gewaschen sey, so gewiß ich eusserlich mit dem wasser, welches die unsauberkeit des leibs pflegt hinzunemen, gewaschen bin.
69
Wie wirst du in der heiligen Tauf erinnert und versichert, daß das einige Opffer Christi am Kreutz dir zu gut komme?

Also, daß Christus diß äusserliche Wasserbad eingesetzt, und dabey verheisen hat, daß ich so gewiß mit seinem Blut und Geist, von der Unreinigkeit meiner Seelen, das ist, von allen meinen Sünden gewaschen sey, so gewiß ich äusserlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibes pflegt hin zu nehmen, gewaschen bin.
70
[408]Was heist mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?

Es heist vergebung der sünden von Gott auß gnaden haben, umb des bluts Christi willen, welchs er in seinem opffer am Creutz für uns vergossen hata: Darnach auch durch den heiligen Geist ernewert, und zu einem glied Christi geheiliget sein, daß wir je lenger je mehr der sünden absterben, und in einem Gottseligen, unstreflichen leben wandlenb.
  • a. Hebr. 12. 1 Pet. 1. Apoc. 1. Zach. 13. Ezech. 36
  • b. Ioh. 1. Ioh. 3. 1 Cor. 6. et 12. Rom. 6. Coloss. 2
70
Was heist mit dem Blut und Geist Christi gewaschen seyn?

Es heist Vergebung der Sünden von GOtt aus Gnaden haben, um des Bluts Christi willen, welches er in seinem Opffer am Kreutz für uns vergossen hat: Darnach auch durch den Heiligen Geist erneuert, und zu einem Glied Christi geheiliget seyn, daß wir je länger je mehr der Sünden [12]absterben, und in einem gottseeligen unsträflichen Leben wandeln.
71
Wo hat Christus verheissen, daß wir so gewiß mit seinem blut und geist als mit dem tauffwasser gewaschen seind?

In der einsetzung des Tauffs, welche also lautet. Gehet hin, und lehret alle Völcker, und tauffet sie, im namen des Vaters und des Sons, und des heiligen Geistsa: wer da glaubet und getauffet wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubt, der wird verdampt werdenb. Diese verheissung wirdt auch widerholet, da die schrifft den Tauff das bad der widergeburtc, und abwaschung der sünden nennetd.
  • a. Matt. 28
  • b. Mar. 16
  • c. Tim. 3
  • d. Act. 22
71
Wo hat Christus verheisen, daß wir so gewiß mit seinem Blut und Geist als mit dem Tauf-Wasser gewaschen sind?

In der Einsetzung der heigen Tauf, welche also lautet: Gehet hin und lehret alle Völcker, und taufet sie im Namen des Vatters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Wer da glaubt und getauft wird, der wird seelig werden: Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Verheisung wird auch wiederholet, da die Schrift, die Tauf, das Bad der Wiedergeburt, und die Abwaschung der Sünden nennet.
72
Ist denn das eusserlich wasserbad, die abwaschung der sünden selbst?

Neina, Denn allein das blut Jesu Christi, und der heilige Geist einiget uns von allen sündenb.
  • a. Mat. 3. 1 Pet. 3. Ephes. 5
  • b. 1 Ioh. 1. 1 Cor. 6
72
Ist das äusserliche Wasserbad die Abwaschung der Sünden selbst?

Nein: Dann allein das Blut JEsu Christi und der Heilige Geist reiniget uns von allen Sünden.
73
Warumb nennet denn der heilige Geist den Tauff das bad der widergeburt, und die abwaschung der sünden?

Gott redet also nit one grosse vrsach: Nemlich, nit allein daß er uns damit lehren, daß, gleich wie unsauberkeit des leibs durch wasser, also unsere sünde durchs blut und geist Christi hinweg genomen werdena: sonder vielmehr, daß er uns durch diß Göttlich pfand und warzeichen wil versichern, daß wir so warhafftig von unsern sünden geistlich gewasche sind, als wir mit dem leiblichen wasser gewaschen werdenb.
  • a. Apoc. 1. et 7. 1 Cor. 6
  • b. Marc. 16. Galat. 3
73
Warum nennet dann der H. Geist die Tauf das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden?

GOTT redet also nicht ohne grose Ursach, nemlich, nicht allein, daß er uns damit will lehren, daß, gleich wie die Unsauberkeit des Leibs durch das Wasser, also unsere Sünden durchs Blut und Geist Christi hinweg genommen werden, sondern vielmehr, daß Er uns durch diß göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, daß wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.
74
[409]Sol man auch die junge kinder tauffen?

Ja: Denn dieweil sie so wol als die alten in den Bundt Gottes und seine gemein gehörena, und jhnen in dem blut Christi die erlösung von sündenb, und der heilig Geist, welcher den glauben würcket, nit weniger denn den alten zugesagt wirdc: so solle sie auch durch den tauff, als des Bunds zeichen, der Christlichen Kirchen eingeleibt, und von der unglaubigen kinder underscheiden werdend, wie im alten Testament durch die beschneidung geschehen iste, an welcher stat im newen Testament der Tauff ist eingesetztf.
  • a. Gen. 17
  • b. Matt. 19
  • c. Luc. 1. Psal. 22. Esai. 46. Act. 2
  • d. Act. 10
  • e. Gen. 17
  • f. Coloss. 2
74
Soll man auch die jungen Kinder taufen?

Ja: Dann dieweil sie so wohl als die Alten, in den Bund GOttes und seine Gemeine gehören, und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden, und der Heilige Geist, welcher den Glauben würcket, nicht weniger dann den Alten zugesagt wird, so sollen sie auch durch die Tauf, als des Bundes Zeichen, der Christlichen Kirchen eingeleibet, und von den unglaubigen Kindern unterschieden werden, wie im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an welcher statt im Neuen Testament die Tauf ist eingesetzt.
75
Wie wirstu im heiligen Abendmal erinnert und versichert, daß du an dem einigen opffer Christi am Creutz, und allen seinen gütern gemeinschafft habest?

Also, daß Christus mir und allen glaubigen von diesem gebrochnen brod zu essen, und von diesem Kelch zu trincken befohlen hat, und darbey verheissen, Erstlich daß sein leib so gewiß für mich am Creutz geopffert und gebrochen, und sein blut für mich vergossen sey, so gewiß ich mit augen sehe, daß das brod des HERRN mir gebrochen, und der Kelch mir mitgetheilet wird. Und zum andern, daß er selbst meine seel mit seinem gecreutzigten leib und vergossnen blut so gewiß zum ewigen leben speise und trencke, als ich auß der hand des Dieners empfange, und leiblich niesse das brod und den Kelch des HERRN, welche mir als gewisse warzeichen des leibs und bluts Christi gegeben werden.
75
[13]Wie wirst du im H. Abendmahl erinnert und versichert, daß du an dem einigen Opffer Christi am Kreutz, und allen seinen Gütern Gemeinschaft habest?

Also, daß Christus mir und allen Glaubigen, von diesem gebrochenen Brod zu essen und von diesem Kelch zu trincken befohlen hat, zu seinem Gedächtnus, und dabey verheisen: Erstlich, daß sein Leib so gewiß für mich am Kreutz geopffert und gebrochen, und sein Blut für mich vergossen sey, so gewiß ich mit Augen sehe, daß das Brod des HErrn mir gebrochen, und der Kelch mir mitgetheilet wird. Und zum andern, daß er selbst meine Seel mit seinem gekreutzigten Leib, und vergossenen Blut, so gewiß zum ewigen Leben speise und träncke, als ich aus der Hand des Dieners empfange, und leiblich geniese, das Brod und den Kelch des HErrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibs und Bluts Christi gegeben werden.
76
Was heist den gecreutzigten leib Christi essen, und sein vergossen blut trincken?

Es heist nit allein mit glaubigem hertzen das gantze leiden und sterben Christi annemen, und dardurch vergebung der sünden und ewiges leben bekomena: Sonder auch darneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wonetb, also mit seinem gebenedeyten leib je mehr und mehr vereiniget werdenc: daß wir, obgleich er im himmel, und wir auff erden sind: dennoch fleisch von seinem fleisch, und bein von seinen beine sindd, und von eine geist (wie die glieder unsers leibs von einer seelen) ewig leben und regieret werdene. [410]
  • a. Ioh. 6
  • b. Ioh. 6
  • c. Act. 3. 1 Cor. 11
  • d. Ephes. 3. et 5. 1 Cor. 6. 1 Ioh. 3. et 4. Ioh. 14
  • e. Ioh. 6. et 15. Ephes. 4
76
Was heiset den gekreutzigten Leib Christi essen, und sein vergossenes Blut trincken?

Es heist nicht allein mit glaubigem Hertzen das gantze Leiden und Sterben Christi annehmen, und dardurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen, sondern auch darneben durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeyten Leib je mehr und mehr vereinigt werden, daß wir, ob gleich Er im Himmel und wir auf Erden sind, dannoch Fleisch von seinem Fleisch, und Bein von seinen Beinen sind, und von einem Geist (wie die Glieder unsers Leibs von einer Seelen) ewig leben und regieret werden.
77
Wo hat Christus verheissen, daß er die glaubigen so gewiß also mit seinem leib und blut speise und trencke, als sie von diesem gebrochnen brod essen, und von diesem Kelch trincken?

In der einsatzung des Abendmals, welche also lauteta: Unser HERR Jesus, in der nacht da er verrhaten ward, nam er das brodt, dancket und brachs und sprach, Nemet, esset, das ist mein leib, der für euch gebrochen wirdt, Solchs thut zu meiner gedechtnuß. Desselben gleichen auch den Kelch, nach dem Abendtmal, und sprach: Dieser Kelch ist das newe Testament in meinem blut, solches thut, so offt jrs trincket, zu meiner gedechtnuß: Denn so offt jr von diesem brod esset, und von diesem Kelch trincket, solt jr des HERRN todt verkündigen, biß daß er kompt. Und diese verheissung wirdt auch widerholet durch S. Paulumb, da er spricht: Der Kelch der danckszagung, damit wir danckszagen, ist er nit die gemeinschafft des bluts Christi? Das brodt das wir brechen, ist das nicht die gemeinschafft des leibs Christi? Denn ein brod ists, so seind wir viel ein leib, dieweil wir alle eines brods theilhafftig seind.
  • a. 1 Cor. 11. Matt. 26. Mar. 14. Luc. 22
  • b. 1 Cor. 10
77
Wo hat Christus verheisen, daß Er die Glaubigen so gewiß mit seinem Leib und Blut speise und träncke, als sie von diesem gebrochenen Brod essen, und von diesem Kelch trincken?

In der Einsetzung des Abendmahls, welche also lautet: Unser HErr JEsus in der Nacht, da Er verrahten ward, nahm Er das Brod, dancket und brachs, und gabs den Jüngern, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird. Solches thut zu meinem Gedächtnus. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch, und für viele vergossen wird, solches thut, so offt ihrs trincket, zu meiner Gedächtnus. [14]Dann so oft ihr von diesem Brod esset, und von diesem Kelch trincket, solt ihr des HErrn Tod verkündigen, bis daß Er kommt. Und diese Verheisung wird auch wiederholet durch Sanct Paulum, da er spricht: Der Kelch der Dancksagung, damit wir dancksagen, ist der nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi? Das Brod, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibs Christi? Dann ein Brod ists, so sind wir viel ein Leib, dieweil wir alle eines Brods theilhafftig sind.
78
Wird denn auß brod und wein der wesentlich leib und blut Christi?

Nein: sonder wie das wasser in dem Tauff, nit in daß blut Christi verwandlet, oder die abwaschung der sünden selbst wird, deren es allein ein Göttlich warzeichen und versicherung ista: also wirdt auch daß heilig brod im Abendmal nit der leib Christi selbstb, wiewol es nach art und brauch der Sacramenten, der leib Christi genennet wirdc.
  • a. Mat. 26. Mar. 24
  • b. 1 Cor. 10. et 11
  • c. Gen. 17. Exod. 12. Tit. 3. 1 Pet. 4. 1 Cor. 10
78
Wird dann aus dem Brod und Wein der wesentliche Leib und Blut Christi?

Nein: Sondern wie das Wasser in der Tauf nicht in das Blut Christi verwandelt, oder die Abwaschung der Sünden selbst wird, deren es allein ein Göttlich Wahrzeichen und Versicherung ist: Also wird auch das H. Brod im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst, wiewohl es nach Art und Brauch der Sacramenten, der Leib Christi genennet wird.
79
Warumb nennet denn Christus das brod seinen leib, und den Kelch sein blut, oder das newe Testament in seinem blut, und S. Paulus, die gemeinschafft des leibs und bluts Jesu Christi?

Christus redet also nit one grosse vrsach. Nemlich, daß er uns nit allein damit wil lehren, daß, gleich wie brod und wein das zeitliche leben erhalten, also sey auch sein gecreutzigter leib und vergossen blut [411]die ware speiß und tranck unserer seelen, zum ewigen lebena: sonder viel mehr daß er uns durch diß sichtbare zeichen und pfand wil versichern, daß wir so warhafftig seines waren leibs und bluts durch wirckung des heiligen Geists teilhafftig werden, als wir diese heilige warzeichen, mit dem leiblichen mund zu seiner gedechtnuß enpfangenb: und daß all sein leiden und gehorsam so gewiß unser eigen sey, als hetten wir selbst in unser eigen person alles gelitten und gnuggethan.
  • a. Ioh. 6
  • b. 1 Cor. 10
79
Warum nennet dann Christus das Brod seinen Leib, und den Kelch sein Blut, oder das Neue Testament in seinem Blut, und Sanct Paulus die Gemeinschaft des Leibs und Bluts Christi?

Christus redet also nicht ohne grose Ursach: Nemlich, daß Er uns nicht allein damit will lehren, daß, gleich wie Brod und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sey auch sein gekreutzigter Leib, und vergossenes Blut, die wahre Speis und Tranck unserer Seelen, zum ewigen Leben: Sondern vielmehr, daß Er uns durch das sichtbare Zeichen und Pfand will versichern, daß wir so warhaftig seines wahren Leibs und Bluts, durch Würckung des Heiligen Geistes theilhaftig werden, als wir diese heilige Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seiner Gedächtnus empfangen, und daß all sein Leiden und Gehorsam so gewiß unser eigen sey, als hätten wir selbst in unser eigen Person alles gelitten und genug gethan.
80
Was ist für ein underscheid zwischen dem Abendmal des HERRN, und der Bäbstlichen Meß?

Das Abendmal bezeuget uns, daß wir volkomene vergebung aller unser sünden haben, durch das einige opffer Jesu Christi, so er selbst einmal am creutz volbracht hata. Und daß wir durch den H. Geist Christo werden eingeleibtb, der jetzund mit seinem waren leib im himmel zur Rechten des Vaters istc, und daselbst wil angebettet werden. Die Meß aber lehret, daß die lebendigen und die todten nicht durch das leiden Christi vergebung der sünden haben, es sey denn daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopffert werde. Und daß Christus leiblich unter der gestalt brods und weins sey, und derhalben darin sol angebettet werdend. Und ist also die Meß im grund nichts anders, denn ein verleugnung des einigen opffers und leidens Jesu Christi, und ein vermaledeite Abgöttereye.
  • a. Heb. 7. 9. et 10. Ioh. 19. Matt. 26. Luc. 22
  • b. 1 Cor. 6. et 10
  • c. Heb. 1. et 8
  • d. Ioh. 4. et 20. Luc. 24. Act. 7. Coloss. 3. Phil. 3. 1 Thess. 1
  • e. In Can: de Missa. Item. De cösecr: distinct: 2
80
Was ist vor ein Unterscheid zwischen dem Abendmahl des HErrn, und der Päbstlichen Meß?

Das Abendmahl bezeuget uns, daß wir vollkommene Vergebung aller unser Sünden haben, durch das einige Opffer JEsu Christi, so Er selbst einmal am Kreutz vollbracht hat. Und daß wir durch den Heiligen Geist Christo werden eingeleibt, der jetzund mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vatters ist, und daselbst will angebetet [15]werden. Die Meß aber lehret, daß die Lebendigen und die Todten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sey dann, daß Christus noch täglich für sie von den Meß-Priestern geopffert werde: Und daß Christus leiblich unter der Gestalt Brods und Weins sey, und derhalben darinnen soll angebetet werden. Und ist also die Meß im Grund nichts anders, dann eine Verläugnung des einigen Opffers und Leydens JEsu Christi, und eine vermaledeyte Abgötterey.
81
Welche solle zu dem Tisch des HERREN kommen?

Die jhnen selbst umb jrer sünden willen mißfallen, und doch vertrawen, daß dieselbige jhnen verziehen und die ubrige schwachheit mit dem leiden und sterben Christi bedeckt sey, begeren auch je mehr und mehr jhren glauben zu stercken und jr leben zu bessern. Die unbußfertigen aber und heuchler, essen und trincken jnen selbst das gerichta.
  • a. 1 Cor. 10. et 11
81
Welche sollen zu dem Tisch des HErrn kommen?

Die ihnen selbst um ihrer Sünde willen mißfallen, und doch vertrauen, daß dieselbe ihnen verziehen, und die übrige Schwachheit mit dem Leyden und Sterben Christi bedeckt sey: Begehren auch je mehr und mehr ihren Glauben zu stärcken, und ihr Leben zu bessern. Die Unbusfertigen aber und Heuchler, essen und trincken ihnen selbst das Gericht.
82
Sollen aber zu diesem Abendmal auch zugelassen werden, die sich mit jrer bekantnuß und leben, als unglaubige und Gottlose erzeigen?

Nein: denn es wirdt also der Bundt Gottes geschmecht, und sein zorn uber die gantze gemein gereitzeta. Derhalben die Christliche Kirch [412]schuldig ist, nach der ordnung Christi und seiner Aposteln, solche, biß zu besserung jres lebens, durch daß ampt der Schlüssel außzuschliessen.
  • a. 1 Cor. 11. Esai. 1. et 66. Ierem. 7. Psal. 50
82
Sollen aber zu diesem Abendmahl auch zugelassen werden, die sich mit ihrer Bekäntnus und Leben als Unglaubige und Gottlose erzeigen?

Nein: Dann es wird also der Bund GOttes geschmähet, und sein Zorn über die gantze Gemein gereitzet. Derhalben die Christliche Kirche schuldig ist, nach der Ordnung Christi und seiner Aposteln, solche bis zur Besserung ihres Lebens, durch das Amt der Schlüssel, auszuschliesen.
83
Was ist das ampt der Schlüssel?

Die Predig des heiligen Euangelions, und die Christliche Bußzucht, durch welche beyde stück, das Himmelreich den glaubigen auffgeschlossen, und den unglaubigen zugeschlossen wird.
83
Was ist das Amt der Schlüssel?

Die Predigt des heiligen Evangelions, und die Christliche Bus-Zucht, durch welche beyde Stück das Himmelreich den Glaubigen aufgeschlossen, und den Unglaubigen zugeschlossen wird.
84
Wie wird das Himmelreich durch die predig des heiligen Euangelions auff und zugeschlossen?

Also: daß nach dem befelch Christi allen und jeden glaubigen verkündigt und offentlich bezeuget wird jne so offt sie die verheissung des Euangelions mit warem glauben annemen, warhafftig alle jre sünden von Gott, umb des verdiensts Christi willen, vergeben sind. Und herwiderumb, allen unglaubigen und heuchlern, daß der zorn Gottes und die ewige verdamnuß auff jnen ligt, so lang sie sich nit bekeren: Nach welcher zeugnuß des Euangelii, Gott beide in diesem und zukünfftigen leben vrtheilen wila.
  • a. Ioh. 20. Matt. 16
84
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des H. Evangelions auf- und zugeschlossen?

Also, daß nach dem Befehl Christi allen und jeden Glaubigen verkündiget, und offentlich bezeuget wird, daß ihnen, so oft sie die Verheisung des Evangelions mit wahrem Glauben annehmen, warhaftig alle ihre Sünde von GOtt, um des Verdiensts Christi willen vergeben sind: Und hinwiederum allen Unglaubigen und Heuchlern, daß der Zorn GOttes, und die ewige Verdammnus auf ihnen ligt, so lang sie sich nicht bekehren. Nach welchem Zeugnus des Evangelii GOtt beyde in diesem und zukünftigen Leben urtheilen will.
85
Wie wirdt das Himmelreich zu und auffgeschlossen, durch die Christliche Bußzucht?

Also: daß nach dem befelch Christi, diejenige so under dem Christlichen namen, unchristliche lehr od. wandel füren, nach dem sie etlich mal brüderlich vermanet sein, und jren jrthumen oder lastern nit abstehen, der kirchen, oder denen so von der kirchen darzu verordnet sind, angezeigt, und so sie sich an derselbe vermanung auch nit keren, von jnen durch verbietung der heiligen Sacrament auß der Christlichen gemein, und von Gott selbst, auß dem Reich Christi werden außgeschlossen: und widerumb als glieder Christi und der kirchen, angenomen, wenn sie ware besserung verheissen und erzeigena.
  • a. Matt. 18. 1 Cor. 3. 2 Thess. 3. Ioh. 2
85
[16]Wie wird das Himmelreich zu- und aufgeschlossen durch die Christliche Bus-Zucht?

Also, daß nach dem Befehl Christi diejenigen, so unter dem Christlichen Namen unchristliche Lehr oder Wandel führen, nachdem sie etlichmal brüderlich vermahnet sind, und von ihren Irrthumen oder Lastern nicht abstehen, der Kirchen, oder denen, so von der Kirchen darzu verordnet sind, angezeigt: Und so sie sich an derselbigen Vermahnung auch nicht kehren, von ihnen durch Verbietung der heiligen Sacramenten, aus der Christlichen Gemein, und von GOtt selbst aus dem Reich Christi, werden ausgeschlossen: Und wiederum, als Glieder Christi und der Kirchen angenommen, wann sie wahre Besserung verheisen und erzeigen.
DER DRITTE THEIL. VON DER DANCKBARKEIT.
Der dritte Theil, Von der Danckbarkeit.
86
[413]Dieweil wir denn auß unserm elendt one alle unsere verdienst, auß gnaden durch Christum erlöset seind, warumb sollen wir gute werck thün?

Darumb, daß Christus, nach dem er uns mit seinem blut erkaufft hat, uns auch durch seine heilige Geist ernewert zu seinem ebenbildt, daß wir mit unserm gantzen leben uns danckbar gegen Gott für seine wolthat erzeigena, und er durch uns gepriesen werdeb. Darnach auch, daß wir bey uns selbst unsers glaubens auß seinen früchten gewiß seinc, und mit unserm Gottseligem wandel, unsere nechsten auch Christo gewinnend.
  • a. Rom. 6. et 12. 1 Pet. 2. 1 Cor. 6
  • b. Matt. 5. 1 Pet. 2
  • c. 1 Pet. 1. Matt. 7. Galat. 5
  • d. 1 Pet. 3. Rom. 14
86
Dieweil wir dann aus unserm Elend ohn allen unsern Verdienst aus Gnaden, durch Christum erlöset sind: Warum sollen wir gute Wercke thun?

Darum, daß Christus, nachdem Er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, daß wir mit unserm gantzen Leben uns danckbar gegen GOtt für seine Wohlthat erzeigen, und Er durch uns gepriesen werde. Darnach auch, daß wir bey uns selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiß seyn, und mit unserm gottseeligen Wandel, unsern Nächsten auch Christo gewinnen.
87
Können denn die nicht selig werden, die sich von jrem undanckbaren unbußfertigen wandel zu Gott nicht bekeren?

Keineswegs: denn, wie die schrifft saget: Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenpoltz, Lesterer, Rauber und dergleichen, wird das reich Gottes erbena.
  • a. 1 Cor. 6. Ephes. 5. 1 Ioh. 3
87
Können dann die nicht seelig werden, die sich von ihrem undanckbaren unbusfertigen Wandel zu GOtt nicht bekehren?

Keines wegs: Dann wie die Schrifft sagt: Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen, wird das Reich GOttes ererben.
88
In wieviel stücken stehet die warhafftige Buß oder bekerung des menschen?

In zweyen stücken: In absterbung des altena, und aufferstehung des newen menschen.
  • a. Rom. 6. Ephes. 4. Coloss. 3. 1 Cor. 5
88
In wie viel Stücken bestehet die warhaftige Bus oder Bekehrung des Menschen?

In zwey Stücken: In Absterbung des alten, und Auferstehung des neuen Menschen.
89
Was ist die Absterbung des alten menschen?

Im die sünde von hertzen lassen leidt sein, und dieselbige je lenger je mehr hassen und fliehena.
  • a. Rom. 8. Ioel. 2
89
Was ist die Absterbung des alten Menschen?

Ihm die Sünde von Hertzen lassen leyd seyn, und dieselbe je länger je mehr hassen und fliehen.
90
Was ist die aufferstehung des newen menschen?

[414]Hertzliche freud in Gotta, und lust und lieb haben nach dem willen Gottes, in allen guten wercken zu lebenb.
  • a. Rom. 5. et 14. Esai. 27
  • b. Rom. 6. Galat. 2
90
Was ist die Auferstehung eines neuen Menschen?

Hertzliche Freude in GOtt, durch Christum, und Lust und Liebe haben, nach dem Willen GOttes, in allen guten Wercken zu leben.
91
Welches seind aber gute werck?

Allein die auß warem Glaubena, nach dem Gesetz Gottes jhm zu ehren geschehenb: und nicht die auff unser gutdüncken oder menschen satzung gegründet seinc.
  • a. Rom. 14
  • b. 1 Sam. 11. Ephes. 2
  • c. 1 Cor. 10. Deut. 12. Ezech. 20. Esai. 29. Matt. 15
91
[17]Welches sind aber gute Wercke?

Allein die aus wahrem Glauben, nach dem Gesetz GOttes, ihm zu Ehren geschehen, und nicht die auf unser Gutdüncken oder Menschen-Satzungen gegründet seynd.
92
Wie laut das Gesetz des HERRN?

Gott redet alle dise wort.

Das Erste Gebot.

Ich bin der HERR dein Gott, der ich dich auß Egyptenland, auß dem Diensthauß geführet habe. Du solt kein ander Götter für mir haben.

Das Ander.

Du solt dir kein Bildnuß noch jrgendt ein gleichnuß machen, weder deß, das oben im Himel, noch deß, das unden auff Erden, oder deß, das im wasser under der erden ist, Du solt sie nicht anbeten, noch jnen dienen. Denn ich der HERR dien Gott, bin ein starcker eyueriger Gott, der die missethat der Väter heimsucht an den Kindern, biß ins dritte und vierde glied, deren die mich hassen: und thue barmhertzigkeit an viel tausenden die mich lieben, und meine Gebot halten.

Das dritte.

Du solt den Namen des HERREN deines Gottes nicht mißbrauchen, Denn der HERR wird den nicht ungestrafft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

Das vierde.

Gedenck des Sabbaht tags, das du jhn heiligest. Sechs tag soltu arbeiten, und alle deine werck thun, aber am sibenden tage ist der Sabbath des HERREN deines Gottes, da solt du keine arbeit thun, noch dien [415]Son, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine magt, noch dein Vieh, noch der frembling der in deine thoren ist. Denn in sechs tagen hat der HERR himel und erden gemacht, und das mehr, und alles was drinnen ist, und rhuete am sibenden tage, darumb segnete der HERR den Sabbath tag, und heiliget jn.

Das Fünffte.

Du solt dein Vater und deine Mutter ehren, auff das du lang lebest im Land, das dir der HERR dein Gott gibt.

Das Sechste.

Du solt nit tödten.

Das Sibente.

Du solt nit Ehebrechen.

Das Achte.

Du solt nit stelen.

Das Neünde.

Du solt kein falsch zeugnuß reden wider deinen nechsten.

Das Zehende.

Laß dich nit gelüsten deines nechsten Hauß, Laß dich nit gelüsten deines nechsten weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles das dein Nechster hat.
92
Wie lautet das Gesetz des HERRN?

GOtt redet alle diese Wort: Das erste Gebott. Ich bin der HERR dein GOtt, der ich dich aus Egypten-Land aus dem Dienst-Haus geführet hab. Du solt kein ander Götter für mir haben. Das andere: Du solt dir kein Bildnus, noch irgend ein Gleichnus machen, weder deß, das oben im Himmel, noch deß, der unten auf Erden, oder deß, das im Wasser unter der Erden ist. Du solt sie nicht anbeten, noch ihnen dienen; Dann ich der HErr dein GOtt, bin ein starcker eifferiger GOtt, der die Missethat der Vätter heimsuchet an den Kindern, bis ins dritte und vierdte Glied, deren die mich hassen, und thue Barmhertzigkeit an viel tausenden, die mich lieben und meine Gebott halten. Das dritte: Du solt den Namen des HErrn deines GOttes nicht mißbrauchen: Dann der HErr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. Das vierdte: Gedencke des Sabbath-Tages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage solt du arbeiten, und alle deine Wercke thun, aber am siebenden Tag ist der Sabbath des HErrn deines GOttes, da solt du kein Arbeit thun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch der Fremdling, der in deinen Thoren ist. Dann in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erden gemacht, und das Meer, und alles was darinnen ist, und ruhete am siebenden Tage. Darum segnete der HERR den Sabbath-Tag, und heiligte ihn. Das fünfte: Du solt deinen Vatter und deine Mutter ehren, auf das du lange lebest im Land, das dir der HERR dein GOTT gibt. Das sechste. Du solt nicht tödten. Das siebende. Du solt nicht Ehebrechen. Das achte. Du solt nicht stehlen. Das neundte. Du solt kein falsch Zeugnuß reden wider deinen Nächsten. Das zehende. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauß: Laß dich [18]nicht gelüsten deines Nächsten Weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles was dein Nächster hat.
93
Wie werden diese Gebot geteilt?

In zwo Tafelna, deren die erste in vier gebotten lehret, wie wir uns gegen Gott sollen halten. Die ander in sechs gebotten, was wir unserm nechsten schuldig seinb.
  • a. Exo. 34. Deut. 4. et 10
  • b. Mat. 22
93
Wie werden diese Gebott abgetheilet?

In zwo Tafeln. Deren die erste in vier Geboten lehret, wie wir uns gegen GOtt sollen halten; Die andere in sechs Gebotten, was wir unserm Nächsten schuldig seynd.
94
Was erfordert der HERR im ersten Gebot?

Daß ich bey verlierung meiner seelen heil und seligkeit alle abgöttereya, zauberey, abergläubische segenb, anruffung der Heiligen oder anderer Creaturenc, meiden und fliehen sol, Und den einigen waren Gott recht erkennend, jhm allein vertrawene, in aller demutf und gedultg, von jhm allein alles guts gewartenh, und jhn von gantzem [416]hertzen liebeni, fürchtenk und ehrenl: Also daß ich ehe alle creaturen ubergebe, denn in dem geringsten wider seinen willen thuem.
  • a. 1 Cor. 6. et 10
  • b. Leuit. 19. Deut. 18
  • c. Matt. 4. Apoc. 19. et 22
  • d. Ioh. 17
  • e. Iere. 17
  • f. 1 Pet. 5
  • g. Hebr. 10. Coloss. 1. Rom. 5. 1 Cor. 10. Phil. 2
  • h. Psal. 104. Esai. 45. Iac. 1
  • i. Deut. 6. Matt. 22
  • k. Deut. 6. Psal. 111. Prou. 1. et 9. Mat. 10
  • l. Mat. 4. Deut. 10
  • m. Mat. 5. et 10. Act. 5
94
Was erfordert der HErr im ersten Gebott?

Daß ich bey Verliehrung meiner Seelen Heyl und Seekeit, alle Abgötterey, Zanberey, aberglaubische Segen, Anruffung der Heiligen oder anderer Creaturen, meiden oder fliehen soll, und den einigen wahren GOtt recht erkennen, ihm allein vertrauen, in aller Demuth und Gedult, von ihm allein alles Gutes gewarten, und ihn von gantzem Hertzen lieben, fürchten und ehren: Also, daß ich ehe alle Creaturen übergebe, dann in dem geringsten wider seinen Willen thue.
95
Was ist Abgötterey?

An stat des einigen waren Gottes, der sich in seinem wort hat offenbaret, oder neben demselbigen etwas anderst dichte oder habe, darauff der mensch sein vertrawen setzta.
  • a. Ephes. 5. 1 Par. 16. Phil. 3. Gala. 4. Ephes. 2. 1 Ioh. 2. 2 Ioh. 1. Ioh. 5
95
Was ist Abgötterey?

An statt des einigen wahren GOttes, der sich in seinem Wort hat geoffenbahret, oder neben demselben, etwas anders dichten oder haben, darauf der Mensch sein Vertrauen setzet.
96
Was wil Gott im andern Gebot?

Daß wir Gott in keinen weg verbildena, noch auff jrgend eine andere weise, denn er in seinem wort befohlen hat, verehren sollenb.
  • a. Deut. 4. Esai. 40. Rom. 1. Act. 17
  • b. 1 Sam. 15. Deut. 12. Mat. 15
96
Was will GOTT im andern Gebott?

Das wir GOtt in keinem Weg vorbilden, noch auf irgend eine andere Weise, dann Er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen.
97
Sol man denn gar kein bildnuß machen?

Gott kan und sol keines wegs abgebildet werden; die Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden: so verbeut doch Gott desselbigen bildnuß zu machen und zu haben, daß man sie verehre oder jm damit dienea.
  • a. Exod. 23. et 34. Num. 33. Deut. 7. et 12. 16. 2 Reg. 18
97
Soll man dann gar kein Bildnuß machen?

GOtt kan und soll keines weges abgebildet werden, die Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbeut doch GOtt derselben Bildnuß zu machen, und zu haben, daß man sie verehre, oder ihm damit diene.
98
Mögen aber nicht die bilder als der Leyen bücher, in den Kirchen gedultet werden?

Nein: Denn wir nit sollen weiser sein denn Gott, welcher seine Christenheit nie durch stumme götzena, sonder durch die lebendige predig seines worts, wil underwiesen habenb.
  • a. Iere. 10. Haba. 2
  • b. 2 Pet. 1. 2 Tim. 3
98
Mögen aber nicht die Bilder, als der Layen Bücher, in der Kirchen geduldet werden?

Nein: Dann wir nicht sollen weiser seyn, dann GOtt, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Worts will unterwiesen haben.
99
Was wil Gott im dritten Gebot?

[417]Daß wir nicht allein mit fluchen, oder mit falschem eyde: sonder auch mit unnötigem schweren den Namen Gottes nicht lestern oder mißbrauchen, noch uns mit unserm stilschweigen und zusehen solcher schrecklichen sünden theilhafftig machena, Und in summa, daß wir den heiligen Namen Gottes anderst nicht, denn mit forcht und ehrerbietung gebrauchenb, auff daß er von uns recht bekentc, angeruffend, und in all unsern worten und wercken gepriesen werde.
  • a. Esai. 45
  • b. Matt. 10
  • c. 1 Tim. 2
  • d. Rom. 2. 1 Tim. 6. Coloss. 3
99
Was will das dritte Gebott?

Daß wir nicht allein mit Fluchen, oder mit falschem Eyd, sondern auch mit unnöthigem Schwören, den Namen GOttes nicht lästern noch mißbrauchen, noch uns mit unserm Stillschweigen und Zusehen, solcher schröcklichen Sünden theilhaftig machen. Und in Summa, daß wir den heiligen Namen GOttes anderst nicht, dann mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen, [19]daß Er von uns recht erkennet, angerufen, und in allen unsern Worten und Wercken gepriesen werde.
100
Ist denn mit schweren und fluchen Gottes Namen lestern, so eine schwere sünd, daß Gott auch uber die zürnet, die, souiel an jnen ist, dieselbe nicht helffen wehren und verbieten?

Ja freylicha, Denn keine sünde grösser ist, noch Gott hefftiger erzürnet, denn lesterung seines Namens. Darumb er sie auch mit dem todt zu straffen befohlen hatb.
  • a. Leuit. 5
  • b. Leui. 24
100
Ist dann mit Schwören und Fluchen, GOttes Namen lästern, eine schwere Sünde, daß auch GOtt über die zörnet, die, so viel an ihnen ist, dieselben nicht helfen wehren noch verbieten?

Ja freylich: Dann keine Sünde gröser ist, noch GOtt hefftiger erzürnet, dann Lästerung seines Namens! Darum Er sie auch mit dem Tod zu strafen befohlen hat.
101
Mag man aber auch Gottselig bey dem Namen Gottes einen Eyd schweren?

Ja: Wenn es die Oberkeit von jhren underthanen, oder sonst die noth erfordert, trewe und warheit zu Gottes ehre und des nechsten heil dardurch zuerhalten und zu fürdern. Denn solches eydschwere ist in Gottes wort gegründeta, und derhalben von den Heiligen im alten und newen Testament recht gebrauchet wordenb.
  • a. Deut. 6. et 10. Esai. 48. Heb. 6
  • b. Gen. 21. et 31. Esai. 9. 1 Sam. 24. 2 Sam. 3. 1 Reg. 1. Rom. 1. 2 Cor. 1
101
Mag man aber auch gottseelig bey dem Namen GOttes einen Eyd schwören?

Ja: Wann es die Obrigkeit von ihren Unterthanen, oder sonst die Noth erfordert, Treu und Warheit zu GOttes Ehr, und des Nächsten Heyl dardurch zu erhalten und zu befördern. Dann solches Eydschwören ist in GOttes Wort gegründet, und derhalben von den Heiligen im Alten und Neuen Testament recht gebraucht worden.
102
Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen eyd schweren?

Nein: Denn ein rechtmessiger eyd ist ein anruffung Gottes, daß er als der einig hertzkündiger, der warheit zeugnuß wölle geben, und mich straffen, so ich falsch schwere, welche ehre denn keiner creaturen gebüreta.
  • a. 2 Cor. 1. Mat. 5. Iacob. 5
102
Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen einen Eyd schwören?

Nein: Dann ein rechtmäßiger Eyd ist eine Anrufung Gottes, daß er, als der einige Hertzenkündiger, der Warheit Zeugnus wolle geben, und mich strafen, so ich falsch schwöre, welche Ehre dann keiner Creatur gebühret.
103
Was wil Gott im vierdten Gebot?

[418]Got wil erstlich, daß das Predigampt und schulen erhalten werdena, und ich sonderlich am feiertag zu der gemeine Gottes vleissig komeb, das wort Gottes zu lernenc, die heilige Sacrament zu gebrauchend, den HERRN offentlich anzuruffene, und das Christlich almoß zugebenf. Zum andern, daß ich alle tage meines lebens von meinen bösen wercke feyere, den HERRN durch seinen Geist in mir würcken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem leben anfangeg.
  • a. Tit. 1. 1 Tim. 3. 4. et 5. 1 Cor. 9. 2 Tim. 2. et 3
  • b. Psal. 40. et 68. Act. 3
  • c. 1 Cor. 14
  • d. 1 Cor. 11
  • e. 1 Tim. 2. 1 Cor. 14
  • f. 1 Cor. 16
  • g. Esai. 66
103
Was will GOtt in dem vierdten Gebott?

GOtt will erstlich, daß das Predig-Amt und Schulen erhalten werden, und ich, sonderlich am Feyertage, zu der Gemeine GOttes fleißig komme, das Wort GOttes zu lernen, die heilige Sacramenten zu gebrauchen, den HErrn offentlich anzurufen, und das Christliche Allmosen zu geben. Zum andern, daß ich alle Tage meines Lebens von meinen bösen Wercken feyre, den HErrn durch seinen Geist in mir würcken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem Leben anfange.
104
Was wil Gott im fünfften Gebot?

Daß ich meinem Vater und Mutter, und allen die mir fürgesetzt sein, alle ehre, liebe und trewe beweisen, und mich aller guten lehr und straff, mit gebürlichem gehorsam underwerffena, und auch mit jren gebrechen gedult haben solb, dieweil uns Gott durch jhre hand regieren wilc.
  • a. Ephes. 5. et 6. Coloss. 3. Prou. 1. 4. 15. et 20. Exod. 21. Rom. 13
  • b. Prou. 23. Gen. 9. 1 Pet. 2
  • c. Ephes. 6. Coloss. 3. Rom. 13. Mat. 22
104
Was will GOtt im fünften Gebott?

Daß ich meinem Vatter und Mutter, und allen die mir fürgesetzt seynd, alle Ehre, Lieb und Treu beweisen, und mich aller guten Lehr und Straf, mit gebührlichem Gehorsam unterwerffen, und auch mit ihren Gebrechen Gedult haben soll, dieweil uns GOtt durch ihre Hand regieren will.
105
Was wil Gott im sechsten gebot?

Daß ich meinem nechsten weder mit gedancken, noch mit worten oder geberden, viel weniger mit der that, durch mich selbst oder andere schmehen, hassen, beleidigen, oder tödtena: sonder alle rachgirigkeit ablegenb, auch mich selbst nit beschedigen, oder mutwillig in gefahr begeben solc. Darumb auch die Oberkeit, dem todschlag zu wehren, das Schwert tregtd.
  • a. Matt. 5. et 26. Gen. 9
  • b. Ephes. 4. Rom. 12. Matt. 5. et 18
  • c. Rom. 13. Coloss. 2. Syr. 3. Mat. 4
  • d. Gen. 9. Exo. 21. Mat. 26. Rom. 13
105
Was will GOtt im sechsten Gebott?

Daß ich meinen Nächsten weder mit Gedancken, noch mit Worten oder Geberden, viel weniger mit der That, durch mich selbst oder andere, schmähen, hassen, beleidigen oder tödten, sondern alle Rachgierigkeit ablegen, auch mich selbst [20]nicht beschädigen, oder muthwillig in Gefahr begeben soll. Darum auch die Obrigkeit, den Todtschlag zu wehren, das Schwerdt trägt.
106
Redet doch diß gebot allein von tödten?

Es wil uns aber Gott durch verbietung des Todtschlags lehren, daß er die wurtzel des todtschlags, als neida, haßb, zornc, Rachgirigkeit, hasset, und daß solches alles für jhm ein heimlicher todtschlag seyd.
  • a. Rom. 1
  • b. 1 Ioh. 2
  • c. Iac. 2. Galat. 5
  • d. 1 Ioh. 3
106
Redet doch diß Gebott allein vom Tödten.

Es will uns aber GOTT durch Verbietung des Todschlags, lehren, daß er die Wurtzel des Todtschlags, als Neid, Haß, Zorn, Rachgierigkeit, hasset, und daß solches alles für ihm ein heimlicher Todtschlag sey.
107
Ists aber damit gnug, daß wir unsern nechsten, wie gemelt, nit tödten?

[419]Nein. Denn in dem Gott neid, haß und zorn verdampt: wil er von uns haben, daß wir unsern nechsten lieben als uns selbsta, gegen jhm gedult, friede, sanfftmuthb, barmhertzigkeitc und freundligkeit erzeigend, seinen schaden, souiel uns möglich, abwendene, und auch unsern feinden guts thunf.
  • a. Matt. 7. et 22
  • b. Ephes. 4. Galat. 6. Matt. 5. Rom. 12
  • c. Matt. 5. Luc. 6
  • d. Rom. 12
  • e. Exod. 23
  • f. Matt. 5. Rom. 12
107
Ists damit gnug, daß wir unsern Nächsten, wie gemeldet, nicht tödten?

Nein: Dann in dem GOtt Neid, Haß und Zorn verdamt, will er von uns haben, daß wir unsern Nächsten lieben, als uns selbst, gegen ihm Gedult, Friede, Sanftmuth, Barmhertzigkeit, und Freundlichkeit erzeigen, seinen Schaden, so viel uns möglich ist, abwenden, und auch unsern Feinden Guts thun.
108
Was wil das siebende Gebot?

Daß alle unkeuschheit von Gott vermaledeyet seya, und daß wir darumb jhr von hertzen feind sein sollenb, und keusch und züchtig leben sollenc, es sey im heiligen Ehestandt oder ausserhalb desselbend.
  • a. Leuit. 18
  • b. Iudae 1
  • c. 1 Thess. 4
  • d. Heb. 13. 1 Cor. 7
108
Was will das siebende Gebott?

Daß alle Unkeuschheit von GOtt vermaledeyet sey, und daß wir darum ihr von Hertzen feind seyn, und keusch und züchtig leben sollen, es sey im heiligen Ehestand oder ausserhalb desselben.
109
Verbeut Gott in diesem gebot nichts mehr denn Ehebruch und dergleichen schanden?

Dieweil beyde unser leib und seel tempel des heiligen Geists sein, so wil er, daß wir sie beyde sauber und heilig bewaren. Verbeut derhalben alle unkeusche thaten, geberden, worta, gedancken, lustb, und was den menschen darzu reitzen magc.
  • a. Ephes. 5. 1 Cor. 6
  • b. Mat. 5
  • c. Ephes. 5. 1 Cor. 15
109
Verbeut GOtt in diesem Gebott nichts mehr dann Ehebruch und dergleichen Schanden?

Dieweil beyde unser Leib und Seel Tempel des Heiligen Geistes seynd: So will er, daß wir sie beyde sauber und heilig bewahren, verbeut derohalben alle unkeusche Thaten, Geberden, Wort, Gedancken, Lust und was den Menschen darzu reitzen mag.
110
Was verbeut Gott im achten Gebot?

Er verbeut nicht allein den diebstala und raubereyb, welche die Oberkeit strafft: sonder Gott nennet auch diebstal alle böse stück und anschlege, damit wir unsers nechsten gut gedencken an uns zu bringen, es sey mit gewalt oder schein des rechtensc: als unrechtem gewichtd, Ellnmaße, wahre, müntz, wucherf, oder durch einiges mittel, das von Gott verbotten ist: Darzu auch allen geitzg, und unnütze verschwendung seiner gabenh.
  • a. 1 Cor. 6
  • b. 1 Cor. 5
  • c. Luc. 3. 1 Thess. 4
  • d. Prou. 11. et 16
  • e. Eze. 45. Deut. 25
  • f. Psal. 15. Luc. 6
  • g. 1 Cor. 6
  • h. Prou. 5
110
Was verbeut GOtt im achten Gebott?

Er verbeut nicht allein den Diebstahl und Rauberey, welchen die Obrigkeit straft: Sondern GOtt nennet auch Diebstahl, alle böse Stück und Anschläge, damit wir unsers Nächsten Gut gedencken an uns zu bringen, es sey mit Gewalt oder Schein des Rechten: Als unrechtem Gewicht, Ehlen, Maas, Waar, Müntz, Wucher, oder durch einiges Mittel, das von GOtt verbotten ist. Darzu auch allen Geitz und unnütze Verschwendung seiner Gaben.
111
Was gebeut dir aber Gott in diesem Gebot?

Daß ich meines nechsten nutz, wo ich kan und mag, fürdere, gegen [420]jhm also handle, wie ich wolte, daß man mit mir handletea, und trewlich arbeite, auff daß ich dem dürfftigen in seiner noth helffen mögb.
  • a. Mat. 7
  • b. Ephes. 4
111
Was gebeut dir aber GOtt in diesem Gebott?

Daß ich meines Nächsten Nutzen, wo ich kan und mag, fördere, gegen ihm also handele, wie ich wollte, daß man mit mir handelte, und treulich arbeite, auf daß ich dem Dürftigen in seiner Noth helfen möge.
112
Was wil das neund gebot?

Daß ich wider niemand falsche zeugnuß gebea, niemand seine wort verkereb, kein affterreder und lesterer seyec, Niemand unerhört, und leichtlich verdammen helffed: sonder allerley liegen und triegen, als eigene werck des Teufelse, bey schwerem Gotteszorn vermeidef, In gerichts und allen andern handlungen die warheit liebe, auffrichtig sage und bekenneg, auch meines nechsten ehre und glimpff nach meinem vermögen rette und fürdereh.
  • a. Prou. 19. et 21
  • b. Psal. 15
  • c. Rom. 1
  • d. Mat. 7. Luc. 6
  • e. Ioh. 8
  • f. Prou. 12. et 13
  • g. 1 Cor. 13. Ephes. 4
  • h. 1 Pet. 4
112
Was will das neundte Gebott?

Daß ich wider niemand falsch Zeugnuß gebe, niemand sein Wort verkehre, kein Afterreder [21]oder Lästerer sey, niemand unverhöret und leichtlich verdammen helfe, sondern allerley Lügen und Trügen, als eigen Werck des Teuffels, bey schwerem GOttes Zorn vermeide, in Gerichts- und allen andern Handlungen, die Warheit liebe, aufrichtig sage und bekenne, auch meines Nächsten Ehre und Glimpf, nach meinem Vermögen retten und fördern soll.
113
Was wil das zehend Gebot?

Daß auch die geringste lust od. gedancken wider jrgend ein gebot Gottes, in unser hertz nimmermehr komen: sonder wir für und für von gantzem hertzen aller sünde feind sein, und lust zu aller gerechtigkeit haben sollena.
  • a. Rom. 7
113
Was will das zehende Gebott?

Daß auch die geringste Lust oder Gedancken wider irgend ein Gebott GOttes in unser Hertz nimmermehr kommen: Sondern wir für und für, von gantzem Hertzen aller Sünden feind seyn, und Lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen.
114
Können aber die zu Gott bekert sind, solche gebot volkömlich halten?

Nein: sonder es haben auch die aller heiligsten, so lang sie in diesem leben sind, nur einen geringen anfang dieses gehorsamsa: doch also, daß sie mit ernstlichem fürsatz, nicht allein nach etlichen, sonder nach allen geboten Gottes anfangen zu lebenb.
  • a. 1 Ioh. 1. Rom. 7. Eccl. 7
  • b. Rom. 7. Iac. 2
114
Können aber die zu GOtt bekehret sind, solche Gebott vollkömmlich halten?

Nein: Sondern es haben auch die allerheiligsten, so lang sie in diesem Leben sind, nur einen geringen Anfang dieses Gehorsams, doch also, daß sie mit ernstlichem Fürsatz nach allen Gebotten GOttes anfangen zu leben.
115
Warumb lest uns denn Gott also scharff die zehen Gebot predigen, weil sie in diesem leben niemand halten kan?

Erstlich auff daß wir unser gantzes lebenlang unsere sündliche art je lenger je mehr erkennena, und souiel desto begiriger vergebung der sünden und gerechtigkeit in Christo suchenb. Darnach daß wir ohne underlaß uns befleissen, und Gott bitten umb die gnade des heiligen Geists, [421]daß wir je lenger je mehr zu dem ebenbild Gottes ernewert werden, biß wir das ziel der volkommenheit nach diesem leben erreichenc.
  • a. 1 Ioh. 1. Psal. 32
  • b. Rom. 7
  • c. 1 Cor. 9. Phil. 3
115
Warum läst uns dann GOtt also scharf die zehen Gebott predigen, weil sie in diesem Leben niemand halten kan?

Erstlich, auf daß wir unser gantzes Lebenlang unser sündliche Art je länger je mehr erkennen, und so viel desto begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christo suchen. Darnach, daß wir ohn Unterlaß uns befleisen, und GOtt bitten um die Gnade des Heiligen Geistes, daß wir je länger je mehr zu dem Ebenbild Gottes verneuert werden, bis wir das Ziel der Vollkommenheit nach diesem Leben erreichen.
116
Warumb ist den Christen das Gebet nötig?

Darumb, daß es das fürnembste stück der danckbarkeit ist, welche Gott von uns erforderta, Und daß Gott seine gnade und heiligen Geist allein denen wil geben, die jhn mit hertzlichem seufftzen ohne underlaß darumb bitten, und jhm darfür danckenb.
  • a. Psal. 50
  • b. Matt. 7. et 13. Luc. 11
116
Warum ist den Christen das Gebet nöthig?

Darum, daß es das fürnehmste Stück der Danckbarkeit ist, welche GOtt von uns erfordert: Und daß GOtt seine Gnade und Heiligen Geist allein denen will geben, die ihn mit hertzlichen Seuftzen, ohne Unterlaß, darum bitten, und ihm darfür dancken.
117
Was gehöret zu einem solchen gebett das Gott gefalle, und von jhm erhöret werde?

Erstlich daß wir allein den einigen waren Gott, der sich uns in seinem wort hat offenbaret, umb alles das er uns zu bitten befohlen hat, von hertzen anruffena. Zum andern, daß wir unsere noth und elend recht gründlich erkennenb, uns für dem angesicht seiner Maiestet zu demütigenc. Zum dritten, daß wir diesen festen grund habend, daß er unser gebett, unangesehen daß wirs unwirdig seind, doch umb des HERRN Christi willen gewißlich wölle erhörene, wie er uns in seinem wort verheissen hatf.
  • a. Ioh. 4
  • b. Rom. 8. 1 Ioh. 5
  • c. Ioh. 4
  • d. 2 Pa. 20
  • e. Psal. 2. et 34. Esai. 66
  • f. Rom. 10. Iac. 1. Ioh. 14. Dan. 9. Mat. 2. Psal. 143
117
Was gehöret zu einem solchen Gebet, das GOtt gefalle, und von ihm erhöret werde?

Daß wir allein den einigen wahren GOtt, der sich uns in seinem Wort hat geoffenbahret, um alles das er uns zu bitten befohlen hat, von Hertzen anrufen. Zum andern, daß wir unsere Noth und Elend recht gründlich erkennen, uns für dem Angesicht seiner Majestät zu demüthigen, und diesen vesten Grund haben, daß er unser Gebet, unangesehen, [22]daß wirs unwürdig sind, doch um des HErrn Christi willen, gewißlich wolle erhören, wie er uns in seinem Wort verheisen hat.
118
Was hat uns Gott befohlen von jhm zu bitten?

Alle geistliche und leibliche notdurfft, welche der HERR Christus begriffen hat in dem Gebett, das er uns selbst gelehreta.
  • a. Iacob. 1. Mat. 6
118
Was hat uns GOtt befohlen von ihm zu bitten?

Alle geistliche und leibliche Nothdurft, welche der HErr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
119
Wie lautet dasselbe?

Unser Vater der du bist in himeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich kome. Dein wil geschehe, auff erden wie im himmel. Unser teglich brod gib uns heut. Und vergib uns unser schult, als auch wir vergeben [422]unsern schuldigern. Und füre uns nicht in versuchung, sonder erlöse uns vom bösem. Denn dein ist das reich, und die krafft, und die herrligkeit in ewigkeit, Amena.
  • a. Matt. 6. Luc. 11
119
Wie lautet dasselbige?

Unser Vatter, der du bist in den Himmeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Will geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser täglich Brod gib uns heut. Und vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Dann dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen.
120
Warumb hat uns Christus befohlen Gott also anzureden, Unser Vater?

Daß er gleich im anfang unsers gebetts in uns erwecke die kindliche furcht und zuuersicht gegen Gott, welche der grund unsers gebets sol sein: Nemlich, daß Gott unser Vater durch Christum worden sey, und wölle uns viel weniger versagen, warumb wir jhn im glauben bitten, denn unsere Väter uns jrdische ding abschlagena.
  • a. Matt. 7. Luc. 11
120
Warum hat uns Christus befohlen GOtt also anzureden: Unser Vatter.

Daß Er gleich im Anfang unsers Gebets in uns erwecke die kindliche Furcht und Zuversicht gegen GOtt, welche der Grund unsers Gebets soll seyn, nemlich, daß GOtt unser Vatter durch Christum worden sey, und wolle uns vielweniger versagen, warum wir ihn im Glauben bitten, dann unsere Vätter uns irrdische Dinge abschlagen.
121
Warumb wird hinzugethan, Der du bist in himmeln?

Auff daß wir von der himlischen Maiestet Gottes, nichts jrdisch gedenckena, und von seiner allmechtigkeit alle notdurfft leibs und der seelen gewartenb.
  • a. Iere. 23. Act. 17
  • b. Rom. 10
121
Warum wird hinzu gethan: Der du bist im Himmel?

Auf daß wir von der himmlischen Majestät GOttes nichts irrdisches gedencken, und von seiner Allmächtigkeit, alle Nothdurft Leibs und der Seelen erwarten.
122
Was ist die erste Bitt?

Geheiliget werde dein Name, das ist, gib uns erstlich daß wir dich recht erkennena, und dich in allen deinen wercken, in welchen leuchtet deine allmechtigkeit, weißheit, güte, gerechtigkeit, barmhertzigkeit und warheit, heiligen, rhümen und preisenb. Darnach auch daß wir unser gantzes leben, gedancken, wort und werck dahin richten, daß dein Name umb unsert willen nit gelestert, sonder geehret und gepriesen werdec.
  • a. Ioh. 17. Mat. 16. Iac. 1. Psal. 119
  • b. Psal. 119. Rom. 11
  • c. Psal. 71. et 115
122
Was ist die erste Bitt?

Geheiliget werde dein Nahme: Das ist, gib uns erstlich, daß wir dich recht erkennen, und dich in allen deinen Wercken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmhertzigkeit und Warheit, heiligen, rühmen und preisen: Darnach auch daß wir unser gantzes Leben, Gedancken, Wort und Wercke dahin richten, daß dein Nahme um unsertwillen nicht gelästert, sondern gepriesen werde.
123
Was ist die ander Bitt?

Zukom dein Reich, das ist, Regiere uns also durch dein wort und geist, daß wir uns dir je lenger je mehr underwerffena: erhalt und mehre deine kirchenb, und zerstöre die werck des Teuffels, und allen gewalt der sich wider dich erhebt, und alle böse rahtschlege, die wider dein heiliges wort erdacht werdenc, biß die volkommenheit deines Reichs hertzu komed, darin du wirst alles in allem seine. [423]
  • a. Matt. 6. Psal. 119. et 143
  • b. Psal. 51. et 122
  • c. 1 Ioh. 3. Rom. 16
  • d. Apoc. 22. Rom. 8
  • e. 1 Cor. 15
123
Was ist die andere Bitt?

Zukomme dein Reich: Das ist, regiere uns also durch dein Wort und Geist, daß wir uns dir je länger je mehr unterwerfen. Erhalte und mehre deine Kirche, und zerstöre alle Werck des Teuffels, und allen Gewalt, der sich wider dich erhebt, und alle böse Rathschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden, biß die Vollkommenheit deines Reichs herzu komme, darinn du wirst alles in allem seyn.
124
Was ist die dritte Bitt?

Dein Wil geschehe auff erden wie im himmel, das ist, verleihe daß wir und alle menschen unserm eigenen willen absagena, und deinem allein guten willen one alles widersprechen gehorchenb, daß also jederman sein ampt und beruff so willig und trewlich außrichtec, wie die Engel im himmeld.
  • a. Matt. 16. Tit. 2
  • b. Luc. 22
  • c. 1 Cor. 7
  • d. Psal. 103
124
[23]Was ist die dritte Bitt?

Dein Will geschehe auf Erden wie im Himmel: Daß ist, verleihe, daß wir und alle Menschen, unserm eigenen Willen absagen, und deinem allein guten Willen ohn alles Widersprechen gehorchen: Daß also jederman sein Amt und Beruf so willig und treulich ausrichte, wie die Engel im Himmel.
125
Was ist die vierde Bitt?

Gib uns heut unser teglich brod, das ist, wollest uns mit aller leiblichen notdurfft versorgena, auff daß wir dardurch erkennen, daß du der einig vrsprung alles guten bistb, und daß one deinen segen, weder unsere sorgen und arbeit, noch deine gaben uns gedeienc: und wir derhalben unser vertrawen von allen Creaturen abziehen, und allein auff dich setzend.
  • a. Psal. 104. et 145. Matt. 6
  • b. Act. 14. et 17
  • c. 1 Cor. 15. Deut. 8. Psal. 37
  • d. Psal. 55. et 62
125
Was ist die vierdte Bitt?

Gib uns heut unser täglich Brod: Das ist, wollest uns mit aller leiblichen Nothdurft versorgen, auf daß wir dadurch erkennen, daß du der einige Ursprung alles Guten bist, und daß ohne deinen Seegen, weder unsere Sorgen und Arbeit, noch deine Gaben uns gedeyen, und wir derohalben unser Vertrauen von allen Creaturen abziehen, und allein auf dich setzen.
126
Was ist die fünffte Bitt?

Vergib uns unsere schuld, als auch wir vergeben unsern schuldigern, das ist, wollest uns armen sündern alle unsere missethat, auch das böse, so uns noch jmerdar anhenget umb des bluts Christi willen nit zurechnena, wie auch wir diß zeugnuß deiner gnad in uns befinden, daß unser gantzer fürsatz ist, unserm nechsten von hertzen zuuerzeihenb.
  • a. Psal. 51. et 143. 1 Ioh. 2
  • b. Mat. 6
126
Was ist die fünfte Bitt?

Vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unsern Schuldigern: Das ist, wollest uns armen Sündern, alle unsere Missethat, auch das Böse, so uns noch immerdar anhänget, um des Bluts Christi willen nicht zurechnen, wie auch wir diß Zeugnus deiner Gnad in uns befinden, daß unser gantzer Fürsatz ist, unserm Nächsten von Hertzen zu verzeihen.
127
Was ist die sechste Bitt?

Und füre uns nit in versuchüg, sonder erlöse uns vom bösen, das ist, dieweil wir auß uns selbst so schwach sein, daß wir nit einen augenblick bestehen könnena, und darzu unsere abgesagte feind, der Teufelb, die weltc, und unser eigen fleischd, nit auffhören uns anzufechten: so wollest uns erhalten und stercken durch die krafft deines [424]heiligen Geistese, auff daß wir jnen möge feste widerstand thun, und in diesem geistliche streit nit unden ligen, biß daß wir entlich den sieg volkomlich behaltenf.
  • a. Ioh. 15. Psal. 103
  • b. 1 Pet. 5. Ephes. 6
  • c. Ioh. 15
  • d. Rom. 7. Galat. 5
  • e. Mat. 26. Mar. 13
  • f. 1 Thess. 3. et 5
127
Was ist die sechste Bitt?

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen: Das ist, dieweil wir aus uns selbst so schwach sind, daß wir nicht einen Augenblick bestehen können, und darzu unsere abgesagte Feind, der Teuffel, die Welt und unser eigen Fleisch nicht aufhören uns anzufechten: So wollest du uns erhalten und stärcken durch die Kraft deines Heil. Geistes, auf daß wir ihnen mögen vesten Widerstand thun, und in diesem geistlichen Streit nicht unten liegen, bis daß wir endlich den Sieg vollkömmlich behalten.
128
Wie beschleusst du diß Gebet?

Denn dein ist das Reich, die krafft, und die herrligkeit in ewigkeit, das ist, Solchs alles bitten wir darumb von dir, daß du als unser König, und aller ding mechtig, uns alles guts geben wilst, und kansta, und daß dadurch nicht wir, sonder dein heiliger Name ewig sol gepriesen werdenb.
  • a. Rom. 10. 2 Pet. 2
  • b. Ioh. 14. Psal. 115
128
Wie beschleust du dies Gebet?

Dann dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit: Das ist, solches alles bitten wir darum von dir, daß du, als unser König, und aller Ding mächtig, und alles Guts geben willst und kanst, und daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Nahme ewig soll gepriesen werden.
129
Was bedeut das wörtlein, Amen.

Amen heist, das sol war und gewiß sein. Denn mein gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, denn ich in meinem hertzen füle, daß ich solches von jhm begerea.
  • a. 2 Cor. 1. 2 Tim. 2
129
Was heist das Wörtlein Amen?

Amen: Das heist, das soll wahr und gewiß seyn, dann mein Gebet viel gewisser von GOtt erhöret ist, dann ich in meinem Hertzen fühle, daß ich solches von ihm begehre.