Heidelberg Catechism

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Catechismus 3rd ed. 1563 (Collectio Confessionum, Niemeyer, 1840) German
Der Heidelberger Katechismus Wien 1885 German
1
[392]Was ist dein einiger trost in leben und in sterben?

Daß ich mit Leib und Seel, beyde in leben und in sterbena, nicht meinb, sonder meines getrewen Heilands Jesu Christi eigen binc, der mit seinem thewren blutd, für alle meine sünden volkomlich bezalete, und mich auß allem gwalt des Teufels erlöset hatf, und also bewaretg, daß ohne den willen meines Vaters im Himmels, kein haar von meinem haupt kan fallenh, ja auch mir alles zu meiner seligkeit dienen mußi. Darumb er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen lebens versichertk, und jm forthin zu leben von hertzen willig und bereit machtl.
  • a. Rom. 14
  • b. 1 Cor. 6
  • c. 1 Cor. 3
  • d. 1 Pet. 1
  • e. 1 Ioh. 1. et 2
  • f. 1 Ioh. 3
  • g. Ioh. 6
  • h. Matt. 10. Luc. 21
  • i. Rom. 8
  • k. 2 Cor. 1. Ephes. 1. Rom. 8
  • l. Rom. 8
1
[3]Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?

Dass ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben1, nicht mein2, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin3, der mit seinem theuren Blute für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlet4, und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöset hat5, und also bewahret6, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen7, ja auch mir Alles zu meiner Seligkeit dienen muss8. Darum er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens versichert9, und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht10.
  • 1. Röm. 14, 8
  • 2. 1 Cor. 6, 19. 20
  • 3. 1 Cor. 3, 22. 23. Tit. 2, 14
  • 4. 1 Petr. 1, 18. 19. 1 Joh. 1, 7. 1 Joh. 2, 1. 2
  • 5. Hebr. 2, 14. 15. 1 Joh. 3, 8
  • 6. Joh. 6, 39. Joh. 10, 28. 2 Thess. 3, 3. 1 Petr. 1, 5
  • 7. Matth. 10, 30. Luc. 21, 18
  • 8. Röm. 8, 28
  • 9. 2 Cor. 1, 21. 22. 2 Cor. 5, 5. Ephes. 1, 14. Röm. 8, 16
  • 10. Röm. 8, 14. 1 Joh. 3, 3
2
Wieviel stück seind dir nötig zu wissen, daß du in diesem trost seliglich leben und sterben mögest?

Drey stücka. Erstlich, wie groß meine sünde und elend seyen. Zum andern, wie ich von allen meinen sünden und elend erlöset werde. Und zum dritten, wie ich Gott für solche erlösung soll danckbar sein.
  • a. Luc. 24. 1 Cor. 6. Tit. 3
2
Wie viel Stücke sind dir nöthig zu wissen, dass du in diesem Trost seliglich leben und sterben mögest?

Drei Stücke1; erstlich: wie groß meine Sünde und Elend sei2; zum andern: wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöset werde3; und [4]zum dritten: wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein4.
  • 1. Matth. 11, 28. 29. 30. Ephes. 5, 8. 9
  • 2. Röm. 7, 24. Joh. 9, 41. Matth. 9, 12. Röm. 3, 11. 1 Joh. 1, 9. 10
  • 3. Röm. 7, 24. 25
  • 4. Ephes. 5, 9. 10. Col. 3, 17. Ps. 50, 14. Matth. 5, 16. 1 Petr. 2, 9. 10. 11. 12. Röm. 6, 13. 2 Tim. 2, 15
DER ERSTE THEIL. VON DES MENSCHEN ELEND.
DER ERSTE THEIL. VON DES MENSCHEN ELEND.
3
Woher erkennestu dein elend?

[393]Auß dem Gesetz Gottesa.
  • a. Rom. 3
3
Woher erkennest du dein Elend?

Aus dem Gesetze Gottes1.
  • 1. Röm. 3, 20. Röm. 7, 7
4
Was erfordert denn das Göttlich gesetz von uns?

Diß lehret uns Christus in einer summa, Matth. am 22: Du solt lieben Gott deinen Herren, von gantzem hertzen, von gantzer seelen, von gantzem gemüth und allen krefften. Diß ist das fürnembste und das größte Gebot: Das ander aber ist dem gleich, Du solt deinen Nechsten lieben als dich selbs. In diesen zweyen Gebotten hanget das gantze Gesetz und die Propheten.
4
Was erfordert denn das göttliche Gesetz von uns?

Dies lehret uns Christus in einer Summa, Matth. am 22. Kap. V. 37. 38. 39. 40: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüth und allen Kräften. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten1.
  • 1. 5 B. Mos. 6, 5. 3 B. Mos. 19, 18. Marc. 12, 30. 31. Luc. 10, 27
5
Kanstu diß alles volkomlich halten?

Neina: Denn ich bin von Natur geneigt Gott und meinen Nechsten zu hassenb.
  • a. Rom. 3. 1 Ioh. 1
  • b. Rom. 8. Ephes. 2
5
Kannst du dies Alles vollkömmlich halten?

Nein1; denn ich bin von Natur geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen2.
  • 1. Röm. 3, 10—12 und 23. 1 Joh. 1, 8. 10
  • 2. Röm. 8, 7. Ephes. 2, 3. 5. Tit. 3, 3. 1 B. Mos. 6, 5. und 8, 21. Jerem. 17, 9. Röm. 7, 23
6
Hat denn Gott den menschen also böß und verkert erschaffen?

Neina: sonder Gott hat den menschen gut, und nach seinem ebenbild erschaffenb, das ist, in warhafftiger gerechtigkeit und heiligkeit, auff daß er Gott seinen schöpffer recht erkente, und von hertzen liebte, und in ewiger seligkeit mit jm lebte, jm zu loben und zu preisenc.
  • a. Gen. 1
  • b. Gen. 1
  • c. 2 Cor. 3. Coloss. 3. Ephes. 4
6
[5]Hat denn Gott den Menschen also böse und verkehrt erschaffen?

Nein, sondern Gott hat den Menschen gut1 und nach seinem Ebenbild erschaffen2, das ist, in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf dass er Gott, seinen Schöpfer, recht erkennete, und von Herzen liebte, und in ewiger Seligkeit mit ihm lebte, Ihn zu loben und zu preisen3.
  • 1. 1 B. Mos. 1, 31
  • 2. 1 B. Mos. 1, 26. 27
  • 3. Ephes. 4, 24. Col. 3, 10. 2 Cor. 3, 18
7
Woher kompt denn solche verderbte art des menschen?

Auß dem fall und ungehorsam unser ersten Eltern Adams und Even im Paradeisa, da unser Natur also vergifftet worden, daß wir alle in sünden empfangen und geboren werdenb.
  • a. Gen. 3. Rom. 5
  • b. Psal. 51
7
Woher kommt denn solche verderbte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva, im Paradiese1; da unsere Natur also vergiftet worden, dass wir Alle in Sünden empfangen und geboren werden2.
  • 1. 1 B. Mos. 3. Röm. 5, 12. 18. 19
  • 2. Ps. 51, 7. 1 B. Mos. 5, 3
8
Seind wir aber dermassen verderbt, daß wir gantz und gar untüchtig seind zu einigem gutem, und geneigt zu allem bösen?

[394]Jaa: Es sei denn, daß wir durch den Geist Gottes widergeboren werdenb.
  • a. Iohan. 3. Iob. 14. et 15. Esai. 53
  • b. Iohan. 3
8
Sind wir aber dermaßen verderbt, dass wir ganz und gar untüchtig sind zu einigem Guten und geneigt zu allem Bösen?

Ja1; es sei denn, dass wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden2.
  • 1. 1 B. Mos. 8, 21 und 6, 5. Jes. 53, 6. Hiob 14, 4. Joh. 14, 4. und 15, 14. 16. 35. Joh. 3, 6
  • 2. Joh. 3, 3 und 5. 1 Cor. 12, 3. 2 Cor. 3, 5
9
Thut denn Gott dem menschen nicht unrecht, daß er in seinem gesetz von jm fordert, das er nicht kan thun?

Neina: Denn Gott hat den menschen also erschaffen, daß er es kondte thun: der Mensch aber hat sich und alle seine nachkommen, auß anstifftung des Teufels, durch mutwilligen ungehorsam derselbigen gaben beraubt.
  • a. Ephes. 4
9
Thut denn Gott dem Menschen nicht unrecht, dass er in seinem Gesetz von ihm fordert, das er nicht thun kann?

Nein; denn Gott hat den Menschen also erschaffen, dass er es konnte thun1, der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen aus Anstiftung des Teufels2, durch muthwilligen Ungehorsam3, derselbigen Gaben beraubet4.
  • 1. Ephes. 4, 24
  • 2. 1 B. Mos. 3, 13. 1 Tim. 2, 14
  • 3. 1 B. Mos. 3, 6
  • 4. 1 B. Mos. 3, 7. Röm. 5, 12
10
Wil Gott solchen ungehorsam und abfall ungestrafft lassen hingehen?

Mit nichtena: sonder er zürnet schrecklich, beyde uber angeborne und würckliche sünden, und wil sie auß gerechtem urtheil zeitlich und ewig straffen, wie er gesprochen hat: Verflucht sey jederman, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet in dem buch des Gesetzes, daß ers thueb.
  • a. Rom. 5. Heb. 9
  • b. Deut. 27. Gal. 3
10
[6]Will Gott solchen Ungehorsam und Abfall ungestraft lassen hingehen?

Mit nichten1, sondern er zürnet schrecklich, beide über angeborne und wirkliche Sünden, und will sie aus gerechtem Urtheil zeitlich und ewig strafen2, wie er gesprochen hat: Verflucht sei Jedermann, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet im Buch des Gesetzes, dass er's thue3.
  • 1. 1 B. Mos. 2, 17. Röm. 5, 12
  • 2. Ps. 50, 21 und 5, 6. Nahum 1, 2. 2 B. Mos. 20, 5. und 34, 7. Röm. 1, 18. Ephes. 5, 6
  • 3. Gal. 3, 10. 5 B. Mos. 27, 26
11
Ist denn Gott nicht auch barmhertzig?

Gott ist wol barmhertziga, er ist aber auch gerechtb, derhalben erfordert seine gerechtigkeit, daß die sünde, welche wider die allerhöchste maiestet Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, der ewigen straff an leib und seel gestrafft werde.
  • a. Exo. 34
  • b. Exo. 20. Psal. 5. 2 Cor. 6
11
Ist denn Gott nicht auch barmherzig?

Gott ist wohl barmherzig1, er ist aber auch gerecht2. Derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, dass die Sünde, welche wider die allerhöchste Majestät Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, mit der ewigen Strafe an Leib und Seele gestraft werde.
  • 1. 2 B. Mos. 34, 6. 7. und 20, 6
  • 2. Ps. 5, 5. 6. 2 B. Mos. 20, 5. 23, 7. und 34, 7. Nah. 1, 2. 3
DER ANDER THEIL. VON DES MENSCHEN ERLÖSUNG.
DER ANDERE THEIL. VON DES MENSCHEN ERLÖSUNG.
12
Dieweil wir denn nach dem gerechten urtheil Gottes zeitliche und ewige straff verdient haben: wie möchten wir dieser straff entgehen, und widerumb zu gnaden kommen?

[395]Gott wil daß seiner gerechtigkeit genug geschehea, derwegen müssen wir derselben entweder durch uns selbst, oder durch einen andern volkomene bezalung thunb.
  • a. Exo. 20. et 23
  • b. Rom. 8
12
Dieweil wir denn nach dem gerechten Urtheil Gottes zeitliche und ewige Strafe verdient haben: wie mögen wir dieser Strafe entgehen und wiederum zu Gnaden kommen?

Gott will, dass seiner Gerechtigkeit genug geschehe1; derwegen müssen wir derselben entweder durch uns [7]selbst, oder durch einen Andern vollkommene Bezahlung thun2.
  • 1. 1 B. Mos. 2, 17. 2 B. Mos. 23, 7. Ezech. 18, 4. Matth. 5, 26. 2 Thess. 1, 6. Luc. 16, 2
  • 2. Röm. 8, 3
13
Können wir aber durch uns selbst bezalung thun?

Mit nichte: sonder wir machen auch die schuldt noch teglich grössera.
  • a. Iob. 5. et 15. Matt. 6
13
Können wir aber durch uns selbst Bezahlung thun?

Mit nichten, sondern wir machen auch die Schuld noch täglich größer1.
  • 1. Hiob 9, 1. 2., 15, 15. 16 und 4, 18. Ps. 130, 3. Matth. 6, 12. und 18, 25. 16, 26
14
Kan aber jrgendt eine blosse Creatur für uns bezalen?

Keine: Denn erstlich wil Gott an keiner andern Creatur straffen, das der mensch verschuldet hata. Zum andern, so kan auch keine blosse Creatur den last des ewigen zorns Gottes wider die sünde ertragen, und andere daruon erlösenb.
  • a. Heb. 2
  • b. Psal. 138
14
Kann aber irgend eine andere oder bloße Kreatur für uns bezahlen?

Keine; denn erstlich: will Gott an keiner andern Kreatur strafen, was der Mensch verschuldet hat1. Zum andern: so kann auch keine bloße Kreatur die Last des ewigen Zorns Gottes wider die Sünde ertragen und andere davon erlösen2.
  • 1. Ezech. 18, 4. 1 B. Mos. 2, 17
  • 2. Nahum 1, 6. Ps. 130, 3
15
Was müssen wir denn für ein Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein warera, und gerechter menschb, und doch sterker denn alle Creaturen, das ist, zugleich warer Gott seyc.
  • a. 1 Cor. 15
  • b. Iere. 33. Psal. 53. 2 Cor. 5. Heb. 7
  • c. Esai. 7. Rom. 8. Iere. 23
15
Was müssen wir denn für einen Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein wahrer1 und gerechter Mensch2, und doch stärker, denn alle Kreaturen, das ist, zugleich wahrer Gott sei3.
  • 1. 1 Cor. 15, 21
  • 2. Hebr. 7, 26
  • 3. Jes. 7, 14 und 9, 6. Jerem. 23, 6. Luc. 11, 22
16
Warumb muß er ein warer und gerechter mensch sein?

Darumb, daß die gerechtigkeit Gottes erfordert, daß die menschliche natur, die gesündiget hat, für die sünde bezalea: und aber einer, der selbst ein sünder were, nicht köndte für andere bezalenb.
  • a. Rom. 5
  • b. 1 Pet. 3. Esai. 53
16
Warum musste er ein wahrer und gerechter Mensch sein?

Darum, dass die Gerechtigkeit Gottes erfordert, dass die menschliche Natur, die gesündigt hat, für die Sünde bezahle1; und aber Einer, der selbst ein Sünder wäre, nicht könnte für andere bezahlen2.
  • 1. Ezech. 18, 4. 20. Röm. 5, 18. 1 Cor. 15, 21. Hebr. 2, 14. 15. 16
  • 2. Hebr. 7, 26. 27. Ps. 49, 8. 9. 1 Petr. 3, 18
17
Warumb muß er zugleich warer Gott sein?

Daß er auß krafft seiner Gottheit, den last des zorns Gottes, an [396]seiner menschheit ertragena, und uns die gerechtigkeit, und daß leben erwerbenb, und widergeben möchtec.
  • a. Esai. 53. Act. 2. 1 Petr. 3
  • b. Ioh. 3. Act. 20
  • c. Iohan. 1
17
[8]Warum musste er zugleich wahrer Gott sein?

Dass er aus Kraft seiner Gottheit die Last des Zornes Gottes an seiner Menschheit ertragen1, und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben möchte2.
  • 1. Jes. 53, 8. Apost. Gesch. 2, 24. 1 Petr. 3, 18
  • 2. 1 Joh. 4, 9. 10. Joh. 3, 16. Apost. Gesch. 20, 28
18
Wer ist aber derselbe mittler, der zugleich warer Gott, und ein warer gerechter mensch ist?

Unser Herr Jesus Christusa, der uns zur vollkomenen erlösung und gerechtigkeit geschenckt istb.
  • a. Matt. 1. 1 Tim. 3. Luc. 2
  • b. 1 Cor. 1
18
Wer ist aber derselbe Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer gerechter Mensch ist?

Unser Herr Jesu Christus1, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist2.
  • 1. Matth. 1, 21. 1 Tim. 2, 5. 6. Luc. 2, 11
  • 2. 1 Cor. 1, 30
19
Woher weistu das?

Auß dem heiligen Euangelio, welchs Gott selbst anfenglich im Paradeisa hat offenbaret: folgends durch die heilige Ertzueterb und Propheten lassen verkündigen, und durch die opffer und andere ceremonien des gesetzes fürgebildetc, Endlich aber durch seinen eingeliebten Son erfülletd.
  • a. Gen. 3
  • b. Gen. 22. et 49. Rom. 1. Heb. 1. Act. 3. et 10
  • c. Ioh. 5. Heb. 10
  • d. Rom. 10. Gala. 4
19
Woher weißt du das?

Aus dem heiligen Evangelio, welches Gott selbst anfänglich im Paradies hat geoffenbaret1, folgends durch die heiligen Erzväter2 und Propheten3 lassen verkündigen, und durch die Opfer und andere Ceremonien des Gesetzes vorgebildet4, endlich aber durch seinen eingeliebten Sohn erfüllet5.
  • 1. 1 B. Mos. 3, 15
  • 2. 1 B. Mos. 22, 18. 12, 3 und 49, 10
  • 3. Jes. 53, 42, 1. 2. 3. 4. 43, 25. und 49, 5. 6. 22. 23. Jer. 23, 5. 6. 31, 32. 33. und 32, 39. 40. 41. Mich. 7, 18. 19. 20. etc. Apost. Gesch. 10, 43. Röm. 1, 2. Hebr. 1, 1. Apost. Gesch. 3, 22. 23. 24
  • 4. Hebr. 10, 1. Col. 2, 17. Hebr. 10, 7. Joh. 5, 46
  • 5. Röm. 10, 4. Gal. 4, 4. und 3, 24. Col. 2, 17
20
Werden denn alle menschen widerumb durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein: sonder allein diejenigen, die durch waren glauben jm werden eingeleibet, und alle seine wohlthaten annemena.
  • a. Ioh. 1. Isai. 53. Psal. 2. Rom. 11. Heb. 4. et 10
20
Werden denn alle Menschen wiederum durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein1, sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben Ihm werden eingeleibet und alle seine Wohlthaten annehmen2.
  • 1. Matth. 7, 13. 14. und 22, 14
  • 2. Marc. 16, 16. Joh. 1, 12. und 3, 16. 18. 36. Jes. 53, 11. Ps. 2, 12. Röm. 11, 20. 23. und 3, 22. Hebr. 4, 3. 5. 9. 10, 38. und 11, 6
21
Was ist warer glaub?

Es ist nicht allein ein gewisse erkantnuß, dardurch ich alles für war halte, was uns Gott in seinem wort hat offenbareta: sonder auch ein hertzliches vertrawen, welches der heilige Geist [397]durchs Euangelium in mir würcketb, daß nicht allein andern, sonder auch mir vergebung der Sünden, ewige gerechtigkeit und seligkeit von Gott geschenckt seic, auß lauter gnaden, allein umb des verdiensts Christi willend.
  • a. Heb. 11. Iacob. 2
  • b. Rom. 5. et 10
  • c. 2 Cor. 4. Ephes. 2
  • d. Rom. 1. Heb. 2. Ephes. 2. Rom. 3
21
[9]Was ist wahrer Glaube?

Es ist nicht allein eine gewisse Erkenntnis, dadurch ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort hat geoffenbaret1, sondern auch ein herzliches Vertrauen2, welches der heilige Geist3 durch's Evangelium in mir wirket4, dass nicht allein Andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt sei5, aus lauter Gnaden, allein um des Verdienstes Christi willen6.
  • 1. Jac. 2, 19
  • 2. Hebr. 11, 1. und 11, 7. Röm. 4, 18. 19. 20. 21. und 10, 10. Ephes. 3, 12. Hebr. 4, 16. Jac. 1, 6
  • 3. Gal. 5, 22. Matth. 16, 17. 2 Cor. 4, 13. Joh. 6, 29. Ephes. 2, 8. Phil. 1, 19. Apost. Gesch. 16, 14
  • 4. Röm. 1, 16. und 10, 17. 1 Cor. 1, 21. Apost. Gesch. 10, 44. und 16, 14
  • 5. Röm. 3, 24. Habac. 2, 4. Röm. 1, 17. Gal. 3, 11. Hebr. 10, 38. Röm. 5, 1. Gal. 2, 16
  • 6. Ephes. 2, 8. Röm. 3, 24. und 5, 19. Luc. 1, 77. 78
22
Was ist aber einem Christen noth zu glauben?

Alles was uns im Euangelio verheissen wirt, welchs uns die Artickel unsers algemeinen ungezweiffelten Christlichen Glaubens in einer summa lehrena.
  • a. Ioh. 20. Matt. 28
22
Was ist aber einem Christen noth zu glauben?

Alles, was uns im Evangelio verheißen wird1, welches uns die Artikel unsers allgemeinen, ungezweifelten, christlichen Glaubens in einer Summe lehren.
  • 1. Joh. 20, 31. Matth. 28, 20. Marc. 1, 15
23
Wie lauten dieselben?

Ich glaub in Gott Vater, den allmechtigen, Schöpffer himmels und der erden. Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Son unsern HERRN, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren auß Maria der Jungfrawen, gelitten under Pontio Pilato, gecreutziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hellen, am dritten tage widerauffgestanden von den todten, auffgefaren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes des allmechtigen Vaters, von dannen er komen wird, zu richten die lebendigen und die todten. Ich glaub in den heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die gemeinschafft der Heiligen, vergebung der sünden, aufferstehung des fleisches und ein ewigs leben.
23
Wie lauten dieselbigen?

Ich glaube in Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde. Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten hat unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am [10]dritten Tage wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube in den heiligen Geist, eine heilige, allgemeine, christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.
24
Wie werden diese Artickel abgetheilt?

In drey theil. Der erste ist von Gott dem Vater, und unser erschöpffung. Der ander von Gott dem Son, und unser erlösung. Der dritt von Gott dem heiligen Geist, und unser Heiligung.
24
Wie werden diese Artikel abgetheilt?

In drei Theile: Der erste ist von Gott dem Vater und unserer Erschaffung, der andere von Gott dem Sohn und unserer Erlösung, der dritte von Gott dem heiligen Geist und unserer Heiligung.
25
Dieweil nur ein einig Göttlich wesen ist: warumb nennestu drey, den Vater, Son und heiligen Geist?

Darumb daß sich Gott also in seinem wort geoffenbaret hata, daß diese drey underschiedliche Personen, der einig wahrhafftig ewig Gott seind.
  • a. Deut. 6. Esai. 61. Psal. 10. Matt. 3. et 28. 1 Ioh. 5
25
Dieweil nur ein einig göttlich Wesen ist1, warum nennest du drei, den Vater, Sohn und heiligen Geist?

Darum, dass sich Gott also in seinem Wort geoffenbaret hat2, dass diese drei unterschiedliche Personen der einige, wahrhaftige, ewige Gott sind.
  • 1. 5 B. Mos. 6, 4. Ephes. 4, 6. Jes. 44, 6. und 45, 5. 1 Cor. 8, 4. 6
  • 2. Jes. 61. 1. Luc. 4, 18. 1 B. Mos. 1, 2. 3. Ps. 33, 6. Jes. 48, 16. Matth. 3, 16. 17. und 28, 19. 1 Joh. 5, 7. Jes. 6, 1. 3. 10. Joh. 12, 40. Apost. Gesch. 28, 26. Joh. 14, 26. 2 Cor. 13, 13. Gal. 4, 6. Ephes. 2, 18. Tit. 3, 5. 6
26
[398]Was glaubestu, wenn du sprichst, Ich glaub in Gott Vater, den allmechtigen, Schöpffer himels und der erden?

Daß der ewig Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erden sampt allem, was drinnen ist, auß nichts erschaffena, auch dieselbigen noch durch seinen ewigen rhat und fürsehung erhelt und regieretb: umb seines Sons Christi willen, mein Gott und mein Vater seyc, auff welchen ich also vertrawe, daß ich nicht zweiffel, er werde mich mit aller notdurfft leibs und der seelen versorgend, auch alles ubel, so er mir in diesem jamerthal zuschicket, mir zu gut wendene: dieweil ers thun kan, als ein almechtiger Gottf: und auch thun wil als ein getrewer Vaterg.
  • a. Gen. 1. Psal. 33
  • b. Psal. 104. Matt. 10. Heb. 1. Psal. 115
  • c. Ioh. 1. Rom. 8. Gal. 4. Ephes. 1
  • d. Psal. 55. Matt. 6. Luc. 12
  • e. Rom. 8
  • f. Rom. 10
  • g. Matt. 6. et 7
26
Was glaubst du, wenn du sprichst: Ich glaube in Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden?

Dass der ewige Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erde sammt allem, was darinnen ist, aus Nichts erschaffen1, auch dieselbigen noch [11]durch seinen ewigen Rath und Vorsehung erhält und regieret2, um seines Sohnes Christi willen, mein Gott und mein Vater sei3, auf welchen ich also vertraue, dass ich nicht zweifele, er werde mich mit aller Nothdurft des Leibes und der Seele versorgen4, auch alles Uebel, so er mir in diesem Jammerthal zuschicket, mir zu gut wenden5, dieweil Er es thun kann als ein allmächtiger Gott6, und auch thun will als ein getreuer Vater7.
  • 1. 1 B. Mos. Cap. 1 und 2. 2 B. Mos. 20. 11. Hiob. 33, 4. und Cap. 38 und 39. Apost. Gesch. 4, 24. und 14, 15. Ps. 33, 6. Jes. 45, 7
  • 2. Hebr. 1, 3. Ps. 104, 2. 3. und 115, 3. Matth. 10, 29. Ephes. 1, 11
  • 3. Joh. 1, 12. Röm. 8, 15. Gal. 4, 5. 6. 7. Ephes. 1, 5
  • 4. Ps. 55, 23. Matth. 6, 26. Luc. 12, 22
  • 5. Röm. 8, 28
  • 6. Jes. 46, 4. Röm. 10, 12. und 8, 38. 39
  • 7. Matth. 6, 32. 33. und 7, 9—11
27
Was verstehestu durch die fürsehung Gottes?

Die allmechtige und gegenwertige krafft Gottesa, durch welche er himmel und erde, sampt allen Creaturen, gleich als mit seiner hand noch erheltb, und also regiert, daß laub und graß, regen und dürre, fruchtbare und unfruchtbare jar, essen und trinckenc, gesundheit und kranckheitd, reichthumb und armuthe, und alles, nicht ohne gefehr, sonder von seiner väterlichen hand uns zukomme.
  • a. Act. 17
  • b. Heb. 1
  • c. Iere. 5. Act. 14
  • d. Ioh. 9
  • e. Prou. 22
27
Was verstehst du durch die Vorsehung Gottes?

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes1, durch welche er Himmel und Erde, sammt allen Kreaturen, gleich als mit seiner Hand noch erhält2 und also regieret, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken3, Gesundheit und Krankheit4, Reichthum und Armuth5, und Alles nicht ungefähr, sondern von seiner väterlichen Hand uns zukomme6.
  • 1. Apost. Gesch. 17, 25. 27. Jer. 23, 23. 24. Jes. 29, 15. 16. Ezech. 8, 12
  • 2. Hebr. 1, 3
  • 3. Jer. 5, 24. Apost. Gesch. 14, 17
  • 4. Joh. 9, 3
  • 5. Sprüche Salomo 22, 2
  • 6. Matth. 10, 29. 30
28
Was für nutz bekommen wir auß erkantnuß der schöpffung und fürsehung Gottes?

Daß wir in aller widerwertigkeit gedultiga, in glückseligkeit danckbarb, und auffs zukünfftig guter zuuersicht zu unserm getrewen Gott und Vater sein sollenc, daß uns keine Creatur von seiner liebe scheiden wirdd, dieweil alle Creature also in seiner hand sind, daß sie sich one seinen willen auch nicht regen noch bewegen könnene.
  • a. Rom. 5. Iacob. 1. Iob. 1
  • b. Deut. 8. 1 Thess. 5
  • c. Rom. 5
  • d. Rom. 8
  • e. Iob. 1. Act. 17. Prou. 21
28
Was für Nutzen bekommen wir aus der Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes?

Dass wir in aller Widerwärtigkeit geduldig1, in Glückseligkeit dankbar2, und auf's Zukünftige [12]guter Zuversicht zu unserm getreuen Gott und Vater sein sollen3, dass uns keine Kreatur von seiner Liebe scheiden wird4, dieweil alle Kreaturen also in seiner Hand sind, dass sie sich ohne seinen Willen auch nicht regen noch bewegen können5.
  • 1. Röm. 5, 3. Jacob. 1, 2. 3. Ps. 39, 10. Hiob 1, 21
  • 2. 1 Thess. 5, 18. 5 B. Mos. 8, 10
  • 3. Ps. 55, 23. Röm. 5, 4
  • 4. Röm. 8, 38. 39
  • 5. Hiob 1, 12. und 2, 6. Spr. Sal. 21, 1. Apost. Gesch. 17, 26—28
29
Warumb wirdt der Son Gottes Jesus, das ist, seligmacher genant?

[399]Darumb daß er uns selig macht von unsern sündena, und daß bey keinem andern einige seligkeit zu suchen noch zu finden istb.
  • a. Matt. 1
  • b. Act. 4
29
Warum wird der Sohn Gottes JESUS, das ist Seligmacher, genannt?

Darum, dass er uns selig macht von unsern Sünden1, und dass bei keinem Andern einige Seligkeit weder zu suchen, noch zu finden ist2.
  • 1. Matth. 1, 21. Hebr. 7, 25
  • 2. Apost. Gesch. 4, 12. Joh. 15, 4. 5. 1 Tim. 2, 5. Jes. 43, 11. 1 Joh. 5, 11. 12
30
Glauben denn die auch an den einigen seligmacher Jesum, die jre seligkeit und heil bey heiligen, bei jnen selbst, oder anderstwo suchen?

Nein: sonder sie verleugnen mit der that den einigen Seligmacher und Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rhümena. Denn entweder Jesus nit ein volkommener Heiland sein muß: oder die diesen Heiland mit warem glauben annemen, müssen alles in jm haben, das zu jrer seligkeit vonnöten istb.
  • a. 1 Cor. 1. Gala. 3
  • b. Esai. 9. Col. 1. 2. Ioh. 1
30
Glauben denn die auch an den einigen Seligmacher Jesum, die ihre Seligkeit und Heil bei Heiligen, bei sich selbst, oder anderswo suchen?

Nein, sondern sie verleugnen mit der That den einigen Seligmacher und Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rühmen1; denn entweder Jesus nicht ein vollkommener Heiland sein muss, oder die diesen Heiland mit wahrem Glauben annehmen, müssen Alles in ihm haben, das zu ihrer Seligkeit vonnöthen ist2.
  • 1. 1 Cor. 1, 13. u. 1, 30. 31. Gal. 5, 4
  • 2. Hebr. 12, 2. Jes. 9, 6. Joh. 1, 16. 1 Joh. 1, 7
31
Warumb ist er Christus, das ist, ein gesalbter genant?

Daß er von Gott dem Vater verordnet, und mit dem heiligen Geist gesalbet ist, zu unserm obersten Propheten und Lehrera, der uns den heimlichen rhat und willen Gottes von unser erlösung volkomlich offenbaretb: Und zu unserem einigen hohen Priesterc, der uns mit dem einigen opffer seines leibs erlöset hat, und jmerdar mit seiner fürbit für dem Vater vertrit: Und zu unserm ewigen Königd, der uns mit seinem wort und Geist regiert, und bey der erworbenen erlösung schützet und erhelt.
  • a. Hebr. 1
  • b. Psal. 110. Hebr. 7. Rom. 8
  • c. Psa. 2. Luc. 1
  • d. Rom. 5. Matt. 28
31
Warum ist er Christus, das ist ein Gesalbter, genannt?

Dass er von Gott dem Vater verordnet, und mit dem heiligen Geist gesalbet ist1 zu unserm obersten Propheten und Lehrer2, der uns den heimlichen Rath [13]und Willen Gottes von unserer Erlösung vollkömmlich offenbaret3; und zu unserm einigen Hohenpriester4, der uns mit dem einigen Opfer seines Leibes erlöset hat5, und immerdar mit seiner Fürbitte vor dem Vater vertritt6; und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regieret, und bei der erworbenen Erlösung schützet und erhält7.
  • 1. Ps. 45, 8. Hebr. 1, 9. Jes. 61, 1. 2. Luc. 4, 18. 19
  • 2. 5 B. Mos. 18, 15. Apost. Gesch. 3, 22. und 7, 37
  • 3. Joh. 1, 18. und 15, 15
  • 4. Ps. 110, 4. Hebr. 7, 21
  • 5. Hebr. 10, 14., 10, 12 und 9, 12. 14. 28
  • 6. Röm. 8, 34. Hebr. 9, 24. 1 Joh. 2, 1. Röm. 5, 9. 10
  • 7. Ps. 2, 6. Zach. 9, 9. Matth. 21, 5. Luc. 1, 33. Matth. 28, 18. Joh. 10. 28. Offenb. Joh. 19, 12. 16
32
Warumb wirst aber du ein Christ genent?

Daß ich durch den glauben ein glied Christia und also seiner salbung theilhafftig binb, auff daß auch ich seinen Namen bekennec, mich jm zu einem lebendigen danckopffer darstelled, und mit freyem gewissen in diesem leben wider die sünde und Teufel streitee, und hernach in ewigkeit mit jm uber alle Creaturen herschef.
  • a. Act. 11. 1 Ioh. 2
  • b. Act. 2. Ioel. 2. Mar. 8
  • c. Rom. 12. Apoc. 5
  • d. Rom. 6. Apoc. 1
32
Warum wirst du aber ein Christ genannt?

Dass ich durch den Glauben ein Glied Christi1, und also seiner Salbung theilhaftig bin2, auf dass auch ich seinen Namen bekenne3, mich ihm zu einem lebendigen Dankopfer darstelle4, und mit freiem Gewissen in diesem Leben wider die Sünde und Teufel streite5, und darnach in Ewigkeit mit ihm über alle Kreaturen herrsche6.
  • 1. 1 Cor. 6, 15
  • 2. 1 Joh. 2, 27. Joel 3, 1. Apost. Gesch. 2, 17
  • 3. Matth. 10, 32. Röm. 10, 10
  • 4. Röm. 12, 1. 1 Petr. 2, 5. 9. Offenb. Joh. 1, 6. und 5, 8—10
  • 5. 1 Petr. 2, 11. Röm. 6, 12. 13. Gal. 5, 16. 17. Ephes. 6, 11. 1 Tim. 18, 19
  • 6. 2 Tim. 2, 12. Matth. 25, 34
33
Warumb heist er Gottes eingeborner Son, so doch wir auch kinder Gottes sind?

[400]Darumb daß Christus allein der ewig natürlich Son Gottes ista: wir aber umb seinet wille auß gnaden zu kindern Gottes angenommen sindb.
  • a. Ioh. 1. Heb. 1
  • b. Rom. 8. Ephes. 1
33
Warum heißt er Gottes eingeborner Sohn, so doch wir auch Kinder Gottes sind?

Darum, dass Christus allein der ewige natürliche Sohn Gottes ist1; wir aber um seinetwillen aus Gnaden zu Kindern Gottes angenommen sind2.
  • 1. Joh. 1, 14. Hebr. 1, 1. 2. Joh. 3, 16. 1 Joh. 4, 9. Röm. 8, 32
  • 2. Röm. 8, 16. Joh. 1, 12. Gal. 4, 6. Ephes. 1, 5. 6
34
Warumb nennestu jn unsern Herrn?

Daß er uns mit leib und seel von der sünden, und auß allem gewalt des Teufels, nicht mit golt oder silber, sonder mit seinem thewern Blut, jhm zum eigenthumb erlöset und erkaufft hata.
  • a. 1 Pet. 1. et 2. 1 Cor. 6
34
[14]Warum nennest du ihn unsern Herrn?

Dass er uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem theuren Blut sich zum Eigenthum erlöset und erkaufet hat1.
  • 1. 1 Petr. 1, 18. 19. und 2, 9. 1 Cor. 6, 20. 1 Tim. 2, 6. Joh 20, 28
35
Was heist, daß er empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren auß Maria der Jungfrawen?

Daß der ewige Son Gottes, der warer und ewiger Gott ista und bleibetb, ware menschliche natur, auß dem fleisch und blut der Jungfrawen Mariac, durch würckung des heiligen Geists an sich genomen hatd, auff daß er auch der ware samen Davids seye, seinen brüdern in allem gleichf, außgenommen die sündeg.
  • a. Ioh. 1. Rom. 1
  • b. Rom. 9. Gal. 4
  • c. Iohan. 1
  • d. Matt. 1. Luc. 1. Ephes. 1
  • e. Psal. 132. Rom. 1
  • f. Phil. 2
  • g. Heb. 4
35
Was heißt, dass er empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau?

Dass der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist1 und bleibet2, wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria3, durch Wirkung des heiligen Geistes an sich genommen hat4, auf dass er auch der wahre Same Davids sei5, seinen Brüder in Allem gleich, ausgenommen die Sünde6.
  • 1. 1 Joh. 5, 20. Joh. 1, 1. Röm. 1, 3. 4. Joh. 17, 3. Col. 1, 15
  • 2. Röm. 9, 5
  • 3. Gal. 4. 4. Luc. 1, 31. 42. 43
  • 4. Matth. 1, 20. Luc. 1, 35
  • 5. Röm. 1, 3. Ps. 132, 11. 2 Sam. 7, 12. Luc. 1, 32. Apost. Gesch. 2, 30
  • 6. Phil. 2, 7. Hebr. 2, 14. 17. Hebr. 4, 15
36
Was nutz bekomestu auß der heiligen empfengnuß und geburt Christi?

Daß er unser mittler ist, und mit seiner unschuld und volkommenen heiligkeit meine sünde, darin ich bin empfangen, für Gottes angesicht bedecketa.
  • a. Psal. 32. 1 Cor. 1
36
Was für Nutzen bekommst du aus der heiligen Empfängnis und Geburt Christi?

Dass er unser Mittler ist1 und mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, darin ich bin empfangen, vor Gottes Angesicht bedecket2.
  • 1. Hebr. 7, 26. 27. Jerem. 23, 5
  • 2. 1 Petr. 1, 18. 19. 1 Cor. 1, 30. 31. 1 Petr. 3, 18. Röm. 8, 3. 4. Jes. 53, 11. Ps. 32, 1
37
Was verstehestu durch das wörtlein gelitten?

Daß er an leib und seel, die gantze zeit seines lebens auff erden, sonderlich aber am ende desselben, den zorn Gottes wider die sünde des gantzen menschlichen geschlechts getragen hata, auff daß er mit seinem leiden, als mit dem einigen Sönopfferb, unser leib und seel von der ewigen verdamnuß erlösete, und uns Gottes gnade, gerechtigkeit und ewiges leben erwürbe.
  • a. 1 Pet. 2. Esai. 53
  • b. 1 Ioh. 2. et 4. Rom. 3
37
Was verstehst du durch das Wörtlein gelitten?

Dass er an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, sonderlich aber am Ende desselben, [15]den Zorn Gottes wider die Sünde des ganzen menschlichen Geschlechts getragen hat1, auf dass er mit seinem Leiden, als mit dem einzigen Sühnopfer2, unsern Leib und Seele von der ewigen Verdammnis erlösete3, und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbe4.
  • 1. Jes. 53, 5. 1 Petr. 2, 24. und 3, 18. 1 Tim. 2, 6
  • 2. Jes. 53, 10. Ephes. 5, 2. 1 Cor. 5, 7. 1 Joh. 2, 2. Röm. 3, 25. Hebr. 9, 28. und 10, 14
  • 3. Gal. 3, 13. Col. 1, 13. Hebr. 9, 12. 1 Petr. 1, 18. 19
  • 4. Röm. 3, 25. 2 Cor. 5, 21. Joh. 3, 16. und 6, 51. Hebr. 9, 15. und 10, 19
38
[401]Warumb hat er under dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auff daß er unschuldig under dem weltlichen Richter verdamt würdea, und uns damit von dem strengen urtheil Gottes, das uber uns gehen solte, erledigetb.
  • a. Luc. 23. Ioh. 19
  • b. Psal. 69. Esai. 53. 2 Cor. 5. Gal. 3
38
Warum hat er unter dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auf dass er unschuldig unter dem weltlichen Richter verdammt würde1, und uns damit von dem strengen Urtheil Gottes, das über uns ergehen sollte, erledigte2.
  • 1. Joh. 18, 38. Matth. 27, 24. Luc. 23, 14. 15. Joh. 19, 4
  • 2. Ps. 69, 5. Jes. 53, 4. 5. 2 Cor. 5, 21. Gal. 3, 13
39
Ist es etwas mehr, daß er ist gecreutziget worden, denn so er eines andern todts gestorben were?

Ja, Denn dardurch bin ich gewiß, daß er die vermaledeyung die auff mir lage, auff sich geladen habea. Dieweil der tod des Creutzes von Gott verflucht warb.
  • a. Galat. 3
  • b. Deut. 21. Galat. 3
39
Ist es etwas mehr, dass er ist gekreuzigt worden, denn so er eines andern Todes gestorben wäre?

Ja; denn dadurch bin ich gewiss, dass er die Vermaledeiung, die auf mir lag, auf sich geladen habe; dieweil der Tod des Kreuzes von Gott verflucht war2.
  • 1. Gal. 3, 13
  • 2. 5 B. Mos. 21, 23
40
Warumb hat Christus den tod müssen leiden?

Darumb, daß von wegen der gerechtigkeit und warheit Gottesa, nicht anderst für unsere sünden möchte bezalet werden, denn durch den todt des Sons Gottesb.
  • a. Gen. 2
  • b. Heb. 2
40
Warum hat Christus den Tod leiden müssen?

Darum, dass wegen der Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes1 nicht anders für unsere Sünde möchte bezahlet werden, denn durch den Tod des Sohnes Gottes2.
  • 1. 1 B. Mos. 2, 17
  • 2. Röm. 8, 3. 4. Hebr. 2, 14. 15
41
Warumb ist er begraben worden?

Damit zu bezeugen, daß er warhafftig gestorben seya.
  • a. Mat. 27. Luc. 23. Ioh. 19. Act. 13
41
[16]Warum ist er begraben worden?

Damit zu bezeugen, dass er wahrhaftig gestorben sei1.
  • 1. Apost. Gesch. 13, 29. Matth. 27, 59. 60. Marc. 15, 42. Joh. 19, 38
42
Weil denn Christus für uns gestorben ist, wie kompts daß wir auch sterben müssen?

Unser tod ist nit ein bezalung für unsere sünd: sonder nur ein absterbung der sünden, und eingang zum ewigen lebena.
  • a. Ioh. 5. Phil. 1. Rom. 7
42
Weil denn Christus für uns gestorben ist, wie kommt es, dass auch wir sterben müssen?

Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde1; sondern nur eine Absterbung der Sünden und Eingang zum ewigen Leben2.
  • 1. Marc. 8, 37. Ps. 49, 8. 9
  • 2. Phil. 1, 23. Joh. 5, 24. Röm. 7, 24. 25
43
Was bekommen wir mehr für nutz auß dem opffer und todt Christi am Creutz?

[402]Daß durch seine krafft unser alter mensch mit jm gecreutzget, getödtet und begraben wirda, auff daß die bösen lüste des fleisches nicht mehr in uns regierenb, sonder daß wir uns selbst jhm zur dancksagung auffopffernc.
  • a. Rom. 6. Coloss. 2
  • b. Rom. 6
  • c. Rom. 12
43
Was bekommen wir mehr für Nutzen aus dem Opfer und Tod Christi am Kreuze?

Dass durch seine Kraft unser alter Mensch mit ihm gekreuziget, getödtet und begraben wird1, auf dass die bösen Lüste des Fleisches in uns nicht mehr regieren2, sondern dass wir uns selbst Ihm zur Danksagung aufopfern3.
  • 1. Röm. 6, 6
  • 2. Röm. 6, 12
  • 3. Röm. 12, 1
44
Warumb folget abgestiegen zu der hellen?

Daß ich in meinen höchsten anfechtungen versichert sey, mein HERR Christus habe mich durch seine unaußsprechliche angst, schmertzen und schrecken, die er auch an seiner seele, am Creutz und zuuor erlitten, von der hellischen angst und pein erlöseta.
  • a. Esai. 53. Mat. 27
44
Warum folgt: Abgestiegen zu der Hölle?

Dass ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sei, mein Herr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken, die er auch an seiner Seele am Kreuz und zuvor erlitten1, von der höllischen Angst und Pein erlöset2.
  • 1. Ps. 18, 5. 6. und 116, 3. Matth. 26, 38. und 27, 46. Hebr. 5, 7
  • 2. Jes. 53, 5
45
Was nützet uns die Aufferstehung Christi?

Erstlich hat er durch seine Aufferstehung den tod uberwunden, daß er uns der gerechtigkeit, die er uns durch seinen todt erworben hat, könte theilhafftig machena. Zum andern werden auch wir jetzunder durch seine krafft erwecket zu einem newen lebenb. Zum dritten ist uns die Aufferstehung Christi ein gewisses pfand unserer seligen aufferstehungc.
  • a. 1 Cor. 15. Rom. 4. 1 Pet. 1
  • b. Rom. 6. Coloss. 3. Ephes. 2
  • c. 1 Cor. 15. Rom. 8
45
Was nützet uns die Auferstehung Christi?

Erstlich hat er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, dass er uns der Gerechtigkeit, die er uns durch seinen Tod erworben hat, könnte theil[17]haftig machen1; zum andern werden wir auch jetzunder durch seine Kraft erwecket zu einem neuen Leben2; zum dritten ist uns die Auferstehung Christi ein gewisses Pfand unserer seligen Auferstehung3.
  • 1. Röm. 4, 25. 1 Cor. 15, 16. 17. 1 Petr. 1, 3
  • 2. Röm. 6, 4. Col. 3, 1—3. Ephes. 2, 5
  • 3. 1 Cor. 15, 20. 21
46
Wie verstehestu daß er ist gen himmel gefaren?

Daß Christus für den augen seiner Jünger, ist von der erden auffgehaben gen himmela, und uns zu gut daselbst istb, biß daß er widerkompt zu richten die lebendigen und die todtenc.
  • a. Act. 1. Mat. 26. Mar. 16. Luc. 24
  • b. Hebr. 4. 7. et 9. Rom. 8. Ephes. 4. Coloss. 3
  • c. Act. 1. Mat. 24
46
Wie verstehest du, dass er ist gen Himmel gefahren?

Dass Christus vor den Augen seiner Jünger ist von der Erde aufgehoben gen Himmel1, und uns zu gut daselbst ist2, bis dass er wiederkommt, zu richten die Lebendigen und die Todten3.
  • 1. Apost. Gesch. 1, 9. Marc. 16, 19. Luc. 24, 51
  • 2. Hebr. 9, 24. und 4, 14. Röm. 8, 34. Col. 3, 1
  • 3. Apost. Gesch. 1, 11. Matth. 24, 30
47
Ist denn Christus nit bey uns biß ans ende der welt, wie er uns verheissen hat?a

Christus ist warer Mensch und warer Gott: Nach seiner menschlichen natur, ist er jetzunder nicht auff erdenb: aber nach seiner Gottheit, Maiestet, genad und Geist, weicht er nimmer von unsc.
  • a. Mat. 28
  • b. Mat. 26. Ioh. 16. et 17. Act. 3
  • c. Ioh. 14. et 16. Mat. 28. Ephes. 4
47
Ist denn Christus nicht bei uns bis an der Welt Ende, wie er uns verheißen hat?

Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzunder nicht auf Erden1; aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weichet er nimmer von uns2.
  • 1. Hebr. 8, 4. Matth. 26, 11. Joh. 16, 28. und 17, 11. Apost. Gesch. 3, 21
  • 2. Joh. 14, 18. und 16. Matth. 28, 20
48
[403]Werden aber mit der weiß die zwo naturen in Christo nit voneinander getrennet, so die menscheit nicht uberal ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten: Denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwertig ista: so muß folgen, daß sie wol ausserhalb jrer angenommenen menschheit, und dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und personlich mit jr vereiniget bleibtb.
  • a. Act. 7. Iere. 23
  • b. Coloss. 2. Ioh. 3. et 11. Mat. 28
48
Werden aber mit der Weise die zwei Naturen in Christo nicht von einander getrennt, so die Menschheit nicht überall ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten; denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwärtig ist1, so muss folgen, dass sie wohl außerhalb ihrer angenommenen Menschheit2 und dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und persönlich mit ihr vereinigt bleibt3.
  • 1. Jer. 23, 24. Apost. Gesch. 7. 49
  • 2. Joh. 1, 48
  • 3. Col. 2, 9. Joh. 3, 13. und 11, 15. Matth. 28, 6
49
Was nützet uns die Himmelfart Christi?

Erstlich, daß er im himmel für dem angesicht seines Vaters, unser fürsprecher ista. Zum andern, daß wir unser fleisch im himmel zu einem sichern pfand haben, daß er als das haupt, uns seine glieder auch zu sich werde hinauff nemenb. Zum dritten, daß er uns seinen Geist zum gegenpfandt herab sendetc, durch welches krafft wir suchen was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der rechten Gottes, und nicht das auff erden istd.
  • a. 1 Ioh. 2. Rom. 8
  • b. Ioh. 14. et 20. Ephes. 2
  • c. Ioh. 14. Act. 2. 2 Cor. 1. et 5
  • d. Coloss. 3. Phil. 3
49
[18]Was nützet uns die Himmelfahrt Christi?

Erstlich, dass er im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher ist1; zum andern, dass wir unser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, dass er, als das Haupt, uns, seine Glieder, auch zu sich werde hinaufnehmen2; zum dritten, dass er uns seinen Geist zum Gegenpfand herabsendet3, durch welches Kraft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, und nicht, das auf Erden ist4.
  • 1. 1 Joh. 2, 1. Röm. 8, 34
  • 2. Joh. 14, 2. 17, 24. und 20, 17. Ephes. 2, 6
  • 3. Joh. 14, 16. und 16, 7. Apost. Gesch. 2, 33. 2 Cor. 1, 21. 22. 2 Cor. 5, 5
  • 4. Col. 3, 1
50
Warumb wird hinzu gesetzt, daß er sitze zur rechten Gottes?

Daß Christus darumb gen himmel gefaren ist, daß er sich daselbst erzeige, als das haubt seiner Christlichen kirchena, durch welches der Vater alles regiertb.
  • a. Ephes. 1. Coloss. 1
  • b. Mat. 28. Ioh. 5
50
Warum wird hinzugesetzt, dass er sitze zu der Rechten Gottes?

Dass Christus darum gen Himmel gefahren ist, dass er sich daselbst erzeige als das Haupt seiner christlichen Kirche1, durch welches der Vater alles regieret2.
  • 1. Ephes. 1, 20. 21. 22. 23. Col. 1, 18
  • 2. Matth. 28, 18. Joh. 5, 22
51
Was nützet uns diese herrligkeit unsers haupts Christi?

Erstlich daß er durch seinen heiligen Geist, in uns seine glieder, die himlische gaben außgeusta. Darnach, daß er uns mit seinem gewalt wider alle feind schützet und erheltb.
  • a. Ephes. 4
  • b. Psal. 2. Ioh. 10. Ephes. 4
51
Was nützet uns diese Herrlichkeit unseres Hauptes Christi?

Erstlich, dass er durch seinen heiligen Geist in uns, seine Glieder, die himmlischen Gaben ausgießt1; darnach, dass er uns mit seiner Gewalt wider alle Feinde schützet und erhält2.
  • 1. Apost. Gesch. 2, 33. Ephes. 4, 10
  • 2. Ps. 2, 9. und 110, 1. 2. Joh. 10, 28. Ephes. 4, 8
52
Was tröstet dich die widerkunfft Christi zu richten die lebendigen und die todten?

[404]Daß in allem trübsal und verfolgung mit auffgerichtem haupt, ebe des Richters der sich zuvor dem gericht Gottes für mich dargestelt, und alle vermaledeyung von mir hinweg genomen hat, auß dem himmel gewertig bina, daß er alle seine und meine feinde, in die ewige verdamnuß werffeb: mich aber sampt allen außerwelten zu jhm in die himlische freud und herrligkeit nemec.
  • a. Luc. 21. Rom. 8. Phil. 3. Tit. 2
  • b. 2 Thess. 1. 1 Thess. 4. Mat. 25
  • c. Mat. 25
52
Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, zu richten die Lebendigen und die Todten?

Dass ich in aller Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt eben des Richters, der sich zu[19]vor dem Gerichte Gottes für mich dargestellet und alle Vermaledeiung von mir hinweg genommen hat, aus dem Himmel gewärtig bin1, dass er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnis werfe2, mich aber, sammt allen Auserwählten, zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme3.
  • 1. Phil. 3, 20. Luc. 21, 28. Röm. 8, 23. Tit. 2, 13
  • 2. 1 Thess. 4, 16. Matth. 25, 41. 2 Thess. 1, 6. 7
  • 3. Matth. 25, 34
53
Was glaubstu vom heiligen Geist?

Erstlich daß er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Son ista. Zum andern, daß er auch mir gegeben istb, mich durch ein waren glauben, Christi und aller seiner wolthaten theilhafftig machetc, mich tröstetd, und bey mir bleiben wird biß in ewigkeite.
  • a. Gen. 1. Esai. 43. 1 Cor. 3. 1 Cor. 6. Act. 5
  • b. Matt. 28. 2 Cor. 1
  • c. Galat. 3. 1 Pet. 1. 1 Cor. 6
  • d. Act. 9
  • e. Ioh. 14. 1 Pet. 4
53
Was glaubst du vom heiligen Geist?

Erstlich, dass er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn ist1; zum andern, dass er auch mir gegeben ist2, mich durch einen wahren Glauben Christi und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht3, mich tröstet4 und bei mir bleiben wird bis in Ewigkeit5.
  • 1. Joh. 5, 7. 1 B. Mos. 1, 2. Jes. 48, 16. 1 Cor. 3, 6. und 6, 19. Apost. Gesch. 5, 3. 4
  • 2. Gal. 4, 6. Matth. 28, 19. 20. 2 Cor. 1, 21. 22. Ephes. 1, 13
  • 3. Gal. 3, 14. 1 Petr. 1, 1. 2. 1 Cor. 6, 17
  • 4. Joh. 15, 26. Apost. Gesch. 9, 31
  • 5. Joh. 14, 16. 1 Petr. 4, 14
54
Was glaubstu von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?

Daß der Son Gottes auß dem gantzen menschlichen geschlechta, jhm ein außerwelte gemein zum ewigen lebenb, durch sein Geist und wort in einigkeit des waren glaubensc, von anbegin der welt, biß aus endd versamle, schütze und erhaltee, und daß ich derselben ein lebendiges glied binf, und ewig bleiben werdeg.
  • a. Ioh. 10
  • b. Gen. 26
  • c. Rom. 8. Ephes. 1
  • d. Esai. 59. Rom. 1. et 10
  • e. Ephes. 5. Psal. 71. 1 Cor. 11. Mat. 16. Ioh. 10. 1 Cor. 1
  • f. 1 Ioh. 3
  • g. 1 Ioh. 2
54
Was glaubst du von der heiligen, allgemeinen, christlichen Kirche?

Dass der Sohn Gottes1 aus dem ganzen menschlichen Geschlecht2 sich eine auserwählte Gemeine zum ewigen Leben3 durch seinen Geist und Wort4 in Einigkeit des wahren Glaubens5 von Anbeginn der Welt bis an's Ende6 versammle, schütze und [20]erhalte7, und dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde8.
  • 1. Ephes. 5, 25. 26. Joh. 10, 11. Apost. Gesch. 20, 28
  • 2. 1 B. Mos. 26, 4. Offenb. Joh. 5, 9
  • 3. Röm. 8, 29. Ephes. 1, 10. 11. 12. 13
  • 4. Jes. 59, 21. Röm. 1, 16. und 10, 14. 15. 16. 17. Ephes. 5, 26
  • 5. Apost. Gesch. 2, 42. Ephes. 4, 3. 4. 5
  • 6. Ps. 71, 17. 18. Jes. 59, 21. 1 Cor. 11, 26
  • 7. Matth. 16, 18. Joh. 10, 28. 29. 30. Ps. 129, 1. 2. 3. 4. 5
  • 8. 1 Joh. 3, 14. 19. 20. 21. 2 Cor. 13, 5. Röm. 8, 16. Ps. 23, 6. 1 Cor. 1, 8. 9. Joh. 10, 28. 1 Joh. 2, 19. 1 Petr. 1, 5
55
Was verstehestu durch die gemeinschafft der Heiligen?

Erstlich, daß alle und jede glaubigen, als glieder an dem HERRN Christo, und allen seinen schetzen und gaben, gemeinschafft habena. Zum andern, daß ein jeder seine gaben zu nutz und heil der andern glieder, willig und mit freuden anzulegen sich schuldig wissen solb.
  • a. 1 Ioh. 1. 1 Cor. 1. Rom. 8
  • b. 1 Cor. 12. et 13. Phil. 2
55
Was verstehst du durch die Gemeinschaft der Heiligen?

Erstlich, dass alle und jede Gläubigen als Glieder, an dem Herrn Christo und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben1; zum andern, dass ein Jeder seine Gaben zu Nutz und Heil der andern Glieder willig und mit Freuden anzulegen sich schuldig wissen soll2.
  • 1. 1 Joh. 1, 3. Röm. 8, 32. 1 Cor. 12, 12. und 6, 17
  • 2. 1 Cor. 12, 21. und 13, 5. Phil. 2, 4. 5. 6
56
Was glaubstu von vergebung der Sünden?

[405]Daß Gott umb der gnugthuung Christi willena aller meiner sünden, auch der sündlichen art, mit der ich mein lebenlang zu streiten habeb nimmermehr gedencken wil: sonder mir die gerechtigkeit Christi auß gnaden schencket, daß ich ins gericht nimmermehr soll kommenc.
  • a. 1 Ioh. 2. 2 Cor. 5
  • b. Iere. 31. Psal. 103. Rom. 7. et 8
  • c. Ioh. 3
56
Was glaubst du von Vergebung der Sünden?

Dass Gott um der Genugthuung Christi willen1 aller meiner Sünden, auch der sündlichen Art, mit der ich mein Lebenlang zu streiten habe2, nimmermehr gedenken will3; sondern mir die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden schenket, daß ich in's Gericht nimmermehr soll kommen4.
  • 1. 1 Joh. 2, 2. u. 1, 7. 2 Cor. 5, 19. 21
  • 2. Röm. 7, 23. 24. 25
  • 3. Jer. 31, 34. Mich. 7, 19. Ps. 130, 3. 10. 12. Röm. 8, 1. 2. 3
  • 4. Joh. 3, 18. und 5, 24
57
Was tröst dich die aufferstehung des fleisches?

Daß nicht allein meine seel nach diesem leben alsbald zu Christo jrem haupt genommen wirda: sonder auch daß diß mein fleisch, durch die krafft Christi auff erweckt, wider mit meiner seelen vereiniget, und dem heiligen leib Christi gleichformig werden solb.
  • a. Luc. 23. Phil. 1
  • b. 1 Cor. 15. Iob. 19. 1 Ioh. 3. Phil. 3
57
Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?

Dass nicht allein meine Seele nach diesem Leben alsbald zu Christo ihrem Haupt genommen wird1, [21]sondern auch, dass dies mein Fleisch durch die Kraft Christi auferweckt, wieder mit seiner Seele vereiniget und dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll2.
  • 1. Luc. 16, 22 und 23, 43. Phil. 1, 21. 23
  • 2. Hiob 19, 25. 26. 1 Cor. 15, 53. 1 Joh. 3, 2. Phil. 3, 21
58
Was tröst dich der Artickel vom ewigen leben?

Daß, nachdem ich jetzunder den anfang der ewigen freude in meinem hertzen empfindea, ich nach diesem leben volkommene seligkeit besitzen werde, die kein aug gesehen, kein ohr gehöret, und in keines menschen hertz nie komen istb, Gott ewiglich darin zu preisenc.
  • a. 2 Cor. 5
  • b. 1 Cor. 2
  • c. Ioh. 17
58
Was tröstet dich der Artikel vom ewigen Leben?

Dass, nachdem ich jetzund den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen empfinde1, ich nach diesem Leben vollkommene Seligkeit besitzen werde, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret und in keines Menschen Herz nie gekommen ist2, Gott ewiglich darin zu preisen3.
  • 1. Röm. 8, 23. 1 Joh. 3, 2
  • 2. 1 Cor. 2, 9
  • 3. Joh. 17, 3. Offenb. Joh. 5, 9. 10
59
Was hilfft es dich aber nun, wenn du diß alles glaubest?

Daß ich in Christo für Gott gerecht, und ein Erb des ewigen lebens bina.
  • a. Habac. 2. Rom. 1. Ioh. 3
59
Was hilft es dir aber nun, wenn du dieses Alles glaubest?

Dass ich in Christo vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens bin1.
  • 1. Hab. 2, 4. Röm. 1, 17. Joh. 3, 36
60
Wie bistu gerecht für Gott?

Allein durch waren glauben in Jesum Christuma. Also: daß ob mich schon mein gewissen anklagt, daß ich wider alle Gebot Gottes schwerlich gesündiget, und derselben keines nie gehalten habb, auch noch jmerdar zu allem bösen geneigt binc: doch Got ohn alle meine verdienstd, auß lauter gnadene, mir die volkomme gnugthuung, gerechtigkeit und heiligkeit Christif schencket und zurechnetg, als hette ich nie keine sünde begangen noch gehabt, und selbst allen den gehorsam [406]vollbracht, den Christus für mich hat geleisteth, wenn ich allein solche wolthat mit glaubigen hertzen annemei.
  • a. Rom. 3. Galat. 2. Ephes. 2. Phil. 3
  • b. Rom. 3
  • c. Rom. 7
  • d. 2 Tim. 3
  • e. Rom. 3. Ephes. 2
  • f. 1 Ioh. 2
  • g. Rom. 4. 2 Cor. 5
  • h. 2 Cor. 5
  • i. Rom. 3. Ioh. 3
60
Wie bist du gerecht vor Gott?

Allein durch wahren Glauben in Jesum Christum1, also, dass, ob mich schon mein Gewissen anklagt, daß ich wider alle Gebote Gottes schwerlich gesündiget2 und derselben keines nie gehalten habe, auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin3, doch Gott ohne all mein Verdienst4 aus lauter Gnade5 mir die vollkommene Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schenket und zurechnet6, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt, und selbst [22]allen den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet7, wenn ich allein solche Wohlthat mit gläubigem Herzen annehme8.
  • 1. Röm. 3, 28. Gal. 2, 16. Ephes. 2, 8. 9. Phil. 3, 9
  • 2. Röm. 3, 23. und 3, 9. 10. 11. 12
  • 3. Röm. 7, 18. 19
  • 4. Röm. 3, 24. Tit. 3, 5. 5 B. Mos. 9, 6
  • 5. Röm. 3, 24. Tit. 3, 5. Ephes. 2, 9
  • 6. Röm. 5, 19 und 4, 5, 6. 1 Joh. 2, 2. 2 Cor. 5, 19. 21. Joh. 17, 19. Hebr. 10, 10. 14
  • 7. 2 Cor. 5, 21. Röm. 8, 3. 4
  • 8. Röm. 1, 17. Marc. 16, 16. Röm. 3, 22. Joh. 3, 36
61
Warumb sagstu daß du allein durch den glauben gerecht seyest?

Nicht daß ich von wegen der wirdigkeit meines glaubens Gott gefalle: sonder darumb, daß allein die gnugthuung, gerechtigkeit und heiligkeit Christi, meine gerechtigkeit für Gott ista, und ich dieselbe nicht anderst, denn allein durch den glauben annemen, und mir zueigen kanb.
  • a. 1 Cor. 1. et 2
  • b. 1 Ioh. 5
61
Warum sagst du, dass du allein durch den Glauben gerecht seiest?

Nicht, dass ich wegen der Würdigkeit meines Glaubens Gott gefalle, sondern darum, dass allein die Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi meine Gerechtigkeit vor Gott ist1, und ich dieselbe nicht anders, denn allein durch den Glauben annehmen und mir zueignen kann2.
  • 1. 1 Cor. 1, 30 und 2, 2
  • 2. Röm. 1, 17. 1 Joh. 5, 10. Hebr. 11, 6
62
Warumb können aber unsere gute werck nit die gerechtigkeit für Gott, oder ein stück derselben sein?

Darumb, daß die gerechtigkeit, so für Gottes gericht bestehen sol, durchauß volkomen, und dem Göttlichen Gesetz gantz gleichformig sein mußa, und aber auch unsere beste werck in diesem leben alle unvolkomen, und mit sünden befleckt sindb.
  • a. Galat. 3. Deut. 27
  • b. Esai. 64
62
Warum können aber unsere guten Werke nicht die Gerechtigkeit vor Gott oder ein Stück derselben sein?

Darum, daß die Gerechtigkeit, so vor Gottes Gericht bestehen soll, durchaus vollkommen und dem göttlichen Gesetz ganz gleichförmig sein muss1; und aber auch unsere besten Werke in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünden befleckt sind2.
  • 1. 3 B. Mos. 18, 5. 5 B. Mos. 27, 26. Gal. 3, 10
  • 2. Jes. 64. 6
63
Verdienen aber unsere gute werck nichts, so sie doch Gott in diesem und zukünfftigen leben wil belohnen?

Die belohnung geschicht nit auß verdienst, sonder auß gnadena.
  • a. Luc. 17
63
Verdienen aber unsere guten Werke nichts, so sie doch Gott in diesem und zukünftigem Leben will belohnen?

Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden1.
  • 1. Luc. 17, 10
64
Macht aber diese lehre nicht sorglose und verruchte leut?

Nein, Denn es unmöglich ist, daß die, so Christo durch waren glauben sind eingepflantzt, nit frucht der danckbarkeit sollen bringena.
  • a. Matt. 7
64
[23]Macht aber diese Lehre nicht sorglose und verruchte Leute?

Nein, denn es unmöglich ist, dass die, so Christo durch wahren Glauben sind eingepflanzet, nicht Frucht der Dankbarkeit sollen bringen1.
  • 1. Matth. 7, 18. Joh. 15, 5. Röm. 8, 14
65
Dieweil denn allein der glaub uns Christi, und aller seiner wolthaten theilhafftig macht: woher kompt solcher glaube?

[407]Der heilig Geist würcket denselben in unsern hertzen, durch die predig des heiligen Euangelionsa, und bestetiget den durch den brauch der heiligen Sacramentenb.
  • a. Ephes. 2. Ioh. 3
  • b. Mat. 28. 1 Pet. 1
65
Dieweil denn allein der Glaube uns Christi und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, woher kommt solcher Glaube?

Der heilige Geist wirket denselben in unsern Herzen1 durch die Predigt des heiligen Evangeliums und bestätigt ihn durch den Brauch der heiligen Sakramente2.
  • 1. Ephes. 2, 8. Joh. 3, 5. Phil. 1, 29. Joh. 6, 29
  • 2. Matth. 28, 19. 20. Marc. 16, 15. 16. 1 Petr. 1, 22. 23. Röm. 10, 14. 17
66
Was seind die Sacrament?

Es seind sichtbare heilige warzeichen und Sigill, von Gott dartzu eingesetzt, daß er uns durch den brauch derselben, die verheissung des Euangelions desto besser zuuerstehen gebe, und versiegele: Nemlich, daß er uns von wegen des einigen opffers Christi, am Creutz volbracht, vergebung der sünden, und ewiges leben auß gnaden schenckea.
  • a. Gen. 17. Rom. 4. Deut. 30. Leuit. 6. Heb. 9. Ezech. 20. 1 Sam. 17. Esai. 6. et 54
66
Was sind die Sakramente?

Es sind sichtbare, heilige Wahrzeichen und Siegel, von Gott dazu eingesetzt, dass Er uns durch den Brauch derselbigen die Verheißung des Evangeliums desto besser zu verstehen gebe und versiegele; nämlich, dass Er uns, von wegen des einigen Opfers Christi am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben aus Gnaden schenket1.
  • 1. Röm. 4, 11. 1 B. Mos. 17, 11. 5 B. Mos. 30, 6. Ezech. 20, 12. Marc 16, 16. Luc. 22, 20
67
Seind denn beyde das wort und die Sacrament dahin gericht, daß sie unsern glauben auff das opffer Jesu Christi am Creutz, als auff den einigen grund unserer seligkeit weisen?

Ja freylich: Denn der heilig Geist lehret im Euangelio, und bestetiget durch die heiligen Sacrament, daß unsere gantze seligkeit stehe in dem einigen opffer Christi, für uns am Creutz geschehena.
  • a. Rom. 6. Galat. 3
67
Sind denn beide, das Wort und die Sakramente, dahin gerichtet, dass sie unsern Glauben auf das Opfer Jesu Christi am Kreuz, als auf den einigen Grund unserer Seligkeit weisen?

Ja freilich; denn der heilige Geist lehret im Evangelio und bestätiget durch die heiligen Sakramente, [24]dass unsere ganze Seligkeit stehe in dem einigen Opfer Christi, für uns am Kreuz geschehen1.
  • 1. Röm. 6, 3. Gal. 3, 26. 27. 1 Cor. 11, 26
68
Wieviel Sacrament hat Christus im newen Testament eingesetzt?

Zwey: den heiligen Tauff, und das heilig Abendmal.
68
Wie viel Sakramente hat Christus im neuen Testament eingesetzt?

Zwei: Die heilige Taufe1 und das heilige Abendmahl2.
  • 1. Matth. 28, 19. Marc. 16, 15. 16
  • 2. 1 Cor. 11, 23—25. Matth. 26, 26—28. Marc. 14, 22—25. Luc. 22, 19. 20
69
Wie wirstu im heiligen Tauff erinnert und versichert, daß das einege opffer Christi am Creutz dir zu gut komme?

Also: daß Christus diß eusserlich wasserbad eingesetzt, und darbey verheissen hat, daß ich so gewiß mit seinem blut und geist, von der unreinigkeit meiner seelen, das ist, allen meinen sünden gewaschen sey, so gewiß ich eusserlich mit dem wasser, welches die unsauberkeit des leibs pflegt hinzunemen, gewaschen bin.
69
Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und versichert, dass das einige Opfer Christi am Kreuze dir zu gut komme?

Also, dass Christus dies äußerliche Wasserbad eingesetzt1 und dabei verheißen hat2, daß ich so gewiss mit seinem Blut und Geist von der Unreinigkeit meiner Seele, das ist, von allen meinen Sünden gewaschen sei, so gewiss ich äußerlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibes pflegt hinwegzunehmen, gewaschen bin3.
  • 1. Matth. 28, 19
  • 2. Marc. 16, 16. Apost. Gesch. 2, 38. Joh. 1, 33. Matth. 3, 11. Röm. 6, 3. 4
  • 3. 1 Petr. 3, 21. Marc. 1, 4. Luc. 3, 3
70
[408]Was heist mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?

Es heist vergebung der sünden von Gott auß gnaden haben, umb des bluts Christi willen, welchs er in seinem opffer am Creutz für uns vergossen hata: Darnach auch durch den heiligen Geist ernewert, und zu einem glied Christi geheiliget sein, daß wir je lenger je mehr der sünden absterben, und in einem Gottseligen, unstreflichen leben wandlenb.
  • a. Hebr. 12. 1 Pet. 1. Apoc. 1. Zach. 13. Ezech. 36
  • b. Ioh. 1. Ioh. 3. 1 Cor. 6. et 12. Rom. 6. Coloss. 2
70
Was heißt mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?

Es heißt Vergebung der Sünden von Gott aus Gnaden haben um des Blutes Christi willen, welches er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat1; darnach auch durch den heiligen Geist erneuert und zu einem Glied Christi geheiligt sein, dass wir je [25]länger je mehr der Sünde absterben und in einem gottseligen, unsträflichen Leben wandeln2.
  • 1. 1 Petr. 1, 2. Hebr. 12, 24. Offenb. Joh. 1, 5 und 7, 14. Zach. 13, 1. Ezech. 36, 25. 26. 27
  • 2. Joh. 1, 33 und 3, 5. 1 Cor. 6, 11 und 12, 13. Röm. 6, 4. Col. 2, 11. 12
71
Wo hat Christus verheissen, daß wir so gewiß mit seinem blut und geist als mit dem tauffwasser gewaschen seind?

In der einsetzung des Tauffs, welche also lautet. Gehet hin, und lehret alle Völcker, und tauffet sie, im namen des Vaters und des Sons, und des heiligen Geistsa: wer da glaubet und getauffet wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubt, der wird verdampt werdenb. Diese verheissung wirdt auch widerholet, da die schrifft den Tauff das bad der widergeburtc, und abwaschung der sünden nennetd.
  • a. Matt. 28
  • b. Mar. 16
  • c. Tim. 3
  • d. Act. 22
71
Wo hat Christus verheißen, dass wir so gewiss mit seinem Blut und Geist, als mit dem Taufwasser gewaschen sind?

In der Einsetzung der Taufe, welche also lautet: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes1. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden2. Diese Verheißung wird auch wiederholt, da die Schrift die Taufe das Bad der Wiedergeburt3 und die Abwaschung der Sünden nennet4.
  • 1. Matth. 28, 19
  • 2. Marc. 16, 15. 16
  • 3. Tit. 3, 5
  • 4. Apost. Gesch. 22, 16
72
Ist denn das eusserlich wasserbad, die abwaschung der sünden selbst?

Neina, Denn allein das blut Jesu Christi, und der heilige Geist einiget uns von allen sündenb.
  • a. Mat. 3. 1 Pet. 3. Ephes. 5
  • b. 1 Ioh. 1. 1 Cor. 6
72
Ist denn das äußerliche Wasserbad die Abwaschung der Sünden selbst?

Nein1; denn allein das Blut Jesu Christi und der heilige Geist reiniget uns von allen Sünden2.
  • 1. Matth. 3, 11. 1 Petr. 3, 21. Ephes. 5, 26
  • 2. 1 Joh. 1, 7. 1 Cor. 6, 11
73
Warumb nennet denn der heilige Geist den Tauff das bad der widergeburt, und die abwaschung der sünden?

Gott redet also nit one grosse vrsach: Nemlich, nit allein daß er uns damit lehren, daß, gleich wie unsauberkeit des leibs durch wasser, also unsere sünde durchs blut und geist Christi hinweg genomen werdena: sonder vielmehr, daß er uns durch diß Göttlich pfand und warzeichen wil versichern, daß wir so warhafftig von unsern sünden geistlich gewasche sind, als wir mit dem leiblichen wasser gewaschen werdenb.
  • a. Apoc. 1. et 7. 1 Cor. 6
  • b. Marc. 16. Galat. 3
73
Warum nennet denn der heilige Geist die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden?

Gott redet also nicht ohne große Ursache; nämlich: nicht allein, dass er uns damit will lehren, dass, gleichwie die Unsauberkeit des Leibes durch's Wasser, also unsere Sünden durch's Blut und Geist Christi hin[26]weggenommen werden1; sondern vielmehr, dass er uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, dass wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden2.
  • 1. Offenb. Joh. 1, 5 und 7, 14. 1 Cor. 6, 11
  • 2. Gal. 3, 27. Marc. 16, 16
74
[409]Sol man auch die junge kinder tauffen?

Ja: Denn dieweil sie so wol als die alten in den Bundt Gottes und seine gemein gehörena, und jhnen in dem blut Christi die erlösung von sündenb, und der heilig Geist, welcher den glauben würcket, nit weniger denn den alten zugesagt wirdc: so solle sie auch durch den tauff, als des Bunds zeichen, der Christlichen Kirchen eingeleibt, und von der unglaubigen kinder underscheiden werdend, wie im alten Testament durch die beschneidung geschehen iste, an welcher stat im newen Testament der Tauff ist eingesetztf.
  • a. Gen. 17
  • b. Matt. 19
  • c. Luc. 1. Psal. 22. Esai. 46. Act. 2
  • d. Act. 10
  • e. Gen. 17
  • f. Coloss. 2
74
Soll man auch die jungen Kinder taufen?

Ja; denn dieweil sie sowohl als die Alten in den Bund Gottes und seine Gemeine gehören1, und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden, und der heilige Geist, welcher den Glauben wirket2, nicht weniger denn den Alten zugesagt wird3, so sollen sie auch durch die Taufe, als des Bundes Zeichen, der christlichen Kirche eingeleibet und von der Ungläubigen Kinder unterschieden werden4 wie im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist5, an welcher Statt im neuen Testament die Taufe ist eingesetzt6.
  • 1. 1 B. Mos. 17, 7
  • 2. Marc. 9, 42
  • 3. Matth. 19, 14. Luc. 1, 15. Ps. 22, 11. Jes. 44, 1—4. Apost. Gesch. 2, 39
  • 4. Apost. Gesch. 10, 47
  • 5. 1 B. Mos. 17, 14. Matth. 28, 19
  • 6. Col. 2, 11. 12. 13
75
Wie wirstu im heiligen Abendmal erinnert und versichert, daß du an dem einigen opffer Christi am Creutz, und allen seinen gütern gemeinschafft habest?

Also, daß Christus mir und allen glaubigen von diesem gebrochnen brod zu essen, und von diesem Kelch zu trincken befohlen hat, und darbey verheissen, Erstlich daß sein leib so gewiß für mich am Creutz geopffert und gebrochen, und sein blut für mich vergossen sey, so gewiß ich mit augen sehe, daß das brod des HERRN mir gebrochen, und der Kelch mir mitgetheilet wird. Und zum andern, daß er selbst meine seel mit seinem gecreutzigten leib und vergossnen blut so gewiß zum ewigen leben speise und trencke, als ich auß der hand des Dieners empfange, und leiblich niesse das brod und den Kelch des HERRN, welche mir als gewisse warzeichen des leibs und bluts Christi gegeben werden.
75
Wie wirst du im heiligen Abendmahl erinnert und versichert, dass du an dem einigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gütern Gemeinschaft habest?

Also, dass Christus mir und allen Gläubigen von diesem gebrochenen Brod zu essen und von diesem Kelch zu trinken befohlen hat, zu seinem Gedächtnis, und dabei verheißen1: Erstlich, dass sein Leib so [27]gewiss für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen sei, so gewiss ich mit Augen sehe, dass das Brod des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir mitgetheilt wird; und zum andern, dass er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut so gewiss zum ewigen Leben speise und tränke, als ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich genieße das Brod und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibes und Blutes Christi gegeben werden.
  • 1. Matth. 26, 26. 27. 28. Marc. 14, 22. 23. 24. Luc. 22, 19. 20. 1 Cor. 10, 16. 17. 11, 23. 24. 25 und 12, 13
76
Was heist den gecreutzigten leib Christi essen, und sein vergossen blut trincken?

Es heist nit allein mit glaubigem hertzen das gantze leiden und sterben Christi annemen, und dardurch vergebung der sünden und ewiges leben bekomena: Sonder auch darneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wonetb, also mit seinem gebenedeyten leib je mehr und mehr vereiniget werdenc: daß wir, obgleich er im himmel, und wir auff erden sind: dennoch fleisch von seinem fleisch, und bein von seinen beine sindd, und von eine geist (wie die glieder unsers leibs von einer seelen) ewig leben und regieret werdene. [410]
  • a. Ioh. 6
  • b. Ioh. 6
  • c. Act. 3. 1 Cor. 11
  • d. Ephes. 3. et 5. 1 Cor. 6. 1 Ioh. 3. et 4. Ioh. 14
  • e. Ioh. 6. et 15. Ephes. 4
76
Was heißt den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken?

Es heißt nicht allein mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen1, sondern auch daneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeiten Leib je mehr und mehr vereinigt werden2, dass wir, obgleich er im Himmel3, und wir auf Erden sind, dennoch Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinen Beinen sind4, und von einem Geist, (wie die Glieder unsers Leibes von einer Seele) ewig leben und regiert werden5.
  • 1. Joh. 6, 35. 40. 47. 48. 50. 51. 53. 54
  • 2. Joh. 6, 55. 56
  • 3. Col. 3, 1. Apost. Gesch. 3, 21. 1 Cor. 11, 26
  • 4. Ephes. 5, 30 und 3, 17. 1 Cor. 6, 15. 1 Joh. 4, 13. 1 Joh. 3, 24
  • 5. Joh. 6, 57 und 15, 1. 2. 3. 4. 5. 6. Ephes. 4, 15. 16
77
Wo hat Christus verheissen, daß er die glaubigen so gewiß also mit seinem leib und blut speise und trencke, als sie von diesem gebrochnen brod essen, und von diesem Kelch trincken?

In der einsatzung des Abendmals, welche also lauteta: Unser HERR Jesus, in der nacht da er verrhaten ward, nam er das brodt, dancket und brachs und sprach, Nemet, esset, das ist mein leib, der für euch gebrochen wirdt, Solchs thut zu meiner gedechtnuß. Desselben gleichen auch den Kelch, nach dem Abendtmal, und sprach: Dieser Kelch ist das newe Testament in meinem blut, solches thut, so offt jrs trincket, zu meiner gedechtnuß: Denn so offt jr von diesem brod esset, und von diesem Kelch trincket, solt jr des HERRN todt verkündigen, biß daß er kompt. Und diese verheissung wirdt auch widerholet durch S. Paulumb, da er spricht: Der Kelch der danckszagung, damit wir danckszagen, ist er nit die gemeinschafft des bluts Christi? Das brodt das wir brechen, ist das nicht die gemeinschafft des leibs Christi? Denn ein brod ists, so seind wir viel ein leib, dieweil wir alle eines brods theilhafftig seind.
  • a. 1 Cor. 11. Matt. 26. Mar. 14. Luc. 22
  • b. 1 Cor. 10
77
[28]Wo hat Christus verheißen, dass Er die Gläubigen so gewiss mit seinem Leib und Blut speise und tränke, als sie von diesem gebrochenen Brod essen und von diesem Kelch trinken?

In der Einsetzung des heiligen Abendmahls, welche also lautet1: Unser Herr Jesus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete und brach's, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brod esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis dass er kommt. Und diese Verheißung wird auch wiederholt durch Sanct Paulus, da er spricht2: Der Kelch der Danksagung, damit wir danksagen, ist der nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi? Das Brod, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn Ein Brod ist's, so sind wir Viele ein Leib, dieweil wir Alle Eines Brodes theilhaftig sind.
  • 1. 1 Cor. 11, 23. 24. 25. Matth. 26, 26. 27. 28. Marc. 14, 22. 23. 24. Luc. 22, 19. 20
  • 2. 1 Cor. 10, 16. 17
78
Wird denn auß brod und wein der wesentlich leib und blut Christi?

Nein: sonder wie das wasser in dem Tauff, nit in daß blut Christi verwandlet, oder die abwaschung der sünden selbst wird, deren es allein ein Göttlich warzeichen und versicherung ista: also wirdt auch daß heilig brod im Abendmal nit der leib Christi selbstb, wiewol es nach art und brauch der Sacramenten, der leib Christi genennet wirdc.
  • a. Mat. 26. Mar. 24
  • b. 1 Cor. 10. et 11
  • c. Gen. 17. Exod. 12. Tit. 3. 1 Pet. 4. 1 Cor. 10
78
Wird denn aus Brod und Wein der wesentliche Leib und Blut Christi?

Nein1, sondern wie das Wasser in der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt, oder die Abwaschung der Sünden selbst wird, deren es allein [29]ein göttliches Wahrzeichen und Versicherung ist2, also wird auch das heilige Brod im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst3, wiewohl es nach Art und Brauch der Sakramente4 der Leib Christi genannt wird.
  • 1. Matth. 26, 29. Apost. Gesch. 7, 8. 2 B. Mos. 24, 8. 3 B. Mos. 16, 10. und 17, 11. Jes. 6, 6. 7. Apost. Gesch. 22, 16
  • 2. Ephes. 5, 26
  • 3. 1 Cor. 10, 16 und 11, 26
  • 4. 1 B. Mos. 17, 10. 11. 2 B. Mos. 12, 11. 13. 26. 27 u. 13, 9. Tit. 3. 5. 1 Petr. 3, 21. 1 Cor. 10, 4
79
Warumb nennet denn Christus das brod seinen leib, und den Kelch sein blut, oder das newe Testament in seinem blut, und S. Paulus, die gemeinschafft des leibs und bluts Jesu Christi?

Christus redet also nit one grosse vrsach. Nemlich, daß er uns nit allein damit wil lehren, daß, gleich wie brod und wein das zeitliche leben erhalten, also sey auch sein gecreutzigter leib und vergossen blut [411]die ware speiß und tranck unserer seelen, zum ewigen lebena: sonder viel mehr daß er uns durch diß sichtbare zeichen und pfand wil versichern, daß wir so warhafftig seines waren leibs und bluts durch wirckung des heiligen Geists teilhafftig werden, als wir diese heilige warzeichen, mit dem leiblichen mund zu seiner gedechtnuß enpfangenb: und daß all sein leiden und gehorsam so gewiß unser eigen sey, als hetten wir selbst in unser eigen person alles gelitten und gnuggethan.
  • a. Ioh. 6
  • b. 1 Cor. 10
79
Warum nennet denn Christus das Brod seinen Leib und den Kelch sein Blut, oder das neue Testament in seinem Blut, und St. Paulus die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi?

Christus redet also nicht ohne große Ursache; nämlich, dass er uns nicht allein damit will lehren, dass, gleichwie Brod und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sei auch sein gekreuzigter Leib und vergossenes Blut die wahre Speise und Trank unserer Seelen zum ewigen Leben1, sondern vielmehr, dass Er uns durch dies sichtbare Zeichen und Pfand will versichern, dass wir so wahrhaftig seines wahren Leibes und Blutes durch Wirkung des heiligen Geistes theilhaftig werden2, als wir diese heiligen Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seinem Gedächtnis empfangen, und dass all sein Leiden und Gehorsam so gewiss unser eigen sei, als hätten wir selbst in unserer eigenen Person Alles gelitten und genug gethan.
  • 1. Joh. 6, 55
  • 2. 1 Cor. 10, 16. 17
80
Was ist für ein underscheid zwischen dem Abendmal des HERRN, und der Bäbstlichen Meß?

Das Abendmal bezeuget uns, daß wir volkomene vergebung aller unser sünden haben, durch das einige opffer Jesu Christi, so er selbst einmal am creutz volbracht hata. Und daß wir durch den H. Geist Christo werden eingeleibtb, der jetzund mit seinem waren leib im himmel zur Rechten des Vaters istc, und daselbst wil angebettet werden. Die Meß aber lehret, daß die lebendigen und die todten nicht durch das leiden Christi vergebung der sünden haben, es sey denn daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopffert werde. Und daß Christus leiblich unter der gestalt brods und weins sey, und derhalben darin sol angebettet werdend. Und ist also die Meß im grund nichts anders, denn ein verleugnung des einigen opffers und leidens Jesu Christi, und ein vermaledeite Abgöttereye.
  • a. Heb. 7. 9. et 10. Ioh. 19. Matt. 26. Luc. 22
  • b. 1 Cor. 6. et 10
  • c. Heb. 1. et 8
  • d. Ioh. 4. et 20. Luc. 24. Act. 7. Coloss. 3. Phil. 3. 1 Thess. 1
  • e. In Can: de Missa. Item. De cösecr: distinct: 2
80
Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe?

Das Abendmahl bezeuget uns, dass wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben [30]durch das einige Opfer Jesu Christi, so er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat1, und dass wir durch den heiligen Geist Christo werden eingeleibet2, der jetzund mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist3, und daselbst will angebetet werden4. Die Messe aber lehret, dass die Lebendigen und die Todten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, dass Christus noch täglich für sie von den Messpriestern geopfert werde, und dass Christus leiblich unter der Gestalt Brods und Weins sei, und derhalben darin soll angebetet werden5. Und ist also die Messe im Grunde nichts anderes, denn eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi.
  • 1. Hebr. 10, 10. 12, 7, 26. 27 und 9, 12. 25. Joh. 19, 30. Matth. 26, 28. Luc. 22, 19
  • 2. 1 Cor. 12, 13. 6, 17 und 10, 16. 17
  • 3. Col. 3, 1. Hebr. 1, 3 und 8, 1
  • 4. Matth. 6, 20. 21. Joh. 4, 21. 23 und 20, 17. Luc. 24, 52. Apost. Gesch. 7, 55. Col. 3, 1. Phil. 3, 20. 1 Thess. 1, 9. 10
  • 5. In canone Missae et de consecrat. dist. 2 Conc. Trid. sess. 13, 5. Hebr. 9, 26 und 10, 12. 14
81
Welche solle zu dem Tisch des HERREN kommen?

Die jhnen selbst umb jrer sünden willen mißfallen, und doch vertrawen, daß dieselbige jhnen verziehen und die ubrige schwachheit mit dem leiden und sterben Christi bedeckt sey, begeren auch je mehr und mehr jhren glauben zu stercken und jr leben zu bessern. Die unbußfertigen aber und heuchler, essen und trincken jnen selbst das gerichta.
  • a. 1 Cor. 10. et 11
81
Welche sollen zu dem Tisch des Herrn kommen?

Die sich selbst um ihrer Sünde willen missfallen und doch vertrauen, dass dieselbigen ihnen verziehen, und die übrige Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi bedeckt sei, begehren auch je mehr und mehr ihren Glauben zu stärken, und ihr Leben zu bessern. Die Unbußfertigen aber und Heuchler essen und trinken sich selbst das Gericht1.
  • 1. 1 Cor. 11, 28. 29 und 10, 19. 20. 21. 22
82
Sollen aber zu diesem Abendmal auch zugelassen werden, die sich mit jrer bekantnuß und leben, als unglaubige und Gottlose erzeigen?

Nein: denn es wirdt also der Bundt Gottes geschmecht, und sein zorn uber die gantze gemein gereitzeta. Derhalben die Christliche Kirch [412]schuldig ist, nach der ordnung Christi und seiner Aposteln, solche, biß zu besserung jres lebens, durch daß ampt der Schlüssel außzuschliessen.
  • a. 1 Cor. 11. Esai. 1. et 66. Ierem. 7. Psal. 50
82
[31]Sollen aber zu diesem Abendmahl auch zugelassen werden, die sich mit ihrem Bekenntnis und Leben als Ungläubige und Gottlose erzeigen?

Nein; denn es wird also der Bund Gottes geschmähet und sein Zorn über die ganze Gemeine gereizet1; derhalben die christliche Kirche schuldig ist, nach der Ordnung Christi und seiner Apostel, Solche, bis zur Besserung ihres Lebens, durch das Amt der Schlüssel auszuschließen.
  • 1. 1 Cor. 11, 30. 31. Jes. 1, 11. 12 und 66, 3. Jer. 7, 21. 22. Ps. 50, 16. 17
83
Was ist das ampt der Schlüssel?

Die Predig des heiligen Euangelions, und die Christliche Bußzucht, durch welche beyde stück, das Himmelreich den glaubigen auffgeschlossen, und den unglaubigen zugeschlossen wird.
83
Was ist das Amt der Schlüssel?

Die Predigt des heiligen Evangeliums und die christliche Bußzucht, durch welche beide Stücke das Himmelreich den Gläubigen aufgeschlossen und den Ungläubigen zugeschlossen wird1.
  • 1. Matth. 18, 18 und 16, 19. Joh. 20, 23
84
Wie wird das Himmelreich durch die predig des heiligen Euangelions auff und zugeschlossen?

Also: daß nach dem befelch Christi allen und jeden glaubigen verkündigt und offentlich bezeuget wird jne so offt sie die verheissung des Euangelions mit warem glauben annemen, warhafftig alle jre sünden von Gott, umb des verdiensts Christi willen, vergeben sind. Und herwiderumb, allen unglaubigen und heuchlern, daß der zorn Gottes und die ewige verdamnuß auff jnen ligt, so lang sie sich nit bekeren: Nach welcher zeugnuß des Euangelii, Gott beide in diesem und zukünfftigen leben vrtheilen wila.
  • a. Ioh. 20. Matt. 16
84
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des heiligen Evangeliums auf- und zugeschlossen?

Also, dass nach dem Befehl Christi allen und jeden Gläubigen verkündigt und öffentlich bezeuget wird, dass ihnen, so oft sie die Verheißung des Evangeliums mit wahrem Glauben annehmen, wahrhaftig alle ihre Sünden von Gott, um des Verdienstes Christi willen, vergeben sind; und herwiederum allen Ungläubigen und Heuchlern, dass der Zorn Gottes und die ewige Verdammnis auf ihnen liegt, so lange sie sich nicht bekehren1. Nach welchem Zeugnis des Evangelii Gott beide in diesem und zukünftigen Leben urtheilen will.
  • 1. Joh. 20, 22. 23. Matth. 16, 19
85
Wie wirdt das Himmelreich zu und auffgeschlossen, durch die Christliche Bußzucht?

Also: daß nach dem befelch Christi, diejenige so under dem Christlichen namen, unchristliche lehr od. wandel füren, nach dem sie etlich mal brüderlich vermanet sein, und jren jrthumen oder lastern nit abstehen, der kirchen, oder denen so von der kirchen darzu verordnet sind, angezeigt, und so sie sich an derselbe vermanung auch nit keren, von jnen durch verbietung der heiligen Sacrament auß der Christlichen gemein, und von Gott selbst, auß dem Reich Christi werden außgeschlossen: und widerumb als glieder Christi und der kirchen, angenomen, wenn sie ware besserung verheissen und erzeigena.
  • a. Matt. 18. 1 Cor. 3. 2 Thess. 3. Ioh. 2
85
[32]Wie wird das Himmelreich zu- und aufgeschlossen durch die christliche Bußzucht?

Also, dass nach dem Befehl Christi diejenigen, so unter dem christlichen Namen unchristliche Lehre oder Wandel führen, nachdem sie etlichemal brüderlich vermahnet sind, und von ihren Irrthümern oder Lastern nicht abstehen, der Kirche, oder denen, so von der Kirche dazu verordnet sind, angezeigt, und so sie sich an derselben Vermahnung auch nicht kehren, von ihnen durch Verbietung der heiligen Sakramente aus der christlichen Gemeine und von Gott selbst aus dem Reich Christi werden ausgeschlossen; und wiederum als Glieder Christi und der Kirche angenommen, wenn sie wahre Besserung verheißen und erzeigen1.
  • 1. Matth. 18, 15. 16. 17. 1 Cor. 5, 4. 5. 11. 2 Thess. 3, 6. 14. 15. 2 Joh. 10, 11. 2 Cor. 2, 6. 7. 8
DER DRITTE THEIL. VON DER DANCKBARKEIT.
DER DRITTE THEIL. VON DER DANKBARKEIT.
86
[413]Dieweil wir denn auß unserm elendt one alle unsere verdienst, auß gnaden durch Christum erlöset seind, warumb sollen wir gute werck thün?

Darumb, daß Christus, nach dem er uns mit seinem blut erkaufft hat, uns auch durch seine heilige Geist ernewert zu seinem ebenbildt, daß wir mit unserm gantzen leben uns danckbar gegen Gott für seine wolthat erzeigena, und er durch uns gepriesen werdeb. Darnach auch, daß wir bey uns selbst unsers glaubens auß seinen früchten gewiß seinc, und mit unserm Gottseligem wandel, unsere nechsten auch Christo gewinnend.
  • a. Rom. 6. et 12. 1 Pet. 2. 1 Cor. 6
  • b. Matt. 5. 1 Pet. 2
  • c. 1 Pet. 1. Matt. 7. Galat. 5
  • d. 1 Pet. 3. Rom. 14
86
Dieweil wir denn aus unserm Elend ohne all unser Verdienst, aus Gnaden durch Christum erlöset sind, warum sollen wir gute Werke thun?

Darum, dass Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, dass wir mit unserm ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohlthaten erzeigen1, und er durch uns gepriesen werde2. Darnach auch, dass wir bei uns [33]selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiss seien3, und mit unserm gottseligen Wandel unsern Nächsten auch Christo gewinnen4.
  • 1. Röm. 12, 1. 2 und 6, 13. 1 Petr. 2, 5. 9. 10
  • 2. Matth. 5. 16. 1 Petr. 2, 11. 12
  • 3. 2 Petr. 1, 10. Matth. 7, 17. Gal. 5, 6. 22
  • 4. 1 Petr. 3, 1. 2. Röm. 14, 19
87
Können denn die nicht selig werden, die sich von jrem undanckbaren unbußfertigen wandel zu Gott nicht bekeren?

Keineswegs: denn, wie die schrifft saget: Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenpoltz, Lesterer, Rauber und dergleichen, wird das reich Gottes erbena.
  • a. 1 Cor. 6. Ephes. 5. 1 Ioh. 3
87
Können denn die nicht selig werden, die sich von ihrem undankbaren, unbußfertigen Wandel zu Gott nicht bekehren?

Keineswegs; denn wie die Schrift sagt: Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geiziger, Trunkenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen wird das Reich Gottes ererben1.
  • 1. 1 Cor. 6, 9. 10. Ephes. 5, 5. 6. 1 Joh. 3, 14
88
In wieviel stücken stehet die warhafftige Buß oder bekerung des menschen?

In zweyen stücken: In absterbung des altena, und aufferstehung des newen menschen.
  • a. Rom. 6. Ephes. 4. Coloss. 3. 1 Cor. 5
88
In wie viel Stücken bestehet die wahrhafte Buße oder Bekehrung des Menschen?

In zwei Stücken: In Absterbung des alten, und Auferstehung des neuen Menschen1.
  • 1. Röm. 6, 4—6. Ephes. 4, 22. 23. 24. Col. 3, 5. 6. 8. 9. 10
89
Was ist die Absterbung des alten menschen?

Im die sünde von hertzen lassen leidt sein, und dieselbige je lenger je mehr hassen und fliehena.
  • a. Rom. 8. Ioel. 2
89
Was ist die Absterbung des alten Menschen?

Sich die Sünde von Herzen lassen leid sein, und dieselbe je länger je mehr hassen und fliehen1.
  • 1. 2 Cor. 7, 10. Röm. 8, 13. Joel 2, 13. Col. 3, 5. 8
90
Was ist die aufferstehung des newen menschen?

[414]Hertzliche freud in Gotta, und lust und lieb haben nach dem willen Gottes, in allen guten wercken zu lebenb.
  • a. Rom. 5. et 14. Esai. 27
  • b. Rom. 6. Galat. 2
90
Was ist die Auferstehung des neuen Menschen?

Herzliche Freude in Gott durch Christum1, und Lust und Liebe haben nach dem Willen Gottes in allen guten Werken zu leben2.
  • 1. Röm. 5, 1 und 14, 17. Jes. 57, 15
  • 2. Röm. 7, 22. 6, 12—14. etc. Ps. 1, 2. Gal. 2, 19. 20
91
Welches seind aber gute werck?

Allein die auß warem Glaubena, nach dem Gesetz Gottes jhm zu ehren geschehenb: und nicht die auff unser gutdüncken oder menschen satzung gegründet seinc.
  • a. Rom. 14
  • b. 1 Sam. 11. Ephes. 2
  • c. 1 Cor. 10. Deut. 12. Ezech. 20. Esai. 29. Matt. 15
91
Welches sind aber gute Werke?

Allein die aus wahrem Glauben1, nach dem Gesetz Gottes2, Ihm zu Ehren geschehen3, und [34]nicht die auf unser Gutdünken oder Menschensatzung gegründet sind4.
  • 1. Röm. 14, 23. Ephes. 2, 10
  • 2. 3 B. Mos. 18, 4. 1 Sam. 15, 22. 5 B. Mos. 4, 2 und 12, 32
  • 3. 1 Cor. 10, 31
  • 4. Ezech. 20, 18. 19. Jes. 29, 13. 14. Matth. 15, 7. 8. 9
92
Wie laut das Gesetz des HERRN?

Gott redet alle dise wort.

Das Erste Gebot.

Ich bin der HERR dein Gott, der ich dich auß Egyptenland, auß dem Diensthauß geführet habe. Du solt kein ander Götter für mir haben.

Das Ander.

Du solt dir kein Bildnuß noch jrgendt ein gleichnuß machen, weder deß, das oben im Himel, noch deß, das unden auff Erden, oder deß, das im wasser under der erden ist, Du solt sie nicht anbeten, noch jnen dienen. Denn ich der HERR dien Gott, bin ein starcker eyueriger Gott, der die missethat der Väter heimsucht an den Kindern, biß ins dritte und vierde glied, deren die mich hassen: und thue barmhertzigkeit an viel tausenden die mich lieben, und meine Gebot halten.

Das dritte.

Du solt den Namen des HERREN deines Gottes nicht mißbrauchen, Denn der HERR wird den nicht ungestrafft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

Das vierde.

Gedenck des Sabbaht tags, das du jhn heiligest. Sechs tag soltu arbeiten, und alle deine werck thun, aber am sibenden tage ist der Sabbath des HERREN deines Gottes, da solt du keine arbeit thun, noch dien [415]Son, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine magt, noch dein Vieh, noch der frembling der in deine thoren ist. Denn in sechs tagen hat der HERR himel und erden gemacht, und das mehr, und alles was drinnen ist, und rhuete am sibenden tage, darumb segnete der HERR den Sabbath tag, und heiliget jn.

Das Fünffte.

Du solt dein Vater und deine Mutter ehren, auff das du lang lebest im Land, das dir der HERR dein Gott gibt.

Das Sechste.

Du solt nit tödten.

Das Sibente.

Du solt nit Ehebrechen.

Das Achte.

Du solt nit stelen.

Das Neünde.

Du solt kein falsch zeugnuß reden wider deinen nechsten.

Das Zehende.

Laß dich nit gelüsten deines nechsten Hauß, Laß dich nit gelüsten deines nechsten weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles das dein Nechster hat.
92
Wie lautet das Gesetz des Herrn?

Gott redet alle diese Worte:

Das erste Gebot.

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Egyptenland, aus dem Diensthause, geführet habe. Du sollst keine andere Götter vor mir haben.

Das andere Gebot.

Du sollst dir kein Bildnis, noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten, noch ihnen dienen; denn Ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker, eifriger Gott, der die Missethat der Väter heimsuchet an den Kindern bis in's dritte und vierte Glied derer, die Mich hassen, und thue Barmherzigkeit an viel Tausenden, die Mich lieben und Meine Gebote halten.

Das dritte Gebot.

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Das vierte Gebot.

Gedenke des Sabbathtages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten, und alle deine Werke [35]thun; aber am siebenten Tage ist der Sabbath des Herrn, deines Gottes, da sollst du keine Arbeit thun, weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Thoren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, und das Meer, und Alles, was darinnen ist, und ruhete am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbathtag, und heiligte ihn.

Das fünfte Gebot.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest im Lande, das dir der Herr, dein Gott, giebt.

Das sechste Gebot.

Du sollst nicht tödten.

Das siebente Gebot.

Du sollst nicht ehebrechen.

Das achte Gebot.

Du sollst nicht stehlen.

Das neunte Gebot.

Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das zehnte Gebot.

Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses; laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsens, noch seines Esels, noch Alles, was dein Nächster hat.
93
Wie werden diese Gebot geteilt?

In zwo Tafelna, deren die erste in vier gebotten lehret, wie wir uns gegen Gott sollen halten. Die ander in sechs gebotten, was wir unserm nechsten schuldig seinb.
  • a. Exo. 34. Deut. 4. et 10
  • b. Mat. 22
93
[36]Wie werden diese Gebote getheilet?

In zwei Tafeln1, deren die erste in vier Geboten lehret, wie wir uns gegen Gott sollen verhalten; die andere in sechs Geboten, was wir unserm Nächsten schuldig sind2.
  • 1. 5 B. Mos. 4, 13. 2 B. Mos. 34, 1. 28. 5 B. Mos. 10. 3. 4
  • 2. Matth. 22, 37. 38. 39
94
Was erfordert der HERR im ersten Gebot?

Daß ich bey verlierung meiner seelen heil und seligkeit alle abgöttereya, zauberey, abergläubische segenb, anruffung der Heiligen oder anderer Creaturenc, meiden und fliehen sol, Und den einigen waren Gott recht erkennend, jhm allein vertrawene, in aller demutf und gedultg, von jhm allein alles guts gewartenh, und jhn von gantzem [416]hertzen liebeni, fürchtenk und ehrenl: Also daß ich ehe alle creaturen ubergebe, denn in dem geringsten wider seinen willen thuem.
  • a. 1 Cor. 6. et 10
  • b. Leuit. 19. Deut. 18
  • c. Matt. 4. Apoc. 19. et 22
  • d. Ioh. 17
  • e. Iere. 17
  • f. 1 Pet. 5
  • g. Hebr. 10. Coloss. 1. Rom. 5. 1 Cor. 10. Phil. 2
  • h. Psal. 104. Esai. 45. Iac. 1
  • i. Deut. 6. Matt. 22
  • k. Deut. 6. Psal. 111. Prou. 1. et 9. Mat. 10
  • l. Mat. 4. Deut. 10
  • m. Mat. 5. et 10. Act. 5
94
Was fordert der Herr im ersten Gebot?

Dass ich, bei Verlierung meiner Seelen Heil und Seligkeit, alle Abgötterei1, Zauberei, abergläubige Segen2, Anrufung der Heiligen oder anderer Kreaturen3 meiden und fliehen soll, und den einigen wahren Gott recht erkennen4, ihm allein vertrauen5 in aller Demuth6 und Geduld7, von ihm allein alles Gute erwarten8, und ihn von ganzem Herzen lieben9, fürchten10 und ehren11; also, dass ich ehe alle Kreaturen übergebe, denn in dem geringsten wider seinen Willen thue12.
  • 1. 1 Joh. 5, 21. 1 Cor. 6, 9. 10 und 10, 7. 14
  • 2. 3 B. Mos. 19, 31. 5 B. Mos. 18, 9. 10. 11. 12
  • 3. Matth. 4, 10. Off. Joh. 19, 10 und 22, 8. 9
  • 4. Joh. 17, 3
  • 5. Jer. 17, 5. 7
  • 6. 1 Petr. 5, 5
  • 7. Hebr. 10, 36. Col. 1, 11. Röm. 5, 3. 4. 1 Cor. 10, 10. Phil. 2, 14
  • 8. Ps. 104, 27. Jac. 1, 17
  • 9. 5 B. Mos. 6, 5. Matth. 22, 27
  • 10. 5 B. Mos. 6, 2. Ps. 111, 10. Spr. Sal. 1, 7 und 9, 10. Matth. 10, 28
  • 11. Matth. 4, 10. 5 B. Mos. 10, 20
  • 12. Matth. 5, 29. und 10, 37. Apost. 5, 29
95
Was ist Abgötterey?

An stat des einigen waren Gottes, der sich in seinem wort hat offenbaret, oder neben demselbigen etwas anderst dichte oder habe, darauff der mensch sein vertrawen setzta.
  • a. Ephes. 5. 1 Par. 16. Phil. 3. Gala. 4. Ephes. 2. 1 Ioh. 2. 2 Ioh. 1. Ioh. 5
95
Was ist die Abgötterei?

Anstatt des einigen wahren Gottes, der sich in seinem Wort hat geoffenbaret, oder neben demselbigen etwas Anders dichten oder haben, darauf der Mensch sein Vertrauen setzt1.
  • 1. Ephes. 5, 5. 1 Chron. 17, 26. Phil. 3, 19. Gal. 4, 8. Ephes. 2, 12. 1 Joh. 2, 23. 2 Joh. 9. Joh. 5, 22. 23
96
Was wil Gott im andern Gebot?

Daß wir Gott in keinen weg verbildena, noch auff jrgend eine andere weise, denn er in seinem wort befohlen hat, verehren sollenb.
  • a. Deut. 4. Esai. 40. Rom. 1. Act. 17
  • b. 1 Sam. 15. Deut. 12. Mat. 15
96
[37]Was will Gott im andern Gebot.

Dass wir Gott in keinem Weg verbilden1, noch auf irgend eine andere Weise, denn er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen2.
  • 1. Jes. 40, 18. 19. 25. 5 B. Mos. 4, 15. 16. Röm. 1, 23—25. Apost. Gesch. 17, 29
  • 2. 1 Sam. 15, 23. 5 B. Mos. 12, 29—32. Matth. 15, 9
97
Sol man denn gar kein bildnuß machen?

Gott kan und sol keines wegs abgebildet werden; die Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden: so verbeut doch Gott desselbigen bildnuß zu machen und zu haben, daß man sie verehre oder jm damit dienea.
  • a. Exod. 23. et 34. Num. 33. Deut. 7. et 12. 16. 2 Reg. 18
97
Soll man denn gar kein Bildnis machen?

Gott kann und soll keineswegs abgebildet werden1; die Kreaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbietet doch Gott, derselben Bildnis zu machen und zu haben, dass man sie verehre, oder ihm damit diene2.
  • 1. Jes. 40, 25
  • 2. 2 B. Mos. 34, 17 und 34, 13. 4 B. Mos. 33, 51. 52. 5 B. Mos. 7, 5; 12, 3 und 16, 22. 2 Kön. 18, 4
98
Mögen aber nicht die bilder als der Leyen bücher, in den Kirchen gedultet werden?

Nein: Denn wir nit sollen weiser sein denn Gott, welcher seine Christenheit nie durch stumme götzena, sonder durch die lebendige predig seines worts, wil underwiesen habenb.
  • a. Iere. 10. Haba. 2
  • b. 2 Pet. 1. 2 Tim. 3
98
Mögen aber nicht die Bilder, als der Laien Bücher, in den Kirchen geduldet werden?

Nein; denn wir sollen nicht weiser sein als Gott, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzen1, sondern durch die lebendige Predigt seines Worts will unterwiesen haben2.
  • 1. Jer. 10, 8. Hab. 2, 18—20
  • 2. Röm. 10, 17. 2 Petr. 1, 19. 2 Tim. 3, 16. 17
99
Was wil Gott im dritten Gebot?

[417]Daß wir nicht allein mit fluchen, oder mit falschem eyde: sonder auch mit unnötigem schweren den Namen Gottes nicht lestern oder mißbrauchen, noch uns mit unserm stilschweigen und zusehen solcher schrecklichen sünden theilhafftig machena, Und in summa, daß wir den heiligen Namen Gottes anderst nicht, denn mit forcht und ehrerbietung gebrauchenb, auff daß er von uns recht bekentc, angeruffend, und in all unsern worten und wercken gepriesen werde.
  • a. Esai. 45
  • b. Matt. 10
  • c. 1 Tim. 2
  • d. Rom. 2. 1 Tim. 6. Coloss. 3
99
Was will das dritte Gebot?

Dass wir nicht allein mit Fluchen1, oder mit falschem Eid2, sondern auch mit unnöthigem Schwören3 den Namen Gottes nicht lästern oder missbrauchen, noch uns mit unserm Stillschweigen und Zusehen solcher schrecklichen Sünden theilhaftig machen4; und in Summa, dass wir den heiligen Namen Gottes [38]anders nicht, denn mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen5, auf dass er von uns recht bekennet6, angerufen7 und in allen unsern Worten und Werken gepriesen werde8.
  • 1. 3 B. Mos. 24, 15. 16
  • 2. 3 B. Mos. 19, 12
  • 3. Matth. 5, 34. 35. 36. 37. Jac. 5, 12
  • 4. 3 B. Mos. 5, 1. Spr. Sal. 29, 24
  • 5. Jer. 4, 2. Jes. 45, 23
  • 6. Matth. 10, 32. Röm. 10, 9. 10
  • 7. Ps. 50, 15
  • 8. Col. 3, 17. Röm. 2, 24. 1 Tim. 6, 1
100
Ist denn mit schweren und fluchen Gottes Namen lestern, so eine schwere sünd, daß Gott auch uber die zürnet, die, souiel an jnen ist, dieselbe nicht helffen wehren und verbieten?

Ja freylicha, Denn keine sünde grösser ist, noch Gott hefftiger erzürnet, denn lesterung seines Namens. Darumb er sie auch mit dem todt zu straffen befohlen hatb.
  • a. Leuit. 5
  • b. Leui. 24
100
Ist denn mit Schwören und Fluchen Gottes Namen lästern so eine schwere Sünde, dass Gott auch über die zürnet, die, so viel an ihnen ist, dieselbigen nicht helfen wehren und verbieten?

Ja freilich1; denn keine Sünde größer ist, noch Gott heftiger erzürnet, denn Lästerung seines Namens; darum er sie auch mit dem Tode zu strafen befohlen hat2.
  • 1. Spr. Sal. 29, 24. 3 B. Mos. 5, 1
  • 2. 3 B. Mos. 24, 16
101
Mag man aber auch Gottselig bey dem Namen Gottes einen Eyd schweren?

Ja: Wenn es die Oberkeit von jhren underthanen, oder sonst die noth erfordert, trewe und warheit zu Gottes ehre und des nechsten heil dardurch zuerhalten und zu fürdern. Denn solches eydschwere ist in Gottes wort gegründeta, und derhalben von den Heiligen im alten und newen Testament recht gebrauchet wordenb.
  • a. Deut. 6. et 10. Esai. 48. Heb. 6
  • b. Gen. 21. et 31. Esai. 9. 1 Sam. 24. 2 Sam. 3. 1 Reg. 1. Rom. 1. 2 Cor. 1
101
Mag man aber auch gottselig bei dem Namen Gottes einen Eid schwören?

Ja; wenn es die Obrigkeit von ihren Unterthanen, oder sonst die Noth erfordert, Treu und Wahrheit zu Gottes Ehr' und des Nächsten Heil dadurch zu erhalten und zu fördern; denn solches Eidschwören ist in Gottes Wort gegründet1, und derhalben von den Heiligen im alten und neuen Testament recht gebrauchet worden2.
  • 1. 5 B. Mos. 6, 13 und 10, 20. Jes. 48, 1. Hebr. 6, 16
  • 2. 1 B. Mos. 21, 24 und 31, 54. Jos. 9, 15. 1 Sam. 24, 22. 23. 2 Sam. 3, 35. 1 Kön. 1, 28—30. 2 Cor. 1, 23. Röm. 9. 1
102
Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen eyd schweren?

Nein: Denn ein rechtmessiger eyd ist ein anruffung Gottes, daß er als der einig hertzkündiger, der warheit zeugnuß wölle geben, und mich straffen, so ich falsch schwere, welche ehre denn keiner creaturen gebüreta.
  • a. 2 Cor. 1. Mat. 5. Iacob. 5
102
Mag man auch bei den Heiligen oder andern Kreaturen einen Eid schwören?

Nein; denn ein rechtmäßiger Eid ist eine Anrufung Gottes, dass er, als der einige Herzenskündiger, [39]der Wahrheit Zeugnis wolle geben und mich strafen, so ich falsch schwöre1, welche Ehre denn keiner Kreatur gebührt2.
  • 1. 2 Cor. 1, 23. Röm. 9, 1
  • 2. Matth. 5, 34. 35. 36. Jac. 5, 12
103
Was wil Gott im vierdten Gebot?

[418]Got wil erstlich, daß das Predigampt und schulen erhalten werdena, und ich sonderlich am feiertag zu der gemeine Gottes vleissig komeb, das wort Gottes zu lernenc, die heilige Sacrament zu gebrauchend, den HERRN offentlich anzuruffene, und das Christlich almoß zugebenf. Zum andern, daß ich alle tage meines lebens von meinen bösen wercke feyere, den HERRN durch seinen Geist in mir würcken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem leben anfangeg.
  • a. Tit. 1. 1 Tim. 3. 4. et 5. 1 Cor. 9. 2 Tim. 2. et 3
  • b. Psal. 40. et 68. Act. 3
  • c. 1 Cor. 14
  • d. 1 Cor. 11
  • e. 1 Tim. 2. 1 Cor. 14
  • f. 1 Cor. 16
  • g. Esai. 66
103
Was will Gott im vierten Gebot?

Gott will erstlich, dass das Predigtamt und Schulen erhalten werde1, und ich, sonderlich am Feiertage, zu der Gemeine Gottes fleißig komme2, das Wort Gottes zu lernen3, die heiligen Sakramente zu gebrauchen4, den Herrn öffentlich anzurufen5, und das christliche Almosen zu geben6; zum andern, dass ich alle Tage meines Lebens von meinen bösen Werken feiere, den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem Leben anfange7.
  • 1. Tit. 1. 5. 2 Tim. 3, 14. 1 Cor. 9, 13. 14. 2 Tim. 2, 2, 3. 15
  • 2. Ps. 40, 10. 11 und 68, 27. Apost. Gesch. 2, 42
  • 3. 1 Tim. 4, 13. 1 Cor. 4, 19
  • 4. 1 Cor. 11, 33
  • 5. 1 Tim. 2, 1. 1 Cor. 14, 16
  • 6. 1 Cor. 16, 2
  • 7. Jes. 66, 23. Luc. 17, 20
104
Was wil Gott im fünfften Gebot?

Daß ich meinem Vater und Mutter, und allen die mir fürgesetzt sein, alle ehre, liebe und trewe beweisen, und mich aller guten lehr und straff, mit gebürlichem gehorsam underwerffena, und auch mit jren gebrechen gedult haben solb, dieweil uns Gott durch jhre hand regieren wilc.
  • a. Ephes. 5. et 6. Coloss. 3. Prou. 1. 4. 15. et 20. Exod. 21. Rom. 13
  • b. Prou. 23. Gen. 9. 1 Pet. 2
  • c. Ephes. 6. Coloss. 3. Rom. 13. Mat. 22
104
Was will Gott im fünften Gebot?

Dass ich meinem Vater und Mutter, und Allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue beweisen, und mich aller guten Lehre und Strafe mit gebührlichem Gehorsam unterwerfen1, und auch mit ihren Gebrechen Geduld haben soll2; dieweil uns Gott durch ihre Hand regieren will3.
  • 1. Ephes. 6, 1. 2. 3. 5. Col. 3, 18. 20. 22. Ephes. 5, 22, Spr. Sal. 1, 8. 4, 1. 15, 20 und 20, 20. 2 B. Mos. 21, 17. Röm. 13, 1
  • 2. Spr. Sal. 23, 22. 1 B. Mos. 9, 24. 25. 1 Petr. 2, 17. 18
  • 3. Ephes. 6, 4. 9. Col. 3, 20. Röm. 13, 2. 3. Matth. 22, 21
105
Was wil Gott im sechsten gebot?

Daß ich meinem nechsten weder mit gedancken, noch mit worten oder geberden, viel weniger mit der that, durch mich selbst oder andere schmehen, hassen, beleidigen, oder tödtena: sonder alle rachgirigkeit ablegenb, auch mich selbst nit beschedigen, oder mutwillig in gefahr begeben solc. Darumb auch die Oberkeit, dem todschlag zu wehren, das Schwert tregtd.
  • a. Matt. 5. et 26. Gen. 9
  • b. Ephes. 4. Rom. 12. Matt. 5. et 18
  • c. Rom. 13. Coloss. 2. Syr. 3. Mat. 4
  • d. Gen. 9. Exo. 21. Mat. 26. Rom. 13
105
[40]Was will Gott im sechsten Gebot?

Dass ich meinen Nächsten weder mit Gedanken, noch mit Worten oder Geberden viel weniger mit der That, durch mich selbst oder Andere schmähen, hassen, beleidigen oder tödten1, sondern alle Rachgierigkeit ablegen2, auch mich selbst nicht beschädigen oder muthwillig in Gefahr begeben soll3; darum auch die Obrigkeit, den Todtschlag zu wehren, das Schwerdt trägt4.
  • 1. Matth. 5, 21. 22 und 26, 52. 1 B. Mos. 9, 6
  • 2. Ephes. 4, 26. Röm. 12, 19. Matth. 5, 25 und 18, 35
  • 3. Röm. 13, 12. Col. 2, 23. Matth. 4, 7
  • 4. 1 B. Mos. 9, 6. 2 B. Mos. 21, 14. Matth. 26, 52. Röm. 13, 4
106
Redet doch diß gebot allein von tödten?

Es wil uns aber Gott durch verbietung des Todtschlags lehren, daß er die wurtzel des todtschlags, als neida, haßb, zornc, Rachgirigkeit, hasset, und daß solches alles für jhm ein heimlicher todtschlag seyd.
  • a. Rom. 1
  • b. 1 Ioh. 2
  • c. Iac. 2. Galat. 5
  • d. 1 Ioh. 3
106
Redet doch dies Gebot allein vom Tödten?

Es will uns aber Gott durch Verbietung des Todschlages lehren, dass er die Wurzel des Todtschlages, als Neid1, Hass2, Zorn3, Rachgierigkeit hasset, und dass solches Alles vor ihm ein heimlicher Todtschlag sei4.
  • 1. Spr. Sal. 14, 30. Röm. 1, 29
  • 2. 1 Joh. 2, 11
  • 3. Jac. 1, 20. Gal. 5, 19
  • 4. 1 Joh. 3, 15
107
Ists aber damit gnug, daß wir unsern nechsten, wie gemelt, nit tödten?

[419]Nein. Denn in dem Gott neid, haß und zorn verdampt: wil er von uns haben, daß wir unsern nechsten lieben als uns selbsta, gegen jhm gedult, friede, sanfftmuthb, barmhertzigkeitc und freundligkeit erzeigend, seinen schaden, souiel uns möglich, abwendene, und auch unsern feinden guts thunf.
  • a. Matt. 7. et 22
  • b. Ephes. 4. Galat. 6. Matt. 5. Rom. 12
  • c. Matt. 5. Luc. 6
  • d. Rom. 12
  • e. Exod. 23
  • f. Matt. 5. Rom. 12
107
Ist's aber damit genug, wenn wir unsern Nächsten, wie gemeldet, nicht tödten?

Nein; denn indem Gott Neid, Hass und Zorn verdammt, will er von uns haben, dass wir unsern Nächsten lieben als uns selbst1, gegen ihn Geduld, Friede, Sanftmuth2, Barmherzigkeit und3 Freundlichkeit4 erzeigen, seinen Schaden, so viel uns möglich ist, abwenden5, und auch unsern Feinden Gutes thun6.
  • 1. Matth. 22, 39 und 7, 12. Röm. 12, 10
  • 2. Ephes. 4, 1—3. Gal. 6, 1. 2. Matth. 5, 5. Röm. 12, 18
  • 3. Luc. 6, 36. Matth. 5, 7
  • 4. 1 Petr. 3, 8. Col. 3, 12
  • 5. 2 B. Mos. 23, 5
  • 6. Matth. 5, 44. 45. Röm. 12, 20
108
Was wil das siebende Gebot?

Daß alle unkeuschheit von Gott vermaledeyet seya, und daß wir darumb jhr von hertzen feind sein sollenb, und keusch und züchtig leben sollenc, es sey im heiligen Ehestandt oder ausserhalb desselbend.
  • a. Leuit. 18
  • b. Iudae 1
  • c. 1 Thess. 4
  • d. Heb. 13. 1 Cor. 7
108
[41]Was will das siebente Gebot?

Dass alle Unkeuschkeit von Gott vermaledeiet sei1, und dass wir darum ihr von Herzen feind sein2 und keusch und züchtig leben sollen3, es sei im heiligen Ehestand oder außerhalb desselben4.
  • 1. 3 B. Mos. 18, 29
  • 2. Jud. 23
  • 3. 1 Thess. 4, 3. 4. 5
  • 4. Hebr. 13, 4. 1 Cor. 7, 7
109
Verbeut Gott in diesem gebot nichts mehr denn Ehebruch und dergleichen schanden?

Dieweil beyde unser leib und seel tempel des heiligen Geists sein, so wil er, daß wir sie beyde sauber und heilig bewaren. Verbeut derhalben alle unkeusche thaten, geberden, worta, gedancken, lustb, und was den menschen darzu reitzen magc.
  • a. Ephes. 5. 1 Cor. 6
  • b. Mat. 5
  • c. Ephes. 5. 1 Cor. 15
109
Verbietet Gott in diesem Gebot nichts mehr denn Ehebruch und dergleichen Schanden?

Dieweil beide, unser Leib und Seele, Tempel des heiligen Geistes sind, so will er, dass wir sie beide sauber und heilig bewahren; verbietet derhalben alle unkeusche Thaten, Geberden1, Worte, Gedanken, Lust2, und was den Menschen dazu reizen mag.
  • 1. Ephes. 5, 3. 4. 1 Cor. 6, 18. 19
  • 2. Matth. 5, 27. 28
110
Was verbeut Gott im achten Gebot?

Er verbeut nicht allein den diebstala und raubereyb, welche die Oberkeit strafft: sonder Gott nennet auch diebstal alle böse stück und anschlege, damit wir unsers nechsten gut gedencken an uns zu bringen, es sey mit gewalt oder schein des rechtensc: als unrechtem gewichtd, Ellnmaße, wahre, müntz, wucherf, oder durch einiges mittel, das von Gott verbotten ist: Darzu auch allen geitzg, und unnütze verschwendung seiner gabenh.
  • a. 1 Cor. 6
  • b. 1 Cor. 5
  • c. Luc. 3. 1 Thess. 4
  • d. Prou. 11. et 16
  • e. Eze. 45. Deut. 25
  • f. Psal. 15. Luc. 6
  • g. 1 Cor. 6
  • h. Prou. 5
110
Was verbietet Gott im achten Gebot?

Er verbietet nicht allein den Diebstahl1 und Räuberei2, welche die Obrigkeit straft; sondern Gott nennet auch Diebstahl alle böse Stücke und Anschläge, damit wir unsers Nächsten Gut gedenken an uns zu bringen, es sei mit Gewalt oder Schein des Rechten3, als unrechtem Gewicht, Ellen, Maß4, Waare, Münze, Wucher5, oder durch einiges Mittel, das von Gott verboten ist, dazu auch allen Geiz6 und unnütze Verschwendung seiner Gaben7.
  • 1. 1 Cor. 6, 10
  • 2. 1 Cor. 5, 10. Jes. 33, 1
  • 3. Luc. 3, 14. 1 Thess. 4, 6
  • 4. Spr. Sal. 11, 1 und 16, 11. Ezech. 45, 9. 10. 5 B. Mos. 25, 13
  • 5. Ps. 15, 5. Luc. 6, 35
  • 6. 1 Cor. 6, 10
  • 7. Spr. Sal. 5, 16 und 21, 20
111
Was gebeut dir aber Gott in diesem Gebot?

Daß ich meines nechsten nutz, wo ich kan und mag, fürdere, gegen [420]jhm also handle, wie ich wolte, daß man mit mir handletea, und trewlich arbeite, auff daß ich dem dürfftigen in seiner noth helffen mögb.
  • a. Mat. 7
  • b. Ephes. 4
111
Was gebietet aber Gott in diesem Gebot?

Dass ich meines Nächsten Nutzen, wo ich kann und mag, fördere, gegen ihn also handele1, wie ich [42]wollte, dass man mit mir handelte, und treulich arbeite, auf dass ich dem Dürftigen in seiner Noth helfen möge2.
  • 1. Matth. 7, 12
  • 2. Ephes. 4, 28
112
Was wil das neund gebot?

Daß ich wider niemand falsche zeugnuß gebea, niemand seine wort verkereb, kein affterreder und lesterer seyec, Niemand unerhört, und leichtlich verdammen helffed: sonder allerley liegen und triegen, als eigene werck des Teufelse, bey schwerem Gotteszorn vermeidef, In gerichts und allen andern handlungen die warheit liebe, auffrichtig sage und bekenneg, auch meines nechsten ehre und glimpff nach meinem vermögen rette und fürdereh.
  • a. Prou. 19. et 21
  • b. Psal. 15
  • c. Rom. 1
  • d. Mat. 7. Luc. 6
  • e. Ioh. 8
  • f. Prou. 12. et 13
  • g. 1 Cor. 13. Ephes. 4
  • h. 1 Pet. 4
112
Was will das neunte Gebot?

Dass ich wider Niemand falsches Zeugnis gebe1, Niemand seine Worte verkehre2, kein Afterredner und Lästerer sei3, Niemand unverhört und leichtlich verdammen helfe4; sondern allerlei Lügen und Trügen, als eigene Werke des Teufels5, bei schwerem Gottes Zorn vermeide6, in Gerichts- und allen anderen Handlungen die Wahrheit liebe, aufrichtig sage und bekenne7, auch meines Nächsten Ehre und Glimpf nach meinem Vermögen rette und fördere8.
  • 1. Spr. Sal. 19, 5. 9 und 21, 28
  • 2. Ps. 15, 3 und 50, 19, 20
  • 3. Röm. 1, 30
  • 4. Matth. 7, 1. Luc. 6, 37
  • 5. Joh. 8, 44
  • 6. Spr. Sal. 12, 22 und 13, 5
  • 7. Ephes. 4, 25. Ps. 15, 2
  • 8. 1 Petr. 4, 8
113
Was wil das zehend Gebot?

Daß auch die geringste lust od. gedancken wider jrgend ein gebot Gottes, in unser hertz nimmermehr komen: sonder wir für und für von gantzem hertzen aller sünde feind sein, und lust zu aller gerechtigkeit haben sollena.
  • a. Rom. 7
113
Was will das zehnte Gebot?

Dass auch die geringste Lust oder Gedanken wider irgend ein Gebot Gottes in unser Herz nimmermehr kommen soll; sondern wir für und für von ganzem Herzen aller Sünde feind sein, und Lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen1.
  • 1. Röm. 7, 7
114
Können aber die zu Gott bekert sind, solche gebot volkömlich halten?

Nein: sonder es haben auch die aller heiligsten, so lang sie in diesem leben sind, nur einen geringen anfang dieses gehorsamsa: doch also, daß sie mit ernstlichem fürsatz, nicht allein nach etlichen, sonder nach allen geboten Gottes anfangen zu lebenb.
  • a. 1 Ioh. 1. Rom. 7. Eccl. 7
  • b. Rom. 7. Iac. 2
114
Können aber die zu Gott bekehret sind, solche Gebote vollkömmlich halten?

Nein; sondern es haben auch die Allerheiligsten, so lange sie in diesem Leben sind, nur einen geringen Anfang dieses Gehorsams1, doch also, dass sie mit [43]ernstlichem Vorsatz nicht allein nach etlichen, sondern nach allen Geboten Gottes anfangen zu leben2.
  • 1. 1 Joh. 1, 8. Röm. 7, 14. 15. 19. Predig. Sal. 7, 21. 1 Cor. 13, 9
  • 2. Röm. 7, 22. Ps. 1, 2
115
Warumb lest uns denn Gott also scharff die zehen Gebot predigen, weil sie in diesem leben niemand halten kan?

Erstlich auff daß wir unser gantzes lebenlang unsere sündliche art je lenger je mehr erkennena, und souiel desto begiriger vergebung der sünden und gerechtigkeit in Christo suchenb. Darnach daß wir ohne underlaß uns befleissen, und Gott bitten umb die gnade des heiligen Geists, [421]daß wir je lenger je mehr zu dem ebenbild Gottes ernewert werden, biß wir das ziel der volkommenheit nach diesem leben erreichenc.
  • a. 1 Ioh. 1. Psal. 32
  • b. Rom. 7
  • c. 1 Cor. 9. Phil. 3
115
Warum lässt uns denn Gott also scharf die zehn Gebote predigen, weil sie in diesem Leben Niemand halten kann?

Erstlich, auf dass wir unser ganzes Lebenlang unsere sündliche Art je länger je mehr erkennen1, und so viel desto begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christo suchen2; darnach, dass wir ohne Unterlass uns befleißigen, und Gott bitten um die Gnade des heiligen Geistes, dass wir je länger je mehr zu dem Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir das Ziel der Vollkommenheit nach diesem Leben erreichen3.
  • 1. Röm. 3, 20. 1 Joh. 1, 9. Ps. 32, 5
  • 2. Matth. 5, 6. Röm. 7, 24
  • 3. 1 Cor. 9, 24. Phil. 3, 12. 13. 14
116
Warumb ist den Christen das Gebet nötig?

Darumb, daß es das fürnembste stück der danckbarkeit ist, welche Gott von uns erforderta, Und daß Gott seine gnade und heiligen Geist allein denen wil geben, die jhn mit hertzlichem seufftzen ohne underlaß darumb bitten, und jhm darfür danckenb.
  • a. Psal. 50
  • b. Matt. 7. et 13. Luc. 11
116
Warum ist den Christen das Gebet nöthig?

Darum, dass es das vornehmste Stück der Dankbarkeit ist, welches Gott von uns fordert1, und dass Gott seine Gnade und heiligen Geist allein Denen will geben, die ihn mit herzlichem Seufzen ohne Unterlass darum bitten und ihm dafür danken2.
  • 1. Ps. 50. 14. 15
  • 2. Matth. 7, 7. Luc. 11, 9. 13. Matth. 13, 12
117
Was gehöret zu einem solchen gebett das Gott gefalle, und von jhm erhöret werde?

Erstlich daß wir allein den einigen waren Gott, der sich uns in seinem wort hat offenbaret, umb alles das er uns zu bitten befohlen hat, von hertzen anruffena. Zum andern, daß wir unsere noth und elend recht gründlich erkennenb, uns für dem angesicht seiner Maiestet zu demütigenc. Zum dritten, daß wir diesen festen grund habend, daß er unser gebett, unangesehen daß wirs unwirdig seind, doch umb des HERRN Christi willen gewißlich wölle erhörene, wie er uns in seinem wort verheissen hatf.
  • a. Ioh. 4
  • b. Rom. 8. 1 Ioh. 5
  • c. Ioh. 4
  • d. 2 Pa. 20
  • e. Psal. 2. et 34. Esai. 66
  • f. Rom. 10. Iac. 1. Ioh. 14. Dan. 9. Mat. 2. Psal. 143
117
Was gehört zu einem solchen Gebet, das Gott gefalle und von ihm erhöret werde?

Dass wir allein den einigen wahren Gott, der sich uns in seinen Wort hat geoffenbaret1, um Alles, [44]das er uns zu bitten befohlen hat2, von Herzen anrufen3; zum andern, dass wir unsere Noth und Elend recht gründlich erkennen4, uns vor dem Angesicht seiner Majestät zu demüthigen5; zum dritten, dass wir diesen festen Grund haben6, dass er unser Gebet, unangesehen, dass wir es unwürdig sind, doch um des Herrn Christi willen gewisslich wolle erhören7, wie er uns in seinem Wort verheißen hat8.
  • 1. Offenb. Joh. 22, 9. Joh. 4, 22
  • 2. Röm. 8, 26. 1 Joh. 5, 14. Jac. 1, 5
  • 3. Joh. 4, 23. 24. Ps. 145, 18
  • 4. 2 Chron. 20, 12
  • 5. Ps. 2, 11 und 34, 19. Jes. 66, 2
  • 6. Röm. 10, 14. Jac. 1, 6
  • 7. Joh. 14, 13 und 16, 23. Dan. 9, 17
  • 8. Matth. 7, 8. Ps. 27, 8
118
Was hat uns Gott befohlen von jhm zu bitten?

Alle geistliche und leibliche notdurfft, welche der HERR Christus begriffen hat in dem Gebett, das er uns selbst gelehreta.
  • a. Iacob. 1. Mat. 6
118
Was hat uns Gott befohlen von ihm zu bitten?

Alle geistliche und leibliche Nothdurft1, welche der Herr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
  • 1. Jac. 1, 17. Matth. 6, 33
119
Wie lautet dasselbe?

Unser Vater der du bist in himeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich kome. Dein wil geschehe, auff erden wie im himmel. Unser teglich brod gib uns heut. Und vergib uns unser schult, als auch wir vergeben [422]unsern schuldigern. Und füre uns nicht in versuchung, sonder erlöse uns vom bösem. Denn dein ist das reich, und die krafft, und die herrligkeit in ewigkeit, Amena.
  • a. Matt. 6. Luc. 11
119
Wie lautet dasselbige?

Unser Vater, der du bist in den Himmeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel. Unser täglich Brod gieb uns heute. Und vergieb uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung; sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen1.
  • 1. Matth. 6, 9—13. Luc. 11, 2. 3. 4
120
Warumb hat uns Christus befohlen Gott also anzureden, Unser Vater?

Daß er gleich im anfang unsers gebetts in uns erwecke die kindliche furcht und zuuersicht gegen Gott, welche der grund unsers gebets sol sein: Nemlich, daß Gott unser Vater durch Christum worden sey, und wölle uns viel weniger versagen, warumb wir jhn im glauben bitten, denn unsere Väter uns jrdische ding abschlagena.
  • a. Matt. 7. Luc. 11
120
Warum hat uns Christus befohlen, Gott also anzureden: Unser Vater?

Dass er gleich im Anfang unsers Gebets in uns erwecke die kindliche Furcht und Zuversicht gegen Gott, [45]welche der Grund unsers Gebets sein soll: nämlich, dass Gott unser Vater durch Christum worden sei, und wolle uns vielweniger versagen, warum wir ihn im Glauben bitten, denn unsere Väter uns irdische Dinge abschlagen1.
  • 1. Matth. 7, 9—11. Luc. 11, 11. 12. 13
121
Warumb wird hinzugethan, Der du bist in himmeln?

Auff daß wir von der himlischen Maiestet Gottes, nichts jrdisch gedenckena, und von seiner allmechtigkeit alle notdurfft leibs und der seelen gewartenb.
  • a. Iere. 23. Act. 17
  • b. Rom. 10
121
Warum wird hinzugethan: Der du bist in den Himmeln?

Auf dass wir von der himmlischen Majestät Gottes nichts Irdisches gedenken1, und von seiner Allmächtigkeit alle Nothdurft Leibes und der Seele gewarten2.
  • 1. Jer. 23, 24. Apost. Gesch. 17, 24. 25. 27
  • 2. Röm. 10, 12
122
Was ist die erste Bitt?

Geheiliget werde dein Name, das ist, gib uns erstlich daß wir dich recht erkennena, und dich in allen deinen wercken, in welchen leuchtet deine allmechtigkeit, weißheit, güte, gerechtigkeit, barmhertzigkeit und warheit, heiligen, rhümen und preisenb. Darnach auch daß wir unser gantzes leben, gedancken, wort und werck dahin richten, daß dein Name umb unsert willen nit gelestert, sonder geehret und gepriesen werdec.
  • a. Ioh. 17. Mat. 16. Iac. 1. Psal. 119
  • b. Psal. 119. Rom. 11
  • c. Psal. 71. et 115
122
Was ist die erste Bitte?

Geheiliget werde dein Name; das ist: Gieb uns erstlich, dass wir dich recht erkennen1, und dich in allen deinen Werken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit, heiligen, rühmen und preisen2; darnach auch, dass wir unser ganzes Leben Gedanken, Worte und Werke dahin richten, dass dein Name um unsertwillen nicht gelästert, sondern geehrt und gepriesen werde3.
  • 1. Joh. 17, 3. Jer. 9, 24 und 31, 33. 34. Matth. 16, 17. Jac. 1, 5. Ps. 119, 105
  • 2. Ps. 119, 137. Luc. 1, 46. 47. 68. 69. Röm. 11, 33
  • 3. Ps. 71, 8 und 115, 1
123
Was ist die ander Bitt?

Zukom dein Reich, das ist, Regiere uns also durch dein wort und geist, daß wir uns dir je lenger je mehr underwerffena: erhalt und mehre deine kirchenb, und zerstöre die werck des Teuffels, und allen gewalt der sich wider dich erhebt, und alle böse rahtschlege, die wider dein heiliges wort erdacht werdenc, biß die volkommenheit deines Reichs hertzu komed, darin du wirst alles in allem seine. [423]
  • a. Matt. 6. Psal. 119. et 143
  • b. Psal. 51. et 122
  • c. 1 Ioh. 3. Rom. 16
  • d. Apoc. 22. Rom. 8
  • e. 1 Cor. 15
123
Was ist die andere Bitte?

Zu uns komme dein Reich; das ist: Regiere uns also durch dein Wort und Geist, dass wir uns dir je länger je mehr unterwerfen1; erhalte und [46]mehre deine Kirche2, und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich wider dich erhebt, und alle bösen Rathschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden3, bis die Vollkommenheit deines Reichs herzu komme4, darin du wirst Alles in Allem sein5.
  • 1. Ps. 143, 10 und 119, 5. Matth. 6, 33
  • 2. Ps. 51, 20 und 122, 6
  • 3. 1 Joh. 3, 8. Röm. 16, 20
  • 4. Offenb. Joh. 22, 20. Röm. 8, 23
  • 5. 1 Cor. 15, 28
124
Was ist die dritte Bitt?

Dein Wil geschehe auff erden wie im himmel, das ist, verleihe daß wir und alle menschen unserm eigenen willen absagena, und deinem allein guten willen one alles widersprechen gehorchenb, daß also jederman sein ampt und beruff so willig und trewlich außrichtec, wie die Engel im himmeld.
  • a. Matt. 16. Tit. 2
  • b. Luc. 22
  • c. 1 Cor. 7
  • d. Psal. 103
124
Was ist die dritte Bitte?

Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel; das ist: Verleihe, dass wir und alle Menschen unserm eigenen Willen absagen1, und deinem allein guten Willen ohne alles Widersprechen gehorchen2, dass also Jedermann sein Amt und Beruf so willig und treulich ausrichte3, wie die Engel im Himmel4.
  • 1. Matth. 16, 24. Tit. 2, 11. 12
  • 2. Luc. 22, 42. Ephes. 5, 10. Röm. 12, 2
  • 3. 1 Cor. 7, 24
  • 4. Ps. 103, 20. 21
125
Was ist die vierde Bitt?

Gib uns heut unser teglich brod, das ist, wollest uns mit aller leiblichen notdurfft versorgena, auff daß wir dardurch erkennen, daß du der einig vrsprung alles guten bistb, und daß one deinen segen, weder unsere sorgen und arbeit, noch deine gaben uns gedeienc: und wir derhalben unser vertrawen von allen Creaturen abziehen, und allein auff dich setzend.
  • a. Psal. 104. et 145. Matt. 6
  • b. Act. 14. et 17
  • c. 1 Cor. 15. Deut. 8. Psal. 37
  • d. Psal. 55. et 62
125
Was ist die vierte Bitte?

Gieb uns heute unser täglich Brod; das ist: Wollest uns mit aller leiblichen Nothdurft versorgen1, auf dass wir dadurch erkennen, dass du der einige Ursprung alles Guten bist2, und dass ohne deinen Segen weder unsere Sorgen und Arbeit, noch deine Gaben uns gedeihen3, und wir derhalben unser Vertrauen von allen Kreaturen abziehen und allein auf dich setzen4.
  • 1. Ps. 145, 15. 16 und 104, 27. Matth. 6, 26
  • 2. Jac. 1, 17. Apost. Gesch. 14, 17 und 17, 27
  • 3. 1 Cor. 15, 58. 5 B. Mos. 8, 3. Ps. 37, 16 und 127, 1. 2
  • 4. Ps. 55, 23. 62, 11 und 146, 3. Jer. 17, 5. 7
126
Was ist die fünffte Bitt?

Vergib uns unsere schuld, als auch wir vergeben unsern schuldigern, das ist, wollest uns armen sündern alle unsere missethat, auch das böse, so uns noch jmerdar anhenget umb des bluts Christi willen nit zurechnena, wie auch wir diß zeugnuß deiner gnad in uns befinden, daß unser gantzer fürsatz ist, unserm nechsten von hertzen zuuerzeihenb.
  • a. Psal. 51. et 143. 1 Ioh. 2
  • b. Mat. 6
126
[47]Was ist die fünfte Bitte?

Vergieb uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern; das ist: Wollest uns armen Sündern alle unsere Missethaten, auch das Böse, so uns noch immerdar anhänget, um des Blutes Christi willen nicht zurechnen1, wie auch wir das Zeugnis deiner Gnade in uns befinden, dass unser ganzer Vorsatz ist, unserm Nächsten von Herzen zu verzeihen2.
  • 1. Ps. 51, 3. 4 u. 143, 2. 1 Joh. 2, 1. Röm. 8, 1
  • 2. Matth. 6, 14
127
Was ist die sechste Bitt?

Und füre uns nit in versuchüg, sonder erlöse uns vom bösen, das ist, dieweil wir auß uns selbst so schwach sein, daß wir nit einen augenblick bestehen könnena, und darzu unsere abgesagte feind, der Teufelb, die weltc, und unser eigen fleischd, nit auffhören uns anzufechten: so wollest uns erhalten und stercken durch die krafft deines [424]heiligen Geistese, auff daß wir jnen möge feste widerstand thun, und in diesem geistliche streit nit unden ligen, biß daß wir entlich den sieg volkomlich behaltenf.
  • a. Ioh. 15. Psal. 103
  • b. 1 Pet. 5. Ephes. 6
  • c. Ioh. 15
  • d. Rom. 7. Galat. 5
  • e. Mat. 26. Mar. 13
  • f. 1 Thess. 3. et 5
127
Was ist die sechste Bitte?

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen; das ist: Dieweil wir aus uns selbst so schwach sind, dass wir nicht einen Augenblick bestehen können1, und dazu unsere abgesagten Feinde, der Teufel2, die Welt3, und unser eigen Fleisch4, nicht aufhören uns anzufechten: so wollest du uns erhalten und stärken durch die Kraft deines heiligen Geistes, auf dass wir ihnen mögen festen Widerstand thun und in diesem geistlichen Streit nicht unterliegen5, bis dass wir endlich den Sieg vollkömmlich behalten6.
  • 1. Joh. 15, 5. Ps. 103, 14
  • 2. 1 Petr. 5, 8. Ephes. 6, 12
  • 3. Joh. 15, 19
  • 4. Röm. 7, 23. Gal. 5, 17
  • 5. Matth. 26, 41. Marc. 13, 33
  • 6. 1 Thess. 5, 23
128
Wie beschleusst du diß Gebet?

Denn dein ist das Reich, die krafft, und die herrligkeit in ewigkeit, das ist, Solchs alles bitten wir darumb von dir, daß du als unser König, und aller ding mechtig, uns alles guts geben wilst, und kansta, und daß dadurch nicht wir, sonder dein heiliger Name ewig sol gepriesen werdenb.
  • a. Rom. 10. 2 Pet. 2
  • b. Ioh. 14. Psal. 115
128
Wie beschließest du dieses Gebet?

Denn dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit; das ist: Solches bitten wir Alles darum von dir, dass [48]du als unser König und aller Dinge mächtig, uns alles Gute geben willst und kannst1, und dass dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig soll gepriesen werden2.
  • 1. Röm. 10, 12. 2 Petr. 2, 9
  • 2. Joh. 14, 13. Jer. 33, 8, 9. Ps. 115, 1
129
Was bedeut das wörtlein, Amen.

Amen heist, das sol war und gewiß sein. Denn mein gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, denn ich in meinem hertzen füle, daß ich solches von jhm begerea.
  • a. 2 Cor. 1. 2 Tim. 2
129
Was heißt das Wörtlein Amen?

Amen heißt: Das soll wahr und gewiss sein; denn mein Gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, als ich in meinem Herzen fühle, dass ich solches von ihm begehre1.
  • 1. 2 Cor. 1, 20. 2 Tim. 2, 13. Ephes. 3, 20. 21