Heidelberg Catechism — compare

Kassel, 1749 vs Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund) (German) · 184 of 184 units differ · back to reader

struck-through = only in the left edition · underlined = only in the right. Differences in punctuation, capitalisation and Scripture references are ignored.

Kassel, 1749
Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
HC LD 1 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

1. Sonntag

HC Q1
[1]Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?

Daß ich mit Leib und Seel, beydes im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heylandes JEsu Christi eigen bin, der mit seinem theuren Blut für alle meine Sünde vollkömmlich bezahlet, und mich aus aller Gewalt des Teuffels erlöset hat, und also bewahret, daß ohne den Willen meines Vatters im Himmel, kein Haar von meinem Haupt kan fallen, ja auch mir alles zu meiner Seeligkeit dienen mus. Darum er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert, und ihm forthin zu leben von Hertzen willig und bereit macht.
[7]Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

Daß ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.

Er hat
mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, daß mir alles zu meiner Seligkeit dienen muß.

Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiß und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.
HC Q2
Wie viel Stück sind dir nöthig zu wissen, daß du in diesem Trost seeliglich leben und sterben mögest?

Drey Stück: Erstlich
, wie groß meine Sünde und Elend seyen. Zum andern, wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöset werde. Und zum dritten, wie ich GOTT für solche Erlösung soll danckbar seyn.
[9]Was mußt du wissen, damit du in diesem Trost selig leben und sterben kannst?

Erstens
: Wie groß meine Sünde und Elend ist.

Zweitens
: Wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöst werde.

Drittens: Wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein.
HC PART 1
Der erste Theil, Von des Menschen Elend.
Der erste Teil. Von des Menschen Elend
HC LD 2 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

2. Sonntag

HC Q3
[2]Woher erkennest du dein Elend?

Aus dem Gesetz GOttes.
[10]Woher erkennst du dein Elend?

Aus dem Gesetz Gottes.
HC Q4
Was erfordert dann das göttliche Gesetz von uns?

Diß lehret uns Christus in einer Summa, Matth. 22. v. 37 Du solt lieben GOtt deinen HErrn von gantzem Hertzen, von gantzer Seelen, von gantzem Gemüht, und allen Kräfften: Diß ist das fürnehmste und gröste Gebott. Das ander aber ist dem gleich: Du solt deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweyen Geboten hanget das gantze Gesetz und die Propheten.
Was fordert denn Gottes Gesetz von uns?

Dies lehrt uns Christus mit folgenden Worten:

»Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.

Dies
ist das höchste und größte Gebot.

Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.«
HC Q5
Kanst du diß alles vollkömmlich halten?

Nein: Dann ich bin von Natur geneigt GOtt und meinen Nächsten zu hassen.
[11]Kannst du das alles vollkommen halten?

Nein, denn ich bin von Natur aus geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen.
HC LD 3 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

3. Sonntag

HC Q6
Hat dann GOtt den Menschen also bös und verkehrt erschaffen?

Nein: Sondern GOtt hat den Menschen gut, und nach seinem Ebenbild erschaffen, das ist, in wahrhafftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf daß er GOtt seinen Schöpffer recht erkennete, und von Hertzen liebte, und in ewiger Seeligkeit mit ihm lebte, ihn zu loben und zu preisen.
Hat denn Gott den Menschen so böse und verkehrt erschaffen?

Nein. Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen, das bedeutet: wahrhaft gerecht und heilig, damit er Gott, seinen Schöpfer, recht erkenne, von Herzen liebe und in ewiger Seligkeit mit ihm lebe, ihn zu loben und zu preisen.
HC Q7
Woher kommt dann solche verderbte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adams und Even im Paradeis, da unser Natur also vergifftet worden, daß wir alle in Sünden empfangen und gebohren werden.
Woher kommt denn diese böse und verkehrte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva im Paradies. Da ist unsere Natur so vergiftet worden, daß wir alle von Anfang an Sünder sind.
HC Q8
Seynd wir aber dermasen verderbt, daß wir gantz und gar untüchtig sind zu einigem Guten, und geneigt zu allem Bösen?

Ja: Es sey dann, daß wir durch den Geist GOttes wieder gebohren werden.
[12]Sind wir aber so böse und verkehrt, daß wir ganz und gar unfähig sind zu irgendeinem Guten und geneigt zu allem Bösen?

Ja, es sei denn, daß wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden.
HC LD 4 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

4. Sonntag

HC Q9
Thut dann GOtt dem Menschen nicht unrecht, daß er in seinem Gesetz von ihm fordert, das er nicht thun kan?

Nein: Dann GOTT hat den Menschen also erschaffen, daß er es konte thun: Der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen, aus Anstiftung des Tenffels, durch muthwilligen Ungehorsam, derselbigen Gaben beraubet.
Tut denn Gott dem Menschen nicht Unrecht, wenn er in seinem Gesetz etwas fordert, was der Mensch nicht tun kann?

Nein, sondern Gott hat den Menschen so erschaffen, daß er es tun konnte. Der Mensch aber, vom Teufel angestiftet, hat sich und alle seine Nachkommen durch mutwilligen Ungehorsam der Gabe Gottes beraubt.
HC Q10
Will GOtt solchen Ungehorsam und Abfall ungestraft lassen hingehen?

Mit nichten
: Sondern Er zürnet schröcklich, beyde über angebohrne und würckliche Sünde, und will sie aus gerechtem Urtheil zeitlich und ewig strafen, wie Er gesprochen hat: Verflucht sey jederman, der nicht bleibt in allem dem, das geschrieben stehet in dem Buch des Gesetzes, daß ers thne.
[13]Will Gott diesen Ungehorsam ungestraft lassen?

Nein, sondern er zürnt schrecklich über die sündige Art des Menschen und seine sündigen Taten. Beides will er nach seinem gerechten Urteil schon jetzt und ewig strafen, wie er gesprochen hat:

»Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er’s tue!«
HC Q11
[3]Ist dann GOtt nicht auch barmhertzig?

GOtt ist wohl barmhertzig, er ist aber auch gerecht. Derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, welche wider die allerhöchste Majestät GOttes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, der ewigen Strafe, an Leib und Seel gestraft werde.
Ist denn Gott nicht auch barmherzig?

Gott ist wohl barmherzig, er ist aber auch gerecht. Deshalb fordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, die Gottes Ehre und Hoheit antastet, mit der höchsten, nämlich der ewigen Strafe an Leib und Seele gestraft wird.
HC PART 2
Der ander Theil, Von des Menschen Erlösung.
Der zweite Teil. Von des Menschen Erlösung
HC LD 5 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

5. Sonntag

HC Q12
Dieweil wir dann, nach dem gerechten Urtheil GOttes, zeitliche und ewige Straf verdienet haben: Wie möchten wir dieser Straf entgehen, und wiederum zu Gnaden kommen?

GOtt will, daß seiner Gerechtigkeit genug geschehe: Derowegen müsen wir derselbigen, entweder durch uns selbst, oder durch einen andern vollkommene Bezahlung thun.
[14]Wenn wir also nach dem gerechten Urteil Gottes schon jetzt und ewig Strafe verdient haben, wie können wir dieser Strafe entgehen und wieder Gottes Gnade erlangen?

Gott will zu seinem Recht kommen, darum müssen wir für unsere Schuld entweder selbst oder durch einen anderen vollkommen bezahlen.
HC Q13
Können wir aber durch uns selbst Bezahlung thun?

Mit nichten
: Sondern wir machen auch die Schuld noch täglich gröser.
Können wir aber selbst für unsere Schuld bezahlen?

Nein
, sondern wir machen sogar die Schuld noch täglich größer.
HC Q14
Kan aber irgend eine blose Creatur für uns bezahlen?

Keine: Dann erstlich will GOtt an keiner andern Creatur strafen, das der Mensch verschuldet hat. Zum andern, so kan auch keine blose Creatur den Last des ewigen Zorns GOttes wider die Sünde ertragen, und andere davon erlösen.
[15]Kann aber irgendein Geschöpf für uns bezahlen?

Nein, denn erstens will Gott an keinem anderen Geschöpf strafen, was der Mensch verschuldet hat. Zweitens kann kein Geschöpf die Last des ewigen Zornes Gottes gegen die Sünde ertragen und andere davon erlösen.
HC Q15
Was müssen wir dann für einen Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch, und doch stärcker dann alle Creaturen, das ist, zugleich wahrer GOtt seyn.
Was für einen Mittler und Erlöser müssen wir denn suchen?

Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch und doch stärker als alle Geschöpfe, also auch wahrer Gott ist.
HC LD 6 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

6. Sonntag

HC Q16
Warum muste er ein wahrer und gerechter Mensch seyn?

Darum, daß
die Gerechtigkeit GOttes erfordert, daß die menschliche Natur, die gesündiget hat, für die Sünde bezahle: Und aber einer, der selbst ein Sünder wäre, nicht könte für andere bezahlen.
Warum muß er ein wahrer und gerechter Mensch sein?

Die Sünde wird von den Menschen begangen, darum verlangt Gottes Gerechtigkeit, daß ein Mensch für die Sünde bezahlt; wer aber selbst ein Sünder ist, kann nicht für andere bezahlen.
HC Q17
Warum muste Er zugleich wahrer GOtt seyn?

Daß
er aus Kraft seiner Gottheit den Last des Zorns GOttes an seiner Menschheit ertragen, und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wieder geben möchte.
[16]Warum muß er zugleich wahrer Gott sein?

Nur wenn
er zugleich wahrer Gott ist, kann ein Mensch die Last des Zornes Gottes ertragen und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben.
HC Q18
Wer ist aber derselbige Mittler, der zugleich wahrer GOtt, und wahrer gerechter Mensch ist?

Unser HErr JEsus Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschencket ist.
Wer ist denn dieser Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer, gerechter Mensch ist?

Unser Herr Jesus Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist.
HC Q19
Woher weist du das?

Aus den heiligen Evange[4]lio, welches GOtt selbst anfänglich im Paradeis hat offenbahret: Folgends durch die heiligen Ertz-Vätter und Propheten lassen verkündigen, und durch die Opffer und andere Ceremonien des Gesetzes fürgebildet: Endlich aber durch seinen eingeliebten Sohn erfüllet.
Woher weißt du das?

Aus dem heiligen Evangelium. Gott selbst hat es zuerst im Paradies offenbart, dann durch die heiligen Erzväter und Propheten verkündigen lassen und durch die Opfer und andere Bräuche des Gesetzes vorgebildet, zuletzt aber durch seinen einzig geliebten Sohn erfüllt.
HC LD 7 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

7. Sonntag

HC Q20
Werden dann alle Menschen wiederum durch Christum seelig, wie sie durch Adam sind verlohren worden?

Nein: Sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben ihm werden eingeleibet, und alle seine Wohlthaten annehmen.
[17]Werden denn alle Menschen wieder durch Christus gerettet, so wie sie durch Adam verloren gegangen sind?

Nein, sondern nur diejenigen, die durch wahren Glauben seinem Leib als Glieder eingefügt werden und alle seine Wohltaten annehmen.
HC Q21
Was ist wahrer Glaube?

Er ist nicht allein eine gewisse Erkäntnus, dadurch ich alles für wahr halte, was uns GOtt in seinem Wort hat geoffenbahret: Sondern auch ein hertzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir würcket, daß nicht allein andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seeligkeit von GOtt geschencket sey, aus lauter Gnaden, allein um des Verdiensts Christi willen.
Was ist wahrer Glaube?

Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis, durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt, daß nicht allein anderen, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt ist, aus lauter Gnade, allein um des Verdienstes Christi willen.
HC Q22
Was ist aber einem Christen noht zu glauben?

Alles was uns im Evangelio verheisen wird, welches uns die Artickel unsers allgemeinen ungezweiffelten Christlichen Glaubens in einer Summa lehren.
[18]Was ist für einen Christen notwendig zu glauben?

Alles, was uns im Evangelium zugesagt wird, wie es uns unser allgemeines, wahrhaftiges, christliches Glaubensbekenntnis zusammengefaßt lehrt.
HC Q23
Wie lauten die Articul des Christlichen Glaubens?

Ich glaub an GOtt Vatter den allmächtigen Schöpffer Himmels und der Erden. Und an JEsum Christum, seinen eingebohrnen Sohn, unsern HErrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, gebohren aus Maria der Jungfrauen, gelitten unter Pontio Pilato, gekreutziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Höllen, am dritten Tag wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zur Rechten GOttes des allmächtigen Vatters, von dannen Er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches, und ein ewiges Leben, Amen.
Wie lautet dieses Glaubensbekenntnis?

Ökumenische Fassung:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde,

und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten
die Lebenden und die Toten. [19]Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige allgemeine christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Die Erklärungen
des Heidelberger Katechismus folgen einer älteren Fassung des Glaubensbekenntnisses:

Ich glaube an Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. [20]Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige allgemeine christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.
HC LD 8 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

8. Sonntag

HC Q24
Wie werden diese Articul abgetheilt?

In drey Theil: Der erste, von GOtt dem Vatter, und unserer Erschaffung: Der andere, von GOtt dem Sohn, und unserer Erlösung: Der dritte, von GOtt dem Heiligen Geist, und unsrer Heiligung.
Wie wird das Glaubensbekenntnis eingeteilt?

In drei Teile:

der erste handelt von Gott dem Vater und unserer Erschaffung;

der zweite von Gott dem Sohn und unserer Erlösung;

der dritte von Gott dem Heiligen Geist und unserer Heiligung.
HC Q25
[5]Dieweil nur ein einig göttlich Wesen ist, warum nennest du drey, den Vatter, Sohn und Heiligen Geist?

Darum, daß sich GOtt also in seinem Wort geoffenbahret hat, daß diese drey unterschiedliche Personen, der einige, wahrhaftige, ewige GOtt sey.
Warum nennst du denn drei: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wo doch Gott nur einer ist?

Weil Gott sich
in seinem Wort so offenbart hat, daß diese drei Personen unterschieden und doch der eine, wahre und ewige Gott sind.
HC LD 9 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

9. Sonntag

HC Q26
Was glaubest du, wann du sprichst: Ich glaub an GOtt Vatter, den allmächtigen Schöpffer Himmels und der Erden?

Daß der ewige Vatter unsers HErrn JEsu Christi, der Himmel und Erden, sammt allem, was darinnen ist, aus nichts erschaffen, auch dieselbige noch durch seinen ewigen Rath und Fürsehung erhält und regieret, um seines Sohns JESU Christi willen, mein GOtt und mein Vatter sey, auf welchen ich also vertraue, daß ich nicht zweiffle, Er werde mich mit aller Nothdurft Leibes und der Seelen versorgen, auch alles Ubel, so Er mir in diesem Jammerthal zugeschicket, mir zu gut wenden, dieweil ers thun kan, als ein allmächtiger GOtt, und auch thun will, als ein getreuer Vatter.
[21]Was glaubst du, wenn du sprichst: »Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde«?

Ich glaube
, daß der ewige Vater unsers Herrn Jesus Christus um seines Sohnes willen mein Gott und mein Vater ist. Er hat Himmel und Erde mit allem, was darin ist, aus nichts erschaffen und erhält und regiert sie noch immer durch seinen ewigen Rat und seine Vorsehung. Auf ihn vertraue ich und zweifle nicht, daß er mich mit allem versorgt, was ich für Leib und Seele nötig habe, und auch alle Lasten, die er mir in diesem Leben auferlegt, mir zum Besten wendet. Er kann es tun als ein allmächtiger Gott und will es auch tun als ein getreuer Vater.
HC LD 10 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

10. Sonntag

HC Q27
Was verstehest du durch die Fürsehung GOttes?

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft GOttes, durch welche er Himmel und Erden, sammt allen Creaturen, gleich als mit seiner Hand noch erhält, und also regieret, daß Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trincken, Gesundheit und Kranckheit, Reichthum und Armuht, und alles nicht ohngefähr, sondern von seiner vätterlichen Hand uns zukomme.
[22]Was verstehst du unter der Vorsehung Gottes?

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen wie durch seine Hand noch erhält und so regiert, daß Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt.
HC Q28
Was für Nutzen bekommen wir aus der Erkäntnus der Schöpffung und Fürsehung GOttes?

Daß wir in aller Widerwärtigkeit gedultig, in Glückseeligkeit danckbar, und aufs Zukünftige guter Zuversicht, zu unserm getreuen GOtt und Vatter, seyn sollen, daß uns keine Creatur von seiner Liebe scheiden wird, dieweil alle Creaturen also in seiner Hand seynd, daß sie sich ohn seinen Willen auch nicht regen noch bewegen können.
Was nützt uns die Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes?

Gott will damit, daß wir in aller Widerwärtigkeit geduldig, in Glückseligkeit dankbar und auf die Zukunft hin voller Vertrauen zu unserem treuen Gott und Vater sind, daß uns nichts [23]von seiner Liebe scheiden wird, weil alle Geschöpfe so in seiner Hand sind, daß sie sich ohne seinen Willen weder regen noch bewegen können.
HC LD 11 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

11. Sonntag

HC Q29
Warum wird der Sohn GOttes JEsus, das ist, ein Seeligmacher, genannt?

Darum
, daß Er uns seelig macht von unsern Sünden, und daß bey keinem andern einige Seeligkeit zu suchen noch zu finden ist.
Warum wird der Sohn Gottes Jesus, daß heißt »Heiland«, genannt?

Weil
er uns heilt von unseren Sünden, und weil bei keinem anderen ein solches Heil zu suchen noch zu finden ist.
HC Q30
[6]Glauben dann die auch an den einigen Seeligmacher JEsum, die ihre Seeligkeit und Heyl bey Heiligen, bey ihnen selbst, oder anderswo suchen?

Nein: Sondern sie verläugnen mit der That den einigen Seeligmacher und Heyland JEsum, ob sie sich sein gleich rühmen. Dann entweder JEsus nicht ein vollkommener Heyland seyn mus. Oder die diesen Heyland mit wahrem Glauben annehmen, müsen alles in Ihm haben, das zu ihrer Seeligkeit vonnöthen ist.
Glauben denn auch die an den einzigen Heiland Jesus, die Heil und Seligkeit bei den Heiligen, bei sich selbst oder anderswo suchen?

Nein. Sie rühmen sich zwar seiner mit Worten, verleugnen ihn aber mit der Tat. Denn entweder ist Jesus [24]kein vollkommener Heiland, oder er ist denen, die ihn mit wahrem Glauben annehmen, alles, was zu ihrer Seligkeit nötig ist.
HC LD 12 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

12. Sonntag

HC Q31
Warum ist Er Christus, das ist, ein Gesalbter, genannt?

Daß Er von GOtt dem Vatter verordnet, und mit dem Heiligen Geist gesalbet ist zu unserm obersten Propheten und Lehrer, der uns den himmlischen Raht und Willen GOttes von unserer Erlösung vollkömmlich offenbahret, und zu unserm ewigen Hohenpriester, der uns mit dem einigen Opffer seines Leibs erlöset hat, und immerdar mit seiner Fürbitt vor dem Vatter vertritt: Und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regieret, und bey der erworbenen Erlösung schützet und erhält.
Warum wird er Christus, das heißt »Gesalbter« genannt?

Er ist von Gott dem Vater eingesetzt und mit dem Heiligen Geist gesalbt zu unserem obersten Propheten und Lehrer, der uns Gottes verborgenen Rat und Willen von unserer Erlösung vollkommen offenbart; und zu unserem einzigen Hohenpriester, der uns mit dem einmaligen Opfer seines Leibes erlöst hat und uns alle Zeit mit seiner Fürbitte vor dem Vater vertritt; und zu unserem ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regiert und bei der erworbenen Erlösung schützt und erhält.
HC Q32
Warum wirst du aber ein Christ genennet?

Daß
ich durch den Glauben ein Glied Christi, und also seiner Salbung theilhaftig bin, auf daß auch ich seinen Nahmen bekenne, mich ihm zu einem lebendigen Danck-Opffer darstelle, und mit freyem Gewissen in diesem Leben, wider die Sünde, den Teuffel streite, und hernach in Ewigkeit mit ihm über alle Creaturen herrsche.
[25]Warum wirst aber du ein Christ genannt?

Weil
ich durch den Glauben ein Glied Christi bin und dadurch an seiner Salbung Anteil habe, damit auch ich seinen Namen bekenne, mich ihm zu einem lebendigen Dankopfer hingebe und mit freiem Gewissen in diesem Leben gegen die Sünde und den Teufel streite und hernach in Ewigkeit mit ihm über alle Geschöpfe herrsche.
HC LD 13 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

13. Sonntag

HC Q33
Warum heist er GOttes eingebohrner Sohn, so doch wir auch Kinder GOttes sind?

Darum, daß Christus allein der ewige natürliche Sohn GOttes ist, wir aber um seinet willen, aus Gnaden zu Kindern GOttes angenommen sind.
Warum heißt Jesus Christus »Gottes eingeborener Sohn«, da doch auch wir Kinder Gottes sind?

Christus allein ist von Ewigkeit her seinem Wesen nach der Sohn Gottes. Wir aber sind um seinetwillen aus Gnade als Kinder Gottes angenommen.
HC Q34
Warum nennest du ihn unsern HErrn?

Daß Er uns mit Leib und Seel von der Sünde, und aus aller Gewalt des Teuffels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem theuren Blut, Ihm zum Eigenthum erlöset und erkauft hat.
[26]Warum nennst du ihn »unseren Herrn«?

Er hat uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels sich zum Eigentum erlöst und erkauft, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem teuren Blut, indem er sein Leben für uns gab.
HC LD 14 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

14. Sonntag

HC Q35
Was heist, daß er empfangen ist von dem Heiligen Geist, gebohren aus Maria der Jungfrauen?

Daß
der ewige Sohn GOttes, der wahrer und ewiger GOtt ist und bleibt, wahre menschliche Natur, aus dem Fleisch und Blut der Jungfrauen Maria, durch Würckung des Heiligen Geistes an sich genommen hat, auf daß Er auch der wahre Saame Davids [7]sey, seinen Brüdern in allem gleich, ausgenommen die Sünde.
Was bedeutet: »Empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria«?

Der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist und bleibt, hat durch Wirkung des Heiligen Geistes wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria angenommen, so daß er auch der wahre Nachkomme Davids ist, seinen Schwestern und Brüdern in allem gleich, doch ohne Sünde.
HC Q36
Was für Nutz bekommest du aus der heiligen Empfängnus und Geburt Christi?

Daß
Er unser Mittler ist, und mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit, meine Sünde, darinn ich bin empfangen, für GOttes Angesicht bedecket.
[27]Was nützt es dir, daß er durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren ist?

Er ist unser Mittler, und er bedeckt vor Gottes Angesicht mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, in der ich immer schon lebe.
HC LD 15 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

15. Sonntag

HC Q37
Was verstehest du durch das Wörtlein, gelitten?

Daß Er an Leib und Seel, die gantze Zeit seines Lebens auf Erden, sonderlich aber am Ende desselben, den Zorn GOttes wider die Sünde des gantzen menschlichen Geschlechts getragen hat, auf daß er mit seinem Leyden, als mit dem einigen Söhn-Opffer, unser Leib und Seel von der ewigen Verdammnus erlösete, und uns GOttes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbe.
Was verstehst du unter dem Wort »gelitten«?

Jesus Christus hat an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, besonders aber an dessen Ende, den Zorn Gottes über die Sünde des ganzen Menschengeschlechts getragen. Mit seinem Leiden als dem einmaligen Sühnopfer hat er unseren Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöst und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erworben.
HC Q38
Warum hat Er unter dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auf daß Er unschuldig unter dem weltlichen Richter verdammet würde, uns damit von dem gestrengen Urtheil GOttes, das über uns gehen solte, erledigte.
[28]Warum hat er unter dem Richter Pontius Pilatus gelitten?

Er wurde unschuldig vom weltlichen Richter verurteilt und hat uns dadurch von Gottes strengem Urteil, das über uns ergehen sollte, befreit.
HC Q39
Ist es etwas mehr, daß er ist gecreutziget worden, dann so er eines andern Todes gestorben wäre?

Ja: Dann dadurch bin ich gewiß, daß er die Vermaledeyung, die auf mir lage, auf sich geladen habe, dieweil der Tod des Kreutzes von GOtt verflucht war.
Bedeutet sein Tod am Kreuz mehr, als wenn er eines anderen Todes gestorben wäre?

Ja, denn dadurch bin ich gewiß, daß er den Fluch, der auf mir lag, auf sich genommen hat, weil der Tod am Kreuz von Gott verflucht war.
HC LD 16 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

16. Sonntag

HC Q40
Warum hat Christus den Tod müsen leiden?

Darum, daß von wegen
der Gerechtigkeit und Wahrheit GOttes, nicht anderst für unsere Sünde möchte bezahlet werden, dann durch den Tod des Sohns GOttes.
Warum hat Christus den Tod erleiden müssen?

Um
der Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes willen konnte für unsere Sünde nicht anders bezahlt werden als durch den Tod des Sohnes Gottes.
HC Q41
Warum ist Er begraben worden?

Damit zu bezeugen, daß er warhaftig gestorben sey.
[29]Warum ist er begraben worden?

Damit wird bezeugt, daß er wirklich gestorben ist.
HC Q42
Weil dann Christus für uns gestorben ist, wie kommts, daß wir auch sterben müsen?

Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur eine Absterbung der Sünden, und Eingang zum ewigen Leben.
Warum müssen wir noch sterben, obwohl Christus für uns gestorben ist?

Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur ein Absterben der Sünden und Eingang zum ewigen Leben.
HC Q43
Was bekommen wir mehr für Nutz aus dem Opffer und Tod Christi am Kreutz?

Daß
durch seine Kraft unser alter Mensch mit ihm gekreutziget, getödtet, und begraben wird, auf daß die böse Lüste des Fleisches nicht mehr in uns regieren, sondern daß wir uns selbst ihm zur Dancksagung aufopffern.
Welchen weiteren Nutzen haben wir aus Opfer und Tod Christi am Kreuz?

Durch die Kraft Christi wird unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt, getötet und begraben, damit die Sünde uns nicht mehr beherrscht, sondern wir uns ihm zu einem lebendigen Dankopfer hingeben.
HC Q44
Warum folget, abgestiegen zu der Höllen?

Daß ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sey, [8]mein HErr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst, Schmertzen und Schrecken, die er auch an seiner Seelen am Kreutz und zuvor erlitten, von der höllischen Angst und Pein erlöset.
Warum folgt »abgestiegen zu der Hölle«?

Damit wird mir zugesagt
, daß ich selbst in meinen schwersten Anfechtungen gewiß sein darf, [30]daß mein Herr Christus mich von der höllischen Angst und Pein erlöst hat, weil er auch an seiner Seele unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken am Kreuz und schon zuvor erlitten hat.
HC LD 17 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

17. Sonntag

HC Q45
Was nutzet uns die Auferstehung Christi?

Erstlich hat Er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, daß er uns der Gerechtigkeit, die er durch seinen Tod erworben hat, könte theilhaftig machen. Zum andern werden wir auch jetzunder durch seine Kraft erwecket zu einem neuen Leben. Zum dritten, ist uns die Auferstehung Christi ein gewisses Pfand unserer seeligen Auferstehung.
Was nützt uns die Auferstehung Christi?

Erstens: Christus hat durch seine Auferstehung den Tod überwunden, um uns an der Gerechtigkeit Anteil zu geben, die er uns durch seinen Tod erworben hat.

Zweitens: Durch seine Kraft werden auch wir schon jetzt erweckt zu einem neuen Leben.

Drittens: Die Auferstehung Christi ist uns ein verläßliches Pfand unserer seligen Auferstehung.
HC Q46
Wie verstehest du, daß er ist gen Himmel gefahren?

Daß
Christus für den Augen seiner Jünger ist von der Erden aufgehaben gen Himmel, und uns zu gut daselbst ist, biß daß er wieder kommt, zu richten die Lebendigen und die Todten.
[31]Wie verstehst du, daß es heißt »aufgefahren in den Himmel«?

Jesus Christus wurde vor den Augen seiner Jünger von der Erde zum Vater in den Himmel erhöht und ist dort uns zugut, bis er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.
HC Q47
Ist dann Christus nicht bey uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheisen hat?

Christus ist wahrer Mensch und wahrer GOtt: Nach seiner menschlichen Natur ist Er jetzund nicht auf Erden: Aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnad und Geist weichet er nimmer von uns.
Ist denn Christus nicht bei uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheißen hat?

Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzt nicht mehr auf der Erde, aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weicht er niemals von uns.
HC Q48
Werden aber mit der Weiß die zwo Naturen in Christo nicht von einander getrennet, so die Menschheit nicht überall ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten: Dann weil die Gottheit unbegreiflich, und allenthalben gegenwärtig ist, so mus folgen, daß sie so wohl ausserhalb ihrer angenommenen Menschheit, und dannoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und persöhnlich mit ihr vereiniget bleibe.
[32]Werden aber auf diese Weise nicht Gottheit und Menschheit in Christus voneinander getrennt, wenn er nach seiner menschlichen Natur nicht überall ist, wo er nach seiner Gottheit ist?

Nein, weil die Gottheit unbegreiflich und überall gegenwärtig ist, folgt daraus, daß sie wohl außerhalb ihrer angenommenen menschlichen Natur und dennoch auch in derselben ist und in einer Person mit ihr vereinigt bleibt.*

* Mit dem Wort »unbegreiflich« will der Katechismus nicht sagen, daß man Gott nicht verstehen könne, sondern daß er von keinem Raum umschlossen werden kann. Die Aussage des Katechismus kann auch so formuliert werden: Weil Gott nach seinem Wesen von keinem Raum oder Körper umgrenzt wird, sondern überall gegenwärtig ist, so ergibt sich, daß auch Christus nach seiner Gottheit zugleich in seiner menschlichen Natur und dennoch auch außerhalb ihrer ist und deshalb in seiner Person zugleich ein wahrer und gerechter Mensch und wahrer Gott ist
.
HC LD 18 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

18. Sonntag

HC Q49
Was nutzet uns die Himmelfahrt Christi?

Erstlich, daß Er im Himmel vor dem Angesicht seines Vatters unser Fürsprecher ist. Zum andern, daß wir unser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, daß Er, als das Haupt, uns seine Glieder, auch zu sich werde hinauf nehmen. Zum dritten, daß Er uns seinen Geist zum Gegen-Pfand herab sendet, durch welches Kraft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten GOttes, und nicht das hier unten auf Erden ist.
[33]Was nützt uns die Himmelfahrt Christi?

Erstens: Er ist im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher.

Zweitens: Wir haben durch unseren Bruder Jesus Christus im Himmel die Gewißheit, daß er als das Haupt uns, seine Glieder, auch zu sich nehmen wird.

Drittens
: Er, sitzend zur Rechten Gottes, sendet seinen Geist zu uns, der uns die Kraft gibt, zu suchen, was droben ist, und nicht das, was auf Erden gilt.
HC Q50
Warum wird hinzu gesetzt, daß er sitze zu der Rechten GOttes?

Daß Christus darum gen Himmel gefahren ist, daß Er sich daselbst erzeiget, als das Haupt seiner Christlichen Kirchen, durch welches der Vatter alles regieret.
Warum wird hinzugefügt »er sitzt zur Rechten Gottes«?

Christus ist dazu in den Himmel erhöht worden, daß er sich dort erweise als das Haupt seiner Kirche, durch das der Vater alles regiert.
HC LD 19 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

19. Sonntag

HC Q51
[9]Was nutzet uns die Herrlichkeit unsers Haupts Christi?

Erstlich, daß Er
durch seinen Heiligen Geist in uns seine Glieder, die himmlischen Gaben ausgeust. Darnach, daß Er uns mit seiner Gewalt wider alle Feinde schützet und erhält.
[34]Was nützt uns diese Herrlichkeit unseres Hauptes Christus?

Christus teilt uns, seinen Gliedern
, durch seinen Heiligen Geist die himmlischen Gaben aus.

Er schützt und erhält uns mit seiner Macht gegen alle Feinde.
HC Q52
Was tröstet dich die Widerkunft Christi, zu richten die Lebendigen und die Todten?

Daß ich
in aller Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt, eben des Richters, der sich zuvor dem Gericht Gottes für mich dargestellet, und alle Vermaledeyung von mir hinweg genommen hat, aus dem Himmel gewärtig bin, daß er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnus werffe, mich aber sammt allen Auserwählten, zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme.
Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, »zu richten die Lebenden und die Toten«?

In aller Trübsal und Verfolgung darf ich mit erhobenem Haupt aus dem Himmel eben den Richter erwarten, der sich zuvor für mich dem Gericht Gottes gestellt und alle Verurteilung von mir genommen hat. Er wird alle seine Feinde, die darum auch meine Feinde sind, in die ewige Verdammnis werfen, mich aber mit allen Auserwählten zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehmen.
HC LD 20 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

20. Sonntag

HC Q53
Was glaubst du vom Heiligen Geist?

Erstlich, daß Er gleich ewiger GOTT mit dem Vatter und dem Sohn ist. Zum andern, daß er auch mir gegeben ist, mich durch einen wahren Glauben Christi, und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, mich tröstet, und bey mir bleiben wird biß in Ewigkeit.
[35]Was glaubst du vom Heiligen Geist?

Erstens: Der Heilige Geist ist gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn.

Zweitens: Er ist auch mir gegeben und gibt mir durch wahren Glauben Anteil an Christus und allen seinenWohltaten. Er tröstet mich und wird bei mir bleiben in Ewigkeit.
HC LD 21 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

21. Sonntag

HC Q54
Was glaubst du von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?

Daß der Sohn GOttes aus dem gantzen menschlichen Geschlecht, Ihm eine außerwählte Gemeine zum ewigen Leben, durch seinen Geist und Wort, in Einigkeit des wahren Glaubens, von Anbegin der Welt, bis ans End, versammle, schütze und erhalte: Und daß ich derselben ein lebendiges Glied bin, und ewig bleiben werde.
Was glaubst du von der »heiligen allgemeinen christlichen Kirche«?

Ich glaube
, daß der Sohn Gottes aus dem ganzen Menschengeschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben durch seinen Geist und Wort [36]in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammelt, schützt und erhält und daß auch ich ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin und ewig bleiben werde.
HC Q55
Was verstehest du durch die Gemeinschaft der Heiligen?

Erstlich, daß alle und jede Glaubigen, als Glieder an dem HErrn Christo, und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben. Zum andern, daß ein jeder seine Gaben zu Nutz und Heyl der andern Glieder, willig und mit Freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.
Was verstehst du unter der »Gemeinschaft der Heiligen«?

Erstens: Alle Glaubenden haben als Glieder Gemeinschaft an dem Herrn Christus und an allen seinen Schätzen und Gaben.

Zweitens: Darum soll auch jeder seine Gaben willig und mit Freuden zum Wohl und Heil der anderen gebrauchen.
HC Q56
Was glaubst du von Vergebung der Sünden?

Daß GOTT um der Gnugthuung Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündlichen Art, mit der ich mein Lebenlang zu streiten habe, nimmehr gedencken wolle, sondern mir die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden schencke, daß ich ins Gericht nimmermehr soll kommen.
[37]Was glaubst du von der »Vergebung der Sünden«?

Gott will um Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündigen Art, mit der ich mein Leben lang zu kämpfen habe, nicht mehr gedenken. Aus Gnade schenkt er mir die Gerechtigkeit Christi, so daß ich nicht mehr ins Gericht kommen werde.
HC LD 22 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

22. Sonntag

HC Q57
Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?

Daß nicht allein meine See[10]le
nach diesem Leben alsbald zu Christo ihrem Haupt genommen wird, sondern auch, daß diß mein Fleisch durch die Kraft Christi auferwecket, wieder mit meiner Seelen vereiniget, und dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll.
Was tröstet dich die »Auferstehung der Toten«?

Nach diesem Leben werde ich durch die Kraft Christi auferweckt werden und zu Christus, meinem Herrn, kommen. Er wird mir Anteil geben an seiner Herrlichkeit.
HC Q58
Was tröstet dich der Articul vom ewigen Leben?

Daß, nachdem
ich jetzunder den Anfang der ewigen Freude in meinem Hertzen empfinde, ich nach diesem Leben vollkommene Seeligkeit besitzen werde, die kein Aug gesehen, kein Ohr gehöret, und in keines Menschen Hertz nie kommen ist, GOtt ewiglich darinn zu preisen.
[38]Was tröstet dich die Verheißung des ewigen Lebens?

Schon jetzt empfinde
ich den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen. Nach diesem Leben aber werde ich vollkommene Seligkeit besitzen, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz je gekommen ist, Gott ewiglich darin zu preisen.
HC LD 23 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

23. Sonntag

HC Q59
Was hilft es dich aber nun, wann du diß alles glaubest?

Daß
ich in Christo für Gott gerecht, und ein Erbe des ewigen Lebens bin.
[39]Was hilft es dir aber nun, wenn du das alles glaubst?

Ich bin dadurch in Christus vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens.
HC Q60
Wie bist du gerecht für GOTT?

Allein durch wahren Glauben in JEsum Christum, also daß, ob mich schon mein Gewissen anklaget, daß ich wider alle Gebott GOttes schwerlich gesündiget, und derselben keines nie gehalten hab, auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin, doch GOtt, ohne alle meine Verdienste, aus lauter Gnaden, mir die vollkommene Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schencket und zurechnet, als hätte ich nie keine Sünde begangen noch gehabt, und selbst allen den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wann ich allein solche Wohlthat mit glaubigem Hertzen annehme.
Wie bist du gerecht vor Gott?

Allein durch wahren Glauben an Jesus Christus. Zwar klagt mich mein Gewissen an, daß ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines je gehalten habe und noch immer zu allem Bösen geneigt bin. Gott aber schenkt mir ganz ohne mein Verdienst aus lauter Gnade die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi. Er rechnet sie mir an, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selbst den ganzen Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat, wenn ich allein diese Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.
HC Q61
Warum sagest du, daß du allein durch den Glauben gerecht seyest?

Nicht, daß
ich von wegen der Würdigkeit meines Glaubens GOtt gefalle, sondern darum, daß allein die Gnugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi, meine Gerechtigkeit für GOtt ist, und ich dieselbe nicht anderst, dann allein durch den Glauben annehmen, und mir zueignen kan.
[40]Warum sagst du, daß du allein durch den Glauben gerecht bist?

Ich gefalle Gott nicht deswegen, weil mein Glaube ein verdienstvolles Werk wäre. Allein die Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi ist meine Gerechtigkeit vor Gott. Ich kann sie nicht anders als durch den Glauben annehmen und mir zueignen.
HC LD 24 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

24. Sonntag

HC Q62
Warum können aber unsere gute Wercke nicht die Gerechtigkeit für GOtt, oder ein Stück derselbigen seyn?

Darum, daß
die Gerechtigkeit, so für GOttes Gericht bestehen soll, durchaus vollkommen, und dem Göttlichen Gesetz gantz gleichförmig seyn mus, und aber auch unsere beste Wercke in diesem Leben alle unvollkommen, und mit Sünden beflecket sind.
Warum können denn unsere guten Werke uns nicht ganz oder teilweise vor Gott gerecht machen?

Die Gerechtigkeit, die vor Gottes Gericht bestehen soll, muß vollkommen sein und dem göttlichen Gesetz ganz und gar entsprechen. Aber auch unsere besten Werke sind in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünde befleckt.
HC Q63
Verdienen aber unsere gute Wercke nichts, so sie doch GOtt in diesem und zukünftigen Leben will belohnen?

Diese Belohnung geschicht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden.
[41]Verdienen aber unsere guten Werke nichts, obwohl Gott sie doch in diesem und dem zukünftigen Leben belohnen will?

Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnade.
HC Q64
[11]Machet aber diese Lehre nicht sorglose und verruchte Leute?

Nein: dann es unmöglich ist, daß die, so Christo durch wahren Glauben sind eingepflantzet, nicht Früchte der Danckbarkeit sollen bringen.
Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?

Nein; denn es ist unmöglich, daß Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind, nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.
HC LD 25 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

25. Sonntag

HC Q65
Dieweil dann allein der Glaube uns Christi, und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, woher kommt dann solcher Glaube?

Der Heilige Geist würcket denselben in unsern Hertzen, durch die Predigt des heiligen Evangelions, und bestättiget den durch den Brauch der heiligen Sacramenten.
[42]Wenn nun allein der Glaube uns Anteil an Christus und allen seinen Wohltaten gibt, woher kommt solcher Glaube?

Der Heilige Geist wirkt den Glauben in unseren Herzen durch die Predigt des heiligen Evangeliums und bestätigt ihn durch den Gebrauch der heiligen Sakramente.
HC Q66
Was sind die Sacramenten?

Es sind sichtbare, heilige Wahrzeichen und Siegel, von GOtt darzu eingesetzt, daß Er uns durch den Brauch derselbigen die Verheisung des Evangelions desto besser zu verstehen gebe, und versiegele: Nemlich, daß Er uns von wegen des einigen Opffers Christi am Kreutz vollbracht, Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben aus Gnaden schencke.
Was sind Sakramente?

Es sind sichtbare heilige Wahrzeichen und Siegel. Gott hat sie eingesetzt, um uns durch ihren Gebrauch den Zuspruch des Evangeliums besser verständlich zu machen und zu versiegeln: daß er uns auf Grund des einmaligen Opfers Christi, am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ewiges Leben aus Gnade schenkt.
HC Q67
Seynd dann beyde das Wort und die heilige Sacramente dahin gerichtet, daß sie unsern Glauben auf das Opffer JEsu Christi am Kreutz, als auf den einigen Grund unserer Seeligkeit weisen?

Ja freylich: Dann der heilige Geist lehret im Evangelio, und bestättiget durch die heilige Sacramenten, daß unsere gantze Seeligkeit stehe in dem einigen Opffer Christi, für uns am Creutz geschehen.
[43]Sollen denn beide, Wort und Sakrament, unseren Glauben auf das Opfer Jesu Christi am Kreuz als den einzigen Grund unserer Seligkeit hinweisen?

Ja; denn der Heilige Geist lehrt im Evangelium und bestätigt durch die heiligen Sakramente, daß unsere ganze Seligkeit gegründet ist auf das einmalige Opfer Christi, das für uns am Kreuz geschah.
HC Q68
Wie viel Sacramente hat Christus im neuen Testament eingesetzt?

Zwey: Die heilige Tauf, und das heilige Abendmahl.
Wieviel Sakramente hat Christus im Neuen Testament eingesetzt?

Zwei, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl.
HC LD 26 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

26. Sonntag

HC Q69
Wie wirst du in der heiligen Tauf erinnert und versichert, daß das einige Opffer Christi am Kreutz dir zu gut komme?

Also, daß
Christus diß äusserliche Wasserbad eingesetzt, und dabey verheisen hat, daß ich so gewiß mit seinem Blut und Geist, von der Unreinigkeit meiner Seelen, das ist, von allen meinen Sünden gewaschen sey, so gewiß ich äusserlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibes pflegt hin zu nehmen, gewaschen bin.
[44]Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und gewiß gemacht, daß das einmalige Opfer Christi am Kreuz dir zugut kommt?

Christus hat dies äußerliche Wasserbad eingesetzt und dabei verheißen, daß ich so gewiß mit seinem Blut und Geist von der Unreinigkeit meiner Seele, das ist, von allen meinen Sünden, reingewaschen bin, wie ich äußerlich durch das Wasser gereinigt werde, das die Unsauberkeit des Leibes hinwegnimmt.
HC Q70
Was heist mit dem Blut und Geist Christi gewaschen seyn?

Es heist Vergebung der Sünden von GOtt aus Gnaden haben, um des Bluts Christi willen, welches er in seinem Opffer am Kreutz für uns vergossen hat: Darnach auch durch den Heiligen Geist erneuert, und zu einem Glied Christi geheiliget seyn, daß wir je länger je mehr der Sünden [12]absterben, und in einem gottseeligen unsträflichen Leben wandeln.
Was heißt, mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?

Es heißt, Vergebung der Sünde von Gott aus Gnade haben um des Blutes Christi willen, das er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat. [45]Es heißt ferner, durch den Heiligen Geist erneuert und zu einem Glied Christi geheiligt sein, so daß wir je länger je mehr der Sünde absterben und ein Leben führen, das Gott gefällt.
HC Q71
Wo hat Christus verheisen, daß wir so gewiß mit seinem Blut und Geist als mit dem Tauf-Wasser gewaschen sind?

In der Einsetzung der heigen Tauf, welche also lautet: Gehet hin und lehret alle Völcker, und taufet sie im Namen des Vatters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Wer da glaubt und getauft wird, der wird seelig werden: Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Verheisung wird auch wiederholet, da die Schrift, die Tauf, das Bad der Wiedergeburt, und die Abwaschung der Sünden nennet.
Wo hat Christus verheißen, daß wir so gewiß mit seinem Blut und Geist wie mit dem Taufwasser gewaschen sind?

Bei der Einsetzung der Taufe sagt er:

»Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« »Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.«

Diese Verheißung wird dort wiederholt, wo die Heilige Schrift die Taufe das »Bad der Wiedergeburt« und die »Abwaschung der Sünden« nennt.
HC LD 27 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

27. Sonntag

HC Q72
Ist das äusserliche Wasserbad die Abwaschung der Sünden selbst?

Nein: Dann allein das Blut JEsu Christi und der Heilige Geist reiniget uns von allen Sünden.
[46]Ist denn das äußerliche Wasserbad selbst die Abwaschung der Sünden?

Nein; denn allein das Blut Jesu Christi und der Heilige Geist reinigt uns von allen Sünden.
HC Q73
Warum nennet dann der H. Geist die Tauf das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden?

GOTT redet also nicht ohne grose Ursach, nemlich, nicht allein, daß er uns damit will lehren, daß, gleich wie die Unsauberkeit des Leibs durch das Wasser, also unsere Sünden durchs Blut und Geist Christi hinweg genommen werden, sondern vielmehr, daß Er uns durch diß göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, daß wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.
Warum nennt denn der Heilige Geist die Taufe das »Bad der Wiedergeburt« und die »Abwaschung der Sünden«?

Gott redet so nicht ohne große Ursache. Er will uns damit lehren: Wie die Unsauberkeit des Leibes durch Wasser, so werden unsere Sünden durch Blut und Geist Christi hinweggenommen. Ja vielmehr:

Er will uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen gewißmachen, daß wir so wahrhaftig von unseren Sünden geistlich gewaschen sind, wie wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.
HC Q74
Soll man auch die jungen Kinder taufen?

Ja: Dann dieweil sie so wohl als die Alten, in den Bund GOttes und seine Gemeine gehören, und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden, und der Heilige Geist, welcher den Glauben würcket, nicht weniger dann den Alten zugesagt wird, so sollen sie auch durch die Tauf, als des Bundes Zeichen, der Christlichen Kirchen eingeleibet, und von den unglaubigen Kindern unterschieden werden, wie im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an welcher statt im Neuen Testament die Tauf ist eingesetzt.
[47]Soll man auch die kleinen Kinder taufen?

Ja; denn sie gehören ebenso wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde.

Auch
ihnen wird, nicht weniger als den Erwachsenen, in dem Blut Christi die Erlösung von den Sünden und der Heilige Geist, der den Glauben wirkt, zugesagt.

Darum sollen auch die Kinder durch die Taufe, das Zeichen des Bundes, in die christliche Kirche als Glieder eingefügt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden, wie es im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an deren Stelle im Neuen Testament die Taufe eingesetzt wurde.
HC LD 28 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

28. Sonntag

HC Q75
[13]Wie wirst du im H. Abendmahl erinnert und versichert, daß du an dem einigen Opffer Christi am Kreutz, und allen seinen Gütern Gemeinschaft habest?

Also, daß
Christus mir und allen Glaubigen, von diesem gebrochenen Brod zu essen und von diesem Kelch zu trincken befohlen hat, zu seinem Gedächtnus, und dabey verheisen: Erstlich, daß sein Leib so gewiß für mich am Kreutz geopffert und gebrochen, und sein Blut für mich vergossen sey, so gewiß ich mit Augen sehe, daß das Brod des HErrn mir gebrochen, und der Kelch mir mitgetheilet wird. Und zum andern, daß er selbst meine Seel mit seinem gekreutzigten Leib, und vergossenen Blut, so gewiß zum ewigen Leben speise und träncke, als ich aus der Hand des Dieners empfange, und leiblich geniese, das Brod und den Kelch des HErrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibs und Bluts Christi gegeben werden.
[48]Wie wirst du im Heiligen Abendmahl erinnert und gewiß gemacht, daß du an dem einzigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gaben Anteil hast?

Christus hat mir und allen Gläubigen befohlen, zu seinem Gedächtnis von dem gebrochenen Brot zu essen und von dem Kelch zu trinken. Dabei hat er verheißen: Erstens, daß sein Leib so gewiß für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen ist, wie ich mit Augen sehe, daß das Brot des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir gegeben wird. Zweitens, daß er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut so gewiß zum ewigen Leben speist und tränkt, wie ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich genieße das Brot und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibes und Blutes Christi gegeben werden.
HC Q76
Was heiset den gekreutzigten Leib Christi essen, und sein vergossenes Blut trincken?

Es heist nicht allein mit glaubigem Hertzen das gantze Leiden und Sterben Christi annehmen, und dardurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen, sondern auch darneben durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeyten Leib je mehr und mehr vereinigt werden, daß wir, ob gleich Er im Himmel und wir auf Erden sind, dannoch Fleisch von seinem Fleisch, und Bein von seinen Beinen sind, und von einem Geist (wie die Glieder unsers Leibs von einer Seelen) ewig leben und regieret werden.
[49]Was heißt, den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken?

Es heißt nicht allein, mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünde und ewiges Leben empfangen, sondern auch, durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christus und in uns wohnt, mit seinem verherrlichten Leib mehr und mehr vereinigt werden, so daß, obgleich er im Himmel ist und wir auf Erden sind, wir doch ein Leib mit ihm sind und von einem Geist ewig leben und regiert werden.
HC Q77
Wo hat Christus verheisen, daß Er die Glaubigen so gewiß mit seinem Leib und Blut speise und träncke, als sie von diesem gebrochenen Brod essen, und von diesem Kelch trincken?

In der Einsetzung des Abendmahls, welche also lautet: Unser HErr JEsus in der Nacht, da Er verrahten ward, nahm Er das Brod, dancket und brachs, und gabs den Jüngern, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird. Solches thut zu meinem Gedächtnus. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch, und für viele vergossen wird, solches thut, so offt ihrs trincket, zu meiner Gedächtnus. [14]Dann so oft ihr von diesem Brod esset, und von diesem Kelch trincket, solt ihr des HErrn Tod verkündigen, bis daß Er kommt. Und diese Verheisung wird auch wiederholet durch Sanct Paulum, da er spricht: Der Kelch der Dancksagung, damit wir dancksagen, ist der nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi? Das Brod, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibs Christi? Dann ein Brod ists, so sind wir viel ein Leib, dieweil wir alle eines Brods theilhafftig sind.
[50]Wo hat Christus verheißen, daß er die Gläubigen so gewiß mit seinem Leib und Blut speist und tränkt, wie sie von diesem gebrochenen Brot essen und von diesem Kelch trinken?

In der Einsetzung des Abendmahls: »Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: (Nehmet, esset,) das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.« Diese Verheißung wiederholt der Apostel Paulus, wenn er sagt: »Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn e i n Brot ist’s: so sind wir viele e i n Leib, weil wir alle an e i n e m Brot teilhaben.«
HC LD 29 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

29. Sonntag

HC Q78
Wird dann aus dem Brod und Wein der wesentliche Leib und Blut Christi?

Nein: Sondern wie das Wasser in der Tauf nicht in das Blut Christi verwandelt, oder die Abwaschung der Sünden selbst wird, deren es allein ein Göttlich Wahrzeichen und Versicherung ist: Also wird auch das H. Brod im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst, wiewohl es nach Art und Brauch der Sacramenten, der Leib Christi genennet wird.
[51]Werden denn Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt?

Nein. Wie das Wasser bei der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt wird oder selbst die Sünden abwäscht, sondern Gottes Wahrzeichen und Pfand dafür ist, so wird auch das Brot im Abendmahl nicht der Leib Christi, auch wenn es in den Worten, die beim Abendmahl gebraucht werden, als der Leib Christi bezeichnet wird.
HC Q79
Warum nennet dann Christus das Brod seinen Leib, und den Kelch sein Blut, oder das Neue Testament in seinem Blut, und Sanct Paulus die Gemeinschaft des Leibs und Bluts Christi?

Christus redet also nicht ohne grose Ursach: Nemlich, daß Er uns nicht allein damit will lehren, daß, gleich wie Brod und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sey auch sein gekreutzigter Leib, und vergossenes Blut, die wahre Speis und Tranck unserer Seelen, zum ewigen Leben: Sondern vielmehr, daß Er uns durch das sichtbare Zeichen und Pfand will versichern, daß wir so warhaftig seines wahren Leibs und Bluts, durch Würckung des Heiligen Geistes theilhaftig werden, als wir diese heilige Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seiner Gedächtnus empfangen, und daß all sein Leiden und Gehorsam so gewiß unser eigen sey, als hätten wir selbst in unser eigen Person alles gelitten und genug gethan.
Warum nennt denn Christus das Brot seinen Leib und den Kelch sein Blut oder nennt den Kelch den neuen Bund in seinem Blut, und warum spricht Paulus von der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi?

Christus redet so nicht ohne große Ursache. Er will uns damit lehren: Wie Brot und Wein das zeitliche Leben erhalten, so sind sein gekreuzigter Leib und sein vergossenes Blut die wahre Speise und der wahre Trank unserer Seele zum ewigen Leben. [52]Darüberhinaus will er uns durch dieses sichtbare Zeichen und Pfand gewiß machen, daß wir so wahrhaftig durch seinen Heiligen Geist an seinem Leib und Blut Anteil bekommen wie wir diese heiligen Wahrzeichen mit unserem Mund zu seinem Gedächtnis empfangen. All sein Leiden und sein Gehorsam sind uns so gewiß zugeeignet, als hätten wir selbst das alles gelitten und vollbracht.
HC LD 30 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

30. Sonntag

HC Q80
Was ist vor ein Unterscheid zwischen dem Abendmahl des HErrn, und der Päbstlichen Meß?

Das Abendmahl bezeuget uns, daß wir vollkommene Vergebung aller unser Sünden haben, durch das einige Opffer JEsu Christi, so Er selbst einmal am Kreutz vollbracht hat. Und daß wir durch den Heiligen Geist Christo werden eingeleibt, der jetzund mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vatters ist, und daselbst will angebetet [15]werden. Die Meß aber lehret, daß die Lebendigen und die Todten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sey dann, daß Christus noch täglich für sie von den Meß-Priestern geopffert werde: Und daß Christus leiblich unter der Gestalt Brods und Weins sey, und derhalben darinnen soll angebetet werden. Und ist also die Meß im Grund nichts anders, dann eine Verläugnung des einigen Opffers und Leydens JEsu Christi, und eine vermaledeyte Abgötterey.
Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe?

Das Abendmahl bezeugt uns, daß wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben durch das einmalige Opfer Jesu Christi, das er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat, und daß wir durch den Heiligen Geist Christus werden eingeleibt, der jetzt mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist und daselbst will angebetet werden. [53]Die Messe aber lehrt, daß die Lebendigen und die Toten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopfert werde, und daß Christus leiblich unter der Gestalt des Brotes und Weines sei und deshalb darin soll angebetet werden. Und ist also die Messe im Grunde nichts anderes als eine Verleugnung des einzigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei.*

*Das Moderamen des Reformierten Bundes hat hierzu erklärt: Diese Verwerfung wurde vor 400 Jahren formuliert; sie läßt sich nach Inhalt und Sprache in dieser Form nicht aufrechterhalten: Die Polemik gegen die Wiederholung des einmaligen Opfers Christi am Kreuz und die Anbetung der Elemente (Brot und Wein) wird dem nicht gerecht, was im ökumenischen Gespräch inzwischen an Verständigung erreicht werden konnte. Der bleibende Lehrunterschied besteht darin, daß die Eucharistie in der römisch- katholischen Kirche als »Opfer«, das Abendmahl im evangelischen Gottesdienst als »Mahlfeier« begriffen wird; doch sollte sich dieser Unterschied nicht kirchentrennend auswirken
.
HC Q81
Welche sollen zu dem Tisch des HErrn kommen?

Die ihnen selbst um ihrer Sünde willen mißfallen, und doch vertrauen, daß dieselbe ihnen verziehen, und die übrige Schwachheit mit dem Leyden und Sterben Christi bedeckt sey: Begehren auch je mehr und mehr ihren Glauben zu stärcken, und ihr Leben zu bessern. Die Unbusfertigen aber und Heuchler, essen und trincken ihnen selbst das Gericht.
[54]Welche Menschen sollen zum Tisch des Herrn kommen?

Alle, die sich selbst um ihrer Sünde willen mißfallen und doch vertrauen, daß Gott sie ihnen vergeben hat und daß auch die bleibende Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi zugedeckt ist, die aber auch begehren, mehr und mehr ihren Glauben zu stärken und ihr Leben zu bessern. Wer aber unbußfertig und heuchlerisch zum Abendmahl kommt, ißt und trinkt sich selbst zum Gericht.
HC Q82
Sollen aber zu diesem Abendmahl auch zugelassen werden, die sich mit ihrer Bekäntnus und Leben als Unglaubige und Gottlose erzeigen?

Nein: Dann es wird also der Bund GOttes geschmähet, und sein Zorn über die gantze Gemein gereitzet. Derhalben die Christliche Kirche schuldig ist, nach der Ordnung Christi und seiner Aposteln, solche bis zur Besserung ihres Lebens, durch das Amt der Schlüssel, auszuschliesen.
Dürfen aber zum heiligen Abendmahl auch solche zugelassen werden, die sich in ihrem Bekenntnis und Leben als Ungläubige und Gottlose erweisen?

Nein; denn sonst wird der Bund Gottes geschmäht und sein Zorn über die ganze Gemeinde erregt. Darum muß die christliche Kirche nach der Ordnung Christi und seiner Apostel solche durch das Amt der Schlüssel ausschließen, bis sie ihr Leben bessern.
HC LD 31 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

31. Sonntag

HC Q83
Was ist das Amt der Schlüssel?

Die Predigt des heiligen Evangelions, und die Christliche Bus-Zucht, durch welche beyde Stück das Himmelreich den Glaubigen aufgeschlossen, und den Unglaubigen zugeschlossen wird.
[55]Was ist das Amt der Schlüssel?

Die Predigt des heiligen Evangeliums und die christliche Bußzucht. Durch diese beiden wird das Himmelreich den Gläubigen aufgeschlossen, den Ungläubigen aber zugeschlossen.
HC Q84
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des H. Evangelions auf- und zugeschlossen?

Also, daß nach dem Befehl Christi allen und jeden Glaubigen verkündiget, und offentlich bezeuget wird, daß ihnen, so oft sie die Verheisung des Evangelions mit wahrem Glauben annehmen, warhaftig alle ihre Sünde von GOtt, um des Verdiensts Christi willen vergeben sind: Und hinwiederum allen Unglaubigen und Heuchlern, daß der Zorn GOttes, und die ewige Verdammnus auf ihnen ligt, so lang sie sich nicht bekehren. Nach welchem Zeugnus des Evangelii GOtt beyde in diesem und zukünftigen Leben urtheilen will.
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des heiligen Evangeliums auf- und zugeschlossen?

Nach dem Befehl Christi wird allen Gläubigen verkündigt und öffentlich bezeugt, daß ihnen alle ihre Sünden von Gott um des Verdienstes Christi willen wahrhaftig vergeben sind, sooft sie den Zuspruch des Evangeliums mit wahrem Glauben annehmen. Dagegen wird allen, die den Glauben verwerfen oder heucheln, öffentlich bezeugt, daß der Zorn Gottes und die ewige Verdammnis auf ihnen liegt, solange sie sich nicht bekehren. Nach diesem Zeugnis des Evangeliums will Gott in diesem und im zukünftigen Leben urteilen.
HC Q85
[16]Wie wird das Himmelreich zu- und aufgeschlossen durch die Christliche Bus-Zucht?

Also, daß
nach dem Befehl Christi diejenigen, so unter dem Christlichen Namen unchristliche Lehr oder Wandel führen, nachdem sie etlichmal brüderlich vermahnet sind, und von ihren Irrthumen oder Lastern nicht abstehen, der Kirchen, oder denen, so von der Kirchen darzu verordnet sind, angezeigt: Und so sie sich an derselbigen Vermahnung auch nicht kehren, von ihnen durch Verbietung der heiligen Sacramenten, aus der Christlichen Gemein, und von GOtt selbst aus dem Reich Christi, werden ausgeschlossen: Und wiederum, als Glieder Christi und der Kirchen angenommen, wann sie wahre Besserung verheisen und erzeigen.
[56]Wie wird das Himmelreich durch die christliche Bußzucht zu- und aufgeschlossen?

Nach dem Befehl Christi werden alle, die sich Christen nennen, aber unchristlich lehren oder leben, mehrmals seelsorgerlich vermahnt.

Wenn
sie von ihren Irrtümern und Lastern nicht ablassen, werden sie der Gemeinde oder den von ihr Beauftragten namhaft gemacht.

Wenn
sie auch deren Vermahnung nicht folgen, werden sie von diesen durch Versagung der heiligen Sakramente aus der christlichen Gemeinde und von Gott selber aus dem Reich Christi ausgeschlossen.

Jedoch werden sie als Glieder Christi undder Kirche wieder angenommen, wenn sie wahre Besserung versprechen und zeigen.
HC PART 3
Der dritte Theil, Von der Danckbarkeit.
Der dritte Teil. Von der Dankbarkeit
HC LD 32 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

32. Sonntag

HC Q86
Dieweil wir dann aus unserm Elend ohn allen unsern Verdienst aus Gnaden, durch Christum erlöset sind: Warum sollen wir gute Wercke thun?

Darum, daß
Christus, nachdem Er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, daß wir mit unserm gantzen Leben uns danckbar gegen GOtt für seine Wohlthat erzeigen, und Er durch uns gepriesen werde. Darnach auch, daß wir bey uns selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiß seyn, und mit unserm gottseeligen Wandel, unsern Nächsten auch Christo gewinnen.
[57]Da wir nun aus unserm Elend ganz ohne unser Verdienst aus Gnade durch Christus erlöst sind, warum sollen wir gute Werke tun?

Wir sollen gute Werke tun, weil
Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, damit wir mit unserem ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohltat erweisen und er durch uns gepriesen wird. Danach auch, daß wir bei uns selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiß werden und mit einem Leben, das Gott gefällt, unsern Nächsten auch für Christus gewinnen.
HC Q87
Können dann die nicht seelig werden, die sich von ihrem undanckbaren unbusfertigen Wandel zu GOtt nicht bekehren?

Keines wegs: Dann wie die Schrifft sagt: Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen, wird das Reich GOttes ererben.
[58]Können denn auch die selig werden, die sich von ihrem undankbaren, unbußfertigen Leben nicht zu Gott bekehren?

Keineswegs; denn die Schrift sagt: kein Unzüchtiger, Götzendiener, Ehebrecher, Dieb, Geiziger, Trunkenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen wird das Reich Gottes erben.
HC LD 33 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

33. Sonntag

HC Q88
In wie viel Stücken bestehet die warhaftige Bus oder Bekehrung des Menschen?

In zwey Stücken: In Absterbung des alten, und Auferstehung des neuen Menschen.
Worin besteht die wahrhaftige Buße oder Bekehrung des Menschen?

Im Absterben des alten Menschen und im Auferstehen des neuen Menschen.
HC Q89
Was ist die Absterbung des alten Menschen?

Ihm die Sünde von Hertzen lassen leyd seyn, und dieselbe je länger je mehr hassen und fliehen.
Was heißt Absterben des alten Menschen?

Sich die Sünde von Herzen leid sein lassen und sie je länger je mehr hassen und fliehen.
HC Q90
Was ist die Auferstehung eines neuen Menschen?

Hertzliche Freude in GOtt, durch Christum, und Lust und Liebe haben, nach dem Willen GOttes, in allen guten Wercken zu leben.
[59]Was heißt Auferstehen des neuen Menschen?

Herzliche Freude in Gott durch Christus haben und Lust und Liebe, nach dem Willen Gottes in allen guten Werken zu leben.
HC Q91
[17]Welches sind aber gute Wercke?

Allein die aus wahrem Glauben, nach dem Gesetz GOttes, ihm zu Ehren geschehen, und nicht die auf unser Gutdüncken oder Menschen-Satzungen gegründet seynd.
Was sind denn gute Werke?

Allein solche, die aus wahrem Glauben nach dem Gesetz Gottes ihm zur Ehre geschehen, und nicht solche, die auf unser Gutdünken oder auf Menschengebote gegründet sind.
HC Q92
Wie lautet das Gesetz des HERRN?

GOtt redet alle diese Wort: Das erste Gebott. Ich bin der HERR dein GOtt, der ich dich aus Egypten-Land aus dem Dienst-Haus geführet hab. Du solt kein ander Götter für mir haben. Das andere: Du solt dir kein Bildnus, noch irgend ein Gleichnus machen, weder deß, das oben im Himmel, noch deß, der unten auf Erden, oder deß, das im Wasser unter der Erden ist. Du solt sie nicht anbeten, noch ihnen dienen; Dann ich der HErr dein GOtt, bin ein starcker eifferiger GOtt, der die Missethat der Vätter heimsuchet an den Kindern, bis ins dritte und vierdte Glied, deren die mich hassen, und thue Barmhertzigkeit an viel tausenden, die mich lieben und meine Gebott halten. Das dritte: Du solt den Namen des HErrn deines GOttes nicht mißbrauchen: Dann der HErr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. Das vierdte: Gedencke des Sabbath-Tages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage solt du arbeiten, und alle deine Wercke thun, aber am siebenden Tag ist der Sabbath des HErrn deines GOttes, da solt du kein Arbeit thun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch der Fremdling, der in deinen Thoren ist. Dann in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erden gemacht, und das Meer, und alles was darinnen ist, und ruhete am siebenden Tage. Darum segnete der HERR den Sabbath-Tag, und heiligte ihn. Das fünfte: Du solt deinen Vatter und deine Mutter ehren, auf das du lange lebest im Land, das dir der HERR dein GOTT gibt. Das sechste. Du solt nicht tödten. Das siebende. Du solt nicht Ehebrechen. Das achte. Du solt nicht stehlen. Das neundte. Du solt kein falsch Zeugnuß reden wider deinen Nächsten. Das zehende. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauß: Laß dich [18]nicht gelüsten deines Nächsten Weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles was dein Nächster hat.
Wie lautet das Gesetz des Herrn?

»Gott redete alle diese Worte:

Das 1. Gebot

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Das 2. Gebot

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, [60]noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Das 3. Gebot

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

Das 4. Gebot

Gedenke
des Sabbattages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht, und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. [61] Das 5. Gebot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

Das 6. Gebot

Du sollst nicht töten.

Das 7. Gebot

Du sollst nicht ehebrechen.

Das 8. Gebot

Du sollst nicht stehlen.

Das 9. Gebot

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das 10. Gebot

Du sollst
nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel, noch alles, was dein Nächster hat.« (2. Mose 20, 1-17)
HC LD 34 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

34. Sonntag

HC Q93
Wie werden diese Gebott abgetheilet?

In zwo Tafeln. Deren die erste in vier Geboten lehret, wie wir uns gegen GOtt sollen halten; Die andere in sechs Gebotten, was wir unserm Nächsten schuldig seynd.
Wie werden diese Gebote eingeteilt?

In zwei Tafeln: Die erste Tafel lehrt in vier Geboten, wie wir uns Gott gegenüber verhalten sollen, die zweite in sechs Geboten, was wir unserm Nächsten schuldig sind.
HC Q94
Was erfordert der HErr im ersten Gebott?

Daß ich bey Verliehrung meiner Seelen Heyl und Seekeit, alle Abgötterey, Zanberey, aberglaubische Segen, Anruffung der Heiligen oder anderer Creaturen, meiden oder fliehen soll, und den einigen wahren GOtt recht erkennen, ihm allein vertrauen, in aller Demuth und Gedult, von ihm allein alles Gutes gewarten, und ihn von gantzem Hertzen lieben, fürchten und ehren: Also, daß ich ehe alle Creaturen übergebe, dann in dem geringsten wider seinen Willen thue.
[62]Was fordert der Herr im ersten Gebot?

Gott will
, daß ich allen Götzendienst, alle Zauberei und Wahrsagerei, allen Aberglauben, auch das Anrufen der Heiligen oder anderer Geschöpfe meide und fliehe, damit ich meiner Seele Heil und Seligkeit nicht verliere. Stattdessen soll ich den einen wahren Gott recht erkennen, ihm allein vertrauen und in aller Demut und Geduld von ihm allein alles Gute erwarten. Ihn allein soll ich von ganzem Herzen lieben, fürchten und ehren, so daß ich eher alle Geschöpfe preisgebe, als im Geringsten gegen seinen Willen handle.
HC Q95
Was ist Abgötterey?

An statt
des einigen wahren GOttes, der sich in seinem Wort hat geoffenbahret, oder neben demselben, etwas anders dichten oder haben, darauf der Mensch sein Vertrauen setzet.
Was ist Götzendienst?

Anstelle
des einen wahren Gottes, der sich in seinem Wort offenbart hat, oder neben ihm irgendetwas anderes ersinnen oder haben, worauf der Mensch sein Vertrauen setzt.
HC LD 35 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

35. Sonntag

HC Q96
Was will GOTT im andern Gebott?

Das wir
GOtt in keinem Weg vorbilden, noch auf irgend eine andere Weise, dann Er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen.
[63]Was will Gott im zweiten Gebot?

Gott will, daß wir ihn in keiner Weise abbilden, noch ihn auf irgendeine andere Art verehren, als er es in seinem Wort befohlen hat.
HC Q97
Soll man dann gar kein Bildnuß machen?

GOtt kan und soll keines weges abgebildet werden, die Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbeut doch GOtt derselben Bildnuß zu machen, und zu haben, daß man sie verehre, oder ihm damit diene.
Darf man denn gar kein Bild machen?

Gott kann und darf in keiner Weise abgebildet werden. Die Geschöpfe dürfen abgebildet werden, aber Gott verbietet, Bilder von ihnen zu machen und zu haben, um sie zu verehren oder ihm damit zu dienen.
HC Q98
Mögen aber nicht die Bilder, als der Layen Bücher, in der Kirchen geduldet werden?

Nein: Dann wir nicht sollen weiser seyn, dann GOtt, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Worts will unterwiesen haben.
Dürfen denn nicht die Bilder als »der Laien Bücher« in den Kirchen geduldet werden?

Nein; denn wir sollen uns nicht für weiser halten als Gott, der seine Christenheit nicht durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Wortes unterwiesen haben will.
HC LD 36 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

36. Sonntag

HC Q99
Was will das dritte Gebott?

Daß wir nicht allein mit Fluchen, oder mit falschem Eyd, sondern auch mit unnöthigem Schwören, den Namen GOttes nicht lästern noch mißbrauchen, noch uns mit unserm Stillschweigen und Zusehen, solcher schröcklichen Sünden theilhaftig machen. Und in Summa, daß wir den heiligen Namen GOttes anderst nicht, dann mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen, [19]daß Er von uns recht erkennet, angerufen, und in allen unsern Worten und Wercken gepriesen werde.
[64]Was will Gott im dritten Gebot?

Gott will
, daß wir weder mit Fluchen oder mit falschem Eid, noch mit unnötigem Schwören seinen Namen lästern oder mißbrauchen. Wir sollen uns auch nicht durch unser Stillschweigen und Zusehen an solchen schrecklichen Sünden mitschuldig machen. Gottes heiligen Namen sollen wir nur mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen, so daß er von uns recht bekannt, angerufen und in allen unseren Worten und Werken gepriesen wird.
HC Q100
Ist dann mit Schwören und Fluchen, GOttes Namen lästern, eine schwere Sünde, daß auch GOtt über die zörnet, die, so viel an ihnen ist, dieselben nicht helfen wehren noch verbieten?

Ja freylich: Dann keine Sünde gröser ist, noch GOtt hefftiger erzürnet, dann Lästerung seines Namens! Darum Er sie auch mit dem Tod zu strafen befohlen hat.
Ist es denn eine so schwere Sünde, Gottes Namen mit Schwören und Fluchen zu lästern, daß Gott auch über die zürnt, die nicht alles tun, um es zu verhindern?

Ja; denn es gibt keine Sünde, die größer ist und Gott heftiger erzürnt, als die Lästerung seines Namens. Darum hat er auch befohlen, sie mit dem Tode zu bestrafen.
HC LD 37 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

37. Sonntag

HC Q101
Mag man aber auch gottseelig bey dem Namen GOttes einen Eyd schwören?

Ja: Wann es die Obrigkeit von ihren Unterthanen, oder sonst die Noth erfordert, Treu und Warheit zu GOttes Ehr, und des Nächsten Heyl dardurch zu erhalten und zu befördern. Dann solches Eydschwören ist in GOttes Wort gegründet, und derhalben von den Heiligen im Alten und Neuen Testament recht gebraucht worden.
[65]Darf man aber überhaupt bei dem Namen Gottes einen Eid schwören?

Ja, wenn es die Obrigkeit fordert oder die Not es gebietet, auf diese Weise Treue und Wahrheit zu Gottes Ehre und des Nächsten Wohl zu erhalten und zu fördern. Denn solches Schwören ist in Gottes Wort begründet. Deshalb haben die Menschen im Alten und Neuen Testament zu Recht davon Gebrauch gemacht.
HC Q102
Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen einen Eyd schwören?

Nein: Dann ein rechtmäßiger Eyd ist eine Anrufung Gottes, daß er, als der einige Hertzenkündiger, der Warheit Zeugnus wolle geben, und mich strafen, so ich falsch schwöre, welche Ehre dann keiner Creatur gebühret.
Darf man auch bei den Heiligen oder anderen Geschöpfen schwören?

Nein; denn in einem rechtmäßigen Eid rufe ich Gott selbst zum Zeugen an, daß er, der allein die Herzen kennt, die Wahrheit bestätige und mich strafe, wenn ich falsch schwöre. Diese Ehre aber gebührt keinem Geschöpf.
HC LD 38 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

38. Sonntag

HC Q103
Was will GOtt in dem vierdten Gebott?

GOtt will erstlich, daß das Predig-Amt und Schulen erhalten werden, und ich, sonderlich am Feyertage, zu der Gemeine GOttes fleißig komme, das Wort GOttes zu lernen, die heilige Sacramenten zu gebrauchen, den HErrn offentlich anzurufen, und das Christliche Allmosen zu geben. Zum andern, daß ich alle Tage meines Lebens von meinen bösen Wercken feyre, den HErrn durch seinen Geist in mir würcken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem Leben anfange.
[66]Was will Gott im vierten Gebot?

Gott will zum einen, daß das Predigtamt und die christliche Unterweisung erhalten bleiben und daß ich, besonders am Feiertag, zu der Gemeinde Gottes fleißig komme. Dort soll ich Gottes Wort lernen, die heiligen Sakramente gebrauchen, den Herrn öffentlich anrufen und in christlicher Nächstenliebe für Bedürftige spenden.

Zum andern soll ich an allen Tagen meines Lebens von meinen bösen Werken feiern* und den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lassen.

So fange ich
den ewigen Sabbat schon in diesem Leben an.

* »feiern« = ablassen
HC LD 39 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

39. Sonntag

HC Q104
Was will GOtt im fünften Gebott?

Daß
ich meinem Vatter und Mutter, und allen die mir fürgesetzt seynd, alle Ehre, Lieb und Treu beweisen, und mich aller guten Lehr und Straf, mit gebührlichem Gehorsam unterwerffen, und auch mit ihren Gebrechen Gedult haben soll, dieweil uns GOtt durch ihre Hand regieren will.
[67]Was will Gott im fünften Gebot

Ich soll meinem Vater und meiner Mutter und allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue erweisen und alle gute Lehre und Strafe mit gebührendem Gehorsam annehmen, auch mit ihren Schwächen und Fehlern Geduld haben, weil Gott uns durch ihre Hand regieren will.
HC LD 40 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

40. Sonntag

HC Q105
Was will GOtt im sechsten Gebott?

Daß
ich meinen Nächsten weder mit Gedancken, noch mit Worten oder Geberden, viel weniger mit der That, durch mich selbst oder andere, schmähen, hassen, beleidigen oder tödten, sondern alle Rachgierigkeit ablegen, auch mich selbst [20]nicht beschädigen, oder muthwillig in Gefahr begeben soll. Darum auch die Obrigkeit, den Todtschlag zu wehren, das Schwerdt trägt.
Was will Gott im sechsten Gebot?

Ich soll meinen Nächsten weder mit Gedanken noch mit Worten oder Gebärden, erst recht nicht mit der Tat, auch nicht mit Hilfe anderer, schmähen, hassen, beleidigen oder töten. Ich soll vielmehr alle Rachgier ablegen, mir auch nicht selbst Schaden zufügen oder mich mutwillig in Gefahr begeben. Darum hat auch der Staat den Auftrag, durch seine Rechtsordnung das Töten zu verhindern.
HC Q106
Redet doch diß Gebott allein vom Tödten.

Es
will uns aber GOTT durch Verbietung des Todschlags, lehren, daß er die Wurtzel des Todtschlags, als Neid, Haß, Zorn, Rachgierigkeit, hasset, und daß solches alles für ihm ein heimlicher Todtschlag sey.
[68]Redet denn dieses Gebot nur vom Töten?

Nein. Gott
will uns durch das Verbot des Tötens lehren, daß er schon die Wurzel des Tötens, nämlich Neid, Haß, Zorn und Rachgier haßt und daß alles für ihn heimlichesTöten ist.
HC Q107
Ists damit gnug, daß wir unsern Nächsten, wie gemeldet, nicht tödten?

Nein: Dann in dem GOtt Neid, Haß und Zorn verdamt, will er von uns haben, daß wir unsern Nächsten lieben, als uns selbst, gegen ihm Gedult, Friede, Sanftmuth, Barmhertzigkeit, und Freundlichkeit erzeigen, seinen Schaden, so viel uns möglich ist, abwenden, und auch unsern Feinden Guts thun.
Haben wir das Gebot schon erfüllt, wenn wir unseren Nächsten nicht töten?

Nein. Indem Gott Neid, Haß und Zorn verdammt, will er, daß wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst, ihm Geduld, Frieden, Sanftmut, Barmherzigkeit und Freundlichkeit erweisen, Schaden, so viel uns möglich, von ihm abwenden, und auch unseren Feinden Gutes tun.
HC LD 41 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

41. Sonntag

HC Q108
Was will das siebende Gebott?

Daß alle Unkeuschheit von
GOtt vermaledeyet sey, und daß wir darum ihr von Hertzen feind seyn, und keusch und züchtig leben sollen, es sey im heiligen Ehestand oder ausserhalb desselben.
[69]Was will Gott im siebenten Gebot?

Gott verurteilt alle Zügellosigkeit
. Darum sollen wir ihr von Herzen feind sein, rücksichtsvoll und verantwortungsbewußt leben, sei es nun in der Ehe oder außerhalb derselben.
HC Q109
Verbeut GOtt in diesem Gebott nichts mehr dann Ehebruch und dergleichen Schanden?

Dieweil beyde
unser Leib und Seel Tempel des Heiligen Geistes seynd: So will er, daß wir sie beyde sauber und heilig bewahren, verbeut derohalben alle unkeusche Thaten, Geberden, Wort, Gedancken, Lust und was den Menschen darzu reitzen mag.
Verbietet Gott in diesem Gebot allein den Ehebruch?

Nein. Weil beide, unser Leib und unsere Seele, Tempel des Heiligen Geistes sind, darum will Gott, daß wir beide rein und heilig bewahren. Er verbietet deshalb alle zügellosen Taten, Gebärden, Worte, Gedanken, Begierden und alles, was den Menschen dazu reizen kann.
HC LD 42 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

42. Sonntag

HC Q110
Was verbeut GOtt im achten Gebott?

Er verbeut
nicht allein den Diebstahl und Rauberey, welchen die Obrigkeit straft: Sondern GOtt nennet auch Diebstahl, alle böse Stück und Anschläge, damit wir unsers Nächsten Gut gedencken an uns zu bringen, es sey mit Gewalt oder Schein des Rechten: Als unrechtem Gewicht, Ehlen, Maas, Waar, Müntz, Wucher, oder durch einiges Mittel, das von GOtt verbotten ist. Darzu auch allen Geitz und unnütze Verschwendung seiner Gaben.
[70]Was verbietet Gott im achten Gebot?

Gott verbietet
nicht nur Diebstahl und Raub, die nach staatlichem Recht bestraft werden. Er nennt Diebstahl auch alle Schliche und betrügerischen Handlungen, womit wir versuchen, unseres Nächsten Gut an uns zu bringen, sei es mit Gewalt oder einem Schein des Rechts: mit falschem Gewicht und Maß, mit schlechter Ware, gefälschtem Geld und Wucher, oder mit irgendeinem Mittel, das von Gott verboten ist. Er verbietet auch allen Geiz und alle Verschwendung seiner Gaben.
HC Q111
Was gebeut dir aber GOtt in diesem Gebott?

Daß
ich meines Nächsten Nutzen, wo ich kan und mag, fördere, gegen ihm also handele, wie ich wollte, daß man mit mir handelte, und treulich arbeite, auf daß ich dem Dürftigen in seiner Noth helfen möge.
Was gebietet dir aber Gott in diesem Gebot?

Ich soll das Wohl meines Nächsten fördern, wo ich nur kann, und an ihm so handeln, wie ich möchte, daß man an mir handelt. Auch soll ich gewissenhaft arbeiten, damit ich dem Bedürftigen in seiner Not helfen kann.
HC LD 43 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

43. Sonntag

HC Q112
Was will das neundte Gebott?

Daß
ich wider niemand falsch Zeugnuß gebe, niemand sein Wort verkehre, kein Afterreder [21]oder Lästerer sey, niemand unverhöret und leichtlich verdammen helfe, sondern allerley Lügen und Trügen, als eigen Werck des Teuffels, bey schwerem GOttes Zorn vermeide, in Gerichts- und allen andern Handlungen, die Warheit liebe, aufrichtig sage und bekenne, auch meines Nächsten Ehre und Glimpf, nach meinem Vermögen retten und fördern soll.
[71]Was will Gott im neunten Gebot?

Ich soll gegen niemanden falsches Zeugnis geben, niemandem seine Worte verdrehen, nicht hinter seinem Rücken reden und ihn nicht verleumden. Ich soll niemanden ungehört und leichtfertig verurteilen helfen und alles Lügen und Betrügen als Werke des Teufels bei Gottes schwerem Zorn vermeiden. Vor Gericht und in all meinem Tun soll ich die Wahrheit lieben, sie aufrichtig sagen und bekennen und auch meines Nächsten Ehre und guten Ruf nach Kräften retten und fördern.
HC LD 44 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

44. Sonntag

HC Q113
Was will das zehende Gebott?

Daß auch die geringste
Lust oder Gedancken wider irgend ein Gebott GOttes in unser Hertz nimmermehr kommen: Sondern wir für und für, von gantzem Hertzen aller Sünden feind seyn, und Lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen.
Was will Gott im zehnten Gebot?

Wir sollen in unserem Herzen keine
Lust und keinen Gedanken aufkommen lassen, gegen irgendein Gebot Gottes zu handeln, sondern wir sollen jederzeit von ganzem Herzen aller Sünde feind sein und Lust zu aller Gerechtigkeit haben.
HC Q114
Können aber die zu GOtt bekehret sind, solche Gebott vollkömmlich halten?

Nein: Sondern es haben auch die allerheiligsten, so lang sie in diesem Leben sind, nur einen geringen Anfang dieses Gehorsams, doch also, daß sie mit ernstlichem Fürsatz nach allen Gebotten GOttes anfangen zu leben.
[72]Können aber die zu Gott Bekehrten diese Gebote vollkommen halten?

Nein, sondern es kommen auch die frömmsten Menschen in diesem Leben über einen geringen Anfang dieses Gehorsams nicht hinaus. Wohl aber beginnen sie, mit fester Absicht nicht nur nach einigen, sondern nach allen Geboten Gottes zu leben.
HC Q115
Warum läst uns dann GOtt also scharf die zehen Gebott predigen, weil sie in diesem Leben niemand halten kan?

Erstlich, auf daß
wir unser gantzes Lebenlang unser sündliche Art je länger je mehr erkennen, und so viel desto begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christo suchen. Darnach, daß wir ohn Unterlaß uns befleisen, und GOtt bitten um die Gnade des Heiligen Geistes, daß wir je länger je mehr zu dem Ebenbild Gottes verneuert werden, bis wir das Ziel der Vollkommenheit nach diesem Leben erreichen.
[73]Warum läßt uns Gott denn die zehn Gebote so eindringlich predigen, wenn sie doch in diesem Leben niemand halten kann?

Erstens sollen
wir unser ganzes Leben lang unsere sündige Art je länger, je mehr erkennen und um so begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christus suchen.

Zweitens sollen wir unaufhörlich uns bemühen und Gott um die Gnade des Heiligen Geistes bitten, daß wir je länger, je mehr zum Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir nach diesem Leben das Ziel der Vollkommenheit erreichen.
HC LD 45 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

45. Sonntag

HC Q116
Warum ist den Christen das Gebet nöthig?

Darum, daß
es das fürnehmste Stück der Danckbarkeit ist, welche GOtt von uns erfordert: Und daß GOtt seine Gnade und Heiligen Geist allein denen will geben, die ihn mit hertzlichen Seuftzen, ohne Unterlaß, darum bitten, und ihm darfür dancken.
[74]Warum ist den Christen das Gebet nötig?

Weil
es die wichtigste Gestalt der Dankbarkeit ist, die Gott von uns fordert, und weil Gott seine Gnade und seinen Heiligen Geist nur denen geben will, die ihn herzlich und unaufhörlich darum bitten und ihm dafür danken.
HC Q117
Was gehöret zu einem solchen Gebet, das GOtt gefalle, und von ihm erhöret werde?

Daß wir allein den einigen wahren GOtt, der sich uns in seinem Wort hat geoffenbahret, um alles das er uns zu bitten befohlen hat, von Hertzen anrufen. Zum andern, daß wir unsere Noth und Elend recht gründlich erkennen, uns für dem Angesicht seiner Majestät zu demüthigen, und diesen vesten Grund haben, daß er unser Gebet, unangesehen, [22]daß wirs unwürdig sind, doch um des HErrn Christi willen, gewißlich wolle erhören, wie er uns in seinem Wort verheisen hat.
Was gehört zu einem Gebet, damit es Gott gefällt und von ihm erhört wird?

Erstens
, daß wir allein den wahren Gott, der sich uns in seinem Wort geoffenbart hat, von Herzen anrufen um alles, was er uns zu bitten befohlen hat.

Zweitens, daß wir unsere Not und unser Elend gründlich erkennen, um uns vor seinem göttlichen Angesicht zu demütigen. [75]Drittens, daß wir diesen festen Grund haben, daß er unser Gebet trotz unserer Unwürdigkeit um des Herrn Christus willen gewiß erhören will, wie er uns in seinem Wort verheißen hat.
HC Q118
Was hat uns GOtt befohlen von ihm zu bitten?

Alle geistliche
und leibliche Nothdurft, welche der HErr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
Was hat uns Gott befohlen, von ihm zu erbitten?

Alles, was wir für unser geistliches
und leibliches Leben nötig haben, wie es der Herr Christus in dem Gebet zusammengefaßt hat, das er uns selber lehrt.
HC Q119
Wie lautet dasselbige?

Unser Vatter, der du bist in den Himmeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Will geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser täglich Brod gib uns heut. Und vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Dann dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen.
[76]Wie lautet dieses Gebet?

Unser Vater im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wir auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen.
HC LD 46 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

46. Sonntag

HC Q120
Warum hat uns Christus befohlen GOtt also anzureden: Unser Vatter.

Daß
Er gleich im Anfang unsers Gebets in uns erwecke die kindliche Furcht und Zuversicht gegen GOtt, welche der Grund unsers Gebets soll seyn, nemlich, daß GOtt unser Vatter durch Christum worden sey, und wolle uns vielweniger versagen, warum wir ihn im Glauben bitten, dann unsere Vätter uns irrdische Dinge abschlagen.
[77]Warum hat uns Christus befohlen, Gott so anzureden: »Unser Vater«?

Er will in uns gleich zu Anfang unseres Gebetes die kindliche Ehrfurcht und Zuversicht Gott gegenüber wecken, auf die unser Gebet gegründet sein soll; daß nämlich Gott durch Christus unser Vater geworden ist und uns das, worum wir ihn im Glauben bitten, noch viel weniger verweigern will, als unsere Väter uns irdische Dinge abschlagen.
HC Q121
Warum wird hinzu gethan: Der du bist im Himmel?

Auf daß wir von der himmlischen Majestät GOttes nichts irrdisches gedencken, und von seiner Allmächtigkeit, alle Nothdurft Leibs und der Seelen erwarten.
Warum wird hinzugefügt: »Im Himmel«?

Wir sollen von der himmlischen Hoheit Gottes nichts Irdisches denken und von seiner Allmacht alles erwarten, was für Leib und Seele nötig ist.
HC LD 47 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

47. Sonntag

HC Q122
Was ist die erste Bitt?

Geheiliget werde
dein Nahme: Das ist, gib uns erstlich, daß wir dich recht erkennen, und dich in allen deinen Wercken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmhertzigkeit und Warheit, heiligen, rühmen und preisen: Darnach auch daß wir unser gantzes Leben, Gedancken, Wort und Wercke dahin richten, daß dein Nahme um unsertwillen nicht gelästert, sondern gepriesen werde.
[78]Was bedeutet die erste Bitte: »Geheiligt werden dein Name«?

Damit beten wir
: Gib uns zuerst, daß wir dich recht erkennen und dich heiligen, rühmen und preisen in allen deinen Werken, in denen deine Allmacht, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit leuchten. Gib uns auch, daß wir unser ganzes Leben, unsere Gedanken, Worte und Werke darauf richten, daß dein Name unsertwegen nicht gelästert, sondern geehrt und gepriesen werde.
HC LD 48 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

48. Sonntag

HC Q123
Was ist die andere Bitt?

Zukomme
dein Reich: Das ist, regiere uns also durch dein Wort und Geist, daß wir uns dir je länger je mehr unterwerfen. Erhalte und mehre deine Kirche, und zerstöre alle Werck des Teuffels, und allen Gewalt, der sich wider dich erhebt, und alle böse Rathschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden, biß die Vollkommenheit deines Reichs herzu komme, darinn du wirst alles in allem seyn.
[79]Was bedeutet die zweite Bitte: »Dein Reich komme«?

Damit beten wir
: Regiere uns durch dein Wort und deinen Geist, daß wir dir je länger, je mehr gehorchen. Erhalte und mehre deine Kirche und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich gegen dich erhebt, und alle Machenschaften, die gegen dein heiliges Wort erdacht werden, bis die Vollendung deines Reiches kommt, in dem du alles in allen sein wirst.
HC LD 49 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

49. Sonntag

HC Q124
[23]Was ist die dritte Bitt?

Dein Will geschehe auf Erden wie im Himmel: Daß ist, verleihe, daß wir und alle Menschen, unserm eigenen Willen absagen, und deinem allein guten Willen ohn alles Widersprechen gehorchen: Daß also jederman sein Amt und Beruf so willig und treulich ausrichte, wie die Engel im Himmel.
Was bedeutet die dritte Bitte: »Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden«?

Damit beten wir: Hilf
, daß wir und alle Menschen unserm eigenen Willen absagen und deinem allein guten Willen ohne alles Widersprechen gehorchen, so daß jeder seine irdischen Aufgaben so willig und treu ausübt wie die Engel im Himmel.
HC LD 50 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

50. Sonntag

HC Q125
Was ist die vierdte Bitt?

Gib uns heut
unser täglich Brod: Das ist, wollest uns mit aller leiblichen Nothdurft versorgen, auf daß wir dadurch erkennen, daß du der einige Ursprung alles Guten bist, und daß ohne deinen Seegen, weder unsere Sorgen und Arbeit, noch deine Gaben uns gedeyen, und wir derohalben unser Vertrauen von allen Creaturen abziehen, und allein auf dich setzen.
[80]Was bedeutet die vierte Bitte: »Unser tägliches Brot gibt uns heute«?

Damit beten
wir: Versorge uns mit allem, was für Leib und Leben nötig ist. Lehre uns dadurch erkennen, daß du allein der Ursprung alles Guten bist und daß ohne deinen Segen unsere Sorgen und unsere Arbeit wie auch deine Gaben uns nichts nützen. Laß uns deshalb unser Vertrauen von allen Geschöpfen abwenden und es allein auf dich setzen.
HC LD 51 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

51. Sonntag

HC Q126
Was ist die fünfte Bitt?

Vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unsern Schuldigern: Das ist, wollest uns armen Sündern, alle unsere Missethat, auch das Böse, so uns noch immerdar anhänget, um des Bluts Christi willen nicht zurechnen, wie auch wir diß Zeugnus deiner Gnad in uns befinden, daß unser gantzer Fürsatz ist, unserm Nächsten von Hertzen zu verzeihen.
Was bedeutet die fünfte Bitte: »Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern«?

Damit beten wir: Rechne uns armen Sündern alle unsere Missetat und das Böse, das uns immer noch anhängt, um des Blutes Christi willen nicht zu, wie auch wir es als Zeugnis deiner Gnade in uns finden, unserem Nächsten von Herzen verzeihen zu wollen.
HC LD 52 only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—

52. Sonntag

HC Q127
Was ist die sechste Bitt?

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen: Das ist, dieweil wir aus uns selbst so schwach sind, daß wir nicht einen Augenblick bestehen können, und darzu unsere abgesagte Feind, der Teuffel, die Welt und unser eigen Fleisch nicht aufhören uns anzufechten: So wollest du uns erhalten und stärcken durch die Kraft deines Heil. Geistes, auf daß wir ihnen mögen vesten Widerstand thun, und in diesem geistlichen Streit nicht unten liegen, bis daß wir endlich den Sieg vollkömmlich behalten.
[81]Was bedeutet die sechste Bitte: »Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen«?

Damit beten wir: Aus uns selbst sind wir so schwach, daß wir nicht einen Augenblick bestehen können. Auch hören unsere erklärten Feinde, der Teufel, die Welt und unser eigenes Wesen, nicht auf, uns anzufechten. Darum erhalte und stärke uns durch die Kraft deines Heiligen Geistes, daß wir ihnen fest widerstehen und in diesem geistlichen Streit nicht unterliegen, bis wir endlich den völligen Sieg davontragen.
HC Q128
Wie beschleust du dies Gebet?

Dann dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit: Das ist, solches alles bitten wir darum von dir, daß du, als unser König, und aller Ding mächtig, und alles Guts geben willst und kanst, und daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Nahme ewig soll gepriesen werden.
[82]Wie beschließt du dieses Gebet? »Dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit«.

Damit beten wir: Dies alles erbitten wir darum von dir, weil du als unser König und aller Dinge mächtig uns alles Gute geben willst und kannst, und daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig gepriesen werde.
HC Q129
Was heist das Wörtlein Amen?

Amen: Das heist, das soll wahr und gewiß seyn, dann mein Gebet viel gewisser von GOtt erhöret ist, dann ich in meinem Hertzen fühle, daß ich solches von ihm begehre.
Was bedeutet das Wort: »Amen«?

Amen heißt: Das ist wahr und gewiß! Denn mein Gebet ist von Gott viel gewisser erhört, als ich in meinem Herzen fühle, daß ich dies alles von ihm begehre.