Heidelberg Catechism — compare
Kassel, 1749 vs Wien 1885 (German) · 130 of 132 units differ · back to reader
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Dass ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin, der mit seinem theuren Blute für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlet, und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöset hat, und also bewahret, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja auch mir Alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens versichert, und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht.
Drei Stücke; erstlich: wie groß meine Sünde und Elend sei; zum andern: wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöset werde; und [4]zum dritten: wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein.
Aus dem
Aus dem Gesetze Gottes.
Dies lehret uns Christus in einer Summa, Matth. am 22. Kap. V. 37. 38. 39. 40: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüth und allen Kräften. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten.
Nein:
Nein; denn ich bin von Natur geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen.
Nein: Sondern GOtt hat den Menschen gut, und nach seinem Ebenbild erschaffen, das ist, in
Nein, sondern Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen, das ist, in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf dass er Gott, seinen Schöpfer, recht erkennete, und von Herzen liebte, und in ewiger Seligkeit mit ihm lebte, Ihn zu loben und zu preisen.
Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern
Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva, im Paradiese; da unsere Natur also vergiftet worden, dass wir Alle in Sünden empfangen und geboren werden.
Ja: Es
Ja; es sei denn, dass wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden.
Nein:
Nein; denn Gott hat den Menschen also erschaffen, dass er es konnte thun, der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen aus Anstiftung des Teufels, durch muthwilligen Ungehorsam, derselbigen Gaben beraubet.
Mit nichten: Sondern Er zürnet
Mit nichten, sondern er zürnet schrecklich, beide über angeborne und wirkliche Sünden, und will sie aus gerechtem Urtheil zeitlich und ewig strafen, wie er gesprochen hat: Verflucht sei Jedermann, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet im Buch des Gesetzes, dass er's thue.
GOtt ist wohl
Gott ist wohl barmherzig, er ist aber auch gerecht. Derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, dass die Sünde, welche wider die allerhöchste Majestät Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, mit der ewigen Strafe an Leib und Seele gestraft werde.
GOtt will,
Gott will, dass seiner Gerechtigkeit genug geschehe; derwegen müssen wir derselben entweder durch uns [7]selbst, oder durch einen Andern vollkommene Bezahlung thun.
Mit nichten: Sondern wir machen auch die Schuld noch täglich
Mit nichten, sondern wir machen auch die Schuld noch täglich größer.
Keine:
Keine; denn erstlich: will Gott an keiner andern Kreatur strafen, was der Mensch verschuldet hat. Zum andern: so kann auch keine bloße Kreatur die Last des ewigen Zorns Gottes wider die Sünde ertragen und andere davon erlösen.
Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch, und doch
Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch, und doch stärker, denn alle Kreaturen, das ist, zugleich wahrer Gott sei.
Darum,
Darum, dass die Gerechtigkeit Gottes erfordert, dass die menschliche Natur, die gesündigt hat, für die Sünde bezahle; und aber Einer, der selbst ein Sünder wäre, nicht könnte für andere bezahlen.
Daß
Dass er aus Kraft seiner Gottheit die Last des Zornes Gottes an seiner Menschheit ertragen, und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben möchte.
Unser HErr
Unser Herr Jesu Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist.
Aus
Aus dem heiligen Evangelio, welches Gott selbst anfänglich im Paradies hat geoffenbaret, folgends durch die heiligen Erzväter und Propheten lassen verkündigen, und durch die Opfer und andere Ceremonien des Gesetzes vorgebildet, endlich aber durch seinen eingeliebten Sohn erfüllet.
Nein: Sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben ihm werden eingeleibet, und alle seine Wohlthaten annehmen.
Nein, sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben Ihm werden eingeleibet und alle seine Wohlthaten annehmen.
Es ist nicht allein eine gewisse Erkenntnis, dadurch ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort hat geoffenbaret, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der heilige Geist durch's Evangelium in mir wirket, dass nicht allein Andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt sei, aus lauter Gnaden, allein um des Verdienstes Christi willen.
Alles was uns im Evangelio
Alles, was uns im Evangelio verheißen wird, welches uns die Artikel unsers allgemeinen, ungezweifelten, christlichen Glaubens in einer Summe lehren.
Ich
Ich glaube in Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde. Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten hat unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am [10]dritten Tage wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube in den heiligen Geist, eine heilige, allgemeine, christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.
In
In drei Theile: Der erste ist von Gott dem Vater und unserer Erschaffung, der andere von Gott dem Sohn und unserer Erlösung, der dritte von Gott dem heiligen Geist und unserer Heiligung.
Darum,
Darum, dass sich Gott also in seinem Wort geoffenbaret hat, dass diese drei unterschiedliche Personen der einige, wahrhaftige, ewige Gott sind.
Dass der ewige Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erde sammt allem, was darinnen ist, aus Nichts erschaffen, auch dieselbigen noch [11]durch seinen ewigen Rath und Vorsehung erhält und regieret, um seines Sohnes Christi willen, mein Gott und mein Vater sei, auf welchen ich also vertraue, dass ich nicht zweifele, er werde mich mit aller Nothdurft des Leibes und der Seele versorgen, auch alles Uebel, so er mir in diesem Jammerthal zuschicket, mir zu gut wenden, dieweil Er es thun kann als ein allmächtiger Gott, und auch thun will als ein getreuer Vater.
Die allmächtige und gegenwärtige Kraft GOttes, durch welche er Himmel und
Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch welche er Himmel und Erde, sammt allen Kreaturen, gleich als mit seiner Hand noch erhält und also regieret, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichthum und Armuth, und Alles nicht ungefähr, sondern von seiner väterlichen Hand uns zukomme.
Dass wir in aller Widerwärtigkeit geduldig, in Glückseligkeit dankbar, und auf's Zukünftige [12]guter Zuversicht zu unserm getreuen Gott und Vater sein sollen, dass uns keine Kreatur von seiner Liebe scheiden wird, dieweil alle Kreaturen also in seiner Hand sind, dass sie sich ohne seinen Willen auch nicht regen noch bewegen können.
Darum,
Darum, dass er uns selig macht von unsern Sünden, und dass bei keinem Andern einige Seligkeit weder zu suchen, noch zu finden ist.
Nein: Sondern sie
Nein, sondern sie verleugnen mit der That den einigen Seligmacher und Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rühmen; denn entweder Jesus nicht ein vollkommener Heiland sein muss, oder die diesen Heiland mit wahrem Glauben annehmen, müssen Alles in ihm haben, das zu ihrer Seligkeit vonnöthen ist.
Dass er von Gott dem Vater verordnet, und mit dem heiligen Geist gesalbet ist zu unserm obersten Propheten und Lehrer, der uns den heimlichen Rath [13]und Willen Gottes von unserer Erlösung vollkömmlich offenbaret; und zu unserm einigen Hohenpriester, der uns mit dem einigen Opfer seines Leibes erlöset hat, und immerdar mit seiner Fürbitte vor dem Vater vertritt; und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regieret, und bei der erworbenen Erlösung schützet und erhält.
Daß
Dass ich durch den Glauben ein Glied Christi, und also seiner Salbung theilhaftig bin, auf dass auch ich seinen Namen bekenne, mich ihm zu einem lebendigen Dankopfer darstelle, und mit freiem Gewissen in diesem Leben wider die Sünde und Teufel streite, und darnach in Ewigkeit mit ihm über alle Kreaturen herrsche.
Darum,
Darum, dass Christus allein der ewige natürliche Sohn Gottes ist; wir aber um seinetwillen aus Gnaden zu Kindern Gottes angenommen sind.
Dass er uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem theuren Blut sich zum Eigenthum erlöset und erkaufet hat.
Daß
Dass der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist und bleibet, wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria, durch Wirkung des heiligen Geistes an sich genommen hat, auf dass er auch der wahre Same Davids sei, seinen Brüder in Allem gleich, ausgenommen die Sünde.
Dass er unser Mittler ist und mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, darin ich bin empfangen, vor Gottes Angesicht bedecket.
Dass er an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, sonderlich aber am Ende desselben, [15]den Zorn Gottes wider die Sünde des ganzen menschlichen Geschlechts getragen hat, auf dass er mit seinem Leiden, als mit dem einzigen Sühnopfer, unsern Leib und Seele von der ewigen Verdammnis erlösete, und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbe.
Auf
Auf dass er unschuldig unter dem weltlichen Richter verdammt würde, und uns damit von dem strengen Urtheil Gottes, das über uns ergehen sollte, erledigte.
Ja:
Ja; denn dadurch bin ich gewiss, dass er die Vermaledeiung, die auf mir lag, auf sich geladen habe; dieweil der Tod des Kreuzes von Gott verflucht war.
Darum,
Darum, dass wegen der Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes nicht anders für unsere Sünde möchte bezahlet werden, denn durch den Tod des Sohnes Gottes.
Damit zu bezeugen,
Damit zu bezeugen, dass er wahrhaftig gestorben sei.
Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur eine Absterbung der Sünden, und Eingang zum ewigen Leben.
Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde; sondern nur eine Absterbung der Sünden und Eingang zum ewigen Leben.
Daß
Dass durch seine Kraft unser alter Mensch mit ihm gekreuziget, getödtet und begraben wird, auf dass die bösen Lüste des Fleisches in uns nicht mehr regieren, sondern dass wir uns selbst Ihm zur Danksagung aufopfern.
Daß
Dass ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sei, mein Herr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken, die er auch an seiner Seele am Kreuz und zuvor erlitten, von der höllischen Angst und Pein erlöset.
Erstlich hat Er durch seine Auferstehung den Tod überwunden,
Erstlich hat er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, dass er uns der Gerechtigkeit, die er uns durch seinen Tod erworben hat, könnte theil[17]haftig machen; zum andern werden wir auch jetzunder durch seine Kraft erwecket zu einem neuen Leben; zum dritten ist uns die Auferstehung Christi ein gewisses Pfand unserer seligen Auferstehung.
Dass Christus vor den Augen seiner Jünger ist von der Erde aufgehoben gen Himmel, und uns zu gut daselbst ist, bis dass er wiederkommt, zu richten die Lebendigen und die Todten.
Christus ist wahrer Mensch und wahrer GOtt: Nach seiner menschlichen Natur ist Er
Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzunder nicht auf Erden; aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weichet er nimmer von uns.
Mit nichten:
Mit nichten; denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwärtig ist, so muss folgen, dass sie wohl außerhalb ihrer angenommenen Menschheit und dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und persönlich mit ihr vereinigt bleibt.
Erstlich,
Erstlich, dass er im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher ist; zum andern, dass wir unser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, dass er, als das Haupt, uns, seine Glieder, auch zu sich werde hinaufnehmen; zum dritten, dass er uns seinen Geist zum Gegenpfand herabsendet, durch welches Kraft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, und nicht, das auf Erden ist.
Dass Christus darum gen Himmel gefahren ist, dass er sich daselbst erzeige als das Haupt seiner christlichen Kirche, durch welches der Vater alles regieret.
Erstlich,
Erstlich, dass er durch seinen heiligen Geist in uns, seine Glieder, die himmlischen Gaben ausgießt; darnach, dass er uns mit seiner Gewalt wider alle Feinde schützet und erhält.
Dass ich in aller Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt eben des Richters, der sich zu[19]vor dem Gerichte Gottes für mich dargestellet und alle Vermaledeiung von mir hinweg genommen hat, aus dem Himmel gewärtig bin, dass er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnis werfe, mich aber, sammt allen Auserwählten, zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme.
Erstlich,
Erstlich, dass er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn ist; zum andern, dass er auch mir gegeben ist, mich durch einen wahren Glauben Christi und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, mich tröstet und bei mir bleiben wird bis in Ewigkeit.
Daß
Dass der Sohn Gottes aus dem ganzen menschlichen Geschlecht sich eine auserwählte Gemeine zum ewigen Leben durch seinen Geist und Wort in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis an's Ende versammle, schütze und [20]erhalte, und dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde.
Erstlich,
Erstlich, dass alle und jede Gläubigen als Glieder, an dem Herrn Christo und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben; zum andern, dass ein Jeder seine Gaben zu Nutz und Heil der andern Glieder willig und mit Freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.
Dass Gott um der Genugthuung Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündlichen Art, mit der ich mein Lebenlang zu streiten habe, nimmermehr gedenken will; sondern mir die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden schenket, daß ich in's Gericht nimmermehr soll kommen.
Dass nicht allein meine Seele nach diesem Leben alsbald zu Christo ihrem Haupt genommen wird, [21]sondern auch, dass dies mein Fleisch durch die Kraft Christi auferweckt, wieder mit seiner Seele vereiniget und dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll.
Dass, nachdem ich jetzund den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen empfinde, ich nach diesem Leben vollkommene Seligkeit besitzen werde, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret und in keines Menschen Herz nie gekommen ist, Gott ewiglich darin zu preisen.
Dass ich in Christo vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens bin.
Allein durch wahren Glauben in JEsum Christum, also
Allein durch wahren Glauben in Jesum Christum, also, dass, ob mich schon mein Gewissen anklagt, daß ich wider alle Gebote Gottes schwerlich gesündiget und derselben keines nie gehalten habe, auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin, doch Gott ohne all mein Verdienst aus lauter Gnade mir die vollkommene Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schenket und zurechnet, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt, und selbst [22]allen den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wenn ich allein solche Wohlthat mit gläubigem Herzen annehme.
Nicht,
Nicht, dass ich wegen der Würdigkeit meines Glaubens Gott gefalle, sondern darum, dass allein die Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi meine Gerechtigkeit vor Gott ist, und ich dieselbe nicht anders, denn allein durch den Glauben annehmen und mir zueignen kann.
Darum, daß die Gerechtigkeit, so
Darum, daß die Gerechtigkeit, so vor Gottes Gericht bestehen soll, durchaus vollkommen und dem göttlichen Gesetz ganz gleichförmig sein muss; und aber auch unsere besten Werke in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünden befleckt sind.
Diese Belohnung
Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden.
Nein:
Nein, denn es unmöglich ist, dass die, so Christo durch wahren Glauben sind eingepflanzet, nicht Frucht der Dankbarkeit sollen bringen.
Der Heilige Geist
Der heilige Geist wirket denselben in unsern Herzen durch die Predigt des heiligen Evangeliums und bestätigt ihn durch den Brauch der heiligen Sakramente.
Es sind sichtbare, heilige Wahrzeichen und Siegel, von GOtt
Es sind sichtbare, heilige Wahrzeichen und Siegel, von Gott dazu eingesetzt, dass Er uns durch den Brauch derselbigen die Verheißung des Evangeliums desto besser zu verstehen gebe und versiegele; nämlich, dass Er uns, von wegen des einigen Opfers Christi am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben aus Gnaden schenket.
Ja
Ja freilich; denn der heilige Geist lehret im Evangelio und bestätiget durch die heiligen Sakramente, [24]dass unsere ganze Seligkeit stehe in dem einigen Opfer Christi, für uns am Kreuz geschehen.
Zwei: Die heilige Taufe und das heilige Abendmahl.
Also,
Also, dass Christus dies äußerliche Wasserbad eingesetzt und dabei verheißen hat, daß ich so gewiss mit seinem Blut und Geist von der Unreinigkeit meiner Seele, das ist, von allen meinen Sünden gewaschen sei, so gewiss ich äußerlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibes pflegt hinwegzunehmen, gewaschen bin.
Es
Es heißt Vergebung der Sünden von Gott aus Gnaden haben um des Blutes Christi willen, welches er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat; darnach auch durch den heiligen Geist erneuert und zu einem Glied Christi geheiligt sein, dass wir je [25]länger je mehr der Sünde absterben und in einem gottseligen, unsträflichen Leben wandeln.
In der Einsetzung der
In der Einsetzung der Taufe, welche also lautet: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Diese Verheißung wird auch wiederholt, da die Schrift die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden nennet.
Nein:
Nein; denn allein das Blut Jesu Christi und der heilige Geist reiniget uns von allen Sünden.
GOTT redet also nicht ohne
Gott redet also nicht ohne große Ursache; nämlich: nicht allein, dass er uns damit will lehren, dass, gleichwie die Unsauberkeit des Leibes durch's Wasser, also unsere Sünden durch's Blut und Geist Christi hin[26]weggenommen werden; sondern vielmehr, dass er uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, dass wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.
Ja:
Ja; denn dieweil sie sowohl als die Alten in den Bund Gottes und seine Gemeine gehören, und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden, und der heilige Geist, welcher den Glauben wirket, nicht weniger denn den Alten zugesagt wird, so sollen sie auch durch die Taufe, als des Bundes Zeichen, der christlichen Kirche eingeleibet und von der Ungläubigen Kinder unterschieden werden wie im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an welcher Statt im neuen Testament die Taufe ist eingesetzt.
Also,
Also, dass Christus mir und allen Gläubigen von diesem gebrochenen Brod zu essen und von diesem Kelch zu trinken befohlen hat, zu seinem Gedächtnis, und dabei verheißen: Erstlich, dass sein Leib so [27]gewiss für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen sei, so gewiss ich mit Augen sehe, dass das Brod des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir mitgetheilt wird; und zum andern, dass er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut so gewiss zum ewigen Leben speise und tränke, als ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich genieße das Brod und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibes und Blutes Christi gegeben werden.
Es
Es heißt nicht allein mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen, sondern auch daneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeiten Leib je mehr und mehr vereinigt werden, dass wir, obgleich er im Himmel, und wir auf Erden sind, dennoch Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinen Beinen sind, und von einem Geist, (wie die Glieder unsers Leibes von einer Seele) ewig leben und regiert werden.
In der Einsetzung des Abendmahls, welche also lautet: Unser HErr JEsus in der Nacht, da Er
In der Einsetzung des heiligen Abendmahls, welche also lautet: Unser Herr Jesus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete und brach's, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brod esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis dass er kommt. Und diese Verheißung wird auch wiederholt durch Sanct Paulus, da er spricht: Der Kelch der Danksagung, damit wir danksagen, ist der nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi? Das Brod, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn Ein Brod ist's, so sind wir Viele ein Leib, dieweil wir Alle Eines Brodes theilhaftig sind.
Nein: Sondern wie das Wasser in der
Nein, sondern wie das Wasser in der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt, oder die Abwaschung der Sünden selbst wird, deren es allein [29]ein göttliches Wahrzeichen und Versicherung ist, also wird auch das heilige Brod im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst, wiewohl es nach Art und Brauch der Sakramente der Leib Christi genannt wird.
Christus redet also nicht ohne
Christus redet also nicht ohne große Ursache; nämlich, dass er uns nicht allein damit will lehren, dass, gleichwie Brod und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sei auch sein gekreuzigter Leib und vergossenes Blut die wahre Speise und Trank unserer Seelen zum ewigen Leben, sondern vielmehr, dass Er uns durch dies sichtbare Zeichen und Pfand will versichern, dass wir so wahrhaftig seines wahren Leibes und Blutes durch Wirkung des heiligen Geistes theilhaftig werden, als wir diese heiligen Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seinem Gedächtnis empfangen, und dass all sein Leiden und Gehorsam so gewiss unser eigen sei, als hätten wir selbst in unserer eigenen Person Alles gelitten und genug gethan.
Das Abendmahl bezeuget uns,
Das Abendmahl bezeuget uns, dass wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben [30]durch das einige Opfer Jesu Christi, so er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat, und dass wir durch den heiligen Geist Christo werden eingeleibet, der jetzund mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist, und daselbst will angebetet werden. Die Messe aber lehret, dass die Lebendigen und die Todten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, dass Christus noch täglich für sie von den Messpriestern geopfert werde, und dass Christus leiblich unter der Gestalt Brods und Weins sei, und derhalben darin soll angebetet werden. Und ist also die Messe im Grunde nichts anderes, denn eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi.
Die
Die sich selbst um ihrer Sünde willen missfallen und doch vertrauen, dass dieselbigen ihnen verziehen, und die übrige Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi bedeckt sei, begehren auch je mehr und mehr ihren Glauben zu stärken, und ihr Leben zu bessern. Die Unbußfertigen aber und Heuchler essen und trinken sich selbst das Gericht.
Nein:
Nein; denn es wird also der Bund Gottes geschmähet und sein Zorn über die ganze Gemeine gereizet; derhalben die christliche Kirche schuldig ist, nach der Ordnung Christi und seiner Apostel, Solche, bis zur Besserung ihres Lebens, durch das Amt der Schlüssel auszuschließen.
Die Predigt des heiligen
Die Predigt des heiligen Evangeliums und die christliche Bußzucht, durch welche beide Stücke das Himmelreich den Gläubigen aufgeschlossen und den Ungläubigen zugeschlossen wird.
Also,
Also, dass nach dem Befehl Christi allen und jeden Gläubigen verkündigt und öffentlich bezeuget wird, dass ihnen, so oft sie die Verheißung des Evangeliums mit wahrem Glauben annehmen, wahrhaftig alle ihre Sünden von Gott, um des Verdienstes Christi willen, vergeben sind; und herwiederum allen Ungläubigen und Heuchlern, dass der Zorn Gottes und die ewige Verdammnis auf ihnen liegt, so lange sie sich nicht bekehren. Nach welchem Zeugnis des Evangelii Gott beide in diesem und zukünftigen Leben urtheilen will.
Also,
Also, dass nach dem Befehl Christi diejenigen, so unter dem christlichen Namen unchristliche Lehre oder Wandel führen, nachdem sie etlichemal brüderlich vermahnet sind, und von ihren Irrthümern oder Lastern nicht abstehen, der Kirche, oder denen, so von der Kirche dazu verordnet sind, angezeigt, und so sie sich an derselben Vermahnung auch nicht kehren, von ihnen durch Verbietung der heiligen Sakramente aus der christlichen Gemeine und von Gott selbst aus dem Reich Christi werden ausgeschlossen; und wiederum als Glieder Christi und der Kirche angenommen, wenn sie wahre Besserung verheißen und erzeigen.
Darum,
Darum, dass Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, dass wir mit unserm ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohlthaten erzeigen, und er durch uns gepriesen werde. Darnach auch, dass wir bei uns [33]selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiss seien, und mit unserm gottseligen Wandel unsern Nächsten auch Christo gewinnen.
Keineswegs; denn wie die Schrift sagt: Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geiziger, Trunkenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen wird das Reich Gottes ererben.
In
In zwei Stücken: In Absterbung des alten, und Auferstehung des neuen Menschen.
Sich die Sünde von Herzen lassen leid sein, und dieselbe je länger je mehr hassen und fliehen.
Herzliche Freude in Gott durch Christum, und Lust und Liebe haben nach dem Willen Gottes in allen guten Werken zu leben.
Allein die aus wahrem Glauben, nach dem Gesetz GOttes, ihm zu Ehren geschehen, und nicht die auf unser
Allein die aus wahrem Glauben, nach dem Gesetz Gottes, Ihm zu Ehren geschehen, und [34]nicht die auf unser Gutdünken oder Menschensatzung gegründet sind.
GOtt redet alle diese
Gott redet alle diese Worte: Das erste Gebot.
Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Egyptenland, aus dem Diensthause, geführet habe. Du sollst keine andere Götter vor mir haben. Das andere Gebot.
Du sollst dir kein Bildnis, noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten, noch ihnen dienen; denn Ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker, eifriger Gott, der die Missethat der Väter heimsuchet an den Kindern bis in's dritte und vierte Glied derer, die Mich hassen, und thue Barmherzigkeit an viel Tausenden, die Mich lieben und Meine Gebote halten. Das dritte Gebot.
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. Das vierte Gebot.
Gedenke des Sabbathtages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten, und alle deine Werke [35]thun; aber am siebenten Tage ist der Sabbath des Herrn, deines Gottes, da sollst du keine Arbeit thun, weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Thoren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, und das Meer, und Alles, was darinnen ist, und ruhete am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbathtag, und heiligte ihn. Das fünfte Gebot.
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest im Lande, das dir der Herr, dein Gott, giebt. Das sechste Gebot.
Du sollst nicht tödten. Das siebente Gebot.
Du sollst nicht ehebrechen. Das achte Gebot.
Du sollst nicht stehlen. Das neunte Gebot.
Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Das zehnte Gebot.
Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses; laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsens, noch seines Esels, noch Alles, was dein Nächster hat.
In
In zwei Tafeln, deren die erste in vier Geboten lehret, wie wir uns gegen Gott sollen verhalten; die andere in sechs Geboten, was wir unserm Nächsten schuldig sind.
Daß
Dass ich, bei Verlierung meiner Seelen Heil und Seligkeit, alle Abgötterei, Zauberei, abergläubige Segen, Anrufung der Heiligen oder anderer Kreaturen meiden und fliehen soll, und den einigen wahren Gott recht erkennen, ihm allein vertrauen in aller Demuth und Geduld, von ihm allein alles Gute erwarten, und ihn von ganzem Herzen lieben, fürchten und ehren; also, dass ich ehe alle Kreaturen übergebe, denn in dem geringsten wider seinen Willen thue.
An statt
Anstatt des einigen wahren Gottes, der sich in seinem Wort hat geoffenbaret, oder neben demselbigen etwas Anders dichten oder haben, darauf der Mensch sein Vertrauen setzt.
Das
Dass wir Gott in keinem Weg verbilden, noch auf irgend eine andere Weise, denn er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen.
GOtt
Gott kann und soll keineswegs abgebildet werden; die Kreaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbietet doch Gott, derselben Bildnis zu machen und zu haben, dass man sie verehre, oder ihm damit diene.
Nein:
Nein; denn wir sollen nicht weiser sein als Gott, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Worts will unterwiesen haben.
Daß
Dass wir nicht allein mit Fluchen, oder mit falschem Eid, sondern auch mit unnöthigem Schwören den Namen Gottes nicht lästern oder missbrauchen, noch uns mit unserm Stillschweigen und Zusehen solcher schrecklichen Sünden theilhaftig machen; und in Summa, dass wir den heiligen Namen Gottes [38]anders nicht, denn mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen, auf dass er von uns recht bekennet, angerufen und in allen unsern Worten und Werken gepriesen werde.
Ja
Ja freilich; denn keine Sünde größer ist, noch Gott heftiger erzürnet, denn Lästerung seines Namens; darum er sie auch mit dem Tode zu strafen befohlen hat.
Ja:
Ja; wenn es die Obrigkeit von ihren Unterthanen, oder sonst die Noth erfordert, Treu und Wahrheit zu Gottes Ehr' und des Nächsten Heil dadurch zu erhalten und zu fördern; denn solches Eidschwören ist in Gottes Wort gegründet, und derhalben von den Heiligen im alten und neuen Testament recht gebrauchet worden.
Nein:
Nein; denn ein rechtmäßiger Eid ist eine Anrufung Gottes, dass er, als der einige Herzenskündiger, [39]der Wahrheit Zeugnis wolle geben und mich strafen, so ich falsch schwöre, welche Ehre denn keiner Kreatur gebührt.
GOtt will erstlich,
Gott will erstlich, dass das Predigtamt und Schulen erhalten werde, und ich, sonderlich am Feiertage, zu der Gemeine Gottes fleißig komme, das Wort Gottes zu lernen, die heiligen Sakramente zu gebrauchen, den Herrn öffentlich anzurufen, und das christliche Almosen zu geben; zum andern, dass ich alle Tage meines Lebens von meinen bösen Werken feiere, den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem Leben anfange.
Daß
Dass ich meinem Vater und Mutter, und Allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue beweisen, und mich aller guten Lehre und Strafe mit gebührlichem Gehorsam unterwerfen, und auch mit ihren Gebrechen Geduld haben soll; dieweil uns Gott durch ihre Hand regieren will.
Daß
Dass ich meinen Nächsten weder mit Gedanken, noch mit Worten oder Geberden viel weniger mit der That, durch mich selbst oder Andere schmähen, hassen, beleidigen oder tödten, sondern alle Rachgierigkeit ablegen, auch mich selbst nicht beschädigen oder muthwillig in Gefahr begeben soll; darum auch die Obrigkeit, den Todtschlag zu wehren, das Schwerdt trägt.
Es will uns aber GOTT durch Verbietung des
Es will uns aber Gott durch Verbietung des Todschlages lehren, dass er die Wurzel des Todtschlages, als Neid, Hass, Zorn, Rachgierigkeit hasset, und dass solches Alles vor ihm ein heimlicher Todtschlag sei.
Nein:
Nein; denn indem Gott Neid, Hass und Zorn verdammt, will er von uns haben, dass wir unsern Nächsten lieben als uns selbst, gegen ihn Geduld, Friede, Sanftmuth, Barmherzigkeit und Freundlichkeit erzeigen, seinen Schaden, so viel uns möglich ist, abwenden, und auch unsern Feinden Gutes thun.
Daß
Dass alle Unkeuschkeit von Gott vermaledeiet sei, und dass wir darum ihr von Herzen feind sein und keusch und züchtig leben sollen, es sei im heiligen Ehestand oder außerhalb desselben.
Dieweil
Dieweil beide, unser Leib und Seele, Tempel des heiligen Geistes sind, so will er, dass wir sie beide sauber und heilig bewahren; verbietet derhalben alle unkeusche Thaten, Geberden, Worte, Gedanken, Lust, und was den Menschen dazu reizen mag.
Er
Er verbietet nicht allein den Diebstahl und Räuberei, welche die Obrigkeit straft; sondern Gott nennet auch Diebstahl alle böse Stücke und Anschläge, damit wir unsers Nächsten Gut gedenken an uns zu bringen, es sei mit Gewalt oder Schein des Rechten, als unrechtem Gewicht, Ellen, Maß, Waare, Münze, Wucher, oder durch einiges Mittel, das von Gott verboten ist, dazu auch allen Geiz und unnütze Verschwendung seiner Gaben.
Daß
Dass ich meines Nächsten Nutzen, wo ich kann und mag, fördere, gegen ihn also handele, wie ich [42]wollte, dass man mit mir handelte, und treulich arbeite, auf dass ich dem Dürftigen in seiner Noth helfen möge.
Daß
Dass ich wider Niemand falsches Zeugnis gebe, Niemand seine Worte verkehre, kein Afterredner und Lästerer sei, Niemand unverhört und leichtlich verdammen helfe; sondern allerlei Lügen und Trügen, als eigene Werke des Teufels, bei schwerem Gottes Zorn vermeide, in Gerichts- und allen anderen Handlungen die Wahrheit liebe, aufrichtig sage und bekenne, auch meines Nächsten Ehre und Glimpf nach meinem Vermögen rette und fördere.
Daß
Dass auch die geringste Lust oder Gedanken wider irgend ein Gebot Gottes in unser Herz nimmermehr kommen soll; sondern wir für und für von ganzem Herzen aller Sünde feind sein, und Lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen.
Nein: Sondern es haben auch die allerheiligsten, so
Nein; sondern es haben auch die Allerheiligsten, so lange sie in diesem Leben sind, nur einen geringen Anfang dieses Gehorsams, doch also, dass sie mit [43]ernstlichem Vorsatz nicht allein nach etlichen, sondern nach allen Geboten Gottes anfangen zu leben.
Erstlich, auf
Erstlich, auf dass wir unser ganzes Lebenlang unsere sündliche Art je länger je mehr erkennen, und so viel desto begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christo suchen; darnach, dass wir ohne Unterlass uns befleißigen, und Gott bitten um die Gnade des heiligen Geistes, dass wir je länger je mehr zu dem Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir das Ziel der Vollkommenheit nach diesem Leben erreichen.
Darum,
Darum, dass es das vornehmste Stück der Dankbarkeit ist, welches Gott von uns fordert, und dass Gott seine Gnade und heiligen Geist allein Denen will geben, die ihn mit herzlichem Seufzen ohne Unterlass darum bitten und ihm dafür danken.
Dass wir allein den einigen wahren Gott, der sich uns in seinen Wort hat geoffenbaret, um Alles, [44]das er uns zu bitten befohlen hat, von Herzen anrufen; zum andern, dass wir unsere Noth und Elend recht gründlich erkennen, uns vor dem Angesicht seiner Majestät zu demüthigen; zum dritten, dass wir diesen festen Grund haben, dass er unser Gebet, unangesehen, dass wir es unwürdig sind, doch um des Herrn Christi willen gewisslich wolle erhören, wie er uns in seinem Wort verheißen hat.
Alle geistliche und leibliche Nothdurft, welche der HErr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
Alle geistliche und leibliche Nothdurft, welche der Herr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
Unser
Unser Vater, der du bist in den Himmeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel. Unser täglich Brod gieb uns heute. Und vergieb uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung; sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.
Daß
Dass er gleich im Anfang unsers Gebets in uns erwecke die kindliche Furcht und Zuversicht gegen Gott, [45]welche der Grund unsers Gebets sein soll: nämlich, dass Gott unser Vater durch Christum worden sei, und wolle uns vielweniger versagen, warum wir ihn im Glauben bitten, denn unsere Väter uns irdische Dinge abschlagen.
Auf
Auf dass wir von der himmlischen Majestät Gottes nichts Irdisches gedenken, und von seiner Allmächtigkeit alle Nothdurft Leibes und der Seele gewarten.
Geheiliget werde dein
Geheiliget werde dein Name; das ist: Gieb uns erstlich, dass wir dich recht erkennen, und dich in allen deinen Werken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit, heiligen, rühmen und preisen; darnach auch, dass wir unser ganzes Leben Gedanken, Worte und Werke dahin richten, dass dein Name um unsertwillen nicht gelästert, sondern geehrt und gepriesen werde.
Zukomme
Zu uns komme dein Reich; das ist: Regiere uns also durch dein Wort und Geist, dass wir uns dir je länger je mehr unterwerfen; erhalte und [46]mehre deine Kirche, und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich wider dich erhebt, und alle bösen Rathschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden, bis die Vollkommenheit deines Reichs herzu komme, darin du wirst Alles in Allem sein.
Dein
Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel; das ist: Verleihe, dass wir und alle Menschen unserm eigenen Willen absagen, und deinem allein guten Willen ohne alles Widersprechen gehorchen, dass also Jedermann sein Amt und Beruf so willig und treulich ausrichte, wie die Engel im Himmel.
Gib
Gieb uns heute unser täglich Brod; das ist: Wollest uns mit aller leiblichen Nothdurft versorgen, auf dass wir dadurch erkennen, dass du der einige Ursprung alles Guten bist, und dass ohne deinen Segen weder unsere Sorgen und Arbeit, noch deine Gaben uns gedeihen, und wir derhalben unser Vertrauen von allen Kreaturen abziehen und allein auf dich setzen.
Vergib
Vergieb uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern; das ist: Wollest uns armen Sündern alle unsere Missethaten, auch das Böse, so uns noch immerdar anhänget, um des Blutes Christi willen nicht zurechnen, wie auch wir das Zeugnis deiner Gnade in uns befinden, dass unser ganzer Vorsatz ist, unserm Nächsten von Herzen zu verzeihen.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen: Das ist, dieweil wir aus uns selbst so schwach sind,
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen; das ist: Dieweil wir aus uns selbst so schwach sind, dass wir nicht einen Augenblick bestehen können, und dazu unsere abgesagten Feinde, der Teufel, die Welt, und unser eigen Fleisch, nicht aufhören uns anzufechten: so wollest du uns erhalten und stärken durch die Kraft deines heiligen Geistes, auf dass wir ihnen mögen festen Widerstand thun und in diesem geistlichen Streit nicht unterliegen, bis dass wir endlich den Sieg vollkömmlich behalten.
Denn dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit; das ist: Solches bitten wir Alles darum von dir, dass [48]du als unser König und aller Dinge mächtig, uns alles Gute geben willst und kannst, und dass dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig soll gepriesen werden.
Amen:
Amen heißt: Das soll wahr und gewiss sein; denn mein Gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, als ich in meinem Herzen fühle, dass ich solches von ihm begehre.
Catechismus
Catechismus, Oder Kurtzer Unterricht Christlicher Lehr, wie der in Kirchen und Schulen der Churfürstlichen Pfaltz, und andern Orten getrieben wird. Cassel, 1749. The transcription follows the copy in the Universitätsbibliothek Heidelberg, Q 7312-1 A RES (catechismus1749; Public Domain Mark). The catechism occupies pp. 1–23, printed in two columns; it is followed by short questions on the five chief parts of the Christian religion, the Haustafel, the Nicene Creed, the forms for baptism, the preparation for and celebration of the Lord’s Supper, marriage, and morning and evening prayers, none of which is given here.
The edition. This is a small church and school edition from Kassel, the capital of the Reformed landgraviate of Hesse-Kassel; the words “und andern Orten” in the title mark it as an edition for use outside the Palatinate. It has no Scripture references, no Sunday divisions and no preface. The text is the received German text with the full answer to Q 80 (“… eine Verläugnung des einigen Opffers und Leydens JEsu Christi, und eine vermaledeyte Abgötterey”), but it differs in a number of places from the Palatine editions, among them:
- Q 23 asks “Wie lauten die Articul des Christlichen Glaubens?”, and the Creed reads “Ich glaub an GOtt Vatter …”, “Und an JEsum Christum …”, “Ich glaube an den Heiligen Geist …” and ends with “Amen”;
- Q 31 has “der uns den himmlischen Raht und Willen GOttes … offenbahret” (elsewhere “heimlichen”);
- in Q 77 the words of institution are expanded after the Gospels: “und gabs den Jüngern”, and of the cup “das für euch, und für viele vergossen wird”;
- Q 100 reads “mit Schwören und Fluchen”; Q 114 lacks the words “nicht allein nach etlichen, sondern”; Q 117 marks its second point with “Zum andern”; Q 121 has “Der du bist im Himmel” (while Q 119 has “in den Himmeln”); Q 122 ends “nicht gelästert, sondern gepriesen werde”.
Layout. The questions are numbered 1–129, with a few misprinted numbers (two questions numbered 19, “56” for 46 and “46” for 47, “119” for 110), which are given here in the standard form. The headings of the three parts (“Der erste Theil, Von des Menschen Elend”, “Der ander Theil, Von des Menschen Erlösung”, “Der dritte Theil, Von der Danckbarkeit”) and of the sections are given as printed, including the abbreviated forms “Von GOtt dem H. Geist”, “Von den Heil. Sacram.”, “Von der Heil. Tauf.” and “Vom Heil. Abendmahl.”
Transcription conventions. Spelling, capitalization and punctuation follow the print. The Creed, the Ten Commandments, the words of institution and the Lord’s Prayer are given in ordinary type; the headings of the commandments in Q 92 are given in italics. Hyphens at line ends are removed; a page break inside a word is marked at the break; syllables repeated across a line break (“Ge-Gedächtnus”, Q 75; “un-unserm”, Q 86) are given once. Running heads, catchwords and signatures are omitted. Printer’s errors are kept, e.g. “Tenffels” and “thne” (turned letters, Q 9–10), “zugleich wahrer GOtt seyn” (Q 15), “der heigen Tauf” (Q 71), “Seekeit” and “Zanberey” (Q 94), “vorbilden” (Q 96), “noch deß, der unten auf Erden” (Q 92) and “und alles Guts geben willst” (Q 128).
- catechismus1749__z4.pdf (PDF, 63.4 MB)
Der Heidelberger Katechismus
Text of the Heidelberg Catechism as printed in Der Heidelberger Katechismus von Kasp. Olevianus und Zachar. Ursinus (Wien: Wilhelm Köhler, 1885), from the copy in the Austrian National Library. It is a plain edition for church and school use, without editor or preface, presenting the Catechism in nineteenth-century spelling with its questions numbered 1–129 and its Scripture proof-texts given as numbered footnotes with chapter and verse.
The edition is of particular interest for Question 80. It gives the full form of the question from the third edition of 1563, including the passages about Christ's bodily presence in heaven and the adoration of the elements in the Mass. However, it ends with “eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi” and omits the closing words “und eine vermaledeite Abgötterei”. Printed in Catholic Vienna for the Reformed church in Austria, the edition thus shows the text as it was actually read in a particular confessional setting. It can be compared with the 1563, 1840 and 1846 editions on this site.
The text was transcribed directly from page images of the print and is reproduced as printed, including its spelling (e.g. “Todtschlag”, “Nothdurft”) and a few slips (“seinen Brüder”, Question 35; “in seinen Wort”, Question 117). Bracketed page numbers reproduce the print's own pagination (3–48) and link to facsimile images of each page.
- HC German 1885.pdf (PDF, 1.5 MB)