Heidelberg: Mayer, 1576 vs Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)(German) ·
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Heidelberg: Mayer, 1576
Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
HC LD 1number: “I. LECTIO. Der 1. Sontag.” vs “1. Sonntag”
I. LECTIO. Der 1. Sontag.
1. Sonntag
HC Q1
[1]Was ist dein einiger Trost in leben vnd in sterben?
Daß ich mit Leib vnnd Seel, beyde in leben vnnd in sterben nicht mein, sonder meines getrewen Heylands Jesu CHristi eigen bin, der mit seinem thewren Blut für alle meine Sünden vollkömlich bezalet, vnd mich auß allem gewalt deß Teuffels erlöset hat, vnd also bewaret, daß one den willen meines Vatters im Himmel kein haar von meinem haupt kan fallen, ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muß. Darumb er mich auch durch seinen heiligen Geist deß ewigen Lebens versichert, vnd im forthin zuleben von Hertzen willig vnd bereit macht.
[7]Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Daß ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.
Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, daß mir alles zu meiner Seligkeit dienen muß.
Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiß und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.
HC Q2
Wieuiel stück seind dir nötig zuwissen, daß du in diesem trost seliglich leben vnd sterben mögest?
[2]Drey stück. Erstlich wie groß meine Sünd vnd elend seyen. Zum andern, wie ich von allen meinen Sünden vnnd elend erlöset werde. Vnnd zum dritten, wie ich GOtt für solche erlösung sol danckbar sein.
[9]Was mußt du wissen, damit du in diesem Trost selig leben und sterben kannst?
Erstens: Wie groß meine Sünde und Elend ist.
Zweitens: Wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöst werde.
Drittens: Wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein.
HC PART 1
Der erste theil. Von deß Menschen elend.
Der erste Teil. Von des Menschen Elend
HC LD 2number: “Der 2. Sontag.” vs “2. Sonntag”
Der 2. Sontag.
2. Sonntag
HC Q3
Woher erkennestu dein elend?
Auß dem Gesetz Gottes.
[10]Woher erkennst du dein Elend?
Aus dem Gesetz Gottes.
HC Q4
Was erfordert denn das Göttlich Gesetz von vns?
Diß lehret vns CHRistus in einer Summa, Matth am 22. Du solt lieben Gott deinen Herrn, von gantzem Hertzen, von gantzer Seelen, von gantzem Gemüt, vnd allen Kräff[3]ten, Diß ist das fürnemmeste vnd das gröste Gebott: Das ander aber ist dem gleich, Du solt deinen Nechsten lieben als dich selbs. In diesen zweyen Gebotten hanget das gantze Gesetz vnd die Propheten.
Was fordert denn Gottes Gesetz von uns?
Dies lehrt uns Christus mit folgenden Worten:
»Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.«
HC Q5
Kanstu diß alles vollkömlich halten?
Nein: denn ich bin von natur geneigt GOtt vnnd meinen Nechsten zu hassen.
[11]Kannst du das alles vollkommen halten?
Nein, denn ich bin von Natur aus geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen.
HC LD 3number: “Der 3. Sontag.” vs “3. Sonntag”
Der 3. Sontag.
3. Sonntag
HC Q6
Hat denn Gott den Menschen also böß vnd verkert erschaffen?
Nein: sonder Gott hat den Menschen gut, vnd nach seinem Ebenbild erschaffen, das ist, in warhafftiger Gerechtigkeit vnnd Heiligkeit, auff daß er Gott seinen Schöpffer recht erkennte, vnd von Hertzen liebte, vnnd in ewiger selig[4]keit mit jm lebte, jn zu loben, vnd zu preisen.
Hat denn Gott den Menschen so böse und verkehrt erschaffen?
Nein. Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen, das bedeutet: wahrhaft gerecht und heilig, damit er Gott, seinen Schöpfer, recht erkenne, von Herzen liebe und in ewiger Seligkeit mit ihm lebe, ihn zu loben und zu preisen.
HC Q7
Woher kompt denn solche verderbte art deß Menschen?
Auß dem fall vnd vngehorsam vnser ersten Eltern Adams vnnd Euen im Paradeiß, da vnser Natur also vergifftet worden, daß wir alle in Sünden empfangen vnd geboren werden.
Woher kommt denn diese böse und verkehrte Art des Menschen?
Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva im Paradies. Da ist unsere Natur so vergiftet worden, daß wir alle von Anfang an Sünder sind.
HC Q8
Seind wir aber dermassen verderbet, daß wir gantz vnnd gar vntüchtig seind zu einigem guten, vnd geneiget zu allem bösen?
Ja: Es sey denn daß wir durch den Geist Gottes wider geboren werden.
[12]Sind wir aber so böse und verkehrt, daß wir ganz und gar unfähig sind zu irgendeinem Guten und geneigt zu allem Bösen?
Ja, es sei denn, daß wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden.
HC LD 4number: “Der 4. Sontag.” vs “4. Sonntag”
Der 4. Sontag.
4. Sonntag
HC Q9
Thut denn Gott dem Menschen nit vnrecht, daß er in seinem Gesetz von jm fordert das er nicht thun kan?
Nein: Denn Gott hat den Men[5]schen also erschaffen, daß er es köndte thun: der Mensch aber hat sich vnd alle seine nachkommen, auß anstifftung deß Teuffels, durch mutwilligen vngehorsam derselbigen gaben beraubt.
Tut denn Gott dem Menschen nicht Unrecht, wenn er in seinem Gesetz etwas fordert, was der Mensch nicht tun kann?
Nein, sondern Gott hat den Menschen so erschaffen, daß er es tun konnte. Der Mensch aber, vom Teufel angestiftet, hat sich und alle seine Nachkommen durch mutwilligen Ungehorsam der Gabe Gottes beraubt.
Mit nichten: sondern er zürnet schrecklich, beyde vber angeborne vnnd wirckliche Sünden, Vnd wil sie auß gerechtem vrtheil zeitlich vnd ewig straffen, wie er gesprochen hat: Verfluchet sey jederman, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet in dem Buch deß Gesetzes, daß ers thue.
[13]Will Gott diesen Ungehorsam ungestraft lassen?
Nein, sondern er zürnt schrecklich über die sündige Art des Menschen und seine sündigen Taten. Beides will er nach seinem gerechten Urteil schon jetzt und ewig strafen, wie er gesprochen hat:
»Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er’s tue!«
HC Q11
Ist denn GOTT nicht auch barmhertzig?
GOtt ist wol barmhertzig, er ist [6]aber auch gerecht, derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, daß die sünde, welche wider die allerhöchste Maiestet GOttes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, der ewigen straffe an Leib vnd Seel gestrafft werde.
Ist denn Gott nicht auch barmherzig?
Gott ist wohl barmherzig, er ist aber auch gerecht. Deshalb fordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, die Gottes Ehre und Hoheit antastet, mit der höchsten, nämlich der ewigen Strafe an Leib und Seele gestraft wird.
HC PART 2
Der ander theil. Von deß Menschen Erlösung.
Der zweite Teil. Von des Menschen Erlösung
HC LD 5number: “II. LECTIO. Der 5. Sontag.” vs “5. Sonntag”
II. LECTIO. Der 5. Sontag.
5. Sonntag
HC Q12
Dieweil wir denn nach dem gerechten Vrtheil Gottes zeitliche vnd ewige straff verdient haben: wie möchten wir dieser straff entgehen, vnd widerumb zu gnaden kommen?
GOtt wil daß seiner Gerechtigkeit genug geschehe, Derwegen müssen wir derselben entweder durch vns selbst, oder durch einen andern vollkommene bezalung thun.
[14]Wenn wir also nach dem gerechten Urteil Gottes schon jetzt und ewig Strafe verdient haben, wie können wir dieser Strafe entgehen und wieder Gottes Gnade erlangen?
Gott will zu seinem Recht kommen, darum müssen wir für unsere Schuld entweder selbst oder durch einen anderen vollkommen bezahlen.
HC Q13
Können wir aber durch vns selbst bezalung thun?
Mit nichten: sondern wir machen [7]auch die schuld noch täglich grösser.
Können wir aber selbst für unsere Schuld bezahlen?
Nein, sondern wir machen sogar die Schuld noch täglich größer.
HC Q14
Kan aber jrgend eine blosse Creatur für vns bezalen?
Keine; Dann erstlich wil Gott an keiner andern Creatur straffen, das der Mensch verschuldet hat. Zum andern, so kan auch kein blosse Creatur den last deß ewigen zorns Gottes wider die Sünde ertragen, vnd andere dauon erlösen.
[15]Kann aber irgendein Geschöpf für uns bezahlen?
Nein, denn erstens will Gott an keinem anderen Geschöpf strafen, was der Mensch verschuldet hat. Zweitens kann kein Geschöpf die Last des ewigen Zornes Gottes gegen die Sünde ertragen und andere davon erlösen.
HC Q15
Was müssen wir denn für einen Mittler vnd erlöser suchen?
Einen solchen der ein warer, vnd gerechter Mensch, vnd doch stercker dann alle Creaturen, das ist, zugleich warer Gott sey.
Was für einen Mittler und Erlöser müssen wir denn suchen?
Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch und doch stärker als alle Geschöpfe, also auch wahrer Gott ist.
HC LD 6number: “Der 6. Sontag.” vs “6. Sonntag”
Der 6. Sontag.
6. Sonntag
HC Q16
Warumb muß er ein warer vnnd gerechter Mensch sein?
Darumb, daß die Gerechtigkeit Got[8]tes erfodert, daß die Mnsechlich natur, die gesündigt hat, für die Sünde bezalet: vnd aber einer, der selbst ein Sünder were, nit könte für andere bezalen.
Warum muß er ein wahrer und gerechter Mensch sein?
Die Sünde wird von den Menschen begangen, darum verlangt Gottes Gerechtigkeit, daß ein Mensch für die Sünde bezahlt; wer aber selbst ein Sünder ist, kann nicht für andere bezahlen.
HC Q17
Warumb muste er zugleich warer Gott sein?
Daß er auß krafft seiner Gottheit den last deß zorns GOttes an seiner Menschheit ertragen, vnnd vns die Gerechtigkeit, vnd das Leben erwerben, vnd wider geben möchte.
[16]Warum muß er zugleich wahrer Gott sein?
Nur wenn er zugleich wahrer Gott ist, kann ein Mensch die Last des Zornes Gottes ertragen und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben.
HC Q18
Wer ist aber derselbe Mittler, der zugleich warer Gott, vnd ein warer gerechter Mensch ist?
Vnser Herr Jesus Christus, der vns zur vollkommenen Erlösung vnnd Gerechtigkeit geschenckt ist.
Wer ist denn dieser Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer, gerechter Mensch ist?
Unser Herr Jesus Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist.
HC Q19
Woher weistu das?
Auß dem heiligen Euangelio, wel[9]ches GOtt selbst anfänglich im Paradeiß hat offenbaret: folgends durch die heilige Ertzuätter vnd Propheten lassen verkündigen, vnd durch die Opffer vnnd andere Ceremonien deß Gesetzes fürgebildet, Endlich aber durch seinen eingeliebten Son erfüllet.
Woher weißt du das?
Aus dem heiligen Evangelium. Gott selbst hat es zuerst im Paradies offenbart, dann durch die heiligen Erzväter und Propheten verkündigen lassen und durch die Opfer und andere Bräuche des Gesetzes vorgebildet, zuletzt aber durch seinen einzig geliebten Sohn erfüllt.
HC Q20
Werden denn alle Menschen widerumb durch CHristum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?
Nein: sondern allein diejenigen, die durch waren Glauben jm werden eingeleibet, vnd alle seine wolthaten annemen.
[17]Werden denn alle Menschen wieder durch Christus gerettet, so wie sie durch Adam verloren gegangen sind?
Nein, sondern nur diejenigen, die durch wahren Glauben seinem Leib als Glieder eingefügt werden und alle seine Wohltaten annehmen.
HC LD 7number: “Der 7. Sontag.” vs “7. Sonntag”
Der 7. Sontag.
7. Sonntag
HC Q21
Was ist warer Glaub?
Es ist nit allein ein gewisse erkanntnuß, dardurch ich alles für war halte, was vns GOtt in seinem wort hat offenbaret: sonder auch ein Hertzliches vertrawen, welches der H. Geist durchs [10]Euangelium in mir wircket, daß nicht allein andern, sonder auch mir vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit vnd seligkeit von Gott geschenckt sey, auß lauter gnaden allein vmb deß verdiensts Christi willen.
Was ist wahrer Glaube?
Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis, durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt, daß nicht allein anderen, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt ist, aus lauter Gnade, allein um des Verdienstes Christi willen.
HC Q22
Was ist aber einem Christen not zu glauben?
Alles was vns im Euangelio verheissen wirdt, welches vns die Articul vnsers allgemeinen vngezweiffelten Christlichen Glaubens in einer Summa lehren.
[18]Was ist für einen Christen notwendig zu glauben?
Alles, was uns im Evangelium zugesagt wird, wie es uns unser allgemeines, wahrhaftiges, christliches Glaubensbekenntnis zusammengefaßt lehrt.
HC Q23
Wie lauten dieselben?
Ich glaub in Gott Vatter den Allmächtigen, Schöpffer Himmels vnd der Erden. Vnd in Jesum Christum, seinen eingebornen Son vn[11]sern HERRN, der empfangen ist von dem H. Geist, geboren auß Maria der Jungfrawen, gelidten hat vnder Pontio Pilato, gecreutziget, gestorben vnd begraben, abgestigen zu der Hellen, am dritten tage wider aufferstanden ist von den Todten, auffgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes deß Allmächtigen Vatters, von dannen er kommen wirt, zurichten die Lebendigen vnd die Todten. Ich glaub in den heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die gemeinschafft der Heiligen, vergebung der Sünden, aufferstehung [12]deß Fleisches, vnd ein ewiges Leben.
Wie lautet dieses Glaubensbekenntnis?
Ökumenische Fassung:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. [19]Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige allgemeine christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Die Erklärungen des Heidelberger Katechismus folgen einer älteren Fassung des Glaubensbekenntnisses:
Ich glaube an Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. [20]Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige allgemeine christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.
HC LD 8number: “Der 8. Sontag.” vs “8. Sonntag”
Der 8. Sontag.
8. Sonntag
HC Q24
Wie werden dise Articul abgetheilt?
In drey theil, Der erst ist von Gott dem Vatter, vnnd vnser erschaffung. Der ander von Gott dem Sohn, vnnd vnser Erlösung. Der dritte von Gott dem H. Geist, vnnd vnser Heiligung.
Wie wird das Glaubensbekenntnis eingeteilt?
In drei Teile:
der erste handelt von Gott dem Vater und unserer Erschaffung;
der zweite von Gott dem Sohn und unserer Erlösung;
der dritte von Gott dem Heiligen Geist und unserer Heiligung.
HC Q25
Dieweil nur ein einig Göttlich wesen ist, warumb nennest du drey, den Vatter, Sohn vnd heiligen Geist?
Darumb daß sich Gott also in seinem wort geoffenbaret hat, daß diese drey vnterschiedliche Personen der einig warhafftig ewig Gott seind.
Warum nennst du denn drei: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wo doch Gott nur einer ist?
Weil Gott sich in seinem Wort so offenbart hat, daß diese drei Personen unterschieden und doch der eine, wahre und ewige Gott sind.
HC LD 9number: “Der 9. Sontag.” vs “9. Sonntag”
Der 9. Sontag.
9. Sonntag
HC Q26
Was glaubstu wenn du sprichst, Ich glaub in Gott Vatter den Allmächtigen, Schöpffer Himmels vnd der Erden?
[13]Daß der ewig Vatter vnsers Herrn Jesu Christi, der Himmel vnd Erden, samt allem was drinnen ist, auß nichts erschaffen, auch dieselbige noch durch seinen ewigen Raht vnd Fürsehung erhelt vnnd regiert, vmb seines Sohns Christi willen mein Gott vnd mein Vatter sey, auff welchen ich also vertrawe, daß ich nit zweiffel, er werde mich mit aller notturfft leibs vnd der seelen versorgen, auch alles vbel, so er mir inn diesem jamerthal zuschicket, mir zu gut wenden: dieweil ers thun kan, als ein allmächtiger Gott, vnd auch thun wil als ein getrewer Vatter.
[21]Was glaubst du, wenn du sprichst: »Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde«?
Ich glaube, daß der ewige Vater unsers Herrn Jesus Christus um seines Sohnes willen mein Gott und mein Vater ist. Er hat Himmel und Erde mit allem, was darin ist, aus nichts erschaffen und erhält und regiert sie noch immer durch seinen ewigen Rat und seine Vorsehung. Auf ihn vertraue ich und zweifle nicht, daß er mich mit allem versorgt, was ich für Leib und Seele nötig habe, und auch alle Lasten, die er mir in diesem Leben auferlegt, mir zum Besten wendet. Er kann es tun als ein allmächtiger Gott und will es auch tun als ein getreuer Vater.
HC LD 10number: “Der 10. Sontag.” vs “10. Sonntag”
Der 10. Sontag.
10. Sonntag
HC Q27
Was verstehestu durch die Fürsehung Gottes?
Die allmächtige vnd gegenwertige krafft Gottes, durch welche er Himmel vnd Erden, sampt allen Creaturen gleich als mit seiner Hand noch erhelt [14]vnd also regieret, daß Laub vnd Graß, Regen vnd dürre, fruchtbare vnnd vnfruchtbare Jar, Essen vnd Trincken, Gesundheit vnd Kranckheit, Reichthumb vnd Armut, vnd alles, nit one gefähr, sondern von seiner Vätterlichen Hand vns zukomme.
[22]Was verstehst du unter der Vorsehung Gottes?
Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen wie durch seine Hand noch erhält und so regiert, daß Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt.
HC Q28
Was für nutz bekommen wir auß erkanntnuß der Schöpffung vnnd Fürsehung Gottes?
Daß wir in aller widerwertigkeit gedultig, in glückseligkeit danckbar, vnnd auffs zukünfftig guter zuuersicht zu vnserm getrewen Gott vnd Vatter, sein sollen, daß vns keine Creatur von seiner liebe scheiden wirt, dieweil alle Creaturen also in seiner Hand sind, daß sie sich ohne seinen willen auch nit regen noch bewegen können.
Was nützt uns die Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes?
Gott will damit, daß wir in aller Widerwärtigkeit geduldig, in Glückseligkeit dankbar und auf die Zukunft hin voller Vertrauen zu unserem treuen Gott und Vater sind, daß uns nichts [23]von seiner Liebe scheiden wird, weil alle Geschöpfe so in seiner Hand sind, daß sie sich ohne seinen Willen weder regen noch bewegen können.
HC LD 11number: “III. LECTIO. Der 11. Sontag.” vs “11. Sonntag”
III. LECTIO. Der 11. Sontag.
11. Sonntag
HC Q29
Warumb wirt der Son GOttes Jesus, das ist, Seligmacher, genannt?
[15]Darumb, daß er vns selig macht von vnsern sünden, vnnd daß bey keinem andern einige Seligkeit zusuchen noch zufinden ist.
Warum wird der Sohn Gottes Jesus, daß heißt »Heiland«, genannt?
Weil er uns heilt von unseren Sünden, und weil bei keinem anderen ein solches Heil zu suchen noch zu finden ist.
HC Q30
Glauben denn die auch an den einigen Seligmacher Jesum, die jhre Seligkeit vnnd Heil bey Heiligen, bey jnen selbst, oder anderßwo suchen?
Nein: sonder sie verleugnen mit der that den einigen Seligmacher vnd Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rühmen, Denn entweder Jesus nicht ein vollkomener Heiland sein muß: Oder die disen Heyland mit warem Glauben annemen, müssen alles in jm haben, das zu jrer Seligkeit von nöten ist.
Glauben denn auch die an den einzigen Heiland Jesus, die Heil und Seligkeit bei den Heiligen, bei sich selbst oder anderswo suchen?
Nein. Sie rühmen sich zwar seiner mit Worten, verleugnen ihn aber mit der Tat. Denn entweder ist Jesus [24]kein vollkommener Heiland, oder er ist denen, die ihn mit wahrem Glauben annehmen, alles, was zu ihrer Seligkeit nötig ist.
HC LD 12number: “Der 12. Sontag.” vs “12. Sonntag”
Der 12. Sontag.
12. Sonntag
HC Q31
Warumb ist er CHristus, das ist ein Gesalbter genannt?
Daß er von Gott dem Vatter verordnet, vnnd mit dem heiligen Geist gesalbet ist zu vnserm obersten Prophe[16]ten vnd Lehrer, der vns den heimlichen raht vnd willen Gottes von vnser erlösung vollkömlich offenbarett, Vnd zu vnserm einigen hohen Priester, der vns mit dem einigen Opffer seines Leibs erlöset hat, vnd jmerdar mit seiner Fürbitt für dem Vatter vertritt: Vnd zu vnserm ewigen König, der vns mit seinem wort vnd Geist regiert, vnd bey der erworbenen erlösung schützt vnd erhelt.
Warum wird er Christus, das heißt »Gesalbter« genannt?
Er ist von Gott dem Vater eingesetzt und mit dem Heiligen Geist gesalbt zu unserem obersten Propheten und Lehrer, der uns Gottes verborgenen Rat und Willen von unserer Erlösung vollkommen offenbart; und zu unserem einzigen Hohenpriester, der uns mit dem einmaligen Opfer seines Leibes erlöst hat und uns alle Zeit mit seiner Fürbitte vor dem Vater vertritt; und zu unserem ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regiert und bei der erworbenen Erlösung schützt und erhält.
HC Q32
Warumb wirst aber du ein Christ genennet?
Daß ich durch den Glauben ein Glied Christi, vnd also seiner Salbung theilhafftig bin, auff daß auch ich seinen Namen bekenne, mich jm zu einem lebendigen Danckopffer darstelle, vnnd mit freyem gewissen in diesem Leben wider die Sünd vnd Teuffel streitte, vnnd hernach inn ewigkeit mit jhm vber alle Creaturen herrsche.
[25]Warum wirst aber du ein Christ genannt?
Weil ich durch den Glauben ein Glied Christi bin und dadurch an seiner Salbung Anteil habe, damit auch ich seinen Namen bekenne, mich ihm zu einem lebendigen Dankopfer hingebe und mit freiem Gewissen in diesem Leben gegen die Sünde und den Teufel streite und hernach in Ewigkeit mit ihm über alle Geschöpfe herrsche.
HC LD 13number: “Der 13. Sontag.” vs “13. Sonntag”
Der 13. Sontag.
13. Sonntag
HC Q33
[17]Warumb heist er Gottes eingeborner Son, so doch wir auch Kinder Gottes sind?
Darumb daß CHristus allein der ewig natürlich Sohn GOttes ist: wir aber vmb seinet willen auß Gnaden zu Kindern Gottes angenommen sind.
Warum heißt Jesus Christus »Gottes eingeborener Sohn«, da doch auch wir Kinder Gottes sind?
Christus allein ist von Ewigkeit her seinem Wesen nach der Sohn Gottes. Wir aber sind um seinetwillen aus Gnade als Kinder Gottes angenommen.
HC Q34
Warumb nennestu jn vnsern Herrn?
Daß er vns mit Leib vnd Seel von der Sünden, vnd auß allem gewalt deß Teuffels, nicht mit Gold oder Silber, sonder mit seinem thewren Blut, jm zum Eigenthumb erlöset vnd erkaufft hat.
[26]Warum nennst du ihn »unseren Herrn«?
Er hat uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels sich zum Eigentum erlöst und erkauft, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem teuren Blut, indem er sein Leben für uns gab.
HC LD 14number: “Der 14. Sontag.” vs “14. Sonntag”
Der 14. Sontag.
14. Sonntag
HC Q35
Was heist, daß er empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren auß Maria der Jungfrawen?
Daß der ewige Son GOttes, der warer vnd ewiger Gott ist, vnd bleibet, ware Menschliche natur, auß dem [18]Fleisch vnd Blut der Jungfrawen Maria durch wirckung deß H. Geists an sich genommen hat, auff daß er auch der ware Samen Dauids sey, seinen Brüdern in allem gleich, außgenommen die Sünde.
Was bedeutet: »Empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria«?
Der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist und bleibt, hat durch Wirkung des Heiligen Geistes wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria angenommen, so daß er auch der wahre Nachkomme Davids ist, seinen Schwestern und Brüdern in allem gleich, doch ohne Sünde.
HC Q36
Was nutz bekomestu auß der heiligen Empfängnuß vnd Geburt Christi?
Daß er vnser Mittler ist, vnd mit seiner vnschult vnd vollkomenen heiligkeit meine Sünde, darin ich bin empfangen, für Gottes Angesicht bedecket.
[27]Was nützt es dir, daß er durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren ist?
Er ist unser Mittler, und er bedeckt vor Gottes Angesicht mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, in der ich immer schon lebe.
HC LD 15number: “Der 15. Sontag.” vs “15. Sonntag”
Der 15. Sontag.
15. Sonntag
HC Q37
Was verstehestu durch das wörtlein gelidten?
Daß er an Leib vnd Seel, die gantze zeit seines lebens auff Erden, sonderlich aber am end desselben, den zorn Gottes wider die Sünde deß gantzen Menschlichen Geschlechts getragen hat, auff daß er mit seinem leiden, als mit dem einigen Sönopffer, vnser Leib vnd Seel[19]von der ewigen verdamnuß erlösete, vnd vns Gottes Gnade, Gerechtigkeit vnd ewiges Leben erwürbe.
Was verstehst du unter dem Wort »gelitten«?
Jesus Christus hat an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, besonders aber an dessen Ende, den Zorn Gottes über die Sünde des ganzen Menschengeschlechts getragen. Mit seinem Leiden als dem einmaligen Sühnopfer hat er unseren Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöst und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erworben.
HC Q38
Warumb hat er vnter dem Richter Pontio Pilato gelidten?
Auff daß er vnschuldig vnter dem weltlichen Richter verdammt würde vnd vns damit von dem gestrengen Vrtheil Gottes, das vber vns gehen solte, erledige.
[28]Warum hat er unter dem Richter Pontius Pilatus gelitten?
Er wurde unschuldig vom weltlichen Richter verurteilt und hat uns dadurch von Gottes strengem Urteil, das über uns ergehen sollte, befreit.
HC Q39
Ist es etwas mehr, daß er ist gecreutziget worden, denn so er eines andern Todts gestorben were?
Ja, Dann dardurch bin ich gewiß, daß er die vermaledeyung die auff mir lage, auff sich geladen habe, Dieweil der Todt deß Creutzes von Gott verflucht war.
Bedeutet sein Tod am Kreuz mehr, als wenn er eines anderen Todes gestorben wäre?
Ja, denn dadurch bin ich gewiß, daß er den Fluch, der auf mir lag, auf sich genommen hat, weil der Tod am Kreuz von Gott verflucht war.
HC LD 16only in Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
—
16. Sonntag
HC LD 10-bonly in Heidelberg: Mayer, 1576
Der 10. [16.] Sontag.
—
HC Q40
Warumb hat CHristus den Todt müssen leiden?
[20]Darumb, daß von wegen der Gerechtigkeit vnd Warheit Gottes, nit anderst für vnsere Sünden möchte bezalet werden, denn durch den Todt deß Sons Gottes.
Warum hat Christus den Tod erleiden müssen?
Um der Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes willen konnte für unsere Sünde nicht anders bezahlt werden als durch den Tod des Sohnes Gottes.
HC Q41
Warumb ist er begraben worden?
Damit zubezeugen, daß er warhafftig gestorben sey.
[29]Warum ist er begraben worden?
Damit wird bezeugt, daß er wirklich gestorben ist.
HC Q42
Weil denn Christus für vns gestorben ist, wie kompts daß wir auch sterben müssen?
Vnser Todt ist nit ein bezahlung für vnsere sünde: sonder nur ein absterbung der Sünden, vnnd eingang zum ewigen leben.
Warum müssen wir noch sterben, obwohl Christus für uns gestorben ist?
Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur ein Absterben der Sünden und Eingang zum ewigen Leben.
HC Q43
Was bekommen wir mehr für nutz auß dem Opffer vnd Todt Christi am Creutz?
[21]Daß durch seine krafft vnser alter Mensch mit jm gecreutziget, getödtet, vnd begraben wirt, auff daß die bösen lüste deß Fleisches nicht mehr in vns regieren, sondern daß wir vns selbst jm zur Dancksagung auffopffern.
Welchen weiteren Nutzen haben wir aus Opfer und Tod Christi am Kreuz?
Durch die Kraft Christi wird unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt, getötet und begraben, damit die Sünde uns nicht mehr beherrscht, sondern wir uns ihm zu einem lebendigen Dankopfer hingeben.
HC Q44
Warumb folget, Abgestiegen zu der Hellen?
Daß ich in meinen höchsten anfechtungen versichert sey, mein Herre Christus hab mich durch seine vnaußsprechliche angst, schmertzen vnd schrecken, die er auch an seiner Seelen, am Creutz vnd zuuor erlidten, von der Hellischen angst vnd pein erlöset.
Warum folgt »abgestiegen zu der Hölle«?
Damit wird mir zugesagt, daß ich selbst in meinen schwersten Anfechtungen gewiß sein darf, [30]daß mein Herr Christus mich von der höllischen Angst und Pein erlöst hat, weil er auch an seiner Seele unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken am Kreuz und schon zuvor erlitten hat.
HC LD 17number: “Der 17. Sontag.” vs “17. Sonntag”
Der 17. Sontag.
17. Sonntag
HC Q45
Was nutzet dich die Aufferstehung Christi?
Erstlich hat er durch sein Aufferstehung den Tod vberwunden, daß er vns der Gerechtigkeit, die er vns durch seinen todt erworben hat, könte theilhafftig machen, Zum andern, werden auch [22]wir jetzunder durch seine krafft erwecket zu einem newen Leben. Zum dritten ist vns die Aufferstehung Christi ein gewisses pfand vnserer seligen aufferstehung.
Was nützt uns die Auferstehung Christi?
Erstens: Christus hat durch seine Auferstehung den Tod überwunden, um uns an der Gerechtigkeit Anteil zu geben, die er uns durch seinen Tod erworben hat.
Zweitens: Durch seine Kraft werden auch wir schon jetzt erweckt zu einem neuen Leben.
Drittens: Die Auferstehung Christi ist uns ein verläßliches Pfand unserer seligen Auferstehung.
HC LD 18number: “IIII. LECTIO. Der 18. Sontag.” vs “18. Sonntag”
IIII. LECTIO. Der 18. Sontag.
18. Sonntag
HC Q46
Wie verstehestu, daß er ist gen Himmel gefahren?
Daß Christus für den Augen seiner Jünger ist von der Erden auffgehaben gen Himmel, vnd vns zu gut daselbst ist, biß daß er widerkompt zurichten die Lebendigen vnd die Todten.
[31]Wie verstehst du, daß es heißt »aufgefahren in den Himmel«?
Jesus Christus wurde vor den Augen seiner Jünger von der Erde zum Vater in den Himmel erhöht und ist dort uns zugut, bis er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.
HC Q47
Ist denn Christus nit bey vns biß an das end der welt, wie er vns verheissen hat?
Christus ist warer Mensch vnd warer GOtt: Nach seiner Menschlichen natur ist er jetzunder nit auff Erden, aber nach seiner Gottheit, Maiestät, Gnad vnd Geist weicht er nimmer von vns.
Ist denn Christus nicht bei uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheißen hat?
Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzt nicht mehr auf der Erde, aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weicht er niemals von uns.
HC Q48
[23]Werden aber mit der weiß die zwo Naturen in Christo nicht von einander getrennet, so die Menschheit nicht vberall ist, da die Gottheit ist?
Mit nichten: Denn weil die Gottheit vnbegreifflich vnd allenthalben gegenwertig ist: so muß folgen, daß sie wol ausserhalb jhrer angenommenen Menschheit, vnnd dennoch nichts desto weniger auch in derselbigen ist vnd persönlich mit jr vereiniget bleibt.
[32]Werden aber auf diese Weise nicht Gottheit und Menschheit in Christus voneinander getrennt, wenn er nach seiner menschlichen Natur nicht überall ist, wo er nach seiner Gottheit ist?
Nein, weil die Gottheit unbegreiflich und überall gegenwärtig ist, folgt daraus, daß sie wohl außerhalb ihrer angenommenen menschlichen Natur und dennoch auch in derselben ist und in einer Person mit ihr vereinigt bleibt.*
* Mit dem Wort »unbegreiflich« will der Katechismus nicht sagen, daß man Gott nicht verstehen könne, sondern daß er von keinem Raum umschlossen werden kann. Die Aussage des Katechismus kann auch so formuliert werden: Weil Gott nach seinem Wesen von keinem Raum oder Körper umgrenzt wird, sondern überall gegenwärtig ist, so ergibt sich, daß auch Christus nach seiner Gottheit zugleich in seiner menschlichen Natur und dennoch auch außerhalb ihrer ist und deshalb in seiner Person zugleich ein wahrer und gerechter Mensch und wahrer Gott ist.
HC Q49
Was nützet vns die Himmelfahrt Christi?
Erstlich daß er im Himmel für dem Angesicht seines Vatters vnser Fürsprecher ist. Zum andern, daß wir vnser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, daß er als das Haupt vns seine Glied auch zu sich werde hinauff nemmen. Zum dritten, daß er vns seinen Geist zum Gegenpfand her[24]absendet, durch welches krafft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der rechten Gottes, vnd nicht das auff Erden ist.
[33]Was nützt uns die Himmelfahrt Christi?
Erstens: Er ist im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher.
Zweitens: Wir haben durch unseren Bruder Jesus Christus im Himmel die Gewißheit, daß er als das Haupt uns, seine Glieder, auch zu sich nehmen wird.
Drittens: Er, sitzend zur Rechten Gottes, sendet seinen Geist zu uns, der uns die Kraft gibt, zu suchen, was droben ist, und nicht das, was auf Erden gilt.
HC LD 19number: “Der 19. Sontag.” vs “19. Sonntag”
Der 19. Sontag.
19. Sonntag
HC Q50
Warumb wird hinzu gesetzt, daß er sitzt zu der rechten Gottes?
Daß Christus darumb gehn Himel gefahren ist, daß er sich daselbst erzeige, als das Haupt seiner Christlichen Kirchen, durch welches der Vatter alles regiert.
Warum wird hinzugefügt »er sitzt zur Rechten Gottes«?
Christus ist dazu in den Himmel erhöht worden, daß er sich dort erweise als das Haupt seiner Kirche, durch das der Vater alles regiert.
HC Q51
Was nützet vns diese Herrligkeit vnsers Haupts Christi?
Erstlich, daß er durch seinen heiligen Geist, in vns seine Glieder, die Himlischen gaben außgeußt, Darnach, daß er vns mit seinem gewalt wider alle Feind schützet vnd erhelt.
[34]Was nützt uns diese Herrlichkeit unseres Hauptes Christus?
Christus teilt uns, seinen Gliedern, durch seinen Heiligen Geist die himmlischen Gaben aus.
Er schützt und erhält uns mit seiner Macht gegen alle Feinde.
HC Q52
Was tröstet dich die widerkunfft Christi zurichten die Lebendigen vnnd die Todten?
[25]Daß ich in allem Trübsal vnd verfolgung mit auffgerichtem Haupt eben deß Richters, der sich zuuor dem Gericht Gottes für mich dargestellt, vnnd alle vermaledeyung von mir hinweg genomen hat, auß dem Himmel gewertig bin, daß er alle seine vnd meine Feinde in die ewige verdamnuß werffe, mich aber samt allen Außerwelten zu jm in die Himlische freud vnd herrligkeit neme.
Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, »zu richten die Lebenden und die Toten«?
In aller Trübsal und Verfolgung darf ich mit erhobenem Haupt aus dem Himmel eben den Richter erwarten, der sich zuvor für mich dem Gericht Gottes gestellt und alle Verurteilung von mir genommen hat. Er wird alle seine Feinde, die darum auch meine Feinde sind, in die ewige Verdammnis werfen, mich aber mit allen Auserwählten zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehmen.
HC LD 20number: “Der 20. Sontag.” vs “20. Sonntag”
Der 20. Sontag.
20. Sonntag
HC Q53
Was glaubstu vom heiligen Geist?
Erstlich, daß er gleich ewiger Gott mit dem Vatter vnd dem Sohn ist. Zum andern, daß er auch mir gegeben ist, mich durch ein waren Glauben Christi vnnd aller seiner wolthat theilhafftig macht, mich tröstet, vnd bey mir bleiben wirdt biß in Ewigkeit.
[35]Was glaubst du vom Heiligen Geist?
Erstens: Der Heilige Geist ist gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn.
Zweitens: Er ist auch mir gegeben und gibt mir durch wahren Glauben Anteil an Christus und allen seinenWohltaten. Er tröstet mich und wird bei mir bleiben in Ewigkeit.
HC LD 21number: “Der 21. Sontag.” vs “21. Sonntag”
Der 21. Sontag.
21. Sonntag
HC Q54
[26]Was glaubstu von der heiligen allgemeinen Christlichen Kirchen?
Daß der Son Gottes, auß dem gantzen Menschlichen Geschlecht, jm ein außerwelte Gemein zum ewigen leben, durch seinen Geist vnd wort, in einigkeit deß waren Glaubens, von anbegin der Welt biß ans end versamle, schütze vnd erhalte, vnd daß ich derselben ein lebendiges Glied bin, vnnd ewig bleiben werde.
Was glaubst du von der »heiligen allgemeinen christlichen Kirche«?
Ich glaube, daß der Sohn Gottes aus dem ganzen Menschengeschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben durch seinen Geist und Wort [36]in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammelt, schützt und erhält und daß auch ich ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin und ewig bleiben werde.
HC Q55
Was verstehestu durch die gemeinschafft der Heiligen?
Erstlich, daß alle vnd jede Glaubigen, als Glieder, an dem Herrn Christo vnd allen seinen schätzen vnnd gaben gemeinschafft haben. Zum andern, daß ein jeder seine gaben zu nutz vnd heil der andern Glieder, willig vnd mit freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.
Was verstehst du unter der »Gemeinschaft der Heiligen«?
Erstens: Alle Glaubenden haben als Glieder Gemeinschaft an dem Herrn Christus und an allen seinen Schätzen und Gaben.
Zweitens: Darum soll auch jeder seine Gaben willig und mit Freuden zum Wohl und Heil der anderen gebrauchen.
HC Q56
[27]Was glaubstu von vergebung der Sünden?
Daß GOtt vmb der gnugthuung Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündlichen art, mit der ich mein lebenlang zustreitten habe, nimmermehr gedencken wil: sonder mir die Gerechtigkeit CHristi auß Gnaden schencket, daß ich inns Gericht nimmermehr soll kommen.
[37]Was glaubst du von der »Vergebung der Sünden«?
Gott will um Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündigen Art, mit der ich mein Leben lang zu kämpfen habe, nicht mehr gedenken. Aus Gnade schenkt er mir die Gerechtigkeit Christi, so daß ich nicht mehr ins Gericht kommen werde.
HC LD 22number: “Der 22. Sontag.” vs “22. Sonntag”
Der 22. Sontag.
22. Sonntag
HC Q57
Was tröst dich die Aufferstehung deß Fleisches?
Daß nit allein meine seel nach diesem Leben als bald zu Christo jrem Haupt genommen wirt, sondern auch daß diß mein Fleisch durch die krafft CHristi aufferweckt, wider mit seiner Seelen vereiniget vnd dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll.
Was tröstet dich die »Auferstehung der Toten«?
Nach diesem Leben werde ich durch die Kraft Christi auferweckt werden und zu Christus, meinem Herrn, kommen. Er wird mir Anteil geben an seiner Herrlichkeit.
HC Q58
Was tröst dich der Articul vom ewigen [28]Leben?
Daß, nach dem ich jetzunder den anfang der ewigen freude in meinem Hertzen empfinde, ich nach diesem Leben vollkommene Seligkeit besitzen werde, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret, vnd in keines Menschen Hertz nie kommen ist, GOTT ewiglich darin zupreisen.
[38]Was tröstet dich die Verheißung des ewigen Lebens?
Schon jetzt empfinde ich den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen. Nach diesem Leben aber werde ich vollkommene Seligkeit besitzen, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz je gekommen ist, Gott ewiglich darin zu preisen.
HC LD 23number: “V. LECTIO. Der 23. Sontag.” vs “23. Sonntag”
V. LECTIO. Der 23. Sontag.
23. Sonntag
HC Q59
Was hilfft es dich aber nun, wenn du diß alles glaubest?
Daß ich in Christo für Gott gerecht vnd ein Erb deß ewiges Lebens bin.
[39]Was hilft es dir aber nun, wenn du das alles glaubst?
Ich bin dadurch in Christus vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens.
HC Q60
Wie bistu gerecht für Gott?
Allein durch waren Glauben in Jesum CHRistum, Also, daß ob mich schon mein Gewissen anklagt, daß ich wider alle gebott Gottes schwerlich gesündiget, vnd derselben keines nie gehalten hab, auch noch jmmerdar zu allem [29]bösen geneigt bin, doch Gott ohn alle meine verdienst, auß lauter gnaden mir die vollkommene gnugthuung, gerechtigkeit vnd heiligkeit Christi schencket, vnnd zurechnet, als hette ich nie keine Sünd begangen noch gehabt, vnd selbst allen den gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wenn ich allein solche wolthat mit glaubigem Hertzen annemme.
Wie bist du gerecht vor Gott?
Allein durch wahren Glauben an Jesus Christus. Zwar klagt mich mein Gewissen an, daß ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines je gehalten habe und noch immer zu allem Bösen geneigt bin. Gott aber schenkt mir ganz ohne mein Verdienst aus lauter Gnade die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi. Er rechnet sie mir an, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selbst den ganzen Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat, wenn ich allein diese Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.
HC Q61
Warumb sagst du, daß du allein durch den Glauben gerecht seyest?
Nicht daß ich von wegen der Wirdigkeit meines Glaubens Gott gefalle: sonder darumb, daß allein die gnugthuung, gerechtigkeit vnd heiligkeit Christi, meine gerechtigkeit für GOtt ist, vnd ich dieselbe nit anderst, denn allein durch den Glauben annemmen, vnd mir zueignen kan.
[40]Warum sagst du, daß du allein durch den Glauben gerecht bist?
Ich gefalle Gott nicht deswegen, weil mein Glaube ein verdienstvolles Werk wäre. Allein die Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi ist meine Gerechtigkeit vor Gott. Ich kann sie nicht anders als durch den Glauben annehmen und mir zueignen.
HC LD 24number: “Der 24. Sontag.” vs “24. Sonntag”
Der 24. Sontag.
24. Sonntag
HC Q62
Warumb können aber vnsere gute werck nicht die Gerechtigkeit für Gott, oder ein stück derselbigen sein?
[30]Darumb, daß die Gerechtigkeit, so für Gottes Gericht bestehen soll, durchauß vollkommen, vnnd dem Göttlichen Gesetz gantz gleichförmig sein muß, vnd aber auch vnser beste werck in diesem Leben alle vnuollkommen vnd mit Sünden befleckt sind.
Warum können denn unsere guten Werke uns nicht ganz oder teilweise vor Gott gerecht machen?
Die Gerechtigkeit, die vor Gottes Gericht bestehen soll, muß vollkommen sein und dem göttlichen Gesetz ganz und gar entsprechen. Aber auch unsere besten Werke sind in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünde befleckt.
HC Q63
Verdienen aber vnsere gute Werck nichts, so sie doch GOTT in diesem vnd zukünfftigen Leben wil belohnen?
Diese belohnung geschicht nicht auß verdienst, sonder auß gnaden.
[41]Verdienen aber unsere guten Werke nichts, obwohl Gott sie doch in diesem und dem zukünftigen Leben belohnen will?
Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnade.
HC Q64
Macht aber diese Lehr nit sorglose vnd verruchte Leut?
Nein: Denn es vnmüglich ist, daß die, so CHristo durch waren Glauben sind eingepflantzt, nit frucht der danckbarkeit sollen bringen.
Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?
Nein; denn es ist unmöglich, daß Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind, nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.
HC LD 25number: “Der 25. Sontag.” vs “25. Sonntag”
Der 25. Sontag.
25. Sonntag
HC Q65
[31]Dieweil denn allein der Glaub vns Christi vnd aller seiner wolthaten theilhafftig macht, woher kompt solcher Glaube?
Der heilig Geist wircket denselben in vnsern Hertzen, durch die Predigt deß heiligen Euangelions, vnd bestättiget den durch den brauch der heiligen Sacrament.
[42]Wenn nun allein der Glaube uns Anteil an Christus und allen seinen Wohltaten gibt, woher kommt solcher Glaube?
Der Heilige Geist wirkt den Glauben in unseren Herzen durch die Predigt des heiligen Evangeliums und bestätigt ihn durch den Gebrauch der heiligen Sakramente.
HC Q66
Was seind die Sacrament?
Es sind sichtbare heilige Warzeichen vnd Sigill, von Gott darzu eingesetzet, daß er vns durch den brauch derselbigen, die verheissung deß Euangelions desto besser zuuerstehen gebe, vnnd versiegele: Nemlich daß er vns von wegen deß einigen Opffers Christi am Creutz vollbracht, vergebung der Sünden, vnnd ein ewiges Leben auß Gnaden schencke.
Was sind Sakramente?
Es sind sichtbare heilige Wahrzeichen und Siegel. Gott hat sie eingesetzt, um uns durch ihren Gebrauch den Zuspruch des Evangeliums besser verständlich zu machen und zu versiegeln: daß er uns auf Grund des einmaligen Opfers Christi, am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ewiges Leben aus Gnade schenkt.
HC Q67
[32]Seind denn beyde das wort vnd die Sacrament dahin gericht, daß sie vnsern Glauben auff das Opffer JEsu Christi am Creutz, als auff den einigen grund vnserer Seligkeit weisen?
Ja freylich: Denn der heilig Geist lehret im Euangelio, vnnd bestättiget durch die heiligen Sacrament, daß vnsere gantze Seligkeit stehe in dem einigen Opffer Christi, für vns am Creutz geschehen.
[43]Sollen denn beide, Wort und Sakrament, unseren Glauben auf das Opfer Jesu Christi am Kreuz als den einzigen Grund unserer Seligkeit hinweisen?
Ja; denn der Heilige Geist lehrt im Evangelium und bestätigt durch die heiligen Sakramente, daß unsere ganze Seligkeit gegründet ist auf das einmalige Opfer Christi, das für uns am Kreuz geschah.
HC Q68
Wie viel Sacrament hat Christus im newen Testament eingesetzt?
Zwey, Den heiligen Tauff, vnd das heilig Abendmal.
Wieviel Sakramente hat Christus im Neuen Testament eingesetzt?
Zwei, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl.
HC LD 26number: “Der 26. Sontag.” vs “26. Sonntag”
Der 26. Sontag.
26. Sonntag
HC Q69
Wie wirst du im heiligen Tauff erinnert vnnd versichert, daß das einige Opffer Christi am Creutz dir zu gut komme?
[33]Also: daß Christus diß eusserlich Wasserbad eingesetzt, vnd darbey verheissen hat, daß ich so gewiß mit seinem Blut vnd Geist, von der vnreinigkeit meiner Seelen, das ist, allen meinen Sünden gewaschen sey, so gewiß ich eusserlich mit dem Wasser, welches die vnsauberkeit deß Leibs pfleget hinzunemen, gewaschen bin.
[44]Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und gewiß gemacht, daß das einmalige Opfer Christi am Kreuz dir zugut kommt?
Christus hat dies äußerliche Wasserbad eingesetzt und dabei verheißen, daß ich so gewiß mit seinem Blut und Geist von der Unreinigkeit meiner Seele, das ist, von allen meinen Sünden, reingewaschen bin, wie ich äußerlich durch das Wasser gereinigt werde, das die Unsauberkeit des Leibes hinwegnimmt.
HC Q70
Was heist mit dem Blut vnd Geist Christi gewaschen sein?
Es heist vergebung der Sünden von GOTT auß gnaden haben, vmb deß Bluts Christi willen, welches er in seinem Opffer am Creutz für vns vergossen hat, Darnach auch durch den heiligen Geist ernewert, vnd zu einem glied Christi geheiliget sein, daß wir je lenger je mehr der sünden absterben, vnd in einem Gottseligen, vnsträfflichen Leben wandlen.
Was heißt, mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?
Es heißt, Vergebung der Sünde von Gott aus Gnade haben um des Blutes Christi willen, das er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat. [45]Es heißt ferner, durch den Heiligen Geist erneuert und zu einem Glied Christi geheiligt sein, so daß wir je länger je mehr der Sünde absterben und ein Leben führen, das Gott gefällt.
HC Q71
[34]Wo hat Christus verheissen, daß wir so gewiß mit seinem Blut vnd Geist, als mit dem Tauffwasser gewaschen sind?
In der einsatzung deß Tauffs, welche also lautet: Gehet hin vnd lehret alle Völcker, vnnd tauffet sie im Namen deß Vatters, vnd deß Sons, vnd deß heiligen Geists: Wer da glaubet vnd getaufft wirt, der wirt selig werden, wer aber nicht glaubet, der wirdt verdampt werden. Diese verheissung wirt auch widerholet, da die Schrifft den Tauff das Bad der Widergeburt, vnnd abwaschung der Sünden nennet.
Wo hat Christus verheißen, daß wir so gewiß mit seinem Blut und Geist wie mit dem Taufwasser gewaschen sind?
Bei der Einsetzung der Taufe sagt er:
»Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« »Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.«
Diese Verheißung wird dort wiederholt, wo die Heilige Schrift die Taufe das »Bad der Wiedergeburt« und die »Abwaschung der Sünden« nennt.
HC LD 27number: “Der 27. Sontag.” vs “27. Sonntag”
Der 27. Sontag.
27. Sonntag
HC Q72
Ist denn das eusserlich Wasserbad die abwaschung der Sünden selbst?
[35]Nein, Denn allein das Blut Jesu CHristi vnnd der heilige Geist reiniget vns von allen Sünden.
[46]Ist denn das äußerliche Wasserbad selbst die Abwaschung der Sünden?
Nein; denn allein das Blut Jesu Christi und der Heilige Geist reinigt uns von allen Sünden.
HC Q73
Warumb nennet denn der heilige Geist den Tauff das Bad der widergeburt, vnd die abwaschung der sünden?
Gott redet also nicht one grosse vrsach: Nemlich, nicht allein daß er vns damit will lehren, daß gleich wie die vnsauberkeit deß Leibs durchs wasser, also vnsere sünden durchs Blut vnd Geist CHristi hinweg genommen werden, sondern viel mehr, daß er vns durch diß Göttlich Pfand vnnd Warzeichen wil versichern, daß wir so warhafftig von vnsern sünden Geistlich gewaschen sind, als wir mit dem Leiblichen Wasser gewaschen werden.
Warum nennt denn der Heilige Geist die Taufe das »Bad der Wiedergeburt« und die »Abwaschung der Sünden«?
Gott redet so nicht ohne große Ursache. Er will uns damit lehren: Wie die Unsauberkeit des Leibes durch Wasser, so werden unsere Sünden durch Blut und Geist Christi hinweggenommen. Ja vielmehr:
Er will uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen gewißmachen, daß wir so wahrhaftig von unseren Sünden geistlich gewaschen sind, wie wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.
HC Q74
Soll man auch die jungen Kinder tauffen?
[36]Ja: Denn dieweil sie so wol als die Alten in den Bund Gottes, vnnd seine Gemeine gehören, vnnd jhnen in dem Blut Christi die erlösung von sünden, vnd der heilig Geist, welcher den Glauben wircket, nit weniger denn den Alten zugesagt wirt, so sollen sie auch durch den Tauff, als deß Bunds zeichen, der Christlichen Kirchen eingeleibt, vnd von der Vngläubigen Kinder vnterscheiden werden, wie im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an welcher statt im newen Testament der Tauff ist eingesetzt.
[47]Soll man auch die kleinen Kinder taufen?
Ja; denn sie gehören ebenso wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde.
Auch ihnen wird, nicht weniger als den Erwachsenen, in dem Blut Christi die Erlösung von den Sünden und der Heilige Geist, der den Glauben wirkt, zugesagt.
Darum sollen auch die Kinder durch die Taufe, das Zeichen des Bundes, in die christliche Kirche als Glieder eingefügt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden, wie es im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an deren Stelle im Neuen Testament die Taufe eingesetzt wurde.
HC LD 28number: “VI. LECTIO. Der 28. Sontag.” vs “28. Sonntag”
VI. LECTIO. Der 28. Sontag.
28. Sonntag
HC Q75
Wie wirstu im heiligen Abendmal erinnert vnnd versichert, daß du an dem einigen Opffer Christi am Creutz, vnd allen seinen Gütern gemeinschafft habst?
Also, daß Christus mir vnnd allen Gläubigen von disem gebrochnen Brod [37]zuessen vnnd von diesem Reich zutrincken befohlen hat zu seinem Gedechtnuß, vnd dabey verheissen, Erstlich daß sein Leib so gewiß für mich am Creutz geopffert vnd gebrochen, vnd sein Blut für mich vergossen sey, so gewiß ich mit Augen sehe, daß das Brodt deß Herrn mir gebrochen, vnd der Kelch mir mitgetheilt wirt: Vnd zum andern, daß er selbst meine Seel mit seinem gecreutzigten Leib vnd vergossenem Blut, so gewiß zum ewigen leben speise vnnd trencke, als ich auß der Hand deß Dieners empfange vnd leiblich niesse das Brod vnd den Kelch deß Herren, welche mir als gewisse Warzeichen deß Leibs vnd Bluts Christi gegeben werden.
[48]Wie wirst du im Heiligen Abendmahl erinnert und gewiß gemacht, daß du an dem einzigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gaben Anteil hast?
Christus hat mir und allen Gläubigen befohlen, zu seinem Gedächtnis von dem gebrochenen Brot zu essen und von dem Kelch zu trinken. Dabei hat er verheißen: Erstens, daß sein Leib so gewiß für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen ist, wie ich mit Augen sehe, daß das Brot des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir gegeben wird. Zweitens, daß er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut so gewiß zum ewigen Leben speist und tränkt, wie ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich genieße das Brot und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibes und Blutes Christi gegeben werden.
HC Q76
Was heist den gecreutzigten Leib Christi essen, vnd sein vergossen Blut trincken?
Es heist nicht allein mit gläubigem Hertzen das gantze Leiden vnd Sterben Christi annemmen, vnd dardurch vergebung der Sünden vnd ewiges Leben [38]bekommen, Sondern auch darneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo vnd in vns wohnet, also mit seinem gebenedeyten Leib je mehr vnnd mehr vereiniget werden, daß wir, ob gleich er im Himmel, vnd wir auff Erden sind: Dennoch Fleisch von seinem Fleisch vnd Bein von seinen Beinen sind, vnd von einem Geist, (wie die Glieder vnsers Leibs von einer Seelen) ewig leben vnd regieret werden.
[49]Was heißt, den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken?
Es heißt nicht allein, mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünde und ewiges Leben empfangen, sondern auch, durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christus und in uns wohnt, mit seinem verherrlichten Leib mehr und mehr vereinigt werden, so daß, obgleich er im Himmel ist und wir auf Erden sind, wir doch ein Leib mit ihm sind und von einem Geist ewig leben und regiert werden.
HC Q77
Wo hat Christus verheissen, daß er die Gläubigen so gewiß also mit seinem Leib vnd Blut speise vnd trencke, als sie von disem gebrochnen Brodt essen vnd von disem Kelch trincken?
In der einsatzung deß Abendmals, welche also lautet: Vnser Herr JESus, in der Nacht da er verrahten ward, nam er das Brodt, [39]dancket vnnd brachs, vnd sprach, Nemet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wirdt, solches thut zu meiner Gedächtnuß. Desselben gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmal, vnnd sprach. Dieser Kelch ist das newe Testament in meinem Blut, solches thut, so offt jrs trinckt, zu meiner Gedächtnuß: Denn so offt jr von diesem Brodt esset, vnd von diesem Kelch trincket, solt jhr deß Herren todt verkündigen, biß daß er kompt. Vnnd diese verheissung wirdt auch widerholet, durch S. Paulum, da er spricht: Der Kelch der Dancksagung, damit wir [40]dancksagen, ist er nicht die gemeinschafft deß Bluts Christi? Das Brodt das wir brechen, ist das nicht die gemeinschafft deß Leibs CHRisti? Denn ein Brodt ists, so seind wir viel ein Leib, dieweil wir alle eines Brodst theilhafftig seind.
[50]Wo hat Christus verheißen, daß er die Gläubigen so gewiß mit seinem Leib und Blut speist und tränkt, wie sie von diesem gebrochenen Brot essen und von diesem Kelch trinken?
In der Einsetzung des Abendmahls: »Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: (Nehmet, esset,) das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.« Diese Verheißung wiederholt der Apostel Paulus, wenn er sagt: »Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn e i n Brot ist’s: so sind wir viele e i n Leib, weil wir alle an e i n e m Brot teilhaben.«
HC LD 29number: “Der 29. Sontag.” vs “29. Sonntag”
Der 29. Sontag.
29. Sonntag
HC Q78
Wirdt dann auß Brodt vnd Wein der wesentlich Leib vnd Blut Christi?
Nein: sondern wie das Wasser in dem Tauff, nicht in das Blut CHristi verwandelt, oder die Abwaschung der Sünden selbst wirdt, deren es allein ein Göttlich Warzeichen vnd versicherung ist: Also wirdt auch das heilig Brod im Abendmal nit der leib Christi selbst, wiewol es nach art vnnd brauch der Sacramenten, der Leib CHristi genennet wirdt.
[51]Werden denn Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt?
Nein. Wie das Wasser bei der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt wird oder selbst die Sünden abwäscht, sondern Gottes Wahrzeichen und Pfand dafür ist, so wird auch das Brot im Abendmahl nicht der Leib Christi, auch wenn es in den Worten, die beim Abendmahl gebraucht werden, als der Leib Christi bezeichnet wird.
HC Q79
[41]Warumb nennet denn CHRistus das Brodt seinen Leib, vnnd den Kelch sein Blut, oder das newe Testament in seinem Blut, vnd S. Paulus die Gemeinschafft deß Leibs vnd Bluts Jesu Christi?
Christus redet also nicht ohne grosse vrsach: Nemlich, daß er vns nit allein damit wil lehren daß, gleich wie Brodt vnd Wein das zeitliche Leben erhalten, so sey auch sein gecreutzigter Leib vnd vergossen Blut, die ware Speiß vnnd Tranck vnserer Seelen zum ewigen leben: sonder vil mehr daß er vns durch diß sichtbare Zeichen vnnd Pfand wil versichern, daß wir so warhafftig seines waren Leibs vnd Bluts durch wirckung deß heiligen Geistes theilhafftig werden, als wir diese heilige Warzeichen, mit dem leiblichen Mund zu seiner Gedechtnuß empfangen, vnd daß all sein leiden vnnd gehorsam so gewiß vnser eigen sey, als hetten wir selbst in [42]vnser eigen Person alles gelidten vnnd gnug gethan.
Warum nennt denn Christus das Brot seinen Leib und den Kelch sein Blut oder nennt den Kelch den neuen Bund in seinem Blut, und warum spricht Paulus von der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi?
Christus redet so nicht ohne große Ursache. Er will uns damit lehren: Wie Brot und Wein das zeitliche Leben erhalten, so sind sein gekreuzigter Leib und sein vergossenes Blut die wahre Speise und der wahre Trank unserer Seele zum ewigen Leben. [52]Darüberhinaus will er uns durch dieses sichtbare Zeichen und Pfand gewiß machen, daß wir so wahrhaftig durch seinen Heiligen Geist an seinem Leib und Blut Anteil bekommen wie wir diese heiligen Wahrzeichen mit unserem Mund zu seinem Gedächtnis empfangen. All sein Leiden und sein Gehorsam sind uns so gewiß zugeeignet, als hätten wir selbst das alles gelitten und vollbracht.
HC LD 30number: “Der 30. Sontag.” vs “30. Sonntag”
Der 30. Sontag.
30. Sonntag
HC Q80
Was ist für ein vnderscheid zwischen dem Abendmal deß HErren, vnnd der Bäpstischen Meß?
Das Abendmal bezeuget vns, daß wir vollkommene vergebung aller vnser Sünden haben, durch das einige Opffer Jesu Christi so er selbst ein mal am Creutz vollbracht hat, Vnnd daß wir durch den heiligen Geist CHRisto werden eingeleibt, der jetzund mit seinem waren Leib im Himmel zur Rechten deß Vatters ist, vnd daselbst wil angebettet werden. Die Meß aber lehret, daß die Lebendigen vnd die Todten nicht durch das Leiden CHristi vergebung der Sünden haben es sey denn daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopffert werde: Vnnd daß Christus Leiblich vnter der gestalt Brodts vnd Weins sey, vnd derhalben darinn soll angebettet werden. Vnnd[43]ist also die Meß im grund nicht anderst, denn ein verleugnung deß einigen Opffers vnd Leidens Jesu Christi vnd ein vermaledeyte Abgötterey.
Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe?
Das Abendmahl bezeugt uns, daß wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben durch das einmalige Opfer Jesu Christi, das er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat, und daß wir durch den Heiligen Geist Christus werden eingeleibt, der jetzt mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist und daselbst will angebetet werden. [53]Die Messe aber lehrt, daß die Lebendigen und die Toten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopfert werde, und daß Christus leiblich unter der Gestalt des Brotes und Weines sei und deshalb darin soll angebetet werden. Und ist also die Messe im Grunde nichts anderes als eine Verleugnung des einzigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei.*
*Das Moderamen des Reformierten Bundes hat hierzu erklärt: Diese Verwerfung wurde vor 400 Jahren formuliert; sie läßt sich nach Inhalt und Sprache in dieser Form nicht aufrechterhalten: Die Polemik gegen die Wiederholung des einmaligen Opfers Christi am Kreuz und die Anbetung der Elemente (Brot und Wein) wird dem nicht gerecht, was im ökumenischen Gespräch inzwischen an Verständigung erreicht werden konnte. Der bleibende Lehrunterschied besteht darin, daß die Eucharistie in der römisch- katholischen Kirche als »Opfer«, das Abendmahl im evangelischen Gottesdienst als »Mahlfeier« begriffen wird; doch sollte sich dieser Unterschied nicht kirchentrennend auswirken.
HC Q81
Welche sollen zu dem Tisch deß HERRN kommen?
Die jnen selbst vmb jrer sünden willen mißfallen, vnd doch vertrawen, daß dieselbige jhnen verziehen, vnnd die vbrige schwachheit mit dem leiden vnd sterben Christi bedeckt sey, begeren auch je mehr vnnd mehr jhren Glauben zustercken, vnnd jhr leben zubessern. Die Vnbußfertigen aber vnnd Heuchler, essen vnd trincken jnen selbst das Gericht.
[54]Welche Menschen sollen zum Tisch des Herrn kommen?
Alle, die sich selbst um ihrer Sünde willen mißfallen und doch vertrauen, daß Gott sie ihnen vergeben hat und daß auch die bleibende Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi zugedeckt ist, die aber auch begehren, mehr und mehr ihren Glauben zu stärken und ihr Leben zu bessern. Wer aber unbußfertig und heuchlerisch zum Abendmahl kommt, ißt und trinkt sich selbst zum Gericht.
HC Q82
Sollen aber zu diesem Abendmal auch zugelassen werden die sich mit jrer Bekanntnuß vnd Leben als Vnglaubige vnd Gottlose erzeigen?
Nein: denn es wirt also der Bund Gottes geschmächt, vnnd sein zorn vber[44]die gantze Gemein gereitzet. Derhalben die Christliche Kirch schuldig ist, nach der Ordnung Christi vnnd seiner Aposteln, solche, biß zur besserung jhres lebens, durch das Ampt der Schlüssel außzuschliessen.
Dürfen aber zum heiligen Abendmahl auch solche zugelassen werden, die sich in ihrem Bekenntnis und Leben als Ungläubige und Gottlose erweisen?
Nein; denn sonst wird der Bund Gottes geschmäht und sein Zorn über die ganze Gemeinde erregt. Darum muß die christliche Kirche nach der Ordnung Christi und seiner Apostel solche durch das Amt der Schlüssel ausschließen, bis sie ihr Leben bessern.
HC LD 31number: “Der 31. Sontag.” vs “31. Sonntag”
Der 31. Sontag.
31. Sonntag
HC Q83
Was ist das Ampt der Schlüssel?
Die Predig deß heiligen Euangelions, vnnd die Christliche Bußzucht, durch welche beyde stück das Himmelreich den Glaubigen auffgeschlossen, vnnd den Vnglaubigen zugeschlossen wirdt.
[55]Was ist das Amt der Schlüssel?
Die Predigt des heiligen Evangeliums und die christliche Bußzucht. Durch diese beiden wird das Himmelreich den Gläubigen aufgeschlossen, den Ungläubigen aber zugeschlossen.
HC Q84
Wie wirt das Himmelreich durch die Predig deß heiligen Euangelions auff vnd zugeschlossen?
Also: daß nach dem Befehl Christi, allen vnnd jeden Glaubigen verkündigt vnd offentlich bezeuget wirdt, daß jhnen so offt sie die verheissung deß Euangelions mit warem Glauben annemmen, [45]warhaftig alle jre Sünden von Gott vmb deß verdiensts Christi willen, vergeben sind: Vnnd herwiderumb allen Vnglaubigen vnnd Heuchlern, daß der Zorn Gottes, vnd die ewige Verdamnuß auff jhnen ligt, so lang sie sich nicht bekehren: Nach welchem Zeugnuß deß Euangelii, Gott beyde in disem vnd zukünfftigen Leben vrtheilen wil.
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des heiligen Evangeliums auf- und zugeschlossen?
Nach dem Befehl Christi wird allen Gläubigen verkündigt und öffentlich bezeugt, daß ihnen alle ihre Sünden von Gott um des Verdienstes Christi willen wahrhaftig vergeben sind, sooft sie den Zuspruch des Evangeliums mit wahrem Glauben annehmen. Dagegen wird allen, die den Glauben verwerfen oder heucheln, öffentlich bezeugt, daß der Zorn Gottes und die ewige Verdammnis auf ihnen liegt, solange sie sich nicht bekehren. Nach diesem Zeugnis des Evangeliums will Gott in diesem und im zukünftigen Leben urteilen.
HC Q85
Wie wirt das Himmelreich zu vnd auffgeschlossen, durch die Christliche Bußzucht?
Also: daß nach dem Befelch Christi die jenigen, so vnter dem Christlichen Namen vnchristliche Lehr oder Wandel führen, nach dem sie etlichmal Brüderlich vermahnt sein, vnnd von jhren Jrrthumen oder Lastern nicht abstehen, der Kirchen, oder denen so von der Kirchen darzu verordnet sind, angezeigt, vnd so sie sich an derselben vermanung auch nicht kehren, von jhnen durch verbietung der heiligen Sacrament auß[46]der Christlichen Gemein, vnd von Gott selbst, auß dem Reich CHristi werden außgeschlossen: vnd widerumb als Glieder Christi vnd der Kirchen angenommen, wenn sie ware besserung verheissen vnd erzeigen.
[56]Wie wird das Himmelreich durch die christliche Bußzucht zu- und aufgeschlossen?
Nach dem Befehl Christi werden alle, die sich Christen nennen, aber unchristlich lehren oder leben, mehrmals seelsorgerlich vermahnt.
Wenn sie von ihren Irrtümern und Lastern nicht ablassen, werden sie der Gemeinde oder den von ihr Beauftragten namhaft gemacht.
Wenn sie auch deren Vermahnung nicht folgen, werden sie von diesen durch Versagung der heiligen Sakramente aus der christlichen Gemeinde und von Gott selber aus dem Reich Christi ausgeschlossen.
Jedoch werden sie als Glieder Christi undder Kirche wieder angenommen, wenn sie wahre Besserung versprechen und zeigen.
HC PART 3
Der dritte theil. Von der Danckbarkeit.
Der dritte Teil. Von der Dankbarkeit
HC LD 32number: “VII. LECTIO. Der 32. Sontag.” vs “32. Sonntag”
VII. LECTIO. Der 32. Sontag.
32. Sonntag
HC Q86
Dieweil wir dann auß vnserm Elend ohne alle vnser verdienst, auß gnaden durch Christum erlöset seind, warumb sollen wir gute Werck thun?
Darumb, daß Christus, nach dem er vns mit seinem Blut erkaufft hat, vns auch durch seinen heiligen Geist, ernewert zu seinem Ebenbild, daß wir mit vnserm gantzen Leben vns danckbar gegen GOtt für seine Wolthat erzeigen, vnnd er durch vns gepriesen werde: Darnach auch, daß wir bey vns selbst vnsers Glaubens auß seinen früchten gewiß sein, vnd mit vnserm [47]Gottseligen wandel, vnsere Nächsten auch Christo gewinnen.
[57]Da wir nun aus unserm Elend ganz ohne unser Verdienst aus Gnade durch Christus erlöst sind, warum sollen wir gute Werke tun?
Wir sollen gute Werke tun, weil Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, damit wir mit unserem ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohltat erweisen und er durch uns gepriesen wird. Danach auch, daß wir bei uns selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiß werden und mit einem Leben, das Gott gefällt, unsern Nächsten auch für Christus gewinnen.
HC Q87
Können denn die nicht selig werden, die sich von jrem vndanckbaren vnbußfertigen wandel zu Gott nicht bekeren?
Keins wegs: denn wie die Schrifft saget: Kein Vnkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenpoltz, Lästerer, Rauber, vnnd dergleichen, wirdt das Reich GOttes erben.
[58]Können denn auch die selig werden, die sich von ihrem undankbaren, unbußfertigen Leben nicht zu Gott bekehren?
Keineswegs; denn die Schrift sagt: kein Unzüchtiger, Götzendiener, Ehebrecher, Dieb, Geiziger, Trunkenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen wird das Reich Gottes erben.
HC LD 33number: “Der 33. Sontag.” vs “33. Sonntag”
Der 33. Sontag.
33. Sonntag
HC Q88
Jnn wie viel stücken stehet die warhafftige Buß oder bekerung deß Menschen?
Worin besteht die wahrhaftige Buße oder Bekehrung des Menschen?
Im Absterben des alten Menschen und im Auferstehen des neuen Menschen.
HC Q89
Was ist die absterbung deß alten Menschen?
[48]Jm die sünde von hertzen lassen leid sein, vnd dieselbige je lenger je mehr hassen vnd fliehen.
Was heißt Absterben des alten Menschen?
Sich die Sünde von Herzen leid sein lassen und sie je länger je mehr hassen und fliehen.
HC Q90
Was ist die Aufferstehung deß newen Menschen?
Hertzliche freud in GOTT durch Christum, vnnd lust vnnd lieb haben nach dem willen Gottes in allen guten wercken zuleben.
[59]Was heißt Auferstehen des neuen Menschen?
Herzliche Freude in Gott durch Christus haben und Lust und Liebe, nach dem Willen Gottes in allen guten Werken zu leben.
HC Q91
Welches sind aber gute werck?
Allein die auß warem Glauben, nach dem Gesetz Gottes jm zu Ehren geschehen: vnd nit die auff vnser gutduncken oder Menschen satzung gegründet sein.
Was sind denn gute Werke?
Allein solche, die aus wahrem Glauben nach dem Gesetz Gottes ihm zur Ehre geschehen, und nicht solche, die auf unser Gutdünken oder auf Menschengebote gegründet sind.
HC LD 34number: “Der 34. Sontag.” vs “34. Sonntag”
Der 34. Sontag.
34. Sonntag
HC Q92
Wie laut das Gesetz deß HErrn?
Gott redet alle diese Wort. [49]Das erste Gebott. Jch bin der HERR dein Gott, der ich dich auß Egyptenland, auß dem Diensthauß geführt habe. Du solt kein andere Götter für mir haben. Das ander. Du solt dir kein Bildnuß noch jrgend ein gleichnuß machen, weder deß, das oben im Himmel, noch deß, das vnden auff Erden, oder deß, das im wasser vnter der Erden ist, Du solt sie nicht anbetten, noch jhnen dienen. Denn ich der Herr dein Gott, bin ein starcker eifferiger GOtt, der die missethat der Vätter heimsucht an den Kindern, biß ins [50]dritte vnd vierde Glied deren die mich hassen: vnnd thue barmhertzigkeit an viel tausenden die mich lieben, vnnd meine Gebott halten. Das dritte. Du solt den Namen deß Herren deines Gottes nicht mißbrauchen, Denn der Herr wirt den nicht vngestrafft lassen, der seinen Namen mißbraucht; Das vierde. Gedenck deß Sabbath tages, daß du jn heiligst. Sechß tag soltu arbeiten, vnnd alle deine Werck thun, aber am siebenden tag ist der Sabbath deß HERren deines Gottes, da solt du keine arbeit thun, [51]noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch deine Knecht, noch deine Magdt, noch dein Viehe, noch der Frembdling der in deinen Thoren ist. Denn in sechß tagen hat der HERr Himmel vnd Erden gemacht, vnd das Meer, vnd alles was drinnen ist, vnnd ruhete am siebenden tage, Darumb segnete der HErr den Sabbath tag, vnd heiligte jn. Das fünffte. Du solt deinen Vatter vnd deine Mutter ehren, auff daß du lang lebest im Land, das dir der HErr dein Gott gibt. Das sechste. Du solt nicht tödten. Das siebende. [52]Du solt nicht Ehebrechen. Das achte. Du solt nicht stelen. Das neunde. Du solt kein falsch Zeugnuß reden wider deinen Nächsten. Das zehende. Laß dich nit gelüsten deines nächsten Hauß, Laß dich nit gelüsten deines nächsten Weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles das dein Nächster hat.
Wie lautet das Gesetz des Herrn?
»Gott redete alle diese Worte:
Das 1. Gebot
Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Das 2. Gebot
Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, [60]noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
Das 3. Gebot
Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.
Das 4. Gebot
Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht, und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. [61] Das 5. Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.
Das 6. Gebot
Du sollst nicht töten.
Das 7. Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.
Das 8. Gebot
Du sollst nicht stehlen.
Das 9. Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Das 10. Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel, noch alles, was dein Nächster hat.« (2. Mose 20, 1-17)
HC Q93
Wie werden diese Gebott getheilt?
Jn zwo Taffeln, deren die erst in vier Gebotten lehret, wie wir vns gegen GOtt sollen halten: Die ander in [53]sechs Gebotten, was wir vnserm Nächsten schuldig seind.
Wie werden diese Gebote eingeteilt?
In zwei Tafeln: Die erste Tafel lehrt in vier Geboten, wie wir uns Gott gegenüber verhalten sollen, die zweite in sechs Geboten, was wir unserm Nächsten schuldig sind.
HC Q94
Was erfordert der HERR im ersten Gebott?
Daß ich bey verlierung meiner Seelen Heil vnd seligkeit alle Abgötterey, Zauberey, Abergläubische segen, anruffung der Heiligen oder anderer Creaturen, meiden vnd fliehen soll, Vnnd den einigen waren GOtt recht erkennen, jhm allein vertrawen, in aller demut, vnnd gedult, von jhm allein alles gutes erwarten, vnnd jhn von gantzem Hertzen lieben, förchten vnd ehren: Also daß ich ehe alle Creaturen vbergebe, dann inn dem geringsten wider seinen willen thue.
[62]Was fordert der Herr im ersten Gebot?
Gott will, daß ich allen Götzendienst, alle Zauberei und Wahrsagerei, allen Aberglauben, auch das Anrufen der Heiligen oder anderer Geschöpfe meide und fliehe, damit ich meiner Seele Heil und Seligkeit nicht verliere. Stattdessen soll ich den einen wahren Gott recht erkennen, ihm allein vertrauen und in aller Demut und Geduld von ihm allein alles Gute erwarten. Ihn allein soll ich von ganzem Herzen lieben, fürchten und ehren, so daß ich eher alle Geschöpfe preisgebe, als im Geringsten gegen seinen Willen handle.
HC Q95
Was ist Abgötterey.
[54]An statt deß einigen waren Gottes, der sich in seinem wort hat offenbaret, oder neben demselbigen etwas anders dichten oder haben, darauff der Mensch sein vertrawen setzt.
Was ist Götzendienst?
Anstelle des einen wahren Gottes, der sich in seinem Wort offenbart hat, oder neben ihm irgendetwas anderes ersinnen oder haben, worauf der Mensch sein Vertrauen setzt.
HC LD 35number: “[Der 35. Sontag.]” vs “35. Sonntag”
[Der 35. Sontag.]
35. Sonntag
HC Q96
Was will Gott im andern Gebott?
Daß wir GOtt in keinen weg verbilden, auch auff jrgend eine ander weise, denn er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen.
[63]Was will Gott im zweiten Gebot?
Gott will, daß wir ihn in keiner Weise abbilden, noch ihn auf irgendeine andere Art verehren, als er es in seinem Wort befohlen hat.
HC Q97
Soll man denn gar kein Bildnuß machen?
Gott kan vnd soll keines weges abgebildet werden: Die Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden: so verbeut doch GOtt derselben Bildnuß zumachen vnd zu haben, daß man sie verehre, oder im damit diene.
Darf man denn gar kein Bild machen?
Gott kann und darf in keiner Weise abgebildet werden. Die Geschöpfe dürfen abgebildet werden, aber Gott verbietet, Bilder von ihnen zu machen und zu haben, um sie zu verehren oder ihm damit zu dienen.
HC Q98
Mögen aber nicht die Bilder als [55]der der Leyen Bücher, in den Kirchen geduldet werden?
Nein: Denn wir nicht sollen weiser sein denn Gott, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predig seines worts wil vnderwiesen haben.
Dürfen denn nicht die Bilder als »der Laien Bücher« in den Kirchen geduldet werden?
Nein; denn wir sollen uns nicht für weiser halten als Gott, der seine Christenheit nicht durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Wortes unterwiesen haben will.
HC LD 36number: “Der 36. Sontag.” vs “36. Sonntag”
Der 36. Sontag.
36. Sonntag
HC Q99
Was wil das dritt Gebott?
Daß wir nicht allein mit fluchen, oder mit falschem Eyd: sondern auch mit vnnötigem schweren den Namen Gottes nicht lästern oder mißbrauchen, noch vns mit vnserm stillschweigen vnd zusehen solcher schrecklichen Sünden theilhafftig machen, Vnd in Summa, daß wir den heiligen Namen GOttes anderst nicht, denn mit forcht vnd Ehrerbietung gebrauchen, auff das er von vns recht bekennet, angeruffen, vnd in allen vnsern worten vnd wercken gepriesen werde.
[64]Was will Gott im dritten Gebot?
Gott will, daß wir weder mit Fluchen oder mit falschem Eid, noch mit unnötigem Schwören seinen Namen lästern oder mißbrauchen. Wir sollen uns auch nicht durch unser Stillschweigen und Zusehen an solchen schrecklichen Sünden mitschuldig machen. Gottes heiligen Namen sollen wir nur mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen, so daß er von uns recht bekannt, angerufen und in allen unseren Worten und Werken gepriesen wird.
HC Q100
[56]Jst denn mit schweren vnnd fluchen GOttes Namen lästern, so ein schwere Sünd, daß Gott auch vber die zürnet, die, so viel an jhnen ist, dieselben nit helffen wehren vnd verbieten?
Ja freylich: Dann keine Sünde grösser ist, noch GOtt hefftiger erzürnet, dann lästerung seines Namens, Darumb er sie auch mit dem Todt zu straffen befohlen hat.
Ist es denn eine so schwere Sünde, Gottes Namen mit Schwören und Fluchen zu lästern, daß Gott auch über die zürnt, die nicht alles tun, um es zu verhindern?
Ja; denn es gibt keine Sünde, die größer ist und Gott heftiger erzürnt, als die Lästerung seines Namens. Darum hat er auch befohlen, sie mit dem Tode zu bestrafen.
HC LD 37number: “Der 37 Sontag.” vs “37. Sonntag”
Der 37 Sontag.
37. Sonntag
HC Q101
Mag man aber auch Gottselig bey dem Namen Gottes einen Eyd schweren?
Ja, Wenn es die Oberkeit von jhren Vnterthanen, oder sonst die not erfordert trewe vnd Warheit zu Gottes Ehr, vnd deß Nächsten Heil dardurch zuerhalten vnnd zufürdern. Denn solches Eydschweren ist in Gottes wort gegründet, vnnd derhalben von den Heiligen im alten vnnd newen Testament recht gebraucht worden.
[65]Darf man aber überhaupt bei dem Namen Gottes einen Eid schwören?
Ja, wenn es die Obrigkeit fordert oder die Not es gebietet, auf diese Weise Treue und Wahrheit zu Gottes Ehre und des Nächsten Wohl zu erhalten und zu fördern. Denn solches Schwören ist in Gottes Wort begründet. Deshalb haben die Menschen im Alten und Neuen Testament zu Recht davon Gebrauch gemacht.
HC Q102
[57]Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen Eyd schweren?
Nein: Denn ein rechtmässiger Eyd ist ein anruffung GOttes, daß er als der einig Hertzkündiger, der Warheit zeugnuß wölle geben, vnnd mich straffen, so ich falsch schwere, welche Ehre denn keiner Creaturen gebüret.
Darf man auch bei den Heiligen oder anderen Geschöpfen schwören?
Nein; denn in einem rechtmäßigen Eid rufe ich Gott selbst zum Zeugen an, daß er, der allein die Herzen kennt, die Wahrheit bestätige und mich strafe, wenn ich falsch schwöre. Diese Ehre aber gebührt keinem Geschöpf.
HC LD 38number: “Der 38. Sontag.” vs “38. Sonntag”
Der 38. Sontag.
38. Sonntag
HC Q103
Was wil Gott in dem vierden Gebott?
Gott wil erstlich, daß das Predigampt vnnd Schulen erhalten werde, vnd ich, sonderlich am Feyertag, zu der Gemeine Gottes fleissig kompt, das Wort Gottes zulehrnen, die heiligen Sacrament zugebrauchen, den Herren offentlich anzuruffen, vnnd das Christlich Allmosen zugeben: Zum andern, daß ich alle tag meines lebens von meinen bösen wercken feyre, den HErren[58]durch seinen Geist inn mir wircken lasse, vnnd also den ewigen Sabbath in diesem leben anfange.
[66]Was will Gott im vierten Gebot?
Gott will zum einen, daß das Predigtamt und die christliche Unterweisung erhalten bleiben und daß ich, besonders am Feiertag, zu der Gemeinde Gottes fleißig komme. Dort soll ich Gottes Wort lernen, die heiligen Sakramente gebrauchen, den Herrn öffentlich anrufen und in christlicher Nächstenliebe für Bedürftige spenden.
Zum andern soll ich an allen Tagen meines Lebens von meinen bösen Werken feiern* und den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lassen.
So fange ich den ewigen Sabbat schon in diesem Leben an.
* »feiern« = ablassen
HC LD 39number: “VIII. LECTIO. Der 39. Sontag.” vs “39. Sonntag”
VIII. LECTIO. Der 39. Sontag.
39. Sonntag
HC Q104
Was wil Gott im fünfften Gebott?
Daß ich meinem Vatter vnd Mutter, vnd allen die mir fürgesetzt sein, alle ehre, liebe vnd trew beweisen, vnd mich aller guten Lehr vnd straff mit gebürlichem gehorsam vnterwerffen, vnnd auch mit jhren gebrechen gedult haben soll, dieweil vns GOTT durch jhre Hand regieren wil.
[67]Was will Gott im fünften Gebot
Ich soll meinem Vater und meiner Mutter und allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue erweisen und alle gute Lehre und Strafe mit gebührendem Gehorsam annehmen, auch mit ihren Schwächen und Fehlern Geduld haben, weil Gott uns durch ihre Hand regieren will.
HC LD 40number: “Der 40. Sontag.” vs “40. Sonntag”
Der 40. Sontag.
40. Sonntag
HC Q105
Was wil Gott im sechsten Gebott?
Daß ich meinen Nächsten weder mit gedancken, noch mit worten oder geberden, viel weniger mit der that, durch mich selbst oder andere schmähen, hassen, beleidigen, oder tödten, sondern alle Rachgirigkeit ablegen, [59]auch mich selbst nicht beschädigen, oder mutwillig in gefahr begeben soll, Darumb auch die Oberkeit dem Todschlag zuwehren, das Schwerdt trägt.
Was will Gott im sechsten Gebot?
Ich soll meinen Nächsten weder mit Gedanken noch mit Worten oder Gebärden, erst recht nicht mit der Tat, auch nicht mit Hilfe anderer, schmähen, hassen, beleidigen oder töten. Ich soll vielmehr alle Rachgier ablegen, mir auch nicht selbst Schaden zufügen oder mich mutwillig in Gefahr begeben. Darum hat auch der Staat den Auftrag, durch seine Rechtsordnung das Töten zu verhindern.
HC Q106
Redet doch diß Gebott allein vom tödten?
Es wil vns aber Gott durch verbietung deß Todtschlags lehren, daß er die Wurtzel deß Todtschlags, als neid, haß, zorn, rachgirigkeit hasset, vnnd daß solches alles für jhm ein heimlicher Todtschlag seye.
[68]Redet denn dieses Gebot nur vom Töten?
Nein. Gott will uns durch das Verbot des Tötens lehren, daß er schon die Wurzel des Tötens, nämlich Neid, Haß, Zorn und Rachgier haßt und daß alles für ihn heimlichesTöten ist.
HC Q107
Jsts aber damit gnug, daß wir vnsern Nechsten, wie gemeldt, nit tödten?
Nein: Denn in dem Gott neid, haß vnd zorn verdampt, wil er von vns haben, daß wir vnsern Nechsten lieben als vns selbst, gegen jm gedult, friede, sanfftmut, barmhertzigkeit, vnnd freundtligkeit erzeigen, seinen schaden, so viel vns möglich, abwenden, [60]vnd auch vnsern Feinden guts thun.
Haben wir das Gebot schon erfüllt, wenn wir unseren Nächsten nicht töten?
Nein. Indem Gott Neid, Haß und Zorn verdammt, will er, daß wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst, ihm Geduld, Frieden, Sanftmut, Barmherzigkeit und Freundlichkeit erweisen, Schaden, so viel uns möglich, von ihm abwenden, und auch unseren Feinden Gutes tun.
HC LD 41number: “Der 41. Sontag.” vs “41. Sonntag”
Der 41. Sontag.
41. Sonntag
HC Q108
Was wil das siebende Gebott?
Daß alle vnkeuschheit von GOtt vermaledeyet sey, vnd daß wir darumb jhr von Hertzen feind sein, vnnd keusch vnd züchtig leben sollen, es sey im heiligen Ehestand oder ausserhalb desselben.
[69]Was will Gott im siebenten Gebot?
Gott verurteilt alle Zügellosigkeit. Darum sollen wir ihr von Herzen feind sein, rücksichtsvoll und verantwortungsbewußt leben, sei es nun in der Ehe oder außerhalb derselben.
HC Q109
Verbeut GOtt inn diesem Gebott nichts mehr denn Ehebruch vnnd dergleichen schanden?
Dieweil beyde vnser Leib vnd Seel Tempel deß heiligen Geistes sein, so wil er, daß wir sie beyde sauber vnnd heilig bewaren. Verbeut derhalben alle vnkeusche thaten, geberden, wort, gedancken, lust, vnnd was den Menschen darzu reitzen mag.
Verbietet Gott in diesem Gebot allein den Ehebruch?
Nein. Weil beide, unser Leib und unsere Seele, Tempel des Heiligen Geistes sind, darum will Gott, daß wir beide rein und heilig bewahren. Er verbietet deshalb alle zügellosen Taten, Gebärden, Worte, Gedanken, Begierden und alles, was den Menschen dazu reizen kann.
HC LD 42number: “Der 42. Sontag.” vs “42. Sonntag”
Der 42. Sontag.
42. Sonntag
HC Q110
Was verbeut Gott im achten Gebott?
[61]Er verbeut nit allein den Diebstal, vnnd Rauberey, welche die Oberkeit strafft: sonder Gott nennet auch Diebstal alle böse stück vnd anschläge, damit wir vnsers Nechsten Gut gedencken an vns zubringen, es sey mit gewalt oder schein deß rechtens, als vnrechtem Gewicht, Elen, Maß, Wahr, Müntz, Wucher, oder durch einiges mittel, das von Gott verbotten ist: Darzu auch allen Geitz, vnnd vnnütze verschwendung seiner Gaben.
[70]Was verbietet Gott im achten Gebot?
Gott verbietet nicht nur Diebstahl und Raub, die nach staatlichem Recht bestraft werden. Er nennt Diebstahl auch alle Schliche und betrügerischen Handlungen, womit wir versuchen, unseres Nächsten Gut an uns zu bringen, sei es mit Gewalt oder einem Schein des Rechts: mit falschem Gewicht und Maß, mit schlechter Ware, gefälschtem Geld und Wucher, oder mit irgendeinem Mittel, das von Gott verboten ist. Er verbietet auch allen Geiz und alle Verschwendung seiner Gaben.
HC Q111
Was gebeut dir aber Gott in diesem Gebott?
Daß ich meines Nechsten nutz, wo ich kan vnd mag, fürdere, gegen jhm also handle, wie ich wolte daß man mit mir handlete, vnnd trewlich arbeite auff daß ich dem Dürfftigen inn seiner not helffen mög.
Was gebietet dir aber Gott in diesem Gebot?
Ich soll das Wohl meines Nächsten fördern, wo ich nur kann, und an ihm so handeln, wie ich möchte, daß man an mir handelt. Auch soll ich gewissenhaft arbeiten, damit ich dem Bedürftigen in seiner Not helfen kann.
HC LD 43number: “Der 43. Sontag.” vs “43. Sonntag”
Der 43. Sontag.
43. Sonntag
HC Q112
Was wil das neund Gebott?
[62]Daß ich wider niemand falsche zeugnuß geb, niemand seine wort verkere, kein Affterreder vnd Lästerer sey, niemand vnuerhört, vnd leichtlich verdammen helffe, sonder allerley liegen vnd triegen, als eigene werck deß Teufels, bey schwerem Gottes zorn vermeide, Jn Gerichts vnnd allen andern handlungen die Warheit liebe, auffrichtig sage vnnd bekenne, auch meines Nechsten Ehre vnd glimpff nach meinem vermögen rette vnd fördere.
[71]Was will Gott im neunten Gebot?
Ich soll gegen niemanden falsches Zeugnis geben, niemandem seine Worte verdrehen, nicht hinter seinem Rücken reden und ihn nicht verleumden. Ich soll niemanden ungehört und leichtfertig verurteilen helfen und alles Lügen und Betrügen als Werke des Teufels bei Gottes schwerem Zorn vermeiden. Vor Gericht und in all meinem Tun soll ich die Wahrheit lieben, sie aufrichtig sagen und bekennen und auch meines Nächsten Ehre und guten Ruf nach Kräften retten und fördern.
HC LD 44number: “Der 44. Sontag.” vs “44. Sonntag”
Der 44. Sontag.
44. Sonntag
HC Q113
Was wil das zehende Gebott?
Daß auch die geringste lust oder gedancken wider jrgend ein Gebott Gottes in vnser Hertz nimmermehr komen: sondern wir für vnnd für von gantzem Hertzen aller sünden feind sein, vnd lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen.
Was will Gott im zehnten Gebot?
Wir sollen in unserem Herzen keine Lust und keinen Gedanken aufkommen lassen, gegen irgendein Gebot Gottes zu handeln, sondern wir sollen jederzeit von ganzem Herzen aller Sünde feind sein und Lust zu aller Gerechtigkeit haben.
HC Q114
Können aber, die zu GOtt bekehret sind, solche Gebott vollkömlich halten?
[63]Nein: sonder es haben auch die aller heiligsten, so lang sie in diesem leben sind, nur einen geringen anfang dieses gehorsams: doch also, daß sie mit ernstlichem fürsatz, nicht allein nach etlichen, sonder nach allen Gebotten Gottes anfangen zuleben.
[72]Können aber die zu Gott Bekehrten diese Gebote vollkommen halten?
Nein, sondern es kommen auch die frömmsten Menschen in diesem Leben über einen geringen Anfang dieses Gehorsams nicht hinaus. Wohl aber beginnen sie, mit fester Absicht nicht nur nach einigen, sondern nach allen Geboten Gottes zu leben.
HC Q115
Warumb läst vns denn Gott also scharff die Zehen Gebott predigen, weil sie inn diesem leben niemand halten kan?
Erstlich, auff daß wir vnser gantzes lebenlang vnser sündliche art je lenger je mehr erkennen, vnnd so viel desto begieriger vergebung der Sünden vnnd Gerechtigkeit in Christo suchen. Darnach daß wir ohne vnderlaß vns befleissen, vnd Gott bitten vmb die Gnade deß H. Geists, daß wir je lenger je mehr zu dem Ebenbild GOttes ernewert werden, biß wir das ziel der vollkomenheit nach diesem leben erreichen.
[73]Warum läßt uns Gott denn die zehn Gebote so eindringlich predigen, wenn sie doch in diesem Leben niemand halten kann?
Erstens sollen wir unser ganzes Leben lang unsere sündige Art je länger, je mehr erkennen und um so begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christus suchen.
Zweitens sollen wir unaufhörlich uns bemühen und Gott um die Gnade des Heiligen Geistes bitten, daß wir je länger, je mehr zum Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir nach diesem Leben das Ziel der Vollkommenheit erreichen.
HC LD 45number: “IX. LECTIO. Der 45. Sontag.” vs “45. Sonntag”
IX. LECTIO. Der 45. Sontag.
45. Sonntag
HC Q116
[64]Warumb ist den Christen das Gebett nötig?
Darumb daß es das fürnemmeste stück der Danckbarkeit ist, welche Gott von vns erfordert, Vnd daß GOtt seine Gnade vnd heiligen Geist allein denen wil geben, die jhn mit Hertzlichem seufftzen ohne vnderlaß darumb bitten, vnd jm darfür dancken.
[74]Warum ist den Christen das Gebet nötig?
Weil es die wichtigste Gestalt der Dankbarkeit ist, die Gott von uns fordert, und weil Gott seine Gnade und seinen Heiligen Geist nur denen geben will, die ihn herzlich und unaufhörlich darum bitten und ihm dafür danken.
HC Q117
Was gehört zu einem solchen Gebett das Gott gefalle, vnd von jm erhöret werde?
Daß wir allein den einigen waren GOTT, der sich vns in seinem Wort hat offenbaret, vmb alles das er vns zubitten befohlen hat, von Hertzen anruffen, Vnsere not vnd Elend recht gründlich erkennen, vns für dem Angesicht seiner Maiestat zu demütigen, [65]Vnd diesen festen grund haben, daß er vnser Gebett, vnangesehen daß wir vnwirdig sind, doch vmb deß HERren CHRJsti willen gewißlich wölle erhören, wie er vns in seinem wort verheissen hat.
Was gehört zu einem Gebet, damit es Gott gefällt und von ihm erhört wird?
Erstens, daß wir allein den wahren Gott, der sich uns in seinem Wort geoffenbart hat, von Herzen anrufen um alles, was er uns zu bitten befohlen hat.
Zweitens, daß wir unsere Not und unser Elend gründlich erkennen, um uns vor seinem göttlichen Angesicht zu demütigen. [75]Drittens, daß wir diesen festen Grund haben, daß er unser Gebet trotz unserer Unwürdigkeit um des Herrn Christus willen gewiß erhören will, wie er uns in seinem Wort verheißen hat.
HC Q118
Was hat vns GOtt befohlen von jm zubitten?
Alle Geistliche vnnd Leibliche notturfft, welche der HErr CHristus begriffen hat, in dem Gebett, das er vns selbst gelehret.
Was hat uns Gott befohlen, von ihm zu erbitten?
Alles, was wir für unser geistliches und leibliches Leben nötig haben, wie es der Herr Christus in dem Gebet zusammengefaßt hat, das er uns selber lehrt.
HC Q119
Wie lautet dasselbe?
Vnser Vatter der du bist in Himeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Will geschehe auff Erden wie im Himmel. Vnser täglich Brodt gib vns [66]heut. Vnd vergib vns vnser schuld, als wir auch vergeben vnsern Schüldigern. Vnnd führe vns nit in versuchung, sondern erlöse vns vom bösen. Denn dein ist das Reich, vnd die Krafft, vnd die Herrligkeit in Ewigkeit, Amen.
[76]Wie lautet dieses Gebet?
Unser Vater im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wir auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen.
HC LD 46number: “Der 46. Sontag.” vs “46. Sonntag”
Der 46. Sontag.
46. Sonntag
HC Q120
Warumb hat vns Christus befohlen GOTT also anzureden, Vnser Vatter?
Daß er gleich im anfang vnsers Gebetts in vns erweckt die kindliche forcht vnnd zuuersicht gegen Gott, welche der grund vnsers Gebetts soll sein: Nemlich, daß GOTT vnser Vatter durch Christum worden sey, vnd wölle vns viel weniger versagen, warumb wir jhn im Glauben bitten, denn vnsere Vätter vns jrrdische ding abschlagen.
[77]Warum hat uns Christus befohlen, Gott so anzureden: »Unser Vater«?
Er will in uns gleich zu Anfang unseres Gebetes die kindliche Ehrfurcht und Zuversicht Gott gegenüber wecken, auf die unser Gebet gegründet sein soll; daß nämlich Gott durch Christus unser Vater geworden ist und uns das, worum wir ihn im Glauben bitten, noch viel weniger verweigern will, als unsere Väter uns irdische Dinge abschlagen.
HC Q121
[67]Warumb wirt hinzu gethan, Der du bist in den Himmeln?
Auff daß wir von der Himlischen Maiestet GOTtes nichts irrdisch gedencken vnnd von seiner Allmächtigkeit alle notturfft Leibs vnd der Seelen gewarten.
Warum wird hinzugefügt: »Im Himmel«?
Wir sollen von der himmlischen Hoheit Gottes nichts Irdisches denken und von seiner Allmacht alles erwarten, was für Leib und Seele nötig ist.
HC LD 47number: “Der 47. Sontag.” vs “47. Sonntag”
Der 47. Sontag.
47. Sonntag
HC Q122
Was ist die erste Bitt?
Geheiliget werde dein Name, das ist, gib vns erstlich, daß wir dich recht erkennen, vnnd dich in allen deinen wercken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weißheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmhertzigkeit, vnnd Warheit, heiligen rühmen vnd preisen Darnach auch, daß wir vnser gantzes leben, gedancken, wort vnd werck dahin richten, daß dein Name vmb vnsert willen nicht gelästert, sondern geehret vnd gepriesen werde.
[78]Was bedeutet die erste Bitte: »Geheiligt werden dein Name«?
Damit beten wir: Gib uns zuerst, daß wir dich recht erkennen und dich heiligen, rühmen und preisen in allen deinen Werken, in denen deine Allmacht, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit leuchten. Gib uns auch, daß wir unser ganzes Leben, unsere Gedanken, Worte und Werke darauf richten, daß dein Name unsertwegen nicht gelästert, sondern geehrt und gepriesen werde.
HC LD 48number: “Der 48. Sontag.” vs “48. Sonntag”
Der 48. Sontag.
48. Sonntag
HC Q123
[68]Was ist die ander Bitt?
Zukomm dein Reich, das ist, regiere vns also durch dein Wort vnnd Geist, daß wir vns dir je lenger je mehr vnterwerffen: erhalt vnd mehre deine Kirchen, vnnd zerstöre die Werck deß Teufels, vnnd allen gewalt der sich wider dich erhebt, vnnd alle böse Rahtschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden, biß die vollkommenheit deines Reichs herzu komme, darinn du wirst alles in allen sein.
[79]Was bedeutet die zweite Bitte: »Dein Reich komme«?
Damit beten wir: Regiere uns durch dein Wort und deinen Geist, daß wir dir je länger, je mehr gehorchen. Erhalte und mehre deine Kirche und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich gegen dich erhebt, und alle Machenschaften, die gegen dein heiliges Wort erdacht werden, bis die Vollendung deines Reiches kommt, in dem du alles in allen sein wirst.
HC LD 49number: “Der 49. Sontag.” vs “49. Sonntag”
Der 49. Sontag.
49. Sonntag
HC Q124
Was ist die dritte Bitt?
Dein Will geschehe auff Erden wie im Himmel, das ist, verleihe, daß wir vnd alle Menschen vnserm eigenen willen absagen, vnnd deinem allein guten willen ohne alles widersprechen gehorchen, daß also jederman sein Ampt vnd Beruff so willig [69]vnd trewlich außrichte, wie die Engel im Himmel.
Was bedeutet die dritte Bitte: »Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden«?
Damit beten wir: Hilf, daß wir und alle Menschen unserm eigenen Willen absagen und deinem allein guten Willen ohne alles Widersprechen gehorchen, so daß jeder seine irdischen Aufgaben so willig und treu ausübt wie die Engel im Himmel.
HC LD 50number: “Der 50. Sontag.” vs “50. Sonntag”
Der 50. Sontag.
50. Sonntag
HC Q125
Was ist die vierde Bitt?
Gib vns heut vnser täglich Brodt, das ist, wollest vns mit aller Leiblicher notturfft versorgen, auff daß wir dardurch erkennen, daß du der einig vrsprung alles guten bist, vnd daß ohne deinen segen, weder vnsere sorgen vnnd arbeit, noch deine gaben vns gedeyen, vnd wir derhalben vnser vertrawen von allen Creaturen abziehen, vnd allein auff dich setzen.
[80]Was bedeutet die vierte Bitte: »Unser tägliches Brot gibt uns heute«?
Damit beten wir: Versorge uns mit allem, was für Leib und Leben nötig ist. Lehre uns dadurch erkennen, daß du allein der Ursprung alles Guten bist und daß ohne deinen Segen unsere Sorgen und unsere Arbeit wie auch deine Gaben uns nichts nützen. Laß uns deshalb unser Vertrauen von allen Geschöpfen abwenden und es allein auf dich setzen.
HC LD 51number: “Der 51. Sontag.” vs “51. Sonntag”
Der 51. Sontag.
51. Sonntag
HC Q126
Was ist die fünffte Bitt?
Vergib vns vnser schuld, als wir auch vergeben vnsern Schüldigern, das ist, wollest vns armen Sündern alle vnser Missethat, auch das böse, so vns noch jmmerdar anhenget vmb diß Bluts Christi willen [70]nicht zurechnen, wie auch wir diß zeugnuß deiner Gnad in vns befinden, daß vnser gantzer fürsatz ist, vnserm Nechsten von Hertzen zuuerzeihen.
Was bedeutet die fünfte Bitte: »Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern«?
Damit beten wir: Rechne uns armen Sündern alle unsere Missetat und das Böse, das uns immer noch anhängt, um des Blutes Christi willen nicht zu, wie auch wir es als Zeugnis deiner Gnade in uns finden, unserem Nächsten von Herzen verzeihen zu wollen.
HC LD 52number: “Der 52. Sontag.” vs “52. Sonntag”
Der 52. Sontag.
52. Sonntag
HC Q127
Was ist die sechste Bitt?
Vnd führe vns nit in versuchung, sondern erlöse vns vom bösen, das ist, dieweil wir auß vns selbst so schwach sein, daß wir nicht einen Augenblick bestehen können, vnd darzu vnsere abgesagte Feind, der Teufel, die Welt, vnnd vnser eigen Fleisch nicht auffzuhören vns anzufechten: so wollest vns erhalten vnnd stercken durch die Krafft deines heiligen Geistes, auff daß wir jhnen mögen festen widerstandt thun, vnnd inn diesem Geistlichen streit nit vnden ligen, biß daß wir endlich den Sieg vollkömlich behalten.
[81]Was bedeutet die sechste Bitte: »Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen«?
Damit beten wir: Aus uns selbst sind wir so schwach, daß wir nicht einen Augenblick bestehen können. Auch hören unsere erklärten Feinde, der Teufel, die Welt und unser eigenes Wesen, nicht auf, uns anzufechten. Darum erhalte und stärke uns durch die Kraft deines Heiligen Geistes, daß wir ihnen fest widerstehen und in diesem geistlichen Streit nicht unterliegen, bis wir endlich den völligen Sieg davontragen.
HC Q128
Wie beschleust du diß Gebet?
[71]Denn dein ist das Reich, die Krafft, vnnd die Herrligkeit in Ewigkeit, das ist, Solches alles bitten wir darumb von dir, daß du als vnser König, vnnd aller ding mächtig, vns alles guts geben wilst vnnd kanst, vnnd daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig soll gepriesen werden.
[82]Wie beschließt du dieses Gebet? »Dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit«.
Damit beten wir: Dies alles erbitten wir darum von dir, weil du als unser König und aller Dinge mächtig uns alles Gute geben willst und kannst, und daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig gepriesen werde.
HC Q129
Was heist das wörtlein, Amen?
Amen heist das soll war vnd gewiß sein. Denn mein Gebett viel gewisser von Gott erhöret ist denn ich in meinem hertzen füle, daß ich solches von im begere.
Was bedeutet das Wort: »Amen«?
Amen heißt: Das ist wahr und gewiß! Denn mein Gebet ist von Gott viel gewisser erhört, als ich in meinem Herzen fühle, daß ich dies alles von ihm begehre.
Catechismus
German · Heidelberg: Mayer, 1576
Catechismus Oder Christlicher vnterricht, wie der in Kirchen vnd Schulen der Churfürstlichen Pfaltz getrieben wirt: Sampt den Kirchen Ceremonien vnd Gebetten. Jetzt auffs new getruckt, mit zuthuung der Versickel. Getruckt in der Churfürstlichen Statt Heidelberg, durch Johannem Meyer, 1576. The transcription follows the copy in the Universitätsbibliothek Heidelberg, Q 7188-4-2 RES (digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/friedrich1576; Public Domain Mark). The volume contains a preface, the catechism (pp. 1–71), the “Sprüche der heiligen Schrifft” for the several estates (from p. 72), and the church prayers and liturgical forms; only the catechism is given here.
The edition. The book appeared in 1576, the year of the death of Elector Frederick III, shortly before his son Ludwig VI restored Lutheranism in the Palatinate. As the title says, it is a reprint “with the addition of the verses” (mit zuthuung der Versickel): the marginal Scripture references of the earlier editions, which give book and chapter only, here carry verse numbers as well (Q 1 “Ro. 14. 8.”, “1. Cor. 3. 16. 23.”, “1. Pet. 1. 19.”). The text is that of the received form of the catechism, with the full answer to Q 80 (“… ein verleugnung deß einigen Opffers vnd Leidens Jesu Christi, vnd ein vermaledeyte Abgötterey”) and the marginal note to Q 80 “In Cano. Miss. Item De Conse. Distinct. 2.” The catechism is divided into nine “Lectiones” and 52 Sundays (“I. LECTIO. Der 1. Sontag” …), which stand in the margin and are given here as headings before the question with which they begin. The same year saw another Heidelberg printing of the book with the same title and text but a different setting of type, without the printer’s name and with leaf instead of page numbers (Universitätsbibliothek Heidelberg, Q 7188-4-3 RES, friedrich1576a); it has been consulted where the ink of this copy is smudged.
Proof-texts. The marginal references are lettered a, b, c … beside the text; the lettering begins again on each page, as in the print. They are given after each answer in the order of the print, with their abbreviations, punctuation and many evident errors (e.g. Q 1 “Cor. 6. versu. 19.”, Q 71 “Tim. 3. 5.” for Tit. 3, 5, Q 80 “Colos. 31”). A few references are partly cut off at the inner margin; the missing figures are supplied in square brackets. Where a reference stands in the margin without a letter, it is attached to the nearest letter or to the end of the answer.
Transcription conventions. Spelling, capitalization and punctuation follow the print (u/v, i/j and vnd/vnnd as printed); abbreviations are expanded (“vñ” → “vnd”, “Hellē” → “Hellen”), and the oblique stroke (virgula) is rendered as a comma. The words of the Ten Commandments, the institution of the sacraments and the Lord’s Prayer, printed in a larger type, are given in ordinary type; the headings of the commandments in Q 92 are given in italics. Hyphens at line ends are removed; a page break inside a word is marked at the break. Running heads, catchwords, signatures and the labels “Frag.” and “Antwort.” are omitted. Printer’s errors are kept, e.g. “Mnsechlich” (Q 16), “Sönopffer” (Q 37), “von diesem Reich zutrincken” (for Kelch, Q 75), “eines Brodst” (Q 77), “vmb diß Bluts Christi willen” (Q 126); the Sunday misnumbered “Der 10. Sontag” (for the 16th) is given as “Der 10. [16.] Sontag”, and the heading of the 35th Sunday, which is missing in the print, is supplied as “[Der 35. Sontag.]”.
German · Revidierte Ausgabe 1997 (Reformierter Bund)
Heidelberger Katechismus. Revidierte Ausgabe 1997. Published by the Evangelisch-reformierte Kirche (Synode ev.-ref. Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland), the Lippische Landeskirche and the Reformierter Bund; foreword dated Leer and Detmold, spring 1997. This is the current German text of the Heidelberg Catechism as approved by the synods of the Evangelisch-reformierte Kirche and the Lippische Landeskirche for use in the congregations. Click any page number in the text to see that page of the original.
The text. According to its foreword, the 1997 revision follows the earlier revision of the Jubilee edition of 1963 under the principle “so close to the original text as possible and as free as necessary”. For a number of important questions the booklet also prints the older wording of the Jubilee edition (“Ältere Fassung”) beside the revised text; these older wordings are not included here. The foreword, the history of the Catechism by J. F. Gerhard Goeters and other matter outside the questions and answers are also not included.
Layout. The print sets the text in sense-lines, grouped in short paragraphs; here the lines of each paragraph are run on, and the paragraphs are kept as line breaks. The 52 Sundays and the headings of the three parts and their sections are kept. Bible references stand in the margin beside the line they belong to; here they are numbered per question and the number is placed at the end of that line. The labels “Das 1. Gebot” … in the margin of Q 92 are given as subheadings. Q 23 gives both the ecumenical wording of the Apostles’ Creed and the older wording the Catechism explains, as printed. The footnotes to Q 48 (on “unbegreiflich”) and Q 80 (the declaration of the Moderamen of the Reformierter Bund on the condemnation of the Mass) are given after the answer.
Conventions. Spelling and punctuation follow the print (pre-1996 orthography, “daß”, “muß”). Letter-spaced “A m e n” in Q 129 is given in italics. Evident typesetting slips are kept, for example “seinenWohltaten” (Q 53), “gewißmachen” (Q 73), “undder” (Q 85), “heimlichesTöten” (Q 106), “Geheiligt werden dein Name” (Q 122) and “gibt uns heute” (Q 125).