Heidelberg Catechism — compare

2nd ed. 1563 (Libri symbolici, Vinke, 1846) vs Wien 1885 (German) · 131 of 132 units differ · back to reader

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2nd ed. 1563 (Libri symbolici, Vinke, 1846)
Wien 1885
HC Q1
[302]Was ist dein einiger trost in leben und in sterben?

Dass ich mit Leib und Seel, beyde in leben und in sterben, nicht mein, sondern meines getrewen Heilands Jesu Christi eigen bin, der mit seinem thewren blut, für alle meine sünden volkomlich bezalet, und mich auss allem gewalt des Teufels erlöset hat, und also bewaret, dass ohne den willen meines Vaters im himmel, kein haar von meinem haupt kan fallen, ja auch mir alles zu meiner seligkeit dienen muss. Darumb er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen lebens versichert, und im forthin zu leben von hertzen willig und bereit macht.
[3]Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?

Dass ich mit Leib und Seele, beides im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin, der mit seinem theuren Blute für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlet, und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöset hat, und also bewahret, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja auch mir Alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens versichert, und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht.
HC Q2
Wieviel stück seind dir nötig zu wissen, dass du in diesem trost seliglich leben und sterben mögest?

Drey stück. Erstlich wie gross meine sünde und [304]elend seyen. Zum andern, wie ich von allen meinen sünden und elend erlöset werde. Und zum dritten, wie ich Gott für solche erlösung soll danckbar sein.
Wie viel Stücke sind dir nöthig zu wissen, dass du in diesem Trost seliglich leben und sterben mögest?

Drei Stücke; erstlich: wie groß meine Sünde und Elend sei; zum andern: wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöset werde; und [4]zum dritten: wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein.
HC PART 1
DER ERSTE THEIL. VON DES MENSCHEN ELEND.
DER ERSTE THEIL. VON DES MENSCHEN ELEND.
HC Q3
Woher erkennestu dein elend?

Auss dem Gesetz Gottes.
Woher erkennest du dein Elend?

Aus dem Gesetze Gottes.
HC Q4
Wass erfordert denn das Göttlich gesetz von uns?

Diss lehret uns Christus in einer summa, Matth. am 22. Du solt lieben Gott deinen Herren, von gantzem hertzen, von gantzer seelen, von gantzem gemüth und allen krefften, diss ist das fürnemste und das gröste gebot: Das ander aber ist dem gleich, Du solt deinen Nechsten lieben als dich selbs. In diesen zweyen Gebotten hanget das gantze gesetz und die Propheten.
Was erfordert denn das göttliche Gesetz von uns?

Dies lehret uns Christus in einer Summa, Matth. am 22. Kap. V. 37. 38. 39. 40: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüth und allen Kräften. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten.
HC Q5
Kanstu diss alles volkomlich halten?

Nein: denn ich bin von Natur geneigt Gott und meinen Nechsten zu hassen.
Kannst du dies Alles vollkömmlich halten?

Nein; denn ich bin von Natur geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen.
HC Q6
[306]Hat denn Gott den menschen also böss und verkert erschaffen?

Nein: sondern Gott hat den menschen gut, und nach seinem ebenbild erschaffen, das ist, in warhafftiger gerechtigkeit und heiligkeit, auff das er Gott seinen schöpffer recht erkennte, und von hertzen liebte, und in ewiger seligkeit mit im lebte, in zu loben und zu preisen.
[5]Hat denn Gott den Menschen also böse und verkehrt erschaffen?

Nein, sondern Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen, das ist, in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf dass er Gott, seinen Schöpfer, recht erkennete, und von Herzen liebte, und in ewiger Seligkeit mit ihm lebte, Ihn zu loben und zu preisen.
HC Q7
Woher kompt denn solche verderbte art des menschen?

Auss dem fall und ungehorsam unser ersten Eltern Adams und Even im Paradeis, da unser Natur also vergifftet worden, dass wir alle in sünden empfangen und geboren werden.
Woher kommt denn solche verderbte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva, im Paradiese; da unsere Natur also vergiftet worden, dass wir Alle in Sünden empfangen und geboren werden.
HC Q8
Seind wir aber dermassen verderbt, dass wir gantz und gar untüchtig seind zu einigem guten, und geneigt zu allem bösen?

Ja: Es sey denn, dass wir durch den Geist Gottes widergeboren werden.
Sind wir aber dermaßen verderbt, dass wir ganz und gar untüchtig sind zu einigem Guten und geneigt zu allem Bösen?

Ja; es sei denn, dass wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden.
HC Q9
Thut denn Gott dem menschen nicht unrecht, dass er in seinem gesetz von im fordert das er nicht kan thun?

[308]Nein: Denn Got hat den menschen also erschaffen, dass er es kondte thun, der Mensch aber hat sich und alle seine nachkommen, auss anstifftung des Teufels, durch mutwilligen ungehorsam derselbigen gaben beraubt.
Thut denn Gott dem Menschen nicht unrecht, dass er in seinem Gesetz von ihm fordert, das er nicht thun kann?

Nein; denn Gott hat den Menschen also erschaffen, dass er es konnte thun, der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen aus Anstiftung des Teufels, durch muthwilligen Ungehorsam, derselbigen Gaben beraubet.
HC Q10
Wil Gott solchen ungehorsam und abfall ungestrafft lassen hingehen?

Mit nichten: sonder er zürnet schrecklich, beyde uber angeborne und würckliche sünden, und wil sie auss gerechtem urtheil zeitlich und ewig straffen, wie er gesprochen hat: Verflucht sey iederman, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet in dem buch des Gesetzes, dass ers thue.
[6]Will Gott solchen Ungehorsam und Abfall ungestraft lassen hingehen?

Mit nichten, sondern er zürnet schrecklich, beide über angeborne und wirkliche Sünden, und will sie aus gerechtem Urtheil zeitlich und ewig strafen, wie er gesprochen hat: Verflucht sei Jedermann, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet im Buch des Gesetzes, dass er's thue.
HC Q11
Ist denn Gott nicht auch barmhertzig?

Gott ist wol barmhertzig, er ist aber auch gerecht, derhalben erfordert seine gerechtigkeit, dass die sünde, welche wider die allerhöchste maiestet Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, der ewigen straff an leib und seel gestrafft werde.
Ist denn Gott nicht auch barmherzig?

Gott ist wohl barmherzig, er ist aber auch gerecht. Derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, dass die Sünde, welche wider die allerhöchste Majestät Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist, mit der ewigen Strafe an Leib und Seele gestraft werde.
HC PART 2
DER ANDER THEIL. VON DES MENSCHEN ERLÖSUNG.
DER ANDERE THEIL. VON DES MENSCHEN ERLÖSUNG.
HC Q12
[310]Dieweil wir denn nach dem gerechten urtheil Gottes zeitliche und ewige straff verdient haben: wie möchten wir dieser straff entgehen, und widerumb zu gnaden kommen?

Gott wil dass seiner gerechtigkeit genug geschehe, derwegen müssen wir derselben entweder durch uns selbst, oder durch einen andern volkomene bezalung thun.
Dieweil wir denn nach dem gerechten Urtheil Gottes zeitliche und ewige Strafe verdient haben: wie mögen wir dieser Strafe entgehen und wiederum zu Gnaden kommen?

Gott will, dass seiner Gerechtigkeit genug geschehe; derwegen müssen wir derselben entweder durch uns [7]selbst, oder durch einen Andern vollkommene Bezahlung thun.
HC Q13
Können wir aber durch uns selbst bezalung thun?

Mit nichten: sonder wir machen auch die schuldt noch teglich grösser.
Können wir aber durch uns selbst Bezahlung thun?

Mit nichten, sondern wir machen auch die Schuld noch täglich größer.
HC Q14
Kan aber irgendt eine blosse Creatur für uns bezalen?

Keine: Denn erstlich wil Gott an keiner andern Creatur straffen, das der mensch verschuldet hat. Zum andern, so kan auch kein blosse Creatur den last des ewigen zorns Gottes wider die sünde ertragen, und andere darvon erlösen.
Kann aber irgend eine andere oder bloße Kreatur für uns bezahlen?

Keine; denn erstlich: will Gott an keiner andern Kreatur strafen, was der Mensch verschuldet hat. Zum andern: so kann auch keine bloße Kreatur die Last des ewigen Zorns Gottes wider die Sünde ertragen und andere davon erlösen.
HC Q15
Was müssen wir denn für einen Mittler und Erlöser suchen?

[312]Einen solchen, der ein warer, und gerechter mensch, und doch stercker denn alle Creaturen, das ist, zugleich warer Gott sey.
Was müssen wir denn für einen Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch, und doch stärker, denn alle Kreaturen, das ist, zugleich wahrer Gott sei.
HC Q16
Warumb muss er ein warer und gerechter mensch sein?

Darumb, dass die gerechtigkeit Gottes erfordert, dass die menschliche natur, die gesündiget hat, für die sünde bezale: und aber einer, der selbst ein sünder were, nicht köndte für andere bezalen.
Warum musste er ein wahrer und gerechter Mensch sein?

Darum, dass die Gerechtigkeit Gottes erfordert, dass die menschliche Natur, die gesündigt hat, für die Sünde bezahle; und aber Einer, der selbst ein Sünder wäre, nicht könnte für andere bezahlen.
HC Q17
Warumm muss er zugleich warer Gott sein?

Dass er auss krafft seiner Gottheit, den last des zorns Gottes, an seiner menschheit ertragen, und uns die gerechtigkeit, und dass leben erwerben, und widergeben möchte.
[8]Warum musste er zugleich wahrer Gott sein?

Dass er aus Kraft seiner Gottheit die Last des Zornes Gottes an seiner Menschheit ertragen, und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben möchte.
HC Q18
Wer ist aber derselbe mittler, der zugleich warer Gott, und ein warer gerechter mensch ist?

Unser Herr Jesus Christus, der uns zur volkomenen erlösung und gerechtigkeit geschenckt ist.
Wer ist aber derselbe Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer gerechter Mensch ist?

Unser Herr Jesu Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist.
HC Q19
[314]Woher weistu das?

Auss dem heiligen Euangelio, welchs Gott selbst anfenglich im Paradeis hat offenbaret: folgends durch die heilige Ertzvetter und Propheten lassen verkündigen, und durch die opffer und andere ceremonien des gesetzes fürgebildet. Entlich aber durch seinen eingeliebten Son erfüllet.
Woher weißt du das?

Aus dem heiligen Evangelio, welches Gott selbst anfänglich im Paradies hat geoffenbaret, folgends durch die heiligen Erzväter und Propheten lassen verkündigen, und durch die Opfer und andere Ceremonien des Gesetzes vorgebildet, endlich aber durch seinen eingeliebten Sohn erfüllet.
HC Q20
Werden denn alle menschen widerumm durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein: sonder allein die jenigen, die durch waren glauben im werden eingeleibet, und alle seine wolthaten annemen.
Werden denn alle Menschen wiederum durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein, sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben Ihm werden eingeleibet und alle seine Wohlthaten annehmen.
HC Q21
Was ist warer glaub?

Es ist nicht allein ein gewisse erkanntnuss, dardurch ich alles für war halte, was uns Gott in seinem wort hat offenbaret: sonder auch ein hertzliches vertrawen, welches der heilige Geist durchs Euangelium in mir würcket, dass nicht allein andern, sonder auch mir vergebung der Sünden, ewige gerechtigkeit und seligkeit von Gott geschenckt sey, auss lauter gnaden, allein umb des verdiensts Christi willen.
[9]Was ist wahrer Glaube?

Es ist nicht allein eine gewisse Erkenntnis, dadurch ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort hat geoffenbaret, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der heilige Geist durch's Evangelium in mir wirket, dass nicht allein Andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt sei, aus lauter Gnaden, allein um des Verdienstes Christi willen.
HC Q22
[316]Was ist aber einem Christen noth zu glauben?

Alles was uns im Euangelio verheissen wird, welchs uns die Artickel unsers algemeinen ungezweiffelten Christlichen Glaubens in einer summa lehren.
Was ist aber einem Christen noth zu glauben?

Alles, was uns im Evangelio verheißen wird, welches uns die Artikel unsers allgemeinen, ungezweifelten, christlichen Glaubens in einer Summe lehren.
HC Q23
Wie lauten dieselben?

Ich glaub in Gott Vater, den almechtigen, Schöpffer himmels und der erden. Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Son unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren auss Maria der Jungfrawen, gelitten under Pontio Pilato, gecreutziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hellen, am dritten tage wider aufferstanden von den todten, auffgefaren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes des allmechtigen Vaters, von dannen er komen wird, zu richten die lebendigen und die todten. Ich glaub in den heiligen Geist, eine heilige allgemeine Christliche Kirche, die gemeinschafft der Heiligen, vergebung der sünden, aufferstehung des fleisches, und ein ewigs leben.
Wie lauten dieselbigen?

Ich glaube in Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde. Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten hat unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am [10]dritten Tage wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube in den heiligen Geist, eine heilige, allgemeine, christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.
HC Q24
Wie werden diese Artickel abgetheilt?

In drey theil. Der erst ist von Gott dem Vater, und unser erschöpffung. Der ander von Gott dem Son, und unser erlösung. Der dritt von Gott dem heiligen Geist, und unser Heiligung.
Wie werden diese Artikel abgetheilt?

In drei Theile: Der erste ist von Gott dem Vater und unserer Erschaffung, der andere von Gott dem Sohn und unserer Erlösung, der dritte von Gott dem heiligen Geist und unserer Heiligung.
HC Q25
[318]Dieweil nur ein einig Göttlich wesen ist: warumb nennestu drey, den Vater, Son und heiligen Geist?

Darumb dass sich Gott also in seinem wort geoffenbaret hat, dass diese drey underschiedliche Personen, der einig warhafftig ewig Gott seind.
Dieweil nur ein einig göttlich Wesen ist, warum nennest du drei, den Vater, Sohn und heiligen Geist?

Darum, dass sich Gott also in seinem Wort geoffenbaret hat, dass diese drei unterschiedliche Personen der einige, wahrhaftige, ewige Gott sind.
HC Q26
Was glaubestu, wenn du sprichst, Ich glaub in Gott Vater, den allmechtigen, Schöpffer himels und der erden?

Dass der ewig Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erden sampt allem was drinnen ist, auss nichts erschaffen, auch dieselbigen noch durch seinen ewigen rhat und fürsehung erhelt und regieret: umb seines Sons Christi willen, mein Gott und mein Vater sey, auff welchen ich also vertrawe, dass ich nicht zweiffel, er werde mich mit aller notdurfft leibs und der seelen versorgen, auch alles ubel, so er mir in diesem jamerthal zuschicket, mir zu gut wenden; dieweil ers thun kan, als ein almechtiger Gott: und auch thun wil als ein getrewer Vater.
Was glaubst du, wenn du sprichst: Ich glaube in Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden?

Dass der ewige Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erde sammt allem, was darinnen ist, aus Nichts erschaffen, auch dieselbigen noch [11]durch seinen ewigen Rath und Vorsehung erhält und regieret, um seines Sohnes Christi willen, mein Gott und mein Vater sei, auf welchen ich also vertraue, dass ich nicht zweifele, er werde mich mit aller Nothdurft des Leibes und der Seele versorgen, auch alles Uebel, so er mir in diesem Jammerthal zuschicket, mir zu gut wenden, dieweil Er es thun kann als ein allmächtiger Gott, und auch thun will als ein getreuer Vater.
HC Q27
[320]Was verstehestu durch die fürsehung Gottes?

Die allmechtige und gegenwertige krafft Gottes, durch welche er himmel und erde, sampt allen Creaturen, gleich als mit seiner hand noch erhelt, und also regiert, dass laub und grass, regen und dürre, fruchtbare und unfruchtbare jar, essen und trincken, gesundheit und kranckheit, reichthumb und armuth, und alles, nicht ohne gefehr, sonder von seiner väterlichen hand uns zukomme.
Was verstehst du durch die Vorsehung Gottes?

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch welche er Himmel und Erde, sammt allen Kreaturen, gleich als mit seiner Hand noch erhält und also regieret, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichthum und Armuth, und Alles nicht ungefähr, sondern von seiner väterlichen Hand uns zukomme.
HC Q28
Was für nutz bekommen wir auss erkanntnuss der schöpffung und fürsehung Gottes?

Dass wir in aller widerwertigkeit gedultig, in glückseligkeit danckbar, und auffs zukünfftig guter zuversicht zu unserm getrewen Gott und Vater sein sollen, dass uns keine Creatur von seiner liebe scheiden wird, dieweil alle Creaturen also in seiner hand sind, dass sie sich one seinen willen auch nicht regen noch bewegen können.
Was für Nutzen bekommen wir aus der Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes?

Dass wir in aller Widerwärtigkeit geduldig, in Glückseligkeit dankbar, und auf's Zukünftige [12]guter Zuversicht zu unserm getreuen Gott und Vater sein sollen, dass uns keine Kreatur von seiner Liebe scheiden wird, dieweil alle Kreaturen also in seiner Hand sind, dass sie sich ohne seinen Willen auch nicht regen noch bewegen können.
HC Q29
Warumb wirdt der Son Gottes Jesus, das ist, seligmacher genannt?

Darumb dass er uns selig macht von unsern sün[322]den, und dass bey keinem andern einige seligkeit zu suchen noch zu finden ist.
Warum wird der Sohn Gottes JESUS, das ist Seligmacher, genannt?

Darum, dass er uns selig macht von unsern Sünden, und dass bei keinem Andern einige Seligkeit weder zu suchen, noch zu finden ist.
HC Q30
Glauben denn die auch an den einigen seligmacher Jesum, die ire seligkeit und heil bey heiligen, bey inen selbst, oder anderstwo suchen?

Nein: sonder sie verleugnen mit der that den einigen Seligmacher und Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rhümen. Denn entweder Jesus nicht ein volkommener Heiland sein muss: oder die diesen Heiland mit warem glauben annemen, müssen alles in im haben, dass zu irer seligkeit vonnöten ist.
Glauben denn die auch an den einigen Seligmacher Jesum, die ihre Seligkeit und Heil bei Heiligen, bei sich selbst, oder anderswo suchen?

Nein, sondern sie verleugnen mit der That den einigen Seligmacher und Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rühmen; denn entweder Jesus nicht ein vollkommener Heiland sein muss, oder die diesen Heiland mit wahrem Glauben annehmen, müssen Alles in ihm haben, das zu ihrer Seligkeit vonnöthen ist.
HC Q31
Warumb ist er Christus, das ist, ein gesalbter genannt?

Dass er von Gott dem Vater verordnet, und mit dem heiligen Geist gesalbet ist, zu unserm obersten Propheten und Lehrer, der uns den heimlichen rhat und willen Gottes von unser erlösung volkomlich offenbaret: Und zu unserem einigen hohen Priester, der uns mit dem einigen opffer seines Leibs erlöset hat, und imerdar mit seiner fürbitt für dem Vater vertritt: Und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem wort und Geist regiert, und bey der erworbenen erlösung schützet und erhelt.
Warum ist er Christus, das ist ein Gesalbter, genannt?

Dass er von Gott dem Vater verordnet, und mit dem heiligen Geist gesalbet ist zu unserm obersten Propheten und Lehrer, der uns den heimlichen Rath [13]und Willen Gottes von unserer Erlösung vollkömmlich offenbaret; und zu unserm einigen Hohenpriester, der uns mit dem einigen Opfer seines Leibes erlöset hat, und immerdar mit seiner Fürbitte vor dem Vater vertritt; und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regieret, und bei der erworbenen Erlösung schützet und erhält.
HC Q32
Warumb wirst aber du ein Christ genennt?

[324]Dass ich durch den glauben ein glied Christi, und also seiner salbung theilhafftig bin, auff dass auch ich seinen Namen bekenne, mich im zu einem lebendigen danckopffer darstelle, und mit freyem gewissen in diesem leben wider die sünde und Teufel streite, und hernach in ewigkeit mit im uber alle Creaturen hersche.
Warum wirst du aber ein Christ genannt?

Dass ich durch den Glauben ein Glied Christi, und also seiner Salbung theilhaftig bin, auf dass auch ich seinen Namen bekenne, mich ihm zu einem lebendigen Dankopfer darstelle, und mit freiem Gewissen in diesem Leben wider die Sünde und Teufel streite, und darnach in Ewigkeit mit ihm über alle Kreaturen herrsche.
HC Q33
Warumb heist er Gottes eingeborner Son, so doch wir auch kinder Gottes sind?

Darumb dass Christus allein der ewig natürlich Son Gottes ist: wir aber umb seinet willen auss gnaden zu kindern Gottes angenommen sind.
Warum heißt er Gottes eingeborner Sohn, so doch wir auch Kinder Gottes sind?

Darum, dass Christus allein der ewige natürliche Sohn Gottes ist; wir aber um seinetwillen aus Gnaden zu Kindern Gottes angenommen sind.
HC Q34
Warumb nennestu in unsern Herrn?

Dass er uns mit leib und seel von der sünden, und auss allem gewalt des Teufels, nicht mit golt oder silber, sonder mit seinem thewern Blut, ihm zum eigenthumb erlöset und erkaufft hat.
[14]Warum nennest du ihn unsern Herrn?

Dass er uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem theuren Blut sich zum Eigenthum erlöset und erkaufet hat.
HC Q35
Was heist, dass er empfangen ist von dem heiligen Geist, geborn aus Maria der Jungfrawen?

Dass der ewige Son Gottes, der warer und ewiger Gott ist, und bleibet, ware menschliche natur, [326]auss dem fleisch und blut der Jungfrawen Maria, durch würckung des heiligen Geists an sich genomen hat, auff dass er auch der ware samen Davids sey, seinen brüdern in allem gleich, aussgenommen die sünde.
Was heißt, dass er empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau?

Dass der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist und bleibet, wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria, durch Wirkung des heiligen Geistes an sich genommen hat, auf dass er auch der wahre Same Davids sei, seinen Brüder in Allem gleich, ausgenommen die Sünde.
HC Q36
Wass nutz bekomestu auss der heiligen empfengnuss und geburt Christi?

Dass er unser mittler ist, und mit seiner unschuldt und volkommenen heiligkeit meine sünde, darin ich bin empfangen, für Gottes angesicht bedecket.
Was für Nutzen bekommst du aus der heiligen Empfängnis und Geburt Christi?

Dass er unser Mittler ist und mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, darin ich bin empfangen, vor Gottes Angesicht bedecket.
HC Q37
Was verstehestu durch das wörtlein gelitten?

Dass er an leib und seel, die gantze zeit seines lebens auff erden, sonderlich aber am ende desselben, den zorn Gottes wider die sünde des gantzen menschlichen geschlechts getragen hat, auff das er mit seinem leiden, als mit dem einigen Sünopffer, unser leib und seel von der ewigen verdamnuss erlösete, und uns Gottes gnade, gerechtigkeit und ewiges leben erwürbe.
Was verstehst du durch das Wörtlein gelitten?

Dass er an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, sonderlich aber am Ende desselben, [15]den Zorn Gottes wider die Sünde des ganzen menschlichen Geschlechts getragen hat, auf dass er mit seinem Leiden, als mit dem einzigen Sühnopfer, unsern Leib und Seele von der ewigen Verdammnis erlösete, und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbe.
HC Q38
Warumb hat er under dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auss dass er unschuldig under dem weltlichen Richter verdampt würde, und uns damit von [328]dem strengen urtheil Gottes, das uber uns gehen solte, erledigte.
Warum hat er unter dem Richter Pontio Pilato gelitten?

Auf dass er unschuldig unter dem weltlichen Richter verdammt würde, und uns damit von dem strengen Urtheil Gottes, das über uns ergehen sollte, erledigte.
HC Q39
Ist es etwas mehr, dass er ist gecreutziget worden, denn so er eines andern tods gestorben were?

Ja, Denn dardurch bin ich gewiss, dass er die vermaledeiung die auff mir lage, auff sich geladen habe, Deiweil der todt des Creutzes von Gott verflucht war.
Ist es etwas mehr, dass er ist gekreuzigt worden, denn so er eines andern Todes gestorben wäre?

Ja; denn dadurch bin ich gewiss, dass er die Vermaledeiung, die auf mir lag, auf sich geladen habe; dieweil der Tod des Kreuzes von Gott verflucht war.
HC Q40
Warumb hat Christus den todt müssen leiden?

Darumb, dass von wegen der gerechtigkeit und warheit Gottes, nicht anderst für unsere sünden möchte bezalet werden, denn durch den todt des Sons Gottes.
Warum hat Christus den Tod leiden müssen?

Darum
, dass wegen der Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes nicht anders für unsere Sünde möchte bezahlet werden, denn durch den Tod des Sohnes Gottes.
HC Q41
Warumb ist er begraben worden?

Damit zubezeugen, dass er warhafftig gestorben sey.
[16]Warum ist er begraben worden?

Damit zu bezeugen, dass er wahrhaftig gestorben sei.
HC Q42
Weil denn Christus für uns gestorben ist, wie kompts dass wir auch sterben müssen?

Unser todt ist nicht ein bezalung für unsere sünd: sonder nur ein absterbung der sünden, und eingang zum ewigen leben.
Weil denn Christus für uns gestorben ist, wie kommt es, dass auch wir sterben müssen?

Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde; sondern nur eine Absterbung der Sünden und Eingang zum ewigen Leben.
HC Q43
[330]Wass bekommen wir mehr für nutz auss dem opffer und todt Christi am Creutz?

Dass durch seine krafft unser alter mensch mit im gecreutziget, getödtet und begraben wird, auff dass die bösen lüste des fleisches nicht mehr in uns regieren, sonder dass wir uns selbst im zur dancksagung auffopffern.
Was bekommen wir mehr für Nutzen aus dem Opfer und Tod Christi am Kreuze?

Dass durch seine Kraft unser alter Mensch mit ihm gekreuziget, getödtet und begraben wird, auf dass die bösen Lüste des Fleisches in uns nicht mehr regieren, sondern dass wir uns selbst Ihm zur Danksagung aufopfern.
HC Q44
Warumb folget abgestiegen zu der hellen?

Dass ich in meinen höchsten anfechtungen versichert sey, mein HERR Christus habe mich durch seine unausssprechliche angst, schmertzen und schrecken, die er auch an seiner seelen, am Creutz und zuvor erlitten, von der hellischen angst und pein erlöset.
Warum folgt: Abgestiegen zu der Hölle?

Dass ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sei, mein Herr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken, die er auch an seiner Seele am Kreuz und zuvor erlitten, von der höllischen Angst und Pein erlöset.
HC Q45
Was nützet uns die Aufferstehung Christi?

Erstlich hat er durch seine Aufferstehung den todt uberwunden, dass er uns der gerechtigkeit, die er uns durch seinen todt erworben hat, köndte theilhafftig machen. Zum andern werden auch wir jetzunder durch seine krafft erwecket zu einem newen leben. Zum dritten ist uns die Aufferstehung Christi ein gewisses pfandt unserer seligen aufferstehung.
Was nützet uns die Auferstehung Christi?

Erstlich hat er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, dass er uns der Gerechtigkeit, die er uns durch seinen Tod erworben hat, könnte theil[17]haftig machen; zum andern werden wir auch jetzunder durch seine Kraft erwecket zu einem neuen Leben; zum dritten ist uns die Auferstehung Christi ein gewisses Pfand unserer seligen Auferstehung.
HC Q46
Wie verstehestu dass er ist gen himmel gefaren?

[332]Dass Christus für den augen seiner Jünger, ist von der erden auffgehaben gen himmel, und uns zu gut daselbst ist, biss dass er widerkompt zu richten die lebendigen und die todten.
Wie verstehest du, dass er ist gen Himmel gefahren?

Dass Christus vor den Augen seiner Jünger ist von der Erde aufgehoben gen Himmel, und uns zu gut daselbst ist, bis dass er wiederkommt, zu richten die Lebendigen und die Todten.
HC Q47
Ist denn Christus nit bey uns biss ans ende der welt, wie er uns verheissen hat?

Christus ist warer Mensch und warer Gott: Nach seiner menschlichen natur, ist er jetzunder nit auff erden: aber nach seiner Gottheit, Maiestet, gnad und Geist, weicht er nimmer von uns.
Ist denn Christus nicht bei uns bis an der Welt Ende, wie er uns verheißen hat?

Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzunder nicht auf Erden; aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weichet er nimmer von uns.
HC Q48
Werden aber mit der weis die zwo naturen in Christo nit von einander getrennet, so die menscheit nicht uberal ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten: Denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwertig ist: so muss folgen, dass sie wol ausserhalb irer angenommenen menschheit, und dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und personlich mit ir vereiniget bleibt.
Werden aber mit der Weise die zwei Naturen in Christo nicht von einander getrennt, so die Menschheit nicht überall ist, da die Gottheit ist?

Mit nichten; denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwärtig ist, so muss folgen, dass sie wohl außerhalb ihrer angenommenen Menschheit und dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist, und persönlich mit ihr vereinigt bleibt.
HC Q49
Was nützet uns die Himmelfart Christi?

Erstlich dass er im himmel für dem angesicht seines Vaters unser fürsprecher ist. Zum andern, dass wir unser fleisch im himmel zu einem sichern pfandt haben, dass er als das haupt, uns seine glieder auch [334]zu sich werde hinauff nemen. Zum dritten, dass er uns seinen Geist zum gegenpfand herab sendet, durch welches krafft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzendt zu der rechten Gottes, und nicht das auff erden ist.
[18]Was nützet uns die Himmelfahrt Christi?

Erstlich, dass er im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher ist; zum andern, dass wir unser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, dass er, als das Haupt, uns, seine Glieder, auch zu sich werde hinaufnehmen; zum dritten, dass er uns seinen Geist zum Gegenpfand herabsendet, durch welches Kraft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, und nicht, das auf Erden ist.
HC Q50
Warumb wird hin zu gesetzt, dass er sitze zur rechten Gottes?

Dass Christus darumb gen himmel gefaren ist, dass er sich daselbst erzeige, als das haupt seiner Christlichen kirchen, durch welches der Vater alles regiert.
Warum wird hinzugesetzt, dass er sitze zu der Rechten Gottes?

Dass Christus darum gen Himmel gefahren ist, dass er sich daselbst erzeige als das Haupt seiner christlichen Kirche, durch welches der Vater alles regieret.
HC Q51
Was nützet uns diese herligkeit unsers haupts Christi?

Erstlich dass er durch seinen heiligen Geist, in uns seine glieder, die himlischen gaben ausgeust. Darnach, dass er uns mit seinem gewalt wider alle feind schützet und erhelt.
Was nützet uns diese Herrlichkeit unseres Hauptes Christi?

Erstlich, dass er durch seinen heiligen Geist in uns, seine Glieder, die himmlischen Gaben ausgießt; darnach, dass er uns mit seiner Gewalt wider alle Feinde schützet und erhält.
HC Q52
Was tröstet dich die widerkunfft Christi zu richten die lebendigen und die todten?

Dass ich in allem trübsal und verfolgung mit auffgerichtem haupt, eben des Richters der sich zuvor dem gericht Gottes für mich dargestelt, und alle vermaledeiung von mir hinweg genommen hat, auss dem himmel gewertig bin, dass er alle seine und meine feinde, in die ewige verdamnuss werffe: mich [336]aber sampt allen ausserwelten zu im in die himlische freud und herrligkeit neme.
Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, zu richten die Lebendigen und die Todten?

Dass ich in aller Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt eben des Richters, der sich zu[19]vor dem Gerichte Gottes für mich dargestellet und alle Vermaledeiung von mir hinweg genommen hat, aus dem Himmel gewärtig bin, dass er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnis werfe, mich aber, sammt allen Auserwählten, zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme.
HC Q53
Was glaubestu vom heiligen Geist?

Erstlich dass er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Son ist. Zum andern dass er auch mir gegeben ist, mich durch ein waren glauben, Christi und aller seiner wolthaten theilhafftig macht, mich tröstet, und bey mir bleiben wird biss in ewigkeit.
Was glaubst du vom heiligen Geist?

Erstlich, dass er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn ist; zum andern, dass er auch mir gegeben ist, mich durch einen wahren Glauben Christi und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, mich tröstet und bei mir bleiben wird bis in Ewigkeit.
HC Q54
Was glaubstu von der heiligen algemeinen Christlichen Kirchen?

Dass der Son Gottes auss dem gantzen menschlichen geschlecht, ihm ein ausserwelte gemein zum ewigen leben, durch sein Geist und wort in einigkeit des waren glaubens, von anbegin der welt, biss ans end versamle, schütze und erhalte, und dass ich derselben ein lebendiges glied bin, und ewig bleiben werde.
Was glaubst du von der heiligen, allgemeinen, christlichen Kirche?

Dass der Sohn Gottes aus dem ganzen menschlichen Geschlecht sich eine auserwählte Gemeine zum ewigen Leben durch seinen Geist und Wort in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis an's Ende versammle, schütze und [20]erhalte, und dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde.
HC Q55
Was verstehestu durch die gemeinschafft der Heiligen?

[338]Erstlich dass alle und jede glaubigen, als glieder an dem HERRN Christo, und allen seinen schetzen und gaben, gemeinschafft haben. Zum andern, dass ein jeder seine gaben zu nutz und heil der andern glieder, willig und mit freuden anzulegen sich schuldig wissen sol.
Was verstehst du durch die Gemeinschaft der Heiligen?

Erstlich, dass alle und jede Gläubigen als Glieder, an dem Herrn Christo und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben; zum andern, dass ein Jeder seine Gaben zu Nutz und Heil der andern Glieder willig und mit Freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.
HC Q56
Wass glaubstu von vergebung der Sünden?

Dass Gott umb der gnugthuung Christi willen, aller meiner sünden, auch der sündlichen art, mit der ich mein lebenlang zustreiten habe, nimmermehr gedencken wil: sonder mir die gerechtigkeit Christi auss gnaden schencket, dass ich ins gericht nimmermehr soll kommen.
Was glaubst du von Vergebung der Sünden?

Dass Gott um der Genugthuung Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündlichen Art, mit der ich mein Lebenlang zu streiten habe, nimmermehr gedenken will; sondern mir die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden schenket, daß ich in's Gericht nimmermehr soll kommen.
HC Q57
Wass tröst dich die Aufferstehung des fleisches?

Dass nicht allein meine seel nach diesem leben als bald zu Christo irem haupt genommen wird: sonder auch dass diss mein fleisch durch die krafft Christi aufferweckt, wider mit meiner seelen vereiniget, und dem heiligen Leib Christi gleichformig werden sol.
Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?

Dass nicht allein meine Seele nach diesem Leben alsbald zu Christo ihrem Haupt genommen wird, [21]sondern auch, dass dies mein Fleisch durch die Kraft Christi auferweckt, wieder mit seiner Seele vereiniget und dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll.
HC Q58
Wass tröst dich der Artickel vom ewigen leben?

Dass, nach dem ich jetzunder den anfang der ewigen freude in meinem hertzen empfinde: ich nach diesem leben volkommene seligkeit besitzen werde, [340]die kein aug gesehen, kein ohr gehöret, und in keines menschen hertz nie komen ist, Gott ewiglich darin zu preisen.
Was tröstet dich der Artikel vom ewigen Leben?

Dass, nachdem ich jetzund den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen empfinde, ich nach diesem Leben vollkommene Seligkeit besitzen werde, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret und in keines Menschen Herz nie gekommen ist, Gott ewiglich darin zu preisen.
HC Q59
Was hilfft es dich aber nun, wenn du diss alles glaubest?

Dass ich in Christo für Gott gerecht, und ein Erb des ewigen lebens bin.
Was hilft es dir aber nun, wenn du dieses Alles glaubest?

Dass ich in Christo vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens bin.
HC Q60
Wie bistu gerecht für Gott?

Allein durch waren glauben in Jesum Christum. Also: dass ob mich schon mein gewissen anklagt, dass ich wider alle Gebot Gottes schwerlich gesündiget, und derselben keines nie gehalten habe, auch noch immerdar zu allem bösen geneigt bin: doch Gott ohn alle meine verdienst, auss lauter gnaden, mir die volkommene gnugthuung, gerechtigkeit und heiligkeit Christi schencket und zurechnet, als hette ich nie keine sünd begangen noch gehabt, und selbst allen den gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wenn ich allein solche wolthat mit glaubigen hertzen anneme.
Wie bist du gerecht vor Gott?

Allein durch wahren Glauben in Jesum Christum, also, dass, ob mich schon mein Gewissen anklagt, daß ich wider alle Gebote Gottes schwerlich gesündiget und derselben keines nie gehalten habe, auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin, doch Gott ohne all mein Verdienst aus lauter Gnade mir die vollkommene Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schenket und zurechnet, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt, und selbst [22]allen den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wenn ich allein solche Wohlthat mit gläubigem Herzen annehme.
HC Q61
Warumb sagstu dass du allein durch den glauben gerecht seyest?

Nicht dass ich von wegen der wirdigkeit meines glaubens Gott gefalle: sondern darumb dass allein [342]die gnugthuung, gerechtigkeit und heiligkeit Christi, meine gerechtigkeit für Gott ist, und ich dieselbe nit anderst, denn allein durch den glauben annemen, und mir zueignen kan.
Warum sagst du, dass du allein durch den Glauben gerecht seiest?

Nicht, dass ich wegen der Würdigkeit meines Glaubens Gott gefalle, sondern darum, dass allein die Genugthuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi meine Gerechtigkeit vor Gott ist, und ich dieselbe nicht anders, denn allein durch den Glauben annehmen und mir zueignen kann.
HC Q62
Warumb können aber unsere gute werck nit die gerechtigkeit für Gott, oder ein stück derselben sein?

Darumb dass die gerechtigkeit, so für Gottes gericht bestehen sol, durchauss volkommen, und dem Göttlichen gesetz gantz gleichformig sein muss, und aber auch unsere beste werck in diesem leben alle unvolkomen, und mit sünden befleckt sind.
Warum können aber unsere guten Werke nicht die Gerechtigkeit vor Gott oder ein Stück derselben sein?

Darum, daß die Gerechtigkeit, so vor Gottes Gericht bestehen soll, durchaus vollkommen und dem göttlichen Gesetz ganz gleichförmig sein muss; und aber auch unsere besten Werke in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünden befleckt sind.
HC Q63
Verdienen aber unsere gute werck nichts, so sie doch Gott in diesem und zukünfftigem leben wil belohnen?

Diese belohnung geschicht nit auss verdienst, sonder auss gnaden.
Verdienen aber unsere guten Werke nichts, so sie doch Gott in diesem und zukünftigem Leben will belohnen?

Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden.
HC Q64
Macht aber diese lehr nicht sorglose und verruchte leut?

Nein, Denn es unmöglich ist, dass die, so Christo durch waren glauben sind eingepflantzt, nicht frucht der danckbarkeit sollen bringen.
[23]Macht aber diese Lehre nicht sorglose und verruchte Leute?

Nein, denn es unmöglich ist, dass die, so Christo durch wahren Glauben sind eingepflanzet, nicht Frucht der Dankbarkeit sollen bringen.
HC Q65
[344]Dieweil denn allein der glaub uns Christi, und aller seiner wolthaten theilhafftig macht, woher kompt solcher glaube?

Der heilig Geist würckt denselben in unsern hertzen, durch die predig des heiligen Euangelions, und bestetiget den durch den brauch der heiligen Sacramenten.
Dieweil denn allein der Glaube uns Christi und aller seiner Wohlthaten theilhaftig macht, woher kommt solcher Glaube?

Der heilige Geist wirket denselben in unsern Herzen durch die Predigt des heiligen Evangeliums und bestätigt ihn durch den Brauch der heiligen Sakramente.
HC Q66
Was seind die Sacrament?

Es seint sichtbare heilige warzeichen und Sigill, von Gott darzu eingesetzt. dass er uns durch den brauch derselben, die verheissung des Euangelions desto besser zuverstehen gebe, und versigele: Nemlich dass er uns von wegen das einigen opffers Christi, am Creutz volbracht, vergebung der sünden, und ewiges leben auss gnaden schencke.
Was sind die Sakramente?

Es sind sichtbare, heilige Wahrzeichen und Siegel, von Gott dazu eingesetzt, dass Er uns durch den Brauch derselbigen die Verheißung des Evangeliums desto besser zu verstehen gebe und versiegele; nämlich, dass Er uns, von wegen des einigen Opfers Christi am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben aus Gnaden schenket.
HC Q67
Seind denn beyde das wort und die Sacrament dahin gericht, dass sie unsern glauben auff das opffer Jesu Christi am Creutz, als auff den einigen grund unserer seligkeit weisen?

Ja freylich: Denn der heilig Geist lehret im Euangelio, und bestetiget durch die heiligen Sacrament, dass unsere gantze seligkeit stehe in dem einigen opffer Christi, für uns am Creutz geschehen.
Sind denn beide, das Wort und die Sakramente, dahin gerichtet, dass sie unsern Glauben auf das Opfer Jesu Christi am Kreuz, als auf den einigen Grund unserer Seligkeit weisen?

Ja freilich; denn der heilige Geist lehret im Evangelio und bestätiget durch die heiligen Sakramente, [24]dass unsere ganze Seligkeit stehe in dem einigen Opfer Christi, für uns am Kreuz geschehen.
HC Q68
[346]Wieviel Sacrament hat Christus im newen Testament eingesetzt?

Zwey, Den Heiligen Tauff, und das heilig Abendmal.
Wie viel Sakramente hat Christus im neuen Testament eingesetzt?

Zwei: Die heilige Taufe und das heilige Abendmahl.
HC Q69
Wie wirstu im heiligen Tauff erinnert und versichert, dass das einige opffer Christi am Creutz dir zu gut komme?

Also: dass Christus diss eusserlich wasserbad eingesetzt, und darbey verheissen hat, dass ich so gewiss mit seinem blut und geist, von der unreinigkeit meiner seelen, das ist, allen meinen sünden gewasschen sey, so gewiss ich eusserlich mit dem wasser, welches die unsauberkeit des leibs pflegt hinzunemen, gewasschen bin.
Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und versichert, dass das einige Opfer Christi am Kreuze dir zu gut komme?

Also, dass Christus dies äußerliche Wasserbad eingesetzt und dabei verheißen hat, daß ich so gewiss mit seinem Blut und Geist von der Unreinigkeit meiner Seele, das ist, von allen meinen Sünden gewaschen sei, so gewiss ich äußerlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibes pflegt hinwegzunehmen, gewaschen bin.
HC Q70
Was heist mit dem blut und Geist Christi gewasschen sein?

Es heist vergebung der sünden von Gott aus gnaden haben, umb des bluts Christi willen, welchs er in seinem opffer am Creutz für uns vergossen hat: Darnach auch durch den heiligen Geist ernewert, und zu einem glied Christi geheiliget sein, dass wir je lenger je mehr der sünden absterben, und in einem Gottseligen, unstreflichen leben wandlen.
Was heißt mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?

Es heißt Vergebung der Sünden von Gott aus Gnaden haben um des Blutes Christi willen, welches er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat; darnach auch durch den heiligen Geist erneuert und zu einem Glied Christi geheiligt sein, dass wir je [25]länger je mehr der Sünde absterben und in einem gottseligen, unsträflichen Leben wandeln.
HC Q71
[348]Wo hat Christus verheissen, dass wir so gewiss mit seinem blut und geist als mit dem tauffwasser gewasschen seind?

In der einsetzung des Tauffs, welche also lautet. Gehet hin, und lehret alle Völcker, und tauffet sie, im namen des Vaters und des Sons, und des heiligen Geists: wer da glaubet und getauffet wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubt, der wird verdampt werden. Diese verheissung wirdt auch widerholet, da die schrifft den Tauff das bad der widergeburt und abwasschung der sünden nennet.
Wo hat Christus verheißen, dass wir so gewiss mit seinem Blut und Geist, als mit dem Taufwasser gewaschen sind?

In der Einsetzung der Taufe, welche also lautet: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Diese Verheißung wird auch wiederholt, da die Schrift die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden nennet.
HC Q72
Ist denn das eusserlich wasserbad die abwasschung der sünden selbst?

Nein, Denn allein das blut Jesu Christi, und der heilige Geist reiniget uns von allen sünden.
Ist denn das äußerliche Wasserbad die Abwaschung der Sünden selbst?

Nein; denn allein das Blut Jesu Christi und der heilige Geist reiniget uns von allen Sünden.
HC Q73
Warumb nennet denn der heilige Geist den Tauff das bad der widergeburt, und die abwasschung der sünden?

Gott redet also nicht ohne grosse ursach: Nemlich, nit allein dass er uns damit wil lehren, dass, gleich wie die unsauberkeit des leibs durch wasser, also unsere sünden durchs blut und geist Christi hinweg genommen werden: sonder viel mehr, dass er uns [350]durch diss Göttlich pfand und warzeichen wil versichern, dass wir so warhafftig von unsern sünden geistlich gewasschen sind, als wir mit dem leiblichen wasser gewasschen werden.
Warum nennet denn der heilige Geist die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden?

Gott redet also nicht ohne große Ursache; nämlich: nicht allein, dass er uns damit will lehren, dass, gleichwie die Unsauberkeit des Leibes durch's Wasser, also unsere Sünden durch's Blut und Geist Christi hin[26]weggenommen werden; sondern vielmehr, dass er uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, dass wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.
HC Q74
Soll man auch die jungen Kinder tauffen?

Ja: Denn dieweil sie so wol als die alten in den Bundt Gottes und seine gemein gehören, und inen in dem blut Christi die erlösung von sünden, und der heilig Geist, welcher den glauben wircket, nit weniger denn den alten zugesagt wird: so sollen sie auch durch den tauff, als des Bunds zeichen, der Christlichen Kirchen eingeleibt, und von der unglaubigen kinder underscheiden werden, wie im alten Testament durch die beschneidung geschehen ist, an welcher stat im newen Testament der Tauff ist eingesetzt.
Soll man auch die jungen Kinder taufen?

Ja; denn dieweil sie sowohl als die Alten in den Bund Gottes und seine Gemeine gehören, und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden, und der heilige Geist, welcher den Glauben wirket, nicht weniger denn den Alten zugesagt wird, so sollen sie auch durch die Taufe, als des Bundes Zeichen, der christlichen Kirche eingeleibet und von der Ungläubigen Kinder unterschieden werden wie im alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an welcher Statt im neuen Testament die Taufe ist eingesetzt.
HC Q75
Wie wirstu im heiligen Abendmal erinnert und versichert, dass du an dem einigen opffer Christi am Creutz, und allen seinen gütern gemeinschafft habest?

Also, dass Christus mir und allen glaubigen von [352]diesem gebrochnen brod zu essen, und von diesem Kelch zu trincken befohlen hat, und darbey verheissen, Erstlich dass sein leib so gewiss für mich am Creutz geopffert und gebrochen, und sein blut für mich vergossen sey, so gewiss ich mit augen sehe, dass das brod des HERREN mir gebrochen, und der Kelch mir mitgetheilet wird. Und zum andern, dass er selbst meine seel mit seinem gecreutzigten leib und vergossnen blut so gewiss zum ewigen leben speise und trencke, als ich auss der handt des Dieners empfange und leiblich niesse das brod und den Kelch des HERREN, welche mir als gewisse warzeichen des leibs und bluts Christi gegeben werden.
Wie wirst du im heiligen Abendmahl erinnert und versichert, dass du an dem einigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gütern Gemeinschaft habest?

Also, dass Christus mir und allen Gläubigen von diesem gebrochenen Brod zu essen und von diesem Kelch zu trinken befohlen hat, zu seinem Gedächtnis, und dabei verheißen: Erstlich, dass sein Leib so [27]gewiss für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen sei, so gewiss ich mit Augen sehe, dass das Brod des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir mitgetheilt wird; und zum andern, dass er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergossenen Blut so gewiss zum ewigen Leben speise und tränke, als ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich genieße das Brod und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibes und Blutes Christi gegeben werden.
HC Q76
Was heist den gecreutzigten leib Christi essen, und sein vergossen blut trincken?

Es heist nit allein mit glaubigem hertzen das gantze leiden und sterben Christi annemen, und dardurch vergebung der sünden und ewiges leben bekomen: Sonder auch darneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wonet, also mit seinem gebenedeyten leib je mehr und mehr vereiniget werden: dass wir, ob gleich er im himmel, und wir auff erden sind: dennoch fleisch von seinem fleisch, und bein von seinen beinen sind, und von einem geist (wie die glieder unsers leibs von einer seelen) ewig leben und regieret werden.
Was heißt den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken?

Es heißt nicht allein mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen, sondern auch daneben durch den heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeiten Leib je mehr und mehr vereinigt werden, dass wir, obgleich er im Himmel, und wir auf Erden sind, dennoch Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinen Beinen sind, und von einem Geist, (wie die Glieder unsers Leibes von einer Seele) ewig leben und regiert werden.
HC Q77
Wo hat Christus verheissen, dass er die glau[354]bigen so gewiss also mit seinem leib und blut speise und trencke, als sie von diesem gebrochnen brodt essen, und von diesem Kelch trincken?

In der einsatzung des Abendmals, welche also lautet: Unser HERR Jesus, in der nacht da er verrhaten ward, nam er das brodt, dancket und brachs und sprach, Nemet, esset, das ist mein leib, der für euch gebrochen wirdt, Solchs thut, zu meiner gedechtnuss. Desselben gleichen auch den Kelch, nach dem Abendtmal, und sprach: Dieser Kelch ist das newe Testament in meinem blut, solches thut, so offt irs trincket, zu meiner gedechtnuss: Denn so offt ir von diesem brod esset, und von diesem Kelch trincket, solt ir des HERREN todt verkündigen, biss dass er kompt. Und diese verheissung wirt auch widerholet durch S. Paulum da er spricht: Der kelch der dancksagung, damit wir dancksagen, ist er nit die gemeinschafft des bluts Christi? Das brodt das wir brechen, ist das nit die gemeinschafft des leibs Christi? Denn ein brod ists, so seind wir viel ein leib, dieweil wir alle eines brodts theilhafftig seind.
[28]Wo hat Christus verheißen, dass Er die Gläubigen so gewiss mit seinem Leib und Blut speise und tränke, als sie von diesem gebrochenen Brod essen und von diesem Kelch trinken?

In der Einsetzung des heiligen Abendmahls, welche also lautet: Unser Herr Jesus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete und brach's, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brod esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis dass er kommt. Und diese Verheißung wird auch wiederholt durch Sanct Paulus, da er spricht: Der Kelch der Danksagung, damit wir danksagen, ist der nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi? Das Brod, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn Ein Brod ist's, so sind wir Viele ein Leib, dieweil wir Alle Eines Brodes theilhaftig sind.
HC Q78
Wird denn auss brod und wein der wesentlich leib und blut Christi?

Nein: sonder wie das wasser in dem Tauff, nit in das blut Christi verwandlet, oder die abwasschung der sünden selbst wird, deren es allein ein Göttlich warzeichen und versicherung ist: also wird auch [356]das heilig brod im Abendmal nit das leib Christi selbst, wiewol es nach art und brauch der Sacramenten, der leib Christi genennet wird.
Wird denn aus Brod und Wein der wesentliche Leib und Blut Christi?

Nein, sondern wie das Wasser in der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt, oder die Abwaschung der Sünden selbst wird, deren es allein [29]ein göttliches Wahrzeichen und Versicherung ist, also wird auch das heilige Brod im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst, wiewohl es nach Art und Brauch der Sakramente der Leib Christi genannt wird.
HC Q79
Warumb nennet denn Christus das brod seinen leib, und den Kelch sein blut, oder das newe Testament in seinem blut, und S. Paulus, die gemeinschafft des leibs und bluts Jesu Christi?

Christus redet also nit one grosse ursach. Nemlich, dass er uns nit allein damit wil lehren, dass, gleich wie brod und wein das zeitliche leben erhalten, also sey auch sein gecreutzigter leib und vergossen blut, die ware speiss und tranck unser seelen, zum ewigen leben: sonder viel mehr dass er uns durch diss sichtbare zeichen und pfand wil versichern, dass wir so warhafftig seines waren leibs und bluts durch wirckung des heiligen Geists teilhafftig werden, als wir diese heilige warzeichen, mit dem leiblichen mund zu seiner gedechtnuss empfangen: und das all sein leiden und gehorsam so gewiss unser eigen sey, als hetten wir selbst in unser eigen person alles gelitten und genug gethan.
Warum nennet denn Christus das Brod seinen Leib und den Kelch sein Blut, oder das neue Testament in seinem Blut, und St. Paulus die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi?

Christus redet also nicht ohne große Ursache; nämlich, dass er uns nicht allein damit will lehren, dass, gleichwie Brod und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sei auch sein gekreuzigter Leib und vergossenes Blut die wahre Speise und Trank unserer Seelen zum ewigen Leben, sondern vielmehr, dass Er uns durch dies sichtbare Zeichen und Pfand will versichern, dass wir so wahrhaftig seines wahren Leibes und Blutes durch Wirkung des heiligen Geistes theilhaftig werden, als wir diese heiligen Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seinem Gedächtnis empfangen, und dass all sein Leiden und Gehorsam so gewiss unser eigen sei, als hätten wir selbst in unserer eigenen Person Alles gelitten und genug gethan.
HC Q80
Was ist für ein underscheid zwischen dem Abendmal des HERRN und der Babstlichen Mess?

Das Abendmal bezeuget uns dass wir volkomne vergebung aller unser sünden haben, durch das ei[358]nige opffer Jesu Christi, so er selbst ein mal am creutz volbracht hat. Die Mess aber lehret dass die lebendigen und die todten nit durch das leiden Christi vergebung der sünden haben, es sei dan, dass Christus noch teglich für sie von den Messpriestren geopffert werde: Und ist also die Mess im grund ein abgöttische verleugnung dess einigen opffers und leidens Jesu Christi.
Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe?

Das Abendmahl bezeuget uns, dass wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben [30]durch das einige Opfer Jesu Christi, so er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat, und dass wir durch den heiligen Geist Christo werden eingeleibet, der jetzund mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist, und daselbst will angebetet werden. Die Messe aber lehret, dass die Lebendigen und die Todten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, dass Christus noch täglich für sie von den Messpriestern geopfert werde, und dass Christus leiblich unter der Gestalt Brods und Weins sei, und derhalben darin soll angebetet werden. Und ist also die Messe im Grunde nichts anderes, denn eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi.
HC Q81
Welche sollen zu dem Tisch des HERREN kommen?

Die inen selbst umb irer sünden willen missfallen, und doch vertrawen, dass die selbige inen verziehen und die ubrige schwacheit mit dem leiden und sterben Christi bedeckt sey, begeren auch je mehr und mehr iren glauben zu stercken und ir leben zu bessern. Die unbussfertigen aber und heuchler, essen und trincken inen selbst das gericht.
Welche sollen zu dem Tisch des Herrn kommen?

Die sich selbst um ihrer Sünde willen missfallen und doch vertrauen, dass dieselbigen ihnen verziehen, und die übrige Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi bedeckt sei, begehren auch je mehr und mehr ihren Glauben zu stärken, und ihr Leben zu bessern. Die Unbußfertigen aber und Heuchler essen und trinken sich selbst das Gericht.
HC Q82
[360]Sollen aber zu diesem Abendmal auch zugelassen werden, die sich mit irer bekantnuss und leben, als unglaubige und Gottlose erzeigen?

Nein: denn es wirdt also der Bundt Gottes geschmecht, und sein zorn uber die gantze gemein gereitzet. Derhalben die Christliche Kirch schuldig ist, nach der ordnung Christi und seiner Aposteln, solche, biss zu besserung ires lebens, durch das ampt der Schlüssel ausszuschliessen.
[31]Sollen aber zu diesem Abendmahl auch zugelassen werden, die sich mit ihrem Bekenntnis und Leben als Ungläubige und Gottlose erzeigen?

Nein; denn es wird also der Bund Gottes geschmähet und sein Zorn über die ganze Gemeine gereizet; derhalben die christliche Kirche schuldig ist, nach der Ordnung Christi und seiner Apostel, Solche, bis zur Besserung ihres Lebens, durch das Amt der Schlüssel auszuschließen.
HC Q83
Was ist das ampt der Schlüssel?

Die Predig des heiligen Euangelions, und die Christliche Busszucht, durch welche beide stück, das Himmelreich den glaubigen auffgeschlossen, und den unglaubigen zugeschlossen wird.
Was ist das Amt der Schlüssel?

Die Predigt des heiligen Evangeliums und die christliche Bußzucht, durch welche beide Stücke das Himmelreich den Gläubigen aufgeschlossen und den Ungläubigen zugeschlossen wird.
HC Q84
Wie wird das Himmelreich durch die predig des heiligen Euangelions auff und zugeschlossen?

Also: dass nach dem befelch Christi allen und jeden glaubigen verkündigt und offentlich bezeuget wird, dass inen so offt sie die verheissung des Euangelions mit waren glauben annemen, warhafftig alle ire sünden von Gott, umb des verdiensts Christi willen vergeben sind: Und herwiderumb, allen unglaubigen und heuchlern, dass der zorn Gottes und die ewige verdamnuss auff inen ligt, so lang sie sich nit [362]bekeren: Nach welchen zeugnuss des Euangelii Gott beide in diesem und zukünfftigen leben urtheilen wil.
Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des heiligen Evangeliums auf- und zugeschlossen?

Also, dass nach dem Befehl Christi allen und jeden Gläubigen verkündigt und öffentlich bezeuget wird, dass ihnen, so oft sie die Verheißung des Evangeliums mit wahrem Glauben annehmen, wahrhaftig alle ihre Sünden von Gott, um des Verdienstes Christi willen, vergeben sind; und herwiederum allen Ungläubigen und Heuchlern, dass der Zorn Gottes und die ewige Verdammnis auf ihnen liegt, so lange sie sich nicht bekehren. Nach welchem Zeugnis des Evangelii Gott beide in diesem und zukünftigen Leben urtheilen will.
HC Q85
Wie wird das Himmelreich zu und auffgeschlossen, durch die Christliche Busszucht?

Also: dass nach dem befehl Christi, die jenigen so under dem Christlichen namen, unchristliche lehr oder wandel füren, nach dem sie etlich mal brüderlich vermanet sein, und von iren irthumen oder lastern nit abstehen, der kirchen, oder denen so von der kirchen darzu verordnet sind, angezeigt, und so sie sich an derselben vermanung auch nit keren, von inen durch verbietung der heiligen Sacrament auss der Christlichen gemein, und von Gott selbst, auss dem Reich Christi werden aussgeschlossen: und widerumm als glieder Christi und der kirchen, angenomen, wenn sie ware besserung verheissen und erzeigen.
[32]Wie wird das Himmelreich zu- und aufgeschlossen durch die christliche Bußzucht?

Also, dass nach dem Befehl Christi diejenigen, so unter dem christlichen Namen unchristliche Lehre oder Wandel führen, nachdem sie etlichemal brüderlich vermahnet sind, und von ihren Irrthümern oder Lastern nicht abstehen, der Kirche, oder denen, so von der Kirche dazu verordnet sind, angezeigt, und so sie sich an derselben Vermahnung auch nicht kehren, von ihnen durch Verbietung der heiligen Sakramente aus der christlichen Gemeine und von Gott selbst aus dem Reich Christi werden ausgeschlossen; und wiederum als Glieder Christi und der Kirche angenommen, wenn sie wahre Besserung verheißen und erzeigen.
HC PART 3
DER DRITTE TEIL. VON DER DANCKBARKEIT.
DER DRITTE THEIL. VON DER DANKBARKEIT.
HC Q86
Dieweil wir denn auss unserm elendt one alle unsere verdienst, auss gnaden durch Christum erlöset seind, warumb sollen wir gute werck thun?

Darumb, dass Christus, nach dem er uns mit seinem blut erkaufft hat, uns auch durch seinen heiligen Geist ernewert zu seinen ebenbild, dass wir [364]mit unserm gantzen leben uns danckbar gegen Gott für seine wolthat erzeigen, und er durch uns gepriesen werde, Darnach auch, dass wir bey uns selbst unsers glaubens auss seinen früchten gewiss sein, und mit unserm Gottseligen wandel, unsere nechsten auch Christo gewinnen.
Dieweil wir denn aus unserm Elend ohne all unser Verdienst, aus Gnaden durch Christum erlöset sind, warum sollen wir gute Werke thun?

Darum, dass Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, dass wir mit unserm ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohlthaten erzeigen, und er durch uns gepriesen werde. Darnach auch, dass wir bei uns [33]selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiss seien, und mit unserm gottseligen Wandel unsern Nächsten auch Christo gewinnen.
HC Q87
Können denn die nicht selig werden, die sich von irem undanckbaren unbussfertigen wandel zu Gott nicht bekeren?

Keins wegs
: denn, wie die schrifft saget: Kein unkeusscher, Abgöttisscher, Ehebrecher, Dieb, Geitziger, Trunckenpoltz, Lesterer, Rauber und dergleichen, wird das reich Gottes erben.
Können denn die nicht selig werden, die sich von ihrem undankbaren, unbußfertigen Wandel zu Gott nicht bekehren?

Keineswegs
; denn wie die Schrift sagt: Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geiziger, Trunkenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen wird das Reich Gottes ererben.
HC Q88
In wieviel stucken stehet die warhafftige Buss oder bekerung des menschen?

In zweyen stücken: In absterbung des alten, und aufferstehung des newen menschen.
In wie viel Stücken bestehet die wahrhafte Buße oder Bekehrung des Menschen?

In zwei Stücken: In Absterbung des alten, und Auferstehung des neuen Menschen.
HC Q89
Wass ist die Absterbung des alten menschen?

Im die sünde von hertzen lassen leidt sein, und dieselbige je lenger je mehr hassen und fliehen.
Was ist die Absterbung des alten Menschen?

Sich die Sünde von Herzen lassen leid sein, und dieselbe je länger je mehr hassen und fliehen.
HC Q90
Wass ist die Aufferstehung des newen menschen?

[366]Hertzliche freud in Gott, und lust und lieb haben nach dem willen Gottes, in allen guten wercken zu leben.
Was ist die Auferstehung des neuen Menschen?

Herzliche Freude in Gott durch Christum, und Lust und Liebe haben nach dem Willen Gottes in allen guten Werken zu leben.
HC Q91
Welches seind aber gute werck?

Allein die auss waren glauben, nach dem gesetz Gottes im zu ehren geschehen: und nicht die auff unser gutdüncken oder menschen satzung gegründet seind.
Welches sind aber gute Werke?

Allein die aus wahrem Glauben, nach dem Gesetz Gottes, Ihm zu Ehren geschehen, und [34]nicht die auf unser Gutdünken oder Menschensatzung gegründet sind.
HC Q92
Wie laut das gesetz des HERRN?

Gott redet alle dise wort. Das Erste gebot.

Ich bin der HERR dein Gott, der ich dich auss Egyptenland, auss dem Diensthauss gefüret habe. Du solt kein ander Götter für mir haben. Das Ander.

Du solt dir kein Bildnuss noch irgendt ein gleichnuss machen, weder dess, das oben im Himmel, noch dess, das unden auff Erden, oder des, das im wasser under der erden ist, Du solt sie nicht anbeten, noch inen dienen. Denn ich der HERR dein Gott, bin ein starcker eyveriger Gott, der die missethat der Väter heimsucht an den Kindern biss ins dritte und vier[368]de glied, deren die mich hassen, und thue barmhertzigkeit an viel tausenden die mich lieben, und meine Gebot halten. Das Dritte.

Du solt den Namen des HERREN deines Gottes nicht missbrauchen, Denn der HERR wird den nicht ungestrafft lassen, der seinen Namen missbraucht. Das vierde.

Gedenck
des Sabbath tags, das du ihn heiligest. Sechs tag soltu arbeiten, und alle deine werck thun, aber am sibenden tage ist der Sabbath des HERREN deines Gottes, da solt du keine arbeit thun, noch dein Son, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine magt, noch dein Vieh, noch der frembling der in deinen thoren ist. Denn in sechs tagen hat der HERR himmel und erden gemacht, und das mehr, und alles was drinnen ist, und rhuete am sibenden tage, darum segnete der HERR den Sabbath tag, und heiliget in. Das Fünffte.

Du solt dein Vater und deine Mutter ehren, auff dass du lang lebest im Land, das dir der HERR dein Gott gibt. Das Sechste.

Du solt nit tödten. Das Sibente.

Du solt nit Ehebrechen. Das Achte.

Du solt nit stelen. [370] Das Neünde.

Du solt kein falsch zeugnuss reden wider deinen nechsten. Das Zehende.

Lass dich nit gelüsten deines nechsten Haus, Lass dich nit gelüsten deines nechsten weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles das dein nechster hat.
Wie lautet das Gesetz des Herrn?

Gott redet alle diese Worte: Das erste Gebot.

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Egyptenland, aus dem Diensthause, geführet habe. Du sollst keine andere Götter vor mir haben. Das andere Gebot.

Du sollst dir kein Bildnis, noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten, noch ihnen dienen; denn Ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker, eifriger Gott, der die Missethat der Väter heimsuchet an den Kindern bis in's dritte und vierte Glied derer, die Mich hassen, und thue Barmherzigkeit an viel Tausenden, die Mich lieben und Meine Gebote halten. Das dritte Gebot.

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. Das vierte Gebot.

Gedenke
des Sabbathtages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten, und alle deine Werke [35]thun; aber am siebenten Tage ist der Sabbath des Herrn, deines Gottes, da sollst du keine Arbeit thun, weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Thoren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, und das Meer, und Alles, was darinnen ist, und ruhete am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbathtag, und heiligte ihn. Das fünfte Gebot.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest im Lande, das dir der Herr, dein Gott, giebt. Das sechste Gebot.

Du sollst nicht tödten. Das siebente Gebot.

Du sollst nicht ehebrechen. Das achte Gebot.

Du sollst nicht stehlen. Das neunte Gebot.

Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Das zehnte Gebot.

Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses; laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsens, noch seines Esels, noch Alles, was dein Nächster hat.
HC Q93
Wie werden diese Gebot geteilt?

In zwo Tafeln, deren die erste in vier gebotten lehret, wie wir uns gegen Gott sollen halten. Die ander in sechs gebotten, was wir unserm nechsten schuldig sein.
[36]Wie werden diese Gebote getheilet?

In zwei Tafeln, deren die erste in vier Geboten lehret, wie wir uns gegen Gott sollen verhalten; die andere in sechs Geboten, was wir unserm Nächsten schuldig sind.
HC Q94
Was erfordert der HERR im ersten Gebot?

Dass ich bey verlierung meiner seelen heil und seligkeit alle abgötterey, zauberey, aberglaubische segen, anruffung der Heiligen oder anderer Creaturen, meiden und fliehen sol, Und den einigen waren Gott recht erkennen, im allein vertrawen, In aller demut und gedult, von im allein alles guts gewarten, und in von gantzem hertzen lieben, fürchten und ehren: Also dass ich ehe alle creaturen ubergebe, denn in dem geringsten wider seinen willen thue.
Was fordert der Herr im ersten Gebot?

Dass ich, bei Verlierung meiner Seelen Heil und Seligkeit, alle Abgötterei, Zauberei, abergläubige Segen, Anrufung der Heiligen oder anderer Kreaturen meiden und fliehen soll, und den einigen wahren Gott recht erkennen, ihm allein vertrauen in aller Demuth und Geduld, von ihm allein alles Gute erwarten, und ihn von ganzem Herzen lieben, fürchten und ehren; also, dass ich ehe alle Kreaturen übergebe, denn in dem geringsten wider seinen Willen thue.
HC Q95
[372]Was ist Abgötterey?

An stat
des einigen waren Gottes, der sich in seinem wort hat offenbaret, oder neben demselbigen etwas anderst dichten oder habe, darauff der mensch sein vertrawen setzt.
Was ist die Abgötterei?

Anstatt
des einigen wahren Gottes, der sich in seinem Wort hat geoffenbaret, oder neben demselbigen etwas Anders dichten oder haben, darauf der Mensch sein Vertrauen setzt.
HC Q96
Was wil Gott im andern Gebot?

Dass wir Gott in keinen weg verbilden, noch auff irgend eine andere weise, denn er in seinem wort befohlen hat, verehren sollen.
[37]Was will Gott im andern Gebot.

Dass wir Gott in keinem Weg verbilden, noch auf irgend eine andere Weise, denn er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen.
HC Q97
Sol man denn gar kein bildnuss machen?

Gott kan und sol keines weges abgebildet werden: die Creaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbeut doch Gott derselbigen bildnuss zu machen und zu haben, dass man sie verehre oder im damit diene.
Soll man denn gar kein Bildnis machen?

Gott kann und soll keineswegs abgebildet werden; die Kreaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbietet doch Gott, derselben Bildnis zu machen und zu haben, dass man sie verehre, oder ihm damit diene.
HC Q98
Mögen aber nicht die bilder als der Leyen bücher, in den Kirchen geduldet werden?

[374]Nein: Denn wir nit sollen weiser sein denn Gott, welcher seine Christenheit nit durch stumme götzen, sonder durch die lebendige predig seines worts wil underwiesen haben.
Mögen aber nicht die Bilder, als der Laien Bücher, in den Kirchen geduldet werden?

Nein; denn wir sollen nicht weiser sein als Gott, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzen, sondern durch die lebendige Predigt seines Worts will unterwiesen haben.
HC Q99
Was wil das dritt Gebot?

Das wir nicht allein mit fluchen, oder mit falschem ayd: sonder auch mit unnötigem schweren den Namen Gottes nicht lestern oder missbrauchen, noch uns mit unserm stilschweigen und zusehen solcher schrecklichen sünden theilhafftig machen, Und in summa, dass wir den heiligen Namen Gottes anderst nicht, denn mit forcht und ehrerbietung gebrauchen, auff dass er von uns recht bekent, angeruffen, und in all unsern worten und wercken gepriesen werde.
Was will das dritte Gebot?

Dass wir nicht allein mit Fluchen, oder mit falschem Eid, sondern auch mit unnöthigem Schwören den Namen Gottes nicht lästern oder missbrauchen, noch uns mit unserm Stillschweigen und Zusehen solcher schrecklichen Sünden theilhaftig machen; und in Summa, dass wir den heiligen Namen Gottes [38]anders nicht, denn mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen, auf dass er von uns recht bekennet, angerufen und in allen unsern Worten und Werken gepriesen werde.
HC Q100
Ist denn mit schweren und fluchen Gottes Namen lestern, so ein schwere sünd, dass Gott auch uber die zürnet, die, soviel an inen ist, dieselbe nicht helffen wehren und verbieten?

Ja freylich, Denn keine sünde grösser ist, noch Gott hefftiger erzürnet, denn lesterung seines Namens, [376]Darumb er sie auch mit dem todt zustraffen befohlen hat.
Ist denn mit Schwören und Fluchen Gottes Namen lästern so eine schwere Sünde, dass Gott auch über die zürnet, die, so viel an ihnen ist, dieselbigen nicht helfen wehren und verbieten?

Ja freilich; denn keine Sünde größer ist, noch Gott heftiger erzürnet, denn Lästerung seines Namens; darum er sie auch mit dem Tode zu strafen befohlen hat.
HC Q101
Mag man aber auch Gottselig bey dem Namen Gottes einen Ayd schweren?

Ja, Wenn es die Oberkeit von iren underthanen, oder sonst die noth erfordert, trewe und warheit zu Gottes ehr und des nechsten heil dardurch zuerhalten und zu fürdern. Denn solches aydschweren ist in Gottes wort gegründet, und derhalben von den Heiligen im alten und newen Testament recht gebrauchet worden.
Mag man aber auch gottselig bei dem Namen Gottes einen Eid schwören?

Ja; wenn es die Obrigkeit von ihren Unterthanen, oder sonst die Noth erfordert, Treu und Wahrheit zu Gottes Ehr' und des Nächsten Heil dadurch zu erhalten und zu fördern; denn solches Eidschwören ist in Gottes Wort gegründet, und derhalben von den Heiligen im alten und neuen Testament recht gebrauchet worden.
HC Q102
Mag man auch bey den Heiligen oder andern Creaturen ayd schweren?

Nein: Denn ein rechtmessiger ayd ist ein anruffung Gottes, dass er als der einig hertzkündiger, der warheit zeugnuss wölle geben, und mich straffen, so ich falsch schwere, welche ehre denn keiner creaturen gebüret.
Mag man auch bei den Heiligen oder andern Kreaturen einen Eid schwören?

Nein; denn ein rechtmäßiger Eid ist eine Anrufung Gottes, dass er, als der einige Herzenskündiger, [39]der Wahrheit Zeugnis wolle geben und mich strafen, so ich falsch schwöre, welche Ehre denn keiner Kreatur gebührt.
HC Q103
Wass wil Gott in dem vierdten gebot?

Gott wil erstlich, dass das Predigampt und schulen erhalten werden, und ich sonderlich am feiertag zu der gemeine Gottes vleissig komme, das wort Gottes zu lernen, die heiligen Sacrament zugebrau[378]chen, den HERREN offentlich anzuruffen, und das Christlich almoss zu geben. Zum andern, dass ich alle tage meines lebens von meinen bösen wercken feiere, den HERREN durch seinen Geist in mir wircken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem leben anfang.
Was will Gott im vierten Gebot?

Gott will erstlich, dass das Predigtamt und Schulen erhalten werde, und ich, sonderlich am Feiertage, zu der Gemeine Gottes fleißig komme, das Wort Gottes zu lernen, die heiligen Sakramente zu gebrauchen, den Herrn öffentlich anzurufen, und das christliche Almosen zu geben; zum andern, dass ich alle Tage meines Lebens von meinen bösen Werken feiere, den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lasse, und also den ewigen Sabbath in diesem Leben anfange.
HC Q104
Wass wil Gott im fünfften Gebot?

Dass ich meinem Vater und Mutter, und allen die mir fürgesetzt sein, alle ehre, liebe und trewe beweisen, und mich aller guten lehr und straff, mit gebürlichem gehorsam underwerffen, und auch mit iren gebrechen gedult haben sol, dieweil uns Gott durch ire hand regieren wil.
Was will Gott im fünften Gebot?

Dass ich meinem Vater und Mutter, und Allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue beweisen, und mich aller guten Lehre und Strafe mit gebührlichem Gehorsam unterwerfen, und auch mit ihren Gebrechen Geduld haben soll; dieweil uns Gott durch ihre Hand regieren will.
HC Q105
Was wil Gott in dem sechsten gebot?

Dass ich meinen nechsten weder mit gedancken, noch mit worten oder geberden, viel weniger mit der that, durch mich selbst oder andere schmehen, hassen, beleidigen, oder tödten: sonder alle rachgirigkeit ablegen, auch mich selbst nit beschedigen, oder mutwillig in gefahr begeben sol. Darumb auch die Oberkeit, dem todschlag zu weren, das Schwert tregt.
[40]Was will Gott im sechsten Gebot?

Dass ich meinen Nächsten weder mit Gedanken, noch mit Worten oder Geberden viel weniger mit der That, durch mich selbst oder Andere schmähen, hassen, beleidigen oder tödten, sondern alle Rachgierigkeit ablegen, auch mich selbst nicht beschädigen oder muthwillig in Gefahr begeben soll; darum auch die Obrigkeit, den Todtschlag zu wehren, das Schwerdt trägt.
HC Q106
Redet doch diss gebot allein von tödten?

Es wil uns aber Gott durch verbietung des Todt[380]schlags lehren, dass er die wurtzel des todtschlags, als neid, hass, zorn, Rachgirigkeit, hasset, und das solches alles für im ein heimlicher todtschlag seye.
Redet doch dies Gebot allein vom Tödten?

Es will uns aber Gott durch Verbietung des Todschlages lehren, dass er die Wurzel des Todtschlages, als Neid, Hass, Zorn, Rachgierigkeit hasset, und dass solches Alles vor ihm ein heimlicher Todtschlag sei.
HC Q107
Ists aber damit gnug, dass wir unsern nechsten, wie gemelt, nit tödten?

Nein. Denn in dem Gott neid, hass und zorn verdamt: wil er von uns haben, dass wir unsern nechsten lieben als uns selbst, gegen im gedult, friede, sanfftmuth, barmhertzigkeit und freundligkeit erzeigen, seinen schaden, soviel uns möglich, abwenden, und auch unsern feinden guts thun.
Ist's aber damit genug, wenn wir unsern Nächsten, wie gemeldet, nicht tödten?

Nein; denn indem Gott Neid, Hass und Zorn verdammt, will er von uns haben, dass wir unsern Nächsten lieben als uns selbst, gegen ihn Geduld, Friede, Sanftmuth, Barmherzigkeit und Freundlichkeit erzeigen, seinen Schaden, so viel uns möglich ist, abwenden, und auch unsern Feinden Gutes thun.
HC Q108
Wass wil das siebende Gebot?

Dass alle unkeuscheit von Gott vermaledeiet sey, und dass wir darumb ir von hertzen feind sein, und keusch und züchtig leben sollen, es sey im heiligen Ehestandt oder ausserhalb desselben.
[41]Was will das siebente Gebot?

Dass alle Unkeuschkeit von Gott vermaledeiet sei, und dass wir darum ihr von Herzen feind sein und keusch und züchtig leben sollen, es sei im heiligen Ehestand oder außerhalb desselben.
HC Q109
Verbeut Gott in diesem gebot nichts mehr denn Ehebruch und dergleichen schanden?

Dieweil beyde unser leib und seel tempel des heiligen Geists sein, so wil er, dass wir sie beyde sauber und heilig bewaren. Verbeut derhalben alle unkeusche thaten, geberden, wort, gedancken, lust, und was den menschen darzu reitzen mag.
Verbietet Gott in diesem Gebot nichts mehr denn Ehebruch und dergleichen Schanden?

Dieweil beide, unser Leib und Seele, Tempel des heiligen Geistes sind, so will er, dass wir sie beide sauber und heilig bewahren; verbietet derhalben alle unkeusche Thaten, Geberden, Worte, Gedanken, Lust, und was den Menschen dazu reizen mag.
HC Q110
[382]Was verbeut Gott im achten Gebot?

Er verbeut nicht allein den diebstal und rauberey, welche die Oberkeit strafft: sonder Gott nennet auch diebstal alle böse stück und anschlege, damit wir unsers nechsten gut gedencken an uns zu bringen, es sey mit gewalt oder schein des rechtens: als unrechtem gewicht, Elln, mass, wahre, müntz, wucher, oder durch einiges mittel, das von Gott verbotten ist: Darzu auch allen geitz, und unnütze verschwendung seiner gaben.
Was verbietet Gott im achten Gebot?

Er verbietet nicht allein den Diebstahl und Räuberei, welche die Obrigkeit straft; sondern Gott nennet auch Diebstahl alle böse Stücke und Anschläge, damit wir unsers Nächsten Gut gedenken an uns zu bringen, es sei mit Gewalt oder Schein des Rechten, als unrechtem Gewicht, Ellen, Maß, Waare, Münze, Wucher, oder durch einiges Mittel, das von Gott verboten ist, dazu auch allen Geiz und unnütze Verschwendung seiner Gaben.
HC Q111
Was gebeut dir aber Gott in diesem Gebot?

Dass ich meines nechsten nutz, wo ich kan und mag, fürdere, gegen im also handle, wie ich wolte dass man mit mir handlete, und trewlich arbeite, auff dass ich dem dürfftigen in seiner noth helffen mög.
Was gebietet aber Gott in diesem Gebot?

Dass ich meines Nächsten Nutzen, wo ich kann und mag, fördere, gegen ihn also handele, wie ich [42]wollte, dass man mit mir handelte, und treulich arbeite, auf dass ich dem Dürftigen in seiner Noth helfen möge.
HC Q112
Was wil das neund gebot?

Das ich wider niemand falsche zeugnuss gebe, niemand seine wort verkere, kein affterreder und lesterer seie, Niemand unverhört, und leichtlich verdammen helffe: sonder allerley liegen und triegen, als eigene werck des Teufels, bey schwerem Gottes zorn vermeide, In gerichts und allen andern handlungen die warheit liebe, auffrichtig sage und [384]bekenne, auch meines nechsten ehre und glimpff nach meinem vermögen rette und fürdere.
Was will das neunte Gebot?

Dass ich wider Niemand falsches Zeugnis gebe, Niemand seine Worte verkehre, kein Afterredner und Lästerer sei, Niemand unverhört und leichtlich verdammen helfe; sondern allerlei Lügen und Trügen, als eigene Werke des Teufels, bei schwerem Gottes Zorn vermeide, in Gerichts- und allen anderen Handlungen die Wahrheit liebe, aufrichtig sage und bekenne, auch meines Nächsten Ehre und Glimpf nach meinem Vermögen rette und fördere.
HC Q113
Was wil das zehend Gebot?

Dass auch die geringste lust oder gedancken wider irgend ein gebot Gottes, in unser hertz nimmermehr komen: sonder wir für und für von gantzem hertzen aller sünde feind sein, und lust zu aller gerechtigkeit haben sollen.
Was will das zehnte Gebot?

Dass auch die geringste Lust oder Gedanken wider irgend ein Gebot Gottes in unser Herz nimmermehr kommen soll; sondern wir für und für von ganzem Herzen aller Sünde feind sein, und Lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen.
HC Q114
Können aber die zu Gott bekeret sind, solche gebot volkömlich halten?

Nein: sondern es haben auch die allerheiligsten, so lang sie in diesem leben sind, nur einen geringen anfang dieses gehorsams: doch also, dass sie mit ernstlichem fürsatz nicht allein nach etlichen, sonder nach allen gebotten Gottes anfangen zuleben.
Können aber die zu Gott bekehret sind, solche Gebote vollkömmlich halten?

Nein; sondern es haben auch die Allerheiligsten, so lange sie in diesem Leben sind, nur einen geringen Anfang dieses Gehorsams, doch also, dass sie mit [43]ernstlichem Vorsatz nicht allein nach etlichen, sondern nach allen Geboten Gottes anfangen zu leben.
HC Q115
Warumb lest uns denn Gott also scharff die zehen Gebot predigen, weil sie in diesem leben niemand halten kan?

Erstlich auff das wir unser gantzes lebenlang unser sündliche art je lenger je mehr erkennen, und soviel desto begiriger vergebung der sünden und gerechtigkeit in Christo suchen. Darnach das wir one [386]underlass uns befleissen, und Gott bitten umb die gnade des heiligen Geists, dass wir je lenger je mehr zu dem ebenbild Gottes ernewert werden, biss wir das ziel der volkommenheit nach diesem leben erreichen.
Warum lässt uns denn Gott also scharf die zehn Gebote predigen, weil sie in diesem Leben Niemand halten kann?

Erstlich, auf dass wir unser ganzes Lebenlang unsere sündliche Art je länger je mehr erkennen, und so viel desto begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christo suchen; darnach, dass wir ohne Unterlass uns befleißigen, und Gott bitten um die Gnade des heiligen Geistes, dass wir je länger je mehr zu dem Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir das Ziel der Vollkommenheit nach diesem Leben erreichen.
HC Q116
Warumb ist den Christen das gebet nötig?

Darumb
dass es das fürnembste stück der danckbarkeit ist, welche Gott von uns erfordert, Und dass Gott seine gnade und heiligen Geist allen denen wil geben, die in mit hertzlichem seufftzen one underlass darumb bitten, und im darfür dancken.
Warum ist den Christen das Gebet nöthig?

Darum
, dass es das vornehmste Stück der Dankbarkeit ist, welches Gott von uns fordert, und dass Gott seine Gnade und heiligen Geist allein Denen will geben, die ihn mit herzlichem Seufzen ohne Unterlass darum bitten und ihm dafür danken.
HC Q117
Was gehöret zu einem solchen gebet das Gott gefalle, und vom im erhöret werde?

Erstlich dass wir allein den einigen waren Gott, der sich uns in seinem wort hat offenbaret, umb alles dass er uns zu bitten befohlen hat, von hertzen anruffen. Zum andern dass wir unsere noht und elend recht gründlich erkennen, uns für dem angesicht seiner Maiestet zu demütigen. Zum dritten, dass wir diesen festen grund haben, dass er unser gebet, unangesehen dass wirs unwirdig seind, doch umb des HERRN Christi willen gewisslich wölle erhören, wie er uns in seinem wort verheissen hat.
Was gehört zu einem solchen Gebet, das Gott gefalle und von ihm erhöret werde?

Dass wir allein den einigen wahren Gott, der sich uns in seinen Wort hat geoffenbaret, um Alles, [44]das er uns zu bitten befohlen hat, von Herzen anrufen; zum andern, dass wir unsere Noth und Elend recht gründlich erkennen, uns vor dem Angesicht seiner Majestät zu demüthigen; zum dritten, dass wir diesen festen Grund haben, dass er unser Gebet, unangesehen, dass wir es unwürdig sind, doch um des Herrn Christi willen gewisslich wolle erhören, wie er uns in seinem Wort verheißen hat.
HC Q118
[388]Was hat uns Gott befohlen von im zu bitten?

Alle geistlichen und leiblichen notdurfft, welche der HERR Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
Was hat uns Gott befohlen von ihm zu bitten?

Alle geistliche und leibliche Nothdurft, welche der Herr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
HC Q119
Wie lautet dasselbe?

Unser Vater der du bist in himmeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein wil geschehe, auff erden wie im himmel. Unser teglich brod gib uns heut. Und vergib uns unser schult, als auch wir vergeben unsern schuldigern. Und füre uns nicht in versuchung, sonder erlöse uns von bösen. Denn dein ist das reich, und die krafft, und die herrligkeit in ewigkeit, Amen.
Wie lautet dasselbige?

Unser Vater, der du bist in den Himmeln. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel. Unser täglich Brod gieb uns heute. Und vergieb uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung; sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.
HC Q120
Warumb hat uns Christus befohlen Gott also anzureden, Unser Vater?

Dass er gleich im anfang unsers gebets in uns erwecke die kindliche furcht und zuversicht gegen Gott, welche der grund unsers gebets sol sein: Nemlich, dass Gott unser Vater durch Christum worden sey, und wolle uns viel weniger versagen, warumb wir in im glauben bitten, denn unsere Vater uns irdische ding abschlagen.
Warum hat uns Christus befohlen, Gott also anzureden: Unser Vater?

Dass er gleich im Anfang unsers Gebets in uns erwecke die kindliche Furcht und Zuversicht gegen Gott, [45]welche der Grund unsers Gebets sein soll: nämlich, dass Gott unser Vater durch Christum worden sei, und wolle uns vielweniger versagen, warum wir ihn im Glauben bitten, denn unsere Väter uns irdische Dinge abschlagen.
HC Q121
Warumb wird hinzugethan, Der du bist in himmeln?

[390]Auff dass wir von der himlischen Maiestet Gottes nichts irdisch gedencken, und von seiner almechtigkeit alle notdurfft leibs und der seelen gewarten.
Warum wird hinzugethan: Der du bist in den Himmeln?

Auf dass wir von der himmlischen Majestät Gottes nichts Irdisches gedenken, und von seiner Allmächtigkeit alle Nothdurft Leibes und der Seele gewarten.
HC Q122
Was ist die erste Bitt?

Geheiliget werde dein name, das ist, gib uns erstlich dass wir dich recht erkennen, und dich in allen deinen wercken, in welchen leuchtet deine allmechtigkeit, weissheit, güte, gerechtigkeit, barmhertzigkeit und warheit, heiligen, rhümen und preisen. Darnach auch dass wir unser gantzes leben, gedancken, wort und werck dahin richten, dass dein Name umb unsert willen nit gelestert, sonder geehret und gepriesen werde.
Was ist die erste Bitte?

Geheiliget werde dein Name; das ist: Gieb uns erstlich, dass wir dich recht erkennen, und dich in allen deinen Werken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit, heiligen, rühmen und preisen; darnach auch, dass wir unser ganzes Leben Gedanken, Worte und Werke dahin richten, dass dein Name um unsertwillen nicht gelästert, sondern geehrt und gepriesen werde.
HC Q123
Was ist die ander Bitt?

Zukom
dein Reich, das ist, Regiere uns also durch dein wort und geist, dass wir uns dir je lenger je mehr underwerffen: erhalt und mehre deine kirchen, und zerstöre die werck des Teuffels, und allen gewalt der sich wider dich erhebt, und alle böse rahtschlege, die wider dein heiliges wort erdacht werden, biss die volkommenheit deines Reichs hertzu komme, darin du wirst alles in allen sein.
Was ist die andere Bitte?

Zu uns komme
dein Reich; das ist: Regiere uns also durch dein Wort und Geist, dass wir uns dir je länger je mehr unterwerfen; erhalte und [46]mehre deine Kirche, und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich wider dich erhebt, und alle bösen Rathschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden, bis die Vollkommenheit deines Reichs herzu komme, darin du wirst Alles in Allem sein.
HC Q124
Was ist die dritte Bitt?

Dein Wil geschehe auff erden wie im himmel, das [392]ist, verleihe dass wir und alle menschen unserm eigenen willen absagen, und deinem allein guten willen one alles widersprechen gehorchen, dass also jederman sein ampt und beruff so willig und trewlich aussrichte, wie die Engel im himmel.
Was ist die dritte Bitte?

Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel; das ist: Verleihe, dass wir und alle Menschen unserm eigenen Willen absagen, und deinem allein guten Willen ohne alles Widersprechen gehorchen, dass also Jedermann sein Amt und Beruf so willig und treulich ausrichte, wie die Engel im Himmel.
HC Q125
Was ist die vierde Bitt?

Gib
uns heut unser teglich brod, das ist, wollest uns mit aller leiblichen notdurfft versorgen, auff dass wir dardurch erkennen, dass du der einig ursprung alles guten bist, und dass one deinen segen, weder unsere sorgen und arbeit, noch deine gaben uns gedeien, und wir derhalben unser vertrawen von allen Creaturen abziehen, und allien auff dich setzen.
Was ist die vierte Bitte?

Gieb
uns heute unser täglich Brod; das ist: Wollest uns mit aller leiblichen Nothdurft versorgen, auf dass wir dadurch erkennen, dass du der einige Ursprung alles Guten bist, und dass ohne deinen Segen weder unsere Sorgen und Arbeit, noch deine Gaben uns gedeihen, und wir derhalben unser Vertrauen von allen Kreaturen abziehen und allein auf dich setzen.
HC Q126
Was ist die fünffte Bitt?

Vergib
uns unsere schuld, als auch wir vergeben unsern schuldigern, das ist, wollest uns armen sündern alle unsere missethat, aach das böse, so uns noch immerdar anhenget umb des bluts Christi willen nit zurechnen, wie auch wir diss zeugnuss deiner gnad in uns befinden, dass unser gantzer fürsatz ist, unserm nechsten von hertzen zuverzeihen.
[47]Was ist die fünfte Bitte?

Vergieb
uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern; das ist: Wollest uns armen Sündern alle unsere Missethaten, auch das Böse, so uns noch immerdar anhänget, um des Blutes Christi willen nicht zurechnen, wie auch wir das Zeugnis deiner Gnade in uns befinden, dass unser ganzer Vorsatz ist, unserm Nächsten von Herzen zu verzeihen.
HC Q127
Was ist die sechste Bitt?

Und für uns nit in versuchung, sonder erlöse uns [394]vom bösen, das ist, dieweil wir auss uns selbst so schwach sein, dass wir nit einen augenblick bestehen können, und darzu unsere abgesagte feind, der Teufel, die welt, und unser eigen fleisch, nit auffhören uns anzufechten: so wollest uns erhalten und stercken durch die krafft deines heiligen Geistes, auff das wir inen mögen festen widerstand thun, und in diesem geistlichen streit nit unden ligen, biss dass wir entlich den sieg volkomlich behalten.
Was ist die sechste Bitte?

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen; das ist: Dieweil wir aus uns selbst so schwach sind, dass wir nicht einen Augenblick bestehen können, und dazu unsere abgesagten Feinde, der Teufel, die Welt, und unser eigen Fleisch, nicht aufhören uns anzufechten: so wollest du uns erhalten und stärken durch die Kraft deines heiligen Geistes, auf dass wir ihnen mögen festen Widerstand thun und in diesem geistlichen Streit nicht unterliegen, bis dass wir endlich den Sieg vollkömmlich behalten.
HC Q128
Wie beschleust du diss Gebet?

Denn dein ist das Reich, die krafft, und die herrligkeit in ewigkeit, das ist, Solchs alles bitten wir darumb von dir, dass du als unser König, und aller ding mechtig, uns alles guts geben wilst, und kanst, und dass dadurch nicht wir, sonder dein heiliger Name ewig sol gepriesen werden.
Wie beschließest du dieses Gebet?

Denn dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit; das ist: Solches bitten wir Alles darum von dir, dass [48]du als unser König und aller Dinge mächtig, uns alles Gute geben willst und kannst, und dass dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig soll gepriesen werden.
HC Q129
Was bedeut das wörtlein, Amen?

Amen heist, das sol war und gewiss sein. Denn mein gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, denn ich in meinem hertzen füle, dass ich solches von ihm begere.
Was heißt das Wörtlein Amen?

Amen heißt: Das soll wahr und gewiss sein; denn mein Gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, als ich in meinem Herzen fühle, dass ich solches von ihm begehre.